John Sinclair 1081 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair 1081 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!

Die Mutprobe.

Drei Studenten - eine Frau und zwei Männer - wollten sich einen besonderen Kick geben. Einmal Nachts auf dem Friedhof neben dem Grab eines verfluchten Hexenjägers Wache halten. Die Mutprobe war wirklich nur als gruseliger Spaß gedacht. Dann wurde es ernst, denn der alte Hexenjäger war nicht tot. Auch er hatte noch eine Rechnung beim Teufel zu begleichen. Bezahlen wollte er sie mit dem Leben der Studenten.

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Seitenzahl: 147

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumDie MutprobeVorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Die Mutprobe

Drei Studenten – eine Frau und zwei Männer – wollten sich einen besonderen Kick geben. Einmal Nachts auf dem Friedhof neben dem Grab eines verfluchten Hexenjägers Wache halten. Die Mutprobe war wirklich nur als gruseliger Spaß gedacht. Dann wurde es ernst, denn der alte Hexenjäger war nicht tot. Auch er hatte noch eine Rechnung beim Teufel zu begleichen. Bezahlen wollte er sie mit dem Leben der Studenten.

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-3814-7

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Die Mutprobe

Die getigerte Katze versuchte noch, durch einen Sprung zu entkommen, aber das Messer war schneller. Von der Seite her huschte die blanke Klinge durch die Luft und hieb hinein in den Katzenkörper. Wie aufgespießt hing der zuckende Körper auf dem Stahl, bis der Mann seine Hand drehte.

Er lachte widerlich auf, als das gepeinigte Tier einen letzten jammervollen Laut ausstieß. Dann schleuderte er den toten Körper weg wie Abfall.

Zuerst das Tier, dann der Mensch! So lautete der Befehl. Mike Warner hatte das Tier getötet. Es fehlte der Mensch. Aber die Nacht war lang und vor allen Dingen dunkel.

Warner kicherte, als er daran dachte. In seinen Augen lag ein wilder Glanz. Die Katze hatte er in eine Hecke geschleudert, hinter der er saß und abwartete. Erst später würde er zum Haus schleichen und die alte Vettel, die dort lebte, umbringen.

Er säuberte das Messer, indem er die Klinge über den Boden strich und dachte über den Begriff Vettel nach. Früher hatte er ihn nicht gekannt. Heute allerdings wusste er, was er bedeutete. Er stammte noch aus der Vergangenheit. Alte Frauen, die nicht unbedingt ladylike aussahen, wurden so genannt.

Das Messer war gut. Sehr praktisch. Es würde auch die Vettel töten, und damit waren die Dinge dann in die Reihe gebracht worden. Da hatte er die Mutprobe bestanden.

Mike Warner war noch jung. Knapp über Zwanzig. Ein Student, der tagsüber ein völlig normales Leben führte. Das war auch in der Nacht so gewesen, bis zu dem Zeitpunkt, als er und seine Freunde auf die Idee gekommen waren, den alten Friedhof zu besuchen. Ja, dieses Gelände, vor dem sich die Menschen fürchteten, weil dort jemand begraben lag, über den man ungern redete. Aber es war auch etwas Besonderes, den Friedhof zu betreten, in der Nacht, zur großen Mutprobe.

Mike setzte sich hin. Der Rasen war weich und die Erde gar nicht kalt. Eine wunderschöne Septembernacht, ohne Nebel, Regen oder andere Störungen.

Eine Nacht zum Träumen.

Auch Mike Warner träumte.

Er schloss die Augen, ohne zu schlafen. Er musste sich diesen kurzen Augenblick einfach gönnen und sich mit dem befassen, was einmal gewesen war. Seine Gedanken glitten zurück in die nahe Vergangenheit, und bis zu dem Punkt hin, an dem alles begonnen hatte …

*

Das Zimmer war klein wie auch die anderen Räume des Hauses. Und es war nicht nur mit Möbeln vollgestellt, sondern auch mit ausgestopften Tieren, wie Hasen, einem Fuchs, einem Vogel, der auf einem an der Wand hängenden Brett stand, und einer Katze, die ihren Platz mitten auf dem runden Tisch gefunden hatte.

