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Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!
Glendas Totenhemd (1. Teil).
Ein altes Kleid mit spektakulärer Vergangenheit wurde für Glenda Perkins und mich zu einem Albtraum. Dabei hatte ich Glenda nur dabei geholfen, eine verschwundene Bekannte zu suchen.
Der Weg führte uns zur rätselhaften Isabella, Besitzerin eines Secondhandladens. Dort klärte sich das Rätsel der Verschwundenen auf, von der nur noch Asche übrig geblieben war. Bedingt durch ein Kleid, das auch meine Assistentin überstreifen musste. Und da wurde es zu Glendas Totenhemd.
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
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Seitenzahl: 144
Veröffentlichungsjahr: 2015
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.
Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Ein altes Kleid mit spektakulärer Vergangenheit wurde für Glenda Perkins und mich zu einem Albtraum. Dabei hatte ich Glenda nur dabei geholfen, eine verschwundene Bekannte zu suchen.
Der Weg führte uns zur rätselhaften Isabella, Besitzerin eines Secondhandladens. Dort klärte sich das Rätsel der Verschwundenen auf, von der nur noch Asche übrig geblieben war. Bedingt durch ein Kleid, das auch meine Assistentin überstreifen musste. Und da wurde es zu Glendas Totenhemd.
Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve
ISBN 978-3-8387-3838-3
www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de
Plötzlich war es um sie herum eng geworden!
Cordelia Miller drehte sich auf der Stelle und schaute auf die geschlossene Tür der Umkleidekabine. Es hatte sich nichts verändert, trotzdem kam sie sich vor wie eine Gefangene, die von einem Schuhkarton umschlossen wurde.
Es roch auch nicht gut.
Die Frau rümpfte die Nase. Es war ihr unmöglich, die einzelnen Geruchskomponenten zu unterscheiden, aber sie glaubte, den Geruch von menschlichem Schweiß, Parfüm und auch irgendwie den von Asche wahrzunehmen. Eine Mischung, die ihrer Meinung nach nicht in die Umkleidekabine eines Secondhandshops passte.
Die Geräusche aus dem Geschäft waren nicht mehr zu hören. Es gab auch keine Fenster in diesem schmalen Raum. Sie hatte sich wieder gedreht und entdeckte zu ihrer Rechten einen leeren Kleiderbügel, und vor ihr stand ein Hocker, dessen Sitzfläche mit rotem Kunstleder bespannt war. Darauf konnte sie die normale Kleidung ablegen, wenn sie das Kleid anprobierte.
Ja, das Kleid!
Die dreißigjährige Frau hielt es in der rechten Hand. Sie hatte es im Laden vom Bügel genommen und konnte sich gut an das Gesicht der Besitzerin erinnern, die sie sehr intensiv angeschaut, dabei gelächelt und auch genickt hatte.
»Sie haben einen guten Geschmack, Madam.«
»Ach ja?«
»Wirklich. Dieses Kleid ist mein bestes Stück. Es gefällt mir so gut, dass ich es schade fände, wenn es verkauft wird. Aber Ihnen gönne ich dieses Teil.«
Cordelia war etwas verlegen gewesen. Um das zu verbergen, hatte sie sich nach dem Preis erkundigt.
»Geschenkt, Madam. Zehn Pfund und keinen Penny mehr. Das ist doch was, oder?«
Da hatte die Besitzerin des Ladens recht gehabt. Außerdem war Cordelia nicht bereit, mehr als zehn Pfund für ein neues altes Kleid auszugeben. Sie musste mit dem Geld rechnen, denn sie wusste, dass sie in zwei Monaten ihren Job verlieren würde.
»Ich werde es anprobieren!« hatte Cordelia gesagt.
»Das ist am besten.« Die Frau hatte ihr den Weg zur Umkleidekabine gezeigt.
Cordelia hatte sich noch einmal umgeschaut und war dann gegangen. Jetzt, als sie sich in der Kabine wiederfand und noch einmal über den Besuch im Laden nachdachte, wurde ihr bewusst, dass sie die einzige Kundin gewesen war. Es kam ihr auch seltsam vor, dass die Umkleidekabine eine Tür und nicht – wie sonst üblich – einen Vorhang besaß. In einem derartigen Geschäft schien wohl alles anders zu sein.
