John Sinclair 1092 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair 1092 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!

Der Vampirengel (1. Teil).

Vampirin - Psychonautin - und Engel.

Drei Personen in einer, das war Angela, die nackte Frau auf dem Grab, zu dem Harry Stahl und Dagmar Hansen gelockt wurden.

Zur gleichen Zeit erlebte London einen ansteigenden Vampirkult. Die Folge eines erfolgreichen Kinofilms.

Im Mittelpunkt des gesamten Geschehens stand nur eine Person. Es war der Vampirengel.

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Seitenzahl: 141

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumDer Vampirengel (1. Teil)Vorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Der Vampirengel (1. Teil)

Vampirin – Psychonautin – und Engel

Drei Personen in einer, das war Angela, die nackte Frau auf dem Grab, zu dem Harry Stahl und Dagmar Hansen gelockt wurden.

Zur gleichen Zeit erlebte London einen ansteigenden Vampirkult. Die Folge eines erfolgreichen Kinofilms.

Im Mittelpunkt des gesamten Geschehens stand nur eine Person. Es war der Vampirengel.

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-3825-3

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Der Vampirengel (1. Teil)

Dagmar Hansen schaute ihren Freund und Kollegen an. »Hast du den Pfahl?«

»Ja.«

»Den Hammer auch?«

Harry Stahl seufzte. »Ebenfalls.«

Die rothaarige Dagmar nickte. »Dann ist es gut.« Nicht für mich, dachte Stahl. Er hatte ein mulmiges Gefühl. Es gefiel ihm nun mal nicht, auf dem Friedhof umherzuschleichen und zu versuchen, eine Statue zu pfählen wie einen Vampir. Aber Dagmar hatte da ihre eigenen Ideen, und wenn sie sich einmal etwas vorgenommen hatte, ließ sie sich nicht davon abbringen.

Der Friedhof lag vor ihnen. Hinter der Mauer malten sich die hohen Bäume ab, deren kahles Geäst in den dunklen Nachthimmel hineingriff. Sie standen so, dass sie auch von der Straße aus gesehen werden konnten, doch keiner der Fahrer hielt an, um nach ihnen Ausschau zu halten. Auch keine Polizeistreife.

Es hatte in den vergangenen Tagen geschneit, doch die weiße Pracht war nicht liegen geblieben. Nach dem Matsch war sie weggetaut, und nun schimmerten die Straßen und Wege feucht.

Dagmar nickte Harry zu. »Na, wenn du mitkommen willst, dann bitte jetzt. Du kannst auch im Wagen bleiben und so lange warten, bis ich zurückkomme.«

Er seufzte wieder. »Auch wenn es mir nicht passt, ich werde dich trotzdem begleiten.«

»Was stört dich denn so?«

Harry überlegte einen Moment und schaute in die Schattenwelt vor dem Wagen hinein. »Das kann ich dir nicht genau sagen. Es ist einfach mein Gefühl, das nicht zustimmen will, Dagmar.«

»Du hast damit auch nichts zu tun!«

»Aber du?«

»Ja, noch einmal. Ich gehe einfach davon aus, dass es zwischen dem Grabengel und mir eine Verbindung gibt.«

»Aber du bist kein Vampir.«

»Nein, das nicht.«

»Wieso sollte dann die Verbindung bestehen? Und überhaupt, einen Grabengel als Vampir. Das habe ich noch nie gehört.«

»Es gibt eben immer ein erstes Mal«, sagte Dagmar und öffnete die Beifahrertür.

Harry Stahl blieb nichts weiter übrig, als ihr zu folgen. Er seufzte zum dritten Mal, als er die Tür öffnete und ebenfalls ausstieg. Was sich Dagmar einmal in den Kopf gesetzt hatte, führte sie auch durch. Außerdem war sie eine besondere Frau, denn sie stammte von den Psychonauten ab, einer sehr seltenen Rasse, die damals noch das dritte Auge besessen hatte, durch das sie über bestimmte paranormale Kräfte verfügte, die allerdings bei den heutigen Nachkommen der Psychonauten verkümmert waren, von wenigen Ausnahmen abgesehen.

