John Sinclair 1316 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair 1316 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!

Vampirhölle (2. Teil).

Die Gruftie-Disco hieß STIGMATA. Als Suko und ich sie betraten, wussten wir sofort, dass wir hier die Spur der beiden Vampir-Geschwister finden würden. Aber auch Vanessa Drake, die Geigerin, erschien, und wir lernten den Besitzer kennen, der sich Sir nannte.

Doch was ziemlich normal anlief, entwickelte sich rasch zum Gegenteil. Für uns und die Gäste wurde das Lokal zur Vampirhölle ...

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Seitenzahl: 139

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumVampirhölle (2. Teil)Vorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Vampirhölle (2. Teil)

Die Gruftie-Disco hieß STIGMATA. Als Suko und ich sie betraten, wussten wir sofort, dass wir hier die Spur der beiden Vampir-Geschwister finden würden. Aber auch Vanessa Drake, die Geigerin, erschien, und wir lernten den Besitzer kennen, der sich Sir nannte.

Doch was ziemlich normal anlief, entwickelte sich rasch zum Gegenteil. Für uns und die Gäste wurde das Lokal zur Vampirhölle …

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-4062-1

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Vampirhölle(2. Teil)

Zwei Totenschädel begrüßten uns!

Der eine zwinkerte Suko zu, der andere mir. Zwinkern war vielleicht nicht der richtige Ausdruck, jedenfalls glühte es in den Höhlen in unregelmäßigen Abständen dunkelrot auf. An dem Gebilde aus Kunststoff klebten zusätzlich rote Tropfen, die wohl blutige Tränen initiieren sollten.

Wir standen nicht vor dem Eingang zu einer Geisterbahn, sondern vor einem Lokal mit dem Namen STIGMATA. Ein Szeneschuppen für Schwarze, Gruftis, Ausgeflippte, aber auch für Typen, denen wir näher auf die Finger schauen wollten, weil wir sie als gefährlich einstuften.

Sie waren Vampirfans der besonderen Art …

Sie liebten das Blut der Menschen, obwohl sie selbst Menschen waren, und sie holten sich den Lebenssaft auf eine besondere Art. Sie griffen andere an und hatten sich deswegen stählerne Raubtiergebisse in die Münder gestopft.

Die Totenschädel blinkten noch immer. Sie würden es auch die Nacht über tun und sicherlich erst gegen Morgen aufhören.

Das Lokal selbst lag nicht so, dass es jedem London-Touristen sofort auffallen würde. Auch nicht versteckt, aber man musste schon in diesen Komplex hineingehen, der in der Dunkelheit etwas von einem Hinterhof abstrahlte.

Da gab es die hohen Mauern der Häuser, das Licht in den Fenstern, das wie schmutzige Flecken wirkte, und in einem Haus war eben das Lokal untergebracht. Man ging direkt darauf zu, wenn man das Areal betrat, und die beiden Totenköpfe taten ihr Übriges.

„Nett hier, nicht?“

Ich nickte. „Ja, fast schon romantisch.“

„Oder düster.“

„Das auch.“

Völlig dunkel war es noch nicht geworden. Die Nacht lag in der Lauerstellung. Der Himmel zeigte fast die gleiche Farbe wie die Umgebung, doch einige helle Streifen hatten sich noch gehalten. Suko und ich waren in den letzten Stunden damit beschäftigt gewesen, uns Gedanken zu machen, denn viel mehr hatten wir nicht tun können. Das war einfach so, und wir mussten es akzeptieren. Manchmal kommt man eben an einen Punkt, wo die Wartestellung gefordert ist.

Uns ging es um eine junge Frau, von der wir nur den Namen kannten, aber nicht wussten, wie sie aussah. Sie hieß Vanessa, und wir hatten erfahren, dass sie eine Musikerin war. Sie spielte Geige, und sie gehörte zu den Schwarzen. Obwohl sie so hießen, hatte das nichts mit der Hautfarbe zu tun. Bei ihnen ging es einfach um die Kleidung, die das dokumentierte, was sie auch vertraten. Melancholie, Trauer, gewisse Sehnsüchte nach Gräbern, das Hobby der Vergänglichkeit. Sie hörten dazu eine entsprechende Musik, und Vanessa bediente sie.

