John Sinclair 1161 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair 1161 E-Book

Jason Dark

0,0
1,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.
Mehr erfahren.
Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!

Der Keim des Bösen (1. Teil).

Sie war schön. Sie war sogar teuflisch schön. Sie war wie ein Magnet, der Menschen in seinen Bann zog. Sie hieß Lukretia!

Ein Name, der passte. Als Botin war sie ausgesucht und in die Welt geschickt worden. Denn in Lukretia steckte der Keim des Bösen.

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 142

Veröffentlichungsjahr: 2015

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumDer Keim des Bösen (1. Teil)Vorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Der Keim des Bösen (1. Teil)

Sie war schön. Sie war sogar teuflisch schön. Sie war wie ein Magnet, der Menschen in seinen Bann zog. Sie hieß Lukretia!

Ein Name, der passte. Als Botin war sie ausgesucht und in die Welt geschickt worden. Denn in Lukretia steckte der Keim des Bösen.

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-3894-9

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Der Keim des Bösen (1. Teil)

Zuerst sah Phil Harper nur ihre Brüste!

Sie waren einfach perfekt. So üppig und trotzdem fest. Ein Traum, dem fast jeder Mann nachhing.

Und er allein bekam ihn geboten. Kaum zu fassen. Dazu noch in diesem schäbigen Motelzimmer, durch dessen Wände das Rauschen des Verkehrs wie ein nie abreißender Strom drang.

Harper hatte nicht gesehen, wie die Person die Tür geöffnet und das Zimmer betreten hatte. Er war auch leicht eingeschlafen. Es konnte sogar sein, dass er von ihr geträumt hatte, denn diese Begegnung war nicht die Erste zwischen den beiden gewesen.

Vor knapp zwei Stunden hatte er sie schon einmal gesehen. In dem Restaurant, das zum Motel zählte. Mehr eine Kantine mit Selbstbedienung. Da war sie plötzlich aufgetaucht und hatte sich an den Nebentisch gesetzt.

Groß, hellblond, schon silbrig die Mähne, bekleidet mit einem hellen ärmellosen, bauchnabelfreien Shirt und einer schwarzen, sehr eng sitzenden Hose aus Leder. Sie hatte ihm kurz zugelächelt und sich dann mit ihrem Sandwich beschäftigt, über das sie sich später – es war schon zur Hälfte gegessen worden – beschwert hatte.

Natürlich hatte Phil ihr zugestimmt, obwohl er kein Sandwich gegessen hatte. Einer derartigen Person würde er nie Widerspruch entgegensetzen, höchstens in einem Extremfall.

Sie hatte ihn dann angelächelt. Er war aufgestanden, um sich eine Flasche Whisky zu kaufen. Er wollte sie mit auf sein Zimmer nehmen. Ein Schluck vor dem Schlafengehen konnte nicht schaden. Vielleicht würde er dann von einer Frau wie der Silberblonden träumen.

Ihr Lächeln war geblieben. Phil hatte es als Aufforderung wahrgenommen, um mit ihr ins Gespräch zu kommen. Gern wäre er einen Tisch weiter gegangen und hätte sich neben sie gesetzt. Das allerdings hatte er sich nicht getraut.

Sie hatte ihm erzählt, dass sie unterwegs war, und Phil hatte sich sogar getraut, sie nach dem Ziel zu fragen.

»Irgendwohin«, hatte ihre Antwort gelautet, und sie hatte wieder so kindhaft gelächelt, wobei sie ihm einen Schmollmund präsentiert hatte. Diese Person war eine Femme fatale, noch jung und trotzdem verdammt reif. Etwas, das man pflücken konnte.

Er hatte nur die Schultern gehoben und sich dabei über sein rotes Gesicht und den zugleich trockenen Hals geärgert.

»Man ist ja immer auf der Suche«, hatte sie gesagt. »Immer, verstehen Sie?«

Er verstand nicht und nickte trotzdem.

»Manchmal hat man Glück.«

»Klar, eben.« Wieder war es eine so dumme Antwort gewesen.

