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Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Der Tod aus dem Tunnel.
Es gab Gerüchte, Sagen und Legenden über ihn. Leider nichts Genaues. Niemand wollte etwas gesagt haben, doch die Gefahr blieb.
Zuerst erschienen die blutgierigen Mücken in einem vergessenen Stollen der Moskauer U-Bahn. Fünf Männer wurden zu Opfern.
Aber die mutierten Tiere waren nur die Vorboten. Später kam er dann selbst. Er war der Tod aus dem Tunnel. Einer, der nicht zu stoppen war. Oder doch? Zwei jedenfalls versuchten es. Karina Grischin und ich ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
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Seitenzahl: 140
Veröffentlichungsjahr: 2015
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.
Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Es gab Gerüchte, Sagen und Legenden über ihn. Leider nichts Genaues. Niemand wollte etwas gesagt haben, doch die Gefahr blieb.
Zuerst erschienen die blutgierigen Mücken in einem vergessenen Stollen der Moskauer U-Bahn. Fünf Männer wurden zu Opfern.
Aber die mutierten Tiere waren nur die Vorboten. Später kam er dann selbst. Er war der Tod aus dem Tunnel. Einer, der nicht zu stoppen war. Oder doch? Zwei jedenfalls versuchten es. Karina Grischin und ich …
Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve
ISBN 978-3-8387-3830-7
www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de
Lebendig begraben!
So konnte man sich an diesem Arbeitsplatz fühlen, wenn man ihn zum ersten Mal betrat.
Oleg Stachow hatte sich längst daran gewöhnt. Seit neun Jahren arbeitete er unter Tage in den alten Tunnels der Moskauer U-Bahn. Nicht in den Stollen, durch die die Züge fuhren. Nein, er trieb sich in den anderen herum, die längst vergessen oder zugeschüttet worden waren, aber trotzdem kontrolliert werden mussten, weil es durch tektonische Veränderungen immer wieder zu Erschütterungen kam und Einsturzgefahr drohte.
Stachow kontrollierte. Er schrieb Berichte und sorgte dafür, dass auch ausgebessert wurde, falls es notwendig war. Gefahren nahe der Hauptstrecken konnte man sich nicht erlauben. Die Bahn musste sicher sein, auch im Hinblick auf die zahlreichen Touristen, die transportiert wurden. Wenn man in Moskau auf Bauwerke besonders stolz war, dann zählten der Kreml und die U-Bahn dazu.
An diesem Tag hatte sich Stachow einen Tunnel vorgenommen, der sehr versteckt lag und nur aufgrund alter Bauzeichnungen zu finden gewesen war. Er führte parallel zu einer Nebenstrecke und wurde manchmal als das Grab bezeichnet.
Stachow war nicht abergläubisch, im Gegensatz zu vielen Kollegen. Sie wussten Geschichten über die Stollen zu berichten, die nicht sehr erfreulich waren. Legenden, Sagen, Märchen, Spinnereien, die von schrecklichen und unheimlichen Gestalten berichteten, die in den alten und vergessenen Stollen eine neue Heimat gefunden hatten und nur darauf warteten, dass sich Menschen verliefen, um sie dann zerfleischen zu können.
Der Tod lauerte dort. Es gab sogar Leute, die sich weigerten, den Tunnel zu betreten.
Dazu gehörte Stachow nicht. Er war inzwischen vierzig Jahre alt geworden und tat seinen Job sogar gern, weil er recht gut bezahlt wurde.
An diesem Tag allerdings schwitzte er unter seinem Helm, und das lag nicht nur allein an der schwülwarmen Luft.
Er trug dicke Schuhe und feste Arbeitskleidung, die wattiert war. Der Helm saß richtig, und die Kiste mit dem Werkzeug hatte er über seine Schulter gehängt.
Starke Lampen hellten den Schacht auf. Ihr Licht war mit einem Eisstrahl zu vergleichen, der alles Dunkle zerstörte, damit Oleg vernünftig arbeiten konnte.
