John Sinclair 1651 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair 1651 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!

Der Tote lag vor dem Eingang einer Kirche und sah schlimm aus. Ein Feuer hatte ihn verbrannt, aber es waren keine normalen Flammen gewesen, das hatte der ermittelnde Beamte, Chiefinspektor Tanner, recht bald festgestellt. Er war es auch, der einen Riecher für bestimmte Fälle hatte, und seiner Meinung nach war bei dieser Verbrennung einiges nicht mit rechten Dingen zugegangen.

So rief er nach Suko und mir. Wir nahmen uns des Falls an und gerieten schon sehr bald an den Höllenkreis ...

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Seitenzahl: 141

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumHöllenkreisVorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Höllenkreis

Der Tote lag vor dem Eingang einer Kirche und sah schlimm aus. Ein Feuer hatte ihn verbrannt, aber es waren keine normalen Flammen gewesen, das hatte der ermittelnde Beamte, Chiefinspektor Tanner, recht bald festgestellt. Er war es auch, der einen Riecher für bestimmte Fälle hatte, und seiner Meinung nach war bei dieser Verbrennung einiges nicht mit rechten Dingen zugegangen.

So rief er nach Suko und mir. Wir nahmen uns des Falls an und gerieten schon sehr bald an den Höllenkreis …

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-4422-3

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Höllenkreis

Ich habe ja nichts gegen Wintermonate, doch an diesem späten Abend hätte ich mich gern zurück in den Juli gebeamt, denn was da aus den dunklen Wolken brach, war eine wahre Sintflut, die dafür sorgte, dass wir nur drei Meter weit sahen, und das auch nur, weil wir im Rover saßen und das Licht der Scheinwerfer uns den Weg wies.

Leider konnten wir nicht direkt bis zu unserem Ziel fahren, denn die Kirche lag erhöht und war nur über eine breite Treppe zu erreichen.

Aber nicht in, sondern vor der Kirche lag das, was unser Freund Chiefinspektor Tanner, der Anrufer, als Schweinerei bezeichnet hatte.

Worum es genau ging, war uns nicht bekannt. Um einen Toten, aber es reichte auch völlig. Tanner würde uns mehr sagen, denn er wartete auf uns, und er würde ebenso über das Wetter fluchen, wie wir es taten. Da machte selbst Suko keine Ausnahme.

Wir rollten über einen großen Vorplatz. Außer unseren Kollegen hielt sich hier niemand auf.

Wir stoppten dort, wo die Polizeiwagen aus Tanners Mannschaft standen. Auf den Dächern drehten sich die Lichter.

»Und jetzt?«, fragte Suko.

»Steigen wir aus.«

»Reicht nicht einer von uns, der mit Tanner spricht? Dann können wir losen, wer sich in die Flut stürzt.«

Ich schüttelte den Kopf. »Seit wann fürchtest du dich vor Regen? Das ist mir völlig neu.«

»Ich mag das Wasser unter der Dusche. Nur nicht, wenn ich angezogen bin. Verstehst du?«

»Klar. Du kannst dich ja ausziehen.«

»Haha.« Suko schnallte sich los.

Wir beiden waren alles andere als begeistert, aber wir kannten auch unseren Freund Tanner. Wenn der uns anrief, dann brannte zwar nicht immer die Hütte, aber er hatte sich nie grundlos mit uns in Verbindung gesetzt. Da hatte es stets Ärger gegeben. Anders gesagt: einen Fall, um den wir uns kümmern mussten.

So würde es auch jetzt sein. Die meisten Fälle begannen mit einem Mord. Was dann folgte, war in der Regel der reine Horror. Darauf konnten wir uns schon mal einstellen.

Ich warf einen letzten Blick nach vorn. Die Flut bildete einen Vorhang aus Wasser. Da gab es keine Lücken. Wir mussten durch und würden bis auf die Haut nass werden. Aber wir sahen das Ziel. Jenseits der Treppe wurde die Szenerie aufgerissen. Helles Licht konzentrierte sich auf eine bestimmte Stelle vor dem Eingangsportal, wo sich auch die schattenhaften Gestalten unserer Kollegen aufhielten.

