John Sinclair 1156 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair 1156 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!

Albtraum Elektra.

Er erwischte mich wie der Blitz aus heiterem Himmel. Es war ein Schuss aus tiefster ägyptischer Vergangenheit, dem ich nicht entgehen konnte. Albtraum Elektra.

Ich musste erleben, wie mir mein Augenlicht genommen wurde. Wie ich in die Gewalt dieser Frau geriet und wie sich mein Kreuz gegen mich wandte. Den Grund erfuhr ich in Ägypten.

Da erklärte mir Elektra, dass der Prophet Hesekiel ihr und nicht mir das Kreuz versprochen hatte ...

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Seitenzahl: 141

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumAlbtraum ElektraVorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Albtraum Elektra

Er erwischte mich wie der Blitz aus heiterem Himmel. Es war ein Schuss aus tiefster ägyptischer Vergangenheit, dem ich nicht entgehen konnte. Albtraum Elektra. 

Ich musste erleben, wie mir mein Augenlicht genommen wurde. Wie ich in die Gewalt dieser Frau geriet und wie sich mein Kreuz gegen mich wandte. Den Grund erfuhr ich in Ägypten.

Da erklärte mir Elektra, dass der Prophet Hesekiel ihr und nicht mir das Kreuz versprochen hatte …

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-3889-5

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Albtraum Elektra

Es fing alles sehr geheimnisvoll an, und doch war es nicht neu, da ich schon öfter am späten Abend oder in der Nacht durch Anrufe Fremder aus dem Schlaf gerissen worden war.

So auch diesmal. Das Telefon klingelte pünktlich um Mitternacht!

Ich nahm den Hörer ab. »Ja …«

Zuerst hörte ich nichts. Danach einen zischenden Laut. Es konnte auch ein schneller Atemzug gewesen sein. Ein derartiges Geräusch brachte bei mir schon mal leicht die Alarmglocken in Bewegung. Ich blieb trotzdem ruhig und sagte: »Melden Sie sich.«

Das Atmen oder Zischen verstummte. Es wurde von einer Stimme abgelöst, deren Klang mich verwunderte …

Normalerweise kann man sofort feststellen, ob eine Frau oder ein Mann spricht. In diesem Fall weniger, denn die Stimme klang recht neutral. Zudem hörte sie sich leicht rauchig an, als hätten zahlreiche Zigaretten ihre Wirkung hinterlassen. Ich verstand die Worte nicht, die mehr Laute für mich waren, und als ich mich stark darauf konzentrierte, da merkte ich schon, dass über meinen Rücken ein leichter Schauer lief.

Die Stimme gefiel mir nicht. Sie brauchte nicht einmal einem Menschen zu gehören. Das konnte auch ein dressiertes Tier sein oder sogar ein dämonisches Wesen, das sich auf eine derrtige Art und Weise bemerkbar machte.

Ich war weniger geschockt als ärgerlich und sprach in diesen für mich sinnlosen Text hinein. »Verdammt noch mal, was soll das? Was haben Sie vor?«

Für einen Moment trat Stille ein. Ich saß noch immer auf der Bettkante, umschmeichelt vom warmen Licht der Nachttischleuchte und wartete auf eine Reaktion. In manchen Situationen muss man bis zehn zählen, um sich wieder unter Kontrolle zu bekommen, und genau das tat ich in diesem Fall auch.

So weit kam ich nicht. Bei acht war Schluss. Da hörte ich plötzlich meinen Namen.

