John Sinclair 1108 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair 1108 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!

Leichengasse 13.

Liebe Grusel-Freunde,

ich lade Sie ein zu einem besonderen Ausflug. Folgen Sie mir zu einem Ziel, wie es düsterer und unheimlicher kaum sein kann. Begleiten sie mich nach Liverpool und damit mitten hinein in die Leichengasse ...

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Seitenzahl: 146

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumLeichengasse 13Vorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Leichengasse 13

Liebe Grusel-Freunde,

in einer Woche lade ich Sie ein zu einem besonderen Ausflug. Folgen Sie mir zu einem Ziel, wie es düsterer und unheimlicher kaum sein kann. Begleiten sie mich nach Liverpool und damit mitten hinein in die Leichengasse …

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-3841-3

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Leichengasse 13

Aus der Gasse drang mir die kühle Luft wie ein Hauch des Todes entgegen.

Ich hätte die kleine Straße durchlaufen können, sollen, vielleicht sogar müssen, aber ich tat zunächst nichts, blieb einfach stehen wie jemand, der sich verlaufen hat und sich nun umschaut, ob es nicht einen besseren Weg gibt.

Es gab nicht viel zu sehen, weil sich die Dunkelheit der

Nacht wie ein gewaltiger Schatten über die gesamte Umgebung gelegt hatte. Auch hinter mir war es finster, denn dort wurde auch der letzte einsame Laternenschein vom Laub der Bäume geschluckt.

Es war äußerlich eine normale Gasse, und trotzdem lastete auf ihr ein Fluch. Leichengasse nannte man sie. Verrückt, aber nicht grundlos. Sie lag friedlich vor mir, eingepackt in die Stille um Mitternacht, doch der Eindruck täuschte.

Die Öffnung atmete mir eine Gefahr entgegen. Eine trügerische Stille. Schon eine gespenstische Ruhe, die sich auch am Ende der Gasse nicht verlieren konnte, denn da ging es nicht mehr weiter.

Es war eine Sackgasse!

Das zumindest hatte man mir berichtet. Ob es stimmte, wusste ich nicht, denn ich stand noch vor ihr, und meine Augen gewöhnten sich allmählich an die dichte Finsternis. Einzelheiten wurden sichtbar. Ich erkannte, dass die Gasse sehr eng war, und dass die Häuser an den beiden Seiten nicht nur eine glatte Fassade bildeten. Sie standen vor, sie traten zurück. Es gab Erker an den grauen Häusern, Dachgauben, Vorsprünge, Simse, und Dächer, die mit grauen Pfannen bedeckt waren.

Nichts regte sich zwischen den Häusern. Ich sah keinen einzigen Menschen auf der Straße und ebenfalls kein Tier. Alles war ausgestorben, und gestorben wurde hier, sonst hätte mich der Weg nicht in diesen vergessenen Stadtteil von Liverpool geführt.

Menschen waren verschwunden. Einfach so. Zwei Kollegen aus London, die hier ermittelt hatten. Sie waren nicht zurückgekehrt. Auch Nachforschungen hatten nichts ergeben. Die Gasse schien sie geschluckt zu haben.

Wer lebte hier?

Menschen – ja, aber auch sie wussten angeblich nichts. Sie hatten es gelernt, den Behörden gegenüber misstrauisch zu sein und auf entsprechende Befragungen nur mit den Schultern gezuckt.

Ein wenig erinnerte mich diese Gasse auch an eine dieser vielen engen Straßen in manchen italienischen Städten. Denn auch hier klebten die kleinen Balkone an den Hauswänden, gab es Laternen, die neben Dachrinnen von den Hauswänden wie geknickte Arme nach oben hin wegstanden, wobei um diese Zeit keine einzige Kuppel erhellt war.

Der Boden selbst war nicht glatt. Kein flacher Beton, sondern altes Kopfsteinpflaster, das uneben gelegt worden war. Ideal, um zu stolpern. Um mit Gehsteigen aufwarten zu können, war die Gasse zu schmal, deren anderes Ende ich nicht sah.

