John Sinclair 71 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair 71 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1978 - 1979!

Die Knochensaat.

Der alte Totengräber sah es zuerst. Die Skelette standen auf. Spatzek fiel es wie Schuppen von den Augen. Er erinnerte sich an die alte Überlieferung, die seit vielen Generationen weitererzählt wurde.

Und er wusste, dass die Knochensaat, vor Jahrhunderten gelegt, zu einer Ernte des Grauens geworden war.

John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!

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Seitenzahl: 133

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumKnochensaatVorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Die Knochensaat

Der alte Totengräber sah es zuerst. Die Skelette standen auf. Spatzek fiel es wie Schuppen von den Augen. Er erinnerte sich an die alte Überlieferung, die seit vielen Generationen weitererzählt wurde.Und er wusste, dass die Knochensaat, vor Jahrhunderten gelegt, zu einer Ernte des Grauens geworden war.

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-2825-4

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Knochensaat

Der alte Totengräber sah es zuerst. Die Skelette standen auf.

Kommissar Mallmann freute sich auf seinen Urlaub und wurde urplötzlich in ein mörderisches Abenteuer gerissen. Für die Menschen in dem kleinen Ferienort im Bayerischen Wald kam das Unheil wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Sie wurden von einer Sekunde zur anderen ausgeschaltet.

Nur einer blieb verschont. Ich, John Sinclair.

Aber ich stand auf verlorenem Posten, denn die Knochensaat, vor Jahrhunderten gelegt, wurde zu einer Ernte des Grauens …

Eigentlich führte Fred Spatzek trotz seiner zwei Berufe ein ziemlich ruhiges Leben. Ein Leben, wie man es vom Dorf her kennt. Man fühlt sich eingeschlossen in den Kreislauf der Natur, beobachtet die Jahreszeiten, diskutiert über das Wetter, redet über die Nachbarn und kommt hin und wieder auf die Arbeit zu sprechen.

Spatzek war Küster. Zum einem.

Als zweiten Beruf hatte er den des Totengräbers gewählt. Ein nicht gerade attraktiver Job, aber die Gemeinde suchte einen Totengräber, und da hatte er sich gemeldet.

Kirche und Friedhof hingen zusammen, sie bildeten gewissermaßen eine Symbiose – eine Lebens- beziehungsweise Totengemeinschaft. Aber davon später.

Wenden wir uns zuvor Fred Spatzek zu. Als Junggeselle lebte er oben im Pfarrhaus, bewohnte dort zwei kleine Zimmer, die man schon mit dem Begriff Kammern umschreiben musste, so klein waren sie. Wenn er durch die schmalen Fenster schaute – sie lagen nach Osten – sah er über die Hänge des Bayerischen Waldes bis weit in die Tschechoslowakei.

Ihn überlief jedes Mal ein Schauer, wenn er an die Wachtürme und Schießanlagen dachte, die die Grenze absicherten. Doch hin und wieder kam ein Flüchtling durch, nicht zuletzt auch durch Fluchthilfe aus dem Westen, und so erlebte die kleine Gemeinde Waldeck hin und wieder etwas Besonderes.

In diesem Jahr jedoch hatte sich nichts getan. Das kam vielleicht daher, dass die Tschechen ihre Grenzkontrollen verstärkt hatten und auch sofort schlossen, wenn sich etwas bewegte.

So war es also ruhig geblieben.

Touristen kamen kaum in den Ort. Und wenn, dann suchten die Urlauber Ruhe und Erholung. Denn in Waldeck gab es keinen Rummel, keine Discos, nur Gasthöfe, wo man sich einen Rausch antrinken konnte und hinterher vom Wirt auf die Straße gesetzt wurde.

Aber am gestrigen Tag hatte die Totenglocke geläutet. An diese Arbeit konnte sich der Küster und Totengräber nie gewöhnen. Immer wieder klang ihm das dünne Bimmeln noch lange in den Ohren nach. Er mochte die Totenglocke nicht.

Der Umgang mit Leichen machte ihm nichts aus. Leichen redeten nicht, Leichen taten ihm nichts. Und vor allen Dingen gaben sie keine Widerworte, wie Marie, die alte Haushälterin des Pfarrers und gleichzeitig Drachen vom Dienst.

Aber gestorben war lange keiner mehr aus dem Dorf. Den Alten bekam die frische Luft des bayerischen Waldes, einer im Dorf ging sogar auf die Hundert zu.

