John Sinclair 1098 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair 1098 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!

Das brennende Gesicht.

Jedes Jahr im Februar findet auf der Insel Sylt das Bükenbrennen statt. Es ist ein Brauch aus heidnischer Vorzeit, der mittlerweile zu einem Volksfest geworden ist.

Das letzte Brennen in diesem Jahrtausend sollte zu einem besonderen Fest werden. Eine alte Rache wartete auf ihre Erfüllung.

Und so wurde nicht nur Holz dem Feuer übergeben, sondern auch Menschen ...

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Seitenzahl: 140

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumDas brennende GesichtVorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Das brennende Gesicht

Jedes Jahr im Februar findet auf der Insel Sylt das Bükenbrennen statt. Es ist ein Brauch aus heidnischer Vorzeit, der mittlerweile zu einem Volksfest geworden ist.

Das letzte Brennen in diesem Jahrtausend sollte zu einem besonderen Fest werden. Eine alte Rache wartete auf ihre Erfüllung.

Und so wurde nicht nur Holz dem Feuer übergeben, sondern auch Menschen …

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-3831-4

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Das brennende Gesicht

»Ich bin froh, dass ich Sie getroffen habe, Mr. Sinclair. Heilfroh sogar.«

Mein Lächeln fiel neutral aus. »Das wird sich noch herausstellen.«

Paul Pucheim ließ sich nicht beirren. »Falls es nicht schon zu spät ist«, flüsterte er.

»Wie meinen Sie das?«

Seine Stimme war kaum zu verstehen. »Verbrennen«, raunte er, »ich werde verbrennen …«

»He, Mann, warum hältst du an?« beschwerte sich Jan Michels. »Was soll das denn?«

»Weil ich es so will!«

»Scheiße. Ich habe keine Lust mehr. Die Fete hat mich genervt. Ich will endlich nach Hause. Wir können da noch einen nehmen. Du kannst auch bei mir pennen und …«

»Mich hat die Fete auch genervt.«

»Dann ist alles paletti.«

»Nein, ist es nicht!« Ole Gatz grinste. Er zog den Zündschlüssel raus, schnallte sich los und grinste Jan Michels noch kurz an, bevor er die Tür des grünen Fiat Punto aufstieß.

Jan verdrehte die Augen. Er blickte auf Oles Rücken. Er fluchte in sich hinein. Jetzt ärgerte er sich noch mehr, mit Ole überhaupt gefahren zu sein. Aber so war das eben, wenn man kein eigenes Auto hatte. Oles Vater war da eben großzügiger. Jans alter Herr hatte nur den Kopf geschüttelt und gemeint, dass die Insel schon mit zu vielen Fahrzeugen zugestopft war und er dem nicht noch Vorschub leisten wollte. Das stimmte zwar, aber auf einen Wagen kam es nun auch nicht mehr an. So zumindest dachte Jan Michels.

Er blieb mit leicht angezogenen Knien auf dem Beifahrersitz sitzen. Sylt ist wirklich nicht groß, wohl lang, aber hier kam er sich vor wie inmitten einer Mondlandschaft abgestellt. Dabei standen sie auf einer schmalen Nebenstraße zwischen Keitum und Archsum. Gut zweihundert Meter weiter stand schon das Ortsschild von Keitum, dessen oberer Rand mit einer gefrorenen Schneeschicht bedeckt war. Die erhöht stehende Kirche von Keitum war auch zu sehen. Sie wurde in der Dunkelheit immer angestrahlt.

Es war still. Schnee bedeckte die Insel wie ein gewaltiges Leichentuch. Jetzt, in der Nacht, hatte seine helle Farbe einen bläulichen Schimmer erhalten, als hätten Schatten es geschafft, aus den Tiefen der Erde in die Höhe zu steigen.

Mitternacht war schon vorbei. Eine tiefe Ruhe lag über dem Eiland. Da der Wind aufgehört hatte, wurde das Wasser an der Westseite nicht aufgewühlt. So konnten die Wellen ruhig bis an den Strand heranrollen und sich dort auslaufen.

