John Sinclair 1115 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair 1115 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!

Die Tränen des Toten.

Sie waren ein perfektes Team. Tuma Agashi, der lebende Tote mit den blutigen Augen, und der Samurai aus der Hölle, der auch der Dunkle Schrecken genannt wurde.

Beide waren erschienen, um eine böse Vergangenheit wieder auferstehen zu lassen. Drei Gegner stellten sich ihnen in den Weg: Shao, Suko und ich.

Trotzdem wurde es ein Kampf, den wir kaum gewinnen konnten. Aber wir hatten zwei Helfer. Amaterasu, die Sonnengöttin, und die Krone der Ninja ...

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Seitenzahl: 141

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumDie Tränen des TotenVorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Die Tränen des Toten

Sie waren ein perfektes Team. Tuma Agashi, der lebende Tote mit den blutigen Augen, und der Samurai aus der Hölle, der auch der Dunkle Schrecken genannt wurde.

Beide waren erschienen, um eine böse Vergangenheit wieder auferstehen zu lassen. Drei Gegner stellten sich ihnen in den Weg: Shao, Suko und ich.

Trotzdem wurde es ein Kampf, den wir kaum gewinnen konnten. Aber wir hatten zwei Helfer. Amaterasu, die Sonnengöttin, und die Krone der Ninja …

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-3848-2

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Die Tränen des Toten

Sanfte Schwaden krochen als dünne Wolken aus den Räucherschalen empor und verteilten sich in der Leichenhalle. Sie gehörte nicht zu einem normalen Friedhof, sondern befand sich auf dem Grundstück eines Mannes, den man dort aufgebahrt hatte.

Suko stand vor der breiten Kupfertür. Er wartete darauf, eingelassen zu werden und konnte sich vorerst nur in Geduld üben. Das Gebäude vor ihm war schmucklos. Wie geschaffen für einen Toten. Ein großer, viereckiger Sarg, in dem es nicht einmal Fenster gab, nur Lüftungsschlitze und eine Klimaanlage.

In seiner Umgebung war es still. Kein Wasser rann plätschernd aus den ansonsten speienden Figuren der Brunnen, die sich wie kleine Schmuckstücke im Garten verteilten. Nichts sollte die Totenruhe stören.

Auch Stimmen waren nicht zu hören. Niemand sprach, es spielte keine Musik, der große Garten wirkte wie eine Insel. Die dunklen Blätter der Rhododendronsträucher hingen schlapp in der schwülen Luft. Es war warm, obwohl keine Sonne zu sehen war. Aber die schwüle Luft hatte die Oberhand gewonnen. Sie verteilt sich wie Blei auf dem Gelände, auf dem auch das Wohnhaus stand.

Vögel segelten durch die Luft. Selbst sie hatten ihr Singen eingestellt, als wollten sie die Totenruhe nicht stören. Wenn Suko sich drehte, schaute er auf die gläserne Rückseite des Hauses. Es war ein Wintergarten, in dem Korbstühle und Tische standen. Auch er war leer. Sein Glas sah aus wie stilles Wasser, dessen Oberfläche von keinem Windhauch gekräuselt wurde.

Suko drehte sich, als er die Schritte hörte. Die beiden Männer waren plötzlich aufgetaucht. Er hatte sie zuvor nicht gehört, und sie bewegten sich wie Geister, obwohl sie danach nun wirklich nicht aussahen. Zu ihren weißen Hemden trugen sie dunkle Anzüge. Der Stoff spannt sich über die breiten Schultern hinweg. Zwei Leibwächter, die für ihre Chefs das Leben riskierten.

Sie blieben dicht beieinander, als sie auf Suko zuschritten. Ihre Augen waren mandelförmig geschnitten. Die Haut der Gesichter wirkte wie Teig.

Vor Suko blieben sie stehen.

Kein Wort wurde gesprochen. Sie schauten nur. Dabei bewegte sich nichts in den Augen.

»Kann ich jetzt hinein?« fragte Suko.

Beide nickten gleichzeitig.

