John Sinclair 1314 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair 1314 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!

Im Bann der schönen Nymphe.

Jenny Mason lief mit schnellen Schritten durch den Wald!

Entwischt!, dachte die Elfjährige. Ich bin ihr entwischt. Amelie wird sich ärgern.

Sie musste so denken, denn es war ihr streng verboten, in den Wald zu laufen, der so finster, dicht und an manchen Stellen sogar richtig unheimlich war. Ihre Mutter nannte ihn voller Abscheu schrecklicher Geister-Dschungel ...

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Seitenzahl: 139

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumIm Bann der schönen NympheVorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Im Bann der schönen Nymphe

Jenny Mason lief mit schnellen Schritten durch den Wald!

Entwischt!, dachte die Elfjährige. Ich bin ihr entwischt. Amelie wird sich ärgern.

Sie musste so denken, denn es war ihr streng verboten, in den Wald zu laufen, der so finster, dicht und an manchen Stellen sogar richtig unheimlich war. Ihre Mutter nannte ihn voller Abscheu schrecklicher Geister-Dschungel …

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-4060-7

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Im Bann der schönen Nymphe

Jenny Mason lief mit schnellen Schritten durch den Wald!

Entwischt!, dachte die Elfjährige. Ich bin ihr entwischt. Amelie wird sich ärgern.

Sie musste so denken, denn es war ihr streng verboten, in den Wald zu laufen, der so finster, dicht und an manchen Stellen sogar richtig unheimlich war. Ihre Mutter nannte ihn voller Abscheu schrecklicher Geister-Dschungel …

Aber Jenny liebte ihn.

Es war ihr Reich. Es war eine tolle Gegend, auch wenn das Unterholz oft verfilzt und undurchdringlich erschien. Selbst im Winter, wenn die Bäume ihr Laub verloren hatten, war der Wald noch immer recht dicht. Ein großer Teil des Sonnenlichts wurde gefiltert, sodass unter den Bäumen stets ein grünliches Zwielicht herrschte. Manchmal kam es Jenny vor, als liefe sie durch nachgiebiges Glas, in dem eine besondere Atmosphäre herrschte, die nicht alle Menschen erlebten.

Jenny schon.

Für sie stand fest, dass der Wald Geheimnisse enthielt, die nur wenige spürten und vielleicht einigen Auserwählten bekannt waren. Jenny gehörte noch nicht dazu. Allerdings hoffte sie, in diese Riege aufsteigen zu können. Das wäre super.

Gesehen hatte sie so gut wie nichts. Dafür gespürt. Und auch gehört. Hin und wieder hatte sie die wispernden Stimmen vernommen. Geheimnisvolles Raunen, auch Rascheln, wobei sie fest davon überzeugt war, dass es sich nicht um die Bewegungen der Blätter handelte, die vom Wind gestreichelt wurden.

Sie hatte geschaut. Sich versteckt, um etwas zu entdecken. Ob es ihr gelungen war, wusste sie nicht, aber da waren schon seltsame Schatten gewesen, die sich gezeigt hatten und an ihr vorbeigehuscht waren. Schnell und leicht wie Federn.

Täuschung? Leben? Vielleicht ein Leben, das aus einer anderen Welt kam? Möglich war alles, denn Jenny wusste, dass es nicht nur die Welt gab, die sie mit ihren eigenen Augen sah. Dahinter hielt sich noch etwas versteckt, und sie war begierig zu erfahren, um was es sich handelte.

Zum Teil gehörte der Wald noch ihren Eltern. Das große Grundstück endete irgendwo in der Mitte. Die genaue Grenze war Jenny nicht bekannt. Das störte sie auch nicht, denn sie interessierte mehr das eigentliche Ziel.

Für sie war der Teich der Mittelpunkt des Waldes. Ein kleines Gewässer, überschaubar, wenn man erst an es herangekommen war, denn sein Ufer war dicht bewachsen.

