John Sinclair 1620 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair 1620 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!

Schon immer haben Menschen anderen Menschen etwas vorgelesen. Ob die Eltern ihren kleinen Kindern oder Schauspieler vor einer Gruppe erwachsener Menschen.

Das war so, das würde auch so bleiben. Was wir allerdings erlebten, das war eine andere Art des Vorlesens. Da gab es einen Mann, der das Lesen mit einem bösen Voodoo-Zauber verband, um letztendlich seine Zuhörer dieser Magie zu opfern ...

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 140

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumVorleser des TeufelsVorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Vorleser des Teufels

Schon immer haben Menschen anderen Menschen etwas vorgelesen. Ob die Eltern ihren kleinen Kindern oder Schauspieler vor einer Gruppe erwachsener Menschen.

Das war so, das würde auch so bleiben. Was wir allerdings erlebten, das war eine andere Art des Vorlesens. Da gab es einen Mann, der das Lesen mit einem bösen Voodo-Zauber verband, um letztendlich seine Zuhörer dieser Magie zu opfern …

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-4391-2

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Vorleser des Teufels

Rita Benson zitterte. Sie war nackt, aber sie spürte eine starke innere Hitze. Nur das Seidenlaken des Bettes lieferte etwas Kühle.

Die Lampen an der Wand zu beiden Seiten des Bettes hatte sie eingeschaltet und so gedreht, dass ihr Licht das Fußende erreichte, vor dem ein gepolsterter Hocker stand.

Noch war er nicht besetzt.

Doch es würde nicht mehr lange dauern, dann würde ER kommen.

Genau darauf wartete sie …

Rita fieberte dem Mann entgegen, obwohl sie sich vor ihm auch fürchtete. Aber wenn er erst einmal da war, dann gab es nur noch ihn. Dann würde er anfangen zu lesen, und sie würde sich von seiner wunderbaren Stimme gefangen nehmen lassen, die, wenn er sprach, wie von einer Melodie unterlegt war, die jeden Menschen in ihren Bann zog.

Er hatte keinen genauen Zeitpunkt genannt. Er ließ Rita warten. Und so erhöhte sich die Spannung bei der Frau mit den kurz geschnittenen und rot gefärbten Haaren. Sie lag so, dass sie zur Tür schauen konnte, die nur in ihren Umrissen zu erkennen war, weil das Licht sie kaum erreichte.

Es war keine Premiere für Rita Benson. Sie hatte ihm schon oft gelauscht. Er war der perfekte Vorleser, aber diesmal sollte es etwas Besonderes sein. Der Höhepunkt. Zugleich der Abschluss. Sie würde einen Zauber erleben, das hatte er ihr versprochen. Auf dieses Phänomen freute sie sich wahnsinnig.

Wann kam er?

Rita atmete immer heftiger. Eine Folge ihrer Nervosität. Sie war einfach nicht in der Lage, ihre Anspannung zu unterdrücken. Dass der dünne Schweißfilm nicht nur auf ihrem Gesicht lag, sondern auch ihren ganzen Körper bedeckte, machte ihr nicht viel aus. Auch die Blöße nicht. Er hatte es so verlangt. Wer sich mit ihm einließ, der musste sich eben auf das Andere und Neue einstellen und würde dafür in den Bann geschlagen werden.

Die Frau schämte sich nicht. Sie war froh, diesen Weg gegangen zu sein, befreite er sie doch von der Eintönigkeit ihres Lebens, und nur das wollte sie.

Sie hob den Kopf etwas an und schaute an sich herab. Sie sah ihren Körper, der zu breite Hüften hatte. An bestimmten Stellen hatten sich auch Speckrollen gebildet. Ihre Brüste waren schwerer geworden. Daran hatte sie nichts ändern können. Niemand wurde jünger, und Rita stand mit ihren dreiundvierzig Jahren weit in der Mitte des Lebens. Eines Lebens, das erst jetzt einen neuen und auch besonderen Reiz erhalten sollte. Hinaus aus der Eintönigkeit. Hinein in die Fluten des Neuen und Fantastischen. Noch einmal einen besonderen Kick erleben, auch wenn sie sich darüber im Klaren war, dass sie einiges von sich aufgeben musste.