Sie hängte das Kleid locker über den freien Bügel, damit sie freie Hand hatte, um sich auszuziehen. Cordelia trug einen dunkelblauen Mantel aus Kunstfaser, eine schwarze Jeans und ein braunes Jackett. Den Mantel und das Jackett zog sie aus, die Bluse darunter ließ sie an. Sie würde sie bei der Anprobe nicht stören.
Ihre Hände strichen über das Kleid hinweg, nachdem sie die eigenen Sachen auf den Hocker zusammengelegt hatte. Sie hatte es im Laden schon einmal angefasst, aber da war ihr der Stoff nicht so stark aufgefallen wie in diesem Fall.
Er fühlte sich weich unter ihren Händen an, aber zugleich auch starr. Als wären Metallfäden in den Stoff hineingewebt worden. Ein wirklich ungewöhnliches Gefühl. Ein weicher, aber trotzdem straffer Stoff. Seine schmalen Falten schienen in den Lücken zwischen ihren Fingern regelrecht zu knistern.
Etwas misstrauisch beäugte sie das gute Stück. Seine Farbe war vom Prinzip her Weiß, doch darauf verlassen wollte sie sich nicht. Es kam aus zweiter Hand, durch das Tragen ihrer Vorgängerin hatte es schon etwas gelitten, obwohl es äußerlich noch völlig in Ordnung war. Das bezog sich auch auf den Reißverschluss, bei dem kein einziger Zacken fehlte.
Nur die Farbe hatte im Laufe der Zeit gelitten. Wie es jetzt aussah, hätte es auch als Totenhemd gepasst. Der Gedanke daran ließ sie erschauern.
Zudem wunderte sie sich darüber, dass sie mit der Anprobe so lange zögerte. Niemand war da, der sie davon abhielt. Es lag einzig und allein an ihr.
»Es schmiegt sich jedem Körper an, Madam. Dieser Stoff ist etwas ganz Besonderes. Sie werden ihn kaum ein zweites Mal finden. Für zehn Pfund ist das Kleid mehr als geschenkt.«
So hatte die Besitzerin gesprochen, deren Worte ihr wieder in den Sinn kamen. Noch einmal strich sie vom runden Ausschnitt her mit beiden Händen über den glatten Stoff hinweg, der sich für sie tatsächlich wie imprägniert anfühlte.
»Egal«, murmelte sie und vertrieb die Gedanken. Sie ließ das gute Stück vom Bügel rutschen und zog den Reißverschluss auf. Dann stieg sie in das Kleid hinein wie in eine Hose. Es war so einfach, so leicht, sie kannte sich da aus. Es gab überhaupt keine Probleme. Vor dem Körper zog sie es hoch. Wieder glitten die Hände über den Stoff hinweg, und dabei hatte sie das Gefühl, von neuem eine Veränderung des Stoffes zu erleben. Er war jetzt weicher geworden und fließender als beim ersten Test mit den Händen.
Sie lächelte und zog es hoch bis über ihre Schultern hinweg. Bereits jetzt wusste Cordelia, dass es ihr passte. Sie konnte die Bluse und die Hose anlassen. Es würde mit dem neuen Stück keine Schwierigkeiten geben. Und sie hatte sich schon jetzt endgültig entschlossen, das Kleid zu kaufen.
Es fehlte nur noch der Reißverschluss, der hoch bis zum Kragen gezogen werden musste. Kein Problem für eine routinierte Frau wie sie. Das Kleid passte.
Jemand klopfte gegen die Tür. Cordelia war in Gedanken versunken und schrak zusammen. »Ja, bitte …«
»Ich bin es nur – Isabella.«
»Ach Sie.« Der Frau mit diesem Namen gehörte das Geschäft. »Ja, was ist denn?«
»Eigentlich nichts. Ich wollte mich nur erkundigen, ob es Ihnen auch gut geht und Sie sich wohl fühlen.«
»Sehr wohl.«
»Dann tragen Sie das Kleid bereits?«
»So ist es.«
»Na denn. Lassen Sie sich nur Zeit.« Isabella lachte leise.
