John Sinclair 1159 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair 1159 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!

Mörderische Nixenwelt (2. Teil).

Harry Stahl und ich waren gewarnt worden, aber für uns gab es keine andere Möglichkeit, wenn wir diesen rätselhaften Fall überhaupt aufklären wollten.

Wir mussten in den Sumpf!

Genau das war der Weg ins Verderben, denn dort gerieten wir in die mörderische Nixenwelt.

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Seitenzahl: 142

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumMörderische Nixenwelt (2. Teil)Vorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Mörderische Nixenwelt (2. Teil)

Harry Stahl und ich waren gewarnt worden, aber für uns gab es keine andere Möglichkeit, wenn wir diesen rätselhaften Fall überhaupt aufklären wollten.

Wir mussten in den Sumpf!

Genau das war der Weg ins Verderben, denn dort gerieten wir in die mörderische Nixenwelt.

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-3892-5

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

MörderischeNixenwelt (2. Teil)

Ich war fast chancenlos!

Drei dieser dünnen, aber unglaublich zähen Lianen hatten mich schon erwischt. Eine hatte sich wie ein Galgenstrick um meinen Hals geschlungen, die beiden anderen hatten sich um meine Handgelenke gekrallt und meine Arme auseinander gezogen, sodass ich mir wie eine auf dem Fleck stehende Vogelscheuche vorkam, die ein Feld bewachen musste.

Es gab noch eine vierte Liane, und die pendelte vor meiner Brust. Zum Zustoßen bereit …

Ich wusste nur, dass auch die vierte Liane sich – so wie die drei anderen – aus dem Gebälk des dunklen Speichers über mir gelöst hatte. Wer dort hockte und aus dieser sicheren Deckung dirigierte und handelte, war mir unbekannt. Ich konnte auch nicht mehr hineinleuchten. Meine kleine Lampe lag ebenso auf dem schmutzigen Speicherboden wie die Beretta. Da hatte mein Gegner schon ganze Arbeit geleistet.

Der Speicher des Hauses war eine dunkle und eine fast vergessene Welt. So erschien sie mir, obgleich sie zu einem normalen Haus gehörte, das in einem normalen Dorf stand, in dem das Grauen allerdings mit einer wahren Urgewalt hineingebrochen war, von den meisten Dorfbewohnern erst jetzt bemerkt, denn außen vor dem Fenster hatte ein Toter gehangen.1

Er war aufgehängt worden. Ich war dem Mörder auf der Spur und hatte deshalb den Speicher betreten. Das hatte mich in diese verdammte Lage gebracht.

Ich brauchte nicht noch weiter an das Schicksal des Gehängten zu denken. Die um meinen Hals zusammengedrückte Schlinge erinnerte mich permanent daran, und jetzt pendelte noch die vierte Liane vor mir. Der Feind wollte wohl auf Nummer Sicher gehen.

Warum sie noch nicht zugestoßen hatte, war mir unklar. Möglicherweise suchte sie sich einen bestimmten Punkt an meinem Körper aus. Vielleicht auch das Herz, in das sie sich hineinbohren konnte.

Pendeln, zittern, abwarten. Da ging eins in das andere über. Ich hatte sie bisher im Blick behalten. Jetzt verdrehte ich meine Augen, um nach oben zu schauen. Ich wollte endlich wissen, wer sich in diesem verdammten Gebälk verbarg. War es ein Mensch, war es ein Monster? Da gab es zahlreiche Möglichkeiten, aber die Dunkelheit war einfach zu dicht. Ich hatte nur eine schnelle Bewegung gesehen, aber nicht ausmachen können, wer sie verursacht hatte.

Es gab auch keine Stimme. Kein Atmen – auch kein Keuchen, nur die plötzliche Reaktion.

Da schnellte diese dünne Liane vor. Ihr Ziel war meine Brust, und die traf sie auch. Deutlich nahm ich den Stoß wahr. Praktisch zwischen meinen Brustwarzen. Ich zuckte zusammen und erwartete, dass sich dieses tentakelhafte Etwas festbiss.