Nur auf Fotos in fernen Ländern hatte Jenny bisher so hohes Gras gesehen. Es wucherte auch hier. Es umgab den Wald wie eine weiche Mauer. Es klammerte sich am Gestrüpp fest, es bildete einen Riegel. Hohe Farne breiteten sich aus. Strauchwerk, das im Sommer schwer mit Brombeeren behangen war, erschwerte den Weg ans Wasser ebenfalls. Hier kamen viele Hindernisse zusammen, und deshalb war der Teich auch bei den meisten Menschen in Vergessenheit geraten. Sie kamen nicht an ihn heran. Sie wollten sich auch nicht die Mühe machen. Wen interessierte schon der Wald? Sollte er doch zuwachsen.

Jenny Mason wurde im nächsten Monat zwölf. Sie fühlte sich nicht mehr als Kind. Ich bin schon leicht erwachsen, hatte sie zu den anderen Menschen gesagt, und das nicht nur mit einem fröhlichen Unterton in der Stimme. Manchmal vermisste sie das Leben, das die anderen Kinder hatten. Sie war zu sehr auf einer Insel groß geworden. Beschützt und behütet. Fast schon bewacht. Es war ihr viel entgangen, und sie hatte sich eine eigene Welt schaffen müssen, was ihr auch gelungen war.

Kleine Fluchten in die … ja, wohin eigentlich?

So genau hatte sie es nicht herausgefunden. Aber sie würde es noch schaffen, das stand fest. In die Welt dahinter, die auch Alice kennengelernt hatte. Alice im Wunderland, die herrliche Geschichte von Lewis Carroll. Wunderbar erzählt, der Fantasie freien Lauf gelassen, aber ob es wirklich nur die reine Fantasie war, wusste Jenny nicht. Gern hätte sie Alice geheißen, um hinter die Kulissen schauen zu können, denn da war etwas, davon ging sie aus.

Irgendwann würde sie es schon herausfinden. Und es würde nicht mehr lange dauern. Vielleicht schon am heutigen Tag. Das hatte sie einfach im Gefühl. Als wäre ihr eine Botschaft vermittelt worden. Es war wunderbar.

Leicht und beschwingt fühlte sie sich. Die übliche Düsternis des Waldes bemerkte sie nicht. Der Weg zum Teich war sogar gut zu sehen. Dafür hatte sie gesorgt. Jenny hatte so etwas wie einen Wildwechsel oder sehr schmalen Pfad durch den Wald geschlagen. Es war ihre Autobahn bis zum Ziel.

Niemand außer ihr kannte die Strecke. Sie würde keinem davon erzählen. Nein, nein, das sollte und würde ihr Geheimnis bleiben. Auch Amelie, das deutsche Au-pair-Mädchen würde nichts davon erfahren. Sie würde sowieso sauer sein, wenn sie Jenny in dem großen Haus nicht fand. Aber sie würde sich nicht trauen, in den Wald zu laufen, denn davor fürchtete sie sich.

Die Bäume wuchsen enger zusammen. Moos hielt ihre Stämme umwickelt. Selbst im heißesten Sommer war es hier feucht. Der Boden trocknete zudem nie ganz aus. Sein weicher Teppich, der viele Geräusche verschluckte, war immer feucht.

Jenny lächelte, als sie die hohen Farne sah, die ihr noch den Blick auf den Weiher verwehrten. Die Farne hatten frische Triebe bekommen. Ein helles Maigrün war überall zu sehen, wurde aber von den alten Bäumen überschattet, sodass die Dunkelheit blieb. Eine feuchte, gläserne Welt, in der auch die ersten Spinnennetze gewoben waren, die wie dünne Schaukeln von Ast zu Ast hingen.

Toll war es hier, auch wenn die anderen Menschen einen Bogen um den Wald machten.

Jenny Mason schaute nach unten. Sie musste jetzt den schmalen Pfad finden, der sie an eine bestimmte Stelle des Teichufers führte. Dann war alles okay.

Sie sah ihn noch nicht, aber sie dachte an ihn. Wie gern hätte sie ein Boot besessen, um auf den Teich zu fahren. Leider war das nicht der Fall. So konnte sie nur am Ufer stehen und voller Sehnsucht über die Fläche schauen, wobei sie sich fragte, was sich wohl unter dem Wasser verbarg.