Die Kollegen mochten den Schacht nicht. Sie fürchteten sich davor. Hier sollte das Unheil lauern, auch wenn man es nicht sah. Versteckt hinter einer Mauer, die keine war, so hatten sie gesprochen. Besonders diejenigen, die schon in Rente waren und sich noch gut an die alten Zeiten erinnerten. Schon damals war dieser Schacht leer gewesen. Kein Gleis hatte hindurchgeführt, obwohl beim Bau der U-Bahn auch daran gedacht worden war. Dann hatten die Erbauer einen Bogen um dieses Stück gemacht, und der wahre Grund war nie herausgekommen. Zudem lag alles schon Jahrzehnte zurück.
Oleg hatte nie viel von den Geschichten gehalten. Er hatte nicht daran geglaubt, sie einfach hingenommen und versucht, sie zu ignorieren.
Dass es allerdings in den letzten Wochen zu ungewöhnlichen Vorfällen gekommen war, darüber konnte auch er nicht hinwegsehen. Nur hatte er sich darüber keine Gedanken gemacht und sie nicht unbedingt mit der Lage des einsamen Stollens in Verbindung gebracht.
Die Kollegen waren erkrankt.
Vier insgesamt.
Alle an der gleichen Krankheit.
Aber welche das war, darüber schwieg man sich aus. Sie waren isoliert worden und lagen in einem Krankenhaus, zu dem der normale Mensch keinen Zutritt hatte. Es wurde vom Militär und auch vom Geheimdienst kontrolliert, sodass nichts nach draußen drang, was nicht bekannt werden sollte.
Die Kollegen hatten Fragen gestellt. Auch Oleg hatte den Mund nicht gehalten, und selbst seine Vorgesetzten hatten dagestanden, ihn angeschaut und nur mit den Schultern gezuckt.
Oleg hatte ihnen geglaubt. Auch sie wussten nichts über die rätselhafte Krankheit, von der die Kollegen befallen worden waren. Jedenfalls waren sie aus dem Verkehr gezogen worden, und das sehr schnell, bevor sie noch mit den Kollegen hatten sprechen können.
So etwas vergisst man nicht. Auch Oleg Stachow musste immer wieder daran denken, wenn er seine Kontrollgänge durchführte. In der letzten Zeit war er besonders vorsichtig geworden. Er hatte sich immer wieder umgeschaut, hatte versucht, auf Veränderungen zu achten, doch ihm waren einfach keine aufgefallen.
Alles lief so normal.
Aber der Druck blieb.
Er stand im Stollen und leuchtete ihn ab. Es gab Momente, da saugte Oleg Stachow die Atmosphäre eines Stollens in sich auf. Das tat er auch jetzt. Er hörte das feine Grummeln, das ihn an das Keuchen eines gefangenen Drachens erinnerte, der sich zwar immer bemühte, aber nie freikam.
Es war ein moderner Drache. Einer, der über die Schienen raste. Eben der Zug aus einem normalen Nachbarstollen. Das Echo pflanzte sich durch die Wände bis zu ihm fort, und er hörte es immer nur als dumpfes Grollen.
Es wurde wieder still. Stachow atmete aus. Allein stand er in der Finsternis, denn er hatte auch die Lampe vorn am Helm ausgeschaltet. Andere Kollegen hätten es nicht getan, er aber brauchte diese bedrückende Stille, um zu sich zu finden. Das waren Augenblicke, in denen er merkte, dass er lebte und wusste, wie klein er als Mensch war, denn in dieser Umgebung konnte man sich wie eine Ameise fühlen.
Es war sehr still.
Die Stille war wichtig, denn nur so konnte Oleg hören, ob irgendwo Wasser aus dem Gestein rann und zu Boden tropfte. Es gab natürlich erstklassige Instrumente, um die Sicherheit eines Tunnels zu überprüfen, die aber würden erst eingesetzt werden, wenn Stachows Spürnase etwas herausgefunden hatte.
Bevor er tiefer in den Tunnel hineinging, stellte er die schwere Werkzeugtasche ab. Er hakte die zweite Lampe von seinem Gürtel los und machte sich auf den Weg.
