John Sinclair 1657 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair 1657 E-Book

Jason Dark

0,0
1,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.
Mehr erfahren.
Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!

Damals, im sechzehnten Jahrhundert, hatte der Rabbiner Löw in Prag einen Golem, einen künstlichen Menschen, erschaffen. Ob Legende oder Wahrheit, das konnte niemand genau sagen.

Aber es gab einen Menschen, der den Rabbi nachahmen wollte. Pavel Hawelka, ebenfalls ein Tscheche, und er schaffte es tatsächlich, einen neuen Golem zu schaffen, aber einen weiblichen ...

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 133

Veröffentlichungsjahr: 2016

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumDer weibliche GolemVorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Der weibliche Golem

Damals, im sechzehnten Jahrhundert, hatte der Rabbiner Löw in Prag einen Golem, einen künstlichen Menschen, erschaffen. Ob Legende oder Wahrheit, das konnte niemand genau sagen.

Aber es gab einen Menschen, der den Rabbi nachahmen wollte. Pavel Hawelka, ebenfalls ein Tscheche, und er schaffte es tatsächlich, einen neuen Golem zu schaffen, aber einen weiblichen …

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-4428-5

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Der weibliche Golem

Die Frau ahnte nicht, dass sie bald sterben sollte, als Pavel Hawelka ihr die Tür zu seinem alten Haus öffnete. Sie war froh, der Kälte entkommen zu sein, die sich schon seit mehreren Wochen wie eine Glocke über Europa gelegt hatte.

Etwas Wärme um sich zu haben, das war im Moment das Höchste. Besonders in den sternenklaren Nächten. Da biss sich der Frost so richtig in der Natur fest.

Pavel hielt ihr die Tür auf und lächelte sie an. Sie lächelte zurück und zog den Schal enger um ihre Schultern. Mit leiser und noch leicht zittriger Stimme sagte sie: »Es ist so schön warm hier.«

Hawelka nickte. »So soll es auch sein. Der alte Kamin tut es immer noch. Gleich wird es dir richtig warm werden, wenn du erst mal etwas Heißes getrunken hast.«

Er betrachtete sie mit einem prüfenden Blick.

»Wie heißt du eigentlich?«

»Greta.« Sie zog die Nase hoch. »Und du?«

»Pavel.«

»Aha.«

»Wie meinst du?«

Greta schüttelte den Kopf. »Nichts, es ist alles okay.« Sie drehte den Kopf und schaute zurück. Als sie den Schnee sah, lief ein Schauer über ihren Rücken. In der Dunkelheit wirkte er wie ein weißes Leichentuch.

Hawelka ließ sie vorgehen. Durch den kleinen Flur, vorbei an der Treppe nach oben. Er dirigierte sie dann auf eine offen stehende Tür zu, die den Blick in einen Wohnraum freigab.

Hawelka hatte von einem Kamin gesprochen, und der war jetzt zu sehen. Aus alten, feuerfesten grauen Steinen gemauert, bildete er ein Rechteck mit einem ebenfalls viereckigen Sichtfenster. Dahinter führten die Flammen ihren wilden Tanz auf und fraßen sich in die Holzkloben hinein.

»Du kannst dich setzen, Greta.«

»Danke.«

Es gab eine Couch, aber auch zwei Sessel, die zum Platznehmen einluden. Greta entschied sich für einen Sessel. Hawelka erklärte ihr, dass er den heißen Tee aus der Küche holen wollte, was sie mit einem Nicken bestätigte.

»Du kannst ja inzwischen ablegen.«

»Danke.«

Als der Mann verschwunden war, blickte sich die Frau mit flinken Augen um. Dabei zog sie einige Male die Nase hoch. Nicht weil sie erkältet war, sie wunderte sich über den Geruch, der hier schwebte. Er passte nicht zu dieser Einrichtung. Es roch nach Staub, nach Stein und vielleicht auch nach Mörtel.

Zuerst nahm sie den Schal ab. Dabei sah sie die zweite Tür, die zu einem anderen Raum führte. Dann zog sie den Mantel aus, legte ihn über die Rückenlehne der Couch und drapierte ihre Mütze darauf.

Jetzt trug sie nur noch den hellen Pullover und die dicke Winterhose. Die Hose war tiefschwarz. Um ihre Füße herum hatte sich eine kleine Lache gebildet. Der Schnee an ihren Stiefeln war inzwischen getaut.

Greta schüttelte ihr blondes Haar, kämmte es danach mit den Fingern. Ein glattes Gesicht, in dem der kleine Mund auffiel, und zwei scharf blickende Augen. Jetzt sah Greta nicht mehr so alt aus, wie es draußen den Anschein gehabt hatte.