Keine Ahnung. Nichts wusste sie. Aber sie hatte die Botschaft gehört. Irgendwann würde sie das Rätsel lösen, und das noch in diesem Sommer.

Die letzten Schritte. Sie schaute auf das geknickte Gras. Sie sah ihre eigenen Spuren auf dem Boden. Und sie erkannte bereits die Wasserfläche.

Sekunden später stand sie davor. Unter ihren Füßen befand sich jetzt das Holz. So sackte sie nicht in den weichen Boden ein. Jenny hatte das Holz im Laufe der Zeit gesammelt und so eine Trittfläche gebastelt. Hier konnte sie stehen und auf das Wasser schauen.

So wie jetzt!

Wie immer lag der Teich vor ihr wie ein dunkler Spiegel. Sie kannte ihn auch, wenn die Sonnenstrahlen direkt darauf schienen, aber er war nie richtig hell. Nur die Oberfläche bekam einen anderen Glanz. Darunter aber blieb es finster, denn das Wasser war nicht klar. Plankton, Pflanzen, Blätter, Wasserlinsen, Gräser wie Tang, das alles mischte sich zu einem Inhalt zusammen, der unterhalb der Wasserfläche versteckt lag.

Auch jetzt schwammen Blätter und Teile irgendwelcher Zweige auf der Wasserfläche. Der Wind hatte sie abgerissen und gegen das Wasser geschleudert, das alles trug.

Jenny wartete. Jetzt lächelte sie. Das Ziel hatte sie erreicht. Es war so toll. Es war eigentlich wie immer, und trotzdem war es anders. Die innere Stimme oder das Gespür erklärten ihr, dass es trotzdem anders war als sonst.

Der besondere Tag! War er da? Konnte sie darauf hoffen, ein Rätsel zu lösen?

Sie wünschte es sich intensiv. Trotz der äußerlichen Ruhe spürte sie ihre Nervosität. Da war ein Kribbeln vorhanden. Es reichte bis hinein in die Fingerspitzen.

Jenny strich über ihr dunkelblondes Haar. Sie trug es gescheitelt. Das wollte ihre schrecklich altmodische Mutter so. Damit der Scheitel hielt, wurde er von einer Klammer gehalten, die Jenny nun löste. So fiel ihr das Haar ins Gesicht, was sie aber nicht störte.

Sehr ruhig wanderten ihre Blicke über den runden Teich. Sie suchte das gegenüberliegende Ufer ab und auch das an den Seiten des Gewässers. Nichts hatte sich dort verändert. Alles war gleich geblieben, egal, von welcher Seite man es versuchte. Es gab immer die gleichen Probleme, an das Wasser zu gelangen. Alles war dicht geworden. Hindernisse, Fallen, die zuschnappten.

Sie wartete weiter. Schaute über die dunkelgrüne Fläche hinweg. Sie sah die Blätter auf dem Wasser und auch dicht darunter.

Geheimnisvoll, lauernd. Unheimlich. Das war ihr schon bewusst. Nur fürchtete Jenny Mason sich nicht davor. Sie spürte mehr die Neugierde. Sie fühlte sich von der Tiefe angezogen. Sie wollte das Geheimnis ergründen. Obwohl sie keinen Beweis hatte, wusste sie, dass dort etwas lauerte.

Was …?

Jenny schluckte. „Bitte“, flüsterte sie dann, „bitte, da ist was. Ich weiß es. Zeige dich – bitte …“

Die Worte versickerten. Stille trat ein. Kein Wind bewegte die Oberfläche, deshalb gab es auch keine Wellen. Der Teich war wieder glatt wie ein Spiegel.

Oder …?

Jenny zwinkerte. Dabei schluckte sie. Hörte ihren scharfen Atemzug. Das Herz schlug schneller. Ihre Augen weiteten sich, und jetzt konnte sie erst recht nicht den Blick von der Wasserfläche wenden.

