John Sinclair 1322 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair 1322 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!

Das Grauen von St. Severin.

Ich hatte den Mörder-Mönch von Keitum bereits vernichtet - zumindest dachte ich das.

Aber jetzt kehrte er zurück, und mit ihm die mächtige Kraft des Spuks. Plötzlich schwebten die gleichen Menschen in Gefahr, die damals überlebt hatten.

Als ich davon erfuhr, hielt mich nichts mehr in London. Ich fuhr auf die Insel. Dort erwartete mich das Grauen von St. Severin.

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Seitenzahl: 144

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumDas Grauen von St. SeverinNachwortVorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Das Grauen von St. Severin

Ich hatte den Mörder-Mönch von Keitum bereits vernichtet – zumindest dachte ich das.

Aber jetzt kehrte er zurück, und mit ihm die mächtige Kraft des Spuks. Plötzlich schwebten die gleichen Menschen in Gefahr, die damals überlebt hatten.

Als ich davon erfuhr, hielt mich nichts mehr in London. Ich fuhr auf die Insel. Dort erwartete mich das Grauen von St. Severin.

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-4068-3

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Das Grauen von St. Severin

Der Mörder-Mönch ist tot! Ich weiß, dass er tot ist. Und ich glaube fest daran!

Immer wieder hämmerte sich der Hotelier Claas Claasen das ein und musste sich zugleich eingestehen, dass er daran nicht so recht glauben konnte.

Er war wieder da. Es gab diesen Unhold. Es gab ihn sogar auf der Insel Sylt. Und hier in Keitum. Und das, obwohl er damals vernichtet worden war …

Man hatte ihn an einer anderen Stelle aufgestellt. Klammheimlich und bei Nacht und Nebel hatte er einen entsprechenden Platz an der Kirche St. Severin bekommen, als wollte er dort all die Toten bewachen, die in der Erde des nahen Friedhofs lagen.

Bisher hatte sich Claas Claasen geweigert, hoch zur Kirche zu gehen, um sich den Mönch anzuschauen. Er war zu oft auf ihn angesprochen worden. Er wollte nicht mehr.

Die innere Unruhe war stärker. Sie hatte ihn letztendlich aus dem Haus getrieben, was seiner Frau Anja überhaupt nicht gepasst hatte. Auf der Türschwelle noch hatte sie ihn festgehalten und ihn gewarnt.

„Denk daran, Claas, was alles passiert ist und denk bitte auch an deine Familie.“

Er hatte es versprochen und war dann gegangen. Er hatte zudem noch mit dem Gedanken gespielt mit Silke von Weser zu sprechen, die auf der Insel und besonders in Keitum so etwas wie eine Heimatforscherin, Fremdenführerin und Buchautorin war, doch das hatte er gelassen. Er musste Manns genug sein, um dies allein durchzuziehen. Es kam eben nur auf die innere Einstellung an.

So setzte er sich in seinen Mercedes und fuhr vom Parkplatz in den Ort hinein, wo er nach links abbog und nur Sekunden später die Kreuzung erreichte, an der er rechts abiegen musste, auf eine Straße, die in Richtung Kampen führte und die praktisch die Kirche und den Keitumer Friedhof tangierte.

Es war nicht Tag, es war nicht Nacht. Allerdings hatte sich die Sonne schon zurückgezogen. Über den Himmel zogen erste graue Schatten. Im Westen über der freien See glühte der Himmel, als wären Engel dabei, einen Feuerofen hinter sich herzuziehen.

An diesem Abend war alles anders. Da wollte sich Claas Claasen endlich die Bestätigung holen. Auf seiner hohen Stirn hatte sich Schweiß gesammelt, den er nicht wegwischte, denn er würde sowieso wiederkommen. Er fuhr langsam, was gar nicht seine Art war, aber Claasen brauchte auch nicht lange im Wagen zu sitzen, denn der Turm der Kirche rückte immer näher.

