John Sinclair 2279 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair 2279 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Sie hieß Lucilla und war eine besondere Frau, denn in Wirklichkeit hörte sie auf den Namen Magira. Und als solche beherrschte sie das Spiel mit den Karten, den Tarot-Karten, die plötzlich zum Leben erwachten ...

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Seitenzahl: 126

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Inhalt

Cover

Magiras Todesshow

Jason Dark's Leserseite

Vorschau

Impressum

Magiras Todesshow

von Jason Dark

Tom Sheldon starrte auf das weiche Licht der Kerzen, das auf dem Tisch schwamm.

Es waren vier!

Vier Schicksalskarten.

Und eine davon würde auch für ihn wichtig werden, denn er selbst konnte sich die Karten aussuchen. Die Bilder sah er nicht, denn die Karten lagen verdeckt auf dem Tisch.

An der anderen Seite des Tisches und ihm gegenüber saß sie. Diejenige, die alles im Griff hatte und sich Magira nannte. Sie hatte Tom unter ihre Fittiche genommen. Sie war es auch, die ihm alles diktierte. Ohne sie oder ohne ihre Einwilligung geschah nichts mehr mit Tom Sheldon. Er gehörte jetzt ihr ...

Er gehörte einer Person, die gar nicht so gefährlich aussah. Braunes Haar, ein rundes Gesicht, ein schöner Mund, eine gerade Nase, dunkle Augen und eine rote Blume im Haar, die ihr wohl etwas Exotisches verleihen sollte. So einer Frau vertraute man, und das hatte Tom Sheldon auch getan.

Ja, und dann war er in ihren Bann geraten. Er wusste auch nicht, wie ihm geschah, aber diese Frau war plötzlich in seinem Leben mehr als wichtig geworden.

Sie war alles für ihn.

Aber mit einer gewissen Distanz. An Sex wagte er nicht mal zu denken, das wäre Sex mit der Königin gewesen, und auf so was konnte er sich keinesfalls einlassen.

Sie hatte ihn angenommen. Als wäre er ein Adoptivkind. Ab da hatte sie über ihn bestimmt, um ihn auf das große Ereignis vorzubereiten, das am Ende der Bekanntschaft stand. Dann sollte er erleben, wie die andere Kraft sein Leben beherrschte und ihn dahin brachte, etwas zu tun, woran er nicht im Traum gedacht hatte.

Tom Sheldon hörte die Frage.

»Bist du bereit?«

»Ja, das bin ich.«

»Dann darfst du dir jetzt eine Karte aussuchen. Das erlaube ich dir, mein Freund.«

»Danke.«

Tom Sheldon wusste nicht, welche Karte ihm in die Hände fallen würde. Vier Karten standen ihm zur Verfügung. Jede wies ein anderes Motiv auf. Aber egal, was kam, er musste jede Karte annehmen.

Er wartete noch, sah die Frau an, die sich nicht bewegte. Sie schien zu Stein geworden zu sein. Aber sie konnte reden und sagte mit leicht zischender Stimme: »Nimm jetzt eine Karte.«

Es gab für Sheldon kein Nachdenken mehr. Seine Hand schnellte vor und auf die erste Karte zu, die er an sich nahm. Er traute sich noch nicht, sie umzudrehen, und behielt sie in der leicht zittrigen Hand, was auch Magira sah. In der herrschenden Stille klang ihre Stimme überlaut, als sie redete.

»Dreh sie um!«

Genau darauf hatte Sheldon gewartet. Diese Drehung war der Beginn einer neuen Seite für ihn, das wusste er. Jetzt ging es nur darum, herauszufinden, welches Tarotmotiv ihn da erwischte.

Er drehte die Karte und starrte auf die Vorderseite. Er hatte schon vorher einen relativ starren Blick gehabt. Der wurde nun noch starrer, und Sheldon zuckte zurück.

Er sah das Motiv. Der Kerzenschein reichte aus, um es erkennen zu lassen.

Es war ein Mann. Er trug eine enge Hose und ein weites Hemd. Eine Weste hatte er auch noch angezogen, und auf dem Kopf saß eine Kappe ohne Schirm.

Das wäre alles noch normal gewesen. Aber es gab etwas, das den Betrachter störte.

Der Mann lehnte mit dem Rücken an einem Baumstamm. An ihn war er auch gefesselt worden. Nein, das stimmte nicht ganz, das sah nur so aus. Der Mann war zwar gefesselt, aber er war aufgehängt worden, baumelte mit dem Kopf nach unten, der dicht über dem Boden schwebte.

