John Sinclair 1293 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair 1293 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!

Halloween-Horror (2. Teil).

Noch hatte die Blutbrücke ihre teuflische Kraft nicht ausgespielt. Sie wartete bis zu einem bestimmten Zeitpunkt, denn erst in der Halloween-Nacht wollte sie das große Grauen über die Menschen bringen.

Ich war manipuliert worden. Und ich sollte derjenige werden, der das Rad des Schreckens und des Todes in Bewegung setzte ...

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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EPUB
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Seitenzahl: 146

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumHalloween-Horror (2. Teil)Vorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Halloween-Horror (2. Teil)

Noch hatte die Blutbrücke ihre teuflische Kraft nicht ausgespielt. Sie wartete bis zu einem bestimmten Zeitpunkt, denn erst in der Halloween-Nacht wollte sie das große Grauen über die Menschen bringen.

Ich war manipuliert worden. Und ich sollte derjenige werden, der das Rad des Schreckens und des Todes in Bewegung setzte …

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-4039-3

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Halloween-Horror (2. Teil)

Ich stand verdammt wacklig auf den Beinen, als wäre ich ein Engel, der es mit letzter Kraft geschafft hatte, der Hölle zu entkommen. Um mich herum zogen sich die letzten Nebelschwaden zurück, und auch die Monster oder Totengeister verschwanden.

Dafür kehrte die Wirklichkeit zurück und damit die Blutbrücke, auf der alles seinen Anfang genommen hatte. Ich sah die Straße, das Gitter, die Bäume und auch die blinkenden Lichter an den Enden. Der gelbe Schein war schon von Weitem zu sehen. Er deutete auf eine Absperrung der Brücke hin. Absperrung?

Ich musste mich mit diesem Begriff näher beschäftigen. Ich wartete zudem darauf, dass meine Erinnerung zurückkehrte. Momentan war ich noch durcheinander. In meinem Kopf breitete sich ein Druck aus, der sich im hinteren Teil zu einem Ziehen veränderte.

Laub segelte zu Boden. Es roch feucht. Irgendwo tanzten Lichter. Bäume breiteten ihr leeres Geäst aus. Das Gitter der Brücke glänzte fahl. Ich bewegte mich nur langsam, weil ich noch voller Gedanken und Erinnerungen steckte. Hinter mir lag etwas, was ich noch nicht realisierte, aber auch nicht abschütteln konnte. Es würde bleiben. Ich musste mich dem stellen, und ich wusste auch, dass es weiterging.

In meiner Erinnerung sah ich eine Frau. Blondhaarig, glatt und schön. Irgendwie abstrakt wirkend. Wenn diese Frau die Lippen zurückzog, präsentierte sie die beiden Vampirzähne, denn sie war es gewohnt, sich vom Blut der Menschen zu ernähren.

Justine Cavallo!

Eine blonde Bestie. Mit ihr hatte ich zuletzt Kontakt gehabt, bevor die Welt verschwunden war, in der ich mich befunden hatte. Ich war hineingezogen worden, ich hatte darin etwas erfahren, und jetzt stand ich wieder auf der Blutbrücke, dem Ausgangspunkt.

In der Zwischenzeit war etwas geschehen. Es steckte in meinem Kopf fest. Noch fehlte mir die Erinnerung an das vergangene Geschehen, doch ich war überzeugt, dass sie zurückkehren würde. Man musste mir nur die entsprechende Zeit geben.

Da mir körperlich nichts fehlte, konnte ich eigentlich recht zufrieden sein, was ich jedoch nicht war. Ich war es gewohnt, Erfolge zu erringen, und das war in diesem Fall nicht passiert. Es hatte keine Aufklärung des Falles gegeben, denn wenn ich genauer über mein Schicksal nachdachte, musste ich zugeben, dass ich wieder am Anfang stand und wahrscheinlich noch mal in die Hölle hineingehen musste.

Schlecht, sehr schlecht …

Die Luft war feucht geworden. Der Nebel verschwand nicht völlig. Als feines Gespinst blieb er über der Brücke hängen, drängte auch in die Höhe und verteilte sich in den Bäumen, wo er sich mit der Dunkelheit vermischte.

