John Sinclair 1093 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair 1093 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!

Blutkult um Angela (2. Teil).

Die Vorbereitungen waren getroffen. Für die Fans sollte es die Nacht der Nächte werden, um endlich die Verwandlung vom Menschen in einen Untoten zu erleben. Sie wollten neben der normalen eine zweite Existenz haben, um ein Wesen der Nacht zu werden.

Um das zu erreichen, wurde der Blutkult um Angela geboren.

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Seitenzahl: 145

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumBlutkult um Angela (2. Teil)Vorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Blutkult um Angela (2. Teil)

Die Vorbereitungen waren getroffen. Für die Fans sollte es die Nacht der Nächte werden, um endlich die Verwandlung vom Menschen in einen Untoten zu erleben. Sie wollten neben der normalen eine zweite Existenz haben, um ein Wesen der Nacht zu werden.

Um das zu erreichen, wurde der Blutkult um Angela geboren.

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-3826-0

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Blutkult um Angela (2. Teil)

Das Blut war noch nicht getrocknet. Die schreckliche Tat war erst vor Kurzem geschehen. Das Blut befand sich auf der Stirn des Toten und am Hals, dessen Schlagader der Killer mit einem Schnitt durchtrennt hatte.

Es war nicht seine Art, auf diese Weise zu töten, aber er hatte sein Zeichen hinterlassen.

Blut auf der Stirn.

Mit leicht zittriger Schrift malte sich dort ein D ab. Und das stand einzig für einen Namen.

Dracula II, der neue Herrscher der Vampire. Mit bürgerlichem Namen Will Mallmann, aber das lag verdammt lange zurück. Jetzt war er nur noch die

Bestie, die tötete.

Er war also hier. Er führte im Hintergrund Regie. Durch den Mord hatte er Suko und mir beweisen wollen, dass er sich in der Nähe aufhielt. Gesehen hatten wir ihn nicht. Er hatte uns nur dieses schreckliche Hindernis auf die Türschwelle des alten Hauses gelegt.

»Er kennt keine Skrupel, John!« flüsterte mein Freund. »Er will die Macht. Er will allen zeigen, wozu er fähig ist, und ich bin davon überzeugt, dass er diese Angela vorgeschickt hat. In Wirklichkeit müssen wir uns um ihn kümmern.«

Das wusste ich alles. Suko hatte es nur wiederholt, um seinen Frust loszuwerden.

»Bleib du hier!« riet ich ihm.

»Wo willst du hin?«

»Mich umschauen.«

»Gut!«

Ich stieg über den Toten hinweg. Der Rauch, der aus einer Wohnung gedrungen war, weil dort ein Feuer angezündet worden war, hatte sich verdünnt. Von den vier Typen, die dort um das Feuer herum hockten, hatten wir auch nichts Konkretes gehört. Wir wussten nur, dass sie auch zu der großen Vampirfete gehen wollten, die unter der Erde in einem Bunker, dem Lager eines ehemaligen Einkaufszentrums, stattfand. Dort sollte eine Show ablaufen, wie sie durch den Kultfilm Blade angeregt worden war. Ein großes Vampirfest zu Ehren einer gewissen Angela, der wir noch nicht begegnet waren.

Ich war mit meinem Freund Suko unterwegs. Eigentlich hatte Shao vorgehabt, mitzukommen. Sie hatte es sich dann anders überlegt und war in der Wohnung geblieben. Sie wollte so etwas wie eine Anlaufstelle sein, falls es mal irgendwelche organisatorischen Probleme zu lösen gab. Beide waren wir über ihr Fernbleiben nicht eben unglücklich.

Bisher hatten wir keine konkreten Beweise bekommen. Die Reklame für das große Vampirfest lief über Internet. Dort war Angela angekündigt worden. Eine Gestalt aus dem Reich der Schatten. Eben etwas Besonderes für alle Vampirfans. 1

Daran glaubten wir auch. Besonders an das Besondere, da wir uns vorstellen konnten, es mit einer echten Vampirin zu tun zu bekommen. Nachdem Logan Costello vernichtet worden war, gab es in London praktisch keinen Statthalter, auf den sich Dracula II verlassen konnte. Er brauchte einen Nachfolger, er brauchte Nachschub, und warum sollte das keine Frau sein?