In diesem Gruftie-Lokal trat sie auf. Es war ihre Bühne. Oder ihr zweites Zuhause. Hier wollten wir sie treffen, um mit ihr über einen Vampirfall zu sprechen, der uns Sorgen bereitete. Es ging nicht mal um echte Vampire, zumindest für uns nicht. Wir wollten nur das Geschwisterpaar Mike und Mona stoppen, das dem Zugriff unserer Kollegen entkommen war.1

Eigentlich waren wir noch zu früh. Es gab kein Gedränge vor der schwarzen Eingangstür, und nur hin und wieder schoben sich Gäste mit sehr bedachten Bewegungen an uns vorbei. Sie alle gingen so, als wären sie auf dem Weg zu einer Beerdigung und nicht in die Disco oder wie auch immer.

Jedes Mal, wenn die Tür nach einem kurzen Kontrollblick von innen her geöffnet wurde, um einen Gast einzulassen, klangen uns die Fetzen der Musik entgegen, die gar nicht mal unangenehm war, jedoch auch keinen Optimismus verbreitete.

Suko stieß mich an. „Sollen wir? Ich möchte nämlich nicht hier festwachsen.“

„Okay.“

Wir warteten ab, bis neue Gäste kamen. Es waren zwei junge Frauen, natürlich dunkel gekleidet, die Hand in Hand auf die Tür zuschritten. Ihre Gesichter waren sehr blass geschminkt. Dafür fielen die dunkel umrandeten Lippen auf. Diese Farbe hatten wir schon bei zahlreichen weiblichen Gästen gesehen.

Sie mussten weder klopfen noch klingeln. Die Kontrollperson hinter der Tür schien die Ankömmlinge gesehen zu haben, denn es wurde geöffnet. Das war auch unsere Chance. Bevor die Tür wieder geschlossen werden konnte, standen wir schon dicht vor der Schwelle und gingen einen Schritt nach vorn, sodass sich der Türsteher erschreckte. Er stand plötzlich zwei Gästen gegenüber, die vom Outfit her nicht in das Stigmata hineinpassten.

Ich musste mir das Schmunzeln verbeißen, als ich ihn näher anschaute. Er trug einen schwarzen Anzug und auf dem Kopf einen ebenfalls schwarzen Zylinder. Auf der Oberlippe wuchs ein Bartschatten. Die Unterlippe war mit zwei silbernen kleinen Ringen gepearct worden.

„Äh …“

„Keine Sorge“, sagte Suko und ließ ihn gar nicht erst länger reden. „Wir haben uns nicht verlaufen.“

„Aber das ist …“

„Keine Sorge, wir sind hier richtig. Hier gibt es doch etwas zu trinken – oder nicht?“

„Doch, schon, aber …“

„Kein Aber, junger Freund. Wir haben Durst und …“

„Das ist ein Klub.“ Er versuchte es mit einem letzten Protest.

Bei Suko erntete er nur ein müdes Lächeln. „Wir lieben Klubs. Und keine Sorge, wir haben unsere Eichenpfähle zu Hause gelassen. Wir werden niemanden pfählen.“

Der junge Mann war überfordert. Wir ließen ihn stehen und schoben uns durch den Vorraum in Richtung Disco, die wahrscheinlich nur aus einem großen Raum bestand.

Uns empfing auch Musik. Allerdings nicht die einer Geige und nicht live gespielt, sondern vom Band her und aus Lautsprechern klingend. Es waren die Melodien, die perfekt passten und die wir schon bis auf die Straße gehört hatten. Traurig und klagend, aber nicht einmal schlecht, denn oft genug umschmeichelten auch die Klänge einer Harfe unsere Ohren.

Als hätte eine Riesenspinne ihre Fäden von oben nach unten geschossen und dann hängen lassen, so sahen wir die dünnen Streifen vor uns. Es täuschte, denn wir hatten es nicht mit klebrigen Spinnfäden zu tun, sondern mit hauchdünnen Seilen, die über das Gesicht streichelten und auf unserer Kleidung nicht mehr zu spüren waren.

