John Rawls: Eine Theorie der Gerechtigkeit - Bianca Alle - E-Book

John Rawls: Eine Theorie der Gerechtigkeit E-Book

Bianca Alle

0,0
16,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Studienarbeit aus dem Jahr 2010 im Fachbereich BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik, Note: 1,3, Universität Hohenheim, Sprache: Deutsch, Abstract: Der Begriff der Gerechtigkeit gilt allgemein als schwer definierbar. Jeder Mensch hat zwar ein Verständnis dafür, was Gerechtigkeit ungefähr ausmacht. Jedoch wird es dann schwer, wenn beurteilt werden muss welche Situation als gerecht oder ungerecht eingestuft werden soll und welche Regeln dieses Verständnis für Gerechtigkeit definieren. Historisch gesehen stammt der Begriff der Gerechtigkeit von der Übereinstimmung des geltenden Rechtes. Gerechtigkeit bestimmt somit die Justiz und wird im Umkehrschluss von dieser bestimmt. Trotz ihrer engen Beziehung zum Recht wird der Gerechtigkeit heute eine viel tiefergehende, moralische Bedeutung zugeschrieben. So fordert sie objektiv gesehen nicht nur eine Richtigkeit des Rechts, sondern bestimmt auch subjektiv die Rechtschaffenheit und somit die Leitziele menschlicher und moralischer Sehnsüchte und Forderungen (HÖFFE, 2004, S. 9). Innerhalb des Rechtes gerecht zu handeln, beinhaltet auch jeden Menschen als gleich anzusehen. So trägt die in der Kunst dargestellte Göttin Justitia eine Augenbinde, um diese Unparteilichkeit bildlich zum Ausdruck zu bringen (Ebd., S. 11). Diese Auffassung von Gerechtigkeit kann auch auf die Grundlage der Gerechtigkeit Gottes zurückgeführt werden. So bringt die Bibel zum Ausdruck „Gott ist Gerecht“ oder nennt Jesus Christus „den Gerechten“. Diese Verantwortung Gottes führt das deutsche Grundgesetz als Gerechtigkeit der Menschen untereinander weiter, indem es erklärt: (...) Trotz dieser historischen, biblischen und politische Auffassungen ist vor allem die Ethik oft der Ansicht, dass diese rechtlichen, aber auch moralischen, Maßstäbe in der Realität, vor allem in der Bewertung sozialer Verhältnisse, nicht immer gerecht, ohne jemanden zu benachteiligen oder zu bevorzugen, zum Ausdruck kommen. So hindern egoistische und auch materielle Interessen oder auch das Streben nach Macht die Menschen daran gerecht und in ihrer Verantwortung füreinander zu handeln. (...) Doch trotz aller Verstöße gegen die Prinzipien der Gerechtigkeitsauffassung, hilft es nicht Moral zu predigen. Es bedarf einer konkreten, durchdachten Lösung, eines Vorschlags, wie diese Ungerechtigkeit beseitigt, oder zu mindestens gelindert, werden kann. Die „Theorie der Gerechtigkeit“ von JOHN RAWLS stellt dabei einen durchaus zu durchdenkenden Vorschlag, eine Theorie, dar, wie mit Gerechtigkeit umgegangen werden könnte. Auf die Grenzen der RAWLSschen Konzeption soll in dieser Arbeit erst am Schluss eingegangen werden.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2011

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhaltsverzeichnis

 

1    Einleitung

1.1        Annäherung an den Begriff „Gerechtigkeit“

1.2        Die Person JOHN RAWLS

2    Die Theorie der Gerechtigkeit

2.1        Gerechtigkeit als Fairness

2.2        Die beiden Grundsätze der Gerechtigkeit

2.3        Der Urzustand

2.3.1               Die Maximin-Regel

2.3.2               Das Überlegungsgleichgewicht

2.3.3               Verschiedene Möglichkeiten im Urzustand

3    Vergleich mit der utilitaristischen Philosophie

4    Kritik an JOHN RAWLS‘ Theorie der Gerechtigkeit

Literaturverzeichnis

1                 Einleitung

 

1.1           Annäherung an den Begriff „Gerechtigkeit“

 

Der Begriff der Gerechtigkeit gilt allgemein als schwer definierbar. Jeder Mensch hat zwar ein Verständnis dafür, was Gerechtigkeit ungefähr ausmacht. Jedoch wird es dann schwer, wenn beurteilt werden muss welche Situation als gerecht oder ungerecht eingestuft werden soll und welche Regeln dieses Verständnis für Gerechtigkeit definieren. Historisch gesehen stammt der Begriff der Gerechtigkeit von der Übereinstimmung des geltenden Rechtes. Gerechtigkeit bestimmt somit die Justiz und wird im Umkehrschluss von dieser bestimmt. Trotz ihrer engen Beziehung zum Recht wird der Gerechtigkeit heute eine viel tiefergehende, moralische Bedeutung zugeschrieben. So fordert sie objektiv gesehen nicht nur eine Richtigkeit des Rechts, sondern bestimmt auch subjektiv die Rechtschaffenheit und somit die Leitziele menschlicher und moralischer Sehnsüchte und Forderungen (HÖFFE, 2004, S. 9).