Zwei Lichtstrahlen rissen die Finsternis auf. Zur Sicherheit hatte er auch die Klappe der Dose geöffnet, in der seine Atemmaske steckte. Gerade in diesen verlassenen und entfernt liegenden Tunnels war die Luft oft sehr schlecht. Manchmal sogar kaum zu atmen. Da half die Maske mit der dazugehörigen Sauerstoffflasche auf dem Rücken.
Oleg wunderte sich schon etwas, dass er sie hier nicht einzusetzen brauchte. Die Luft war sogar relativ gut, als gäbe es irgendwo einen schmalen Kamin, der ihr freie Bahn gab, sich im Stollen zu verteilen.
Die Wände waren dicht. Die Decke war es ebenfalls. Er prüfte, er schlug mit einem kleinen Hammer gegen das Gestein und verließ sich dabei auf sein Gehör.
Für ihn immer noch besser, als mit den modernen Sonden und Röntgengeräten zu arbeiten. Die wurden erst eingesetzt, wenn er es für richtig hielt.
In diesem Fall war nichts Außergewöhnliches zu hören und zu entdecken. Keine Risse, die sich seit dem letzten Kontrollgang erweitert hatten.
Und doch war etwas anders geworden.
Ungefähr in der Stollenmitte blieb Oleg Stachow stehen. Er runzelte die Stirn und versuchte herauszufinden, was es wohl sein könnte. Er war der Experte. Er kannte sich aus, für in war diese unterirdische Welt wie der Körper eines Menschen, der lebte, der atmete, der fraß, der verdaute.
Er bewegte seine rechte Hand. Das eisige Licht scheuchte die Dunkelheit weg. Staub tanzte mit bizarren Bewegungen. Der Boden war trocken. Es tropfte kein Wasser, es war still, und nur er befand sich innerhalb des Stollens.
So zumindest hatte es den Anschein. Das wollte Stachow nicht mehr glauben. Nie hatte er das Gefühl gehabt, dass ein Stollen zu einem Gefängnis für ihn hätte werden können, in diesem Fall war es schon so. Jetzt kam er sich wie ein Gefangener vor, der von verschiedenen Seiten belauert wurde, ohne dass er sah, wer ihn da aus dem Hintergrund unter Kontrolle hielt.
Was war das? Wer war das?
Nichts zu hören, nichts zu sehen …
Oleg ging weiter. Diesmal mit nasser Stirn, auf der sich der Schweiß gesammelt hatte. Dicke Tropfen, die auch nicht kleben blieben, sondern auf seine hellen Augenbrauen zu liefen.
Er ging jetzt langsamer. Er achtet auf jeden Schritt. Auf das Knirschen unter seinen Sohlen. Er spürte den kalten Hauch, obwohl er nicht vorhanden war und Oleg ihn sich nur einbildete. Wie die kalten Knochenfinger des Sensenmannes, die über seine Haut strichen und das Gefühl der Vereisung verursachten.
Vor sich sah er die Querwand.
Dort ging es nicht mehr weiter. Die beiden Enden der Lampenstrahlen schufen helle Kreise in unterschiedlicher Höhe. Die Wand war nicht extra gemauert worden. Man hatte Gestein hierher geschafft und sie aufgeschüttet. Deshalb verlief sie auch schräg, vergleichbar mit einem Berghang. Das Geröll und die Steine klebten zusammen. An ein Durchkommen mit bloßen Händen war nicht zu denken.
Es war eine normale Verschüttung. Vor Jahren hatte man den Stollen abgedichtet. Über die Gründe war nichts zu erfahren gewesen. Wenn es schriftliche Unterlagen gab, dann waren sie entweder vernichtet worden oder man hatte sie in den geheimen Archiven verschwinden lassen.