Cordelia Miller hörte, wie sich die Schritte der Besitzerin entfernten, und sie konnte sich wieder auf das neue Stück konzentrieren. An der linken Wandseite hing ein schmaler und recht langer Spiegel, der fast mit dem Boden abschloss. Jeder konnte sich darin von Kopf bis Fuß betrachten, zumindest wenn er normal gewachsen war. Auch Cordelia sah sich in der Fläche. Sie stand jetzt davor und strich mit beiden Händen über den Stoff hinweg und zeichnete die Linien ihres Körpers nach. Mit ihrer Figur war sie recht zufrieden. Cordelia hielt sich weder für zu dick noch für zu dünn. Ihre blonden Haare zeigten einen leicht rötlichen Schimmer und waren fransig geschnitten. Der Friseur hatte dabei von einer modernen Frisur erzählt, aber das hatte sie ihm so nicht abgenommen.
Das neue alte Kleid saß gut. Wieder strich sie mit beiden Handflächen von oben nach unten, um auch Letzte, sie störende Falten zu glätten. Auch am Hals saß es gut, obwohl sie den Reißverschluss nicht hatte bis ganz nach oben zuziehen können.
Die Luft in der Kabine gefiel ihr immer weniger. Sie war einfach schlechter geworden, als hätte sich eine andere hineingestohlen. Cordelia schmeckte sie sogar auf der Zunge und hatte dabei das Gefühl, etwas zu zerkauen, das verbrannt schmeckte.
Aber das konnte es nicht sein. Sie vertrieb die Gedanken und strich wieder über den Stoff hinweg. Wie weich, wie glatt, wie sanft er sich plötzlich anfühlte. Unter ihren streichelnden Händen musste er sich verändert haben, und er war auch wärmer geworden.
Oder irrte sie sich?
Etwas irritiert schaute sich die Frau um. Es gab hier nicht einmal eine Heizung. Trotzdem war es nicht mehr so wie bei ihrem Eintritt, und das hing auch nicht mit der schlechten Luft zusammen, denn sie hatte mit der Veränderung der Temperatur bestimmt nichts zu tun.
Hatte sich etwa der Kleiderstoff erwärmt? Bei ihr persönlich trat das Gegenteil ein. Sie spürte auf dem Rücken einen kalten Schauer, und dann traf sie das Erschrecken, als sie die Hände wie beiläufig zu Fäusten ballte.
Sie waren heiß!
Ja, heiß und nicht nur warm!
Cordelia Miller schüttelte den Kopf. Eine leichte Beunruhigung stieg in ihr hoch, die sich schließlich zu einem ängstlichen Gefühl verdichtete. So etwas wie hier hatte sie bei einer Kleideranprobe noch nie erlebt, und die ungewöhnliche Wärme wollte auch nicht weichen. Sie nahm einfach zu. Die Angst in ihr verstärkte sich. Es musste etwas mit dem Kleid zu tun haben. Für sie gab es keine andere Möglichkeit. Der Wunsch, es zu kaufen, war verschwunden. Sie fasste es noch einmal an und wollte auch den Stoff zusammendrücken, aber da war beinahe unmöglich. Das schaffte sie nicht, denn er setzte ihr großen Widerstand entgegen. Er war nicht mehr so weich und fließend, sondern recht hart geworden und verdiente auch den Namen Stoff nicht mehr.
Die Bewegungen der Arme und Hände waren fahrig, als sie nach hinten griff, um den Reißverschluss nach unten zu ziehen. Sie fand auch das kleine Metallstück, das allerdings hakte, und so bekam sie den Reißverschluss nicht frei.
Cordelia hörte ihren eigenen und sehr heftigen Atem. Die Hitze blieb weiterhin auf ihrer Haut und hatte jetzt auch das Blut in den Adern erfasst.
Sie bekam das Kleid nicht mehr auf. Es blieb an ihrem Körper kleben und war für sie beinahe eine zweite Haut und zugleich ein Gefängnis geworden.
Die Angst war noch da, aber sie hatte sich verändert und war zu einer leichten Panik hochgepuscht. Das Herz schlug viel schneller, und jeder Schlag schien mehr Hitze mitzubringen.