Jan Michels wusste nicht, weshalb sein Kumpel ausgestiegen war. Hier gab es nichts. Keine Kneipe, die offen hatte. Nicht einmal ein Haus stand in der Nähe, in dem sie einen Bekannten hätten treffen können. Weiter vorn allerdings zeichneten sich die Umrisse eines Gehöfts ab, zu dem auch ein Pferdestall gehörte.

Ole Gatz kam nicht zurück. Er hatte seine Hände in die Taschen der Hose gesteckt und war einen schmalen, schneebedeckten Feldweg hochgelaufen, um dort stehen zu bleiben, wo sich ein besonderes Gebilde abmalte.

Jan stieß die Tür auf und verließ den Fiat ebenfalls. Er blieb neben dem Fahrzeug stehen und rief: »He, warum kommst du nicht zurück?«

»Komm du her.«

»Und warum?«

»Weil ich dir was zeigen will!«

»Was denn?«

»Komm her, dann siehst du es!«

»Da ist doch nichts.«

Ole Gatz lachte. In der Stille hörte sich selbst ein leises Lachen laut an. »Du wirst dich wundern.«

Wieder fluchte Michels vor sich hin. Aber Ole hatte den Wagen, und zu Fuß nach Hause gehen wollte Jan auch nicht. Also musste er seinem Freund folgen.

Beide hatten sie getrunken. Ole weniger als Jan. Hin und wieder waren die Bullen besonders scharf. Auch an Tagen kurz vor dem großen Biikenbrennen, das in zwei Tagen stattfinden würde. Dann war hier der Bär los, da platzte die Insel aus allen Nähten, denn dieses alte Volksfest heidnischen Ursprungs war in den letzten Jahren zu einer wahren Touristenattraktion geworden.

Ole wartete auf seinen Freund. Jan ging langsam über den hart gewordenen Schnee, der auf der Oberfläche wie eine Kruste wirkte. Er lauschte dem Knirschen seiner Schritte, atmete die sehr kalte Luft ein und wickelte den Schal enger um seinen Hals. Er trug nur einen Pullover zur Hose. Die gefütterte Jacke hatte er auf dem Rücksitz des Autos liegengelassen.

»Endlich«, sagte Ole, als Jan neben ihm stand.

»Was heißt endlich?«

»Dass du hier bist.«

»Klar. Und jetzt?«

Ole hob den rechten Arm. Er streckte zugleich einen Zeigefinger aus. »Schau mal da hin.«

»Wohin denn?«

»Zu diesem Holzstoß.«

Jan Michels verdrehte die Augen. »Ich glaube, ich stehe im Wald. Das meinst du also. Ist dir das so unbekannt? Holz für das Birkenfeuer. Du siehst es doch überall. Von Hörnum bist List. Da gibt es viele Orte und Plätze, wo sie das Zeug aufgeschichtet haben. Bin ich Tourist, dass ich stehen bleiben und mir den Stoß hier ansehen muss?«

»Nein.«

»Eben.«

»Aber der hier ist etwas Besonderes.«

Jan lachte. »Toll. Woran siehst du das? Dass man den Stoß mit Brettern eingefriedet hat und er noch nicht seine Teerkappe besitzt? Meinst du das?«

»Überhaupt nicht.«

»Was also ist so wichtig?«

Ole Gatz nickte dem Holzstoß aus Weihnachtsbaumresten entgegen. »Er wird bald brennen.«

»Klar. Weiß ich auch. In zwei Tagen geht es los. Da haben wir den 21. Februar und …«

»Nein, nicht in zwei Tagen, sondern schon heute.«

»Dann kannst du nicht rechnen.«

Ole winkte ab. »Wenn du denkst, dass ich mit dem Gedanken spiele, ihn anzuzünden, irrst du dich. Ich weiß, dass er brennen wird. Ich weiß auch, dass wir brennen werden. Da ist etwas, Jan. Ich spüre es. Ein Feuer, das plötzlich da ist.«

Michels musste lachen. »So aus dem Nichts? Meinst du das vielleicht?«

»Ja.«

Jan atmete tief durch. Er zwang sich zur Ruhe. Bisher hatte er Oles Gedanken und Taten irgendwo immer nachvollziehen können, das war jetzt vorbei. Er fasste sich an den Kopf. Er konnte nicht begreifen, was sein Kumpel damit meinte. Der war sonst nicht so. Zumindest nicht so ernst wie in dieser Nacht. Dabei war sie nicht anders als sonst. Vielleicht ein wenig windstiller, das war auch alles.