Tom Sheldon sah ihn. Er merkte, dass sein Herz schneller schlug, und erlebte einen Druck hinter seinen Augen. Er hatte ja gewusst, dass er eine Tarot-Karte mit Bild ziehen würde, nur dass es der Gehängte sein würde, das hätte er nicht erwartet.

Wie sollte er ihn einschätzen? Was würde ihm die Karte sagen? Hatte sie überhaupt eine Bedeutung für ihn?

War er derjenige, der in naher Zukunft gehängt werden würde?

Folter. Schmerzen! Diese beiden Begriffe huschten durch seinen Kopf.

Auf seinem Rücken bebte ein Schauer. Sein ganzer Körper fühlte sich an, als hätte man ihn in die Länge gezogen.

Magira ließ sich Zeit, bevor sie eine Frage stellte. »Du hast die Karte gesehen?«

Er nickte. Reden konnte er nicht.

»Sie gehört jetzt dir.«

Er nickte erneut.

»Und ab jetzt wirst du derjenige sein, der dieser Karte gehorcht. Sie ist so etwas wie ein zweites Ich.«

»Ja, das weiß ich.«

»Du wirst nicht nur der Karte gehorchen, sondern auch dem, was sie dir sagt. Sie wird dafür sorgen, dass du auf einen bestimmten Weg gehst und genau das tust, was man dir sagt. Nur so kannst du weiterhin ein gutes Leben führen.«

»Ich werde mich daran halten.«

»Das ist gut.«

»Und was muss ich tun?«

Da lachte Magira. »Denk daran, welche Karte du gezogen hast. Einmal zumindest wirst du in Aktion treten, und dann möchte ich, dass du alles richtig machst.«

»Ja, ich werde mich bemühen.«

»Zu wenig. Du musst es wollen. Du darfst nur an eines denken, musst aber auch dein Leben weiterführen. Das wirst du bestimmt schaffen. Denn du sollst stolz darauf sein, zu meiner Hausmacht zu gehören. So habe ich es vorgesehen. Und du musst dich daran erinnern, dass ich immer in deiner Nähe bin. Auch wenn du mich nicht siehst, ich bekomme eben alles mit.«

»Ja, das glaube ich.«

Er stand da, hielt die Karte in der Hand und starrte das Motiv an. Der Mann hing an einem Fuß. Um ihn herum drehte sich die Schlinge. Sein Gesicht sah nicht mal erschreckt aus, aber das konnte auch eine Täuschung sein.

»Was mache ich jetzt?«

»Das ist ganz einfach. Du wirst einer anderen Macht dienen. Du wirst das aus dem Weg räumen. Und zwar als ein Henker. So wirst du unterwegs sein, und meinen Segen habe ich dir schon längst gegeben. Darauf kannst du dir etwas einbilden.«

»Ja, das ist so. Und ich weiß auch, dass ich es akzeptieren muss. Du bist meine Königin.«

»Ja, mein Freund. Ich herrsche. Und denke daran, dass ich immer in deiner Nähe sein werde, auch wenn du mich nicht siehst oder hörst, aber ich bin da.«

Es war der letzte Satz, den Magira gesprochen hatte. Sie nickte noch, dann stand sie von ihrem Stuhl auf.

Alles normal. Oder nicht?

Tom Sheldon stand da und staunte. Magira drückte sich in die Höhe, das war normal, doch als sie stand, passierte etwas mit ihr. Sie blieb stehen, aber sie schwamm trotzdem weg. Ein Körper löste sich von dem ihren.

Es war der gleiche.

Tom Sheldon hielt den Atem an. Und es schlug dem Fass den Boden aus, als er sah, was geschah.

Beide Körper gingen in verschiedene Richtungen weg. Körper, keine Geister.

Tom Sheldon stand da und sah zu. Komischerweise verspürte er keine Angst, aber begreifen konnte er das nicht. Das war nicht normal und nicht zu erklären, aber jetzt hatte er auch eine Nachricht bekommen, dass seine Zukunft anders aussehen würde ...

Der Gehängte, der zum Henker werden wollte, war schon in der zehnten Nacht unterwegs und suchte nach Opfern.

Es war nicht einfach, denn er musste bei seiner bestimmten Methode bleiben. Er konnte nicht einfach hingehen und Opfer erschießen oder ihnen ein Messer in den Rücken rammen, nein, denn hier gab es bestimmte Regeln, die zu beachten waren.