»Wie schön.« Innerlich musste er lächeln. Er mochte diese Typen nicht, die sich verhielten, als hinge von ihnen ganz allein das Schicksal der Welt ab.

Einer von ihnen zog eine flache Karte aus der Tasche. Er ging an Suko vorbei und schob die Karte in einen passenden Schlitz. Noch immer hatten sie kein Wort gesprochen. Es war ihnen auch nicht anzusehen, ob sie Suko positiv oder negativ gegenüberstanden. Sie taten nur ihren Job, und das über den Tod ihres Herrn hinaus, denn der lag in seiner eigenen Leichenhalle.

Es war Tuma Agashi, der dort aufgebahrt war. Ein Mächtiger, ein Mensch und gleichzeitig so etwas wie ein Gott. Das jedenfalls hatte man Suko berichtet.

Jetzt war der Gott oder der Mensch gestorben. Er war den Weg alles Irdischen gegangen. Man hätte ihn begraben oder verbrennen können, aber man hatte Suko geholt. Agashi starb nicht einfach so, war ihm von der Botschaft seines Landes übermittelt worden. Nicht einer wie er, dem große, internationale Beziehungen nachgesagt wurden. Der viel Macht besessen hatte und ebenfalls mit Dingen in Verbindung stand, die anderen Menschen fremd blieben.

Persönlich hatte Suko ihn bis auf den heutigen Tag noch nicht gesehen. Er wusste nur aus Zeitungen oder aus Erzählungen von Dritten, dass Tuma Agashi einen gewissen Einfluss besessen hatte. Er hatte bis in die höchsten Etagen der Wirtschaft gereicht und auch bis in die Regierungen hinein.

Es war nicht bekanntgeworden, wie er gestorben war. Um sein Ableben rankte sich ein Geheimnis, das Suko aufklären sollte. So jedenfalls hatte er seinen Chef, Sir James, verstanden.

Er hätte gern seinen Freund und Kollegen John Sinclair mitgenommen. Der Wunsch war von ihm auch vorgetragen worden. Dagegen hatte die andere Seite etwas gehabt, und so war Suko diesen Weg allein gegangen, um hinter das Geheimnis des Toten zu gelangen.

Die Tür war jetzt offen. Einer der Leibwächter drückte seine Hand dagegen. Sehr leicht schwang sie nach innen, sicherlich unterstützt durch eine mechanische Hilfe.

Die Bodyguards bauten sich zu beiden Seiten der Tür auf und nickten Suko synchron zu.

»Danke, Freunde.«

Sie erwiderten nichts. Welche wie sie mussten sich als starre Figuren in einem bestimmten Schachspiel fühlen. Zu sagen jedenfalls hatten sie nichts. Oder sie redeten nur, wenn sie angesprochen wurden.

Suko hatte kaum zwei Schritte hinter sich gelassen, als er den Geruch wahrnahm. Es war ein süßlicher Duft, der den vier flachen Schalen entströmte, die auf beinhohen Säulen standen und aussahen wie metallische Teller.

Nach dem dritten Schritt wich das Dunkel. Suko hatte einen im Boden eingelassenen Kontakt berührt, und die welt in dieser ungewöhnlichen Leichenhalle öffnete sich ihm.

Das Licht fiel in mehreren Schüben aus der Decke nach unten. Es war ein sanftes Leuchten. In Blau, Grün und auch Gelb. Nicht freundlich oder warm. Der kalte Schein aus der Unendlichkeit des Alls hatte hier Einzug gehalten. Er berührte auch den dunklen, mit Steinplatten bedeckten Boden und machte ihn zu einem Spiegel, der die Lichter der Decke schwach wiedergab.

Es war totenstill in der Umgebung. Auch Suko dämpfte seine Schritte und konzentrierte sich. Nur hinter seinem Rücken hörte er ein Geräusch. Da fiel die Kupfertür langsam wieder zu, und jetzt kam er sich lebendig begraben vor. Die beiden Leibwächter hatte er nicht weggehen gehört. Sicherheitshalber drehte er sich um.