Sylt im Sommer. Das bedeutete auch Hochbetrieb, obwohl die ganz große Zeit noch nicht angebrochen war. Die großen Ferien in den Bundesländern begannen erst später, aber das tolle Wetter hatte bereits zahlreiche Gäste über den Hindenburgdamm hinweg auf die Insel gespült, die jetzt, am Abend, durchatmen konnte. Da saßen die meisten in den Lokalen, um Abend zu essen. Sie hockten auch in den Gärten zusammen, freuten sich über die leichte Kühle, über einen glatten Himmel und auch über die Wettervorhersage, die sehr gut klang.

An der Kirche gab es einen größeren Parkplatz. Der aber lag auf der anderen Seite des Gebäudes. Dort fuhr der Hotelier nicht hin. Auch an der Vorderseite konnte er seinen Wagen abstellen. Auf einem nicht geteerten Weg, der in das freie Feld hineinführte.

Claas stieg aus.

Ein kurzer Blick auf das Watt, das an dieser erhöhten Stelle gut zu sehen war. Darüber lag der Himmel wie eine breite Decke, die allmählich eingraute. Wer sie so sah, konnte den Eindruck bekommen, dass sie hinein in die Unendlichkeit führte.

Claasen schlug die Fahrertür zu. In der Stille war der Knall überlaut zu hören. Claas zuckte zusammen und fühlte sich wie ein Störenfried, der den nahen Toten auf dem Friedhof die Ruhe nahm.

Er hatte den Mönch noch nicht gesehen, doch er wusste, wo er hingehen musste. So machte er sich auf den Weg. Es war nicht so warm wie in den Städten. Ein kühler Abendwind strich über die Insel hinweg. Den spürte auch Claas. Er ließ den Stoff seines kurzärmeligen Hemdes flattern, aber er trocknete nicht den Schweiß auf seinem Gesicht. Einige Tropfen hatten sich auf die Gläser der Brille verirrt. Mit einem Taschentuch wischte er das Glas ab.

Claas Claasen hatte seinen Wagen nicht auf dem Kirchengelände abgestellt. Er musste ein paar Schritte gehen, um es zu erreichen und er merkte schon, dass ihm die Knie leicht zitterten, was an seiner inneren Aufgeregtheit lag.

Die Stille wurde von Motorengeräusch unterbrochen. Die beiden Porsche rasten in Richtung Kampen und benutzten die Fahrbahn als Rennstrecke. Der Wind fegte das Röhren weiter, sodass Claasen bald wieder von der typischen Stille eines abendlichen Friedhofs mit Kirche umfangen wurde.

Er musste ein Gebüsch passieren, sah vor sich eine freie Fläche, auf der grauer Staub und graue Steine lagen, richtete den Blick nach vorn und zugleich etwas nach rechts.

Da stand er!

Claasen schnappte für einen Moment nach Luft. In der Herzgegend spürte er einen leichten Stich.

Es stimmte!

Er schaute direkt auf den Mönch!

*

Die Wahrheit kann manchmal grausam sein. Daran musste der Hotelier denken, als er starr auf der Stelle stand. Okay, er hatte es schon vorher geglaubt, wenn die Menschen ihm davon erzählt hatten, doch diese Gestalt mit eigenen Augen zu sehen, das war schon etwas anderes. Da wallten wieder Erinnerungen hoch. Auch an einen Mann namens John Sinclair, der es letztendlich geschafft hatte, den verdammten Mörder-Mönch von Keitum zu vernichten.

Jetzt gab es ihn wieder!

Das war kein Irrtum. Keine Täuschung. Da machte er sich nichts vor und er sah tatsächlich so aus wie damals. Nichts hatte sich bei ihm groß verändert.

Claasen hörte sich selbst aufstöhnen. In seinem Kopf rotierten die Gedanken, Vermutungen und auch Halbwahrheiten. Er merkte selbst, dass er wieder zitterte, schaute sich um, als könnte er jemanden um Hilfe rufen, aber da war niemand. Um diese Zeit hielt er sich allein an der Kirche auf.