»Sinclair? John Sinclair …?«

»Richtig.«

Wieder erklang das Zischen. Ein langer Atemzug, der sich wenig erleichtert anhörte. Aber die folgenden Worte waren gut zu verstehen. »John Sinclair …«

»Das sagten sie schon.«

»Es ist gut, dass wir reden können, sehr gut. Ich habe lange darauf gewartet.«

»Ich nicht, Miss Unbekannt. Außerdem ist die Zeit nicht eben christlich. Ich habe morgen einen anstrengenden Tag vor mir und möchte eigentlich meine Ruhe haben.«

»Das ist mir klar.«

»Dann kommen Sie zur Sache. Zudem telefoniere ich nicht gern mit Fremden. Nennen Sie mir Ihren Namen.«

Den bekam ich nicht genannt. Stattdessen hörte ich ein kehliges Lachen. »Namen sind doch oft so unwichtig. Es kommt immer auf den Inhalt der Botschaft an.«

Da war ich zwar anderer Meinung, doch es brachte nichts, wenn ich versuchte, die andere Person zu überzeugen. Sie würde sich nicht überzeugen lassen. Eines aber wusste ich schon: Die Anruferin war eine Frau und sprach Englisch.

»Was wollen sie von mir?«

»Du hast etwas, das ich gern hätte. Nicht für immer, aber ich benötige es dringend.«

»Und was ist das?«

»Ein wichtiger Gegenstand. Sehr wichtig sogar. Für dich, aber auch für mich.«

Ich machte mir keine Gedanken darüber, was es sein könnte, und zuckte mit den Schultern, obwohl es niemand sah. »Wenn Sie weiterhin in Rätseln reden, kann ich Ihnen auch nicht helfen.«

»Willst du das denn?«

»Ich könnte es versuchen.«

»Sehr gut, John Sinclair. Dann sind wir uns ja schon einen Schritt näher gekommen.«

»Warum auch nicht?«

»Wie schon erwähnt, ich möchte es nicht für immer haben. Ich möchte es mir nur kurz ausleihen, und ich hoffe wirklich, dass du nichts dagegen einzuwenden hast.«

Ich wurde ärgerlich, und so klang auch meine Stimme.

»Sagen Sie endlich, was sie von mir wollen!«

»Ganz einfach, Sinclair. Ich will dein Kreuz!«

*

Nein, ich lachte nicht, obwohl ich es fast getan hätte. Dabei brauchte ich mir nur noch einmal die letzten Worte und auch den Klang der Stimme durch den Kopf gehen zu lassen, um zu wissen, dass die unbekannte Anruferin nicht spaßte. Sie war scharf auf mein Kreuz, und sie rief nicht ohne Grund an. Sie würde alles daran setzen, um es zu bekommen. Sie hatte mich angerufen, um …

Unsinn! Ich brachte mich selbst durcheinander, wenn ich meine Gedanken abschweifen ließ. Jetzt hörte sich mein Atmen ebenso an wie das der Unbekannten. »Ich habe also richtig verstanden. Sie wollen, dass ich Ihnen mein Kreuz gebe?«

»Ja!«

Ich schüttelte den Kopf. »Sie wissen genau, dass dieses Kreuz für mich ungemein wertvoll ist. So einfach gebe ich es nicht aus der Hand. Das heißt, ich gebe es überhaupt nicht her. Zumindest nicht freiwillig. Ich denke, da haben wir uns verstanden.«

»Natürlich. Wir haben laut genug geredet. Aber ich brauche es, verstehst du das?«

»Schon. Nur mit dem Begreifen hapert es.« Ich rutschte richtig auf das Bett und legte die Beine hoch.

»Dieser Gegendstand ist für mich ungemein wichtig. Es soll ja auch nicht für immer sein. Ich möchte es mir nur für eine gewisse Zeit ausleihen.«

»Auch das ist nicht möglich. Ich brauche es bestimmt mehr als Sie.«

»Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Das weiß ich besser. Ich will es haben und …«

»Sie bekommen es nicht!«

Wieder atmete sie zischend. »Dein letztes Wort?«

Eigentlich hätte ich das bejahen müssen, aber mir kamen so meine Zweifel, und ich dachte an eine andere Möglichkeit. Dieser Anruf war recht rätselhaft, ebenso wie die Frau. Es konnte zahlreiche Gründe geben, weshalb sie auf mein Kreuz scharf war, und zwar Gründe, die auch mich interessierten. Deshalb beschäftigte ich mich schon mit einer anderen Möglichkeit, die eher einem Kompromiss glich.

