John Sinclair 1603 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair 1603 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!

Manchmal lässt man sich zu Taten hinreißen, die schon ungewöhnlich sind. Zumindest für mich. Bill Conolly hatte mich zu einem Besuch auf der Eisbahn überredet. Allerdings nicht zum Spaß, wie sich sehr bald herausstellte, denn dort trieb sich jemand herum, der kein Mensch mehr war. Die wenigen Zeugen, die ihn gesehen hatten, waren von einem Geist ausgegangen, und das musste auch ich mir eingestehen, als ich ihn sah. Allerdings ahnte ich da nicht, dass es zwischen dieser Gestalt und dem Spuk einen Zusammenhang gab.

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Seitenzahl: 137

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumDer GeistertänzerVorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Der Geistertänzer

Manchmal lässt man sich zu Taten hinreißen, die schon ungewöhnlich sind. Zumindest für mich. Bill Conolly hatte mich zu einem Besuch auf der Eisbahn überredet. Allerdings nicht zum Spaß, wie sich sehr bald herausstellte, denn dort trieb sich jemand herum, der kein Mensch mehr war. Die wenigen Zeugen, die ihn gesehen hatten, waren von einem Geist ausgegangen, und das musste auch ich mir eingestehen, als ich ihn sah. Allerdings ahnte ich da nicht, dass es zwischen dieser Gestalt und dem Spuk einen Zusammenhang gab.

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-4374-5

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Der Geistertänzer

Ich blickte auf meine Uhr und danach auf die Tanzfläche der Eisbahn, die sich allmählich leerte, denn es ging auf Feierabend zu. Zwei Stunden vor Mitternacht war Schluss.

»Das wird nichts mehr, Bill.«

Der Reporter seufzte. »Warte es ab.«

Ich schüttelte den Kopf. »Dein komischer Tänzer ist das Produkt einer übersteigerten Fantasie. Du kannst dich nur freuen, dass ich so leicht zu beeinflussen bin.«

»Was du nicht sagst. Dann müssen zahlreiche Menschen mit dieser komischen Fantasie gesegnet sein. Dieser geheimnisvolle Tänzer ist schon öfter gesehen worden. Es ist auch kein richtiger Mensch. Wäre es anders, so stünden wir nicht hier …«

»Und du setzt nach wie vor darauf, dass dieser Tänzer erscheint?«

Bill nickte. »Ja!«

Das letzte Wort hatte sich hart angehört. Ich hielt lieber den Mund. Zudem würde die Eislaufhalle in wenigen Minuten geschlossen werden, die Sirene war bereits zweimal erklungen. Wenn wir sie zum dritten Mal hörten, wurde es höchste Eisenbahn.

Wir hielten uns in einer Halle auf, in der sich die viereckige Eisfläche befand. An ihren Rändern konnten sich die Zuschauer gegen die Gitter lehnen und den Läufern zuschauen. Licht fiel von der Decke her auf das Eis. Dort oben brannten die starken Lampen, die die Fläche unter ihnen wie einen großen Spiegel aussehen ließ.

Betreiber dieser Eissporthalle war die Stadt, und sie beschäftigte auch die Angestellten, die als Aufsichtspersonal ihren Dienst taten. Zwei der Männer waren bereits nach Hause gegangen, nur einer blieb bis zum Schluss, um später abzuschließen. Wir hatten mit dem Mann gesprochen. Er wusste also, dass wir nicht zu unserem Vergnügen erschienen waren.

Ich hatte meinem Freund Bill einen Gefallen tun wollen. Es ging um einen geheimnisvollen Mann, der als Geistertänzer bezeichnet wurde. Jemand, der plötzlich da war, über das Eis huschte und sich dabei um keine Hindernisse kümmerte und wie eine Spukgestalt über das Eis glitt.

