John Sinclair 1144 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair 1144 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!

Der Rächer aus dem Morgenland.

Als die Christenheit sich aufmachte, um die Stadt Jerusalem von den Ungläubigen zu befreien, zog auch Edward Estur in den Heiligen Krieg. Er kehrte als Held zurück, aber auch als Gebrandmarkter. Kaum jemand wusste, was er in dieser Zeit erlebt hatte.

Seine Schwüre waren vergessen. Ebenso wie seine Geliebte, die er tötete. Jahrhunderte später wiederholte sich das Schicksal. Da war Edward Estur nicht mehr der Kreuzfahrer, sondern der Rächer aus dem Morgenland.

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Seitenzahl: 132

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumDer Rächer aus dem MorgenlandVorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Der Rächer aus dem Morgenland

Als die Christenheit sich aufmachte, um die Stadt Jerusalem von den Ungläubigen zu befreien, zog auch Edward Estur in den Heiligen Krieg. Er kehrte als Held zurück, aber auch als Gebrandmarkter. Kaum jemand wusste, was er in dieser Zeit erlebt hatte.

Seine Schwüre waren vergessen. Ebenso wie seine Geliebte, die er tötete. Jahrhunderte später wiederholte sich das Schicksal. Da war Edward Estur nicht mehr der Kreuzfahrer, sondern der Rächer aus dem Morgenland.

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-3877-2

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Der Rächer aus dem Morgenland

Ich hatte nur eine Lampe in meinem Wohnzimmer eingeschaltet, um mich nicht ablenken zu lassen, denn das Telefongespräch, das ich führte, war sehr wichtig.

Der andere Teilnehmer saß auf dem Festland, in Südfrankreich, genauer in Alet-les-Bains. Es war Abbé Bloch, der Anführer der kleinen Templer-Gemeinde.

Er hatte mich angerufen und mir geraten, genau zuzuhören. Er telefonierte nicht nur mit mir, er hielt zugleich den Kontakt mit dem Würfel des Heils, dessen Kraft ihm gewisse Tore öffnen sollte. Es ging, das hatte er noch gesagt, um einen Kreuzfahrer mit dem Namen Edward Estur.

Danach hatte ich zunächst nichts gehört, abgesehen von Blochs Atemstößen. Er stand unter starkem Druck, was auch mit dem »Würfel des Heils« zusammenhing.

Ich wusste nicht so recht, was ich sagen sollte, und griff deshalb zu einer Floskel. »Geht es dir wirklich gut, Abbé?«

»Es geht mir nicht schlecht, John.«

»Das freut mich.«

»Ich muss nur versuchen, es herauszubekommen. Der Würfel sträubt sich noch. Es liegt alles schon viele Jahrhunderte zurück. Tief vergraben in der Vergangenheit, John. Da hat man schon seine Schwierigkeiten. Aber es ist nichts vergessen, gar nichts …«

Ich hörte ihn wieder stöhnen und nahm mir vor, ihn so schnell nicht mehr abzulenken. Um mich herum bewegte sich nichts. Kein fremdes Geräusch lenkte mich ab. In diesem Hochhaus fühlte ich mich wie auf einer einsamen Insel. Es war längst Abend geworden und auch dunkel. Ein kalter Januartag neigte sich dem Ende zu. In der folgenden Nacht würden die Temperaturen noch weiter fallen, und erst in zwei Tagen sollte es wärmer werden.

»John …«

»Ich bin noch da.«

»Gut, dann bleibe es auch.«

Der Abbé hatte gepresst gesprochen, was mir nicht gefiel, aber ich fragte auch nicht weiter. Es war sein Problem, und er ging diesen Weg auch nicht zum ersten Mal.

»Bleib nur dran, John …«

»Du kannst dich darauf verlassen.«

Kurze und heftige Atemzüge drangen an mein Ohr. Der Abbé kämpfte, und ich konnte mir vorstellen, wie es ihm ging. Er saß in seinem Büro vor dem Arbeitstisch, den Hörer gegen das Ohr gepresst und die andere Hand auf den Würfel gelegt, um ihn zu aktivieren.

Er brauchte das Bild, die Botschaft. Der violett-rote Würfel brachte sie ihm, und er würde sie an mich weitergeben.