»Warum sagst du nichts?«

»Weil ich noch überlege.«

»Dann willst du es mir doch geben?«

»Nein, das habe ich damit nicht andeuten wollen. Vielleicht können wir uns auf einer anderen Ebene einigen. Das wäre sicherlich nicht schlecht.«

»Was meinst du damit?«

»Dass wir uns treffen. Dass Sie mir alles erzählen. Dass wir dann gemeinsam versuchen, eine Lösung für Ihr Problem zu finden. Denn dann befände sich das Kreuz in Ihrer Nähe, und ich wäre ebenfalls dabei. Ist das eine Lösung?«

»Ist es nicht!« hörte ich die scharfe Stimme. »Nein, das ist keine Lösung für mich.«

»Schade. Warum nicht? Ich weiß doch, dass Sie Probleme haben, die möglicherweise durch mein Kreuz gelöst werden könnten. Da könnten wir uns doch entgegenkommen.«

»Ich brauche es für mich. Ich brauche es auch nur für eine begrenzte Zeit. Ich kann dir nicht sagen, für wie lange das sein wird, aber ich muss es haben.«

»Da passe ich!«

Sie hatte wohl mitbekommen, dass sie mich nicht überzeugen konnte, und ich hörte zunächst nichts. Auch ich hielt mich zurück, fragte sie nicht einmal nach ihrem Namen, obwohl mich die Neugierde inzwischen gepackt hielt.

»Es ist schade«, sagte sie nach einer Weile, »dass du so denkst. Wirklich schade. Aber ich werde es bekommen. Ich bin bereit, einiges dafür zu tun, Sinclair.«

Darauf ging ich nicht ein, sondern fragte: »Können Sie mir sagen, wer Sie sind und woher Sie kommen? Sie kennen meinen Namen, und ich möchte gern den ihren erfahren, damit ich weiß, wer sich so sehr um mein Kreuz bemüht.«

»Du kennst mich nicht.«

»Klar.« Ich lachte noch und schaute dabei auf meine Füße. »Aber das kann ich ändern.«

»Wenn du mir das Kreuz überlässt.«

Tut mir nicht einmal leid. Ich kann es nicht. Und jetzt möchte ich auch meine Ruhe haben.«

Das musste sie begreifen. Ich wartete darauf, dass sie es tat und auflegte, aber sie dachte noch nicht daran. »Es ist schade, Sinclair, auch schade für dich. Aber ich werde es bekommen. Du hast keine Chance, keine.«

Es waren ihre letzten Worte. Bevor ich noch ein Wort sagen konnte, hatte sie aufgelegt. Die Leitung war und blieb stumm. Auch mir blieb nichts anderes übrig, als den Hörer auf den Apparat zu drücken.

Ich blieb nicht im Bett. In Gedanken versunken stand ich auf und ging in die Küche. Im Kühlschrank stand Wasser. Ich mixte Orangensaft hinein und trank einige Schlucke, wobei ich ins Leere schaute und die Stirn krauste.

Dieser Anruf, der wirklich kein Spaß war, hatte bei mir ein bedrückendes Gefühl hinterlassen. Ich war schon oft angerufen worden, auch wegen der unmöglichsten Themen und aus kaum verständlichen Gründen. Dass jedoch jemand mein Kreuz unbedingt leihweise in seinen Besitz bringen wollte, das irritierte mich schon und sorgte zugleich für eine innere Unruhe.

Ich machte mir natürlich Gedanken über die Gründe. Warum wollte jemand mein Kreuz in seinen Besitz bringen? Das war eigentlich verrückt, sah man es mit normalen Augen. Nur war mein Job nicht normal. Ich hatte mit der Unnormalität zu leben. Was andere Menschen für verrückt oder unnormal hielten, das gehörte bei mir zur Tagesordnung. Grundlos stellte man keine derartige Forderung an mich. Eine Bitte war es nicht. Die Unbekannte hatte mir praktisch keine Alternative gelassen.

Wozu brauchte sie das Kreuz?