Zu Gesicht hatten wir sie noch nicht bekommen. Das würde sich spätestens im Bunker ändern. Den hatten wir noch nicht gefunden. Außerdem war Dracula II jetzt wichtiger.

Ich stand vor dem alten Haus, das in diese Gegend hineinpasste. Wer hier lebte, der gehörte zu den unteren Fünfhundert. Hier präsentierte sich London wenig weltstädtisch. Es war eine Umgebung wie geschaffen für die Abrissbirne, aber noch waren keine Investoren gefunden worden, deren Geld das Viertel hier veränderte. Ich hätte die alte Bausubstanz als Basis genommen und versucht, den Häusern das Flair zu geben, das sie einmal gehabt hatten.

Es war in dieser Nacht unangenehm kalt geworden. Eine schmierige und feuchte Kälte, die sich über diese halb abgerissene und noch halb stehende Landschaft gelegt hatte. Hier war das Leben erstarrt. Es gab nur wenige Menschen, doch wer hier ungestört seine Fete feiern wollte, konnte sich nichts Besseres aussuchen.

Mallmann war weg!

Ich suchte nicht nur die nähere Umgebung ab, sondern auch den Himmel, denn dieser Supervampir war in der Lage, sich in eine riesige Fledermaus zu verwandeln und im Schutz der Nacht zu flüchten.

Der Himmel war leer. Dunkel. Bedeckt mit Wolken, die sich wie ein Vorhang zugezogen hatten. Man konnte nicht eben von einem Vampirwetter sprechen, denn es gab keinen Vollmond.

Ich ging mit langsamen Schritten weiter. War dabei ungeheuer wachsam. Kam an Häusern vorbei, die teilweise oder gar nicht bewohnt waren. Leere Fensterhöhlen, offene Eingänge, Müll, der in den Gossen lag. Aufgerissenes Pflaster, aber auch Menschen, die sich in eine bestimmte Richtung bewegten.

Es waren die Partygäste, die ich sah. Sie strebten dem Bunker zu, und sie verhielten sich anders als die Menschen, die erwartungsvoll und fröhlich zu einer Fete gingen.

Sie sprachen kaum. Sie gingen auch nicht schnell. Sie bewegten sich mehr wie geheimnisvolle Schatten, als wollten sie bereits für ein späteres Vampirdasein üben.

Auch wenn sie dicht an mir vorbeikamen, nahmen sie von mir kaum Notiz. Ich passte einfach nicht in ihre Welt. Was für sie normal war, war es für mich nicht. Ich kleidete mich nicht in Schwarz, behängte mich nicht mit irgendwelchen Ketten, trug nicht die irresten Frisuren und schminkte mich auch nicht.

Junge Leute. Männlich und weiblich. Die Mädchen allerdings hatten sich teilweise von ihrem schwarzen Outfit getrennt. Sie trugen oft rote Kleidung, nicht hell, sondern dunkel, um der Farbe des Blutes möglichst nahe zu kommen.

Ich stellte mich einem dieser Mädchen in den Weg. Sie sah mich gar nicht, denn sie wirkte wie unter Drogeneinfluss. Erst als sie gegen mich prallte, schaute sie hoch.

Mir fiel ihr junges Gesicht auf, das auch durch die dunkle Schminke nicht älter gemacht worden war. Der Mund war mit einem violetten Stift noch breiter gemalt worden und wies an den Winkeln nach unten.

Die Kleine schwankte leicht. Dann schüttelte sie den Kopf. »He, was willst du?« Ihre Stimme klang müde.

»Nur eine Frage.«

»Nein!«

»Doch!« Ich hielt sie fest, und sie verzog das Gesicht, aber sie wehrte sich nicht. »Du willst zum Bunker. Da will ich auch hin.«

»Ich will alleine bleiben.«

»Kannst du auch.«

»Dann lass mich.«

»Wer ist Angela?« fragte ich. Bisher wusste ich verdammt wenig über die geheimnisvolle Frau, aber das sollte sich ändern. Ich hoffte, die richtige Partnerin gefunden zu haben.