Zu diesen Ausnahmen gehörte Dagmar Hansen, die mit recht zügigen Schritten auf die Friedhofsmauer zuging. Sie war stabil gebaut, dazu recht hoch und musste überklettert werden.

An der Mauer wartete sie auf ihren Freund. Dagmar trug eine kurze gefütterte Jacke und dunkle Jeans. Der Schatten der Mauer hüllte sie ein wie ein Tuch, in das bald auch Harry Stahl hineintrat. Er sah das knappe Lächeln auf ihrem Gesicht, wollte fragen, ob sie es sich nicht noch überlegen wollte, ließ es aber bleiben, denn Dagmar deutete schon zur Krone hoch, und die Bewegung sagte alles.

»Wer klettert zuerst hinauf?«

»Du, und ich helfe dir.«

»Okay!«

Harry legte seine Hände zusammen, damit Dagmar ihren Fuß in diese »Leiter« stellen konnte. Mit dem linken Fuß trat sie hinein, schwang sich daran hoch, reckte die Arme und legte die Hände bereits an die Mauerkante.

»Kann ich dich hochdrücken?«

»Ja.«

Harry stemmte sie hoch. Dagmar bewegte sich geschickt und saß wenig später auf der Krone. Sie schaute sich kurz um, war zufrieden und nickte Stahl zu.

Harry sprang hoch. Er umklammerte die Kante, danach ging alles sehr schnell. Mit einem Klimmzug zog er sich höher. Dagmar unterstützte ihn dabei, und wenig später hatte auch er seinen Platz auf der Mauer eingenommen.

Sie sprangen nicht hinab, sondern hangelten sich an der anderen Seite zu Boden. Dort lagen noch einige schmutzige Schneereste. Sie knirschten wie altes Glas, als Harry einen Fuß hineindrückte und sich umsah.

»Es ist alles ruhig«, sagte Dagmar. »Wir sind allein. Um diese Zeit und bei diesem Wetter treiben sich nicht einmal Grufties oder Schwarze auf dem Friedhof herum.«

»Mal sehen.«

»Du kannst dich auf mich verlassen.« Weil die Haare sie störten, strich Dagmar sie zurück und schnürte sie mit einem Band im Nacken zusammen. Ihr von Natur aus recht blasses Gesicht wirkte bei diesem Licht noch bleicher, aber es war auch angespannt, denn was die beiden vorhatten, war kein Spaziergang. Dieser Engel musste einfach eine Bedeutung haben, denn Dagmar hatte ihn nicht zufällig entdeckt. Sie war praktisch zu ihm hingeführt worden. Immer wieder hatte sie Botschaften erhalten. Nicht per Brief, Fax oder Telefon, sondern in der Nacht in ihren Träumen. Darin war sie aufgefordert worden, sich um den Engel zu kümmern. Genau das musste einen Grund haben.

Es war sehr finster um sie herum, und Harry fragte Dagmar noch einmal, ob sie genau wusste, wo sich dieses ungewöhnliche Monument befand.

»An der Ostseite und recht versteckt.«

»Dann müssen wir zuerst nach links.«

»Korrekt – komm!«

Sie schlugen den Weg ein, der im Anfang unbequem war, weil sie zähes Gestrüpp zur Seite biegen mussten, um schließlich einen der normalen Wege zu erreichen.

Der Weg über den sie gingen, war recht breit. Sie hatten keine Schwierigkeiten, dort voranzukommen. Schnee lag nur an den Rändern. Die Mitte war frei, und ihre dicken Sohlen drückten auf Steine oder traten in kleine Pfützen hinein.

Sie waren von einer schweigenden Welt umgeben. Keine Stimmen, keine Geräusche, die sie misstrauisch gemacht hätte, selbst der Wind hielt sich zurück und schüttelte keine Bäume durch.

Trotzdem war Harry mehr auf der Hut als Dagmar. Sie konzentrierte sich mehr auf die Gehrichtung, während er sich des Öfteren umschaute, weil er sich irgendwie beobachtet fühlte.

In den Büschen und geschützt durch Baumstämme schienen tausend Augen zu lauern. Der Himmel war wie eine dunkle Wand, auf die sich träge Wolken gelegt hatten.