„Das ist ja John Sinclair …“

Die Frauenstimme hatte den Satz gesprochen, und ihr Klang ließ mich zusammenzucken. Plötzlich war mir klar, dass ich mich nicht mehr allein auf der Brücke aufhielt. Jemand hatte mich gesehen, der mich kannte. Ich grübelte über die Stimme nach, die mir nicht mal so fremd vorkam, denn ich hatte sie schon gehört. Es lag noch nicht lange zurück, aber mein Gedächtnis funktionierte im Augenblick nicht.

Sehr bedächtig hob ich den Kopf und drehte mich zugleich nach rechts. Schräg fiel mein Blick über die Fahrbahn hinweg zum anderen Geländer hin, und dort sah ich nicht nur die Frau, die den Satz gesagt hatte, sondern auch den Mann, der bei ihr stand. Beide wirkten wie Statuen und kaum wie Menschen. Ich sah auch in der Dunkelheit, dass sie noch immer erstaunt über mein Erscheinen waren.

Ich gab mir selbst einige Sekunden, um das Erinnerungsvermögen aufzufrischen. Die Frau trug Jeansklamotten. Das blonde Haar hatte sie im Nacken zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Vor ihrer Brust hing ein kantiger Gegenstand, den ich erst beim zweiten Hinschauen als eine Kamera identifizierte.

Der Mann neben ihr war mit einer Lederjacke bekleidet. Auch er kam mir bekannt vor. Sein Gesicht wirkte blass. Es war irgendwie ein heller Fleck in der Dunkelheit und schien nicht wirklich vorhanden zu sein.

In meinem Kopf arbeitete es. Verflixt, es musste doch herauszufinden sein, woher ich die beiden kannte. Sie kannten mich schließlich auch. Wo hatte ich sie schon mal gesehen?

„John Sinclair, nicht?“, fragte die junge Frau wieder, die nicht älter als Ende zwanzig war.

„Ja“, sagte ich leise.

Da stieß sie den Mann neben sich an. „Er ist es, Jens. Ich habe mich nicht getäuscht.“

Jens! Da hatte ich einen Namen gehört und dachte darüber nach. Musste ich ihn kennen? Natürlich, der Name war mir bekannt, aber der Schalter in meinem Kopf drehte sich noch nicht um, und so hob ich die Schultern, um meine Hilflosigkeit anzudeuten.

Ich ärgerte mich ja über mich selbst, weil ich diese Probleme hatte, aber die junge Frau half mir dabei, sie zu lösen, denn sie kam direkt auf mich zu. Sie zwang sich zu einem Lächeln, das war schon zu erkennen, weil das Streulicht der Laterne uns erreichte.

Vor mir blieb sie stehen. Sie deutete auf ihre Kamera. „Vorkurzem waren wir noch in London. Das Polizeifest. Sie erinnern sich, Mr. Sinclair? Mein Kollege und ich waren da, um Fotos zu schießen und um anschließend einen Artikel zu schreiben. Nur ist es dazu nicht mehr gekommen, denn jetzt sind wir hier.“

Ich hatte genau zugehört. Es fiel mir nicht wie Schuppen von den Augen. Ich musste nachdenken, und genau das brachte mir einen ersten Erfolg.

„Ja“, sagte ich leise. „Angela Finkler und Jens Rückert. Habe ich Recht?“

Die Fotografin verdrehte die Augen. „Endlich haben Sie es gepackt. Wir haben schon befürchtet, dass Sie sich nicht mehr an uns erinnern können, Mr. Sinclair.“

„Doch, doch, das kann ich. Da brauchen Sie keine Sorge zu haben. Es ist für mich momentan nur alles etwas fremd, und ich muss erst nachdenken.“

„Das glaube ich Ihnen.“

Nachdenken war wichtig. Zusammenhänge klar bekommen. Ich war zu dem Polizeiball gegangen, zusammen mit Glenda Perkins und dem Ehepaar Tanner. Glatt gehen konnte bei mir ja nichts. Auch beim Ball war der Horror passiert. Die Fotografin war aufgetaucht und hatte ein Foto geschossen, das nach der Digitalisierung ein etwas anderes Motiv zeigte, als es hätte zeigen müssen.

Ein Fremder hatte sich auf das Foto gestohlen. Dabei war nicht nur er zu sehen gewesen, sondern das Foto hatte auch die Gedanken gezeigt, die ihn beschäftigt hatten. Sie waren schlimm gewesen, denn er hätte mir gern ein Messer durch den Hals gestoßen.