Es trat nicht ein!

Ich erlebte auch nur diese kurze Berührung. Sie war fast mit einem Antippen zu vergleichen, dann erhielt die verdammte Liane einen Schlag, der sie nach oben driftete.

Sie wirbelte dabei zurück. Sie rollte sich auf. Ich hörte ein zischendes Geräusch. Dabei auch den Schrei aus der Dunkelheit des Gebälks und merkte, dass sich auch die drei anderen Lianen bewegten. Sie ließen mich noch nicht los, sie zitterten weiter, doch über mir veränderten sich die Laute.

Dem Schrei folgte ein Stöhnen. Jetzt fielen mir auch in der Dunkelheit die wilden Bewegungen auf, und einen Moment später löste sich der Körper aus dem Versteck.

Ich hatte meinen Gegner eigentlich dort wegholen wollen. Das war nicht mehr nötig. Der Körper drehte sich aus dem Gebälk weg und fiel dem Speicherboden entgegen.

Mit einem dumpfen Laut schlug er vor meinen Füßen auf. Er war aus dem Dunkel in die schattige Zone hineingefallen, und ich bekam ihn zum ersten Mal richtig zu Gesicht.

Es war eine Frau!

Irgendwie schon eine mehr als besondere Person. Das lag nicht allein an den ungewöhnlichen Tentakeln, ich hörte auch keinen Schmerzensschrei. Sie war gefallen, sie lag vor mir, sie zuckte, und auch die langen Fäden an meinem Körper zuckten.

Ich spürte es jetzt überdeutlich, und ich erlebte, wie sie sich schlagartig zurückzogen. Es ging wirklich blitzschnell. Ich war den Druck plötzlich los. Die Tentakel peitschten noch über den Boden hinweg und wurden vom Körper der Person angezogen. Sie verschwanden dabei in den kleinen Öffnungen.

Allerdings nur drei.

Die Vierte nicht!

Es war die Letzte dieser Lianen gewesen, und sie erforderte meine gesamte Aufmerksamkeit, weil sie dabei war, sich zu verändern. Sie hatte mich an der Brust getroffen, aber nicht nur sie er wischt, sondern vor allen Dingen mein Kreuz.

Jetzt lag sie am Boden. Sie zuckte. Sie schien dabei zusammenzuschmelzen. Sie wurde grauer, sie kam mir plötzlich brüchig vor, und ich kannte auch den Grund.

Sie musste Kontakt mit dem Kreuz gehabt haben. Das hatte sie und die anderen geschwächt und mich letztlich gerettet.

Zum Jubeln war mir nicht zu Mute, aber mir erging es schon viel besser. Jetzt konnte ich mich wehren und auch wieder normal einatmen.

Ich kannte die Person vor mir nicht. Doch ich hatte mit dem ersten Blick erkannt, dass sie keinen Fetzen Kleidung am Körper trug. Sie war so nackt wie man sie erschaffen hatte. Dunkle Haare, funkelnde Augen. Sie sah aus wie ein Mensch, aber sie zeigte sich schon verändert.

Ich wollte mich bücken, um nach der Beretta zu greifen. Noch hatte ich eine Chance, aber diesmal hatte ich die Rechnung ohne den Wirt oder die Wirtin gemacht.

Die Frau griff mich an und prallte aus dem Stand heraus gegen mich. Ihr Körper war nicht leicht. Er erwischte mich noch in der gebückten Haltung und warf mich einfach um.

Ich landete auf dem Rücken, war aber gelenkig genug, um den Schwung auszunutzen. Durch die Rolle rückwärts war ich schnell wieder auf den Beinen. Ich rechnete eigentlich damit, dass die Person meine Beretta an sich nehmen wollte, da hatte ich mich geirrt. Sie wollte den direkten Kampf ohne fremde Waffen.