Vögel flogen keine durch das Gelände, und die Gräber mit ihren verschiedenen Steinen und Figuren war die stummen Zeugen, die ihren Weg begleiteten.

Die Temperaturen lagen knapp über der Frostgrenze. Der Atem dampfte vor den Lippen. Manchmal fielen Tropfen von den nassen Zweigen der Bäume herab und landeten auf ihrer Kleidung.

Es war eine düstere Ecke des Friedhofs, durch die sie schritten. Kein Licht, auch kein künstliches, begleitete ihren Weg. Manch hohe Grabsteine wurden von der Dunkelheit verändert und kamen ihnen vor wie Tiere, die auf dem Sprung standen, um plötzlich angreifen zu können.

Dagmar, die einen Schritt vorging, drehte den Kopf. »Ich weiß gar nicht, was du willst, Harry, es geht doch alles glatt.«

»Noch«, sagte er.

Sie schüttelte den Kopf, blieb stehen und sagte: »Ich weiß nicht, was mit dir los ist. So kenne ich dich nicht. Du bist sonst nicht so ängstlich.«

»Stimmt.«

»Und was hast du heute?«

»Kann ich dir schlecht sagen.«

»Unsinn, raus damit!«

»Ich habe einfach ein komisches Gefühl. Es ist so, als würden wir vor einem schweren Stein stehen, um ihn aufzuheben. Aber wir schaffen es nicht, denn wir verheben uns, und das genau bedrückt mich. Da braut sich Unheil zusammen.«

Obwohl Dagmar danach zumute war, lachte sie nicht und sagte nur: »Denk daran, was wir schon alles hinter uns haben, Harry. Da kann uns doch so etwas nicht aus der Bahn werfen.«

Er nickte. »Ich weiß. Vielleicht bilde ich mir auch nur etwas ein.«

»Bestimmt.«

Sie gingen nicht mehr so schnell weiter wie zu Beginn. Mittlerweile waren sie im Ostteil des Friedhofs angelangt. Hier irgendwo würden sie den ungewöhnlichen Grabstein finden, und dazu brauchten sie Licht.

Dagmar war stehen geblieben und holte aus der rechten Jackentasche eine Stableuchte hervor. Gräber gab es genug in ihrer Nähe. Auch Buschwerk, dass ihnen einen großen Teil der Sicht nahm. So musste sich der Strahl erst durch die Lücken tasten, um an die Ziele zu gelangen. Der Lichtkegel huschte über die Steine hinweg, die mal grau schimmerten, dann wieder einen leicht grünlichen Glanz abgaben und manchmal so aussahen wie Fragmente, die einer unterirdischen Totenwelt entstiegen waren, um die Lebenden zu beglücken.

Sie sahen Figuren, die engelhaft schön waren, sodass sie kitschig wirkten. Auf der anderen Seite gab es moderne Grabsteine, einfach, geometrische Formen, mal rein quadratisch, mal rechteckig. Mit eingravierten Namen, sodass sich jeder Besucher daran erinnern musste, dass jeder Stein ein menschliches Schicksal aufzeigte.

Die Wege hier waren schmal geworden und glichen beinahe einem Labyrinth. Mit der Spürnase eines Suchhundes ging Dagmar vor. Sie folgte dem bleichen Schein der Lampe, deren Lichtkegel wie ein kleiner Mond über den Boden hüpfte.

Nasse Erde, altes Laub. Zweige, die fächerförmig zu beiden Seiten hin wuchsen und an den Hosenbeinen der beiden kratzten. Und immer wieder konnten sie das Astwerk der Bäume über sich sehen. Alter Bewuchs, der den neuen Pflanzen keine Chancen ließ, hochzukommen.