Es war kein Mensch. Bei ihm sollte es sich um eine nebulöse Gestalt handeln, um einen Geist, der so aussah, wie man sich einen Geist vorstellt, was immer man davon halten sollte.

Bill hatte davon erfahren, und auch in einigen Zeitungen waren Artikel über diese feinstoffliche Person geschrieben worden. Ich hatte sie ebenfalls gelesen, mich aber nicht weiter darum gekümmert, bis mein Freund Bill mich so gedrängt hatte, dass ich zusagt hatte, mir das Phänomen mit ihm aus der Nähe anzuschauen.

Das tat ich jetzt. Nur von einem über das Eis huschenden Geistertänzer hatte wir bisher nichts gesehen. Der blieb nach wie vor Theorie.

Es war alles anderes als warm in der Halle. Das musste auch so sein. Auch die Kälte draußen war streng. Sie hielt die Riesenstadt London mit ihren Bewohnern fest im Griff. Hinzu kam ein scharfer Nordwestwind, der in die ungeschützten Gesichter der Menschen biss, wenn sie sich im Freien aufhielten.

Ich hatte bisher nicht gehört, dass diese Gestalt einem Menschen etwas angetan hatte. Sie war nur ein Phänomen, und darum musste ich mich kümmern, das war mein Job.

Es war zugleich die erste Aufgabe im neuen Jahr. Den Jahreswechsel hatte ich gut hinter mich bringen können. Diesmal in aller Ruhe, zusammen mit Suko und Shao. Glenda Perkins hatte auch dabei sein sollen, aber eine Darmgrippe hatte sie erwischt, und so hatte sie das Bett hüten müssen. Wir waren eben keine Supermenschen und für Krankheiten ebenso anfällig wie andere Menschen auch.

Und jetzt stand ich zusammen mit Bill hier am Rand der Eisbahn und wartete auf den Geistertänzer, der uns bisher nicht den Gefallen getan hatte, sich zu zeigen.

Als ich mich räusperte, sagte Bill: »Ich weiß ja, was du denkst, aber ich sage dir, dass wir noch Glück haben werden. Er wird kommen, John, verlass dich drauf.«

»Wenn du das sagst.«

»Das habe ich im Gefühl.«

Ich warf wieder einen Blick über die Eisfläche hinweg. Ein Läufer befand sich noch dort. Der Mann mit einer dunklen Wollmütze auf dem Kopf lief auf den Ausgang zu, wo die Bande unterbrochen war. Er setzte sich dort auf eine Bank und zog die Schlittschuhe aus.

»Das war’s wohl«, sagte ich.

»Warte noch.«

»Wie du willst. Aber den Drink gleich bezahlst du.«

»Mach ich gern.«

Bill und ich waren die einzigen Zuschauer in der großen Halle. Der letzte Läufer war auch verschwunden. Es gab keine Musik mehr, in der Halle herrschte eine schon bedrückende Stille, die mir so unnatürlich vorkam.

Neben mir rieb Bill seine Hände. Er ließ den Blick über die Eisfläche gleiten, die so leer war wie meine Brieftasche am Monatsende. Ich dachte darüber nach, wie lange ich mir noch geben wollte. Mehr als fünf Minuten auf keinen Fall. Ich wollte Bill nicht düpieren. Ich kannte ihn gut genug und wusste, dass auch er sich ärgerte. Der Einsatz roch nach einem Flop, und das konnte Bill …

»He, da ist was!«

Bills Worte rissen mich aus meinen Gedanken, und ich hob augenblicklich den Kopf.

Bill deutete schräg nach rechts. Er meinte damit das seitliche Ende der Eisbahn, wo es ebenfalls leer war. Zumindest auf den ersten Blick. Auf den zweiten nicht mehr, denn plötzlich sah ich etwas über das Eis schweben, das ebenso aussah wie das Eis und wirklich nur bei genauem Hinsehen zu entdecken war.

