John Sinclair 1148 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair 1148 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!

Der Butler.

Der Butler hatte seinem Herrn Treue bis über den Tod hinaus geschworen. Das Schicksal wollte es anders. Nicht der Butler starb zuerst, sondern sein Herr. Beide aber hatten für die Zukunft vorgesorgt. Auch der Schwur war nicht vergessen. Den nahm Edward, der Butler, wörtlich. Denn er holte seinen Herrn aus dem Grab zurück ...

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Seitenzahl: 141

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumDer ButlerVorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Der Butler

hatte seinem Herrn Treue bis über den Tod hinaus geschworen. Das Schicksal wollte es anders. Nicht der Butler starb zuerst, sondern sein Herr. Beide aber hatten für die Zukunft vorgesorgt. Auch der Schwur war nicht vergessen. Den nahm Edward, der Butler, wörtlich. Denn er holte seinen Herrn aus dem Grab zurück …

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-3881-9

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Der Butler

Sechs Stufen bis zur Hölle!

Es war nicht die richtige Hölle. Die Kneipe nannte sich nur so. Doch wer hier verkehrte, an dem hätte auch der Teufel seine Freude gehabt.

Sicherlich nicht an dem Fahrer, der auf seinem Motorroller langsam an das Lokal herantuckerte und sehr bald in den Schein der roten Außenbeleuchtung geriet.

Er sah mehr aus wie eine Witzfigur. Weil er ebenso stocksteif auf dem fahrbaren Untersatz hockte. Er trug einen dunklen Mantel und natürlich einen Helm. Der Fahrer hielt an und stieg ab.

Es waren keine lockeren Bewegungen, wie man sie bei normalen Fahrern kennt. Alles, was er tat, wirkte steif oder auch genau überlegt.

Sein Fahrzeug blieb auf dem Ständer stehen, und der Mann nahm seinen Helm ab. Er legte ihn auf den Sitz. Dann knöpfte er seinen Mantel auf und schaute sich um.

Der Mann rümpfte dabei die Nase. Es war keine Gegend, die man sich freiwillig aussuchte, wenn man nicht eben zu denen gehörte, die sich hier wohl fühlten. Danach sah der Mann nicht aus. Man hätte ihn als distinguiert beschreiben können. Er trug einen dunklen Anzug, ein weißes Hemd, eine schwarze Weste und eine Fliege. Das Haar war schwarz und glatt nach hinten gekämmt. Auf der Oberlippe des hageren Gesichts wuchs ein dünnes, schwarzes Bärtchen. Langgezogen wirkte auch sein Kinn. Im Gegensatz dazu stand die breite Stirn, auf der sich die Falten noch tiefer eingruben, als er in die Runde schaute. Jemand wie er fühlte sich hier alles andere als wohl, aber er hatte eine Aufgabe zu erfüllen.

Bis zum Beginn der Treppe war es nicht weit. Nach drei Schritten hatte er sie erreicht blieb kurz stehen und schaute sich ein letztes Mal um.

Es war kein Mensch auf der Straße zu sehen. Kein Wunder bei dieser Zeit. Mitternacht war längst vorüber. Das feuchtkalte Wetter war auch nicht dazu angetan, die Menschen auf die Straße zu treiben. Es war ruhig. Die Stille passte sich derzeit an, und in den Kneipen der Umgebung tranken die Zecher und Alkis in Ruhe ihre Biere oder kippten Schnäpse in die Kehlen.

Der Mann hüstelte gegen sein Handgelenk und machte sich dann auf den Weg in die Hölle. Er ging mit steifen Schritten, und er sah aus, als hätte er einen Ladestock verschluckt. In seinem Gesicht bewegte sich kein Muskel. Er wirkte in diesen Augenblicken wie leicht vereist und auch etwas widerwillig, denn so hatte er sein Gesicht verzogen. Leicht arrogant und ablehnend, als wäre ihm das alles zuwider.

Die Steintreppe war feucht, und er musste darauf achten, nicht auszurutschen. Es gab eine Tür. In welcher Farbe sie gestrichen war, sah der Mann nicht. Hier unten war es zu dunkel. Das rote Licht floss an dieser Stelle über ihn hinweg.