Eine zu warme Luft fächerte Suko und mir entgegen. Zwar war eines der kleinen Fenster spaltbreit geöffnet worden, aber die Zufuhr von Frischluft hielt sich trotzdem in Grenzen.

In der Ecke stand eine alte Stehlampe mit einem zu großen Schirm. Er sah aus wie aus gelblicher Haut gefertigt und zeigte bräunliche Einschlüsse, die das sowieso nicht eben starke Licht noch schwächer machten.

Milena Kovac hatte darauf bestanden, dass nur diese eine Lampe brannte. Das war immer so, und das sollte auch in dieser Nacht so bleiben.

Der frischeste war ich nicht. Mir hing noch immer der Fall in Deutschland in den Knochen, der zwar kurz, dafür aber sehr heftig gewesen war. Dagmar Hansen und mir war es gelungen, unseren Freund Harry Stahl aus einem dämonisch angehauchten Wald zu befreien, in dem eine gewisse Anena das Regiment geführt hatte, unterstützt von Mandragoro, einem Umwelt-Dämon. Harry hatte es überlebt. Er war allerdings angeschossen worden und lag nun in einem Kölner Krankenhaus, um die Schusswunde im Oberschenkel ausheilen zu lassen.1

Ich hatte mit Dagmar Hansen schon gesprochen und mich nach Harry erkundigt. Er war gerade noch rechtzeitig unters Messer gekommen, sonst hätte es böse für ihn ausgesehen, denn die Wunde war immer schlimmer geworden. Sie hatte schon angefangen zu eitern, und auch das Fleisch hatte sich an den Wundrändern bereits verfärbt.

Anena, die sich selbst als Hexe angesehen hatte, war zu einem Fisch geworden und hatte geschwiegen. Sie war nicht mehr mein Problem, denn um sie würde sich Dagmar Hansen kümmern und sicherlich auch Harry Stahl, wenn er dazu in der Lage war.

Zum Ausruhen war ich nicht gekommen, denn Suko hatte mich mit aufs Land geschleift. Zu dieser Milena Kovac, einer seltsamen Frau, die vor Jahren aus Tschechien eingewandert war und sich in der Einsamkeit niedergelassen hatte.

Ich gähnte.

»Müde?« fragte Suko.

»Nicht mehr als sonst.«

Er lachte. »Und was tust du in der Nacht?«

»Da sitze ich herum, wache und denke daran, wie schön es doch wäre, jetzt im Bett zu liegen und zu schlafen. Aber das wird wohl leider ein Traum bleiben.«

»Zumindest heute.«

»Weißt du, wie meine letzte Nacht ausgesehen hat? Ich hatte ja eigentlich nach London fliegen wollen, aber die Maschine war besetzt gewesen. Ich habe dann so gut wie nicht geschlafen, mich noch mit den deutschen Behörden herumgeschlagen, wobei ich froh sein konnte, Dagmar Hansen an meiner Seite gehabt zu haben, die alles auf sich nahm, und dann ist mir kaum Zeit geblieben, um die Augen zu schließen.«

»Habt ihr geschluckt?«

Ich tippte gegen meine Stirn. »Hirnie. Im Krankenhaus, wie?«

»Hätte ja sein können.«

»Vergiss es.«

In der offenen Tür erschien eine kleine, rundliche Gestalt, die ihr Haar hochgekämmt und dann zu einem Dutt zusammengeknotet hatte. Es war Milena Kovac, die starken Kaffee und auch Tee zubereitet hatte. Die beiden Kannen und die Tassen standen auf einem Tablett, das sie vorsichtig auf den runden Tisch stellte, und zwar so, dass die Augen der ausgestopften Katze das Geschirr funkelnd anglotzten.

»Das ist aber nett von Ihnen«, sagte Suko, »dass Sie sich diese Mühe mit uns machen.«

»Ich bitte Sie. Dazu fühle ich mich verpflichtet. Schließlich sind Sie gekommen, und dann noch zu zweit. Das rechne ich mir wirklich als eine große Ehre an.« Sie sprach schnell, fast ohne Luft zu holen, aber auch leise. Ihr Gesicht erinnerte mich an einen großen Apfel, der alt geworden war und Runzeln bekommen hatte. Das kleine Kinn stand trotzig vor, die Wangen zuckten immer dann, wenn sie lächelte, und ihr Alter schätzte ich auf gute Siebzig.