Sie strich durch ihr strähniges Haar, das schwarz und rot gefärbt war. »Angela ist Kult. Wir werden sie sehen. Wir werden sie endlich sehen, verstehst du?«

»Kennst du sie denn nicht?«

»Nein. Nie gesehen.«

»Dann weißt du auch nicht, wie sie aussieht?«

Das Mädchen zuckte mit den Schultern. Plötzlich verzog sich der Mund zu einem Lächeln. »Sie soll sehr schön sein, erzählt man sich. Auch anders, wenn du verstehst.«

»Nein.«

»Dann lass es!«

Sie wollte weiter, doch ich verstärkte meinen Griff. »Lass dir nicht jedes Wort aus der Nase ziehen. Ich will auch hin, verstehst du? Aber ich weiß nicht, wie sie aussieht. Woran erkenne ich sie?«

Die Augen der Kleinen erhielten einen verklärten Blick. Sie atmete heftig durch die Nase ein, und ihre Nasenflügel zitterten dabei. »Angela ist ein Engel …«

Die Antwort überraschte mich. Bisher hatte ich noch keinen Engel erlebt, der zugleich Vampir war. Aber der junge weibliche Fan hatte die Antwort mit einem derartigen Ernst in der Stimme gegeben, dass ich skeptisch wurde. »Erzähle weiter.«

Sie zuckte die Achseln. »Da gibt es nicht viel zu sagen. Sie ist ein Engel und ein Vampir. Sie hat Flügel …«

Die Sache wurde immer rätselhafter, aber ich nahm die Aussagen ernst. »Woher weißt du das? Du hast sie nicht gesehen …«

»Man erzählt es sich.«

»Wann kommt sie?«

Das Mädchen hob die knochigen Schultern, die sich unter dem dünnen Stoff des Mantels abzeichneten. »Niemand weiß es. Vielleicht ist sie schon da. Ich will jetzt gehen.«

»Okay, wir sehen uns noch.« Ich gab den Weg frei, und der weibliche Vampirfan setzte sich mit dem schlurfenden Gang eines über den Friedhof gehenden Gruftis in Bewegung. Die Gestalt hielt sich dicht an der Hauswand, als wollte sie mit deren Schatten verschmelzen. Ich konnte mir gut vorstellen, dass plötzlich ein Schatten aus der Höhe herabjagte, sich in die Gestalt einer Fledermaus verwandelte und blitzschnell über das Opfer herfiel.

Das passierte nicht, und ich war wieder allein. Meine Runde drehte ich nicht weiter. Es hatte keinen Sinn. Suko und ich wussten, wohin wir zu gehen hatten, und erst im Bunker würden wir auf unsere Fragen Antworten bekommen.

Die Nacht war normal, eine feuchtkalte Januarnacht. Dennoch wurde ich den Eindruck nicht los, sie anders zu erleben. In ihr steckte etwas. Es hielt sich verborgen, damit es um so überraschender zuschlagen konnte. Was es war, konnte ich nicht definieren. Es war einfach das Gefühl, das mich nicht losließ.

Mein Kreuz hatte sich nicht erwärmt. Noch lief alles normal ab, aber es würde sich ändern. Das Böse lauerte, und es würde blitzschnell zuschlagen, wenn die Zeit reif genug war. Dafür wollte ich gerüstet sein.

Ich ging wieder zurück zu Suko. Der Tote lag nicht mehr auf der Türschwelle. Suko hatte die Leiche in das dunkle Haus gezogen und dorthin gelegt, wo sie nicht so schnell entdeckt werden konnte. Bevor ich den Bau betrat, sah ich noch auf die Rücken der vier Fans, die um das Feuer herum gesessen hatten.

Suko hatte mich an der Tür gesehen und kam jetzt auf mich zu. Unter seinen Sohlen knirschte der Dreck, der sich hier im Flur verteilte. »Und? Hast du etwas herausgefunden?«

»Wenn du Mallmann damit meinst, nein.«

»Das dachte ich mir.«

»Ich habe trotzdem jemand getroffen und mit ihm gesprochen. Eine junge Frau, selbstvergessen und schon darauf geeicht, zu dieser Vampirfete zu gehen.«

»Was sagte sie?«

Suko bekam einen Bericht. Wie auch ich wunderte er sich über den Begriff Engel, der für Angela benutzt worden war. Für ihn passte das ebenfalls nicht zusammen. Er meinte jedoch: »Möglicherweise müssen wir uns auf eine ganz neue Figur einstellen, die Mallmann erschaffen hat.«

»Figur ist gut«, sagte ich.

