John Sinclair 1604 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair 1604 E-Book

Jason Dark

0,0
1,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.
Mehr erfahren.
Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!

"Wer hat Mut? Wer traut sich, den direkten Weg in den Schrecken zu gehen, um in der Hölle zu enden?"

Als die Staatsanwältin Purdy Prentiss diese Wer-bung las, musste sie lächeln. Aber sie war auch neugierig geworden und folgte dieser reißerischen Einladung.

Es wurde für sie ein Höllentrip!

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 133

Veröffentlichungsjahr: 2016

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumPanoptikum des SchreckensVorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Panoptikum des Schreckens

Wer hat Mut? Wer traut sich, den direkten Weg in den Schrecken zu gehen, um in der Hölle zu enden?

Als die Staatsanwältin Purdy Prentiss diese Werbung las, musste sie lächeln. Aber sie war auch neugierig geworden und folgte dieser reißerischen Einladung.

Es wurde für sie ein Höllentrip!

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-4375-2

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Panoptikum des Schreckens

»Wer hat Mut? Wer traut sich, den direkten Weg in den Schrecken zu gehen, um dann in der Hölle zu enden?«

Die Lippen der Staatsanwältin Purdy Prentiss kräuselten sich zu einem Lächeln, nachdem sie die Werbung auf dem Plakat halblaut vor sich hingemurmelt hatte.

Sie ging einen Schritt auf die Tafel zu und las weiter.

»Willkommen im Panoptikum des Schreckens!«

Purdy Prentiss überlegte. Dabei wiegte sie den Kopf und dachte daran, dass sie Zeit genug hatte. Den Weg bis nach London würde sie noch bequem schaffen, schließlich war es erst später Vormittag.

Die Verhandlung, bei der ausgerechnet sie als Zeugin geladen war, hatte schon nach wenigen Minuten abgebrochen werden müssen, weil der Angeklagte zusammengebrochen war. Ihre Kollegen von der juristischen Fakultät hatten nur mit den Schultern zucken können und sich den Ärger verkniffen. Der Richter hatte sich noch mit wenigen dürren Worten bei ihr entschuldigt, was Purdy auch nicht weitergeholfen hatte.

Sie war wieder in ihr Auto gestiegen und durch eine tief verschneite Winterlandschaft in Richtung London gefahren, wobei sie dann in dieser kleinen Stadt eine Pause eingelegt hatte. Sie hatte getankt, einen Kaffee getrunken und war anschließend ein paar Schritte gegangen, um die herrliche Wintersonne zu genießen, deren Strahlen die Oberfläche des Schnees zum Glitzern brachte.

Sie stand jetzt am Rand des Ortes und schaute durch die Sonnenbrille auf das Plakat.

»Ich an Ihrer Stelle würde mir das Panoptikum mal anschauen, Madam. Ehrlich. Das ist echt cool.«

Die noch junge Stimme hatte sie aus ihren Überlegungen gerissen.

Purdy drehte den Kopf nach rechts und sah dort einen Jungen stehen, der sie grinsend anschaute. Auf seinem Kopf trug er eine Wollmütze, und in seinem Gesicht mit der durch die Kälte leicht geröteten Haut hatten sich auch im Winter die Sommersprossen gehalten.

»Meinst du?«

»Sonst hätte ich es nicht gesagt.«

»Stimmt auch wieder.«

Der Junge lächelte sie an. Purdy stellte fest, dass er einen pfiffigen Gesichtsausdruck hatte.

»Sind Ihre Haare eigentlich echt?«, fragte er.