»Es ist Estur, John!«

»Und?«

»Er ist wieder da!«

»Wie siehst du ihn?«

»In seiner alten Rüstung. Ich kann es mir auch nicht vorstellen, wo er tot ist. Er hat ein besonderes Grab bekommen, doch da liegt er wohl nicht mehr.«

Als der Abbé nach einigen Sekunden schwieg, stellte ich eine Frage. »Kannst du nicht mehr über ihn sagen? Das ist einfach zu wenig.«

Ich hörte ein leises Lachen. Eine direkte Antwort erhielt ich leider nicht. »Du musst Acht geben, John. In der Nähe von Newport liegt er begraben. Leg auf, John!«

»Warum?«

»Ich rufe dich wieder an.«

Es passte mir zwar nicht, doch ich tat ihm den Gefallen. Sicherlich brauchte er Zeit, um sich zu sammeln, und die wollte ich ihm geben. Auf dem Hörer blieb ein großer Schweißfleck zurück, der von meiner Haut hinterlassen war. Nicht dass ich besonders aufgeregt gewesen wäre, aber jemand wie Bloch rief nicht grundlos an. Wenn er Kontakt mit mir aufnahm, lag etwas in der Luft.

Dabei hatte ich gedacht, nach dem letzten grausamen Familien – Drama der Hoppers etwas Ruhe zu haben, doch Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Der Name eines Ortes war gefallen. Newport. Orte mit diesem Namen gab es zuhauf auf der Insel, und auch auf einer besonderen Insel. Auf der Isle of Wight. Newport war dort praktisch die größte Stadt.

Ich wollte nicht zu weit voraus denken und zunächst einmal abwarten, was der Abbé mir sagte, wenn er wieder anrief. Noch ließ er sich Zeit. Ich machte es mir bequem und legte die Beine hoch. Die Glotze lief noch, aber den Ton hatte ich abgestellt. Ich wollte dadurch nicht abgelenkt werden.

Genau vier Minuten später konnte ich wieder abheben. Ich war gespannt auf den Klang der Stimme und konnte beruhigt sein, als sie sich normal anhörte.

»Jetzt geht es mir besser, John.«

»Das ist nicht zu überhören.«

Er deutete so etwas wie ein Lachen an. »Es ist auch hart genug gewesen, wenn ich ehrlich sein soll. Ich habe nicht damit gerechnet, aber der Würfel hat mich gewarnt. Du weißt selbst, dass ich ihn hin und wieder als Orakel benutze, und zum Glück hat er mich bisher noch nicht im Stich gelassen. Er zeigte mir immer die Wahrheit, auch in diesem besonderen Fall.«

Die Funktion des Würfels war mir bekannt. Ich ging nicht näher darauf ein und fragte stattdessen: »Was hast du so Schreckliches gesehen, dass ich mich darum kümmern soll?«

»Den Namen kennst du?«

»Ja, Edward Estur. Ich habe ihn nicht vergessen und weiß auch, dass er Kreuzfahrer gewesen ist.«

»Das ist schon mal gut, John. Ein Kreuzfahrer, der auf der Insel sehr bekannt gewesen ist.«

»Dann liegt Newport auf der Isle of Wight. Es gibt zahlreiche Orte mit diesem Namen.«

»Edward Estur ist ein berühmter Sohn der Insel gewesen. Wenn nicht sogar der berühmteste. Man hat ihn in einem Altarraum der St. Olave’s Church begraben. Um das Jahr 1290 hat seine Familie die Kirche gestiftet. Edward gehörte zu den sehr frommen Menschen, die einen moralischen Lebenswandel führten und dies auch von anderen verlangten. Du weißt ja, wie das ist. Es gibt keinen perfekten Menschen. Auch er hatte eine Liaison mit einer Schönen, die Lucy hieß. Er hat das Verhältnis lange Zeit verbergen können, aber es kam schließlich doch heraus. Eines Tages verschwand Lucy. Darunter hat der Kreuzfahrer sehr gelitten. Es heißt, dass er sie noch immer sucht und die gleichen moralischen Ansprüche an die Nachwelt hat wie zu damaligen Zeiten. Er hasst alles, was diesen Ansprüchen nicht gerecht wird, und er soll dabei immer sehr barbarisch vorgegangen sein.«

»Dann hat Estur getötet?«

»Ja. Oder töten lassen. So genau weiß ich das nicht. Mag er auch sehr moralisch gewesen sein, John, für mich ist er trotzdem eine Schande. Ich kann ihn nicht akzeptieren, denn leider ist er auch ein Templer gewesen.«

Mein leises Lachen drang an sein Ohr. »Daher also weht der Wind. Ein schwarzes Schaf in eurer Gruppe.«

»Ja – damals.«

»Und heute?« Ich wusste jetzt, dass ich mich allmählich dem bestimmten Punkt näherte, auf den auch der Abbé kommen wollte.

Er räusperte sich. »Heute befürchte ich das Schlimmste. Denk daran, dass er auf der Suche ist …«

»Moment mal, Abbé. Wir haben bisher immer nur von der Vergangenheit gesprochen und nicht von der Gegenwart. Gibt es da einen Zusammenhang zwischen den Zeiten?«

»Er sucht sie noch immer«, sagte Bloch leise.