Mir war sofort klar gewesen, dass mit diesem Foto etwas nicht stimmte, und ich hatte augenblicklich nachgeforscht. Der fremde Mann auf dem Bild war ebenfalls ein Polizist gewesen, aber er hatte auf der falschen Seite gestanden. Er war es auch gewesen, der das Foto als Beweismaterial hatte vernichten wollen. Ich war ihm jedoch zuvorgekommen. Leider lebte der Mann nicht mehr. Casey Jordan war von den Kugeln seiner eigenen Kollegen getroffen worden, aber er hatte noch kurz vor seinem Tod eine Information geben können.

Blutbrücke …

Mir war schon klar gewesen, dass sie eine wichtige Rolle spielte. Ebenso wie Justine Cavallo, die blonde Bestie, die mitgemischt hatte. Zwei ihrer Vasallen hatte ich zur Hölle schicken können, danach war der Weg für mich frei gewesen, denn mittlerweile hatte ich herausgefunden, wo sich die Blutbrücke befand.

In Deutschland. In der Stadt am nördlichen Schwarzwald, die Baden-Baden heißt.

Ich hatte meinen Freund Harry Stahl informiert. Es war zwischen uns ein Treffen an der Blutbrücke vereinbart worden. Dazu war es nicht gekommen. Als ich eingetroffen war, war Harry nicht da gewesen. Dafür war ich ein Opfer der Magie dieser Brücke geworden. Es war zu einem Dimensionswechsel gekommen und so war ich hinein in eine andere Welt geglitten, in der ich wieder Justine Cavallo getroffen hatte. Dort war ich dann auf eine bestimmte Art und Weise manipuliert worden. Nur war mir nicht mehr klar, was man mit mir getan hatte.1

Etwas steckte tief in mir. Leider brachte ich es nicht fertig, es hervorzuholen. Ich konnte zunächst froh sein, dass mich diese andere Welt wieder entlassen hatte. Nur erinnerte ich mich schwach daran, dass mir auch mein Kreuz nicht viel geholfen hatte.

Angela Finkler sprach mich wieder an. „Was ist mit Ihnen los, Mr. Sinclair?“

„Ich denke nur nach.“

„Und, Erfolg gehabt?“

„Noch nicht.“

Auch Jens Rückert schaute mich an. „Wir mussten einfach kommen“, sagte er, „auch wir haben von der Blutbrücke gehört. Da ist die Neugierde dann groß geworden. Wir fanden sie im Internet. Zum Glück hat Angela einen Freund hier im Ort. Den haben wir gefragt, und wir hätten ihn eigentlich treffen müssen. Anscheinend ist er aber nicht gekommen.“

„Er heißt Heiko Fischer“, erklärte Angela.

Ich konnte wieder lachen. „Dann ist es Ihnen wie mir ergangen. Auch ich bin versetzt worden. Ich hatte mich ebenfalls mit einem Freund verabredet. Mit Harry Stahl.“

„Den kennen wir nicht.“

„Kann ich mir denken.“

Angela schüttelte den Kopf. Sie schaute mich dabei so zweifelnd an, als wäre sie dabei nachzudenken, ob ich auch echt war. „Wissen Sie, was ich noch immer nicht begreifen kann?“, fragte sie mit leiser Stimme.

„Sagen Sie es.“

„Dass Sie so plötzlich hier aufgetaucht sind. Wir hätten Sie sehen müssen, als wir uns auf der Brücke befanden. Das war nicht der Fall. Stattdessen haben wir etwas anderes gesehen, und das war grauenvoll genug. Ich fasse es nicht. Ich bin … verdammt … wenn ich darüber nachdenke, drehe ich fast durch …“

Jens legte einen Arm um sie. „Lass es sein. Versuche, nicht daran zu denken.“

„Das kann ich nicht.“

Der kurze Dialog hatte mich natürlich neugierig gemacht und ich sprach sie auf eine bestimmte Person hin an.

„Sie kennen beide Justine Cavallo, nicht wahr?“

„Die blonde Vampirin?“

„Genau, Angela.“

„Was ist mit ihr?“ Bei der Frage hatte ihre Stimme leicht gezittert. Ihre Erinnerungen an Justine waren nicht eben die Besten.