Sie hatte weiter gelächelt und durch ihre silberblonden Locken gestrichen. »Sie übernachten hier?«

Nach dieser Frage war ihm das Blut noch stärker in den Kopf geschossen. »Ja, das hatte ich vor. Ich habe Termine morgen und muss einfach etwas Ruhe finden.«

»Sie sind beruflich unterwegs?«

»Leider.«

»Was machen Sie?«

»Ich vertrete mehrere Verlage. Zeitschriften und so. Das ist oft ein Knochenjob.«

Sie schaute ihn direkt an. Er sah, dass sie helle Augen hatte. Grau, blau und grün. Da vereinigten sich die drei Farben zu seltsam klaren Pupillen. »Man bekommt heute nichts geschenkt.«

»Da haben Sie Recht.« Er wischte an seiner Hose den Schweiß von der rechten Handfläche weg. Jetzt wollte er sie fragen, musste aber noch eine innere Hürde überspringen. »Und was treiben Sie so?« Blöde Formulierung, aber sie nahm sie nicht übel, denn sie lächelte.

»Nun ja, ich bin unterwegs. Schaue mich um. Suche nach interessanten Leuten.«

»Ah so, klar. Kann man so sehen.« Harper wusste nicht, was sie damit meinte. Er nahm es nur hin und bedauerte, dass er nicht zu den interessanten Leuten gehörte. Er war Durchschnitt. In allem. Für ihn würde sich eine solche Frau bestimmt nicht interessieren. Die war etwas anderes gewöhnt. Eine wie sie konnte einfach jeden haben – jeden.

Trotzdem behielt sie ihr Lächeln bei. Er war plötzlich für sie interessant geworden, was ihn wunderte. Dabei hockten nicht weit entfernt zwei Typen an einem Tisch, die besser zu ihr gepasst hätten. Jung, durchtrainiert und cool. Aber die beiden schauten nicht einmal zu ihr, und sie auch nicht zu ihnen.

Verkehrte Welt, dachte Harper und blickte auf seine Whiskyflasche, die auf dem Tisch stand. Mit der rechten Hand hielt er sich daran fest, als suchte er Unterstützung.

»Wollen Sie sich auf dem Zimmer noch einen Schlaftrunk gönnen?«, fragte sie plötzlich.

Er wurde wieder rot. Erwischt! Suchte nach einer Ausrede, dachte daran, die Flasche als Geschenk zu deklarieren, aber ihr Lachen sorgte dafür, dass er nichts sagen konnte.

»Das ist gut. Auch ich trinke gern Whisky.«

»Ach! Tatsächlich?«

»Klar.« Sie schaute ihn funkelnd an. Genau dieser Blick war es, der mehr sagte als viele Worte. Er war das, was man eine Aufforderung nennt. Und durch Harpers Kopf rasten die Gedanken. Er fragte sich, ob er tatsächlich über seinen eigenen Schatten springen sollte, nahm zweimal Anlauf und erkannte, dass sich ihr Blick nicht verändert hatte.

»Wenn das – ähm – wenn das so ist, dann könnten wir die Flasche ja gemeinsam leeren.«

»Wunderbar. Dagegen habe ich nichts.«

Phil stieß die Luft aus. Die Antwort musste er zunächst mal verdauen. Er leckte über seine spröden Lippen. Auch die Kehle war trocken geworden. Auf dem Tisch stand noch das Bier. Im Glas befand sich ein schaler Rest, den er hastig austrank.

»Wenn Sie nicht wollen, dann …«

»Doch, doch. Und wie ich will. Selbstverständlich. Das ist einfach. Ich meine …«, er lachte. »Ich meine, es kommt für mich ein wenig überraschend.«

Sie zuckte mit den Schultern. »Ich bin eben immer für Überraschungen gut.«

»Ja, das glaube ich jetzt auch.« Phil blies die Luft aus. »Ähm, wann würden Sie denn kommen?«

»Noch nicht sofort. In zwei Stunden vielleicht?«

»Wäre mir recht. Ja.«

»Wunderbar.« Sie strich die Haare zurück und erhob sich. Er sah die langen Beine unter der dünnen Lederhaut der Hose. Sie saß so verdammt eng, dass sich Phil fragte, ob sie überhaupt einen Slip darunter trug.