»Dann könnte er – allen Gesetzen zum Trotz – wieder erwacht sein?«

»Er ist es, John!«

Ich veränderte meine Haltung und stellte die Füße wieder zurück auf den Boden. »Darf ich fragen, was dich so sicher macht?«

»Es ist der Würfel. Er hat sich gemeldet. Praktisch wie dein Kreuz, John. Und darauf verlässt du dich auch. Im Würfel sah ich sein Bild. Ich kann mir nicht vorstellen, was er und der Würfel gemeinsam haben, aber es ist leider so.«

»Du befürchtest also, dass er wieder unterwegs ist und dass es dabei Tote gibt?«

»Ja, das denke ich leider. Er ist erwacht, wie auch immer, und er wird mit den gleichen moralischen Grundsätzen auch wieder durch diese Zeit wandern.«

»Oje. Da hat sich ja einiges verändert. Heute findet er überall etwas auszusetzen.«

»Und das mit Gewalt.«

Ich räusperte mich. Danach sprach ich weiter. Ich wusste ja, wie gespannt der Abbé war. »Es wäre dann wohl in deinem Sinne, dass ich mich um den Fall kümmere.«

»Das wäre gut.«

»Soll ich auf die Insel fahren?«

Jetzt hörte ich Blochs Räuspern. »Ich weiß nicht, ob das unbedingt schon nötig ist, John. Du könntest dich mit deinen Kollegen in Newport auseinander setzen, ob irgendetwas vorgefallen ist, das in diese Richtung deutet.«

»Mordfälle, nehme ich an.«

»Ich will es nicht hoffen, aber ich möchte die Macht des Würfels auch nicht unterschätzen.«

»Schon gut, Abbé. Du hast mich neugierig gemacht. Außerdem weiß ich, dass du nicht der Mann bist, der unnötig die Pferde scheu macht. So gut kennen wir uns.«

»Dann werden wir ja wieder voneinander hören. Ich wollte keinen von meinen Leuten schicken.«

»Auch nicht Godwin de Salier?«

»Er ist in einer anderen Sache unterwegs, die nichts mit Edward Estur zu tun hat.«

»Okay, du hast mich überzeugt. Ich werde gleich Morgen früh meine Recherchen beginnen.«

»Danke.«

»Hör auf, Abbé«, erwiderte ich lachend. »Jetzt mal zu uns. Wie geht es dir?«

»Nicht schlecht. Wir behalten unsere Stellung hier und bauen sie auch aus. Ich habe mich noch mit Father Ignatius in Verbindung gesetzt, um noch einmal über den Geheimdienst zu sprechen. Wir haben vereinbart, enger zusammenzuarbeiten.«

»Das finde ich lobenswert.«

»Dann warte ich auf deinen Bericht.«

»Kannst du.«

»Noch etwas, John«, sagte er mit leiser Stimme. »Ich habe kein gutes Gefühl bei der Sache. Ich kenne den Lebensweg des Kreuzfahrers nicht genau, aber ich kann mir denken, dass auch er irgendwie zu einem Verräter geworden ist.«

»Hast du ein konkretes Beispiel?«

»Leider nicht. Es ist wohl noch nichts geschehen, aber die Warnung durch den Würfel reicht mir. Nimm sie nicht auf die leichte Schulter, mein Freund.«

»Keine Sorge, das werde ich nicht.«

Damit war unser Gespräch auch beendet, und ich atmete zunächst tief durch. Ich blieb noch sitzen und schaute ins Leere. Das Licht hatte mein Wohnzimmer gemütlich werden lassen, aber meine Ruhe war dahin. Blochs Anrufe hatten mich aufgewühlt. Ich fragte mich, ob es nicht besser war, wenn ich mir schon jetzt Informationen einholte. Die Polizeistationen im gesamten Königreich waren mit einem Zentral – Computer verbunden, der bei Scotland Yard stand. So konnte jeder Vorfall rasch per E – Mail weitergeleitet und auch ausgedruckt werden.

Das Büro war Tag und Nacht besetzt. Auch am Abend bekam ich sofort Anschluss.

»Sinclair hier und …«

»O nein!«

»Doch, Kollege, kein Scherz.«

»Worum geht es diesmal?«

Ich gab eine kurze Erklärung ab, und der Mann war überrascht, denn er fragte: »Mehr nicht?«

»Nein.«

»Ich rufe zurück.«

»Gern.«

Wieder musste ich warten. Die Schummerbeleuchtung verschwand, als ich die Lampe unter der Decke einschaltete. Ob der Abend gerettet war, wusste ich nicht. Es kam einzig und allein auf die Auskunft des Kollegen an, die ich mit Spannung erwartete.

Nach knapp zehn Minuten meldete sich das Telefon erneut. Ich hatte meinen Namen noch nicht richtig ausgesprochen, da hörte ich bereits das leise Lachen.