»Wieso spürst du das Feuer?«

Ole ging nicht auf die Frage ein. Zumindest nicht direkt. »Das ist nicht normal.«

»Was?«

»Merkst du denn nichts?«

»Nein, verdammt!«

Ole bewegte seinen Kopf. Er schaute zu Boden, aber auch nach vorn und zum Himmel. »Es wird kommen, Jan, das verspreche ich dir. Das Feuer ist unterwegs. Niemand braucht es anzuzünden. Es ist die Rache, die alte Rache. Lange genug hat es gedauert, aber jetzt ist Schluss damit. Frag deinen Vater, Jan.«

»He, der ist Pfarrer.«

»Klar – eben.«

»Du spinnst.«

»Nein, Jan, frag deinen Vater. Er weiß es. Er muss es wissen. Und dieser Paul Puchheim hat es auch gewusst.«

»Wer ist das denn schon wieder?«

»Der Mann, der sich hier auf der Insel herumgetrieben und alle möglichen Leute befragt hat.«

»Der Sagenforscher?«

»Genau der.«

»Was hat der mit meinem Vater zu tun?« erkundigte sich Jan Michels verwundert.

»Frag ihn.«

»Das werde ich auch. Aber nicht jetzt. Ich habe keine Lust mehr, hier weiter vor dem Haufen zu stehen. Ich will weg. Ich bin sauer. Ich bin müde. Ich will in mein Bett.«

»Kannst du auch. Aber später. Erst musst du sehen, was hier passiert, Jan.«

»Gar nichts.« Er trat wütend in den Schnee. »Das hier ist ein Biikenhaufen. Er besteht aus Reisig. Aus alten Tannen und aus alten Fichten. Nadelgehölz, das in zwei Tagen besonders gut brennen soll. Was erzählst du mir da für einen Mist?«

»Ich rede von einer alten Rache. Die hat auch Pucheim gespürt. Er hat mit mir darüber gesprochen. Nicht alles, was Jahrhunderte zurückliegt, ist vergessen.«

Jan prustete die Luft aus. »Jetzt laberst du wie ein besoffener Sailor.«

Ole gab ihm keine Antwort mehr. Er benahm sich seltsam. Er streckte die Arme dem eingezäunten Holzstoß entgegen und spreizte seine Hände.

Jan schüttelte den Kopf. Er fand das Benehmen seines Freundes immer komischer. Der kam ihm vor wie ein Magier vor dem großen Auftritt, bei dem die Zuschauer auf den Arm genommen wurden.

Ole ging auf den Holzstoß zu. Er flüsterte vor sich hin. Er schüttelte den Kopf und blieb plötzlich stehen. »Es ist da, Jan, es ist da. Verdammt, ich spüre es.«

»Was denn?«

»Die Hitze, das Feuer!«

Jan Michels konnte nicht mehr an sich halten. Er riss den Mund auf und lachte. Nur sehr kurz, obwohl er vorhatte, seinen Freund richtig auszulachen. Das misslang gründlich. Schon nach wenigen Sekunden verstummte das Lachen, denn auch er hatte etwas gespürt, das überhaupt nicht in diese kalte Winternacht hineinpasste.

Es war die Wärme. Er trug keine Handschuhe und merkte, dass die Wärme über seine Finger strich. Hätte ein Heizofen hier gestanden, wäre ihm alles begreiflich gewesen, so aber schüttelte er verwundert den Kopf und wollte Ole ansprechen.