Aber die Gestalt schwebte oder glitt näher. Jetzt war die Mitte der Fläche ihr Ziel. Da die Lampen zum Glück noch brannten, gaben sie genügend Licht, um sie besser zu sehen.

Es war tatsächlich der geheimnisvolle Geistertänzer!

*

Ich saugte den Atem ein und hielt ihn an.

Dabei hörte ich Bill leise fragen: »Na, was sagst du jetzt?«

»Ist schon okay.«

Mein Blick war nur auf die einsame Gestalt gerichtet, die über die Fläche glitt. Nicht mal ein leises Kratzen war dabei zu hören. Und auch der Begriff Gestalt stimmte nicht, denn was da über das Eis huschte, war kein normaler Körper.

Ich schaute tatsächlich auf eine nebulöse Gestalt, die kein einziges Geräusch verursachte, als sie über das Eis fuhr. Das stimmte wiederum auch nicht, denn sie trug keine Schlittschuhe an den Füßen. Wenn ich genau hinsah, trug sie gar nichts. Weder Schlittschuhe noch eine normale Kleidung. Da war nichts als ein hellgrauer Schatten mit menschlichen Umrissen, und es war auch keine Einbildung.

Seine Farbe war schlecht zu definieren. Die grauen Töne waren vorherrschend, aber ich sah auch das bläuliche Schimmern, das sich vom Kopf bis zu den Füßen über den gesamten Körper zog.

Der Tänzer ließ sich durch nichts stören. Er fuhr seine Kreise auf der Mitte der Tanzfläche. Er drehte seine Pirouetten, als wollte er irgendwelchen Zuschauern beweisen, wie gut er war.

Um uns kümmerte er sich nicht. Bill und ich konnten nur staunen, aber das ungute Gefühl in meinem Innern wollte nicht weichen.

»Habe ich zu viel versprochen?«, fragte Bill.

»Nein, das hast du nicht.«

»Und jetzt?«

Ich musste leise lachen. »Das weiß ich noch nicht. Es hängt davon ab, was er vorhat.«

»Denkst du, dass er zu uns kommt?«

»Mal sehen.«

Bill war neugierig und fragte weiter: »Hat dich dein Kreuz denn nicht gewarnt?«

»Nein, hat es nicht.«

»Aber trotzdem gehst du davon aus, dass es nicht normal ist.«

»Was sonst?«

Der Eisläufer hatte ungefähr die Mitte der Eisfläche erreicht. Es sah so aus, als wollte er sich in unsere Richtung bewegen, was aber nicht geschah, er blieb in seiner Region.

Und er tanzte. Er zeigte uns, was er konnte. Er kreiselte auf der Stelle. Er fuhr seine Figuren. Er warf die Arme in die Höhe und setzte zu mehreren Sprüngen an, als wollte er uns beweisen, wie toll er war.

Aber wir waren keine Punktrichter und vergaben auch keine Noten, wir schauten nur zu. Beide konzentrierten wir uns auf die Gestalt, die noch immer so aussah, als hätte sie uns nicht zur Kenntnis genommen. Sie ließ sich durch nichts stören. Manchmal sah es so aus, als würde sie das Eis gar nicht berühren und nur darüber hinwegschweben wie ein Geist.

Wie ein Geist sah der Tänzer noch immer aus. Da hatte sich nichts verändert. Man musste ihn nach wie vor als nebulöse Gestalt ansehen, die keinen festen Körper hatte, aber an den Rändern auch nicht auseinanderfaserte.

Es fiel mir bei genauerem Hinsehen noch etwas auf. Dieser geheimnisvolle Geist hatte schon sehr menschliche Umrisse. Sogar Haare wuchsen auf seinem Kopf. In dem schmalen Gesicht fielen mir jetzt die Augen auf, die allerdings nicht mit denen eines Menschen zu vergleichen waren. Sie sahen sehr hell aus und in ihren Pupillen schimmerte ein gelbliches Leuchten.