Er durfte aus seiner Klammer nicht raus. Er gehörte als lebende Person in die Welt des Tarots. Er hatte sich von ihr faszinieren lassen, er war jetzt ein Mitglied und wollte dieses krönen, indem er seine eigenen Ziele setzte.

Er brauchte ein Opfer.

Er wollte es hängen sehen.

Aber er hatte bisher keines gefunden. Es konnte auch sein, dass er zu feige war oder noch zu rücksichtsvoll, aber das wollte er vergessen. Tagsüber, wenn es hell war, ging er seinem Job nach. Er war Verkäufer in einer Buchhandlung. In der Dunkelheit aber wurde er zum Jäger, der endlich ein Opfer haben wollte.

Und so streifte er weiterhin durch die Londoner Parks. Er war davon ausgegangen, bei der Dunkelheit große Chancen zu haben, aber das konnte er vergessen. So richtig einsam war er nie gewesen. Immer dann, wenn er eine Chance gesehen hatte, war etwas dazwischengekommen. Mal der eine oder andere Zeuge, aber auch ein Mensch auf seinem Fahrrad, dessen Lichtkegel ihn fast erwischt hätte.

Und in dieser Nacht?

Gut gelaufen war es bisher nicht. Aber er wollte nicht aufgeben, und er fand eine unbesetzte Bank, die am Rand eines Wegs stand. Auf der anderen Seite wuchsen drei mächtige Bäume – wahrscheinlich Eichen –‍, die perfekt in seinen Plan gepasst hätten. Da waren die Äste stark genug, um auch einen menschlichen Körper zu halten.

Dann kam noch etwas hinzu, das er auch nicht vergessen durfte. Hin und wieder hatte er das Gefühl gehabt, verfolgt zu werden. Aber er hatte nie einen Verfolger gesehen, obwohl er sich sehr auf ihn konzentriert hatte.

Auch jetzt?

Er wusste es nicht. Er wollte auch nicht länger daran denken, er dachte nur an seine Aufgabe, die er endlich erfüllen wollte. In dieser Nacht musste es klappen. Das Seil mit der Schlinge lag bereit. Es musste endlich in Aktion kommen.

Es war still. Oder?

Tom Sheldon zuckte leicht zusammen, weil er etwas gehört hatte. Und das hatte ihn von der rechten Seite erreicht. Er fragte sich, ob es Schritte gewesen waren, und drehte den Kopf.

Es war einfach zu dunkel, um etwas erkennen zu können. Das Glas in der Laterne in der Nähe war zerschlagen worden. Da gab es keinen Gegenstand mehr, der Licht abgegeben hätte. Der nächste helle Fleck war zu weit entfernt.

Und jetzt?

Doch! Er hatte sich nicht geirrt. Es war ein Geräusch gewesen, und es war auch von einer bestimmten Person verursacht worden. Nicht von einem Tier, sondern von einem Menschen.

Husten. Danach ein Flüstern. Wieder das Keuchen. Anschließend der Fluch.

Einen Moment später tauchte der Mensch auf. Es war ein Mann. Er ging. Nur war es kein normales Gehen, sondern ein Schlendern. Zudem schwankte der Oberkörper immer wieder von einer Seite zur anderen.

Es gab keinen Zweifel für Tom Sheldon. Das war sein Opfer. Dieser Betrunkene würde ihm keine Probleme bereiten. Aber er selbst war für Tom wichtig.

Das war es!

Ja, verdammt, das war sein Opfer. Das musste er haben, und das würde er auch bekommen.

Mit einem schnellen Ruck stand er auf, aber er hielt es keine Sekunde in dieser Haltung aus, denn er warf sich nach vorn.

Er wollte den Moment der Überraschung ausnutzen und sich auf keinen langen Kampf einlassen.

Der Mann bekam die volle Kraft des Aufpralls mit und wurde zur Seite geschleudert. Die Wucht war so stark, dass der Mann über den Wegrand kippte und rücklings auf dem Boden liegen blieb, und das direkt unter einer Eiche.

Bewusstlos war der Betrunkene nicht geworden. Er lag auf dem Rücken, stöhnte und fluchte leise vor sich hin. Um Tom Sheldon kümmerte er sich nicht. Er hätte ihn auch nicht gesehen, denn er hielt sich außer seiner Sichtweite auf und war unter dem mächtigen Eichenbaum schwer beschäftigt.

Er musste die Schlinge und das Seil bereit machen. Es war für ihn eine Premiere, aber er glaubte fest daran, dass sie ihm nicht misslingen würde.