Wieder prallten wir zusammen. Diesmal war ich vorbereitet gewesen. Ich hielt dem Stoß nicht nur stand, es gelang mir auch, meine Arme um den Körper der Person zu klammern und sie festzuhalten. Die Haut war so glatt, als wäre sie mit Öl eingerieben worden, aber auch irgendwie verdammt zäh und fest. Es gelang mir kaum, die nackte Person zu halten. Zudem bewegte sie sich in meinem Griff. Der Kopf zuckte ebenfalls hin und her, sodass ihr Gesicht vor mir tanzte und ich nie die Chance erhielt, es etwas länger betrachten zu können.

Ich war nicht allein in diesem Dorf und Brandenburg. Harry Stahl hatte mich geholt. Und er hatte mir auch eine junge Frau beschrieben, die seit der letzten Nacht auf rätselhafte Art und Weise verschwunden war. Hier oben auf dem Speicher herrschte alles andere als strahlender Sonnenschein, aber das Gesicht war trotzdem recht gut zu erkennen. Wenn mich nicht alles täuschte, dann war die Person vor mir die verschwundene junge Frau.

Sie hatte den Mund weit geöffnet. Ich blickte nicht auf irgendwelche Vampirzähne, aber in den Augen lag ein ungewöhnliches Licht oder ein befremdlicher Farbglanz. Da schimmerten die Augen in mehreren Farben. Sie sahen grünlich aus, mal violett, auch türkis. Das alles mischte sich zusammen.

Und ich entdeckte auch die kleinen Mulden am Körper. Es waren möglicherweise auch die Öffnungen, aus denen sich die verdammten Tentakel gelöst hatten. Jetzt allerdings waren sie zugezogen, und die vierte Liane lag vertrocknet am Boden.

Sie wollte nicht aufgeben. Drehte sich in meinem Griff. Durch die Glätte des Körpers war es mir fast unmöglich, sie länger zu halten. So tat ich das einzig Richtige.

Ich winkelte das rechte Bein an – den Platz hatte ich – und stieß das Knie dann vor.

Es bohrte sich in den Körper der Frau. Gleichzeitig ließ ich sie los.

Die Wucht war so stark, dass sie nach hinten taumelte und sich so schnell auch nicht fangen konnte. Sie glitt unter die Schräge des Gebälks, wo allerlei Gerümpel seinen Platz gefunden hatte. Dort krachte sie zwischen die Kartons und Holzstücke.

Ich hatte freie Bahn.

Diesmal störte mich keiner, als ich die Beretta anhob und die kleine Lampe ebenfalls. Auf sie wollte ich nicht verzichten. Die Bewegung der Frau sah ich nur undeutlich. Es wurde besser, als ich ihr den dünnen Lampenstrahl entgegenschickte.

Sie war damit beschäftigt, sich zu befreien. Halt fand sie an der Rückseite und konnte auch ihre Füße gegen den Boden stemmen. So war es leicht für sie, auf die Beine zu kommen.

Leicht schwankend blieb sie stehen, auch etwas irritiert und leicht geblendet durch das Licht meiner Lampe, das haargenau ihr Gesicht erwischte.

Die dunkelhaarige Frau stand geduckt vor mir. Es passte ihr nicht, dass ich sie anleuchtete. Immer wieder bewegte sie dabei den Kopf, um mich auf keinen Fall anschauen zu müssen.

Es machte mir nichts. Der kleine Kreis der Lampe verfolgte ihre Bewegungen. Ich wollte sie einfach deutlicher sehen. Ihre glatte Haut zeigte noch eine Besonderheit.

Waren es Schuppen?

Kleine Teile, die auch zu Fischen gepasst hätten und sich nun auf der Haut verteilten?

Es war alles möglich. Allerdings gaben sie nicht den ungewöhnlichen Glanz ab wie die Augen, in denen das farbliche Schillern geblieben war.

Sie tat nichts, und ich tat ebenfalls nichts. Ich hielt sie mit der Beretta in Schach und achtete dabei auf jede ihrer Bewegungen. Dabei glaubte ich nicht mehr daran, dass sie mich noch einmal mit ihren Tentakeln angriff.

Sie wirkte nicht aggressiv. Eher wie jemand, der in der Falle steckte und nun versuchte, einen Ausweg zu finden.