»Glaubst du, dass ich mir eine Perücke aufgesetzt habe?«

»Das meine ich nicht.«

»Was dann?«

»Die rote Farbe.«

Ob sie wollte, oder nicht, Purdy musste lachen. »Ja, die Farbe ist echt.«

»Wie bei Myra.«

»Oh, wer ist das?«

»Eine heiße Tussi. Echt.«

»He, wieso sagst du so etwas?«

»Na, das ist so. Myra ist ein heißes Eisen.«

»Und das weißt du in deinem Alter?«

»Immer.«

»Wie alt bist du denn?«

»Vierzehn.«

»Das ist noch sehr jung.«

»Macht aber nichts.« Er zog die Nase hoch. »Haben Sie sich entschieden? Wollen Sie dem Panoptikum einen Besuch abstatten?«

»Ich weiß noch nicht.« Purdy hob die Augenbrauen. »Bist du so etwas wie ein Anreißer für das Panoptikum?«

»Nee, das nicht. Aber im Winter kommen nicht so viele Gäste. Da strenge ich mich mal an. Und Sie haben ausgesehen, als würden Sie sich dafür interessieren.«

»Ich habe erst mal nur das Plakat gelesen.«

»Klar, Madam. Und dabei gelächelt.«

»Das hast du gesehen?«

»Ich bin ein guter Beobachter. Ach ja, ich heiße übrigens Rudy.« Erstreckte Purdy seine Hand entgegen.

Die Staatsanwältin schlug ein. »Ich heiße Purdy.«

»Ha.« Der Junge lachte. »Das hört sich beinahe so an, als wären wir miteinander verwandt.«

»Ich habe aber keinen Sohn.«

»Kann ja noch kommen«, erwiderte er vorlaut.

Purdy Prentiss gefiel die lockere Art des Jungen, der keine Scheu zeigte. Da sie noch etwas Zeit hatte, konnte sie sich eine Besichtigung des Panoptikums erlauben.

»Wie lange dauert denn so ein Durchgang in der Regel?«

Rudy hob die Schultern. »Das kann ich Ihnen nicht genau sagen. Es kommt immer auf die Person an, die zur Besichtigung eintritt. Ist aber interessant.«

»Und nicht schlimm?«

Der Junge schaute zu Boden. Trotzdem hatte Purdy das Grinsen auf seinen Lippen gesehen.

»Ich sehe es nicht als schlimm an«, sagte er. »Ist ja alles aus Wachs. Aber es gibt natürlich Leute, die es nicht mögen, das muss ich Ihnen auch sagen.«

»Fürchten sie sich vor den Figuren, die man dort sieht?«

»Das weniger, glaube ich.«

»Sondern?«

»Mehr vor der Geschichte des Hauses.«

»Ach, jetzt hast du mich neugierig gemacht.«

Rudy trat einen Schritt näher, bevor er sprach, als hätte er Furcht davor, dass jemand zuhören konnte.

»Also, Madam, das Haus ist recht alt, und da sollen schlimme Dinge geschehen sein.«

»Welche denn?«

»Untaten, sagt man.«

»Das ist aber sehr vage.«

»Dann sage ich es Ihnen genauer. In diesem Haus sind Menschen ermordet worden. Manchmal soll man sogar das Schreien der Kinder hören, die dort umgekommen sind.«

»Wie viele waren es denn?«

»Zwei.«

»Das ist schlimm. Und wer kam sonst noch um?«

»Die Eltern der Kinder. Das sind auch ihre Mörder gewesen, sagt man. Erst wurden die Kinder getötet, dann haben sich die Eltern umgebracht. Das ist schon ein Hammer. Man kann sie sogar sehen, wenn Sie in das Haus gehen.«

»Die Toten?«

»In Wachs, natürlich.«

Die Staatsanwältin überlegte, ob sie das alles glauben sollte. Es konnte sein, dass sich der Junge mit seinem angeblichen Wissen nur interessant machen wollte.

»Man muss ja keine Angst mehr davor haben. Sie sind alle tot. Aber das Andenken wurde bewahrt. Fremde sehen da nur eine normale Familie mit zwei Kindern. Sie sitzen richtig spießig zusammen.« Er lachte. »Wer die Geschichte nicht kennt, kommt auch nicht auf so eine Vermutung.« Er legte den Kopf schief. »Habe ich Sie jetzt erschreckt, Madam?«

»Nein, warum? Mache ich den Eindruck?«

»Hätte ja sein können.«

Sie winkte ab.

