John Sinclair 1117 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair 1117 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1990 - 1999!

Herr über Leben und Tod (1. Teil).

Veritas ist Herr über Leben und Tod. Ein Helfer der Polizei, aber auch jemand, der sich die Wahrheit so verdrehte, dass sie ihm passte. Er wollte herrschen und mit keinem anderen teilen, und wer ihm dabei zu nahe kam, der musste seine wahre Macht erleben. Suko und ich lernten ihn kennen. Er mochte uns nicht, und er drohte, das gesamte Team auszulöschen ...

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Seitenzahl: 144

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumHerr über Leben und Tod (1. Teil)Vorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Herr über Leben und Tod (1. Teil)

Veritas ist Herr über Leben und Tod. Ein Helfer der Polizei, aber auch jemand, der sich die Wahrheit so verdrehte, dass sie ihm passte. Er wollte herrschen und mit keinem anderen teilen, und wer ihm dabei zu nahe kam, der musste seine wahre Macht erleben. Suko und ich lernten ihn kennen. Er mochte uns nicht, und er drohte, das gesamte Team auszulöschen …

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-3850-5

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Herr über Leben und Tod (1. Teil)

Es kam selten vor, dass Sir James mit zu einem Einsatz fuhr, aber diesmal gab es einen bestimmten Grund. Wir waren auch mit dem Rover gefahren und hatten ihn nicht durch einen Dienstwagen mit Chauffeur ersetzt. Es sah aus wie ein verschworener und geheimnisvoller Einsatz. Auch über die eigentlichen Gründe hatte Sir James Suko und mich nicht aufgeklärt.

Der Wagen parkte im Schatten der schlanken Bäume. Durch die Lücken sahen wir das dunkle Wasser des Sees und den Umriss der kleinen Hütte am stillen Ufer.

Die Kollegen des Sondereinsatzkommandos waren nicht zu entdecken. Sie hatten sich so gut wie unsichtbar gemacht. Aber sie waren zur Stelle, um einzugreifen.

Selbstverständlich hatte unser Chef die Dinge mit dem Leiter des SEK zuvor geklärt und abgesprochen. Er wusste Bescheid, seine Männer ebenfalls, und sie hatten den Befehl, sich nicht um uns zu kümmern. Wir waren nur als Beobachter dabei. Der Zugriff schien für uns nur zweitrangig zu sein.

Suko und ich saßen vorn. Sir James hatte es sich auf dem Rücksitz bequem gemacht. Da wir noch Zeit hatten, fing er mit leiser Stimme zu sprechen an.

»Der Mann, dem die Jagd hier gilt, heißt Silvio Haric, stammt aus Triest, ist ein Killer der Mafia und anderer Organisationen und hat viele Menschenleben auf dem Gewissen. Seine Blutspur zieht sich quer durch Europa. Er hat im Balkan gewütet und dort Menschen reihenweise erschossen, damals in Bosnien. Diese Gräuel sind nicht ohne Folgen geblieben. Er wurde angeklagt und mit einem internationalen Haftbefehl gesucht. Da hatte er schon einen neuen Job gefunden. Er killte weiter, doch nun konnte man ihn mieten. Er ist ein Mann, dem ein Menschenleben völlig gleichgültig ist. Fragen Sie mich nicht, wen er hier in London umbringen soll, jedenfalls haben die Kollegen herausgefunden, wo er sich aufhält.«

»Gut, Sir«, sagte ich. »Das ist uns klar. Aber ich frage mich, was wir hier sollen.«

»Ihn nicht verhaften.«

»Sehr gut. Da bleibt uns ja etwas erspart.«

»Das übernehmen die Kollegen, die routiniert sind. Wir sind aus einem anderen Grund hier.« Sir James legte eine Kunstpause ein und drückte seinen Oberkörper nach vorn, was ich im Innenspiegel beobachten konnte. »Uns muss es darum gehen, wie dieser Killer gefunden wurde. Ja, wie man seinen Aufenthaltsort herausfand.«

»Da hätten Sie den Chef des Einsatzkommandos fragen müssen, Sir«, sagte Suko.