Es gab kein Vorankommen mehr. Die Wand war dicht. Sie war dick, und Oleg leuchtete sie Stück für Stück an. Einen besonderen Grund gab es dafür nicht. Er dachte wieder an die Geschichten seiner Kollegen, die von den unheimlichen Lebewesen sprachen, die sich in den Gängen und Stollen verborgen hielten.
Märchen? Legenden?
Sicher, ganz bestimmt sogar. Er hatte auch nicht daran geglaubt und darüber gelächelt.
Warum jetzt nicht? fragte er sich. Warum kann ich darüber nicht grinsen und mich amüsieren?
Er hatte schweißfeuchte Hände bekommen, während er auf die Wand starrte. Die Steine gaben ihm keine Antwort. Sie lagen fest übereinander. Sie klebten. Moos und Feuchtigkeit hatten die Zwischenräume hart wie Beton gemacht.
Was lag hinter der Wand?
Oleg Stachow wundert sich über diesen Gedanken. Nie hätte er sich träumen lassen, einmal so zu denken. Alles war anders geworden in den letzten Minuten. Er war immer froh gewesen, selbst Entscheidungen treffen zu können, nun sah es anders aus. Da kam er sich vor wie jemand, der von einer anderen Macht bestimmt wurde.
Er drehte sich um.
Nein, es lauerte niemand hinter ihm. Der Stollen war leer. Aber gab es nicht auch Gefahren, die man nicht sah? Die im Verborgenen lauerten und nur darauf warteten, dass der Mensch einen Fehler beging?
Mach dich nicht verrückt! hämmerte er sich ein. Reiß dich zusammen. Du bist kein kleines Kind mehr. Du hast hier die Arbeit zu erledigen, und die führe zu Ende.
Es war gut, dass Oleg so dachte, denn nun hatte er sich wieder soweit zusammengerissen, dass er seiner Arbeit weiterhin nachgehen konnte und sogar die Wand untersuchte. Er versuchte, neutral ans Werk zu gehen, was ihm nicht so gelang, wie er es sich gewünscht hätte. Irgendwo in einer versteckten Ecke seines Hirns wusste er schon, dass dieser Stollen nicht normal war. Es lag auch an ihm. Sonst hätte er beileibe nicht so reagiert.
Er war dicht an die Wand herangetreten. Ein kleiner schräger Hang lag vor ihm. Fest, hart. Er klopfte ihn mit seinem Hammer an verschiedenen Stellen ab. Er lauschte den Echos, doch die sagten ihm nichts. Er fand keine Hohlräume und überlegte, wie dick dieses Ende wohl sein konnte.
Ging es darunter weiter? Oder war der Rest des Tunnels einfach zugeschüttet worden?
Niemand wusste es. Aber woher drang der Luftzug? Oleg spürte ihn, er suchte die Quelle und konnte nichts finden. In seiner Umgebung war alles verschlossen.
Wieder war er ins Schwitzen gekommen. Seine Wangen schimmerten feucht. Er hielt den Mund offen und saugte die Luft ein. Durch die Nase stieß er sie wieder aus.
Erst jetzt konzentrierte er sich auf den Geruch. Er war so alt, auch feucht. Das Gestein sonderte ihn ab. Er schmeckte ihn auch auf der Zunge und hatte das Gefühl, ihn von seinen Lippen ablecken zu können. Der Eindruck, ein Gefangener zu sein, verstärkte sich immer mehr. Hände hielten ihn umfangen, und vor ihm lauerte weiterhin das Unheil in oder hinter der Wand versteckt.
Die Kontrolle war beendet. Es gab nichts, was Oleg hätte beanstanden können. Er wollte Schluss machen und dachte daran, dass es eigentlich Zeit war, eine Pause einzulegen. Die Luft in diesem Stollen hatte ihn durstig gemacht.
So ging er zurück zu dem Platz, an dem er seine alte Werkzeugkiste abgestellt hatte. Er klappte sie zu beiden Seiten hin auf und holte die alte, schon leicht verbeulte Thermoskanne hervor. Sie war mit Tee gefüllt, den er gern kalt trank. Seine Schwester kochte ihm das Getränk immer vor Dienstbeginn; verheiratet war Oleg nicht. Er lebte in einem kleinen Zimmer bei der Schwester und dem Schwager, der es zu etwas gebracht hatte, wenn auch auf Wegen, die Oleg sehr suspekt vorkamen. Nicht grundlos lief sein Schwager mit einer Waffe herum und engagierte hin und wieder Leibwächter, um sich schützen zu lassen.