Der erste Rundblick!

Es war von Vorteil, dass sich unsere Augen bereits an die Lichtverhältnisse gewöhnt hatten, sonst hätten wir nicht viel erkennen können. Das Zentrum bildete eine Tanzfläche, die auch benutzt wurde, denn wir sahen zwei Frauen, die sich zu den Klängen der Musik bewegten. Es waren die beiden, die wir Hand in Hand ankommen gesehen hatten. Sie tanzten so selbstvergessen, dass sie ihre Umwelt gar nicht mehr wahrnahmen. Zudem hatten sie das Glück, dass ihnen die Tanzfläche allein gehörte.

Ich schaute gegen die Decke. Dort gaben nur wenige Lampen ihre Lichter ab. Und wenn, dann waren die Strahlen so gefiltert, dass sie als graue Schleier nach unten fielen und sich auf dem Boden der Tanzfläche verteilten.

Auf den Tischen rund um die Tanzfläche herum standen ebenfalls kleine Lichter. Die Birnen verbargen sich dazu in künstlichen Totenschädeln, die verschieden lackiert waren. Bei nur wenigen drang der Schein aus den Mäulern und Augenhöhlen.

Es gab auch etwas, das uns mehr interessierte. Wer nicht an den Tischen sitzen wollte, der suchte sich einen Platz an der Theke aus, die rund war und aussah wie ein riesiger, nach oben offener Totenschädel. Wer bestellte, dem wurde das Getränk auf der breiten Oberseite serviert. Da noch nicht viel Betrieb herrschte, war der Platz hinter der ungewöhnlichen Theke nur von einer Person besetzt.

Beim Näherkommen sahen wir den Gruftie-Keeper besser. Es war der Bleiche, und das lag an seinen Haaren, die er zu langen Locken gedreht hatte, sodass sie wie Korkenzieher an den Seiten des Kopfes herabhingen. Bei zu schnellen Bewegungen wippten sie auf und ab.

„Sieht ja stark aus, der Knabe“, murmelte Suko. Er hatte den jungen Mann bereits ins Visier genommen. Die Hocker konnten wir uns aussuchen. Sie hätten eigentlich aus künstlichen Knochen sein müssen, um perfekt zu passen. Das waren sie nicht. Man hatte einen Teil der Normalität gelassen und schlichte Kneipenhocker genommen. Allerdings waren sie mit weichem Sand gepolstert.

Wir ließen uns darauf nieder. Und zwar an einer Stelle, von der aus wir den größten Teil des Lokals überblicken konnten. Dabei sahen wir auch ein kleines Podium, zu dem zwei Stufen hoch führten.

Der Bleichhaarige musste ein paar Mal schlucken, bevor er sich traute, in unsere Nähe zu kommen.

Er hätte sicherlich nach unseren Wünschen gefragt. Ich war jedoch schneller und sagte: „Wir möchten weder Höllenwasser noch Spinnenspucke bestellen, sondern einfach nur zwei Wasser. Gibt es das bei euch?“

Der Bleiche nickte. Seine Haut war gepudert und mit einem silbrigen Glimmer versehen.

„Dann zwei Flaschen.“

„Ja, sofort.“ Er ging zurück und tauchte weg, während wir uns umschauten. Dass wir ihm nicht geheuer waren, störte ihn wohl, uns allerdings nicht.

Es herrschte noch eine relativ gute Luft. Von irgendwoher wurde die Kühle hineingeblasen, und sie strich laut an uns vorbei. Man musste ihr eine Chemikalie hinzugefügt haben, denn die Luft brachte den Geruch nach einem alten und feuchten Friedhof und nach lehmiger Erde mit. Nicht eben eine Wohltat. Allerdings hätten wir es auch schlechter treffen können.

„Jetzt fehlt uns nur noch Vanessa“, sagte Suko, nachdem die beiden Flaschen vor uns standen.

„Wir werden unseren Freund fragen.“

„Hast du das Podium gesehen?“

Ich verzichtete auf das Glas und trank direkt aus der Flasche. Dabei nickte ich.