Dagmar blieb stehen. Sie senkte die Hand mit der Lampe. »Hier muss es irgendwo sein, Harry. Wir sind jedenfalls nicht mehr weit davon entfernt.«

»Du bist der Boss.«

»Ha, hört sich gut an.«

»Was spürst du denn? Ist es wie in deinen Träumen, als man dich hierher rief?«

»Nein – anders. Dichter, aber nicht intensiv. Eigentlich gar nicht, Harry. Ich habe einfach das Gefühl, etwas zu wissen, wenn du verstehst. Mir ist klar, dass wir nicht weit entfernt sind. Das steht für mich fest. Wir müssen jetzt die Augen aufhalten.«

»Kannst du den Grabstein nicht näher beschreiben?«

»Er stellt einen Engel dar.«

Harry zuckte mit den Schultern. »Wenn ich ehrlich sein soll, habe ich davon schon einige gesehen.«

»Ja, ich weiß, und ich ja auch. Aber er ist ein besonderer Engel, das weiß ich schon. Er ist eine Figur, die auf einem Grabstein hockt, als hätte man etwas Fremdes darauf gesetzt. Du kannst darüber lachen, aber so habe ich es gesehen.«

»Ich werde mich hüten.«

Sie nickte. »Okay, dann wollen wir uns mal umschauen.«

Vor ihnen schien der schmale Weg wie ein sich windende Schlange in einem Tunnel zu verschwinden. Die Dunkelheit war dort absolut dicht. Die Pflanzen hatten sich ausbreiten können und waren über die Ränder hinweg bis auf den Weg gewachsen.

Dagmar leuchtete wieder. Die blasse Lichtlanze drang in das Gestrüpp ein und gab ihm ein anderes Aussehen. Es wirkte wie mit bleicher Farbe bestrichen.

Harry hörte das leise Lachen seiner Partnerin. »Ich denke, wir haben es bald geschafft.« Sie hatte kaum ausgesprochen, da war sie aus seinem Blickfeld verschwunden und hatte sich um eine Kurve gedreht.

Stahl schaute auf seine Uhr.

Er lachte innerlich auf, denn die Zeit erschien ihm wie geschaffen. Noch fünf Minuten bis Mitternacht. Als wäre dieser Auftritt von einem Fremden getimt worden.

Dagmar blieb verschwunden. Er sah nur das Licht, als sich kleine, bewegende und auch helle Insel, die voranglitt. Bis auch sie zur Ruhe kam und nur in eine bestimmte Richtung strahlte. Da wusste Harry, dass Dagmar ihr Ziel erreicht hatte.

Er musste sich noch an einigen Sträuchern vorbeiwinden, um zu ihr zu gelangen.

Sie hörte ihn kommen, aber sie bewegte sich nicht, sondern blieb dort stehen, wo sie stand. Sie leuchtete schräg nach vorn, aber auch leicht in die Höhe.

»Da ist es«, flüsterte sie.

Harry Stahl schaute hin. Er wusste selbst nicht, was er erwartet hatte, dieses Gebilde auf jeden Fall nicht. Um es noch deutlicher zu sehen, holte er ebenfalls eine Lampe hervor und leuchtete es ebenfalls an.

Es gab den Grabstein. Er stand nicht normal senkrecht im Boden, sondern war leicht nach hinten gekippt, als wollte er zum Sitzen oder zum Abstützen einladen.

Das war auch so, denn diese Chance hatte der Engel ergriffen, der auf dem Grabstein hockte. Nackt, die Beine angezogen, die Hände rechts und links neben dem Körper gegen den kalten Stein gestemmt. Den Kopf in ihre Richtung gedreht, als wollte er jeden Ankömmling sofort begrüßen.

Dagmar Hansen atmete tief aus. »Das ist er, Harry. Das ist genau dieser Engel, den ich im Traum gesehen habe. Wenn auch verschwommen, aber er ist es.«

»Und zugleich ein Vampir?«

»Klar.«

»Ein versteinerter.«

Sie zuckte die Achseln.

Stahl Harry wollte es genau wissen. Er spürte plötzlich das Gewicht des Pflocks und des Hammers sehr schwer unter seiner Kleidung. An Dagmar drängte er sich vorbei und blieb nahe vor der ungewöhnlichen Engelfigur stehen. Er richtete den Lichtkegel der Lampe auf das Gesicht des Engels.

Obwohl er aus Stein bestand, sah das Gesicht ungewöhnlich aus. Zwar nicht wie lebend, aber es war auch nicht mit denen zu vergleichen, die er von den anderen Grabsteinen her kannte. Denn dieser Engel sah aus, als wäre er in seiner geduckten und leicht gekippten Haltung einfach eingeschlafen. Er besaß noch einen menschlichen Touch und wirkte nicht so statuenhaft und unnatürlich.