„Ich möchte Sie beide nur fragen, ob sie die Person hier auf der Brücke gesehen haben.“

Sie schauten sich an. Und sie brauchten sich nicht abzusprechen, um die Schultern zu heben. Die Antworten waren echt. Justine hatte sich ihnen nicht gezeigt.

„Ist sie denn hier?“, fragte Jens.

„Wir müssen davon ausgehen.“ Mehr erklärte ich nicht.

„Dafür haben wir etwas anderes gesehen“, sagte Angela schnell. Sie wies mit einer Handbewegung über die Fahrbahn hinweg. „Hier war plötzlich alles voller Nebel. Schrecklich. Wir haben auch nicht erkannt, woher er gekommen ist. Er war plötzlich da. Er hat uns eingehüllt. Wir konnten nicht durch ihn hindurchschauen, das heißt, wir haben trotzdem etwas gesehen.“ Sie schüttelte sich. „Es waren grässliche Gestalten, Mr. Sinclair, ob Sie es glauben oder nicht. So etwas kann es normalerweise nur in einem Horrorfilm geben, aber wir haben diese Wesen tatsächlich durch den Nebel treiben sehen. Die waren so schrecklich, dass man sie kaum beschreiben kann. Ich habe mal einen Film mit Zombies gesehen, und so ähnlich sahen sie aus. Ich habe nur noch Angst gehabt.“

„Zum Glück ist uns nichts passiert“, fügte Jens Rückert hinzu und sah erleichtert aus. „Bei Ihnen ist das ja auch der Fall, Mr. Sinclair. Wir leben noch, und nur das zählt.“

Ich lächelte ihm etwas kantig zu. „Das stimmt. Es ist das Wichtigste überhaupt. Wir werden alles daransetzen müssen, dass es auch so bleibt“, fügte ich noch hinzu, bevor ich den Kopf nach rechts und danach auch nach links drehte.

Das Gespräch mit den beiden Presseleuten hatte mich abgelenkt. Es war mir schon vorher aufgefallen, nun aber nahm ich es direkt und auch sehr bewusst wahr.

Die Umgebung hatte eine Veränderung erlebt. Sperrgitter und Warnleuchten an den beiden Zufahrten zur Brücke. Wenn ich nach rechts blickte, hörte ich auch Stimmen. Ich sah Menschen und Fackelschein huschte durch die Dunkelheit.

Angela und Jens bekamen meinen Blick mit.

„Sie wissen nicht, was das bedeutet?“, fragte Jens.

„Im Moment bin ich überfragt.“

„Denken Sie daran, welche Nacht inzwischen angebrochen ist, Mr. Sinclair.“

Ich überlegte kurz. „Das ist die Halloween-Nacht.“

„Richtig. Die Leute sind wohl gekommen, um zu feiern. So viel ich erkennen kann, haben sie die Erlaubnis bekommen, dies auf der Brücke zu tun. Für den normalen Verkehr wurde sie gesperrt. Sie wird wohl bis in die frühen Morgenstunden besetzt sein.“

„Ja“, murmelte ich, „das befürchte ich auch.“

„Dann sollten wir sie warnen“, schlug die Fotografin vor. Sie trat dabei von einem Bein aufs andere. Stellen Sie sich vor, sie erleben den gleichen Horror wie wir! Das wäre ja furchtbar. Sie würden die Nerven verlieren und durchdrehen oder nicht mehr auseinander halten was echt und was nicht echt ist. Bei uns jedenfalls ist alles echt gwesen. Was wir gesehen haben, sind keine verkleideten Halloween-Gespenster gewesen. Das können wir schwören.“

„Sicherlich.“

Ich war sehr ruhig geworden, weil ich mit den Gedanken woanders war. Meine Erlebnisse kehrten noch mal zuück. Ich sah mich wieder vor Justine Cavallo stehen. Wir hatten uns unterhalten, und sie hatte mir gesagt, was auf mich zukommen würde.

Es hing mit meinen Gedanken zusammen. Und auch mit der verdammten Brücke. In der Vergangenheit war etwas geschehen, das auch noch in der Zukunft Bestand hatte.