„Eignet sich ideal für einen Soloauftritt. Und Solisten sind Geigerinnen ja wohl.“

„Sehe ich auch so.“

Unser „Freund“ hielt sich von uns recht weit entfernt. Er mixte irgendwelche Drinks, die hier wohl besonders beliebt waren und stellte die Gläser in ein Bett aus Crash-Eis.

Obwohl wir nichts taten, waren wir ihm als Gäste nicht geheuer. Ab und zu gönnte er uns einen scheuen Blick und sah dann mein Winken. Er deutete mit dem Finger gegen seine Brust und sah mein Nicken.

Dann kam er.

Er ging sehr schleichend und mit leicht weichen Knien.

„Was ist denn?“, fragte er mit einer dünnen, etwas zu hohen Stimme.

„Wie heißt du?“, fragte ich.

„Wieso?“

„Ich bin John. Das ist Suko. Und jetzt würden wir gerne deinen Namen wissen.“

Ich hoffte, dass ich so eine kleine Plattform des Vertrauens aufgebaut hatte.

„Guido.“

„Das ist doch schon was.“

Aus dem Hintergrund hörten wir eine Frauenstimme. „He, Guido, ich mache jetzt mit hier an der Theke.“

„Ja, schon gut.“

Es kam uns sehr gelegen. So konnten wir uns mit dem Bleichen besser unterhalten.

„Es wird keine großen Probleme geben, auch wenn wir anders aussehen als die übrigen Gäste. Uns geht es zunächst mal um Vanessa.“

Guido starrte uns an. „Seid ihr Bullen?“

„Dann hätten wir vier Beine“, antwortete ich. Auch wenn das schon abgeschmackt klang, es erzielte noch immer seine Wirkung, denn Guido fragte nicht weiter.

„Kennst du sie?“

„Klar.“

„Und wann kommt sie?“

Der junge Keeper schaute auf seine Uhr, die unter dem dünnen Glas seltsamerweise eine Mickey-Mouse-Figur zeigte. „Ist noch zu früh, aber sie wird kommen und spielen.“

„Jeden Abend?“

„So gut wie.“

Ich lächelte. „Und wann ungefähr können wir damit rechnen?“

„Weiß ich nicht. Sie legt sich nie fest. Vanessa macht das freiwillig. Wie Woody Allen in New York.“

„Hört sich ja nicht schlecht an. Dann werden wir auf sie warten.“ Ich schob noch eine andere Frage nach. „Ist das alles, was hier so abläuft?“

Guido wusste nicht, was er so recht antworten sollte. „Was sollte sonst sein?“

Ich zuckte mit den Schultern. „Nun ja, ein normaler Pub ist euer Schuppen ja nicht.“

„Aber hier sind wir unter uns. Die Leute werfen ihre normale Haut ab, die sie tagsüber tragen müssen, und gehen ihrem Hobby nach. Andere laufen in die Fitness-Studios und …“

„Ja, ja, das weiß ich, aber wir trauen dem Braten nicht so recht. Gibt es hier nicht auch Vampire?“

„Klar.“

„Und weiter?“

Guido grinste etwas schief. „Nun ja, viele lieben die Untoten. Sie sind düster und erotisch zugleich. Das mögen sie. Man verkleidet sich eben als Blutsauger.“

„Mehr nicht?“, fragte Suko.

„Nein, wieso?“

„Was ist mit Mike und Mona?“

Mit dieser Frage hatte er eine offene Wunde erwischt. Guido war zunächst nicht in der Lage, eine Antwort zu geben. Er wich etwas zurück, und wir sahen seinem starren und zugleich überraschten Gesichtsausdruck an, dass er nach einer für ihn perfekten Antwort suchte, die möglichst nichts verriet.

„Du kennst sie!“

Er konnte Sukos Blick nicht ausweichen und nickte.

„Sehr gut.“

„Sie sind nicht hier.“

„Das haben wir schon gesehen. Werden sie denn noch kommen? Das Stigmata ist doch ihr Lokal – oder nicht?“

„Schon. Aber ich weiß nicht …“

„Du kennst sie gut?“

Guido senkte den Blick.

