John Sinclair 1149 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair 1149 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!

Begraben, aber nicht vergessen (1. Teil).

Das Fax erreichte mich aus Russland. Es stammte von Karina Grischin, einer guten Freundin.

"Ich brauche dich hier, John, und zwar sofort. Es ist nicht übertrieben, wenn ich schreibe: Die Hölle entlässt ihre Vasallen ..."

Ich glaubte ihr. Also flog ich hin und erlebte in der Eiskälte des Landes einen grausamen Zombie - Horror.

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Seitenzahl: 131

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumBegraben, aber nicht vergessen (1. Teil)Vorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Begraben, aber nicht vergessen (1. Teil)

Das Fax erreichte mich aus Russland. Es stammte von Karina Grischin, einer guten Freundin.

»Ich brauche dich hier, John, und zwar sofort. Es ist nicht übertrieben, wenn ich schreibe: Die Hölle entlässt ihre Vasallen …«

Ich glaubte ihr. Also flog ich hin und erlebte in der Eiskälte des Landes einen grausamen Zombie – Horror.

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-3882-6

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Begraben, aber nicht vergessen (1. Teil)

Mit sehr spitzen Fingern überreichte mir Glenda Perkins das Fax. »Für dich – aus Russland.« »Danke.«

Ich las. Glenda blieb in der offenen Tür stehen. Der Text war schlicht und trotzdem brisant. Ich sprach ihn halb laut. »Ich brauche dich hier, John, und zwar sofort. Es ist nicht übertrieben, wenn ich schreibe: Die Hölle entlässt ihre Vasallen. Gruß: Karina Grischin …«

Kuzow wartete auf die Toten!

Wie oft in den letzten Nächten saß er am Ufer des Sees und schaute auf die dunkle Fläche, die immer wieder die Wellen heranschaufelten, die auf einem relativ schmalen Strandstreifen ausliefen.

Es war für Kuzow der beste Platz. An anderen Stellen war das Ufer einfach zu hoch, und in der nördlichen Seeregion bildete es beinahe schon so etwas wie eine Steilküste.

Wieder hatte sich eine dieser dunklen Winternächte über das Land gelegt. Es war kalt, auch zugig, aber nicht mehr unbedingt so eisig. Hier im Süden war die Luft manchmal mit den Boten des Vorfrühlings gefüllt, wenn der Südwind etwas von seiner Reise aus den Steppen und Wüsten mitbrachte.

Das Wasser schleuderte immer wieder Wellen in die Höhe. Auf den Kämmen tanzte die Gischt wie unruhige Gespenster. Da die Luft über dem Himmel klar war, konnte Kuzow auch die Sterne sehen, die sich funkelnd auf dem Firmament verteilten. Sie waren der Gruß aus sehr fernen Welten, und immer, wenn er in die Höhe schaute, überkam ihn eine große Sehnsucht. Sein Traum war es, irgendwann einmal dort oben zu verschwinden und nie aufzutauchen.

Stattdessen hockte er hier am Ufer und wartete. Als Sitzplatz diente ihm eine Holzkiste, auf die er ein Kissen gelegt hatte. Er war eine einsame Gestalt mit Fellmütze, eingehüllt in den alten Fellmantel, der ihm fast bis zu den Schuhen reichte. Wenn der Wind zu scharf wurde, band er sich den Schal vor den Mund.

Kuzow wartete weiter. Der See war ein Phänomen. Nicht allein deshalb, weil er nie richtig zufror – in seinem Innern gab es wärmere Strömungen – nein, es kam noch etwas hinzu. Die Strömung sorgte auch dafür, dass die Leichen ans Ufer geschwemmt wurden. Und zwar immer nur an dieser Stelle, an der Kuzow wartete. Er glaubte nicht an einen Zufall, aber er fragte sich, warum das Gewässer die Toten ausspie. Der See musste sie aus den dunklen Tiefen geholt haben, wo sie vielleicht über Jahre hinweg ihr Dasein gefristet hatten.

Kuzow wusste nicht genau, wer sie waren. Er sah seine Aufgabe darin, sie wegzuschaffen, denn er fürchtete sich davor, dass die Leichen zurückschlagen könnten.

Er glaubte, dass das Schicksal ihn auserwählt hatte. Er lebte allein am See. Um ihn kümmerte sich kaum jemand. Er war jetzt 60 Jahre alt, und in seinem Leben hatte sich kaum etwas verändert.