»Fertig?«, fragte Suko.

»Ja.«

Gleichzeitig öffneten wir die Türen. Meine war noch nicht ganz aufgestoßen, als mich die erste Ladung erwischte. Der Regen fegte schräg von vorn auf mich zu. Für einen Moment kam mir der Gedanke, jemand hätte mir das Wasser aus einem Eimer ins Gesicht geschüttet. Ich schüttelte den Kopf, stieg aus und vergaß den Vorsatz, die Jacke über den Kopf zu stülpen, denn mein Haar war sowieso schon nass.

Also durch!

Suko und ich rannten geduckt nebeneinander her. Der Boden war glatt. Wind wehte über den freien Platz, erfasste auch das Wasser auf dem Boden und spülte es uns in zittrigen Wellen entgegen.

Wir wussten, wohin wir laufen mussten, und hatten Probleme mit dem Untergrund aus Stein, den das fließende Wasser ziemlich glatt hatte werden lassen.

Zwar brannte jenseits der Treppe das Licht der Scheinwerfer, aber ihre Helligkeit reichte nicht bis zu uns und nicht mal bis zum Rand der Treppe. Wir hatten Glück, dass wir die erste Stufe nicht übersahen und stolperten.

Auch die Stufen waren glatt. Das Wasser floss uns entgegen, und ich hörte mich mehr als einmal fluchen, dass ich überhaupt ans Telefon gegangen war. Ich hatte es mir schon auf der Couch bequem gemacht, um mich vom letzten Fall erholen zu können, der mich nach Cornwall geführt hatte, wo ein berittenes Albtraumgespenst erschienen war.

Jetzt war ich wieder in London, lief eine glatte Treppe hoch, hörte mich fluchen und war froh, als ich die letzte Stufe erreicht und eine bessere Sicht hatte.

Es war nicht so einfach, denn das Wasser rann aus meinen triefnassen Haaren über mein Gesicht und sorgte dafür, dass ich alles nur verschwommen sah.

»Kommt her, hier ist es einigermaßen trocken. Da könnt ihr euch auswringen.«

Tanners Stimme war nicht zu überhören gewesen.

Ein Blick reichte. Ich sah, dass er nicht im Regen stand, sondern Schutz im Eingangsportal der Kirche gesucht hatte. Hinter ihm stand die Tür offen, sodass mein Blick in ein geheimnisvolles Dunkel fiel. Weit hinten glaubte ich ein schwaches Flackern zu sehen, das von einer Kerze stammen konnte.

Dann stand ich neben Tanner, ohne ihn zu beachten. Er hatte recht. Ich musste mich erst mal auswringen. Das fing bei den Haaren an, dann war die Kleidung an der Reihe und zuletzt wischte ich mit den Handflächen das Wasser aus meinem Gesicht.

»Willkommen im Spätherbst«, begrüßte Tanner uns und lachte. »Scheiß Job, wie?«

»Hör auf. Ich hätte nicht ans Telefon gehen sollen.«

»Stimmt. Dann hättest du aber was verpasst.«

»Und was?«

»Später, Geisterjäger.«

Die Klamotten klebten mir am Körper. Suko erging es ebenso. Auch er hatte sich so gut wie möglich ausgewrungen und strich jetzt über sein Haar.

Ich konzentrierte mich auf Tanner und hätte beinahe losgeprustet, denn er bot wirklich ein tolles Bild, zu vergleichen mit einer nassen Vogelscheuche.

Es kam daher, weil er seinen alten Hut nicht abgenommen hatte. Der war ebenfalls völlig durchnässt worden und klebte jetzt auf seinem Kopf. Der graue Mantel war auch nicht mehr grau. Er hatte eine dunkle Farbe angenommen und glänzte nass.

