John Sinclair 1317 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair 1317 E-Book

Jason Dark

0,0
1,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.
Mehr erfahren.
Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!

Horror-Puppen.

Horror-Puppen machten Sheila, Bill und mir das Leben schwer. Nette, niedliche Puppen, die plötzlich auf eine rätselhafte Art und Weise zum Leben erwachten. Die Puppen waren nicht harmlos, denn sie trugen eine gewisse Botschaft weiter, die ihnen von einer Frau mit auf den Weg gegeben worden war. Zu lange hatte diese Person in der Vergangenheit leiden müssen. Bis ihr die Flucht aus einem goldenen Käfig gelang und sie endlich zur Abrechnung schreiten konnte ...

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 146

Veröffentlichungsjahr: 2015

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumHorror-PuppenVorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Horror-Puppen

Horror-Puppen machten Sheila, Bill und mir das Leben schwer. Nette, niedliche Puppen, die plötzlich auf eine rätselhafte Art und Weise zum Leben erwachten. Die Puppen waren nicht harmlos, denn sie trugen eine gewisse Botschaft weiter, die ihnen von einer Frau mit auf den Weg gegeben worden war. Zu lange hatte diese Person in der Vergangenheit leiden müssen. Bis ihr die Flucht aus einem goldenen Käfig gelang und sie endlich zur Abrechnung schreiten konnte …

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-4063-8

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Horror-Puppen

Warum denke ich in der letzten Zeit so oft an den Tod?, dachte Korbinius Rifkin, kurz Kor genannt. Und eigentlich immer dann, wenn er an das alte Haus dachte, das zum Verkauf stand und für den Makler so etwas wie ein Prestigeobjekt war.

Jetzt schien ein Käufer angebissen zu haben, und prompt musste Kor wieder an den Tod denken.

Der „Tod“ spazierte weiterhin durch seinen Kopf. Er ließ sich einfach nicht vertreiben.

Rifkin riss sich zusammen. Den leichten Sommermantel hatte er im Wagen liegen gelassen. Er trug nur seinen grauen Anzug, als er auf das Haus zuging, einen etwas verwilderten Vorgarten durchquerte und die Treppe ansteuerte, die ihn hoch zur Tür des alten Hauses brachte. Ein Prunkstück aus viktorianischer Zeit, wirklich noch gut erhalten.

Die Sonne hatte sich am Himmel mal wieder vorgetraut und ihr Versteck hinter den Wolken verlassen. So schickte sie ihre Strahlen über das Land, auch London entging ihnen nicht und ebenfalls nicht dieses Haus, dessen große Fensterscheiben das Licht auffing. Das Glas war nicht mal besonders verschmutzt. Die Scheiben gaben helle Reflexe zurück. Sie standen da wie Spiegel, und kein hoher Baum störte dabei den Einfall des hellen Lichts.

Spätfrühling oder Frühsommer. Eigentlich eine wunderbare Zeit im Jahr, aber keine, um an den Tod zu denken. Trotzdem wollten Rifkin diese Gedanken nicht aus dem Kopf, als er die Stufen nahm und sich der stabilen Haustür näherte.

Er blieb davor stehen. Das Holz war an der Außenseite leicht verwittert. Es hätte einen neuen Anstrich gut vertragen, den es auch sicherlich bekommen würde, wenn das Haus mal verkauft war.

Der Schlüssel steckte in der Jacketttasche des Maklers. Eigentlich hätte er das Haus allein nicht mehr zu betreten brauchen. Er kannte es. Er wollte es dem Käufer präsentieren. Aber er war ein sehr sorgfältiger Mensch, der auf Nummer Sicher ging. Der Rundgang war schon nötig. Er musste noch mal nachschauen, ob auch wirklich alles in Ordnung war und alles an seinem Platz stand.

Es gab da noch einen Teil der Möbel. Auch alt, schon antik und noch gut in Schuss. Er hatte dem Käufer davon berichtet und so überzeugend gesprochen, dass der Mann mit dem Gedanken spielte, das Mobiliar zu übernehmen. Das wäre natürlich perfekt gewesen. Auch deshalb wollte der Makler das Haus noch betreten, einfach um sich die Möbel anzuschauen. Es wäre nicht gut, wenn der Kunde Fehler vor ihm entdeckte.