Es war in den letzten Jahren viel geschehen in dem riesigen Russland. Nicht alle Menschen hatten von den Veränderungen etwas mitbekommen. Zu ihnen gehörte Kuzow. Er kannte zwar die neuen Namen aus den Zeitungen und aus dem Radio, doch anfangen konnte er damit kaum etwas. Hier am großen See lief das Leben ab wie vor Jahrzehnten oder Jahrhunderten. Nur waren die Fische weniger geworden, ebenso wie die Wassermenge. Große Teile des Sees waren schon versandet. Oft genug brachten die Fischer einen Fang mit, den sie wieder wegwerfen konnten. Da hatten irgendwelche Gifte die Tiere angefressen.

Kuzow machte sich seine Gedanken. Weniger um die Fische, als um die Leichen. Dass sie aus der Tiefe des Gewässers in die Höhe und später ans Ufer gespült wurden, lag auf der Hand, aber wie sie in den See gekommen waren, wusste er nicht. Sie waren auch nicht richtig verwest, denn sie zeigten sich nur auf eine schlimme Art und Weise verändert, für die der Russe keine Erklärung fand. Er wusste nicht einmal, ob sie auch richtig tot waren. Ein paarmal hatte er das Gefühl gehabt, dass sie noch lebten, aber darüber wollte er nicht nachdenken. Was er tat, hielt er für richtig, und es sollte ihn niemand dabei stören. Er war davon überzeugt, der Menschheit einen Gefallen zu tun.

Trotz der Kälte hatte er darauf verzichtet, ein Feuer zu machen. Er wollte allein im Schutz der Dunkelheit bleiben. Die Flammen am Ufer hätte man zu weit sehen können, und Aufmerksamkeit wollte er keine erregen.

Die Tageswende war längst vorbei. Kuzow brauchte nicht einmal eine Uhr, um das zu wissen. So etwas hatte er einfach im Gefühl. Es gab keine genauen Zeiten, wann die Leichen angeschwemmt wurden. Er ging einfach nur davon aus, dass sie auch kamen.

Ein Freund, der in Moskau gewesen war, hatte ihm dünne Zigarren aus dem Westen mitgebracht. Gleich drei Kisten davon. Jede Nacht rauchte Kuzow zwei der Zigarren. Eine hatte er schon genossen, nun holte er die Zweite hervor. Mit der Flamme eines alten Sturmfeuerzeugs zündete er sie an. Das flackernde Licht huschte dabei über seine rissigen, von der Arbeit gezeichneten Hände hinweg, die nicht durch Handschuhe geschützt wurden. Die würde der einsame Mann erst später überstreifen, wenn es soweit war.

Er hoffte es.

Sie hatten ihn in den letzten Nächten nie im Stich gelassen, und das würde auch heute so sein. Sie ließen ihn nicht im Stich. Außerdem war die Nacht noch lang, und bis zum Morgengrauen konnte immer noch viel passieren.

Der würzige Rauch umwehte ihn. Er genoss es, die Zigarre zu rauchen. Für ihn war sie auch der Gruß einer unerreichbaren Welt, der ihn da umwehte.

Obwohl er sich nur als winziges Rädchen in einem großen Getriebe fühlte, hatte er manchmal das Gefühl, einer der wichtigsten Menschen auf der Welt zu sein. Das konnte auch mit den angeschwemmten Leichen zusammenhängen. Sie waren etwas Besonderes und vielleicht sogar mehr als wichtig.

Einmal nur hatte er über dieses Thema mit dem Sohn eines Freundes gesprochen. Der junge Mann gehörte zur gebildeten Schicht. Er studierte sogar in Kiew. Oder hatte studiert. Später war er dann in eine Arbeit eingetreten, die sehr wichtig für das Land war, so jedenfalls hatte man ihm erzählt.

Der Sohn des Freundes hatte ihm zugehört, gelächelt und ihn dann beruhigt. Er hatte von irgendwelchen Selbstmördern gesprochen, die sich den See als Grab ausgesucht hatten. Daran wollte Kuzow nicht glauben. Er hatte den anderen nur in dem Glauben gelassen, es zu glauben. Kuzow ersetzte sein Wissen eben durch Weisheit. Jedenfalls war der junge Mann wieder verschwunden. Das lag bereits Wochen zurück, und Kuzow hatte nichts mehr von ihm gehört.

Er rauchte.

Er lauschte dem Wind, der um seine Ohren wehte. Er hatte das Gefühl, dass er ihm Geschichten über die Ereignisse erzählte, die sich hier in diesem Landstrich einmal abgespielt hatten.