Heiß, noch heißer …
Schweiß rann über ihr Gesicht. Cordelia taumelte zur Seite und schaute sich im Spiegel an. Sie sah eine Frau, deren Gesicht verzerrt war.
Sie hörte Stimmen und sah die Sprecher nicht. Vor ihren Augen erschienen rote Wellen. Die Hitze jagte bereits in ihren Kopf hinein, erfasste dabei sehr schnell das Gesicht, sodass sie glaubte, geröstet zu werden. Der Körper war nicht nur innen heiß, sondern auch auf der Haut, und dann sah sie so etwas wie erste Rauchschwaden in ihrer Nähe. Vorhin hatte sie daran gedacht, ein Totenhemd überzustreifen, und nun war dieser Verdacht zu einer schrecklichen Wahrheit geworden. Sie würde beim Tragen des Kleides verbrennen.
Die Tür. Der Fluchtweg. Das war der einzige Ausgang aus diesem Dilemma. Die Frau drehte sich der Tür zu. Ihr fiel auf, welche Mühe sie aufbringen musste, um es überhaupt zu schaffen. Auch das lag am Kleid, denn es war schwerer geworden.
Der Griff zur Klinke.
Alles passierte langsamer als sonst. Unsichtbare Kräfte schienen sie zurückhalten zu wollen, und die Stimmen in ihrem Kopf hatten sich verstärkt.
Sie waren zu regelrechten Schreien geworden und gleichzeitig zu einem schrecklichen Chor.
»Komm zu uns … komm zu den Toten … wir mögen dich … wir wollen dich … wir warten auf dich …«
Nein, nein, nein! In ihrem Kopf tobten die Gedanken. Das kann und das darf nicht sein! Ich bin nicht verrückt, verflucht noch mal. Ich bin normal. Ich will nicht durchdrehen. Ich bilde mir das alles nur ein, ja es ist nur Einbildung.
Cordelia Miller riss den Mund auf. Sie glaubte, einen Schrei auszustoßen, tatsächlich aber drang nur ein heißes und auch heiseres Fauchen aus ihrem Mund. Der Atem war zu einer Lohe geworden und fauchte wie bei einem Raubtier.
Noch einmal startete sie einen Versuch. Es war vergeblich. Die Klinke ließ sich nicht bewegen. Sie musste von der anderen Seite verkantet worden sein, und das konnte nur diese verdammte Besitzerin Isabella getan haben.
Cordelia atmete tief ein, aber sie hatte dabei den Eindruck, heiße Luft auszuatmen. Sie riss ihre Kräfte zusammen und brüllte mit einer so laut wie eben möglichen Stimme: »Aufmachen! Aufmachen! Lasst mich hier raus, verdammt …!«
Niemand hörte sie oder wollte sie hören. So sehr sie sich bemühte, die Tür blieb verschlosen. Auch als sich Cordelia dagegenwarf, sprang sie nicht aus dem Schloss.
Die Frau war und blieb gefangen. Wie ein Tier kam sie sich vor, das in der Falle steckte. Die Kabine war zu einem Gefängnis geworden, aus dem es für sie kein Entrinnen mehr gab. Und sie merkte, wie die Schwäche in ihr immer mehr zunahm. Sie konnte nichts dagegen tun. Die andere Seite, die sie überhaupt nicht begreifen konnte, war zu stark.
Cordelia taumelte zurück. Es war ihr nicht mehr möglich, zu reden. Ihr Mund stand weit offen. Die Geräusche, die daraus hervordrangen, erinnerten sie an Tierlaute, und über ihre Lippen hinweg strömte eine heiße Luft, die ebenfalls im Innern ihres Körpers geboren wurde.
»Gleich bist du bei uns … gleich bist du bei uns … bei uns in der Hölle …«
Wieder hörte sie die verdammten Stimmen irgendwelcher Wesen oder Personen, die sie nicht zu Gesicht bekam. Sie waren weit weg und trotzdem so nah.