Da die Tür nicht geschlossen war, hörte sie aus der Küche die Geräusche. Pavel sang vor sich hin. Er war beschäftigt und das Teekochen schien ihm Freude zu bereiten.

Sollte er. Greta war das sehr recht. Sie hatte Zeit, sich noch etwas besser umzuschauen, und da interessierte sie die zweite Tür im Raum.

Sie ging mit schnellen Schritten darauf zu und drückte die Klinke nach unten.

Die Tür war abgeschlossen. So zog sich Greta wieder zurück.

An einer Wand stand ein schmales Regal, das aber bis zur Decke reichte. Bücher zeigten ihre Rücken, und an ihnen ging die Frau vorbei. Sie las die Titel. Die Inhalte glichen sich. Es ging immer um Kunst. Um Bildhauerei und auch Malerei.

Die Einrichtung bestand aus alten Möbeln, die man als rustikal bezeichnen konnte.

Und sie sah kleinere Kunstwerke. Figuren aus Stein der unterschiedlichsten Größe. Einige Werke sahen aus wie glatt geschliffen, andere wirkten ungehobelt, als warteten sie noch auf ihre Vollendung.

Manche zeigten Tiere. Andere wiederum menschliche Gesichter oder halbe Gestalten, denen die Beine fehlten. Jedenfalls waren sie nicht uninteressant, und Greta wusste jetzt, dass sie den richtigen Mann gefunden hatte.

Hawelka kehrte zurück. In den Händen trug er ein Tablett, auf dem eine Kanne und zwei Tassen standen. Er trat über die Schwelle, lächelte, schaute die Frau an, und in diesem Moment zerbrach sein Lächeln. Das Tablett auf seinen Händen zitterte, was sich auch auf die Tassen übertrug, die leicht gegeneinander klirrten.

»Das ist doch nicht möglich!«

»Was?«, fragte Greta.

Pavel gab keine Antwort. Er wollte zunächst das Tablett auf dem Tisch abstellen. Dann drehte er sich langsam zu ihr um und starrte sie an.

Greta lächelte ein wenig verlegen, denn er ließ mit seinem Blick keinen Zentimeter ihres Körpers aus.

»Habe ich etwas an mir?«

»Ja, das hast du.«

»Und was?«

»Du – du …« Er musste lachen. »Du bist gar nicht so alt, wie ich gedacht habe.«

»Ja, aber was meinst du damit?«

Er senkte den Blick, weil er nach einer Antwort suchte, die er schließlich fand. »Ich habe wirklich eine alte Frau erwartet, so wie du dich bewegt hast.«

»Man muss sich bei der Kälte entsprechend anziehen.«

»Das ist wohl richtig.« Er schüttelte den Kopf und konnte es noch immer nicht fassen.

»Gefällt es dir nicht?«

Er nickte heftig. »Doch, schon, ja, es gefällt mir. Das ist ja alles okay. Nur – ähm – ich …«

»Bekomme ich jetzt keinen Tee?«

»Doch, natürlich. Den kriegst du. Setz dich doch. Ich habe alles vorbereitet.«

»Natürlich.« Greta nahm Platz und schaute zu, wie der Mann die Tassen verteilte. Wenig später saßen sie sich gegenüber. Pavel schenkte ein und hörte dabei den Kommentar der Besucherin.

»Schön hast du es hier.«

»Wie – wieso?«

»Nun ja, es passt alles zusammen. Das Haus am Wald, die Einrichtung und auch die Kunstgegenstände. Ich habe sie mir angeschaut, sie sind wirklich gut gemacht.«

»Danke, das freut mich.«

»Hast du sie gesammelt?«

»Nein.«

Nach dieser Antwort staunte Greta ihr Gegenüber an. »Sag nur, dass du sie selbst – ich meine …«

»Du bist nicht von hier – oder?«

»Nein, ich mache hier Urlaub. Entspannen im Bayerischen Wald. Das gefällt mir. Da finde ich Ruhe. Aber was hat das mit den Kunstwerken hier zu tun?«

»Wenn du von hier wärst, dann würdest du wissen, dass ich hier als Bildhauer bekannt bin. Die meisten meiner Kollegen sind Schnitzer, aber ich arbeite als Bildhauer, und deshalb kann ich dir sagen, dass ich die Kunstwerke geschaffen habe.«

Greta blies die Luft aus, nickte und flüsterte dabei: »Alle Achtung, das ist wirklich toll.«

Das Lob machte den Mann verlegen. Er winkte lächelnd ab. »Na ja, es geht. Ich bin mit vielen Werken noch nicht so richtig zufrieden. Da muss ich nacharbeiten.«

»Klar. Künstler wollen perfekt sein.«

Pavel stand auf. Er ging zu einem Schrank, der zwei Glastüren hatte. Dahinter waren Flaschen zu sehen, die harte Getränke enthielten. Er holte eine Flasche hervor und zwei kleine dickwandige Gläser.