Das war die eine Seite. Die Zweite interessierte Harry viel stärker. Ihm ging es um das Gesicht des Engels und auch um die Haare, so seltsam das auch war.

Der Kopf überragte ihn. Harry drehte sich etwas zur Seite, um das Gesicht besser anleuchten zu können. Dagmar stört ihn dabei nicht und ließ ihn gewähren.

Der runde Lichtkegel traf das Gesicht.

Harry sah Augen, Wangen, eine Stirn, die Haare aus Stein, und er sah auch die Rundung am Rücken der Figur, die beim ersten Hinsehen wirkte wie ein Buckel, aber durchaus ein Flügelpaar sein konnte.

Es interessierte ihn nicht, ob Engel Flügel besaßen oder nicht, darüber stritten sich ja auch die Experten, für ihn war einzig und allein diese Figur mit dem ungewöhnlichen Gesicht wichtig. Auf den nackten Körper achtete er ebenfalls nicht, denn er sah jetzt, dass die Figur ihren Mund geöffnet hatte.

Das war der Beweis.

Es gab Zähne. Wer immer den Engel geschaffen hatte, er war ein Meister seines Fachs und hatte selbst dieses Detail so genau geschaffen, dass es von einem lebenden kaum unterschieden werden konnte.

Zähne, von denen die meisten normal waren. Bis auf die beiden im Oberkiefer, denn sie stachen rechts und links der Schneidezähne hervor wie zwei Säbel-Endstücke.

Es gab keinen Zweifel. Dieser Engel war ein Vampir.

Harry ließ den rechten Arm sinken. Sehr langsam drehte er sich zu seiner Partnerin um, die ihn nur stumm anschaute. Erst als Dagmar sein Nicken auffiel und sie auch die Gänsehaut auf seinen Wangen entdeckt hatte, zuckten ihre Lippen. »Habe ich es dir nicht gesagt, Harry?«

Stahl musste tief Luft holen. »Ja, das hast du. Ich habe dir nicht so recht geglaubt, aber jetzt sehe ich es mit eigenen Augen, obwohl ich es noch immer nicht fassen kann. Wie kann jemand als Grabfigur einen Vampirengel aufstellen?«

»Das weiß ich leider auch nicht, Harry.«

»Und worin besteht die Verbindung zu dir?«

»Ich bin im Moment überfragt. Aber es hat mich hergetrieben, das ist es.«

»Ähnlichkeiten zwischen euch gibt es auch nicht.«

»Stimmt.«

»Und ich kann nicht begreifen, dass dieser Engel ein Vampir sein soll, den wir hier pfählen müssen. Wie soll ich eine Figur aus Stein pfählen? Dazu noch mit einem Eichenpflock, der auch angespritzt nicht durchdringen wird?«

Dagmar strich durch ihre Haare und ließ die Gestalt nicht aus den Augen. Es war ihr anzusehen, dass sie überlegte, und sie fragte mit leiser Stimme: »Ist er nur eine Figur?«

»Es sieht so aus.«

»Ich glaube es nicht. Da steckt mehr dahinter, sonst hätte es mich nicht hergetrieben.«

»Also pfählen. Oder es zumindest versuchen.«

»Deshalb sind wir hier.«

»Soll ich es tun, oder willst du ihn dir vornehmen?«

Dagmar hatte einen anderen Vorschlag. »Wir werden es gemeinsam in Angriff nehmen.«

»Wie du willst.«

»Das Werkzeug, Harry.«

Während er es hervorholte, schaute sich Dagmar Hansen um. Sie wirkte zwar noch immer sehr selbstsicher, aber nicht mehr so agil wie zu Beginn. Sie machte mehr einen misstrauischen Eindruck, schaute sich jetzt genauer um und ließ auch den hellen Arm der Taschenlampe in verschiedene Richtungen wandern.

Harry hielt die beiden Gegenstände in einer Hand fest. Er hatte Dagmar beobachtet und fragte: »Ist dir was aufgefallen?«

»Im Prinzip nicht.«

»Aber du fühlst dich nicht mehr so sicher?«