Es brannte auch kein Licht hinter den Fenstern. Alles war dunkel. Die wenige Helligkeit stammte von den Gestirnen hoch über mir. Sie standen an einem glatten Himmel, von dem sich der volle Mond allmählich zurückzog.

Für mich war sie mehr eine Filmkulisse, die man aufgebaut und dann vergessen hatte abzumontieren. Die anderen Straßen führten hinter dem Park entlang. Von dort war hin und wieder auch ein Laut zu hören. Das Summen, wenn Autoreifen über den glatten Belag fuhren. Ansonsten herrschte die Stille vor.

Man hatte mir geraten, die Gasse um Mitternacht zu betreten. Dann sollte ich etwas von ihrem Flair spüren. Das Andere, das Gefährliche, das zwischen den Häusern und auch in ihnen lauerte.

Ich gab mir einen Ruck und ging los. Nicht schnell. Ich erinnerte mehr an einen Spaziergänger, der genügend Zeit hatte, um nach einem bestimmten Ziel Ausschau zu halten.

Bereits nach den ersten Schritten erlebte ich die Veränderung. Es war die andere Luft, die ich einatmete. Der leichte Nachtwind wurde von den Häusern zurückgehalten, und so trat ich hinein in eine etwas schwüle und stickige Atmosphäre.

Die Stille blieb. Ich bemühte mich, leise zu gehen, weil ich kein Aufsehen erregen wollte.

Zu beiden Seiten ragten die Häuser empor. Schattengewächse mit viereckigen, blinden Augen, denn als nichts anderes wurden mir die Scheiben präsentiert. Der Himmel über mir war klein geworden. Die Sterne konnte ich jetzt suchen.

Die Dunkelheit fasste nach mir. Schatten erschienen, nahmen an Deutlichkeit zu, wenn ich weiterging, sodass sie ihre Bedrohung verloren, denn ich sah dann die Balkone, die Lampen, die Hauseingänge, die Fenster, Erker, Nischen und Balkone.

Nur keine Menschen!

Das war kaum einzusehen. Wieso gab es keine Menschen in dieser verdammten Gasse? Sie schienen sich in den Häusern versteckt oder aus ihnen zurückgezogen zu haben. Es war nichts da. Kein Laut, keine Stimme, keine Musik. Ich war völlig allein, und ich sah vor mir das unebene Pflaster und den runden Deckel eines Gullys.

Davor blieb ich stehen. Einen konkreten Grund hatte ich nicht. Es war einfach über mich gekommen. Ich senkte den Blick und nahm auch den Geruch wahr, der aus den seitlichen Öffnungen des Gullys nach außen kroch.

Es war der übliche Modergeruch, der oft bei einem tiefen Luftdruck entsteht. Zugleich schwang noch etwas anderes darin. Ein Gestank, der mir süßlich vorkam und mich an den der Verwesung erinnerte. Als läge unter dem Gully ein gewaltiger Friedhof, auf dem die Leichen allmählich vermoderten.

Meine Kehle verengte sich etwas. Ich schluckte. Den Geruch wurde ich trotzdem nicht los. Schweiß bedeckte meine Stirn. Bevor ich in die Knie ging, schaute ich mich um.

Nein, ich sah niemand. Trotzdem wurde ich das Gefühl nicht los, beobachtet zu werden. Hinter jedem blinden Fenster lauerten die Monster mit den kalten Augen und gewaltigen Mäulern. Sie warteten auf eine Chance, mich zerreißen zu können.

Der Deckel war in der Mitte kompakt. An den Seiten wies er Löcher auf. Sie waren zu klein und hätten mir auch bei Helligkeit kaum einen Blick in das Dunkel unter dem Gullydeckel erlaubt. Ich holte meine kleine Lampe hervor und freute mich über den Lichtschein, der in das Loch hineinstach und sicherlich fast den Grund erreichte, aber auch jetzt war nichts zu sehen.

Kein Ausschnitt eines toten Körpers und auch keine bleich schimmernden Knochen. Nichts hatte sich verändert, bis eben auf den Geruch, der jetzt noch stärker zu mir hochdrang.