Eine Antwort auf diese Frage zu finden, war nicht eben leicht. Natürlich fiel mir sofort der Begriff Schutz ein. Es würde sie schützen können, wenn ich es genau nahm. Aber es war auch in der Lage, andere zu vernichten. Keine Menschen, sondern Diener des Bösen. Dämonen und ihre Helfer. Das alles war mir bekannt, das würde auch die unbekannte Anruferin wissen. Ich konnte mir deshalb vorstellen, dass diese Person Probleme mit schwarzmagischen Mächten bekommen hatte und deshalb auf diese radikale Art und Weise vorging.

Wer und was steckte dahinter? Wer konnte diese Person sein? Auch ein Mensch, der Dämonen jagte so wie ich? Ein weiblicher Geisterjäger? Oder jemand, der sich einfach nur schützen wollte, weil er von schwarzmagischen Kräften attackiert worden war?

Da kam sicherlich so einiges zusammen, über das ich nur spekulieren konnte. Eine Lösung fand ich nicht. Höchstens Fragmente. So stand fest, dass diese Person sich vor dem Kreuz nicht zu fürchten brauchte. Es würde sie nicht zerstören und eher das Gegenteil bewirken. Sie wollte sich unter Umständen schützen. Sie hatte Feinde und sah nur die eine Möglichkeit.

Und sie kannte mich!

Ich aber kannte sie nicht!

Da gab es schon Probleme. Woher war sie so gut über mich informiert? Ich hatte ja eine Weile mit ihr gesprochen, doch mir war nichts klar geworden. Ihre Stimme war mir unbekannt. Auch jetzt, als ich noch immer darüber nachgrübelte, kam mir nicht in den Sinn, ob ich sie schon einmal gehört hatte.

Sie wusste viel über mich, ich nichts über sie. Aber sie war eine Person, die so leicht nicht aufgeben würde. Das hatte ich aus ihren Worten und aus dem Klang der Stimme herausgehört.

Als ich das Glas geleert hatte, löschte ich das Licht und ging wieder zurück zu meinem Bett. Eigentlich hatte ich um diese Zeit schon schlafen wollen, aber so schnell wurde daraus nichts. Ich musste immer wieder an den verdammten Anruf denken und hatte mit dem Schlafen so meine Schwierigkeiten.

Da wollte jemand mein Kreuz!

Der Gedanke quälte mich. Und mir war längst klar, dass sich dieser jemand nicht leicht würde abschütteln lassen.

Irgendwann in den Morgenstunden schlief ich doch ein. Aber eine ruhige Restnacht wurde es trotzdem nicht, denn der Anruf beschäftigte mich auch in meinen Träumen.

Ich sah eine Frau vor mir mit einem hässlichen, zerstörten Gesicht und blutigen Augen. In den Händen hielt diese Unperson mein Kreuz. Sie lachte dabei und schaute zu, wie es allmählich zuschmolz …

*

Auch die Dusche einige Stunden später machte mich nicht so richtig wach. Ich fühlte mich wie gerädert, als ich mich auszog und anschließend die erste Tasse Kaffee des Tages trank. Dazu aß ich ein Müsli und gönnte mir noch einen Schluck Vitaminsaft. Im Radio brachten sie Nachrichten, die wieder einmal bewiesen, wie wenig in Ordnung die Welt war.

Das konnte ich auch von meiner Berufswelt behaupten. Sie war ebenfalls nicht in Ordnung, weil immer wieder andere Mächte versuchten, diese Normalität zu zerstören.

Zum Glück hatte mich kein zweiter Anruf mehr geweckt. Ich wollte auch mit Suko darüber sprechen, falls er von seinem nächtlichen Einsatz wieder zurückgekehrt war.

Es hatte nichts mit unserem Job zu tun. Mein Freund hatte sich bereit erklärt einem seiner »Vettern« zu helfen, der in irgendwelchen Schwierigkeiten steckte. Worum es da genau ging, war mir nicht bekannt. Ich tippte auf Schutzgeld und hatte mich auch angeboten, ihm zu helfen, doch Suko hatte die Sache allein durchziehen wollen, da er sie noch als »Familienangelegenheit« betrachtete, und so hatte ich ihm seinen Willen gelassen. Auch Shao hatte daran nichts ändern können.