»Ich stimme Ihnen zu. Ich habe es auch getan, und genau darum geht es, meine Herren. Um die Person, die dafür gesorgt hat, dass dieser Ort hier verraten oder publik wurde.«

Suko und ich warfen uns einen verständnislosen Blick zu. Je mehr unser Chef erzählte, um so rätselhafter wurde es für uns. Wir kamen da nicht mehr mit, noch nicht.

Da noch Zeit war, sprach Sir James weiter. »Es ist ein Mann oder ein Helfer, der schon einige Male aufgefallen ist und der Polizei zur Seite gestanden hat. Nicht nur unserer, auch den Kollegen vom Festland. In der Szene ist er seit gut einem Jahr bekannt, als er auftauchte wie ein Phönix aus der Asche.«

»Kennen wir ihn?« fragte ich. »Haben wir schon mal etwas von ihm gehört?«

»Nein. Zumindest nicht durch mich. Dieser Mann heißt Veritas.«

Teufel, war das ein Name! Ich schüttelte den Kopf, krauste die Stirn und drehte mich auf meinem Fahrersitz um. Das Gesicht unseres Chefs sah aus wie ein bleicher Fleck, der im Halbdunkel schwamm. »Heißt er tatsächlich Veritas?«

»So nennt er sich.«

»Wahrheit, also. Es geht ihm um die Wahrheit.«

»Sehr richtig.«

»Und deshalb hilft er der Polizei«, sagte Suko und fragte sofort danach: »Kommt Ihnen das nicht ungewöhnlich vor, Sir?«

»Mehr als das. Er hilft uns, ohne ein von der Polizei bezahlter Spitzel zu sein.«

»Da sollte man sich doch freuen.«

»Im Prinzip schon, Suko. Es hat durch ihn auch schon einige Erfolge gegeben. Aber man sollte da wirklich das Nachdenken nicht vergessen. Dieser Mann ist außergewöhnlich. Er nennt sich zugleich Seher oder Hellseher. Er ist jemand, der Ihnen genau sagen kann, wo sich die oder die Person aufhält. Den Kollegen ist das recht. Sie brauchen Erfolge, aber ich habe nachgedacht und mich gefragt, wie dieser Mensch dazu kam. Wie es möglich ist, dass er die treffenden Aussagen machen kann. Darüber denke ich nach.«

»Sie kennen ihn nicht, Sir?« fragte ich. »Sie haben mit ihm kein Wort gesprochen?«

»Nein. Aber dieser Mann ist etwas Besonderes. Ich gehe zudem davon aus, dass er magische Kräfte besitzt, salopp gesagt. Er bietet sich den Kollegen an. Er hört ihnen zu, er verschwindet, und wenig später kehrt er zurück, um den Leuten zu erklären, wo sie den oder die finden können. Und es stimmt.«

»Das ist in der Tat seltsam«, murmelte ich. »Was hat man denn noch herausbekommen?«

Sir James nahm seine Brille ab und putzte die Gläser. »Schwer zu sagen, John. Einer hat es versucht. Ein Undercover-Mann. Man fand ihn mit gebrochenem Genick und mit nach hinten gedrehtem Kopf auf einer Müllkippe.«

Ich schluckte. Suko runzelte die Stirn und hob die Augenbrauen, während Sir James die Brille wieder aufsetzte.

»So harmlos und sich im Hintergrund haltend scheint er also nicht zu sein«, bemerkte ich.

»Richtig, John. Das heißt, ich halte ihn nicht eben für harmlos. Ich kann mich natürlich irren, aber daran will ich nicht glauben. Ich habe den Eindruck, dass mehr dahintersteckt, viel mehr sogar. Er will nicht, dass man ihm auf der Spur bleibt. Er ist ein Phantom, und wenn er den Kollegen einen Dienst erweisen will, dann meldet er sich. Er hat auch keinen bekannten Hintergrund, abgesehen von seinen Taten im Bosnien-Krieg. Ich halte ihn für den Mörder des Agenten. Was natürlich kein Mensch beweisen kann, doch ich gehe davon aus.«

»Was sagen die Kollegen?«

»Die nehmen ihn hin. Außerdem greift er nur bei schweren Fällen ein. Es ist nicht so, dass die Polizei einen Tip bekommt, wo sich der und der Ganove aufhält, nein, er sucht sich die besonders schweren Kaliber heraus und berichtet haarklein, wo diese Personen zu finden sind.«