Wieder glitt der Blick hinaus auf das Wasser. Das Spiel der Wellen hatte nicht aufgehört. Noch immer klatschten sie gegen das Ufer, wo sie sich in hellen Schaum verwandelten und dicht vor seinen Füßen ausliefen.

Er stand auf.

Das lange Sitzen hatte ihn etwas steif werden lassen. Kuzow bewegte die Arme und schüttelte auch seine Beine aus. In seinem Alter brauchte man Bewegung.

Sein Blick fiel nach links. Dort auf dem schmalen Uferweg und ein wenig erhöht malte sich der Umriss seines alten Treckers ab. An ihn war der flache Wagen gespannt worden. Der Trecker war sein großer Stolz. Er hatte ihn aus einer Konkursmasse erworben.

Kuzow ging auf und ab. Die Bewegung tat ihm gut. Das Blut floss wieder. Er spie den Rest der Zigarre aus und wandte sich wieder dem Wasser zu.

Nichts war so stetig wie dieses Wasser. Ob es relativ ruhig war wie jetzt oder ob der Sturm den See aufpeitschte, das Wasser blieb bestehen. Im Sommer warm, im Winter kalt. Immer wieder rollten die Wellen an, und sie übten bei ihren Bewegungen eine Faszination auf den einsam stehenden Mann aus. Manchmal hatte er den Eindruck, dass sie ankamen, um ihn zu holen.

Er schloss die Augen. So hörte Kuzow nur das Rauschen. Es war etwas Besonderes. Er fühlte sich über allem stehend und sogar leicht schwebend. Er hatte sich seine eigene Welt geschaffen. So wie er jetzt da stand, war er sogar in der Lage, irgendwelchen Träumen nachzugehen.

Nur nicht heute.

In dieser Nacht nicht.

Da würde etwas passieren. Er spürte es. Die Wellen trieben ihm nicht in jeder Nacht die Leichen an, aber sein Gefühl sagte ihm, dass es heute wieder der Fall sein würde.

Kuzow öffnete die Augen. Die innere Unruhe trieb ihn dazu. Er blickte wieder über die dunkle Fläche mit ihren Wellenkronen, auf denen weiterhin Gespenster zu tanzen schienen. Sie bestanden aus Wasser, doch sie sahen aus wie in die Höhe geschleuderte Glasstücke, die in noch kleinere Teile zerbrachen, wenn sie wieder zusammenfielen.

Dann sah er den Schatten!

Kuzow hielt den Atem an. Es war die berühmte Sekunde des Erkennens. Er war es gewohnt, dass der Schatten erschien, doch für ihn war es jedes Mal eine Premiere. Das Wasser oder welche Kraft auch immer, hatte da etwas aus der Tiefe gezerrt, um es an Land zu schleudern. Dabei wusste er nie, welch eine Überraschung auf ihn wartete. Erst wenn die Wellen ihre Beute gegen den schmalen Strand schleuderten, bekam er die Lösung präsentiert.

Der Russe wartete. Über das Wasser hinweg wehte ihm der eisige Wind entgegen. Wie Nadelstiche malträtierte er die Haut des Mannes. Kuzow presste seine Lippen zusammen, um den Wind nicht in seine Mundhöhle fahren lassen zu müssen. Er zitterte auch nicht mehr. Er wusste nur, dass er in wenigen Sekunden schlauer sein würde.

Aber der See ließ sich Zeit. Er verhöhnte ihn. Er spielte mit dem Gegenstand. Er schleuderte ihn zwar auf das Ufer zu, aber er holte ihn auf dem Weg auch wieder zurück. Es war ein Spiel, das Kuzow kannte, aber nicht hasste, denn er konnte nichts dagegen tun. Er war nicht stärker als die Natur.

Die Kraft des Wassers hatte den Körper nach unten gedrückt. Kuzow sah jetzt, dass es ein Körper war und kein großes Stück Treibholz. Aber er konnte nicht erkennen, ob es sich dabei um einen Mann oder eine Frau handelte. Kinder hatte er noch nie aus dem Wasser gezogen. Aber was nicht war, konnte noch werden.

Das Wasser spielte mit seiner Beute. Es rollte den Körper herum, stieß ihn vor, holte ihn wieder zurück, schleifte ihn durch die Schicht aus Sand und Kies, um ihm dann den letzten Stoß zu geben, der ihn beinahe bis vor die Füße des Wartenden beförderte.

Kuzow bückte sich. Er hob den Körper an. Es war eine Frau. An ihrem Oberkörper klebten noch die Reste der Kleidung als nasse Lumpen. Manche Leichen hatte er nackt aus dem Wasser gezogen, andere wiederum waren bekleidet gewesen wie diese Frau.