Er schloss auf.

Die stabile Tür ließ sich nur schwer nach innen drücken. Da musste er schon eine gewisse Kraft aufwenden. Mit der Schulter schaffte er es. Dabei dachte er daran, dass an der Tür auch noch etwas getan werden musste. Nur war das nicht mehr sein Problem.

Das Haus nahm ihn auf.

Er blieb stehen und wartete, dass die Tür hinter ihm zufiel. Dieses typische Geräusch war ihm nicht fremd, doch was dann folgte, das hinterließ bei Rifkin schon ein leichtes Unbehagen.

Durch seinen Beruf kannte er zahlreiche Häuser. Ob neu, alt, renoviert oder leicht verkommen, aber dieses Haus hier war einfach anders. Da überkam ihn stets der Eindruck, von ihm geschluckt zu werden. Normalerweise war es umgekehrt. Dann fühlte sich Kor als Chef des Objekts, hier aber hatte das Haus das Sagen.

Er konnte es nicht erklären. Es war einfach so. Und weil diese Tatsache blieb, verließ ihn auch der Gedanke an den Tod nicht. Der war immer präsent.

Im breiten Flur blieb er stehen und schaute auf die grüngelben Steinfliesen mit den schwarzen Einschlüssen, die aussahen wie dünne Fäden. Er sah das Licht durch die Fenster fallen und schaute zu, wie es sich auf dem Boden verteilte. Helle Flecken. Vorhänge, die wanderten, wenn die Sonne ihren Weg nahm.

Im direkten Kontrast dazu stand die breite Holztreppe, die dunkelbraun gestrichen war. Der Besucher konnte von der Tür aus auf dem direkten Weg hingehen, um die oberen Etagen zu erreichen. Es gab zwei davon. In der Ersten waren die Zimmer noch normal hoch, in der zweiten hatten sie leicht schräge Wände.

Wenn er nach links schaute, sah er den Durchgang zum Salon. Er befand sich an der Seite des Hauses. Durch die großen Fenster flutete ebenfalls das Licht der Maisonne und verteilte sich auf den alten hohen Sesseln, die teils mit Leder und teils mit dickem Stoff bezogen waren. Zwei kleine Tische mit Platten aus dünnem Marmor waren ebenfalls zurückgelassen worden. Sie passten dazu.

Mit kleinen Schritten ging er weiter. Rifkin wunderte sich über sein Verhalten. Er ging normalerweise nicht so leise. Wenn er Objekte betrat, die zum Verkauf standen, dann gehörte er zu den forschen Menschen, denn das sichere Auftreten gehörte zu seinem Job.

Nur hier nicht …

Wieder huschte die Gänsehaut über seinen Rücken. Es lag nicht am Haus, nur an seinen Gedanken, aus denen der Tod nicht verschwinden wollte. Dabei dachte er nicht unbedingt an einen menschlichen Mörder, der hier auf ihn lauern konnte. Der Tod musste in einem Zusammenhang mit dem Haus gesehen werden.

Quatsch! Unsinn! Er schüttelte über sich selbst den Kopf und zwang sich dazu, sich zusammenzureißen. Das Haus war normal. Es würde ihm eine gute Provision bringen. Was sollte er sich da noch große Gedanken machen?

Nur war es nicht so einfach, und als er seinen rechten Fuß auf die erste Treppenstufe setzte, atmete er zunächst tief durch. Er spürte die Kälte auf seinem Rücken, und als er den Kopf hob, da war das Ende der Treppe nicht mehr so deutlich zu sehen. Das Licht reichte nicht bis dort oben hin. Die Stufen waren von Schatten umfangen.

Rifkin ging trotzdem weiter. Es wäre lächerlich gewesen, das Haus wieder zu verlassen. Und so blieb er auf der Treppenmitte und trat besonders hart auf, als wollte er sich selbst durch diese lauten Schritte Mut machen.