Seine scharfen Augen mussten passen. Er sah sie nicht mehr. Sie konnten sich allerdings auch im Schatten des Eingangs aufhalten, weil sich das Licht dort verlor.

Suko nahm sich Zeit. Er wollte alles sehen, denn ihn interessierte auch die Umgebung der Aufbewahrungsstätte. Ganz im Gegensatz zum glatten Boden standen die Wände. Auch sie waren aus Stein gebaut worden, jedoch nicht glatt wie der Boden. Man hatte Felsbrocken zurechtgeschnitten und sie aufeinandergetürmt. So bildeten sie ein Muster aus Steinen, damit sich der Besucher vorkommen konnte wie in einer Felsenhöhle. Die Steine waren sandfarben. Sie lagen kreuz und quer übereinander. Sie bildeten flache Mulden, aber auch Vorsprünge. Der Eindruck einer breiten Höhle traf immer stärker zu, je mehr sich Suko seinem Ziel näherte.

Es war der Tote.

Er lag in keinem Sarg. Er war einfach nur auf einer Felsplatte aufgebahrt worden. Um ihn herum standen die Schalen und gaben den Geruch ab. Sie schienen vom Material her zu leuchten, aber es war nur das Licht, das ihnen den Farbton gab und durch das sich die dünnen Schleier bewegten.

Der Tote lag auf dem Rücken der rechteckigen Steinplatte wie das Opfer auf einem Altar. Er trug ein gelbes Gewand, wie man es von den Mönchen in Tibet her kennt. Sein Kopf war kahl geschoren. Nichts erinnerte an einen Menschen mit großem Einfluss. Hier im Tod waren alle Menschen gleich. Ob Bettler, Mönch oder Manager. Der Sensenmann machte keine Unterschiede und sorgte letztendlich für Gerechtigkeit.

Suko blieb am Fußende stehen. Da er sich nicht mehr bewegte, war es absolut still geworden. Er konnte die Stille fühlen, sie umklammerte ihn, und auch Suko war ein Mensch, der die Stille liebte. Es hätte ihm gefallen, lange hier zu stehen und zu meditieren. Er hätte sich selbst durch seine Gedanken wegtragen lassen können, um andere Sphären zu erkunden.

Aber er hatte einen Job.

Er stand vor der Leiche und erinnerte sich daran, was ihm Sir James mit auf den Weg gegeben hatte.

»Schauen Sie sich den toten Agashi an. Bilden Sie sich Ihre Meinung und geben Sie mir dann Bescheid.«

Suko hatte natürlich nachgefragt, doch nur ein Schulterzucken als Antwort erhalten. »Niemand weiß etwas. Ich ebenfalls nicht. Man hält sich zurück.«

»Sonst nichts?«

»Nein, aber man hat mich von höchster Stelle angewiesen, den Leuten den Gefallen zu tun. Ob dieser Agashi eines natürlichen oder eines unnatürlichen Todes gestorben ist, wissen wir auch nicht. Es gibt eben Dinge, die bleiben uns Europäern verborgen.«

»Wem sagen Sie das, Sir?«

»Dann viel Glück.«

Von Glück wollte Suko nichts wissen, als er vor dem Toten stand und seinen Blick vom Fußende bis hoch zum Kopf gleiten ließ. Er suchte nach einer Verletzung, einer Wunde. Einem Einschussloch oder irgendeinem Hinweis, der auf einen unnatürlichen Tod schließen ließ.

Nichts.

Der Mann schien einen Herzschlag erlitten zu haben. Danach war er sanft in die Gefilde des Todes hineingeglitten. Suko kam sich direkt überflüssig vor.

Er konzentrierte sich auf das Gesicht. Es war alterslos, zugleich auch wächsern. So starr. Ohne Falten. Die kleine Nase, der ebenfalls nicht große Mund. Das runde Kinn, der glatte Hals, der Oberkörper, der von einer Kutte nur unzureichend bedeckt war, denn sie war so geschlungen, dass die rechte Schulter des Mönchs frei blieb. Auch dort zeigte die Haut kein anderes Aussehen als im Gesicht.