Das ist nicht der echte Mönch!, hämmerte er sich ein. Auf keinen Fall ist er das. Es gibt einen zweiten. Jemand hat ihn hergebracht. Einer, der den Fall noch mal aufrollen wollte. Die Figur hatte plötzlich an dieser Stelle gestanden. Niemand aus dem Ort war informiert worden, und es hatte sich auch keiner getraut, irgendwelche Fragen zu stellen. Zu tief saß noch die Erinnerung an das letzte Geschehen.

Warum nur?, fragte er mit seiner inneren Stimme. Warum ist diese verdammte Figur zurückgekehrt? Sie glich dem echten Mönch vom unteren Saum des Gewands bis hin zur Kapuze.

Und wieder ging etwas Unheimliches von der Figur aus. Sie stand zwar einfach da, aber wer dieses Kunstwerk sah, der sah sich gezwungen, einen Bogen um es zu schlagen. Er wollte auf keinen Fall in die Nähe gelangen. Oder erst nach dem zweiten Versuch.

Claas Claasen schlug keinen Bogen. Er ging auf die Figur zu. Eigentlich wollte er es nicht, doch da war die andere Kraft, die ihn wie am Haken hielt und immer näher an den Mönch heranzog. Er hörte seinen eigenen Herzschlag lauter als gewöhnlich. Über der gesamten Insel schien eine Glocke des Schweigens zu liegen, oder hielt die Stille nur den Friedhof und die Kirche umfangen?

Der Mönch rückte mit jedem Schritt näher und Claasen sah ihn immer deutlicher.

Er stand frei und trotzdem in einer gewissen Deckung oder einem Schutz. Wie ein armer Büßer hockte die Gestalt auf dem Rasen. Hinter ihm bauten Sträucher einen halbrunden Wall. Weiter rechts konnten die alten Grabsteine besichtigt werden. Vor hunderten von Jahren waren sie bereits in die Erde gestemmt worden. Auf ihnen standen die Namen der Seeleute, die auf dem Meer umgekommen waren. In der Regel die der Kapitäne, und auch die entsprechenden Abschiedsworte waren in den Stein gehämmert worden. So konnten die Besucher all das lesen, was die Vergangenheit für sie zurückgelassen hatte.

Claas hätte sich auch lieber für die Grabsteine interessiert, doch ihm blieb der sitzende Mönch, der auf ihn wartete. Er war für ihn wie ein Magnet, und Claas fühlte sich als Eisen.

Näher und näher kam er. Deutlich merkte er sein Unwohlsein, gegen das er vergeblich ankämpfte. Es fiel ihm schwer, gewisse Dinge zuzugeben, doch er musste sich eingestehen, dass der Mönch die Kontrolle über ihn bekommen hatte.

Claas Claasen war und blieb allein, bis er stoppte, als hätte er wieder einen Befehl bekommen.

Plötzlich überkam ihn eine große Ruhe. Die Welt um ihn herum verschwand. Alles rückte zusammen, sodass die Umgebung schließlich nur einen kleinen Ausschnitt bildete. Geprägt allein durch den Mörder-Mönch.

Der Künstler, der ihn geschaffen hatte, war ein Meister seines Fachs gewesen. Er bestand aus Stein, der allerdings eine Patina bekommen hatte. Die Farbe war nicht genau zu bestimmen. Man konnte sie als Grün und Blau bezeichnen, die bessere Beschreibung wäre Türkis gewesen. So wie manchmal das Meer schimmerte.

Der Mönch saß. Er hatte seine Arme ausgestreckt und war so angelegt worden, als lägen die Hände auf den Knien. Der Künstler hatte es geschafft, sogar die Falten seines Gewands so hinzubekommen, als wäre der Stoff tatsächlich echt. Eine Kapuze bedeckte den Kopf, den es in Wirklichkeit nicht gab, denn innen war die Figur hohl und finster.