»Welche Zimmernummer?«

Harper überlegte. Verdammt, sie fiel ihm nicht ein. Erst nach einer Weile des Nachdenkens flüsterte er: »Nummer elf.«

»Werde ich finden.« Sie war an seinem Tisch stehen geblieben und beugte sich leicht zu ihm herab. Harper wusste nicht, wohin er zuerst schauen sollte. Auf das Gesicht oder auf ihre Brüste, und dann konzentrierte er sich auf ihre Stimme.

»Ich heiße Lukretia.«

Himmel, welch ein Name. Er verband irgendetwas damit, ohne sagen zu können, was.

»Wie heißt du?«

»Phil.«

»Bis später, Phil.« Sie drehte sich um und schritt auf den Ausgang zu.

Harper starrte ihr nach und musste zugeben, dass der Körper auch an der hinteren Seite perfekt gebaut war. Für ihn war es unglaublich, dass so etwas wie diese Frau in einem Motel herumlief, das man als billig und beinahe schon schäbig bezeichnen konnte. Jemand wie diese Lukretia gehörte woanders hin. In die Welt des Glamours, der Mode, des Films. Einfach in die Hochglanzmagazine.

Aber hier? Und dann hatte sie ihn angesprochen und nicht umgekehrt. War alles ein Traum gewesen? Mit zitternder Hand wischte er über seine Augen, ließ dann die Hand wieder sinken und schaute der Traumfrau nach.

Sie war nicht mehr da. Nur die Tür, durch die sie verschwunden war, bewegte sich noch leicht.

Pfeifend stieß er die Luft aus. Obwohl er saß, spürte er den leichten Schwindel. Verdammt, er war lange genug im Job, aber so etwas war ihm noch nie passiert.

Er setzte sich wieder anders hin und konnte jetzt in das Lokal hineinschauen. Er sah die Theke vor sich, hinter der eine ältere Frau im weißen Kittel stand und den Rest der Speisen wegräumte. Die beiden coolen Typen saßen noch immer zusammen und warfen ihm keinen Blick zu.

Das war gut. Vielleicht hatten sie nichts bemerkt, was noch besser gewesen wäre.

Phil Harper stand auf. Seine Knie zitterten. Er fühlte sich wie ein junger Bursche, der kurz vor seinem ersten Liebeserlebnis stand. Und das passierte ihm, einem 45-Jährigen. Auch sein Herz klopfte stärker als gewöhnlich, und sogar eine leichte Gänsehaut hatte sich auf seinem Körper gebildet.

Harper umfasste die Flasche wie einen Rettungspfahl, bevor er sich in Bewegung setzte und auf den Ausgang zusteuerte. Sein Blick war starr. Er kam sich vor, wie auf Watte gehend.

Vom Lokal her führte eine Tür in den Trakt des flachen Gebäudes, in dem auch die Zimmer lagen. Er ging durch einen schwach beleuchteten Gang, in dem es nach Friteusenfett roch.

Das Herz schlug auch jetzt schneller als gewöhnlich. Sogar bis unter seine Stirn merkte er die Schläge und kam erst wieder zu sich, als er sich im Zimmer in die schmale Duschkabine gedrängt hatte.

Dann begann er zu lachen. Er nahm es als Spaß auf. Was hätte sie schon von ihm gewollt? Nichts. Er konnte sie nicht bezahlen. Sie war edel, und keine billige Nutte von der Straßenecke.

Mit dem kratzigen Handtuch trocknete er sich ab und streifte die Hose des Schlafanzuges über. Nur damit bekleidet setzte er sich ins Bett. Er schob das Kissen in den Rücken, um hoch sitzen zu können. Aus dieser Positon konnte er dann auf den Fernseher schauen. Die Flasche hatte er mit ins Bett genommen.

Er drehte sie auf und trank einen Schluck. Der scharfe Alkohol rann in seinen Magen hinein und verteilte sich dort wie Feuer.