 

Innerhalb des Rechtes gerecht zu handeln, beinhaltet auch jeden Menschen als gleich anzusehen. So trägt die in der Kunst dargestellte Göttin Justitia eine Augenbinde, um diese Unparteilichkeit bildlich zum Ausdruck zu bringen (Ebd., S. 11). Diese Auffassung von Gerechtigkeit kann auch auf die Grundlage der Gerechtigkeit Gottes zurückgeführt werden. So bringt die Bibel zum Ausdruck „Gott ist Gerecht“ oder nennt Jesus Christus „den Gerechten“. Diese Verantwortung Gottes führt das deutsche Grundgesetz als Gerechtigkeit der Menschen untereinander weiter, indem es erklärt: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“ (Art. 3, Abs. 1 GG), „Männer und Frauen sind gleichberechtigt [..]“ (Art. 3, Abs. 2 GG), sowie „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ (Art. 3, Abs. 3 GG).

 

Trotz dieser historischen, biblischen und politische Auffassungen ist vor allem die Ethik oft der Ansicht, dass diese rechtlichen, aber auch moralischen, Maßstäbe in der Realität, vor allem in der Bewertung sozialer Verhältnisse, nicht immer gerecht, ohne jemanden zu benachteiligen oder zu bevorzugen, zum Ausdruck kommen. So hindern egoistische und auch materielle Interessen oder auch das Streben nach Macht die Menschen daran gerecht und in ihrer Verantwortung füreinander zu handeln.

 

Ein gutes, anschauliches und leider immer noch aktuelles Beispiel ist die Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Wenn Studien belegen, dass Männer in denselben Positionen für dieselbe Arbeit (!) rund 23 % mehr verdienen als Frauen (Statistisches Bundesamt, 2008, Pressemitteilung Nr. 427[1]), dann frage ich mich, wo denn da die Gerechtigkeit bleibt - oder zumindest eine Rechtfertigung!? Oder auch wenn trotz einer herabgepredigten angeblich existierenden Chancengleichheit oder –Gerechtigkeit, Menschen aufgrund ihres Geschlechtes, ihres Alters oder ihrer sozialen Herkunft diskriminiert werden und somit nicht die gleichen Bildungs- oder Lebenschancen erhalten, wie andere.

 

An dieser Stelle könnten etliche Formen der Gerechtigkeit, wie die juristische, die soziale, die Generationen- oder Umverteilungsgerechtigkeit angeprangert werden. Doch trotz aller Verstöße gegen die Prinzipien der Gerechtigkeitsauffassung, hilft es nicht Moral zu predigen. Es bedarf einer konkreten, durchdachten Lösung, eines Vorschlags, wie diese Ungerechtigkeit beseitigt, oder zu mindestens gelindert, werden kann. Die „Theorie der Gerechtigkeit“ von JOHN RAWLS stellt dabei einen durchaus zu durchdenkenden Vorschlag, eine Theorie, dar, wie mit Gerechtigkeit umgegangen werden könnte. Auf die Grenzen der RAWLSschen Konzeption soll in dieser Arbeit erst am Schluss eingegangen werden.

 

„[..] denn wenn die Gerechtigkeit untergeht, so hat es keinen Werth mehr, daß Menschen auf Erden leben“

(KANT, 1979, zit. nach SCHRAMM, 2004)

 

1.2                           Die Person JOHN RAWLS

 

JOHN BORDEN (Bordley) RAWLS wurde am 21. Februar 1921 in Baltimore (Bundesstaat Maryland) als zweiter von fünf Söhnen des Ehepaars William Lee und Anna Abell Rawls geboren (POGGE, 1994, S. 11). Es wird vermutet, dass sein Interesse an der Philosophie schon in seiner frühen Jugend geprägt wurde, als zwei seiner Brüder an der Infektionskrankheit Diphterie, an welcher er selbst ebenfalls erkrankt war, starben. Auch sein Gerechtigkeitssinn wird oft darin begründet, dass er bereits in seiner Kindheit von seiner Mutter, welche sich öffentlich für das Recht der Frauen engagierte, beeinflusst wurde. Darüber hinaus galt seine Heimatstadt Baltimore bereits zu seiner Zeit als eine Region mit einem hohen Anteil afroamerikanischer Einwohner. RAWLS wurde somit  schon früh mit den von Rassismus und Ungerechtigkeit geprägten Lebensumständen afroamerikanischer Bürger konfrontiert. Nicht zuletzt da es seine Eltern nicht gerne sahen, wenn er mit „schwarzen“ Kindern spielte oder diese sogar zu sich nach Hause einlud (Ebd., S. 14). In seinen später veröffentlichen Werken gibt er an verschiedene „eingeborene“ Spielkameraden gehabt zu haben und beschreibt, dass er sich schon früh des „Privilegs“ bewusst wurde mit weißer Hautfarbe und den damit verbundenen Bildungsmöglichkeiten und weitaus besseren Lebenschancen geboren zu sein. Nicht nur seine Hautfarbe, sondern auch der finanziell recht gut bestellte Stand seiner Eltern ermöglichte es ihm später Philosophie an der Princeton University zu studieren (Ebd., S. 15). [2]