Warum ließ er sie warten?

Sie verglich es mit einer Qual, und sie sah es zugleich als eine süße Qual der Vorfreude an. Ja, anders konnte sie es nicht bezeichnen.

Die ersten beiden Lesungen waren recht normal verlaufen. Da war sie auch in der Gruppe gewesen, dann aber war Rita von ihm auserwählt worden. Das sah sie als große Ehre an, auch wenn sie sich ihm so präsentieren musste.

Er hatte sie darauf vorbereitet und ihr von gewaltigen Erlebnissen berichtet, die über sie kommen würden. Etwas, was nur wenigen Menschen vergönnt war. Er war nie konkreter geworden, und genau das hatte ihre Spannung erhöht.

Sie trug nichts am Leib, auch keine Uhr. So konnte sie die Wartezeit nur schätzen.

Es war zudem ein besonderes Zimmer, in dem sie lag. Auffällig war, dass es keine Fenster gab. Nur die Tür, die rot gestrichen war, sodass der Vergleich mit Blut nicht zu weit hergeholt war.

Wann kam er?

Das Warten verwandelte sich in eine Quälerei. Sie wollte ihn sehen, sie wollte endlich seine Stimme hören, um sich ihm ganz und gar hinzugeben. Er sollte sprechen. Sie wollte sich von der Melodie seiner Stimme einfangen lassen, um endlich aus der Realität hinweggetragen zu werden.

Plötzlich war es so weit.

Rita Benson hörte etwas. Nicht im Zimmer, sondern hinter der Tür.

Es gab keinen Zweifel. Er war auf dem Weg zu ihr. Es konnte sich nur noch um Sekunden handeln, dann würde sich die Tür öffnen, und dann hatte die Warterei endlich ein Ende.

Ja, die Tür bewegte sich. Und er kam tatsächlich.

Rita Benson nahm es so hin, als stünde sie dicht vor der Erfüllung eines Traums, und sie stieß einen leisen Schrei aus, als die Tür nach innen aufgestoßen wurde, ohne dass sie dabei nur das leiseste Geräusch verursachte.

Sekunden später zeichnete sich seine Gestalt im Türausschnitt ab.

Karu, der Vorleser, war endlich da!

*

Rita sah ihn. Sie hatte ihm entgegengefiebert, und jetzt, da er vor ihr stand, konnte sie es kaum glauben. Sie hatte den Eindruck, einen Traum zu erleben. Das mochte daran liegen, dass Karu zwar ein Mensch war, aber trotzdem anders aussah als die üblichen Menschen. Er war einfach ein Phänomen, und das wusste er auch, denn er genoss seinen Auftritt. Nachdem einige Sekunden verstrichen waren, kam er vor, und er musste nur einen Schritt gehen, um den Rand der Lichtinsel zu erreichen, damit Rita etwas von ihm sah.

Beim ersten Hinschauen wirkte er ebenfalls nackt. Sah man jedoch genauer hin, waren die Boxer-Shorts zu erkennen, die vom Bauchnabel abwärts bis zu den Oberschenkeln reichten. Sie waren auch deshalb nicht so gut zu erkennen, weil sie sich kaum von der schokoladenbraunen Haut abhoben.

Karu stammte aus der Karibik. Er bezeichnete sich selbst als Kreolen. Ob das stimmte, wusste Rita nicht. Es spielte auch keine Rolle, weil dieser Mann sie einfach faszinierte.