»Na ja, oder Wesen.«

»Klingt schon besser. Trotzdem kann ich es mir nicht vorstellen. Auf der einen Seite Engel, auf der anderen Vampir. Da heben sich die Eigenschaften praktisch auf.«

»Aber der Name passt zu einem Engel. Und damit haben wir auch schon unsere Erfahrungen gemacht. Da will ich erst keine Namen aufzählen, du kennst sie selbst.«

»Keiner von ihnen war ein Vampir«, erwiderte ich nachdenklich. »Wenn das alles stimmen sollte, haben wir möglicherweise mit einem völlig neuen Phänomen zu tun.«

»Abwarten.«

Ich kam auf die vier Besetzer des Zimmers zu sprechen. »Was ist eigentlich mit ihnen? Ich habe sie weggehen sehen. Haben sie die Leiche entdeckt?«

»Nein, die hatte ich schon in Deckung gezogen.«

»Ein verdammt armer Teufel«, flüsterte ich, »der sicherlich noch gern gelebt hätte.«

»Sicher, John. Aber Mallmann …«

Ich knirschte mit den Zähnen und kaum anders klang meine Antwort. »Mallmann, Mallmann, immer wieder er! Verdammt noch mal, ich bin es leid. Ich will ihn mal zwischen die Finger bekommen und möchte dann die guten Karten haben.«

»Nimm ihm den Blutstein weg!«

»Das wäre mein Traum.«

Suko schlug mir auf die Schulter. »Wir können es drehen und wenden wie wir wollen, wichtig ist, dass wir den Bunker finden. Wobei ich auch noch überlege, was mit dem Toten geschieht. Wir müssten eigentlich die Kollegen anrufen.«

Er hatte recht. Nur wollte ich das nicht. Es hätte uns Zeit gekostet. Außerdem kannten wir den Mörder. Wenn alles vorbei war und wir hoffentlich überlebt hatten, war noch immer Zeit genug, alles in die Wege zu leiten.

»Okay, Suko, schauen wir uns den Bunker an …«

*

Wir waren wieder unterwegs. Zu Fuß versteht sich. Der Rover stand auf einem freien Platz etwas versteckt. Wir hofften, dass wir ihn noch so vorfanden, wie wir ihn verlassen hatten.

Suko telefonierte mit Shao. Das konnte er auch, denn wir gingen langsam durch die Dunkelheit und hatten uns den Bewegungen der anderen angepasst. Es war nicht so, dass sie in Massen dem Ziel entgegenstrebten, nein, sie kamen einzeln, zu zweit oder in kleinen Gruppen und tauchten so plötzlich auf, als hätten sie sich die gesamte Zeit über versteckt gehalten.

Niemand nahm von uns Notiz. Ich war davon überzeugt, dass es sich im Bunker ändern würde, denn dort waren wir die Exoten und nicht die anderen.

»Ja, uns geht es gut«, sagte Suko. »Wenn sich irgendetwas ereignet, sage ich dir Bescheid. Du kannst auch anrufen.« Er beendete das Gespräch und steckte den Apparat weg.

Dass er seine Stirn gekraust hatte, gefiel mir nicht, und ich wollte den Grund wissen.

»Shao hat einen Anruf erhalten, John.«

»Von wem?«

Er zuckte die Achseln. »Du wirst es kaum glauben, aber es war Harry Stahl aus Deutschland.«

Da war ich wirklich überrascht. »Und was wollte er?«

Suko war stehen geblieben. »Das kann ich dir auch nicht sagen. Shao hatte eine sehr schlechte Verbindung. Es waren viele Nebengeräusche zu hören. Er hatte ja eigentlich uns sprechen wollen. Zu großen Erklärungen kam es nicht. Sie hat etwas geraten und war der Überzeugung, dass Harry nach London kommen wollte oder sogar schon hier ist. So genau konnte sie es nicht sagen.«

»Was war der Grund?«

Mein Freund hob die Schultern.