Die Situation war alles andere als spaßig. Trotzdem konnte ich mir eine Bemerkung nicht verkneifen und fragte: »Weißt du, wie du aussiehst, Tanner?«

Er bekam sein Bulldoggengesicht. »Sag es lieber nicht. Ich habe meine Leute schon über mich flüstern hören.«

»Na ja, aber …«

»Kein Aber. Ich kenne den Anblick von Vogelscheuchen.« Die Bemerkung bewies, dass er Humor hatte. Danach beschwerte er sich und sprach davon, dass seine Frau recht hatte, wenn sie sagte, dass er in Pension gehen sollte. »Da muss ich nicht in jedem Scheißwetter raus. So wie jetzt.«

»Wir sind ja auch da.«

Er grinste. »Das freut mich fast.«

Suko sagte: »Aber du hast nicht nur zum Spaß angerufen, damit wir auch mal den Segen von oben bekommen?«

»Wofür haltet ihr mich? Es gibt eine Leiche.«

Das war klar. Bei unserer Ankunft hatten wir sie noch nicht gesehen. Jetzt, da wir im Trockenen standen, sahen wir sie zwar, jedoch nur die Konturen, die sich unter einer Regen abweisenden Plane abzeichneten. Die Plane selbst wurde nicht mehr nass, denn der Tatort war mit einer Art Zelt geschützt.

Vier Stangen hielten eine Plane fest, auf die der Regen klatschte, sie aber nicht nach unten ausbeulte, weil der Wind das Wasser sofort wieder wegschleuderte.

Es glich schon einem kleinen Wunder, dass der Schutz hielt. Wenn der Wind zu stark wurde, mussten die Stangen festgehalten werden.

Es gab also einen Tatort, aber keine Spuren. Die hatte das Wasser weggeschwemmt. Suko und ich waren gespannt darauf, warum man uns geholt hatte.

»Und weshalb stehen wir hier?«

Tanner warf mir einen fast bösen Blick zu. »Weil das ein Fall für euch sein könnte.«

Ich runzelte die Stirn. »Könnte?«

»Genau.«

»Und wer liegt da unter der Plane?«, wollte Suko wissen. »Ein Dämon? Oder ein Wesen, das man dazu zählen kann?«

»Nein, nur ein Mensch.«

»Ein normaler?«

»Jetzt nicht mehr, Suko. Schaut ihn euch an und macht euch ein eigenes Bild. Ich kann euch nur sagen, dass er ein recht junger Mann ist. Höchstens zwanzig Jahre alt.«

»Okay, gehen wir.«

Wir mussten unter die Plane. Dort erlebten wir die Nässe nur als Feuchtigkeit. Alles war feucht. Entsprechend roch auch die Kleidung der Anwesenden.

Tanners Mannschaft wich zurück. Ich kannte die meisten und grüßte in die Runde. Tanner wollte, dass ein Scheinwerfer umgestellt wurde, damit sein Licht den Toten direkt anleuchtete.

Der Chiefinspektor persönlich zog die Plane zur Seite, damit wir die Leiche sahen.

Der Tote lag auf dem Rücken. Wäre es dunkel gewesen, ich hätte nicht sofort erkannt, was mit dem jungen Mann geschehen war, aber das grelle Licht holte alle Einzelheiten hervor.

Auch Suko schaute hin, und unsere Augen weiteten sich.

Wie das Gesicht mal ausgesehen hatte, war nicht zu erkennen, denn es war bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Die Haut war nicht abgelöst worden, sie klebte noch fest, und man konnte sie nur noch als Fetzen bezeichnen. Dabei war sie dunkel. Ob schwarz, braun oder tiefgrün, so genau war es nicht zu erkennen.

Nicht nur das Gesicht war erwischt worden, auch der rechte Arm bis hin zur Hand war verbrannt. Ich musste nicht fragen, wie der Körper aussah, denn die Kleidung war geöffnet worden, sodass er frei lag. Dort zeichneten sich keine Brandflecken ab.

»So wurde er gefunden«, erklärte Tanner.