Da unten in der Tiefe verfaulte und vermoderte etwas. Fleisch, das durchaus einem Menschen oder auch einem Tier gehören konnte. So genau wusste ich es nicht. Es waren jedenfalls nicht nur alte modrige Lappen.

Kollegen waren verschwunden und nicht mehr aufgetaucht. Hatte man sie hier in der stinkenden Unterwelt einfach liegenlassen, um sie verfaulen zu lassen?

Ich leuchtete durch die verschiedenen Löcher, aber es war noch immer nichts zu sehen. Dafür hörte ich etwas. Sehr leise Geräusche. Bei einem normalen Betrieb wären sie nicht zu vernehmen gewesen, hier aber irritierten sie mich.

Das war kein Plätschern oder Tropfen von Wasser. Da bewegte sich jemand, da kratzte etwas.

Ratten?

Die Unterwelt war ihr Revier. Da fühlten sich die Tiere wohl. Ich hatte schon des öfteren Erfahrungen mit ihnen machen können und wusste, dass sie auch Menschen nicht verschonten.

Allein würde ich den Deckel nicht hochwuchten können, und Hilfe stand mir nicht zur Seite.

Etwas irritierte mich. Es passte nicht hierher. Es hatte auch nichts mit dem Gully zu tun. Es war an meine Nase gedrungen, und den Geruch kannte ich.

Es war der Rauch einer Zigarette.

Ich schaute hoch, saß noch immer gebückt und sah vor mir mitten auf der Gasse eine hochgewachsene Gestalt, die mit langsamen Schritten und gesenktem Kopf auf mich zukam. Während sie ging, saugte sie hin und wieder an ihrer Zigarette. Dann glühte in Höhe des Mundes jedes Mal der rote Fleck auf.

Ich erhob mich.

Der andere ging weiter. Er tat, als hätte er mich nicht gesehen. Wenn er seinen Weg so fortsetzte, würde er gegen mich stoßen und mich überrennen.

Ich räusperte mich.

Er hörte das Geräusch und blieb an der anderen Gullyseite stehen. Wieder sog er an seiner Zigarette. Ein feiner Gluthauch überzog sein Gesicht, das mir recht schmal vorkam. Es konnte auch daran liegen, dass er seine Haare in die Höhe gekämmt hatte. Der Ausdruck war trübe, traurig vielleicht. Wie bei einem Menschen, den schwere Sorgen belasteten und der so leicht keinen Ausweg fand.

Er trug eine dunkle Hose und ein etwas helleres Hemd, das an der linken Seite von oben nach unten mit irgendwelchen fremden Symbolen bedruckt war. Die Ärmel des Hemdes hatte er bis zu den Ellenbogen hochgekrempelt.

Er schaute mich an, ich behielt ihn im Blick, doch es drang kein Wort über seine Lippen. Erklärungen hielt er zurück. Wichtig war für ihn, dass er ab und zu an seiner Zigarette ziehen konnte. Danach ließ er den Rauch wieder durch die Nase ausströmen.

»Hi«, sagte ich.

Der Fremde hob kaum den Blick. Seine Lippen bewegten sich. Er versuchte es mit einem Lächeln, doch es wurde nicht mehr als ein schiefes Grinsen daraus.

»Wohnen Sie hier?«

Er zuckte die Achseln. Zu mehr war er nicht fähig, und er fügte auch nichts hinzu.

»Bitte … ich …«

Plötzlich sprach er mich an. Die Zigarette drehte er als schon abgebrannte Kippe dabei zwischen den Fingern. »Man ruft mich«, sagte er. »Ja, man ruft mich …«

»Wer ruft? Ich höre nichts.«

Er ließ den Rest des Glimmstängels fallen. Er landete zielsicher in einem der Gullylöcher und sank in die Tiefe, wie ein glühendes Auge, das verlosch.

»Bitte – wer?«

»Die Stimmen.«

»Welche?«

»Sie sind da.« Er schloss die Augen und stöhnte leise. Der Mann war so groß wie ich und auch breit in den Schultern. Doch jetzt wirkte er so klein und niedrig, als wäre er dicht davor, sich einfach verkriechen zu müssen.