»Das lässt darauf schließen, dass er Kontakt mit ihnen gehabt haben muss.«

»Dachten wir auch. Dem ist nicht so. Auf Fragen erklärte der Mann nur, dass man über seinen Namen doch bitte nachdenken sollte. Veritas. Einer, der die Wahrheit sucht, der sie auch finden will, und der sich nicht davon abbringen lässt. Er ist der Wahrheitsfinder. Er kennt sich aus, und er gibt seine Informationen weiter, bevor er wieder verschwindet und sich irgendwann meldet. Ich habe mit Kollegen in Frankreich und auch in Deutschland gesprochen. Dort ist er ebenfalls unter diesem Namen bekannt, aber mehr weiß man auch nicht über ihn. Er bestimmt, wann er erscheint und wann nicht.«

»Werden wir ihn heute sehen können?« wollte ich wissen.

»Ja.« Der Einsatzleiter hat es versprochen. Veritas will sich zeigen. Das geschieht nicht immer.«

»Da bin ich gespannt.«

»Weiß man, wo er lebt?«

»Nein, Suko, das weiß man nicht. Mal hier, mal dort. Er ist ein Wanderer. Ich habe bewusst lange damit gewartet, Sie beide einzuweihen. Ich wollte noch mehr Beweise haben, und die habe ich jetzt so gut wie bekommen. Es ist auch für mich eine Premiere. Ich habe ihn bisher noch nicht gesehen, und ich bin gespannt darauf, ob er sich überhaupt zeigen wird.«

»War Ihnen das nicht versprochen worden?«

Sir James lachte leise. »Ja, aber man sollte immer abwarten.«

Das Gespräch zwischen uns versickerte. Wir warteten darauf, dass sich etwas an der Hütte tat und die Kollegen sie stürmten, um einen Killer zu stellen.

Sir James’Berichte waren schon seltsam gewesen. Ich hatte auch die Sorge aus seiner Stimme hervorgehört und machte mir ebenfalls meine Gedanken. Unser Chef überließ eigentlich nichts dem Zufall. Hier allerdings verließ er sich mehr auf sein Gefühl. Hätte es konkrete Verdachtsmomente gegeben, er hätte sicherlich nicht damit hinter dem Berg gehalten.

Veritas hieß dieser Mensch – falls er ein Mensch war und nicht jemand, der auf der anderen Seite stand. Ein Dämon, ein Halbdämon, wie auch immer. Jedenfalls einer, der auf keinen Fall unterschätzt werden durfte. Das hatte Sir James auch nicht getan, denn sonst säßen wir nicht hier.

Es war eine ruhige Sommernacht. Es hatte sich nach einigen schweren Gewittern und Regengüssen abgekühlt. Die Menschen konnten wieder tief durchatmen und auch besser schlafen. Mir hatte das schwülheiße Wetter ebenfalls zugesetzt. Man war nicht mehr so locker wie sonst, doch das war zum Glück vorbei.

Die Umgebung sah für mich aus wie ein Foto, auf dem sich nichts bewegte. Eine trügerische Ruhe hielt ihr Schweigen wie eine unsichtbare Decke ausgebreitet. Nichts regte sich. Das Wasser des kleinen Sees lag glatt wie ein Spiegel. Die Hütte malte sich scharf vor dem Hintergrund ab, aber hinter ihren Fenstern sah ich keinen Lichtschein.

Auch die Kollegen hielten sich gut verborgen. Sie schienen sich in die Erde eingegraben zu haben, doch ich wusste, dass sich blitzschnell alles ändern konnte.