Es stimmte, wir waren zu zweit gekommen. Ich hatte Sukos Drängen nachgegeben, denn er war es gewesen, der diesen Fall praktisch angerissen hatte.

Als der Tee und der Kaffee in die Tassen gefüllt worden war, stellte ich der Frau eine Frage: »Und Sie sind sicher, dass in dieser Nacht etwas passieren wird?«

»Ja, das bin ich. Sonst hätte ich Ihnen nicht Bescheid gegeben. Ich weiß ja, wer Sie sind. Es spricht sich eben herum, wenn man so lange im Geschäft ist wie Sie beide. Da weiß man als aufmerksamer Mensch schon, an wen man sich zu wenden hat. Das können Sie mir glauben. Sie sitzen nicht zum Spaß hier, obwohl Sie anders denken, Mr. Sinclair.«

»Ich? Wie kommen Sie darauf?«

»Das spüre ich.«

Ich hob die Schultern an. »Nun ja, ich bin eben ein Mensch, der immer etwas Konkretes braucht, wenn Sie verstehen. Bisher ist ja nichts passiert, denke ich.«

»Da haben Sie recht. Aber es wird etwas passieren. Das Böse ist unterwegs. Es hat gemerkt, dass ich ihm auf die Spur gekommen bin.« Sie drehte Suko den Kopf zu. »Stimmt es?«

Mein Freund, der soeben einen Schluck Tee getrunken hatte, ließ die Tasse langsam sinken. »Ja, das kann man sagen. Sie sind mir von einem Bekannten empfohlen worden.«

Ich musste innerlich grinsen. Bekannter war gut. Einer von Sukos zahlreichen »Vettern« hatte ihn auf die Spur der Frau gebracht. Milena war jemand, die mit diesem Vetter zusammenarbeitete. Beide bewegten sich dabei auf einem Gebiet mit schwankendem Boden, denn sie verdienten ihr Geld als Zukunftsseher und als Menschen, die so etwas wie lebende Wünschelruten waren, weil sie herausfinden konnten, wo sich das Böse verborgen hielt. Da musste Milena etwas Urböses gefunden haben, das sich immer mehr vordrängte. Auf ihre Weise hatte sie schon Kontakt zu ihm gehabt und unter großen Angstzuständen gelitten. Sie wusste, dass etwas unterwegs war, und sie wusste auch, dass dieses Böse sie gefunden hatte. Um es im Klartext zu sagen: sie fürchtete um ihr Leben und wollte es schützen, indem sie uns quasi als Leibwächter engagiert hatte.

Wenn Suko von einem seiner Landsleute dermaßen intensiv angesprochen wurde, dann konnte er sich den Wünschen nicht entziehen. Er hatte es auch geschafft, mich mitzunehmen, und so warteten wir darauf, dass sich in dieser Nacht das Böse zeigte – wie immer es auch aussehen mochte.

Milena Kovac lebte südöstlich von London in einer einsamen Gegend, die zur Provinz West Sussex gehörte. Hier gab es keine größeren Städte, nur Landschaft, in der man sich auch erholen konnte. Das alte Haus, mehr schon eine Kate, hatte sie günstig erworben, und es passte auch zu ihr. Es duckte sich zur Straße hin in eine kleine Mulde hinein, sodass nur das Dach und ein Teil der oberen Etage von der Fahrbahn aus zu sehen waren. Eine weiße Steinmauer umgab das Grundstück, und die blieb auch weiß, denn sie wurde jedes Jahr frisch gestrichen. Ansonsten war noch ein verwilderter Garten vorhanden, hinter dem das Feld begann. Mehr hatten wir auch nicht gesehen, und es war auch nicht nötig, dass wir unsere Runden drehten.

So einsam Milena auch wohnen mochte, in gewissen Kreisen war sie schon bekannt. Sie hatte Kunden aus London, Brighton und anderen Städten. Sie kamen zu ihr, um sich beraten zu lassen. Ein Blick in die Zukunft vielleicht. Ein Tip, ob die Zeit gut für gewisse Geschäfte oder Bekanntschaften war, denn da war Milena Spitze. So jedenfalls hatte ich es von Suko gehört. Und der wiederum wusste es von seinen Vettern, und darauf verließ er sich.