Davor stand die Mündung meiner Waffe. Wenn sie noch menschliche Eigenschaften hatte, dann musste sie mich verstehen. Meine Gestik und auch die anschließenden Worte.

»Okay«, sagte ich mit leiser Stimme, aber gut verständlich. »Die Vorzeichen haben sich geändert. Ich bin am Drücker. Und ich weiß, dass wir nicht gerade Freunde sind. Trotzdem will ich dir helfen. Wer bist du? Wo kommst du her?«

Ob sie mich verstanden hatte, gab sie nicht bekannt. Sie hob nur die Schultern etwas an wie jemand, der plötzlich friert. In ihrem Gesicht zuckten die Lippen, die ebenfalls eine andere Farbe besaßen als die eines Menschen. Sie waren dunkler und zeigten einen leicht öligen Glanz.

»Bist du Maja Illig?« So hieß die junge Frau, die in der letzten Nacht verschwunden war.

Sie schüttelte sich. Dabei bewegte sie unruhig die nackten Füße und hinterließ auf dem Boden eine feuchte Spur.

»Gib Antwort! Ich bin nicht gekommen, um dich zu töten. Ich will dir helfen.« Das war ehrlich gemeint, obwohl sie für mich eine Mörderin war, denn keine andere als sie konnte den Mann umgebracht haben, der aus dem Fenster an der Frontseite des Hauses gehangen hatte. Für mich war sie ein Opfer und eine Veränderte. Ich wollte an diejenigen heran, die dafür verantwortlich waren.

»Kannst du oder willst du nicht reden?«

Sie schwieg weiter. Sie starrte mich nur an. Ihr Blick war dabei auf einen Punkt meines Körpers fixiert. Das war die Stelle an der Brust. Dort hatte mich der letzte Tentakel erwischt und war zurückgezuckt, bevor er verfault war. Ich fand jetzt die Zeit, darüber nachzudenken. Es gab nur einen Schluss. Die Spitze musste das Kreuz gespürt haben.

Ich hatte es hier nicht mehr mit einem normalen Menschen zu tun. Es war jemand gelungen, diese Frau zu beeinflussen. Bisher kam für mich nur der rätselhafte Fremde in Betracht, den Harry Stahl als eine Kreatur der Finsternis identifiziert hatte.

Ob sie nun antwortete oder nicht, ich wollte meinen eigenen Weg gehen und sie nicht mehr loslassen. Diese junge Frau war für mich wie ein Pfand. Sie würde mich zu dem oder den anderen führen.

»Aber du kannst mich verstehen?«, fragte ich leise.

Die Frage war so neutral gestellt, dass sie nickte. So hatte ich einen ersten Erfolg errungen.

»Das ist gut«, gab ich lächelnd zu. »Ich mach dir einen Vorschlag. Wir beiden werden es schaffen, das Haus ungesehen zu verlassen. Wir gehen ganz woanders hin, und dort wirst du mir erzählen, was mit dir geschehen ist. Klar?«

Der Vorschlag gefiel ihr nicht. Sie hatte Angst. Das erkannte ich sehr deutlich. Sie zog ihre Schultern hoch, und sie schaute sich dabei um wie jemand, der nach versteckten Feinden sucht. Es gab hier oben keine anderen mehr. Sie verdrehte die Augen und legte den Kopf in den Nacken, aber es war ihr nicht möglich, die Dunkelheit über ihrem Kopf mit den Blicken zu durchdringen. Dort war es einfach zu finster. Selbst die Balken waren kaum zu sehen.

»Du musst dich entscheiden!«

Sie streckte die Finger aus. Mit ihren Händen strich sie über den nackten Körper hinweg, als wollte sie dabei jede einzelne Schuppe streicheln.

Ich wusste nicht, ob sie unsicher war oder unter großer Angst litt. Da konnte beides zutreffen. Ich wollte mich zudem nicht mehr lange mit ihr aufhalten. Wenn sie nicht freiwillig mitkam, musste ich eben andere Saiten aufziehen.