„Auch sie mögen Vampire“, sagte Suko. „Sie sehnen sich danach, welche zu sein. Stimmt es?“

Der Keeper fühlte sich von Suko in die Enge gedrängt. Er wusste nicht, was er erwidern sollte. Alle hielten hier zusammen, und keiner wollte den anderen reinreißen.

„Was sie getan haben, ist kein Spaß mehr, Guido“, flüsterte ich. „Und das weißt du bestimmt. Sie haben mit ihren Stahlgebissen Menschen angefallen. So harmlos ist euer Schuppen hier nicht, denken wir uns.“

„Damit habe ich nichts zu tun.“

„Aber du weißt davon?“

„Sie sind eben anders.“

„Doch keine Vampire?“

„Nein, John“, sagte er zu mir. „Das sind sie nicht. Aber sie sind nahe dran. Sie wünschen es sich. Es gibt eben unterschiedliche Typen bei den Menschen. Auch bei uns.“

„Und bei wem haben Sie es hier schon versucht?“, fragte Suko. „Bei dir auch?“

Guido wurde nervös. Das deutete auch seine Handbewegung an, mit der er über seinen Hals strich.

„Also schon.“

Guido gab uns eine seltsame Antwort, die er auch flüsterte. „Sie sind die Prinzen.“

„Bitte was?“

„Ja, die Prinzen. Wir nennen sie so. Es sind ihre Spitznamen. Obwohl Mona eine Frau ist. Sie leben eben anders.“

„Wo denn?“, fragte Suko.

„Das weiß ich nicht. Ich weiß nicht, wo sie wohnen. Sie sind auch nicht jeden Abend hier. Ob sie heute noch kommen, das kann ich auch nicht sagen.“

„Aber ihr habt nichts dagegen, dass sie Menschen anfallen und ihnen Wunden zufügen.“

„Einige wollen es so.“

„Tatsächlich?“

„Ich weiß nicht viel.“

Guido log. Er konnte uns vermutlich mehr über die Geschwister sagen, doch die Angst vor dem Paar steckte zu tief in seinen Knochen.

„Dann haben sie hier also das Sagen!“, stellte ich fest.

Der Keeper überlegte. „So genau weiß ich das nicht. Sie sind schon mächtig.“

„Und wem gehört das Stigmata?“, wollte ich wissen.

„Dem Sir!“

Die Antwort hatte uns die nächste Überraschung gebracht. Das war wirklich ein Hammer. Bei unseren Recherchen waren wir nicht auf diesen Namen gestoßen. Als Besitzer war ein gewisser Cecil Banks eingetragen, und das sagte ich auch.

Guido konnte sogar lächeln. Er tat es vorsichtig, damit sein Make-up nicht abbröckelte. „Es ist nicht sein richtiger Name. Aber er wird von uns nur Sir genannt.“

„Heißt er Cecil Banks?“

„Ja.“

„Da sind wir doch schon weiter. Ist er an den langen Abenden und Nächten auch hier?“

„Er kommt öfter und schaut sich um. Die Gäste huldigen ihm. Sie mögen ihn alle.“

„Und warum heißt er Sir?“, wollte Suko wissen.

„Weil er … weil er … eine so stattliche und elegante Erscheinung ist. Er sieht aus wie jemand aus der Vergangenheit. Und er ist ein echter Gentleman.“

„Das sieht man selten in der heutigen Zeit.“ Suko fragte weiter. „Wohnt er weit von hier?“

Guido gab zunächst keine Antwort. Er wirkte so wie jemand, den die Frage verwundert hatte.

„Kennst du die Adresse?“

Erst jetzt brach Guido sein Schweigen. Er hob dabei den rechten Zeigefinger der dunklen Decke entgegen. „Oben hat er seine Wohnung. Es ist der gesamte erste Stock. So kann er schnell kommen und gehen, wann immer er will. Er braucht nicht erst weit zu fahren.“

Ich verzog meine Lippen zu einem Lächeln. „Das ist eine sehr gute Nachricht. Dann brauchen wir nicht weit zu gehen, wenn wir ihn sprechen wollen.“

Guido hatte Bedenken. „Man muss sich erst anmelden. Er lässt nicht jeden in seine Wohnung.“