»Weiß man, wer er ist?«

»Ja, Suko. Er trug einen Führerschein bei sich. Der junge Mann heißt Adrian Cox. Mehr wissen wir nicht über ihn. Sein Gesicht ist nicht zu erkennen, es wurde weggebrannt. Und jetzt frage ich mich, wieso das passieren konnte. Und wer das getan hat.«

Da er uns bei diesen Worten angeschaut hatte, fühlte ich mich angesprochen.

»Du gehst demnach davon aus, dass es ein Fall für uns ist, weil bestimmte Teile seines Körpers verbrannt sind und nicht seine gesamte Gestalt.«

Tanner nickte. »Das hätte man meinen können, aber so ist es nicht.«

»Aha.«

»Es gibt einen Zeugen, der trotz des miesen Wetters etwas gesehen hat.«

»Den Mörder?«, fragte Suko.

Tanner hob die Schultern. »Oder die Mörderin«, bemerkte er mit Nachdruck, »denn das ist eine Geschichte für sich.«

»Und wer ist der Zeuge?«

Tanner sah mich an. »Der Küster der Kirche. Er hat das fremde Wesen gesehen.«

»Jetzt ist der Mörder plötzlich ein Wesen?«

»Genau.«

Ich war leicht irritiert, und auch Suko blickte recht erstaunt.

»Wie kommst du darauf?«

»Der Küster hat ein nacktes helles Wesen gesehen, das, als er herkam, sich genau von diesem Ort hier, an dem wir jetzt stehen, entfernte. Aber es rannte nicht weg, es flog, weil es Flügel hatte.«

Ich enthielt mich einer Antwort. Auch Suko sagte nichts. Überrascht waren wir beide.

»Los, redet schon.«

»Sicher.« Ich musste leise lachen. »Und der Küster war nicht betrunken?«

»So ist es. Es hatte noch nicht angefangen zu regnen. Außerdem war es hell, aber nicht, weil die Sonne noch am Himmel stand, sondern weil das Wesen von innen leuchtete. Ein junger Mensch, ein Mädchen, aber kein Kind mehr, und mit Flügeln versehen.«

»Ein Engel«, sagte Suko.

Tanner hob die Schultern.

»Und das kurz vor Weihnachten«, spottete ich. »Sind da die Engel nicht unterwegs?«

»Hör auf zu spotten. Es ist ernst genug.«

»Sorry.«

Suko sagte: »Du hast von einem Küster gesprochen. Kann man mit dem reden?«

»Das denke ich schon. Er war mit den Nerven zwar ziemlich fertig, deshalb habe ich ihn gehen lassen, aber er steht für Fragen zur Verfügung. Er wartet in der Sakristei.«

»Kannte der Küster diesen Adrian Cox?«

»Das weiß ich nicht. Danach habe ich ihn nicht gefragt.«

»Dann sollten wir mit ihm reden«, schlug ich vor und wandte mich wieder an Tanner. »Du bist davon überzeugt, dass dieser Küster den Mörder gesehen hat?«

»Ja, der hat nicht gelogen, das sagt mir meine Erfahrung. Er war völlig aus dem Häuschen.«

»Wie heißt der Mann denn?«

»Frank Gruber.«

»Und er wartet in der Sakristei?«

»Genau, John.«

»Dann hast du sicherlich nichts dagegen, wenn ich ihn mir mal anschaue und mit ihm rede.«

»Bestimmt nicht. Deshalb seid ihr ja hier. Ich habe euch nicht grundlos hergeholt.«

»Kommst du mit?«

Meine Frage hatte Suko gegolten. Er zögerte noch. Wir waren so abgelenkt worden, dass uns nicht aufgefallen war, dass es nicht mehr regnete. Nur der kühle Wind blies über den freien Platz jenseits der Treppe und brachte die Feuchtigkeit mit.

»Geh schon mal vor, John. Ich möchte mich hier noch ein wenig umschauen. Kann sein, dass ich etwas entdecke, das der Regen noch nicht weggeweht hat. Rede du mit dem Küster.«

»Okay.«

Auch Tanner wollte nicht mit. Er wurde hier noch gebraucht und sagte mir allerdings, dass er nachkommen würde.

»Dann ziehe ich mal los.«

Glücklich war ich darüber nicht.