»Das ist es doch«, murmelte ich.

»Was meinst du?«

»Er muss eine Mischung aus Mensch und Geist sein. Möglicherweise halb und halb.«

»Kannst du das auch erklären?«, fragte Bill.

»Nein. Kann ich nicht. Es gibt eben Phänomene, den stehen wir fassungslos gegenüber.«

Bill grinste. »Das glaube ich dir nicht. Das hört sich an, als wolltest du nichts tun. Dich einfach abwenden und verschwinden.«

»Das habe ich nicht vor.«

»Was dann?«

»Ich schaue mir den Eisläufer mal aus der Nähe an.«

»He, du willst aufs Eis?«

»Ja.«

»Dann gib acht.«

»Keine Sorge.«

Um das Eis zu erreichen, musste ich über die Bande klettern. Da sie nicht sehr hoch war, hatte ich damit keine Probleme und setzte behutsam meinen rechten Fuß auf die glatte Fläche. Sie war ja nicht überall wie ein dunkler Spiegel. Die Kufen der Schlittschuhe hatte sie an den meisten Stellen zerkratzt, sodass die Oberfläche aussah wie ein Schnittmuster.

Bill wollte mit, was ich nicht befürwortete.

»Bleib hier und gib mir Rückendeckung.«

»Okay.«

Bevor ich die ersten Schritte wagte, schaute ich noch einmal hoch und sah, dass sich die Gestalt noch immer in der Mitte der Eisfläche aufhielt. Sie tanzte dort und schien sich dabei nach einer Musik zu bewegen, die nur für sie zu hören war. Ihre Bewegungen waren wunderbar gleichmäßig.

Dieser Tänzer hatte sich die Eisfläche als seine Bühne ausgesucht, auch wenn es so gut wie keine Zuschauer gab.

Ich wollte näher an ihn heran und wusste, dass es ein Problem geben würde. Denn ein normales Gehen war auf dem Eis nicht möglich. Ich schob abwechselnd meine Füße vor und schlitterte so auf den Tänzer zu.

Er musste mich gesehen haben. Nur nahm er mich nicht zur Kenntnis.

Er vollführte weiterhin seine Figuren, er drehte die Runden und zeigte, wie geschmeidig sein Körper war. Die Arme schwangen hin und her, wurden bis weit über den Kopf gestreckt, wo sich dann die Hände fanden, bevor die Arme wieder nach unten sanken.

Ich war ihm egal. Er ließ mich herankommen, ohne dass er sich durch einen Blick oder eine Geste um mich kümmerte. Ich hatte mich leicht gebückt und hielt die Arme ausgebreitet, denn ich wollte auf keinen Fall das Gleichgewicht verlieren.

So legte ich Meter für Meter zurück und kam dem Eistänzer immer näher.

Ab und zu legte er eine Pause ein. Dann war sein Gesicht besser zu erkennen.

Man hätte davon ausgehen können, einen Zombie vor sich zu haben. Wenn ja, dann einen besonderen, denn diese Gestalt hatte nichts von der Aura an sich, die Zombies normalerweise verbreiten. Der Vergleich passte zwar nicht richtig, aber ich sah ihn schon als klinisch rein an. Wie ein männlicher Engel ohne Flügel.

Ich achtete auch auf mein Kreuz, ob es sich meldete. Das war bisher nicht geschehen. Nicht einmal den schwächsten Wärmestoß hatte ich verspürt.

Dieser Tänzer schien keine böse Gestalt zu sein. Er war eben nur anders.

Die Entfernung, die noch zwischen uns lag, betrug kaum zwei Meter, und noch immer nicht hatte die engelhafte Gestalt meine Gegenwart zur Kenntnis genommen.

Aber sie tanzte jetzt langsamer. Ihre Bewegungen waren schwankend. Sie kamen mir vor, als würden sie im Zeitlupentempo ablaufen. Die Arme streckte sie nicht mehr so weit vom Körper weg. Die Drehungen wurden langsamer, und in den folgenden Sekunden froren alle Bewegungen bei ihr ein.