Das Müsli-Zeug schmeckte wie eine alte Pampe, aber was schmeckt schon, das gesund ist oder sein soll?

Das Telefon blieb stumm. Ich warf noch einen letzten Blick durch die Wohnung, bevor ich sie verließ.

Zum Lift ging ich noch nicht, sondern nach nebenan, wo Shao und Suko wohnten. Dort klingelte ich. Es dauerte etwas, bis Shao öffnete. Sie war noch müde, gähnte und hatte sich in einen grünen Morgenmantel gewickelt.

»Komm rein, John …«

»Eigentlich nicht. Ich wollte nur wissen, was mit Suko ist. Liegt er noch im Bett?«

»Das weiß ich nicht.«

»Wie?« Verwundert schüttelte ich den Kopf.

»Er ist noch nicht wieder hier.«

Ich runzelte die Stirn. Da Shao allerdings lächelte, brauchte ich nicht besorgt zu sein. »Suko hat vorhin schon angerufen. Er wird in zwei Stunden spätestens hier sein. Danach fährt er dann direkt ins Büro. Du kannst also beruhigt sein.«

»Das hatte ich mir auch gedacht. Er ist mit dem Rover unterwegs – oder?«

»Richtig.«

»Dann nehme ich die Bahn.«

»Tu das. Willst du nicht reinkommen und eine Tasse Tee trinken?«

»Nein, nein, danke. Einer muss ja die Stellung halten.«

Shao schlug die Hände zusammen. »Was bist du heute diensteifrig«, erwiderte sie lachend.

»Manchmal überkommt es mich eben. Und du kannst mir nicht sagen, was Suko aus dem Haus getrieben hat?«

Sie lächelte. »Nein, nicht direkt. Auch mich hat er nicht so eingeweiht, wie ich es mir gewünscht hätte. Es kann sein, dass jemand erpresst worden ist und er ihm zur Seite stehen wollte. Jedenfalls hat er die Nacht überstanden.«

»Okay, dann werde ich mich mal zurückziehen. Grüß ihn, wenn er kommt und sag ihm, dass ich ihn im Büro sehnlichst erwarte.«

Shao dachte sofort einen Schritt weiter. »Gibt es vielleicht Probleme, John?«

»Momentan nicht. Die könnten sich allerdings ergeben, wenn ich nicht aufpasse.«

Sie wollte noch mehr wissen, aber ich zog mich bereits zurück und ging auf den Lift zu. Die Fahrt zum Dienst mit der U-Bahn war mir nicht neu. Außerdem kam ich immer besser durch als mit dem Wagen, denn Morgens ist auf den Straßen Londons immer die Hölle los. Ich hatte es auch nicht weit bis zu einer Station.

Das Wetter hätte frühlingshaft sein sollen, doch der April machte seinem Namen wieder mal alle Ehre. Er war zu kalt. Er brachte den frischen Wind aus Nord mit, der sich auf der Haut verdammt kalt anfühlte. Der Himmel war nicht nur von dicken, weißen Wolken bedeckt, zwischendurch zeigte er helle, blaue Flecken. Dann schien die Sonne im knalligen Gelb und blendete mich. Im Westen hatte sich eine breite, graue Wand aufgebaut. Da kam ein Wetter, das man am liebsten vergaß. Im Wetterbericht waren sogar Gewitter angesagt worden. Eben ein typischer Aprilwechsel.

Im Schacht der U-Bahn war es recht eng und auch wärmer. Die Menschen drängten sich auf den Bahnsteigen und warteten auf die Schlangen aus Metall. Ständig fuhren Züge ein und ab. Sie spien nur wenige Menschen aus, saugten die meisten in sich hinein wie in die Kammern eines gefräßigen Bauchs.

Ich stand mit den anderen zusammen in der Menschentraube. Jung und Alt waren vertreten. Manche lasen schon jetzt die Zeitung, andere unterhielten sich in unterschiedlichen Lautstärken, und ich beschäftigte mich gedanklich noch immer mit dem Anruf.