Claasen schluckte. War sie das wirklich? Gab es nicht in dieser Figur etwas, das lebte?

Er hatte seine Zweifel. Auch wenn er nichts sah, als nur diese tiefe und tintige Schwärze, so konnte er den Gedanken nicht los werden, dass im Innern doch etwas steckte, das entfernt mit dem Begriff Leben umschrieben werden konnte.

Ja, das traf zu. Er hatte es erlebt. Aber es war ein unheiliges Leben gewesen. Würmer und anderes Getier hatten sich darin ausgebreitet. Von einer anderen Kraft war er gelenkt worden, und man hatte ihn nur mit einer magischen Waffe vernichten können. Durch Strahlen, die ein Kreuz entlassen hatte. Es befand sich im Besitz eines gewissen John Sinclair, der zurzeit nicht auf der Insel war, sondern in London, wo er für Scotland Yard arbeitete.

Claas Claasen wünschte ihn sich an seiner Seite, doch er konnte den Mann nicht herzaubern.

Dafür war der Mönch da.

Angeblich eine Gestalt, die schon Millionen von Jahren existiert hatte. Aber zur Hölle, die war vernichtet worden. Es gab sie nicht mehr, und trotzdem war sie wieder da. Claas erlebte das gleiche Gefühl wie beim ersten Mal, und das brachte ihn fast um den Verstand.

Er sah sich gezwungen, in den Mönch hineinzuschauen. Auch jetzt bot er einen unheimlichen Anblick. Diese Leere besaß etwas Besonderes, denn sie war nicht leer. Sie war schwer. Eine Schwärze, die der Hotelier auch nicht als normal ansah. Das war kein Nichts, das war etwas, das trotz der Schwärze in sich lebte.

Er wusste selbst, dass er mit dieser Beschreibung nicht eben ins Zentrum traf, nur fiel ihm nichts anderes ein. Er blieb praktisch bei diesem Vergleich hängen.

Das Gefühl für Zeit hatte er verloren. So wusste er nicht, wie lange er vor der Figur gestanden hatte, angefüllt mit Gedanken und Vermutungen und trotzdem leer im Kopf.

Eigentlich hätte er sich jetzt umdrehen müssen, um wegzulaufen. Das tat er nicht. Er blieb auf der Stelle stehen und bewegte sich ebenso wenig wie die Figur vor ihm. Je mehr Zeit verging, umso stärker drang in ihm ein Gedanke durch. Er fühlte so etwas wie eine Seelenverwandtschaft zwischen der Figur und sich.

Es war objektiv gesehen der reinste Unsinn, doch er kam nicht von dem Gedanken los.

Je länger Claasen vor dem Mönch stand und auf ihn schaute, desto stärker wurde das Gefühl, dass ihm etwas genommen wurde. Ihm war seine Umgebung egal. Es gab jetzt nur ihn und den Mönch – und natürlich die Schwärze in seinem Innern.

Bewegte sich dort etwas? Drang zugleich ein Flüstern an seine Ohren oder war es nur der Wind, der diese Geräusche verursachte, weil er mit den Blättern spielte?

Das Normale war unnormal geworden. Er interpretierte etwas hinein, was es eigentlich nicht gab.

Sollte ihn eine Botschaft erreichen? War der Mönch etwa in der Lage, ihm etwas zuzuflüstern?

Der Hotelier glaubte inzwischen alles. Sein rationales Denken war aufgeschaltet worden, und die Ströme, die von dem Mönch ausgingen, bekam er ebenfalls mit.

Sie drangen tief in ihn ein und malträtierten seine Seele. Er hatte immer größere Probleme, mit sich zurecht zu kommen. Sein Blick engte noch mehr zusammen und so war er nur in der Lage, den Mönch zu sehen.

Wieder schaute er hinein.