Es klappte auch.

Nur erreichte der Makler das Ende der Treppe nicht, denn überraschend schnell blieb er stehen.

Vor ihm saß jemand!

Auf der vorletzten Stufe sah er die Gestalt. Klein, sogar noch kleiner als ein Kind. Ein Baby vielleicht, das sitzen konnte. Da schossen die verschiedensten Vermutungen durch seinen Kopf. Er dachte auch daran, dass er diesen Sitzenden bei seinen vorherigen Besuchen noch nicht gesehen hatte.

Jemand musste in das Haus eingedrungen sein und diese Person, was immer sie auch sein mochte, dorthin gesetzt haben.

Der Makler beruhigte seinen Atem, bevor er sich wieder in Bewegung setzte. Er stieg auf die nächste Stufe und auf die übernächste, um sich dann zu bücken.

Jetzt sah er den Sitzenden besser – und lachte auf!

Das war kein Kind, das auf der Treppe sitzend eingeschlafen war, sondern eine Puppe. Er konnte nicht erkennen, ob Junge oder Mädchen. Die Puppe war nackt. Eine Babypuppe, wie Kinder sie liebten. Davor brauchte er sich wirklich nicht zu fürchten.

Er nahm sie in die rechte Hand und lief den Rest der Stufen auch noch hoch. Im Flur in der ersten Etage blieb er stehen. Da es zu dunkel war, schaltete er das Licht ein. Auch hier waren die Decken höher als in den normalen Häusern. Die Lampe glich schon einem Lüster, dessen geschliffenes Glas das Licht reflektierte und zurückwarf.

Für einen kurzen Moment schaute Rifkin in die Höhe.

Er erschrak. Neben seinem rechten Fuß vernahm er einen dumpfen Klang. Die Puppe war ihm aus der Hand geruscht und auf dem Boden aufgeschlagen. Zu stark hatte ihn der Schreck getroffen.

Er sah nicht nur den Lüster. Er sah noch mehr. Der Lüster diente als Gestell. Von ihm herab hing eine Puppe, um deren Hals sich eine Henkersschlinge wand …

*

Der Makler wusste, dass er sich nicht getäuscht hatte, doch glauben konnte er es nicht.

Regungslos stand er vor dem Lüster, den Kopf nach hinten gelegt und schaute nur auf die Puppe. Das Licht interessierte ihn nicht. Er sah das Spielzeug, dessen Kopf tatsächlich in der Schlinge hing.

Wer tat so etwas?

Eine Antwort darauf fand Rifkin nicht. Das war einfach zu abstrakt. Trotzdem entsprach es den Tatsachen. Jemand hatte die Puppe regelrecht aufgehängt, und wenn er den Arm anhob, würde es ihm gelingen, die Füße anzufassen, über die kleine Socken gezogen worden waren.

Bekleidet war die Puppe mit einem blauen Kleid, dessen Rock wie eine Glocke schwang. Auf dem Rock verteilten sich noch viele rötliche Rüschenbänder, und die gleiche Farbe wiederholte sich im breiten Kragen.

Ein rundes Gesicht mit rötlichen lockigen Haaren. Ein kleiner Mund, eine Stupsnase und dann die Augen. Auch rund und weit aufgerissen. Das war es nicht, was ihn noch mehr durcheinanderbrachte. Er begriff den Inhalt der Augen nicht, denn der präsentierte sich in einem hellen Rot. wenn frisches Blut aus einer Wunde spritzte, sah es so aus. Dass diese Augen mit Blut gefüllt sein könnten, war für ihn nicht vorstellbar.

Kor Rifkin hörte sich schnaufend atmen. Und er musste auch gegen den leichten Schwindel ankämpfen, der ihn überfallen hatte. Gleichzeitig verselbstständigten sich seine Gedanken wieder, und er dachte erneut an den Tod. Waren die beiden Puppen der Beweis dafür? Sollten sie ihm den Tod auf eine plastische Art und Weise näher bringen?