Die Tür war zugefallen, aber nicht abgeschlossen. Er konnte sie aufstoßen. Es wehten ihm keine Musicklänge entgegen, aber es war auch nicht still. Wer hier in der Hölle um diese Zeit saß, der wollte nur noch reden und trinken.

Der Wirt oder wer auch immer hatte sich bemüht, dem Namen des Lokals gerecht zu werden. So war es innen nach seinen Vorstellungen der Hölle ausgebaut worden. An den Wänden verteilten sich rote und schwarze Farben. Sie liefen wie Flammenzungen ineinander über, und an der Decke glotzte ein gemalter Teufelskopf auf die Besucher herab. Das Maul war dabei zu einem breiten Grinsen verzogen. In den Lücken der langen Zähne klemmten Menschen. Der Teufel sollte seinen Spaß daran haben, sie einfach zu verschlingen.

Es gab auch Gäste innerhalb des Lokals. Die aber nahmen von dem Eintretenden keine Notiz. Die vier noch recht jungen Männer hockten an einem Tisch zusammen. Sie rauchten, tranken und kümmerten sich auch nicht um den Wirt, der hinter der grauen Theke saß und selig entschlummert war.

In der Hölle war es nicht heiß, sondern kalt. Eine Heizung lief wohl nicht, und der Mann sah auch keinen Ofen. Dafür einen schmutzigen Boden, der mit Zigarettenkippen übersät war. Graublauer Rauch lag wie Nebel zwischen Boden und Decke, und kein Ventilator verquirlte ihn.

Um die Gäste genauer in Augenschein zu nehmen, musste der Eingetretene nach links schauen. Sie waren nicht nur vom Alter her ungefähr gleich, sie sahen auch noch gleich aus, denn sie alle trugen dunkle Kleidung.

Schwarze Lederjacken, graue oder schwarze Hosen, wilde Haarschnitte, die vom farbigen Punkschnitt bis zur Mähne reichten. Tätowierte Hände, Ringe in den Nasenlöchern, an den Ohren, auch kleine Ketten, die sich über das Leder hinwegspannten.

Der Mann, der überhaupt nicht in diese Szenerie hineinpasste, holte durch die Nase Luft, bevor er sich räusperte.

Er wurde nicht wahrgenommen.

Noch einmal versuchte er es, und diesmal lauter.

Er schaffte es. Am Tisch schlief die Unterhaltung ein, und vier Köpfe drehten sich in seine Richtung.

Von nun an war alles anders. Was jetzt passierte, das hätte auch ein Drehbuchautor schreiben können. Das war wirklich wie im Film. Sie starrten nur den neuen Gast an, und in ihren Gesichtern spiegelte sich zunächst Erschrecken, das in ungläubiges Staunen überging. Keiner konnte es fassen, dass ein derartiger Gast die Hölle betreten hatte und auch keine Anstalten traf, sie wieder zu verlassen. Es gab zunächst auch keinen, der sich zu einem Kommentar hinreißen ließ, das Staunen war einfach zu groß.

Bis sich dann einer aus der Gruppe erhob.

Es war der junge Mann mit den langen Haaren. Sie wuchsen über die Ohren hinweg und erreichten mit den Spitzen seine Schultern. Zwischen den beiden Hälften dieses Vorhangs schimmerte das Gesicht durch. Zwei staunende Augen, ein schmaler Mund, über der Oberlippe ein dünner Bart, ein spitzes Kinn.