Die Schwärze war da. Sie zog sich nicht zurück. Sie blieb wie dicker Sirup innerhalb der Gestalt, aber etwas passierte in der Schwärze. Er sah es genau, und Claas wollte etwas sagen. Am liebsten hätte er geschrien, was nicht möglich war. Obwohl sein Mund bereits offen stand, war seine Kehle wie zugeschnürt.

Etwas war in der Schwärze entstanden, und das war keine Täuschung. Zwei rote, glühende Augen …

*

Auch jetzt war Claas Claasen nicht in der Lage, auch nur ein Wort zu sagen. Er sah die beiden Augen, die keine roten Kugeln waren. Sie hatten eine ovale Form und erinnerten somit an die Augen eines Menschen.

Er schaute sie an, sie starrten ihn an. Sie wichen um keinen Millimeter zur Seite. Es gab keine Bewegung in ihnen. Der Blick war starr und glühend rot. Er erwischte nicht nur das Gesicht des Hoteliers, sondern drang tiefer, als sollte er sich wie Säure tief in seine Seele hineinfressen. Der Hotelier war nicht mehr in der Lage, neutral darüber nachzudenken. Die Augen allein zogen ihn in ihren Bann. Zugleich überkam ihn der Eindruck, dass sie sich aus der Schwärze lösten und langsam auf ihn zuwanderten. Die Fantasie musste ihm einen Streich spielen, das lange Starren auf einen Punkt hatte dafür gesorgt, dass sich Dinge veränderten, und es war auch unmöglich, dass sich die Augen aus der Schwärze lösten und auf ihn zuwanderten.

Tatsächlich?

Claas Claasen stand frei vor der Gestalt, und trotzdem kam er sich vor wie in einem Gefängnis. Der eigene Wille war ausgeschaltet worden. Es gab nur die verfluchte Figur in ihrer künstlerischen Perfektion, doch mit einer innerlichen Grausamkeit gefüllt, die ihm Angst machte.

Dann waren sie da!

Oder nicht?

Schwebten sie nun zwischen der Figur und ihm oder …

Er war nicht mehr in der Lage, seine Gedanken weiterzuführen. Etwas hatte ihn erreicht, das wusste er. Aber er wusste auch, dass er dieses Etwas nicht erklären konnte. Es war der Bann des Unheimlichen, der sich über Claasen gelegt hatte.

Der Schlag erwischte ihn!

Nicht mit der Faust oder mit irgendeinem Gegenstand, es war mehr das Fallen einer inneren Klappe, die dafür sorgte, dass sich alles veränderte. Claas merkte, dass er wieder zu einem Menschen wurde. Sein wahres Ich stieg wie der Vogel Phönix aus der Asche der Alten und ihm bekannten Welt entgegen. Er konnte endlich wieder durchatmen. Zwar stand er noch immer vor der Gestalt, aber das war jetzt etwas anderes, denn er brachte es fertig, sie anzusehen wie ein ganz normaler Spaziergänger, den der Weg zur Kirche geführt hatte.

Er war wieder normal. Er atmete tief durch. Er drehte sein Gesicht gegen den Wind und nahm den abendlichen Geruch der Natur überdeutlich wahr.

Der Mönch war nicht vergessen, er stand ja noch vor ihm und er blickte ihn auch an. Nur wurde er jetzt von ihm nicht mehr beeinflusst. Claas sah ihn als eine neutrale Figur an oder als ein wirklich gelungenes Kunstwerk.

„Geschafft“, flüsterte der Hotelier vor sich hin. Er war den Weg gegangen und würde ihn auch wieder zurückgehen. Er würde sich in den Wagen setzen, zum Hotel zurückfahren und seiner Frau erklären, dass alles in Ordnung war. Danach würde er seinen Platz hinter der Bar annehmen und die Bierchen in die Gläser drehen oder die leckeren alten Pflaumen servieren.

Alles war gut. Alles okay. Das Leben ging weiter. Es gab den Mönch, doch das interessierte ihn nicht.