Der aber stand wie erstarrt vor dem Biikenhaufen und war noch näher an ihn herangetreten. Er sah aus wie unter Trance stehend. Er hielt den Mund offen und saugte die kalte Luft ein. »Gleich«, flüsterte er, »gleich passiert es …«

»Was passiert?«

»Das Feuer …«

Jan Michels grinste nicht einmal mehr. Er trat neben Ole, weil er den Drang verspürte, ihn beschützen zu müssen. Doch sein Freund hatte recht. Es gab die Veränderung. Die Luft war längst nicht mehr so kalt. Etwas Warmes strömte ihnen entgegen, und dessen Quelle war der Holzstoß.

»Das Feuer ist auf dem Weg!« flüsterte Ole.

»Lass uns abhauen.«

»Die alte rache wird sich erfüllen.«

»Red keinen Scheiß, komm weg!«

»Wir werden ihn sehen.«

»Wen denn?«

»Den Rächer.«

Jan Michels wurde es unheimlich. Nicht nur wegen der Rederei seines Freundes. Da war auch noch etwas anderes, das ihm nicht passte. Der Schwall heiße Luft stieg plötzlich in die Höhe und breitete sich um den Holzstoß herum aus.

Jan Michels verstand die Welt nicht mehr. Hier ging etwas vor, das nicht in sein Weltbild hineinpasste, aber von Freund Ole anscheinend akzeptiert wurde.

Die Hitze nahm zu. Als Schwall drückte sie von vorn gegen die Körper der beiden. Sie raubte ihnen beinahe den Atem, und zumindest Jan Michels hielt die Luft an.

Zugleich sah er das Glühen.

Auch dies kam ihm unheimlich vor. Das gesamte alte Holz innerhalb des Stoßes glühte auf. Zuerst war die Farbe noch recht schwach, nicht mehr als ein helles Rot. Das änderte sich jedoch, denn in den folgenden Sekunden wurde aus dem schwachen Rot ein sehr düsteres. Jeder Zweig, jeder Ast, jede Nadel glomm auf. Die Ankunft des Feuers war jetzt sichtbar geworden, und sie konnte auch nicht gestoppt werden. Der Haufen hatte ein seltsames Eigenleben bekommen. Es gab nichts mehr, was nicht diesen roten Schein abgestrahlt hätte. Dazwischen, in den Lücken, gab es noch dunkle Stellen. Jan erinnerte dieser Biikenhaufen an einen transparenten Riesenkristall, der rot eingefärbt worden war.

»Was ist das, Ole?« Jetzt zitterte seine Stimme.

»Warte ab.«

Nur Sekunden vergingen, dann geschah das, womit zumindest Ole Gatz gerechnet hatte.

Der Biikenstoß entzündete sich!

*

Urplötzlich war das Feuer da. Beide hatten noch das puffende Geräusch gehört, dann schlugen die Flammen wie aus dem Nichts in die Höhe. Im Nu hatten sie den gesamten Holzstoß erfasst und veränderten ihn zu einem schaurig-schönen Gebilde.

Das Feuer loderte. Es bestand aus zahlreichen Armen, die sich innerhalb des Holzstoßes ausbreiteten. Sie waren gierig, sie zuckten, sie suchten nach Beute, aber sie blieben auf den Biikenstoß beschränkt. Sie blieben innerhalb dieses Ziels gefangen und griffen nicht über, sodass die beiden jungen Zuschauer nicht in Gefahr gerieten, von ihnen erfasst zu werden und zu verbrennen.

Beide kannten die Biikenfeuer lange genug. Sie wussten auch, wie sie abliefen. Dass dabei dicker Qualm entstand, dass die Flammen immer sehr hoch loderten, als wollten sie mit ihren Spitzen in den Himmel greifen. Das alles wäre auch hier normal gewesen, aber es trat nicht ein. Das Feuer blieb auf den Holzstoß beschränkt, und es sengte nicht einmal die hölzerne Begrenzung an.

Es gloste mehr, als dass es loderte. Es gab auch keine armlangen Feuerzungen. Alles hielt sich in Grenzen. Das Feuer schien irgendwelchen Mächten zu gehorchen.

Noch etwas empfanden die beiden jungen Leute als schlimm. Sie hörten nichts. Kein Knistern des alten Holzes. Kein Knacken, kein Fauchen, kein Zusammenbrechen. Das Feuer brannte und gloste in einer nahezu gespenstischen Stille.