»Es tut mir leid«, sagte ich nach einem tiefen Atemzug und machte einen Schritt auf sie zu. Ich hatte mir alles zuvor ausgerechnet und rechnete auch nicht mit irgendwelchen Schwierigkeiten, aber es geht nicht immer alles glatt im Leben.

Plötzlich hörte ich den Schrei und sofort danach auch den Schuss. Beides war hier im Haus aufgeklungen …

*

»Da bist du ja wieder …«

Diese Worte klangen in Harrys Ohr nach und hatten ihn erstarren lassen. Er hatte dabei das Gefühl, dass alles in seinem Innern zu Eis wurde, aber auch die Haut auf seinem Körper.

Er kannte die Stimme.

Er kannte auch den Mann, der hinter ihm stand. Einmal hatte Harry Stahl ihn erlebt. Am letzten Tag im Zimmer der Pension, in dem er den Mörder gestellt hatte. Einen vierfachen Killer, der sich mit demjenigen getroffen hatte, der hinter Harry stand, und der für ihn eine Kreatur der Finsternis war. Aus diesem Grunde hatte er auch seinen Freund John Sinclair alarmiert.

Harry wusste genau, dass ihm die Gestalt überlegen war. Als Mensch kam er gegen ein derartiges Wesen nicht an. Er hatte es schon erlebt, und Harry erinnerte sich noch verdammt genau daran, dass sein Leben praktisch in der Hand des Anderen gelegen hatte. Er hätte ihn leicht umbringen können, denn Harry war bereits durch ihn außer Gefecht gesetzt worden. Aber er lebte noch, und das hatte er der hinter ihm stehenden Kreatur zu verdanken. Nur war er bestimmt nicht aus Menschenfreundlichkeit am Leben gelassen worden. Da spielten sicherlich andere Dinge eine große Rolle. Wahrscheinlich hatte das nicht in den Plan des Fremden hineingepasst. Ob das jetzt noch so war, wagte Harry zu bezweifeln.

Während dieser Gedanken suchte er nach einem Ausweg. Er war in einen Widerstreit der Gefühle hineingeraten. Das »Eis« taute in seinem Körper und schuf den Hitzewellen Platz, die ihn durchrasten.

Harry stand am unteren Ende der Treppe. Er schaute die Stufen hoch. Er hatte von oben etwas gehört. Die Treppe endete dort, wo der Speicher begann. Genau dort vermutete Harry seinen Freund John Sinclair.

Der Weg nach oben war frei. Er sah dort auch den Lichtschein, der sich allerdings nicht bewegte. Er hatte Geräusche gehört – und zuckte jetzt zusammen, als er weitere vernahm. Diesmal waren sie lauter. Ein Aufprall, vermischt mit einem leisen Schrei. Es konnte der Schrei einer Frau gewesen sein.

Eigentlich hatte Harry Stahl das Haus betreten, um seinem Freund John Sinclair zu Hilfe zu kommen. Das war nicht mehr so schnell möglich. Jetzt wies alles darauf hin, dass er selbst Hilfe brauchte. Er merkte, wie er noch immer fror, aber auch schwitzte, denn das Wechselspiel in seinem Körper hatte nicht nachgelassen.

Wie weit der Fremde von ihm wegstand, konnte er nicht sagen. Er dachte nur an dessen Gesicht, das irgendwie zweigeteilt war, übereinander geschoben, das aussah wie ein Hologramm, und er dachte natürlich an die lange Zunge, die aus dem Mund geschnellt war und sein rechtes Handgelenk umklammert hatte. So war es Harry unmöglich gewesen, seine Waffe einzusetzen.

Und jetzt?

Er trug sie bei sich.

Es war eine Walther, und ihr Magazin war mit normalen Kugeln geladen; nicht mit den geweihten aus Silber. Zwar halfen sie nicht hundertprozentig gegen die Kreaturen der Finsternis, doch Harry hätte schon auf eine gewisse Schwächung gehofft.

Was kann ich tun?