Ja, die kleinen kabbeligen Wellen gab es. Die hatte sie sich nicht eingebildet.

Aber woher kamen sie?

Es gab keinen Wind. Alles war und blieb auch still. Trotzdem bewegte sich das Wasser.

Die plötzliche Aufregung rötete ihr Gesicht. Auf ihren kleinen Handflächen lag ein dünner Film aus Schweiß. Sie wischte die feuchte Haut an der Hose ab. Sie leckte über die trocken gewordenen Lippen, und sie konnte den Blick einfach nicht von der Wasserfläche abwenden.

Ja, da war etwas! Jetzt sah sie es schon deutlicher. Unter der Oberfläche, noch in der Tiefe versteckt, bewegte sich etwas auf das Ufer zu, an dem sie stand.

War es hell? War es dunkel? So genau konnte sie es nicht erkennen. Jedenfalls war es keine Täuschung und auch kein Reflex vom Sonnenlicht, denn kein Strahl erreichte den Weiher.

Es trieb näher.

Es schwamm höher.

Es war so bleich.

Es tauchte auf.

Jenny Mason bewegte sich nicht mehr. Sie hörte das leise Platschen, dann war es da.

Sie starrte stumm und fassungslos auf das, was sich aus dem Wasser schob.

Es war der Kopf eines jungen Mädchens!

*

Alles war in diesen Momenten anders geworden. Jenny wusste selbst nicht, wie sie sich fühlte. Sie stand auf der Stelle und hielt den Kopf gesenkt, um das Gesicht nicht aus den Augen zu lassen. Noch hatte es das Wasser nicht verlassen. Nach wie vor schwamm es unter der Fläche. Durch die zuckenden Wellen war es auch nicht so konturenscharf zu sehen, doch Jenny Mason hatte keinen Zweifel. Was sie gesehen hatte und noch immer sah, das war ein Gesicht. Ein bleiches Etwas in einem grünlich schimmernden Glas, das trotzdem nicht fest war.

Noch sah sie den Körper nicht. Nur das Gesicht. Lächelte es? War es starr? Welchen Körper besaß die Gestalt?

Fragen über Fragen, auf die Jenny keine Antwort wusste. Sie merkte nur, dass sie sich entspannte. Der erste Schreck war dahin. Das Gesicht blieb, und es trieb näher.

Jenny verspürte den Drang, dem Gesicht entgegenzulaufen. Dazu hätte sie ins Wasser gemusst, das traute sie sich jedoch nicht.

Es war auch nicht nötig, denn das Gesicht trieb auf sie zu. Jenny hatte nie gewusst, wie tief das Wasser war. Bei entsprechenden Fragen hatte man ihr nur geantwortet:

„Zu tief, Kind …“

Aber nicht für die andere. Sie schwamm und trieb näher. Blätter umgaben den Kopf, bis zu dem Augenblick, als das Gesicht sich wieder an die Oberfläche schob.

Und diesmal blieb es dabei. Es war wieder das Platschen zu hören. Dann schaute es hervor und Jenny an. Noch immer zeigte das Mädchen seinen Körper nicht. Es waren wohl die hellen Schultern zu sehen. Alles, was sich unter dem Hals befand, sah aus wie ein verwackeltes Bild.

Beide schauten sich an. Jenny sprach auch jetzt kein Wort. Sie konnte ihren Blick von dem Gesicht nicht lösen, und sie hatte sich nicht geirrt. Etwas war anders.

Auf dem Kopf lag ein Kranz aus bleichen, nassen Blättern. Er umrandete fahlblondes Haar, das strähnig den Kopf umgab. Die Gesichtshaut sah ebenfalls fahl aus, aber sie schimmerte auch in einem seltsamen Grün, das im direkten Gegensatz zu den dunklen Pupillen der Augen stand. Die Umgebung schien geschminkt mit grauer Farbe. Wie Tränen hatten sich einige Tropfen aus der Umgebung der Augen gelöst und rannen an den Wangen nach unten.