Nur die Augen irritierten Suko.

Nicht, weil sie offenstanden, denn einem Toten wurden sie normalerweise zugedrückt, nein, er wunderte sich über den Ausdruck. Die Augen waren dunkel, sogar sehr dunkel, und er konnte die Farbe nicht eben als normal ansehen. Kleine Teiche, die in sich selbst ruhten, als wäre die Hand eines Geistes darüber hinweggestrichen, um sie leblos werden zu lassen. Augen, in denen sich keine Pupillen abmalten, was Suko ebenfalls verwunderte. So harmlos schien der Tote nicht zu sein, und er ahnte, dass in dieser Leichenhalle nicht alles in Ordnung war.

Man hatte ihm keine Verhaltensregeln mit auf den Weg gegeben. Er konnte mit der Leiche tun und lassen, was er wollte. Niemand würde sich daran stören, wenn er sie anfasste, und das tat Suko auch. Er beugte sich nach vorn, streckte die Hände aus und legte sie auf die Beine in Höhe der Knie.

Der Stoff der Kutte war weich und dünn. Die Haut fühlte sich kalt an. Sie unterschied sich in nichts von der eines normalen Toten. Suko gefiel der Platz nicht, an dem er sich aufhielt. Deshalb ging er an der rechten Seite der Altarplatte entlang, um die Kopfhöhe der Leiche zu erreichen.

Dort blieb er stehen.

Der Blick richtete sich jetzt direkt auf das so maskenhaft starre Gesicht. Beim Vergleich mit der Maske läutete in Suko eine Alarmklingel. Etwas störte ihn.

Trug der Tote vielleicht eine Maske?

Er fasste hin.

Zum ersten Mal ließ er die Finger über das Gesicht hinweggleiten. Die Kuppen fuhren an der Haut entlang. Er wollte wissen, ob sie weich oder hart war.

Sie war weich. Aber sie war auch straff und ließ sich so gut wie nicht zusammendrücken.

Er beugte seinen Kopf tiefer und konzentrierte sich auf die Augen der Leiche. Sie waren für ihn das eigentlich Absonderliche. Augen, die keine mehr waren, die es aber trotzdem gab. So schrecklich und so anders. Gefüllt mit einer Flüssigkeit. Oder waren sie leer? Fand er in ihnen eben nur die Dunkelheit wieder, die in die tiefen Schächte des Todes führten?

Die Fragen quälten Suko, und er war versucht, Finger in die Höhlen zu stecken, um zu kontrollieren, ob sich sein Verdacht bestätigen würde.

Leicht fiel es ihm nicht, und er blickte auch zuerst nach rechts in Richtung Eingang.

Es war noch immer nicht zu erkennen, ob die beiden Leibwächter dort warteten. Wenn ja, dann würden sie trotzdem kaum eingreifen, und so wartete Suko einige Sekunden ab, bis er seine Zeigefinger in die Augenhöhlen hineinsteckte.

Ja, sie tauchten ein.

Es war kalt, schon frostig. Er spürte keinen Widerstand. Man musste dem Toten die Augen genommen haben. Hatte sie entfernt, herausgeschält wie auch immer. Vergleiche mit einer Mumie kamen ihm in den Sinn. Auch bei der Mumifizierung wurde das Innere hervorgeholt. Das Gehirn zog man sogar durch die Nasenlöcher ins Freie.

Eine Mumie lag nicht vor ihm, dafür etwas Ähnliches. Das war auch kein normaler Toter. Es konnte eine leblose Hülle sein, bei der der frühere Mensch auf eine besondere Art und Weise ums Leben gekommen war und sich in den Schutz anderer Mächte begeben hatte.

Suko zog die Finger wieder hervor. Sein Blick fiel automatisch auf die Kuppen – und er wurde starr.

Sie sahen dunkel aus.

Wie gefärbt!

Suko trat einen Schritt zurück. Etwas drückte sich wie eine unsichtbare Speerspitze in seinen Magen. Mit Überraschungen hatte er schon gerechnet, aber nicht mit einer solchen, denn die dunkle Flüssigkeit an seinen Fingerspitzen war bestimmt kein Teer.