Er konnte sich die Antwort selbst nicht geben. Rifkin war überrascht und auch entsetzt. Er hatte sich immer für einen harten Geschäftsmann gehalten, das stimmte nicht mehr, denn er fühlte sich jetzt wie in einer Zwangsjacke.

Und wie unter Zwang hob er den rechten Arm, um die aufgehängte Puppe zu berühren.

Das schaffte er auch und hatte den Eindruck, als würde sich die Haut an den Beinen warm anfühlen.

Er ließ sie wieder los.

Was tun?

Der Käufer würde sich das Haus noch einmal genau ansehen. Es war unmöglich, ihn hierher zu führen, wenn die Puppe dort hing. So etwas durfte es nicht geben. Der Mann würde seinen Makler für verrückt erklären und berechtigterweise Fragen stellen, die Rifkin nicht beantworten konnte. Es gab also nur eins, was er tun konnte. Er musste die Puppe aus der Schlinge nehmen und beides entfernen.

Leider hing sie zu hoch, und eine Leiter stand nicht griffbereit in der Nähe.

Der Makler wusste sich schon zu helfen. Er öffnete die ihm am nächsten gelegene Tür und verhielt sich jetzt sehr vorsichtig, denn aus Schaden war er klug geworden.

Der Blick in das Zimmer mit dem großen Fenster beruhigte ihn, denn es war puppenleer. Dafür sah er einen Gegenstand, den er gebrauchen konnte. An der Wand neben dem Fenster stand eine schmale Holzbank, wie man sie aus Biergärten her kennt. Nur besaß sie noch ein Polster. Sogar Goldfäden schimmerten in dem dunkelroten Stoff.

Er trug die Bank in den Flur und stellte sie so hin, dass er die Puppe bequem erreichen konnte.

Der Makler spürte seine Nervosität. So etwas hatte er noch nie getan. Auch wenn es nur eine Puppe war, er konnte sich dabei sogar vorstellen, dass er einen Gehängten aus der Schlinge entfernte. Ein Gefühl des leichten Horrors strich über seinen Körper hinweg.

Kor stand auf der Bank und streckte die Arme aus. Er verfolgte seine zittrigen Hände mit den Blicken, fasste die Puppe in den Achselhöhlen an und versuchte, sie durch ein Anheben aus der verdammten Schlinge zu befreien.

Es war nicht möglich!

Die Schlinge saß einfach zu fest. Er war gezwungen, sie erst mal zu lockern.

Das klappte auch nicht so leicht. Jemand hatte sie verdammt festgedreht. Einen Fingernagel riss Rifkin sich ein, dann erst erreichte er einen kleinen Erfolg.

Die Schlinge hatte sich etwas gelockert. Eine Pause legte er nicht ein und machte weiter. Zupfen, zerren, aber nicht zu heftig, damit der Kronleuchter sich nicht aus der Verankerung unter der Decke löste.

Kor schaffte es. Er lachte sogar, als er die Puppe von ihrer Schlinge befreit hatte. Mit dem Handrücken wischte er über seine schweißnasse Stirn, stieg von der Bank und legte die Puppe darauf.

Jetzt sah er sie aus der Nähe. Durch sein heftiges Atmen pustete er sie an – und wäre fast zurückgesprungen, als er sah, was da passierte. Die Augen hatten sich bewegt. Ein kurzes Blinken oder Zwinkern. Auch der Mund hatte gezuckt. Alles war plötzlich anders geworden. Er steckte in einer Zwickmühle und konnte nicht begreifen, was hier vorging. Sein Herz schlug schneller. Er hörte sich selbst stöhnen, aber das war nicht alles, was er entdeckte, denn der große Horror erwischte ihn Sekunden später.

Unter dem Rocksaum glitt etwas hervor. Er sah einen dünnen Streifen. Leicht zittrig und wie durch einen Pinsel gezeichnet. Rot zudem. Und der Streifen bewegte sich. Er sickerte weiter nach unten, blieb aber auf dem Bein liegen.

Der Makler verstand die Welt nicht mehr.

Er riss den Rock hoch.