»Edward – sind Sie es?«

»Ja, Chris!«

Das plötzliche Gelächter eines anderen klang wie ein Peitschenschlag. »He, Chris, was ist das denn? Du kennst diese Figur?«

»Ja.«

»Ist der echt oder erleben wir einen Traum? Zu viel haben wir doch nicht gesoffen.«

»Nein, nein …« Chris stand noch immer und schüttelte den Kopf. »Ich kann es selbst nicht glauben, aber er ist Edward, der Butler.«

»Wie kommst du denn an den?«

»Den habe ich nicht. Gehört zur Familie oder so.«

»Klar!«, rief ein anderer. »Du kommst ja aus einem vornehmen Haus. Das hatte ich vergessen. Meinst du, dass der komische Vogel hier ein Bier trinken will?«

»Das glaube ich nicht.«

»Was will er dann?«

»Wollen Sie wirklich nichts trinken, Mister?«, meldete sich der Wirt. Er war durch die Stimmen aus seinem Schlaf erwacht und hatte sich hinter der Theke aufgerichtet.

»Nein, das will ich nicht«, erklärte Edward, der Butler.

»Warum sind Sie dann gekommen?«

»Ja«, rief ein Typ mit grünen Haaren. »Warum bist du Arsch dann gekommen?«

Edward ließ sich auf den provozierenden Ton nicht ein. »Ich bin wegen Chris hier. Sie alle interessieren mich nicht. Ich komme nur wegen des Jungen.«

Als Reaktion erntete er allgemeines Gelächter. Der Typ neben Chris, einer mit Glatze, auf der bläulich die Fratze des Teufels schimmerte, moserte: »Lässt du dir das gefallen?«

Chris wusste nicht, was er antworten sollte. Es hatte ihn überrascht, und er musste zunächst zu sich selbst finden. »Ich weiß ja nicht, was er will.«

Edward blieb ruhig. »Keine Sorge, Chris. Das werden Sie gleich erfahren.«

»Wir sind ja irre gespannt!«

Edward ließ sich durch die Bemerkung nicht aus dem Konzept bringen. »Komm mit mir, Chris.«

Der Angesprochene schüttelte den Kopf. Er schaute seine drei Freunde an und sah das Feixen auf ihren Gesichtern. Sie waren gespannt, wie er reagieren würde. Er handelte so, wie er es für richtig hielt und es auch ihnen gefallen konnte. »Ich werde nicht kommen, Edward. Auf keinen Fall. Überhaupt, wie … wie … ich … dachte, du bist … na ja, du weißt schon …«

»Ich werde dich hier herausholen.«

»Nein.«

Der Butler schüttelte den Kopf. »Doch, Junge, ich habe immer getan, was man mir auftrug.« Er war in einen vertrauten Tonfall verfallen, als wollte er väterlich wirken.

»Und wer hat Sie geschickt, Ed?«

Der Butler lächelte. »Dein Großvater, mein Junge. Er will nicht, dass du vor die Hunde gehst.«

Chris, der bisher gestanden hatte, ließ sich zurück auf seinen Stuhl fallen. Er saß noch nicht richtig, als ein schallendes Gelächter aus seinem Mund brach. »Das ist doch nicht wahr!«, brüllte er danach. »Das kann nicht angehen. Das ist eine Verarschung der übelsten Sorte. Ehrlich, das ist zu krass.«

»Was denn?«, brüllte ihn sein Nachbar an und schüttelte ihn durch.

Chris, der den Kopf geschüttelt hatte, saß für einen Moment wieder ruhig da. »Das ist einfach unmöglich. Mein Großvater kann keinen geschickt haben.«

»Wieso nicht?«

»Weil er längst tot ist!«

*

Die Gäste, die in Lokalen verkehrten, die unter anderem auch Hölle hießen, gehörten nicht eben zu den Chorknaben unter den Menschen. Sie waren schon einiges gewohnt. Sie gingen ihren Weg, egal ob zu Recht oder zu Unrecht, und sie waren nicht immer nur Freunde, die sich vertrugen. Es gab genügend Kämpfe zwischen ihnen, aber sie bildeten auch Cliquen. Hier am Tisch saß eine solche Clique, die es aber verlernt hatte, zu toben und zu schreien, denn plötzlich waren alle sehr still. Eine derartige Antwort hätte keiner von ihnen erwartet, und drei Augenpaare glotzten Chris an.