Als er alles auf den Tisch gestellt hatte, deutete er auf die Flasche. Dabei fragte er: »Kennst du den Bärwurz?«

Greta runzelte die Stirn. »Gehört habe ich davon. Das ist ein hier in der Gegend bekannter Schnaps – oder?«

»Genau. Und den sollten wir trinken. Auch wenn er dir etwas ungewöhnlich schmecken sollte, aber er ist okay. Das ist Medizin gegen die Kälte.«

Die Frau klatschte in die Hände. »Na, wenn du das sagst, ist das klar. Ich werde einen Bärwurz trinken. Man soll sich ja dem Neuen nicht verwehren.«

»Ausgezeichnet.« Hawelka öffnete die Flasche und goss die beiden Gläser bis zum roten Strich dicht unter dem Rand voll. »So«, sagte er, »das wird uns gut tun.«

»Ich hoffe es.« Greta griff nach dem Glas. Sie hatte den Bärwurz schon getrunken. Wer sich in dieser Gegend aufhielt, der kam einfach nicht daran vorbei. Und es war auch besser, wenn man das Getränk mit einem Ruck in die Kehle kippte. Dann hatte man es hinter sich. Genau das tat Greta.

Das Zeug schmeckte wie – nun ja, sie fand keinen richtigen Vergleich. Dachte aber an einen Laternenpfahl ganz unten. Irgendwie undefinierbar oder auch nach Wurzeln, die lange in der Erde gesteckt hatten. Sie musste an sich halten, um ihre Reaktion nicht zu negativ ausfallen zu lassen. Als sie das Glas wieder auf den Tisch stellte, schüttelte sie sich trotzdem.

Pavel Hawelka grinste sie an. Er war ein Typ, der in diese Gegend passte. Eine wilde schwarze Mähne wuchs auf seinem Kopf. Sie war bereits von einigen grauen Strähnen durchzogen und verdeckte auch die Ohren. Hinzu kam noch ein Bart, der den unteren Teil des Gesichts umwucherte. Eine klobige Nase und zwei kleine Augen fielen ebenfalls auf. Der Mund war in dem Gestrüpp kaum zu sehen.

Über ihn wischte Hawelka, bevor er fragte: »Na, wie hat dir der Bärwurz geschmeckt?«

Greta wollte ihn nicht beleidigen und sagte mit einem leisen Krächzen in der Stimme: »Wie Medizin.«

Der Künstler lehnte sich zurück und lachte. »Ja, so kann man es auch nennen. Möchtest du noch einen zweiten?«

»Nein, um Himmels willen. Der hat mir gereicht.«

»Aber doch einen Tee. Er muss jetzt richtig durchgezogen sein. Er ist ein besonderes Getränk, ich habe ihn aus Kräutern gebraut, die man hier im Wald findet.«

»Da bin ich gespannt.«

Pavel Hawelka lächelte und goss das Getränk in die beiden Tassen. Dabei fragte er: »Du bist nicht von hier, das hört man. Wo kommst du denn her?«

»Ach, aus dem Hessischen.«

»Da war ich noch nie.« Er stellte die Kanne wieder zur Seite. »Ich komme hier kaum weg.«

»Aber du bist kein Deutscher.«

»So ist es. Ich stamme aus Tschechien und bin in Prag aufgewachsen. Dann hat es mich in diese Gegend verschlagen. Ich wollte meiner Begabung nachkommen, habe einige Werke erschaffen, von denen ich sogar hin und wieder eines verkaufen konnte. Die Leute hier haben mehr Geld als in meiner Heimat. Vor allen Dingen die Touristen. Ich kann sagen, dass ich zufrieden bin.«

»Das ist ja nett. So etwas hört man heutzutage viel zu selten. Die meisten Menschen sind es nicht.«

»Ja, ich weiß. Das höre ich hin und wieder auch. Oder lese es in den Zeitungen.« Er deutete auf seine Tasse. »Ich denke, dass wir uns den Schluck verdient haben.«

»Das meine ich auch.«

Greta umfasste ihre Tasse mit beiden Händen und hob sie an. Dabei schielte sie über den Rand auf Pavel Hawelka, der das Gleiche tat.

Greta ließ ihn zuerst trinken, dann nahm sie einen Schluck. Es war kein Vergleich zu dem Bärwurz. Der Tee schmeckte nicht scharf. Er kratzte auch nicht im Hals. Allerdings nahm sie ihn als etwas bitter wahr oder auch als fremd. Sie schluckte ihn langsam, weil er recht heiß war, aber sie musste auch zugeben, dass er auf eine bestimmte Weise gut tat und sie von innen wärmte, trotz des Nachgeschmacks. Aber das musste wohl an den Kräutern liegen.