Obwohl wir mit dem Einsatz nicht unmittelbar zu tun hatten, stieg die Spannung an. Mir fiel auf; dass Sir James auf die Uhr schaute, und ich fragte ihn: »Hat man Ihnen den Zeitpunkt des Zugriffs genannt, Sir?«

»Nein. Die Männer sollen den Gegebenheiten entsprechend handeln. Es liegt allein in den Händen des Einsatzleiters. Er ist ein Profi, der so etwas nicht zum ersten Mal durchzieht.«

»Für wen hat Haric hier auf der Insel getötet?«

Sir James zuckte mit den Schultern. »Ich weiß nicht, ob er es schon getan hat oder noch tun will. Da bin ich wirklich überfragt. Aber er ist gefährlich. Ein Killer ohne Skrupel, und Menschenleben zählen für ihn nicht. Das hat auch der geheimnisvolle Veritas erfahren. Wir werden ihn hoffentlich zu Gesicht bekommen.«

Ich wusste noch immer nicht so recht, was ich mit ihm anfangen sollte, aber wenn er es tatsächlich schaffte, so etwas wie Hellseherei zu betreiben, die dann auch eintraf, war er schon etwas Besonderes und hob sich von den anderen ab.

Es gab natürlich zahlreiche Hellseher, die gerade in Zeiten wie diesen an das Geld der Leute wollten und auch kräftig verdienten. Viele waren Scharlatane, Spinner und Schaumacher, aber es gab auch einige andere unter ihnen, und ich ging davon aus, dass Veritas dazu gehörte. Der Name jedenfalls war mir nicht bekannt gewesen.

Mitternacht war vorbei. Die Zeiger der Uhr auf dem Armaturenbrett bewegten sich auf halb zwei Uhr Morgens zu. Eigentlich Zeit, um im Bett zu liegen. Müde fühlte ich mich nicht. Trotzdem musste ich ab und zu gähnen, allerdings nicht so offen.

Die Scheiben waren heruntergefahren worden. Von zwei Seiten drang die würzige und etwas feuchte Waldluft in unseren Wagen. Es war ein guter Geruch. Das Aroma von Gras vermischte sich mit dem des Bodens und dem etwas schärferen einer feuchten Baumrinde.

Im Wald war es nie so ganz ruhig. Manchmal hörten wir ein Rascheln oder schnelles Huschen über Laub. Die Tiere schienen die Flucht zu ergreifen. Sie hatten einen guten Instinkt. Sie waren wohl die Einzigen, die merkten, dass sich Fremde in der Nähe aufhielten.

Ging ich meinem Gefühl nach, würde es nicht mehr lange dauern, bis der Einsatz ablief. Dann würde es mit der Stille am Seeufer vorbei sein.

Die Zeit tropfte dahin. Ich schaute hin und wieder durch das offene Fenster. Die Umgebung kannte ich. Sie wirkte nach wie vor wie ein Foto, auf dem sich nichts bewegte.

Wirklich nichts?

Die Bewegung fiel mir plötzlich auf. Schnell und schattenhaft, direkt hinter der Hütte.

Ich wollte Suko und Sir James darauf aufmerksam machen, doch dazu kam es nicht.

Im nächste Moment ging der Zauber los!

*

Plötzlich waren die Schatten da. Als hätten sie lange in Erdlöchern gelauert und sie nun verlassen. Sie huschten auf die Hütte zu. Kompakte Menschen, die in ihrer Schutzkleidung aussahen wie Besucher von einem fremden Planeten. Auch auf dem Wasser tat sich etwas. Ein Boot hatte sich vom anderen Ufer gelöst, seine Deckung verlassen. Es fuhr seinem breiten Scheinwerferstrahl hinterher, der direkt auf die Hütte gerichtet war und sie mit dem gespenstischen Licht umgab.

Die anderen kamen von der Rückseite. Ich hörte ein Krachen, als eine Tür oder eine Wand zusammenfiel. Das Licht mehrere Blendgranaten erhellte die Umgebung. Schwere Schritte polterten in die Hütte hinein. Schreie wehten uns entgegen. Wir rechneten damit, dass Schüsse fallen würden, aber nicht einer drückte ab. Es blieb beim normalen Krach, mit den automatischen Waffen wurde nicht gefeuert.

Sekunden später lag die Hütte im vollen Licht. Die dunklen Gestalten der Männer huschten um sie herum wie Geister, die nach etwas Bestimmtem suchten. Eine Megaphonstimme reichte bis zu uns. Es war der Einsatzleiter, der den Befehl gab, die Hütte zu durchsuchen und die nähere Umgebung und das Wasser abzusuchen.