In der Glotze lief irgendein Programm, das er zwar sah, gedanklich aber nicht mitbekam. Es war ihm auch egal. Seine Gedanken drehten sich ausschließlich um diese blonde Traumfrau, die ihm einfach nicht aus dem Kopf wollte.

Spaß oder Ernst?

Harper wusste es nicht. Er trank automatisch und mehr als er wollte, sodass es kam wie es kommen musste.

Er sackte weg und schlief ein.

Und dann war sie doch gekommen. Einfach so. Und es war kein Traum. Sie stand im Zimmer, sie zeigte sich ihm und geriet dabei in den Schein einer kleinen Leuchte, die in einem Wandregal stand.

Es war ein Auftritt wie aus einer anderen Welt. Harper rieb sich über die Augen. Er konnte noch immer nicht fassen, was ihm da geboten wurde, denn diese Frau war für ihn die Fleisch gewordene Sünde.

Sie sah auch nicht mehr so aus wie im Lokal. Sie war fast nackt. Nur um ihre Hüften hing ein schmaler Gürtel, an dem ein längeres Tuch befestigt war, das zwischen ihren Beinen herabhing.

Sie hatte die Hälfte der Strecke zwischen Tür und Bett zurückgelegt, als sie stehen blieb. Sie wollte, dass er sie betrachtete, und Harper kostete es Überwindung, eine Frage zu stellen, auch wenn sie nur aus einem Wort bestand.

»Lukretia?«

»Ja, ich bin es.«

»Das ist verrückt.«

»Wieso?«

»Weiß ich nicht. Aber …«

»Hatte ich es dir nicht versprochen?«

»Ja, schon.«

»Du siehst, ich habe mein Versprechen gehalten.« Sie stemmte die Hände der gespreizten und angewinkelten Arme in die Hüften und drehte sich auf der Stelle, um sich zu präsentieren. Er sollte alles von ihr sehen. In diesem nicht eben grellen Licht strahlte sie eine wahnsinnige Erotik aus, die dem Mann beinahe den Verstand raubte.

Er wollte etwas sagen. Wieder fiel ihm nur eine dumme Floskel ein. »Möchtest du einen Schluck?«

»Danke, Phil. Später vielleicht. Zunächst einmal komme ich zu dir. Oder hast du etwas dagegen?«

Er bekam wieder einen roten Kopf. »Nein, nein, was sollte ich denn dagegen haben? Auf keinen Fall. Ich … ich … bitte dich. Nur bin ich noch immer überrascht, weißt du …«

»Oh, das tut mir leid. Oder magst du keine schönen Frauen?«

Er lachte scharf auf. »So ist das nicht, beileibe nicht. Klar, ich mag Frauen …«

»Eben.«

Sie kam tatsächlich auf ihn zu. Es war auch nicht weit. Alles rückte in diesem kleinen Zimmer dicht zusammen. Als sie zum ersten Mal am Fußende über das Bett strich, da hatte er das Gefühl, sie wollte die Bettdecke in Brand setzen, so heiß wurde es ihm plötzlich.

Lukretia ließ sich darauf nieder. Wieder lächelte sie ihn an. Sie hatte den Mund geöffnet, sie zeigte ihre Zunge und machte ihm klar, was sie von ihm wollte.

Aber sie blieb noch auf Distanz. Bisher hatte er ihren perfekt gebauten Körper nicht einmal berührt. Lukretia dachte da anders. Sie strich mit beiden Händen über seine Beine hinweg, und der Mann hatte das Gefühl, von kleinen Stromstößen erwischt worden zu sein. Zuerst das Kribbeln, dann die Gänsehaut, und er saugte scharf den Atem ein.