»Nichts, Mr. Sinclair. Es ist auf der Isle of Wight nichts passiert, was Sie oder uns interessieren könnte. Die Insel ist so ruhig wie ein See bei Windstille.«

»Kann man nichts machen.«

»Was haben Sie denn erwartet?«

»Keine Ahnung. Es war auch mehr ins Blaue hinein gefragt. Herzlichen Dank.«

»Sollen wir denn am Ball bleiben?«

»Sagen wir so. Ich melde mich morgen bei den Kollegen von der Tagschicht noch einmal.«

»Akzeptiert. Eine angenehme Nacht dann ohne Albträume.«

»Danke, Ihnen das Gleiche.«

»Ich habe bald Schluss und gehe noch auf einen Geburtstag. Wird ne harte Sache.«

»Dann trinken Sie einen für mich mit.« Lachend unterbrach ich die Verbindung. Doch das Lachen war nicht aus Fröhlichkeit heraus geboren. Es gab schon etwas, das mich nachdenklich machte. Abbé Bloch hatte bestimmt nicht aus Spaß angerufen. Und wenn ich auf mein Gefühl lauschte, dann war es alles andere als gut …

*

Es gab etwas, auf das Tommy Holland besonders stolz war. Das war der 2CV, auch Ente genannt. Ein französisches Kultauto, das leider nicht mehr gebaut wurde. Vor einem halben Jahr, als er seinen achtzehnten Geburtstag gefeiert hatte, da hatten ihm seine Eltern einen Traum erfüllt und ihm die Ente geschenkt.

Darin fühlte er sich wie ein König in einem Schloss, wenn er über die Insel fuhr. Man lachte ihn nicht aus, denn die Ente hatte wirklich Kult – Status bekommen, und jeder Freund oder Bekannte wollte irgendwann einmal mitfahren.

Tommy, der seine Haare noch immer lang und im Nacken zu einem Zopf gebunden trug, stand eigentlich mehr auf Mädchen. Besonders auf die um ein Jahr jüngere Peggy Shaw. Er hatte sie schon immer in der Schule angebaggert, war jedoch stets auf Granit gestoßen. Mit der Ente sah das anders aus. Da hatte Peggy sich zu einer abendlichen Fahrt überreden lassen. Sie tat zwar immer so lässig, in Wirklichkeit aber fand sie es super, durch die Straßen von Newport zu rollen und die Kurven besonders stark zu erleben.

Nachdem es dunkel geworden war, hatten sie in einem Schnellimbiss gehalten und zwei Cola getrunken. Eigentlich hatte Peggy danach nach Hause gewollt, aber Tommy hatte sie überreden können, wieder in den Wagen zu steigen.

»Und wohin willst du mich schleppen?«

»In die Nähe der Ruine und der Kirche.«

»Welcher?«

»St. Olave’s Church.«

»Was sollen wir denn da?«

»Mal sehen.«

Peggy schob den leeren Trinkbecher zur Seite und schaute Tommy hart an. Sie war ein Mädchen mit kurzen, rotblonden Haaren und grünen Augen. Die Sommersprossen machten ihr Gesicht interessant, in dem auch der Mund mit den vollen Lippen auffiel. Ihre Figur hatte schon die Formen einer ausgewachsenen Frau, und Tommy hatte mehr als einmal auf die Hügel unter dem Pullover geschaut.

Auch jetzt, und das gefiel Peggy nicht. »Hör mal zu, Tommy. Anmachen ist nicht, verstehst du?«

Er schüttelte den Kopf. »Quatsch, wieso …?«

»Weil ich dich kenne. Du bist scharf auf mich.«

Das Gesicht des braunhaarigen Jungen zeigte ein kleines Grinsen. »Wer ist das nicht?«

»Weiß ich auch. Aber ich habe einfach keine Lust. Ich will es nicht, und das musst du akzeptieren.«

»Fährst du trotzdem mit?«

»Ja.«

»Super.«

»Freu dich nicht zu früh.«

Sie war dann in den Wagen eingestiegen. Tommy hatte dabei nach den Kondomen in der rechten Hosentasche getastet. Sicherheitshalber hatte er sie besorgt, doch wie es aussah, würde Peggy stur bleiben. Fast wie eine alte Jungfrau.

Ihm gefiel auch nicht, dass es so kalt war. Da konnten nicht viele Gefühle aufkommen, aber wenn er sich vorstellte, unter Peggys Pullover zu greifen, wurde ihm schon jetzt wärmer.

Sie saß schon im Wagen. »In deiner Ente ist es kalt.«

»Das ändert sich.«

»Ha, außerdem zieht es durch die Scheiben.«

»Du trägst doch einen Pullover.«

»Ja, und den lasse ich auch an.«

»Hat auch keiner gesagt, dass du ihn ausziehen sollst. Obwohl das wirklich hipp wäre.«

Sie schlug ihm auf den Kopf. »Und für mich bist du hopp.«