Der konnte die Blicke nicht mehr ertragen. Mit beiden Händen schlug er auf den Tisch. »Verdammt!«, schrie er. »Glotzt nicht so blöde. Es stimmt, was ich gesagt habe. Es ist wirklich alles okay. Mein Großvater lebt nicht mehr. Der liegt längst unter dem Torf. Und Edward ist auch tot, glaube ich. Ich war zwar nicht auf der Beerdigung, aber er müsste eigentlich tot sein.«

»O Scheiße!« sagte der Wirt.

Chris’Freunde hielten in den nächsten Sekunden still. Auch sie mussten sich wieder fangen. »Was hier abläuft, ist doch eine Verarsche oder nicht?«

»Weiß ich nicht.«

»Sein Großvater schickt einen, der vielleicht selbst tot ist. Das packe ich nicht!« Der Typ neben Chris wäre beinahe mit dem Stuhl umgekippt, als er sich etwas zu heftig nach hinten lehnte und dabei gegen seine Stirn schlug. »Willst du dich verarschen lassen, Chris?«

»Nein.«

»Dann tritt den Stockfisch in die Nüsse. Wir schaffen ihn gemeinsam nach draußen.«

Chris überlegte noch. Er drehte erst wenig später den Kopf, um Edward anzuschauen. Er kannte ihn ja. Edward hatte praktisch zur Familie gehört. Er war schon Butler bei seinem verstorbenen Großvater gewesen und auch bei den Eltern.

Beide trennten Welten. Chris mochte den Butler nicht. Er lebte völlig anders, was seiner Art, das Leben zu gestalten, auf keinen Fall entgegenkam. Überhaupt war seine gesamte Familie in Konventionen erstarrt. Das war ihm schließlich so auf den Senkel gegangen, dass er seine Familie verlassen hatte, um sich als Typ, wie er sagte, durchzuschlagen. Er hatte jetzt Kumpane und Freunde gefunden, die voll und ganz auf seiner Seite standen, weil sie ein ähnliches Leben führten. Chris dachte nicht im Traum daran, noch einmal in sein Elternhaus zurückzukehren. Das war für ihn vorbei. Es interessierte ihn auch nicht, dass es dort etwas zu erben gab, er wollte sein eigenes Leben führen, und damit hatte es sich.

Der Butler räusperte sich. »Ich möchte nicht drängen, Chris, aber ich denke, es wird Zeit.«

»Ha – Zeit?«

»Ja, wir sollten gehen.«

»Wohin?«

»Zu deinem Großvater.«

»Toll, echt. Auf den Friedhof, wie?«

»Genau dorthin.«

Die Antworten waren in einem so großen Ernst gesprochen worden, dass Chris nicht darüber lachen konnte. Er fühlte sich auch von seinen Freunden beobachtet und wusste genau, dass es in den folgenden Sekunden auf ihn ankam. Alle warteten darauf, dass er reagierte, und die Antwort wäre ein glattes Nein gewesen.

Wäre – wenn ihn da nicht ein komisches Gefühl überfallen hätte. Er spürte plötzlich einen gewissen Druck in sich, und es stellte sich die Frage, ob das Ganze nicht mehr war als ein Schauspiel. Vielleicht steckte doch etwas dahinter. Weil Edward mit einem so großen Ernst zu ihm gesprochen hatte.

Chris schielte ihn von der Seite her an. Edward stand dort wie ein Fels. Er war auch nicht älter geworden. Er hatte sich seit Chris’Verschwinden aus dem Haus um keinen Deut verändert. Noch immer wuchs das dunkle Bärtchen über seiner Oberlippe, das wie ein schwarzer Strich wirkte. Die dunklen Augen, die hohe Stirn, und immer der etwas überhebliche Gesichtsausdruck.

Der Großvater hatte den Butler gemocht. Die beiden waren stets eine verschworene Gemeinschaft gewesen, worüber sich die eigentliche Familie manchmal geärgert hatte.

Der Großvater war tot. Und sein Butler lebte, auch wenn er nicht gealtert war.