Wieder traf ihn der Schock, denn die zahlreichen Schnitte waren nicht zu übersehen. Klein, nicht nach einem geregelten Muster, sondern kreuz und quer.

Schnitte und Blut!

Das passte zusammen. Nur nicht bei Puppen, sondern bei Menschen. Doch er hatte hier keine Menschen vor sich, sondern leblose Gegenstände, Puppen eben.

Ein verdammter Irrtum. Eine Laune der Natur. Nichts stimmte mehr. Die Puppe war keine Puppe, sondern ein kleiner Mensch, der sogar bluten konnte.

Kor Rifkin verstand die Welt nicht mehr. Die normale war für ihn zusammengebrochen. Er, der Realist, musste sich eingestehen, dass er keine Erklärung für diese Vorgänge fand. Das brachte ihn durcheinander. So etwas durfte es einfach nicht geben.

Schnitte am gesamten Körper der Puppe. Er drehte sie mit hektischen Bewegungen auf den Bauch und versuchte dabei verzweifelt, eine Erklärung zu finden.

Es gab sie. Es gab sie bestimmt, aber nicht er fand sie. Sie lag woanders. Jenseits des menschlichen Begriffsvermögens. Es konnte allerdings auch sein, dass sich jemand einen Scherz erlaubt hatte. Einer, der ihm nicht wohlgesonnen war. Die Puppen nehmen, sie mit Blut füllen und dann aufhängen.

Ja, das war möglich. Jeder, der sie sah, würde von einem Schock erwischt werden. Das hatte er selbst erlebt.

Rifkin zwang sich zur Ruhe. Er schaffte es nur, wenn er sich entspannte. Er schaute auf seine Hände. An den Fingern klebte das Blut, aber er wischte es nicht ab. Er hatte einfach nicht den Nerv dazu. Dafür ging er zurück, spürte unter der Hacke einen leichten Widerstand – und hörte auch den Schrei.

Selbst schreiend fuhr der Makler auf der Stelle herum. Er schaute zu Boden und sah die Puppe, die er von unten her mit in die erste Etage gebracht hatte.

Er hatte sie getreten – ja. Aber hatte sie auch geschrien? Konnte sie das? War das möglich?

Kor Rifkin fühlte sich wie jemand, der am Abgrund stand und nicht mehr zurückkehren konnte. Was hier passierte, das überstieg sein Begriffsvermögen bei Weitem.

Er war selbstständig. Er war Unternehmer. Und als solcher musste er etwas unternehmen. Das hatte er auch vorgehabt. Beide Puppen nebst dem Seil mit aus dem Haus nehmen.

Doch jetzt war alles anders gekommen. Er fühlte sich nicht mehr stark genug, dies zu tun. Alles war auf den Kopf gestellt worden. Er erlebte Dinge wie in einem Märchen. Nur war es kein gutes mit einem beglückenden Ende. Kor sah es vielmehr als Horrormärchen an.

Für ihn war zunächst wichtig, dass er das Haus verließ. Er musste weg. Raus. Und es war ihm egal, ob die Puppen hier zwischen den Wänden blieben. Wenn er draußen war, würde er schon wieder zu sich selbst finden und klarer denken können.

Das Haus störte ihn. Es machte ihm Angst. Hier lebte oder existierte etwas, das er nicht begriff. Er würde mit Helfern zurückkehren und hier aufräumen. Weg mit den Puppen, weg mit dem verdammten Seil.

Beide ließ er liegen. Seine Flucht hatte jetzt Vorrang. Wieder drehte er sich auf der Stelle und ging zur Treppe. Er blieb an der obersten Stufe stehen. Es war nicht mehr so düster hier oben. Das Licht des Kronleuchters erreichte auch den Beginn der Treppe, wo der Makler stand.

Er wollte gehen und hatte bereits ein Bein nach vorn geschoben, als er sah, was unten, am Ende der Treppe, passierte. In dem Bereich zwischen der letzten Stufe und der Tür.

Begonnen hatte es im Salon.

Von dort waren sie gekommen.

Puppen!