Oleg Stachow hatte sich auf die Erde gesetzt. Die Stollenwand diente ihm als Stütze. Der erste Schluck tat immer besonders gut, aber er löschte den Durst noch nicht. Erst als Oleg die Thermoskanne zur Hälfte geleert hatte, war das trockene Gefühl aus seiner Kehle verschwunden. Er streckte die Beine aus. Die Helmleuchte strahlte nach vorn und zeichnete einen hellen Kreis an die gegenüberliegende Wand.
Stachow zog die Nase hoch und dachte an den Bericht, den er schreiben musste. Er würde darin aufführen, dass es keine Unregelmäßigkeiten gab und alles in Ordnung war.
Ja, so wie immer.
Und doch war es gegen seine Überzeugung. Es war nicht alles in Ordnung. In diesem Stollen steckte mehr, als es die beiden Strahlen erhellen konnten. Hier lauerte etwas, das er nicht sah. Das ein Mensch nicht sehen, sondern nur fühlen konnte, und Oleg glaubte, dass es nicht verschwunden war, sondern näher und immer näher kam und sich um seinen Kopf herum verdichtete.
Etwas brummte in seiner Nähe.
Stachow war irritiert. Er ließ die Kanne sinken. Das Brummen blieb. Er hörte es dicht an seinem Ohr. Dann spürte er die Fliege oder Mücke auf seiner rechten Wange – und einen winzigen Augenblick später auch den Stich.
Stachow verzog das Gesicht.
Ein Insekt im Stollen.
Es hatte ihn gestochen. Er schlug noch auf die Stelle, aber die Mücke war längst wieder verschwunden und wie ein winziges Staub körnchen in die Dunkelheit getaucht.
Ein erneutes Brummen.
Diesmal an der linken Seite.
Und wieder wurde er erwischt.
»Scheiße, verdammt!« Oleg war langsam sauer. Auf einmal waren die Mücken da, denn jetzt sah er sie sogar im Licht der Helmlampe durch den hellen Strahl fliegen. Sie tanzten dort, sie wurden vom Licht angezogen und bewegten sich, als wollten sie ihn verhöhnen. Er konnte sie nicht mehr zählen, er saß nur da und staunte, denn die Mücken kamen ihm so verflixt groß vor. Parasiten, die sich mit seinem Blut vollgesaugt hatten.
Woher sie kamen, wusste er nicht. Hatte Oleg sie zuerst noch als harmlos eingestuft und sich nur über die Bisse geärgert, so sahen die Dinge jetzt anders aus.
Die Mücken hatten sich zu einem regelrechten Schwarm zusammengefunden. Er tanzte zwischen Boden und Decke. Eine Wolke aus Insekten, die aus dem Nichts entstanden zu sein schien. Das hatte Oleg noch nie erlebt. Er war kein ängstlicher Mensch, doch in einer Lage wie dieser hatte er sich noch nie zuvor befunden, und er spürte, wie die Angst in ihm hochkroch.
In dieser Welt kannte er sich aus. Hier arbeitete er seit vielen Jahren ohne Störungen. Auch die Dunkelheit bereitete ihm keine Probleme, aber Mücken hatte er in dieser Welt noch niemals erlebt. Nicht in dieser Menge.
Er stand auf.
Die Kanne kippte dabei um, weil er sie angestoßen hatte. Dass der Tee auslief, störte ihn jetzt nicht mehr. Er ließ die Kanne auch liegen und klappte nur den Werkzeugkasten zu, denn ihn wollte er mitnehmen.
Oleg kam wieder hoch.
Er war noch mitten in der Bewegung, als sich die Mücken auf ihn stürzten …
*