Milena Kovac war sensitiv veranlagt. Laut ihrer Aussage spürte sie das Böse, wenn es sich in der Nähe aufhielt, und so hatte sie auch Suko geködert. Ihm war erklärt worden, dass sich etwas Böses näherte und bald ihr Haus erreicht haben würde. Natürlich konnte sie nicht sagen, was es war, doch laut ihrer Aussage waren die Strahlungen so immens, dass sie hätte schreien können.

Ich war da skeptisch. Hatte allerdings in den sauren Apfel gebissen und wollte nicht mehr kneifen. In kleinen Schlucken trank ich meinen Kaffee, während Milena auf einem gepolsterten Stuhl saß und die Hände auf ihre Oberschenkel gelegt hatte, die vom Rock des geblümten Kleides bedeckt wurden.

Sie schaute auf das Fenster. Die Augen hatte sie zu schmalen Schlitzen zusammengekniffen und war in sich selbst versunken. Als meine Tasse auf der Untertasse klirrte, als ich sie abstellte, zuckte die Frau zusammen und blickte mich an.

»Sorry«, sagte ich.

»Nein, Sie sollten sich nicht entschuldigen, Mr. Sinclair, wirklich nicht. Ich finde, dass Sie mich allmählich mit anderen Augen sehen sollten.«

»Mit welchen denn? Ich habe nur die beiden.«

Sie wollte den Spaß nicht verstehen und hob einen Zeigefinger. »Hören Sie auf zu spotten, Mr. Sinclair. Das ist kein Witz. Über das Böse macht man keine Scherze.«

»Wobei wir beim Thema wären, Mrs. Kovac.«

»Ach sagen Sie Milena.«

»Gut. Ich bleibe trotzdem bei meiner Aussage. Sie haben das Böse erwähnt. Das ist mir nach wie vor zu allgemein. Ich würde gern wissen, was tatsächlich dahintersteckt.«

»Ich auch«, gab sie zu. »Aber es ist nicht möglich. Tut mir leid. Ich weiß es selbst nicht genau. Sie wollen etwas Konkretes, das verstehe ich, aber ich kann Ihnen da noch nicht helfen. So leid es mir tut. Ich warte ja auch darauf. Es ist nur das Gefühl. Nein.« Sie schüttelte den Kopf. »Mittlerweile ist es eine Gewissheit. Das Böse ist dabei, wieder zurückzukehren. Das empfinde ich als so schlimm.«

»Und Sie kennen den Ort nicht, wo man es begraben oder versteckt hat?«

Milena zuckte die Achseln. »Nicht weit von hier«, sagte sie. »Da ich mir nicht sicher bin, möchte ich dazu auch nichts sagen und Sie womöglich auf eine falsche Fährte führen.«

»So kann man es wohl auch sehen.«

»Das muss man.«

Suko mischte sich ein. »Versuche, deine Unruhe in den Griff zu kriegen, John. Ich rechne fest damit, dass wir in den nächsten Stunden noch unsere Begegnung haben werden.«

Die nächsten Stunden konnten lang werden. Es war zwar noch nicht Mitternacht, aber die herbstliche Dunkelheit hatte sich bereits ausgebreitet. Ich dachte daran, dass an diesem 23. September der Tag ebenso lang war wie die Nacht und dass es danach abwärtsging. Da konnten wir uns auf die dunkle Jahreszeit einstellen.

Hier sitzen und warten, bis die Knochen lahm wurden, das wollte ich auch nicht. Deshalb stand ich auf. Ich sah, dass sich Suko drehte und mich fragend anschaute.

»Ich schaue mich nur um.«

»Draußen?«

»Könnte sein.«

»Aber bleiben Sie hier, bitte.«

»Schon gut, Milena, schon gut.« Suko lächelte der Frau zu und schenkte danach neuen Tee ein.