Er hatte den Körper eines Adonis. Breite Schultern, schmale Hüften. Muskeln, die wie gemalt aussahen und besonders an den Oberarmen und den Oberschenkeln hervortraten. Um einen derartigen Body zu bekommen, besuchten Männer Fitness-Studios. Das hatte Karu nicht nötig. Er schien mit dieser ungewöhnlichen Figur auf die Welt gekommen zu sein.

Sein Kopf war haarlos, und die Fläche glich einem dunklen Spiegel.

Karu war mit keinem anderen Menschen zu vergleichen, zumindest nicht nach Ritas Vorstellungen. Er war einmalig, und wenn sie in sein Gesicht schaute, dann durchrieselte sie ein Schauer. Die leicht fleischigen Wangen, die kurze Nase und der Mund mit den breiten Lippen. Das kräftige Kinn, der sehnige Hals, all das war einfach perfekt.

Karu hatte nicht lange gewartet, aber die Zeit war ihr schon lang vorgekommen, und als er sich dann leicht umdrehte, da sah Rita auch, dass er etwas mitgebracht hatte.

Es war nicht nur ein Buch, es war das Buch!

Daraus würde er lesen, und sie würde sich von seiner Stimme in den Bann ziehen lassen. Es war wie ein kleines Wunder, auf das sie lange genug gewartet hatte.

Er schloss die Tür. Ein leichter Druck reichte aus, um sie zufallen zu lassen. Danach drehte er sich um und richtete seinen Blick auf den breiten Hocker, der von nun an sein Platz sein würde.

Er hatte bisher kein Wort gesagt, und auch Rita traute sich nicht, etwas zu sagen. Der Respekt vor ihm war einfach zu groß. Oder musste man von einer Angst sprechen, denn zum ersten Mal war sie mit ihm ganz allein. Keine Gruppe mehr, die ihr hätte Schutz geben können.

Karu nahm Platz. Er ließ sich nicht einfach fallen, sondern setzte sich mit einer geschmeidigen Bewegung, die auch einem Tänzer gut zu Gesicht gestanden hätte.

Dann drehte er seinen Kopf so, dass er Rita Benson anschauen konnte, wobei er gleichzeitig sein Buch nicht aus den Augen ließ, das er auf seine Knie gelegt hatte.

Rita rutschte um eine Idee zurück, damit sie den Kopf anheben konnte. Jetzt sah sie sein Gesicht und den Oberkörper, und sie sah auch das Lächeln, das ihr galt.

»Freust du dich?«

Es war nur eine simple Frage gewesen. Allein der Stimmenklang sorgte dafür, dass sie den Atem anhielt. Ja, so kannte sie ihn. Es war einfach die Melodie, die seine einfachen Worte umschwebten. Sie wollte eine Antwort geben, doch sprechen konnte sie nicht. So wurde daraus nur ein knappes Nicken.

»Ja, das solltest du auch. Denn jetzt lese ich nur für dich allein.« Er hielt das Buch hoch, und Rita erkannte, dass es einen ledernen Einband hatte.

Es war ein anderes Buch als das, das er sonst bei seinen Vorlesungen in der Gruppe benutzt hatte. Sie stellte es nur fest und traute sich nicht, nach den Gründen zu fragen.

Erst nach ein paar tiefen Atemzügen konnte sie sprechen.

»Was wirst du für mich lesen?«

Er runzelte die Stirn und fuhr dabei mit seinem Zeigefinger über seinen Nasenrücken.

»Es ist etwas Besonderes, was du zu hören bekommst«, antwortete er dann. »Ich werde dich mit einer anderen Macht bekannt machen, die nur wenige Menschen kennen. Sie ist im Verborgenen versteckt und gelangt nur äußerst selten an die Oberfläche. Aber sie ist einmalig und wunderbar, denn wer sie beherrscht, dem gehorcht sie auch. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass sie dir völlig neue Welten eröffnen wird, in die du eintauchen kannst. Du wirst es erleben, und du wirst so etwas wie eine frohe Botschaft empfangen. Nur die wahren Meister beherrschen sie, und es gibt nur einen unter ihnen, der sich im Besitz des Buches befindet. Das bin ich.«

Er hielt das Buch hoch und ins Licht, damit Rita es genau sah. Sie konnte ihren Blick nicht von ihm lösen und erkannte nun, dass das Leder sehr alt sein musste, denn es war an einigen Stellen bereits brüchig und sah so aus, als würde es leicht zerbröseln.