Denn wer läuft schon gern mit Klamotten, die ihm nass am Körper kleben? Da kenne ich keinen …

*

Frank Gruber stand schon über dreißig Jahre im Dienst der Kirche. Von der Gestalt her war er ein kleiner Mann, der auch nicht viel auf die Waage brachte. Aber er war zäh, und das wusste auch sein Arbeitgeber, und so war ihm die Verantwortung für drei Kirchen übertragen worden, und das im Alter von fünfundfünfzig Jahren.

Gruber hatte sich nicht dagegen gewehrt. Er wollte keine Entlassung riskieren, und so hatte er in den sauren Apfel gebissen und den Job übernommen. Das lag jetzt vier Jahre zurück, und er hatte sich daran gewöhnt. Nur bei einer vierten Kirche würde er streiken. Das war dann wirklich nicht mehr zu schaffen.

Auch an diesem Abend hatte er seinen Rundgang gemacht. Erst außen, dann innen. Es war Wind aufgekommen. Er war vor ihm in die Kirche geflohen und hatte die Tür kaum hinter sich geschlossen, da hatte der Himmel seine Schleusen geöffnet und das Wasser geschickt.

Die Welt draußen war zu einer anderen geworden. Die Stille war verschwunden, ein gewaltiges Rauschen hatte die Windgeräusche abgelöst, aber es war nicht so laut gewesen wie das harte Klopfen gegen die Eingangstür der Kirche.

Da sich der Küster in der Nähe befand, nicht weit vom Taufbecken entfernt, war ihm das Klopfen nicht entgangen. Er hatte die Tür aufgezogen und einen jungen Mann gesehen, den er nur vom Sehen kannte. Wie er hieß, wusste er nicht, nur dass zu denen gehörte, die vom rechten Weg abgekommen waren. Er machte als Dealer die Gegend unsicher. Mit der Kirche hatte er nie etwas am Hut gehabt, doch als Gruber das Gesicht des jungen Mannes sah, da wusste er, dass er helfen musste.

Er wollte das Portal weiter öffnen, um ihn einzulassen. Dazu war es nicht mehr gekommen. Die fliegende Lichtgestalt war wie aus dem Nichts erschienen. Sie hatte den jungen Mann gepackt und zurück in den Regen gerissen. Er war auf den Boden geworfen worden und hatte so schrecklich geschrien, dass der Küster diese Laute nie vergessen würde.

Ja, er war feige gewesen und hatte die Tür zugerammt. Nichts sehen und nichts hören.

Erst Minuten später hatte er die Tür wieder geöffnet und den Mann vor dem Portal liegen sehen. Bewegungslos. Wie ein Toter im Regen, der auf seinen starren Körper geprasselt war.

Frank Gruber war nicht hingelaufen, um sich zu überzeugen, ob er helfen konnte. Er hatte sofort die Polizei angerufen und einen Toten gemeldet. Der Instinkt hatte ihm dazu geraten.

Durch seinen Anruf war die Maschinerie angelaufen. Die Mordkommission war eingetroffen, die Spurensicherung ebenfalls. Man hatte ihn als Zeugen vernommen und ihn dann gebeten, in der Sakristei zu warten, weil die Vernehmung noch nicht beendet war.

Darüber war Frank Gruber einerseits froh gewesen, auf der anderen Seite fürchtete er sich vor der Einsamkeit in diesem Raum, dessen Heizung nicht richtig funktionierte und in dem es nicht nur äußerlich kalt war. Auch die Einrichtung vermittelte nicht eine Spur von Geborgenheit. Es hing zwar ein Kreuz an der Wand, es gab einen Tisch, zwei Stühle, einen Schrank für die Messgewänder und ein Regal, auf dessen Brettern zahlreiche Kerzen der unterschiedlichsten Größe lagen. Ein kleines Fensterviereck an der Wetterseite war auch noch vorhanden. Gegen das Glas waren die Wassermassen geschleudert worden und hatten so eine Sicht nach draußen unmöglich gemacht.

Er wartete.