Ich musste mich ducken, um nicht gegen den Querbalken der Tür zu stoßen. Einen Schritt später stand ich in einem schmalen Flur. Es gab hier noch drei Türen. Eine führte in das Arbeitszimmer der Milena, eine andere in eine kleine Küche, und hinter der Dritten lag eine Toilette.

Oben war es dann enger. Hinter der Treppe gab es nur noch das Schlafzimmer sowie ein später eingebautes Bad. Das hatte uns Milena alles berichtet.

Zwei weitere Türen befanden sich ebenfalls im unteren Bereich. Eine führte zur Vorder-, die andere zur Rückseite.

Alles war hier auf engstem Raum zusammengepackt. Man konnte schon leicht Platzangst bekommen, und auch ich fühlte mich nicht gerade wohl. An den Wänden hingen vergilbte Bilder. Zeitungsausschnitte unter Glas, die über die Taten der Milena berichteten, und auf die sie sehr stolz war.

Ich hatte mich nach links gewandt, ging über den dunklen Teppich, und mein Ziel war eine kleine Leuchte, die rechts neben der Hintertür ihr Licht abgab.

Mein Körper wanderte auch als Schatten neben mir her. Die hintere Tür war nicht verschlossen, nur von innen verriegelt. Ich schob den Riegel zur Seite und öffnete das knarrende Etwas so weit, dass ich ins Freie schlüpfen konnte.

Viel änderte sich nicht. Abgesehen davon, dass es kühler war. Die Ruhe blieb. Wer hier wohnte, der ging entweder mit den Hühnern zu Bett oder hockte vor der Glotze.

Vor mir lag der Garten. Ein ziemlich verwildertes Gelände. Wenn ich den Kopf zu den Seiten hindrehte, sah ich auch weitere Häuser, die sich im Gelände verteilten. Sie sahen für mich aus wie dicke Klumpen, die sich von der dunklen Erde abhoben.

Der Himmel war wolkenlos. Ich sah die Pracht der Sterne und den Mond, der dabei war, sich in eine Sichel zu verwandeln.

Kein Nebel, kein Dunst. Nur die Dunkelheit. Irgendwo hinter mir fuhr ein Auto vorbei. Ich hörte das Geräusch wie ein fernes, leises Rauschen. Es war so gut wie windstill. Jedes Geräusch würde die Nacht an mich herantragen.

Milena Kovac hatte vom Bösen gesprochen, das unterwegs zu ihr war. Es war ihr nicht möglich gewesen, es zu konkretisieren, aber sie hatte mich neugierig gemacht.

So gut wie möglich suchte ich die Umgebung ab. Ich wollte früh genug erkennen, wenn sich etwas Fremdes näherte. Der alte Garten bot genügend Deckung. Vor der hellen Steinmauer breiteten sich Büsche aus, und es wuchs sogar eine wilde Hecke, die von niemand gestutzt wurde.

In der Nacht wirkt fast jeder Garten schaurig oder leicht unheimlich. Sogar der der Conollys. Hier fiel es mir besonders auf. Ich sah das Böse nicht, doch die intensiven Worte der Wahrsagerin verfehlten auch bei mir nicht die Wirkung.

Ich konnte mir vorstellen, dass sich irgendetwas in dieser dunklen Welt verborgen hielt. Einige Schritte ging ich noch vor. Ich fasste sogar mein Kreuz an und war dann etwas enttäuscht, dass es sich nicht »meldete«. So schlimm schien es nicht zu sein.

Nichts passierte.

Der Garten blieb wie ein ruhiger See vor mir liegen. Keine Stimme, kein Rascheln, weil auch der Wind eingeschlafen war, nur diese nächtliche Ruhe. Und ein sehr schwacher Lichtschein, der aus den Fenstern des Wohnzimmers sickerte, in dem Milena und Suko auf mich warteten.

Ein Blick auf die Uhr.

Noch eine Stunde bis zur Tageswende. Es gibt Geschichten, in denen steht, dass das Böse immer dann erscheint, wenn der alte Tag in den neuen hineingleitet. Wenn das hier zutreffen sollte, hatte ich noch eine Stunde Zeit.

Einen weiteren Spaziergang durch die Nacht verkniff ich mir und ging den Weg wieder zurück.

Zwei Augenpaare schauten mich erstaunt an, als ich über die Schwelle trat.