»Und? Bist du jetzt zufrieden?«

»Er schmeckte mir besser als der Bärwurz.«

»Das dachte ich mir.«

»Aber er ist gewöhnungsbedürftig.«

Pavel fing an zu lachen. »Stimmt, das ist er. Auch bei ihm muss man einen zweiten Schluck nehmen. Das ist wie bei dem fränkischen Rauchbier. Du trinkst dein erstes Glas, wunderst dich, aber nach dem dritten bist du zufrieden.«

Auch Greta kannte das Getränk. Sie wollte darüber reden, aber die Worte blieben ihr im Hals stecken, denn plötzlich erlebte sie einen Schweißausbruch, mit dem sie nicht gerechnet hatte. Eine wilde und heiße Lohe schoss durch ihren Körper, erreichte auch das Gesicht und sorgte auf den Haut für den Schweißfilm.

Das war nicht normal. Nein, das konnte nicht sein. Nicht nach einem Schluck Tee. Vorausgesetzt, der war okay. Sie dachte an den Geschmack und die Bitterstoffe, aber Pavel hatte ihn ebenfalls getrunken, und er sah völlig normal aus.

Jetzt lächelte er und fragte völlig harmlos: »Was ist denn los mit dir, Greta?«

Sie wollte antworten und tat es schließlich mit leiser Stimme, wobei sie sich noch anstrengen musste.

»Ich weiß es nicht. Mir ist plötzlich so heiß, als würde in meinem Innern ein Feuer brennen. Hat das am Tee gelegen?«

»Ja.«

Greta musste erst warten, bis sie eine weitere Frage stellen konnte. »Warum und wieso …?«

»Ich habe den Tee in deiner Tasse vergiftet.«

»Und warum?«, keuchte sie.

»Weil du sterben sollst …«

*

Es ging Greta nicht so schlecht, als dass sie die Antwort nicht verstanden hätte.

Der Mann vor ihr musste den Satz nicht wiederholen. Sie glaubte ihm auch so, und durch ihren Kopf schoss nur ein Begriff.

Vergiftet!

Beide Hände drückte sie rechts und links des Körpers gegen die Sitzfläche. Sie wollte aufstehen, das Haus verlassen, hinein in die Kälte laufen, in der es ihr möglicherweise besser ging.

Es blieb beim Versuch. Greta schaffte es nicht. Ihr Körper schien mit Blei gefüllt und doppelt so schwer geworden zu sein. Man hatte ihr die Kraft geraubt. Das Gehirn gab zwar noch seine Befehle, aber der Körper reagierte nicht mehr.

Eines jedoch war ihr klar geworden. Sie war an der richtigen Stelle gewesen. Hier hätte sie den Fall aufklären können, aber letztendlich war Hawelka schneller gewesen. Er hatte sie durchschaut, und auch jetzt ließ er sie nicht aus den Augen, wobei sich sein Mund zu einem Grinsen verzogen hatte.

Greta nahm den Blick nicht von ihm. Er saß auf der Couch und war dabei, sich zu verändern. Sein Gesicht zog sich in die Breite, der Körper schien sich dabei in eine Gummimasse verwandelt zu haben, die sich mal nach links, dann wieder nach rechts bewegte.

So sah der Mann nicht wirklich aus. Mir wird etwas vorgegaukelt!, dachte sie und hörte sich selbst ächzen. Sie bewegte ihre Arme nach vorn, was kaum zu schaffen war. Greta gab trotzdem nicht auf. Sie wollte die Kante des Tischs erreichen, um sich dort vielleicht auf die Beine ziehen zu können, aber das war nicht mehr möglich. Auch der Tisch bewegte sich. Er schwang mal von ihr weg, dann schwappte er wieder näher heran, aber er war keine Hilfe mehr für sie.

Sie fasste daneben, kippte nach vorn und konnte sich nur unter großen Mühen wieder hinsetzen.

Pavel Hawelka betrachtete sie mit großem Interesse. Er sah ihr schweißnasses Gesicht. Er hörte sie keuchen und ächzen, schaute ihrem Kampf zu und freute sich darüber, dass sie immer schwächer wurde, denn genau das hatte er gewollt. Ihr letzter Widerstand musste gebrochen werden. Sie durfte nicht mehr zurück in ihre Normalität gelangen. Zur Not würde er ihr einen weiteren Schluck Tee einflößen.

Das war nicht mehr nötig. Er sah, dass ihr Blick längst an Klarheit verloren hatte und immer abwesender geworden war.

Langsam fiel die Frau zurück. Die hohe Lehne hielt sie auf, und so blieb sie im Sessel sitzen. Ihr Mund war nicht geschlossen. Er stand ein Stück weit auf, und aus dem rechten Winkel rann ein dünner Speichelfaden.

»He, Greta, hörst du mich?«