„Casey Jordan war eine Testperson gewesen. Bei ihm hat es geklappt. Jetzt bist du an der Reihe …“

So ähnlich hatte man mir meine Veränderung beigebracht, die äußerlich nicht zu sehen war.

„Was ist los mit Ihnen, Mr. Sinclair?“, fragte Angela Finkler leicht besorgt.

„Ich denke über etwas nach.“

„Das sieht man Ihnen an. Können wir Ihnen denn dabei helfen?“

„Nein, ich denke nicht. Denn es ist …“ Ich hob den Blick und sah ihr besorgtes Gesicht. Doch ich sah noch mehr. Fast überdeutlich fiel mir die Kamera auf, deren Trageriemen sie über ihre Schulter gehängt hatte.

Mein Blick blieb ihr ebenfalls nicht verborgen. „Habe ich etwas an mir, Mr. Sinclair?“

„Nein, das ist es nicht.“

„Was dann?“

Ich deutete auf die Kamera. „Mir ist da eine Ide gekommen“, sagte ich leise. „Wäre es schlimm, wenn ich Sie jetzt bitte, von mir ein Foto zu machen?“

„Nein“, flüsterte sie. „Warum sollte das denn schlimm sein? Das finde ich gar nicht.“

„Danke.“

„Jetzt?“

„Bitte.“

Nun hatte ich sie schon überrascht. Denn wir hatten an alles Mögliche zu denken, nur nicht daran, dass plötzlich in einer Situation wie dieser ein Foto geschossen wurde.

„Können wir damit nicht warten, bis wir die Brücke verlassen haben, Mr. Sinclair?“

„Nein, Angela. Es ist sehr wichtig. Das müssen Sie mir glauben.“

Überzeugt war Angela noch nicht, aber auf dem Weg dorthin. Und sie hatte auch nichts vergessen, denn das bewies sie mit ihrer nächsten Frage. „Denken Sie möglicherweise an die Nacht, als ich das Foto auf dem Polizeiball geschossen habe?“

„Daran denke ich in der Tat.“

Sie wich etwas zurück. „Sagen Sie nicht, Sie versprechen sich davon den gleichen Effekt, John.“

„Bitte, Angela, machen Sie das Foto.“

„Aber das ist doch verrückt“, flüsterte Jens Rückert.

„Bitte, tun sie es.“

Die beiden nickten synchron. Angela holte den Apparat aus der Tasche. Ich ging etwas zurück, um die nötige Distanz zwischen uns zu bringen. Als ich gegen das Geländer stieß, blieb ich stehen, breitete die Arme aus und legte meine Hände auf den Handlauf.

Ja, ich war nervös. Ich erinnerte mich auch wieder an meine Begegnung mit Justine Cavallo. Casey Jordan war für sie eine Testperson gewesen. Danach hatte sie mich in ihre Gewalt gebracht, und nun musste ich herausfinden, ob die Manipulation geklappt hatte.

Angela hate die richtige Entfernung erreicht. Sie hob die Kamera an, schaute durch den Sucher und erklärte mir, dass ich so stehen bleiben sollte.

Ich lächelte nicht. Mein Gesicht blieb starr. Ich war einfach zu verkrampft – und zuckte zusammen, als der Blitz aufzuckte …

*

Harry Stahl und Heiko Fischer hatten den Wagen zwar verlassen, waren auch näher an den Schauplatz des Geschehens herangegangen, blieben jedoch in respektvoller Distanz stehen, um zu beobachten, was die Leute taten.

Sie waren mit verschiedenen Fahrzeugen gekommen. Mit Autos, Rädern und Mopeds. Sie hatten ihre Kostüme bereits angehabt oder zogen sich jetzt um. Aus einem Van lud ein kräftiger, sehr großer junger Mann mit einem dunklen Bart jede Menge Bierkästen. Er hatte sich noch nicht umgezogen und trug seine normale Kleidung, Jeans und einen dicken Pullover. Neben ihm stand eine blonde Frau, die ab und zu mit ihm sprach und wohl zu ihm gehörte.

Die beiden schienen die Anführer der Gruppe zu sein, denn die Blonde gab auch Kommandos und ordnete an, dass die Kästen von der Straße entfernt und auf die Brücke gebracht werden.

Sie hatte sich bereits verkleidet. Ihr enges Kostüm bestand aus Leder. Überall