Jan Michels wunderte sich, dass er sogar seine Sprache wiederfand. »Was ist das?« hauchte er.

»Warte, warte nur. Es kommt noch!«

»Was denn?«

»Da, schau hin!« Oles Kopf ruckte vor, und auch Jan sah jetzt, was er gemeint hatte.

In den Flammen erschien das Gesicht.

Groß, riesengroß. Ein Abbild, ein Zerrbild und trotzdem so schrecklich real. Ein Gesicht, das brannte, aber nicht verbrannte. Es hatte sich mit den Flammen arrangiert und fühlte sich zwischen ihnen anscheinend wohl, als würde es dazugehören.

»Das ist doch Wahnsinn!« flüsterte Jan. »Das kann ich nicht glauben.«

»Die alte Rache, die alte Rache. Ich wusste es. Der Pirat. Der Tod, er ist da. Schau es dir an, schau es dir an. Er ist nicht tot. Er wird sich für die erlittene Schmach rächen.«

»Wer denn?« schrie Jan.

Ole Gatz gab keine Antwort. Er war einfach zu fasziniert. Das Gesicht malte sich übergroß innerhalb der Flammenglut ab. An und in ihm brannte nichts. Es war da. Die Jungen sahen das dunkle, schwere und lang wachsende Haar, das den Kopf umgab, aber die vordere Seite freiließ, sodass beide das Gesicht genau erkennen konnten.

Scheußlich, aber keine Fratze. Dunkle Augen, leicht mit Feuer gefüllt, damit der alte Ausdruck noch zu sehen war. Dieser Blick versprach Böses, er dürstete danach, Rache zu nehmen. Ein breiter Mund, der zu einem wissenden Grinsen verzogen war. Hagere Wangen, eine kantige Nase und ein dunkler Bart, der wie Gestrüpp das Kinn umwucherte und sich an den Seiten bis zu den Ohren hin hochzog.

»Wer ist das, Ole?«

»Das ist Wazlaw, der Pirat.«

»Irre, Wahnsinn …«

»Hüte dich vor ihm.«

»Ein Trick …«

»Nein, es ist sein Geist. Es ist seine Rache, die er noch vor der Jahrtausendwende ausüben will. So hat er es damals versprochen. Und dieses Jahr hier ist seine allerletzte Gelegenheit. In zwölf Monaten ist es zu spät. Ich wusste es …«

»Das ist doch …«

Lachen. Scharf, böse, auch unheimlich. Es war plötzlich da und stand in der Luft. Der Pirat hatte seinen Mund weit aufgerissen. Die Zunge stach hervor und bewegte sich dabei wie der Klöppel einer Glocke.

Jan Michels suchte nach irgendwelchen Lautsprechern, aus denen das Lachen hervorgedrungen sein konnte. Es gab keine. Das Lachen erreichte ihn auch nur von vorn.

Das Gesicht lachte.

Der Pirat lachte.

In sein Lachen hinein klang die Stimme des Ole Gatz fast wie ein letztes Gebet vor der Hinrichtung. »Er wird all diejenigen holen, die sich schuldig gemacht haben. Und es sind damals viele gewesen. Die Insulaner sind verflucht …«

Jan hatte jedes Wort verstanden. Er traute sich nicht, eine Frage zu stellen. Zugleich spürte er, dass mit dem Feuer etwas nicht stimmte. Es ging nicht nur um die Flammen allein, die sowieso schon ungewöhnlich waren, nein hier drängte sich ihm etwas von den Flammen her entgegen, mit dem er überfordert war.

Stimme? War es eine Stimme? Er konnte es nicht sagen, aber er fühlte, wie er fremdbestimmt wurde. Jemand versuchte, ihn nahe an das Feuer zu locken.

Erst jetzt wurde ihm bewusst, dass ihn kein Rauch erreichte. Auch die Wärme ließ sich ertragen. Sie war sogar angenehm, wobei sie eigentlich längst zu einer nicht mehr erträglichen Hitze hätte werden müssen.

Was stimmte hier nicht?

Jan schüttelte den Kopf – und erschrak.