Edward blieb freundlich, als er sagte: »Ich denke, wir sollten jetzt gehen, Chris.«

Der Angesprochene sagte nichts. Statt dessen flüsterte eine Stimme über den Tisch hinweg: »Willst du das wirklich tun? Willst du dem Stockfisch folgen?«

»Nein, will ich nicht.«

»Wir können ihn in die Mangel nehmen.«

Chris schüttelte den Kopf. »Noch nicht, er soll nur verschwinden, das ist am Besten.«

Edward tat genau das Gegenteil. Er hatte bisher einen gewissen Abstand zum Tisch der vier Gäste gehalten. Jetzt trat er näher und blieb auch direkt neben Chris stehen, um auf ihn herabzuschauen.

»Komm jetzt, bitte.«

»Ich bleibe!«

Edward sah beinahe traurig aus, als er den Kopf schüttelte. »Nein, du musst mitgehen. Ich habe es deinem Großvater versprochen.« Um die anderen kümmerte sich der Butler nicht. Er beugte sich vor, legte eine Hand auf Chris’ Schulter und stemmte die andere, die rechte, auf die Tischplatte. Um die anderen drei Typen kümmerte er sich nicht. Sie waren für ihn gar nicht da.

Chris drehte den Kopf nach rechts. Die beiden schauten sich jetzt direkt an. Der Junge spürte die Nähe des Butlers, auch den Druck seiner Hand auf der Schulter, und plötzlich war ihm kalt. Die Haut am Rücken zog sich zusammen, und im Nacken schienen sich die Härchen aufrichten zu wollen. Er verstand sich selbst nicht. Nie hatte er sonst diese Reaktion gezeigt. Das hier war ihm völlig neu.

Er hatte nie einen sehr großen Kontakt zu Edward gehabt, aber Angst hatte er vor ihm auch nicht empfunden. Das war jetzt anders, und auch Edward war anders.

Wie genau, das konnte sich Chris nicht erklären, und die Stimme lenkte ihn zudem ab. »Komm hoch, wir gehen.«

»Wir sind bei dir!«, flüsterte ihm jemand zu. »Wir machen aus diesem Typen Schweinefutter.«

Es waren dumme Bemerkungen. In diesem Fall allerdings passten sie und sorgten bei Chris für einen inneren Ruck.

»Hau ab, Edward! Verzieh dich wieder in deine Welt. Meinetwegen auch zu meinem toten Großvater. Aber bleib nicht hier, denn hier werde ich bleiben.«

Edward blieb noch immer gelassen. »Das geht nicht, Chris. Ich kann nicht ohne dich zu ihm zurückkommen.«

»Dann sag ihm, dass ich irgendwann mal zum Friedhof komme. Das ist mein letztes Wort!«

»Schade …«

»He, Pinguin, schau mal, was ich hier habe.« Der Punk mit den grünen Haaren umklammerte den Griff eines Faustmessers. Es war eine böse und gefährliche Waffe mit einer breiten Klinge. Sie war nicht sehr lang, aber sie riss große Wunden.

Edward drehte den Kopf. »Na und?«, sagte er.

»Ach, ist das nicht neu für dich?«

»Sie können mich damit nicht beeindrucken.«

Der Grünhaarige kniff die Augen zu Schlitzen zusammen. »Meinst du das? Was glaubst du, wie beeindruckt du bist, wenn ich dir mit dem Messer deine Hand auf die Tischplatte nagele?«

»Ich würde dir davon abraten. Es wäre dein Ende!«

Mit dieser Antwort hatte der Punk nicht gerechnet. Er schaute in die Runde, er lachte auch, doch die anderen lachten nicht mit, und so brach sein Lachen ebenfalls ab.

»Steh jetzt auf, Chris!«

»Nein, verflucht!« Der junge Mann bewegte sich. Er wollte die Hand von seiner Schulter endlich los werden, aber der Druck war zu stark. Derartige Kräfte hätte er dem Butler gar nicht zugetraut.

Der Punk zuckte. Das Messer zuckte mit. In seinen Augen flackerte es plötzlich.

»Ich will nicht, verdammt!«, schrie Chris.

Da stieß der Punk zu. Es war mehr ein Reflex, zudem wollte er keinen Rückzieher mehr machen.