Lukretia ließ ihn nicht aus dem Blick. Ihre Augen saugten sich an seinem Gesicht fest, als wollten sie seine intimsten Gedanken erraten, was sie sogar schaffte, denn sie flüsterte: »Ich weiß, dass du mich willst. Aber du traust dich nicht. Du hast Angst davor, dass du nicht gut genug bist. Ist das so?«

»Ja, verdammt.«

»Du brauchst keine Angst zu haben. Überhaupt nicht, mein Lieber. Es wird alles ganz normal laufen und so, wie ich es mir vorgestellt habe. Wirklich, Phil. Entspann dich. Beruhige dich. Sei locker. Dann wirst du deinen Himmel erleben.«

Er konnte nicht sprechen. Die Worte waren bei ihm auf fruchtbaren Boden gefallen. Er hielt die Augen nicht ganz geschlossen. Er sah sie und hatte sie noch immer nicht mit seinen Händen berührt. Dafür machte sie weiter und strich über seine Beine hinweg, wobei ihre Fingerspitzen über seine Oberschenkel hinaufglitten.

Er schloss jetzt die Augen.

Er wollte nichts tun. Sich ganz der Frau überlassen. Aus dem halb offenen Mund drang hin und wieder ein wohliges Stöhnen. Ihre Berührungen waren einfach fantastisch, und sie würden bald unter seiner Hose verschwinden.

Der Gedanke daran brachte Phil fast um den Verstand. Ruckartig öffnete er die Augen wieder – und erschrak.

Er sah das Gesicht der Frau dicht vor sich. So weit hatte sie sich schon an ihn herangeschoben.

Das Gesicht! Nur das Gesicht! Die helle Haut, die Augen, deren Blick so faszinierte. Das alles fiel ihm auf. Es kippte ihm förmlich entgegen.

Sie hatte ihren Mund etwas geöffnet. Er sah ihre hellen Zähne. Er nahm ihr Lächeln wahr, und einen Moment später öffnete sie den Mund noch weiter.

Jetzt schaute er hinein.

Der Rachen, die Kehle! Beides registrierte er, aber er musste auch zugeben, dass beides anders war als bei einem normalen Menschen. Nicht rosig oder rot, sondern viel dunkler. Beinahe schon schwarz. Da erinnerte ihn der Mund an eine Höhle, in der sich zudem diese Schwärze noch bewegte.

Was war das?

Lukretia ließ ihm keine Zeit, sich Gedanken zu machen. »Gib Acht!«, flüsterte sie ihm zu.

Noch weiter öffnete sie den Mund!

Phil dachte noch immer an einen Kuss, doch er irrte sich. Ihrer beiden Lippen berührten sich nicht. Stattdessen spürte er die Kälte, die aus dem Mund der Frau strömte und die von einem sichtbaren, schwarzen Atem begleitet war.

Er konnte sich das nicht anders erklären, denn aus ihrem Mund drang eine dunkle Fahne. Sie sah wie Russ aus oder schwarze Schneeflocken, die auf einer bestimmten Bahn blieben.

Ohne dass es Phil richtig bewusst geworden war, hatte auch er seinen Mund geöffnet, und so kam es, wie es kommen musste. Er trank den Atem der anderen. Er saugte ihn tief in sich ein. Der dunkle Strom lief von Mund zu Mund.

Er hörte auch ihre Stimme, obwohl ihr Mund weit offen stand und sie ihn beim Sprechen nicht bewegte. Die Worte bildeten sich tief in ihrem Hals, und sie waren für ihn nicht zu verstehen. Sie erinnerten ihn an gutturale Laute, die zu einer ihm völlig fremden Sprache gehörte.

Ihr Atem füllte seinen Mund!

Etwas kreiste über seine Zunge hinweg und ließ sich auf dem Weg zur Kehle nicht aufhalten. Er konnte nicht anders, er musste schlucken und merkte, dass etwas Kaltes in seinen Körper hineinglitt.

Harper hielt die Augen geöffnet. Lukretia saß vor ihm auf der Bettkante. Zwischen ihren Mündern tanzte ihr Atem. Dunkle Flocken und zugleich ein Strom.

Etwas geschah mit ihm. Er war noch da, doch er fühlte, wie er allmählich wegschwamm. Etwas hatte ihn übernommen. Er konnte nicht erklären, was es war, aber die andere Kraft war so mächtig, dass sie sein Bewusstsein wegzuspülen begann.

Er blieb noch in seinem Bett sitzen. Er befand sich im gleichen miesen Zimmer mit der kärglichen Möblierung, aber es war jetzt alles anders geworden.