Der Russe zerrte sie endgültig aufs Trockene. Jetzt leckten die Wellen auch nicht mehr an den Füßen. Sie hinterließen im nassen Sand eine feuchte Spur, als Kuzow seinen Fund bis in die Nähe des altersschwachen Traktors zerrte.

Dort ließ er die Person zunächst einmal liegen. Er hatte sie auf den Rücken gedreht, wollte sich etwas ausruhen und unter anderem auch das Gesicht genau anschauen.

In der Dunkelheit schimmerte das Gesicht der etwa 40-jährigen Frau heller als die übrige Gestalt. Das Wasser hatte sich an ihr zu schaffen gemacht, und die Haut war aufgedunsen. Sie hatte auch Flecken bekommen, die er sah, als er die Flamme seines Sturmfeuerzeugs über das Gesicht hinweggleiten ließ.

Wasserleichen sehen nie gut aus, das wusste Kuzow sehr gut. Diese hier machte auch keine Ausnahme. Das Gesicht hätte in jeden Monsterfilm hineingepasst. Es war nicht im Schrecken verzogen. In ihm stand so gut wie kein Ausdruck. Es war einfach leer. So leer wie die Augen oder der Blick. Nur der Widerschein der Flammen spiegelte sich in den Pupillen wider. Zugleich huschten auch die Schatten der Feuerzeugflamme über das Gesicht. Sie drangen in den offenen Mund ein und schienen von der weiblichen Leiche verschluckt zu werden.

Ob sie nun ein Kleid oder einen dünnen Mantel getragen hatte, war nicht mehr zu erkennen. Der Stoff klebte völlig nass an ihrem Körper. Wasserpflanzen hatten sich dort abgesetzt und eine dunkelgrüne Schicht gebildet.

Ächzend richtete sich der Russe wieder auf. Er sprach die Leiche flüsternd an. Seine Worte hörten sich an wie ein Fluch, der erst nach einiger Zeit endete.

Das dünne Haar klebte ebenfalls nass auf dem Kopf. Durch die Lücken schimmerte die Kopfhaut, die verfärbt war.

Kuzow blieb neben der Toten stehen und tippte sie mit dem Fuß an.

Er hörte nichts.

Kein Laut verließ die Kehle. Die Tote bewegte sich nicht. Sie war einfach nur starr, und Kuzow nickte ihr zu, als wollte er sich mit ihr verständigen.

Er spie aus. Dann bückte er sich wieder und fasste den toten Körper unter. Er war nicht nur steif, sondern auch schwer. Wie eine breite Last lag er auf seinen Armen, und Kuzow ging mit ihr die wenigen Schritte bis zu seinem Trecker.

Es fiel ihm nicht leicht, die Tote zu tragen. Wiederum fragte er sich, warum er das hier alles tat. Er hätte es verdammt auch einfacher haben können, aber wenn er es nicht tat, wer sollte es dann tun?

Leicht schwankend ging er auf den Leiterwagen zu und schob die Tote auf die Ladefläche. In dieser Nacht hatte er wieder Glück gehabt, und er wusste auch, dass die Nacht noch nicht zu Ende war. Deshalb stieg er noch nicht auf seinen Trecker, um nach Hause zu fahren, sondern ging noch einmal zurück ans Ufer. Er überlegte, ob er sich noch einmal auf die Kiste setzen sollte, doch das war nicht nötig, denn der See hatte ihm einen weiteren »Gefallen« getan.

Er spülte die zweite Leiche an.

Und die war nackt. Der Körper schimmerte bleich zwischen den Gischtstreifen. Sie umrollten ihn wie einen Teppich, der den Toten immer wieder freigab, ihn weiterschob und schließlich auf den schmalen Strandstreifen rutschen ließ.

Kuzow ging hin.

Ein nackter, alter Mann. Er hatte einen Blick dafür, wie alt diese angeschwemmten Menschen waren, die der See freigab. Hier hatte er es mit einem Greis zu tun. Er schätzte das Alter des Toten auf mindestens achtzig Jahre. Die Haut war zwar noch vorhanden, doch sie war so dünn, dass sie jeden Augenblick zu reißen drohte. Sein Mund war geöffnet, und Kuzow konnte keine Lippen erkennen. So sah die Öffnung aus wie der Eingang zu einer Höhle. Während seines letzten Atemzugs musste er erstarrt sein, ohne es geschafft zu haben, noch ein Wort des Abschieds zu sprechen.