Cordelia drehte sich auf der Stelle. Noch in der Bewegung bekam sie den nächsten Hitzeschub mit. Sie spürte ihn wie den Schlag mit einer feurigen Hand. Er jagte über und durch ihren Körper. Es war reiner Zufall, dass sie dabei vor dem langen Spiegel stand und sich von Kopf bis Fuß sehen konnte.
Noch immer trug sie das Kleid. Aber es hatte sich verändert. Es war nicht mehr so blassweiß, sondern schimmerte wie das Rot glühender Kohlen.
Es brannte, aber es stand nicht in Flammen. Nirgendwo züngelten sie hoch, die Glut verwandelte sich nicht mehr. Sie blieb auf das Kleid und den Körper beschränkt.
Cordelia schrie wieder, weil die Qualen einfach zu groß wurden. Tausend Messer zugleich bohrten sich mit ihren glühenden Spitzen in den Körper. Vom Kopf bis hin zu den Füßen. Ihre Haut bekam plötzlich Risse. Die Schmerzen nahmen noch zu. Sie hörte sich schreien, und es waren Schreie, wie Cordelia sie nicht einmal im Kino bei einem Horrorfilm gehört hatte.
Dann drehte sich die Welt vor ihren Augen. Sie selbst glaubte, den Boden unter den Füßen verloren zu haben und jetzt ins Leere zu treten. Der Spiegel veränderten sich inhaltlich. Oder hatte sie sich so verändert? Sie sah etwas brennen, von der Glut dahintreiben, konnte jedoch nicht genau erkennen, was es war.
In diesem Augenblick hörte ihr Herz auf zu schlagen. Nichts funktionierte mehr in ihrem Körper. Sie hielt sich nicht mehr auf den Beinen und brach zusammen, wo sie stand.
Das Kleid umgab noch immer ihren Körper. Es war die zweite und auch die tödliche Haut, und es war tatsächlich für die Käuferin zu einem Totenhemd geworden.
Eingepackt in das Kleid lag sie als Bündel Mensch auf dem Boden, und der tote Körper glühte langsam aus …
*
Suko hatte unser gemeinsames Büro schon verlassen, Sir James befand sich ebenfalls nicht mehr im Haus, was mehr als ungewöhnlich war, aber es gab trotzdem noch zwei Menschen, die die Stellung hielten. Das waren Glenda Perkins und ich.
Sie wurstelte noch im Vorzimmer herum, während ich vor meinem Schreibtisch saß und die Beine hochgelegt hatte. Dabei hielt ich die Augen fast geschlossen und stand dicht davor, endgültig einzudösen. Ich schreckte erst auf, als ich Glendas Stimme hörte.
»Schläfst du?«
»Nein, ich denke.«
»Oh, das ist neu.«
»Meinst du dabei dich oder mich?«
»Dich natürlich.« Sie kam näher und blieb neben dem Schreibtisch stehen. »Darf man denn fragen, an was du denkst?«
Ich zuckte mit den Schultern. »Im Prinzip bin ich etwas kaputt. Es kann am Flug gelegen haben. Der war nicht besonders. Jedenfalls haben wir den irren Köpfer überstanden, und sehne mich nicht einmal nach dem schönen Texas zurück.«
»Wie geht es Abe Douglas?«
»Er wird es überstehen. Ist ja ein harter Knochen.« Ich reckte mich, nahm die Beine vom Schreibtisch und schaute Glenda an. »Was machen wir beiden Hübschen denn noch?«
»Ach«, erklärte sie spitz. »Ich dachte, du wärst müde.«
»Das bin ich auch gewesen. Wie sagt man doch?« Ich reckte mich ein zweites Mal. »Der beste Schlaf kann unter Umständen der Büroschlaf sein. Den habe ich hinter mir.« Ich schaute auf die Uhr. »Wir könnten zusammen etwas essen gehen …«
»Lass die übliche Masche. Ich bin nicht in Stimmung.«
»Machst du eine Diät?«
»Nein, die brauche ich nicht.« »Stimmt.« Ich lächelte, als ich meinen Blick über ihre wohlproportionierte Figur gleiten ließ.
»Ich bin einfach nicht in Stimmung heute.«
»Das kann passieren. Liegt es an mir?«