»Wo sind sie denn?«

»Überall.«

Er schaute auf seine Arme. Zuerst auf den rechten und dann auf den linken. Die Bewegung war so prägnant, dass ich sie automatisch verfolgte und dabei sah, dass sich auf der Haut an den Armen etwas bewegte. Es waren fließende Bewegungen. Kein hartes Zucken, sondern mehr ein weiches Huschen, wie von geheimnisvollen Schatten hinterlassen, die über die Haut huschten.

»Lassen Sie mich mal sehen!«

Mein Wunsch alarmierte und erschreckte ihn. Mit einem Sprung brachte er sich aus meiner Reichweite. Er sagte auch nichts mehr und schüttelte nur den Kopf.

»Warum?« rief ich. »Es ist alles ganz harmlos und normal. Was haben Sie zu verbergen?«

Er ging weiter. Er streckte mir dabei die Arme entgegen. Eine Warnung für mich, um mich von einem weiteren Tun abzuhalten. Auf keinen Fall sollte ich ihn verfolgen.

Mit einem langen Schritt hatte ich den Gully überquert. Das war genau der Schritt zu viel für den anderen gewesen, denn er wirbelte herum, drehte mir den Rücken zu und rannte weg.

Er war verdammt schnell, und er nutzte auch die Gunst des Augenblicks. Ich wollte ihm nach, doch er fand sich in der Dunkelheit besser zurecht. Bevor ich mich richtig auf den Weg machen konnte, hatte ihn die Dunkelheit der Gasse schon verschluckt. Aber die Stille war nicht mehr da. Ich hörte ihn. Er jammerte, er flehte um Hilfe, und ich hetzte tiefer in die verdammte Gasse hinein. Die Lampe ließ ich eingeschaltet. Der Strahl hüpfte im Rhythmus meiner Bewegungen. Mal tanzte er in die Höhe, dann wieder strich er über den Boden hinweg.

Der Fremde kämpfte. Ich sah ihn plötzlich. Er schlug um sich und verteidigte sich dabei gegen etwas, das ihn angegriffen hatte und aus dem Boden gekommen sein musste. Es war mir unmöglich, es zu erkennen, ich sah nur einen dicken Klumpen, aus dem Hände und Arme wie Schatten hervorwuchsen.

Bevor ich den Ort des Schreckens erreicht hatte, war alles vorbei. Es gab den Mann nicht mehr. Es gab auch keine Schatten, es waren nur bestimmte Geräusche zu hören. Dumpf erstickt und schmatzend. Einfach schrecklich, und sie drangen aus einer Ebene, die unter meinen Füßen lag.

Ich wurde fast verrückt.

Ich sah nichts.

Nur den Gully …

Aber er war geschlossen, und die unheimlichen Laute hörte ich nur deshalb, weil auch er an den Seiten die entsprechenden Öffnungen besaß. Dort unten steckte der Mann mit den hochgekämmten Haaren. Und wer war noch bei ihm?

Es gab keine Antwort für mich auf diese Frage. Ich hatte auch nicht viel gesehen. Eben nur diesen Schatten, der seine zuckenden Arme immer wieder in die Höhe gestreckt hatte.

Die Leichengasse hatte ihn geholt.

Ich stand da und wusste nicht, was ich unternehmen sollte. Ich war wieder allein. Die Unterwelt zu meinen Füßen musste vibrieren. Sie war zu einer kleinen Hölle geworden, zu der ich leider keinen Zutritt hatte, denn mir war es nicht möglich, den Deckel anzuheben.

Einen Schritt ging ich zurück, um mich zu drehen. Ich wollte dabei nicht unbedingt auf dem Deckel des Gullys stehen bleiben. Die Stille kam mir jetzt noch tiefer vor. Alles hatte die verdammte Dunkelheit verschluckt wie ein gewaltiges Tintenfass.

Nur meine Lampe funktionierte. Ihr kleiner Lichtkreis blieb auf einer Hauswand kleben. Ich sah die Tür. Die blinden Fenster. Die abgeknickte Laterne, die nicht brannte. Ein Abflussrohr reichte vom Dach her wie ein starrer Arm nach unten, dem man die Hand an seinem Ende einfach abgeschnitten hatte.