Der Betrunkene lag auf dem Boden und jammerte vor sich hin. Er traf auch keine Anstalten, auf die Beine zu kommen, und so hatte der Henker freie Bahn.

Einen starken Ast hatte er schon gefunden. Jetzt musste er nur noch einen Punkt haben, an dem er den langen Strick an seinem Ende festbinden konnte.

Es ging alles in Ordnung. Lief besser, als er es sich vorgestellt hatte.

Tom Sheldon wollte, nein, er musste eine Stelle finden, wo er das Strickende gut festbinden konnte. Zum Glück war der Strick lang genug.

Sheldon grinste. Sein Blick flackerte. Er fühlte sich zufrieden. Es lief alles so, wie er es sich vorgestellt hatte. Jetzt musste er nur noch den Typen aufhängen.

Es würde nicht leicht werden. Der Kerl war recht schwer. Bis unter die Schlinge musste er gezogen werden, erst dann konnte er sich an den letzten Teil der Aufgabe machen.

Neben seinem Opfer blieb er stehen. Der Mann lag auf dem Rücken und schickte seinen Blick in die Höhe. Er war zwar nicht völlig nüchtern geworden, aber er hatte schon Probleme mit dem Sprechen.

»Verdammt, was soll das? Was hast du da gemacht?« Er schien schon etwas mitbekommen zu haben.

»Du bist der Erste, den ich mir holen werde.«

»Wieso holen? Wer bist du?«

»Ich bin der Gehängte, und nun bin ich zum Henker geworden. Du bist mein erstes Opfer.«

»Hä?«

»Ich hänge dich auf!«

Es war jetzt alles klar gesagt worden, aber der Betrunkene, der noch immer am Boden lag, konnte es nicht fassen. Er fing sogar an zu lachen und sprach davon, dass es eine Verarsche war.

»Nein, das ist es nicht.«

»Und wo willst du mich hängen?«

»Hier.«

Der Mann sagte nichts mehr. Er wusste wohl nicht, wie er sich aus der Affäre ziehen sollte, aber er versuchte jetzt, sich aus seiner liegenden Lage zu befreien und auf die Beine zu kommen, was Tom nicht zulassen wollte.

»Und wo willst du mich hängen?«

»Hier.«

Der Mann lachte, aber er tat es nicht allein, sondern schaffte es jetzt, mit Schwung auf die Beine zu kommen und sich sogar zu halten, was nicht einfach war.

Tom Sheldon war sofort bei ihm. Er stützte ihn ab und drehte ihn so, dass er ihn vorschieben konnte, wenn er die Hände gegen den Rücken drückte.

Alles passte, und Tom Sheldon konnte zufrieden sein, was er auch war, denn aus seiner Kehle drang ein zufriedenes Brummen. Und es gab noch einen Vorteil. Der ihm unbekannte Angetrunkene wehrte sich nicht, als er vorgeschoben wurde und so dem Strick immer näher kam.

Selbst bei dieser Dunkelheit war die Schlinge zu sehen, die sich um seinen Hals legen sollte. Sie hing dabei glatt nach unten und bestand aus einem dicken Seil.

Der Betrunkene blieb stehen und kicherte. Dabei fragte er: »Und jetzt? Was läuft jetzt?«

»Dein Ende.«

»Aha. Und wie?«

Tom Sheldon sah für einen Moment auf die schwankende Gestalt, dann sagte er: »Ich werde dich hängen. So wie es die Regeln befehlen. Ja, du wirst gehängt.«

»Hier?«

»Siehst du die Schlinge?«

Der Mann lachte. Dann lachte er nicht mehr, als der äußere Rand der Schlinge über sein Gesicht schleifte. Dabei sagte sein Henker etwas, was er nicht verstand, aber er merkte den Druck an seinem Hals, als sein Kopf in der Schlinge steckte.

Auf einmal fuhr es wie ein Feuerblitz durch seinen Körper. In diesem Moment wurde ihm wirklich bewusst, was da mit ihm passieren sollte.

Umbringen! Sterben! Hängen ...

Das konnte nicht wahr sein. Er wusste, dass er in der Falle steckte, dagegen konnte er sich nicht wehren. Aber was macht jemand, dem dies nicht gelingt?

Er schreit!

Das wollte der Mensch auch tun. Sein Mund stand offen, aber nur ein Krächzen drang hervor.

Im nächsten Moment nahm der Druck um seine Kehle herum an Festigkeit zu. Das war der Moment, in dem er nur noch würgen konnte, und das würden die letzten Laute vor seinem Tod sein ...