Der Geistertänzer stand plötzlich still und sah so aus, als würde er mit seinen Füßen auf der Eisfläche kleben.

Ich ging nicht mehr weiter. Obwohl ich mit beiden Füßen fest auf dem Eis stand, war ich mir der trügerischen Sicherheit bewusst, in der ich mich befand. Nur keine zu schnelle und auch heftige Bewegung. Alles musste genau abgestimmt werden, wobei ich auf keinen Fall aggressiv auf die Gestalt wirken wollte.

Wir schauten uns an.

Man konnte von Blicken sprechen, die sich ineinander bohrten. Niemand tat etwas, keiner sprach, und ich versuchte, das einzusaugen, was mir von dem Tänzer entgegenkam.

Bei den Gestalten, mit denen ich es oft zu tun habe, kann man das Böse spüren. Das traf hier nicht zu. Ich hatte den Eindruck, ein neutrales Wesen vor mir zu sehen.

Ein graublauer Körper. Von den Füßen bis zum Kopf. Er sah nicht feinstofflich aus, trotzdem war ich der Meinung, dass ich ihn nicht anfassen konnte wie einen normalen Menschen.

Wenn ich genau hinschaute, sah ich auch das leichte Zittern an den Konturen seiner Gestalt.

Ich schaute weiterhin in seine hellen Augen und versuchte es mit einer Frage.

»Wer bist du?«

Er gab mir keine Antwort.

»Bitte, wenn du reden kannst, dann …«

Er schüttelte den Kopf. Jetzt sah ich deutlich, dass tatsächlich Haare auf seinem Kopf wuchsen, was ich ebenfalls nicht so richtig begriff. War er harmlos? Spielte er mir nur etwas vor?

Ich hatte keine Ahnung, und ich glaubte auch nicht, dass er unbedingt Kontakt mit mir haben wollte. Aber da dachte ich anders. Wäre der Untergrund normal gewesen, hätte ich ihn mit einem langen Schritt erreichen können. Das war bei dieser Glätte nicht möglich, und so musste ich sehr vorsichtig sein.

Ich ging auf ihn zu. Das heißt, ich rutschte mehr nach vorn, um an ihn heranzukommen. Er hatte seine Arme nicht ausgebreitet, sie lagen dicht an seinem Körper, den ich eine Sekunde später umschlang. Das hatte ich nicht gewollt, aber die spiegelglatte Eisfläche hatte mir einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Ich griff zu – und rutschte weg.

Im letzten Augenblick packte ich zu. Ich bekam ihn auch zu fassen, aber das war auch alles. Das Fallen konnte ich nicht verhindern, und es gelang mir auch nicht, mich an ihm festzuhalten.

Was ich in diesen Sekunden des Fallens spürte, das war eine Kälte, wie ich sie selten wahrgenommen hatte. Sie drang in meinen Körper ein, sie schien mich von innen her vereisen zu wollen. Und nach dem nächsten Atemzug landete ich am Boden.

Ich merkte nicht, dass ich heftig aufschlug. Ich hatte nur das Gefühl, steif geworden zu sein.

Aus weiter Ferne hörte ich den Ruf meines Freundes Bill Conolly und drehte mich auf den Rücken.

Der Tänzer stand über mir und glotzte mich an. Seine Augen schimmerten so hell wie gelb eingefärbtes Eis, als läge darin das Todesurteil für mich.

So harmlos war er nun doch nicht.

Ich lag auf dem Rücken, und die Sekunden vergingen. Es war zwischen uns ein gegenseitiges Belauern. Für einen Moment hatte ich ein Gefühl, als würde mich der Tod anstarren.

Was tat mein Kreuz? Ließ es mich im Stich? Wollte es, dass die andere Seite siegte?