Es war Zufall, dass der kleine Lichtkreis der Lampe haargenau die Hausnummer traf.

Eine Zahl.

Die Dreizehn!

Ein Omen? Hatte mich das Schicksal genau an dieses Haus herangeführt, damit ich es betreten sollte? Gab es diese Fügung aus dem Hintergrund, dass dort jemand saß und mich wie ferngelenkt steuerte?

Es reizte mich natürlich, das Haus zu betreten. Ich hoffte, dass die Tür nicht verschlossen war. Langsam bewegte sich der Lichtschein nach unten, strich auch über die Tür hinweg, die sich genau in diesem Moment öffnete.

Zum ersten Mal nach einer gewissen Zeit wurde die Stille wieder unterbrochen. Das Kratzen ließ eine leichte Gänsehaut auf meinem Körper entstehen, und nach wenigen Herzschlägen leuchtete ich die Gestalt an, die die Tür geöffnet hatte.

Es war eine Frau!

*

Mein Leben und meine Arbeit waren gespickt mit Überraschungen. Immer wieder wunderte ich mich über völlig neue Perspektiven, und genau das war hier auch der Fall.

Ich stand noch immer unter dem Eindruck des Erlebten und versuchte, gewisse Dinge nachzuvollziehen, besonders das schnelle Verschwinden des Mannes mit den hochgekämmten Haaren, und jetzt stand da diese Person. Krasser konnte der Gegensatz nicht sein.

Ja, es war eine Frau, aber nicht irgendeine. Man konnte sie ohne Weiteres als Vollweib bezeichnen. Sie stand nicht einfach nur in der offenen Tür, sie hatte sich lässig mit einer Schulter gegen die Rahmen gelehnt. Dabei ähnelte sie einer Liebesdienerin, die auf Kunden wartete. Zudem ließ die Haltung darauf schließen, dass sie sich in dieser Umgebung trotz allem sehr sicher fühlte. Ich konnte sie auch deshalb sehen, weil im Haus und hinter ihr Licht brannte. Ein düsteres Licht, das den Begriff hell nicht verdiente. Unheimlich. Dunkel, dann violett und von einer besonderen Quelle stammend, die hinter der Frau lag.

Dass sie mir die Tür geöffnet hatte, war nicht ohne Grund geschehen. Sie wollte etwas von mir, und sie lebte im Haus mit der Nummer 13, die eine Schicksalszahl für viele war. Da brauchte ich nur an Freitag, den 13., zu denken.

Die Frau war angezogen. Früher hatte man Hot pants gesagt, so knapp saß die Hose. Ein ärmelloses eng anliegendes Hemd bedeckte den Oberkörper, bei dem sich die Kurven der Person deutlich abzeichneten. Ihr Gesicht lag etwas im Schatten, sodass ich es nicht genau erkennen konnte. Dafür sah ich die Haare, die dunkel auf ihrem Kopf wuchsen, oben glatt und an den Seiten gekraust waren. Als Korkenzieherlocken hingen sie zu beiden Seiten des Gesichts nach unten.

Ich hatte mich noch nicht bewegt, und auch die Fremde tat nichts. Sie schaute mich nur an, bis sie schließlich einen Arm anhob und mir zuwinkte.

Ich sollte zu ihr kommen. Sie wollte mich in die Falle locken oder ins Haus, wobei das eine das andere nicht ausschloss. Bevor ich zu ihr ging, suchte ich die nähere Umgebung noch so gut wie möglich ab, aber weitere Personen entdeckte ich nicht. Was nicht heißen musste, dass sich niemand in der Nähe aufhielt. Die Gasse war einfach zu dunkel und bot natürlich zahlreiche Verstecke.

Sehr langsam ging ich vor. Die Frau bewegte sich nicht. Ob sie mir zulächelte, konnte ich ebenfalls nicht sehen, weil die Umgebung einfach zu finster war.

Ich ließ mir Zeit. Lauschte meinen eigenen Geräuschen, die wirklich die einzigen waren. Die Unbekannte gab keinen Laut von sich. Sie atmete nicht einmal, Zumindest hörte ich nichts.