Es war kein guter Blick, aber auch kein böser. Man konnte ihn als abwartend oder lauernd beschreiben. Der Mund mit den vollen Lippen zeigte kein Lächeln. Sie lagen aufeinander, und darüber malte sich die etwas dicke Nase ab.

Jenny Mason wusste nicht, was sie von dem Erscheinen des Mädchens halten sollte. Wer war diese Person und wie konnte sie existieren?

Lebte sie? Wenn ja, dann hätte sie im tiefen Wasser eigentlich ertrinken müssen. Das wäre normal gewesen. Als unnormal bezeichnete sie die andere Lösung.

Sie lebte und war trotzdem tot. Eine Wasserleiche, die von der Strömung angetrieben worden war.

Nur – hier gab es keine Strömung. Demnach musste sie sich allein auf den Weg gemacht haben. Aus der Tiefe kommend. Tot und trotzdem lebendig?

Für einen Erwachsenen war dies ebenso unbegreiflich wie für ein Kind. Eine Ertrunkene, die noch lebte …?

Jenny dachte darüber nach. Sie war ein Kind, und sie glaubte an die alten Geschichten und Märchen. Sie kannte viele Märchen, und sie war beim Lesen dieser Geschichten oft mit dem Tod konfrontiert worden, und das in einer ungewöhnlichen Form. Da waren die Bösen dann schreckliche Tode gestorben. Man hatte sie auch ertränkt. Besonders die Hexen.

Wie hier? War das Mädchen, das drei, vier Jahre älter sein mochte, ertränkt worden?

Aber es lebte doch!

Jenny Mason gab sich einen Ruck. Sie konnte einfach nicht mehr an sich halten. Sie wollte etwas sagen, und sie wollte herausfinden, ob das Mädchen sprechen konnte.

„Wer bist du?“

Jenny ärgerte sich über den Klang ihrer Stimme. So hatte sie noch nie gesprochen, so ängstlich und kratzig und kaum verständlich. Deshalb konnte sie keine Antwort erwarten.

Der neue Anlauf.

„Wer bist du?“ Diesmal hatte sie lauter gesprochen, und sie erhielt eine Antwort. Nur anders als sie es sich vorgestellt hatte. Wieder sah sie die kleinen Wellen. dabei hörte sie auch das Klatschen des Wassers, und wenig später erschien die Hand auf der Wasserfläche. Sie sah auch einen nackten Arm, doch sie konzentrierte sich einzig und allein auf die Hand, die ihr entgegengestreckt wurde. Die Finger lagen dabei zusammen. Sie waren sehr schmal und lang mit blassen Nägeln versehen, doch auch hier schimmerte die Haut in einem leicht grünlichen Ton.

Wie bei einer Wasserleiche …

Jenny Mason stöhnte leise auf. Plötzlich fühlte sie sich wie in einer Zwickmühle. Sie wusste weder vor noch zurück. Sie wusste nicht, was sie sagen sollte, aber sie schaffte es auch nicht, den Blick von der Hand zu lösen.

Gesprochen zu werden brauchte nicht. Eine Geste wie diese sagte eigentlich alles. Jenny spürte hinter der Stirn den Druck. Ihr Gesicht war schweißnass. Sie ärgerte sich darüber, dass sie zitterte und so etwas von ihren Gefühlen preisgab. Doch sie konnte sich einfach nicht zusammenreißen und cool bleiben.

Langsam wanderte ihr Blick wieder zum Gesicht der unbekannten Person hoch. Noch waren die Lippen geschlossen. Das änderte sich bald, denn Jenny sah jetzt die Bewegungen.

Die Person formte etwas. Einige Worte. Vielleicht eine Botschaft. So genau war es nicht herauszufinden.

„Komm …?“

Hatte sie das tatsächlich gesagt? Wollte sie, dass Jenny zu ihr ging und damit auch hinein ins Wasser?

Über den Körper rann schon jetzt eine Gänsehaut, wenn sie daran dachte, dass das Wasser um diese Zeit recht kalt war. Da konnte sie sich den Tod holen und …

Komm doch!