Es war noch zu dunkel, um etwas Genaues zu sehen. Deshalb holte Suko die Lampe hervor und leuchtete zuerst die linke Fingerkuppe an, danach die rechte.

Die Flüssigkeit an beiden war gleich. Ein bestimmtes Rot, wie es nur das Blut zeigte …

*

Suko war von Natur aus ein ruhiger Mensch. Er verfiel nicht in Panik, er drehte nicht durch, er blieb einfach neben der Leiche stehen, während die Gedanken durch seinen Kopf rasten.

Leere Augenhöhlen. Ein Körper, der nur noch eine Hülle war. Zumindest auf den ersten Blick hin. Dass mehr dahintersteckte, hatte er jetzt erfahren müssen, und aus seinem Mund drang ein scharfer Atemzug. Er glitt wie der Hauch des Lebens über das starre Gesicht der Leiche hinweg, doch er holte nichts ins Leben zurück.

Eine mit Blut gefüllte Leiche. Kein normaler Toter. Einer, der einen besonderen Tod erlitten hatte und als Leiche noch große Rätsel aufgab. So und nicht anders sah Suko die Dinge. Sofort stellte er sich die Frage, was er unternehmen sollte. Er fühlte sich nicht hilflos, allerdings an die Wand gedrückt oder wie jemand, der ein Rätsel lösen wollte und nicht den richtigen Weg fand.

Der tote Tuma Agashi verbarg ein Geheimnis, auch wenn er nicht mehr reden oder sich bewegen konnte. Das stand für Suko fest. Da gab es etwas, das den Rahmen der Normalität sprengte, und er hielt wieder nach den Leibwächtern Ausschau.

Nein, da gab es keine Bewegung. Kein Atmen, kein Husten, einfach nichts.

Längst waren Suko darüber Zweifel gekommen, ob Agashi tatsächlich normal tot war. Konnte es sein, dass ihm die Eingeweide entnommen und er dann mit Blut gefüllt worden war?

Wilde Gedanken und Vermutungen schossen Suko durch den Kopf. Zu einem Resultat kam er nicht. Er wusste auch zu wenig über die Hintergründe des Mannes. Jetzt war ihm auch klar, weshalb man ihn so versteckt gehalten hatte.

Die Arme der Leiche waren nicht auf der Brust verschränkt. Sie lagen an den Seiten des starren Körpers mit Händen, deren Finger nach vorn gestreckt waren. Auch ihre Haut zeigte die gleiche Glätte wie die im Gesicht und an der freiliegenden Schulter. Der Tote trug kein Schmuckstück. Suko sah nicht einmal Haare, und das von der Decke fallende Licht gab der Haut einen fremden kalten Glanz.

Sein Blick schweifte über den Toten hinweg und konzentrierte sich auf die Felswand. Es war mehr Zufall, dass er dorthin schaute. Außerdem wollte er sich nicht durch den Anblick der Leiche bei seinen Überlegungen ablenken lassen.

Die einzelnen und fest zusammengefügten Steinplatten sahen aus wie eine Grabmauer. Nicht glatt. Uneben. Scharf und weich zugleich. Vom geheimnisvollen Totenlicht bestrahlt. Unregelmäßig zusammengefügt, aber trotzdem nicht ohne Muster.

Eines fiel ihm auf.

Er sah etwas, das sich von oben nach unten hinzog. Es war in das Gestein eingraviert worden.

Es war nicht farbig. Es passte sich dem Hintergrund sehr gut an. Suko musste schon genau hinschauen, um etwas Genaues erkennen zu können. Er glaubte auch nicht mehr an eine dünne Zeichnung, denn es stellte sich heraus, dass dieses Ding, das sich im Stein abmalte, ein sogenannter Einschluss war.

So etwas fand man öfter. In Kohlegruben waren Abdrücke von Tieren und Pflanzen einer längst versunkenen Welt gefunden worden. Nur durch diese Überreste hatte man der Flora und Fauna der Vergangenheit auf die Spur kommen können.