Ich hätte fast gelächelt, wäre es nicht so ernst gewesen. »Das gibt es nicht«, sagte ich. »Der Typ ist verschwunden. Ich glaube nicht, dass sie ihn noch fassen. Veritas hat sich geirrt.«

»Das hat er eigentlich nie!« sagte Sir

James leise. Er schüttelte den Kopf. »Ich verstehe das auch nicht.«

»Irren ist menschlich.«

»Ist Veritas ein Mensch?«

»Jetzt kommt er mir so vor.«

»Ich glaube es einfach nicht.«

Sir James war sehr enttäuscht. Vielleicht fühlte er sich in unserem Beisein auch ein wenig blamiert. Er hielt es jedenfalls im Wagen nicht mehr aus, stieß die Tür auf und stieg aus.

»Was sagst du dazu?« fragte Suko.

»Nichts – zunächst. Ein Reinfall?« Ich schüttelte den Kopf. »Sir James hat recht. Irgendwie passt mir das auch nicht. Ich glaube einfach nicht daran, dass sich dieser Veritas geirrt hat, auch wenn ich ihn nicht persönlich kenne. Der Einsatz des SEK beruht auf Erfahrungswerten. Bisher sind sie noch nie reingefallen. Ausgerechnet heute, wo wir dabei sind, passiert so etwas.«

Suko sagte nichts. Er blickte nach vorn. Dort hatte die Hektik das Geschehen übernommen. Die Männer suchten noch immer, und sie gingen dabei nicht eben vorsichtig zu Werke. Sie schlugen alles kurz und klein und rissen die Bude auseinander.

Die lichtintensiven Strahlen der Stablampen hatten die Helligkeit der Blendgranaten abgelöst. Wie bleiche Geisterarme huschten sie durch das Dunkel, aber sie trafen alles, nur nicht das Ziel, das sie erwischen sollten.

»John!«

Beide hörten wir die Stimme unseres Chefs. Sie klang ungewöhnlich gepresst.

Ich drehte den Kopf etwas nach rechts. Sir James stand vor dem Wagen, nahe der hinteren Tür. Nur war er nicht allein. Er hatte den Fehler gemacht und sich zu weit vom Wagen entfernt. Dabei war er dem Killer in die Arme gelaufen.

Silvio Haric stand jetzt hinter ihm. Er war mit zwei Pistolen bewaffnet. Eine Mündung berührte den Nacken unseres Chefs, die andere zielte auf das offene Fenster, hinter dem ich gut zu sehen war, trotz der Dunkelheit.

Auch Suko hatte sich gedreht und bekam nun mit, was dort draußen passiert war. Er sagte nichts. Beide blieben wir bewegungslos im Rover sitzen.

»Wir steigen jetzt ein!« meldete sich Haric. Seine Stimme klang nicht einmal überdreht. Er blieb sehr ruhig, doch es war klar, dass er sofort schießen würde. Dieser Kerl war ein eiskalter Hund.

»Ist okay!« sagte ich.

»Alles andere wird sich geben. Jedenfalls fahren wir hier weg. Sehr schnell.«

Sir James musste die Tür öffnen. Er bückte sich dabei. Ich sah sein Gesicht besser. Es wirkte wie eine Maske. Die Lippen hatte er zusammengepresst, und der Atem drang scharf aus seiner Nase. Die Brille war etwas verrutscht. Wahrscheinlich ärgerte er sich wahnsinnig darüber, dass er diesem Verbrecher auf den Leim gegangen war. Dass dies überhaupt in einer derartigen Situation passieren konnte, bewies, wie abgebrüht Haric war.

Beide stiegen ein. Sir James wurde zuerst in den Wagen geschoben. Haric folgte ihm. Dabei klebte die Mündung der Waffe am Hals unseres Chefs. Eine falsche Bewegung, und er war tot. Das Zucken des Zeigefingers hätte schon ausgereicht.

Die andere Waffe wies in den vorderen Teil des Rovers. Damit wollte er uns unter Kontrolle halten, und auch wir hüteten uns, etwas zu unternehmen.

Haric schlug die Tür zu. »Starten!« befahl er mir.

Ich wartete noch. »Wo soll ich hinfahren?«