Es war möglich, Bücher durch technische Hilfsmittel auf alt zu trimmen, doch das war hier nicht der Fall. Sie sah, dass es alt war, und ahnte, dass dieser Inhalt wirklich etwas ganz Besonderes sein musste.

Sie überwand sich und konnte wieder sprechen.

»Darf ich denn fragen, wie die Geschichte heißt?«

Er schüttelte den Kopf und ließ das Buch sinken.

»Nein, das darfst du nicht. Das kannst du auch nicht, denn es gibt keine Geschichten, wie du es aus den anderen Vorlesestunden kennst. Das ist einfach unmöglich. Es ist die Geschichte einer besonderen Welt, einer anderen Macht, die sich im Verborgenen entwickelt hat und die plötzlich in der Lage ist, Gestalt anzunehmen.«

»Gestalt?«, flüsterte sie.

»Ja.«

»Und wie?«

Er hob die Schultern und wiegte seinen Kopf. »Ich denke, da solltest du dich überraschen lassen. Ich will nicht zu viel verraten, nur so viel, es ist einmalig.«

Bei seinen letzten Worten hatte er sie angeschaut. Rita schaffte es nicht, diesem Blick auszuweichen, in ihm steckte etwas Besonderes, das nicht zu erklären war. Genau das galt auch für die Stimme, die sie bald hören und der sie auch verfallen würde. Das kannte sie, aber heute würde es doch etwas anders sein, denn sie war allein und saß nicht mehr in der Gruppe.

Mit einer schon salbungsvollen Bewegung schlug er das Buch auf. Er brauchte nicht zu blättern, er hatte sofort die richtige Stelle gefunden, die er vorlesen wollte.

Ein letzter Blick zu Rita Benson.

Seine Zuhörerin saß jetzt auf dem Bett. Es war ihr kaum aufgefallen, dass sie sich in die Höhe gedrückt hatte, aber so war es besser. Da konnte sie den Vorleser vom Kopf bis zu den Hüften sehen, und sie bemerkte jetzt, dass seine Haut leicht ölig schimmerte. Er musste sich eingerieben haben, allerdings mit einem Öl, das nicht roch.

»Bereit, Rita?«

Sie nickte.

Eine Sekunde später begann Karu mit seiner Lesung …

*

Darauf hatte Rita Benson gewartet. Wäre sie jünger gewesen, hätte sie gesagt, dass es geil war, seine Stimme zu hören, doch diesen Ausdruck fand sie falsch.

Es war nicht wie bei den anderen Vorlesungen, bei denen sie in den Bann der Stimme geraten war, der die Zuhörer zu einem andächtigen Schweigen gezwungen hatte, nein hier war es ganz anders, denn jetzt las er nur für sie. Es gab keine anderen Menschen, die zugehört hätten.

Rita wusste nichts mehr. Sie hatte den Eindruck, dass die normalen Gedanken ihr Gehirn verlassen hatten. Ihr Kopf war dennoch nicht leer, denn hier wurde aufgesaugt, was Karu vorlas.

Er saß sehr aufrecht auf dem Hocker. Das alte Buch hatte er halb erhoben. Er hielt es nicht direkt vor sein Gesicht. Er hatte es ein wenig gesenkt, und die Lippen in dem leicht geöffneten Mund bewegten sich kaum.