»Und jetzt, Madam? Was ist? Haben Sie sich entschieden? Wollen Sie das Haus besichtigen?«

Purdy Prentiss hatte sich entschieden. »Im Prinzip schon«, erklärte sie, »aber du hast mir noch nicht gesagt, wie lange eine Besichtigung dauert.«

Er hob die Schultern und meinte: »Eine Stunde vielleicht. Kann auch schneller gehen. Wenn Sie wollen, dann bleibe ich an Ihrer Seite. Ich kenne mich aus.«

»Oh, ein Kavalier und Beschützer.«

»Klar doch.«

Purdy warf einen knappen Blick auf ihre Uhr. Danach nickte sie. »Na dann, gehen wir los.«

»Gratuliere, Madam. Was Sie gleich sehen, das werden Sie nie im Leben vergessen.«

»Da bin ich mal gespannt.«

»Sie werden nicht enttäuscht sein.«

Purdy Prentiss lächelte. Das konnte sie zu diesem Zeitpunkt noch. Später war sie dazu nicht mehr fähig.

Aber das wusste sie zu diesem Zeitpunkt nicht …

*

Es war kein weiter Weg, den sie gehen mussten. Sie konnten sich ruhig Zeit lassen. Das war vergleichbar mit einem Schlendern durch die Winterlandschaft.

An der rechten Seite standen Häuser, die allesamt nicht sehr hoch gebaut waren. Das hier war so etwas wie eine Shopping-Galerie, denn in den unteren Etagen der Gebäude befanden sich die unterschiedlichsten Geschäfte und Imbisse, in denen internationales Fast Food angeboten wurde.

Es gab auch kleine Pubs und Cafés, deren Schaufenster im Licht der Wintersonne gebadet wurden. Wäre jetzt Sommer gewesen, dann hätten vor den Cafés sicherlich Tische und Stühle gestanden.

Die Sonne hatte nicht wenige Menschen ins Freie gelockt. Sie flanierten an den Häusern vorbei oder gönnten sich hin und wieder einen Drink sowie auch mal eine kleine Mahlzeit.

Es fuhren nur wenige Autos. Auf der anderen Seite der Straße sah Purdy ein leeres Gelände.

Purdy Prentiss ging neben Rudy her und dachte darüber nach, auf was sie sich eingelassen hatte.

War es wirklich richtig gewesen, Rudy zu diesem Haus zu begleiten?

Sie konnte sich selbst darauf keine Antwort geben, aber es war typisch für sie, dass sie einer spontanen Reaktion gefolgt war. Etwas hatte sie neugierig gemacht, und jetzt musste sie einfach herausfinden, ob sich die Neugierde gelohnt hatte.

Auf dem Kopf trug die eine gestrickte Wollmütze, die an der rechten Seite gestickte Blumen aufwies. Purdy war froh, sich die Mütze gekauft zu haben, denn jetzt hielt sie die Ohren und die Stirn warm.

Der Wind war nicht völlig eingeschlafen. Hin und wieder wehte vom freien Feld her eine Bö heran, die pulvrige Schneekristalle mitbrachte und sie in die Gesichter der Menschen blies.

Rudy schaute die Staatsanwältin hin und wieder von der Seite her an.

»Darf ich mal fragen, woher Sie kommen?«

»Ja, das darfst du. Aber du kannst auch raten.«

»London.«

»Richtig.«

»Dafür habe ich einen Blick.«

»Dann gratuliere ich dir.«

»Ja, ich bin kein Dorftrottel.«

Purdy musste lachen. »So habe ich dich auch nicht eingeschätzt.«

»Danke.«

Sie mussten noch ein paar Meter gehen, um ihr Ziel zu erreichen. Es war nicht zu übersehen, denn dort befand sich ebenfalls eine Plakatwand.

Der rote Richtungspfeil war nicht zu übersehen. Er zeigte nach rechts, und dort stand das Haus, das sich Panoptikum des Schreckens nannte.