»Nichts?«

»Ich will jetzt keine Spekulationen in die Gegend setzen, aber Shao meinte, sie hätte den Namen Angela verstanden. Und zwar in Verbindung mit einem Vampirengel.«

Ich starrte ihn an, ohne etwas zu sagen, was ihm auch nicht gefiel. »Ja, das hat sie gesagt.«

»Das kann ich nicht nachvollziehen. Das wäre ja mehr als ein Zufall.«

»Oder Schicksal.«

»Was hat er denn mit dieser Angela zu tun? Oder unserer Angela, die wir auch nicht kennen?«

»Das kann ich dir nicht sagen, John. Wie gesagt, die Verbindung war mehr als bescheiden. Aber man sollte schon darüber nachdenken, meine ich. Auch über den Begriff Zufall, den ich nicht so akzeptieren kann. Ich würde da eher von Schicksal sprechen.«

»Ja, das kann auch sein«, erwiderte ich und nickte vor mich hin. »Irgendwo ist die Welt klein, und alles hängt zusammen. Zufall? Schicksal? Was ist richtig?«

»Er hat auch nicht wieder zurückgerufen, aber Shao wartet auf den zweiten Anruf.«

»Und sie konnte dir wirklich nicht sagen, von wo aus Harry angerufen hat?«

»Nein. Außerdem war er wohl nicht allein. Sie meinte, dass Dagmar Hansen bei ihm gewesen ist.«

»Da haben wir ja alle beisammen. Bis auf Angela.«

»Vielleicht war sie auch dabei.«

Was ich spaßig angedeutet hatte, war von Suko ernst aufgefasst worden. »Das ist alles möglich.«

Ich schwieg. Der Fall gefiel mir nicht. Auch wenn wir nicht viel wussten, bisher war er schon auf eine gewisse Art und Weise gradlinig verlaufen. Nun sah ich Komplikationen auf uns zukommen, aber wann wäre bei uns schon etwas glattgegangen?

Das Ziel lag nicht mehr weit entfernt. Wir mussten zu einem Platz hingehen, der früher einmal durch ein großes Einkaufszentrum gekennzeichnet gewesen war. Zum Platz hin führten Straßen und Wege aus verschiedenen Richtungen.

Das Center war längst nicht mehr in Betrieb. Man hatte es abgerissen, doch nicht völlig, sodass noch Fragmente standen. So sahen wir die mächtigen Stahlträger, die früher einmal die Wände gehalten und das Dach gestützt hatten. Die Mauern waren allesamt eingerissen worden. Es gab auch keine Decke mehr, doch man hatte den Schutt weggeräumt und somit eine relativ freie Fläche geschaffen.

Es war mittlerweile mehr Zeit vergangen. Die Uhr blieb nicht stehen. Ihre Zeiger bewegten sich immer mehr auf Mitternacht zu. Möglicherweise war dieser Zeitpunkt wichtig, denn hier versammelten sich immer mehr dieser skurrilen Partygäste.

Wir standen noch ein Stück entfernt, weil wir herausfinden wollten, wo sich der Eingang zum Bunker befand. Wahrscheinlich dort, wo auch die einzige Lichtquelle stand. Ein Scheinwerfer schickte seinen Strahl in eine bestimmte Richtung und leuchtete auch die Umgebung an. In seinem kalten Schein drängten sich die Gäste zusammen. Wahrscheinlich gab es dort auch eine Kontrolle.

Suko schaute mich an. »Sollen wir?«

»Und ob.«

Diesmal gingen wir nicht so langsam. Aus dem Bunker war keine Musik zu hören und auch keine Stimmen. Die dicken Wände und die mächtige Decke schienen alles zu verschlucken.

Die alten Eisenstempel hatten Rost angesetzt, der einen bestimmten Geruch ausströmte. Obwohl die Reste des Einkaufsmarkts kein Dach besaßen, kamen wir uns wie in einem großen Raum vor, in dem sich zahlreiche Personen aufhielten.

Nicht alle bewegten sich auf das Licht des Scheinwerfers zu. Viele standen einfach nur herum. Sie rauchten, sie sprachen miteinander, sie bewegten sich auch, doch all dies schien unter einer dichten Decke halb verborgen zu liegen.