Seine Stimme drang aus den Tiefen seiner Kehle. Sie war so volltönend, so wunderbar, so anders, so glatt und trotzdem nicht fremd. Sie vermittelte eine Botschaft, die Rita in ihren Bann zog, obwohl sie kein Wort verstand.

Das war ebenfalls ein Phänomen. Bei den normalen Lesungen hatten die Zuhörer alles verstanden. Hier nicht. Hier war alles anders, denn diese Sprache hatte Rita noch nie in ihrem Leben gehört. Es musste eine sein, die nur in bestimmten Gegenden und von bestimmten Menschen gesprochen wurde. Es war für sie auch schwierig, sie einzuschätzen. So blieb ihr nichts anderes übrig, als sich ihr hinzugeben.

Das tat sie gern. Obwohl sie manchmal den Eindruck hatte, aus den fremden Worten Drohungen herauszuhören, war doch alles irgendwie faszinierend. Wenn sie den Eindruck hatte, von Furcht erfasst zu werden, war dies in den nächsten Sekunden wieder verschwunden, denn dann lullte die Stimme sie wieder ein. Sie wurde sehr weich und schien sie wegtragen zu wollen.

Rita fühlte sich dann leicht und unbeschwert. Als wäre das Bett nicht mehr vorhanden oder als würde sie über ihm schweben.

Es war nicht nur faszinierend, sondern auch fantastisch für sie. So musste es sein, wenn man dem Himmel entgegenschwebte und in die Unendlichkeit eintauchte.

Es war einfach herrlich, und die Gestalt des Vorlesers schien vor Ritas Augen zu verschwimmen. Es waren immer wieder Phasen, in die sie eintrat, bis sie nur noch den Echos lauschte und ihr erst später auffiel, dass Karu gar nicht mehr las. Sie registrierte auch erst jetzt, dass er das Buch hatte sinken lassen und so eine Pause einlegte.

Für Rita Benson war es, als wäre sie aus einem Traum erwacht. Sie hatte Mühe, sich in der Wirklichkeit zurechtzufinden, und wischte einige Male über ihr Gesicht.

Karu gab ihr die Zeit. Es blieb bei der Stille im Zimmer. Er sagte kein einziges Wort.

Allmählich spürte Rita sich wieder. Auf ihrem nackten Körper lag noch immer der Schweißfilm. Nun war er verbunden mit einem kalten Schauer.

Jetzt konnte sie wieder atmen. Zumindest merkte sie, dass sie es tat und noch lebte.

Es fiel ihr nicht leicht, die Arme zu heben und mit den Handflächen über ihre Wangen zu streichen. Das musste sie einfach tun. Sie wollte irgendwie den Beweis haben, dass sie noch lebte, das registrierte auch der Vorleser.

Er nickte ihr zu und fragte dabei: »Geht es dir gut?«

»Ja«, antwortete sie mit schwacher Stimme. Ihre Schultern zuckten. »Es war so anders, so einmalig und auch wunderbar. Nicht so wie sonst bei deinen Lesungen.«

»Sehr gut finde ich das. Du hast es also gemerkt, obwohl du nichts verstanden hast.«

Ritas Lippen zuckten, als sie lächelte. Dann erst konnte sie sprechen.

»Es war so anders, noch wunderbarer. Ich – ich – kann es nicht beschreiben.« Sie hob die Schultern.

»Ja, es war eine andere Welt, die nur wenige Menschen kennen. Du aber hast sie erlebt, und das ist wirklich etwas Besonderes. Du bist die Erste, Rita.«

»Ach ja?« Nach dieser Bemerkung schaute sie in seine Augen, die einen so anderen Glanz angenommen hatten. Er war für sie nicht zu beschreiben. Er schien aus einer anderen Welt zu kommen, aus einer, die jenseits der sichtbaren und normalen lag.

Plötzlich fröstelte sie. Den Grund sah sie in diesem anderen Blick, den sie so noch nie erlebt hatte. Irgendetwas hatte sich bei Karu verändert.