Es war von keinen weiteren Häusern umgeben, stand also auf einem freien Platz, aber das Grundstück war von einem Zaun umgeben, der aus Metallstäben bestand. Auch hier hatte der Wind den Schnee hoch gewirbelt und die Flocken gegen den Zaun getrieben, auf dessen Pfosten sie kleine Hauben hinterlassen hatten.

Das Dach trug ebenfalls eine weiße Schicht, während die Mauern dunkel aussahen.

Sowohl unten als auch in der ersten Etage gab es eine Menge Fenster.

Purdy Prentiss hatte angehalten, weil sie sich einen ersten Eindruck verschaffen wollte.

Sie hatte beim ersten Hinschauen nichts Ungewöhnliches an diesem Haus finden können. Nach längerer Betrachtung kam es ihr zwar nicht unheimlich vor, aber ohne Grund hätte sie den Bau freiwillig nicht betreten.

Es hatte etwas, was seinem Namen gerecht wurde. Sie ging davon aus, dass es ein idealer Standort für ein Panoptikum des Schreckens war.

»Gefällt es Ihnen, Madam?«

»Muss es mir denn gefallen?«

Rudy kicherte. »Nein. Die Leute sagen nur, dass es auf den Inhalt ankommt.«

»Das mag ja sein, Rudy. Aber Leute sehe ich hier nicht.«

»Es liegt am Wetter.« Er nickte irgendwie bedeutungsschwer. »Das ist eben so. Bei dieser Kälte sind nicht viele Menschen unterwegs. Und wenn, dann haben sie keine Lust, in das Haus zu gehen. Sie können es sich ja noch immer überlegen. Aber wenn Sie drin sind, dann ist das so gut wie exklusiv.«

»Da hast du sicherlich recht.«

Er stieß sie an und fragte nach dieser kumpelhaften Bewegung. »Was ist? Packen wir’s?«

»Wenn du das sagst, ist es okay.«

»Dann los.« Rudy stapfte mit dem rechten Fuß in den Schnee und ging dorthin, wo die weiße Fläche durch zahlreiche Füße platt getreten worden war, sodass sich so etwas wie ein Weg gebildet hatte, der auf den Eingang zuführte. An dieser Seite gab es keinen Zaun, der einen Menschen daran gehindert hätte, auf das Haus zuzugehen.

Auf Purdy Prentiss machte es einen verlassenen Eindruck. Am Eingang ließ sich niemand blicken, und hinter den Fenstern sah sie ebenfalls keine Bewegung.

Purdy schaute zu Boden. Frische Fußabdrücke waren nicht zu sehen. Es konnte durchaus sein, dass sie die einzigen Besucher waren, die in der letzten Zeit gekommen waren.

Sie ließ zu, dass Rudy vorging. Er lief dabei schnell, als könnte er es kaum erwarten, das Haus zu betreten, und sie dachte auch daran, dass es möglicherweise eine Falle sein könnte, doch darüber wollte sie nicht näher nachdenken. Sie hatte einmal in den sauren Apfel gebissen und würde ihn auch essen.

Rudy hatte geklingelt. Das Summen war sogar bis zu Purdy zu hören. Er öffnete die Tür noch nicht ganz. Er drückte sie nur spaltbreit auf, und so wartete er auf Purdy.

»Alles klar, Madam?«

»Ja.«

»Dann können wir?«

»Natürlich.«

Der Junge drückte die Tür auf, und Purdy schaute nicht in ein stockdunkles Haus hinein, sondern wurde von einem schummrigen Licht empfangen. Es kam ihr vor wie der Blick in eine andere Welt, und er war zudem verbunden mit einem Wärmeschwall.

Ihr stockte für einen Moment der Atem.

Größer konnten die Gegensätze nicht sein.

Nach dem ersten Schritt über die Schwelle war von einem Panoptikum des Schreckens noch nichts zu sehen. Vor ihnen lag ein Flur, und an der linken Seite, dicht hinter der Tür, befand sich so etwas wie eine Kasse. Da gab es einen Tisch mit einem Stuhl, und auf dem Tisch stand eine Metallkassette.

Der Stuhl war nicht leer. Auf ihm saß eine Frau.

Purdy Prentiss spürte einen leichten Stich in der Magengegend, als sie die Frau sah.

Sie erinnerte sich daran, von Rudy einen Namen gehört zu haben, und der kam ihr jetzt wieder in den Sinn, als sie einen Blick auf die Person warf, die recht ungewöhnlich aussah.

Zuerst fielen bei ihr die roten Haare auf. Lang und glatt fielen sie zu beiden Seiten des Kopfes herab. Purdy konnte sich vorstellen, dass die Farbe nicht echt war. Deshalb wohl hatte sich Rudy so intensiv nach ihrer Haarfarbe erkundigt.

Es war nur der Oberkörper der Frau zu sehen. Der wurde von einem schwarzen ledernen Oberteil bedeckt, das wie eine Korsage geschnitten war.

Das recht starre Gesicht der Frau verzog sich zu einem Lächeln. Über die breiten Lippen strömten flüsternd die Begrüßungsworte: »Willkommen hier im Panoptikum.«

»Danke.«

Rudy meldete sich. »Das ist Myra. Ich habe Ihnen ja schon von ihr erzählt.«

»Stimmt.«

»Sie ist hier die Chefin.«

Der Blick der dunklen Augen richtete sich auf Purdy. »Der Junge übertreibt mal wieder.«

Purdy hob die Schultern. »In seinem Alter ist das normal.« Dann kam sie zur Sache. »Was habe ich zu zahlen?«

Myra hob den Blick. Die dunklen Augen schienen dabei noch schwärzer zu werden.

»Nichts.«

»Bitte?«

»Sie haben nichts zu zahlen«, wiederholte Myra. »Der Eintritt ist für Sie kostenlos.«

Das überraschte die Staatsanwältin. Sie schaute auf Rudy, der neben ihr stand und lächelte.

»Freuen Sie sich doch.«

»Aber das war nicht abgemacht.«

Myra meldete sich. »Sie sind mein Gast. Ich denke, dass heute nicht viele Besucher kommen werden. Da kann ich gut und gern auf eine Einnahme verzichten. Außerdem hat Rudy Sie gebracht. Seine Gäste sind auch die meinen.«

»Dann bedanke ich mich.«

»Keine Ursache.«

Die Staatsanwältin drehte sich nach rechts. Dort musste sie mit dem Rundgang beginnen. »Kann ich allein losgehen oder wollen Sie mich führen und Erklärungen abgeben?«

»Sie können allein gehen, aber es ist besser, wenn jemand an Ihrer Seite bleibt.« Sie schaute Rudy fragend an. »Wie sieht es mit dir aus? Hast du Zeit?«

»Klar.«

»Dann begleite unsere Besucherin doch bitte.«

»Das mache ich glatt.«

Purdy Prentiss war noch nicht überzeugt und fragte deshalb: »Kennt sich der Junge wirklich aus?«

»Ja, das kann ich Ihnen versichern.«

»Und weiter?«

»Er liebt diese Umgebung. Er ist stolz, wenn er Menschen durch das Haus führen kann, das eine so starke Veränderung durchgemacht hat.«

Purdy Prentiss war noch immer nicht überzeugt. »Ist das nicht etwas viel für jemanden in Rudys Alter?«

Die Staatsanwältin wurde angeschaut, als hätte sie etwas Schlimmes gesagt.

»Pardon, Madam, ich will Ihnen ja nichts. Aber wo leben Sie?«

»In der normalen Welt.«

»Aber Sie haben wenig mit Kindern zu tun. Rudy ist vierzehn Jahre alt. Er ist ein Kind der Mediengesellschaft. Was, glauben Sie, hat er schon alles gesehen?«

»Nun ja …«