Das würde ein Fest werden.

Fred Spatzek freute sich jetzt schon darauf.

An diesem Abend – es war ein Montag, und er hatte die Abendglocke schon geläutet – machte sich Fred Spatzek für seinen kleinen Spaziergang bereit. Er endete regelmäßig im Gasthaus. Der Rückweg ging dann nicht so schnell. Vor allen Dingen die letzte Steigung bis zur Kirche hin bereitete ihm bei fünf Halben im Bauch immer große Mühe. Und wenn Marie ihn dann noch sah, gab es sowieso immer ein Donnerwetter.

Fred Spatzek zog sich in seiner Schlafkammer um. Den Rock des Küsters legte er auf das Bett, zog ein anderes Hemd an, eine Hose aus grobem Cord und streifte die Jacke über.

Er besah sich im Spiegel.

Eine Schönheit war Fred Spatzek nicht.

Einundfünfzig Jahre zählte er bereits, die Haare auf seinem Kopf konnte er bald einzeln legen, und aus seinem schmalen Gesicht stach die Nase spitz hervor. Das Kinn fiel zum Hals hin ab, und um seine Augen hatten sich unzählige Fältchen gruppiert.

Er pfiff vor sich hin, denn er hatte großen Durst. Den zu löschen, war für ihn immer ein Vergnügen.

Spatzek verließ seine Kammer, schloss die Tür ab und ließ den Schlüssel in die Jackentasche an der rechten Seite gleiten. Dann schritt er die Stufen der schmalen Holzstiege hinunter. Durch das schmale Fenster am ersten Treppenabsatz fiel das Abendlicht. Bald würde die Dämmerung einsetzen und wie mit langen, dunklen Fingern in die Täler kriechen.

Waldeck lag etwas höher, auf dem Kamm eines Hügels. Zum Westen hin erstreckte sich dichter Wald, während in der anderen Richtung, auf die Grenze zu, die Bäume abgeholzt worden waren.

Spatzek erreichte das Erdgeschoss. Links lag die Wohnung des Pfarrers. Essenduft drang an Spatzeks Nase, und der Küster schnüffelte.

Er schlich zur Haustür.

Marie brauchte nicht unbedingt zu sehen, dass er wieder einmal verschwand.

Doch die hatte Argusaugen.

Plötzlich trat sie aus einer Nische und verbaute dem armen Spatzek den Weg.

»Na«, sagte sie mit ihrer Reibeisenstimme, und der Totengräber zuckte regelrecht zusammen. »Willst du wieder saufen?«

Spatzek grinste. »Nur ein Bierchen, Marie!«

Die Frau nickte. »Das kenne ich, du Säufer. Hinterher kommst du wieder stockbetrunken angetorkelt. Mich wundert es, dass der Pfarrer dich noch nicht entlassen hat.«

Spatzek hob die Schultern und schaute Marie an. Sie brachte mindestens zwei Zentner auf die Waage. Das Gesicht ähnelte dem eines Posaunenengels mit rosigen Wangen, und das immer noch schwarze Haar hatte sie zu einem Knoten hochgesteckt. Marie trug ein blaues Kleid und eine blütenweiße Schürze, die noch nach Stärke roch.

Spatzek hob die Hand. »Ich schwöre dir, dass …«

»Schwöre nichts, was du nicht halten kannst, du versoffener Strick.«

Spatzeks Arm fiel nach unten.

Bevor Marie jedoch zu einer weiteren Moralpredigt ansetzen konnte, klingelte es.

Marie drehte sich um.

Die Haustür besaß einen Glaseinsatz. Dahinter sah sie die Umrisse einer männlichen Person. Marie ging hin und öffnete.

Otto Hirmer, ein Bauer, stand vor der Tür und knetete seine großen Hände. Er hatte verweinte Augen, und Marie wusste sofort, dass etwas passiert war.

»Ist Mutter …?«

Hirmer nickte. »Ja, sie ist gestorben.«

»Und der Pfarrer? Er war doch gar nicht bei ihr.«

Hirmer hob die Schultern. »Es – es ging sehr schnell«, berichtete er stokkend. »Mutter fiel plötzlich um und war tot. Herzschlag, glaube ich. Sie war immerhin über fünfundachtzig.«

Marie nickte. »Ja, ja, das kommt schnell.« Dann griff sie nach der Hand des Mannes. »Auf jeden Fall mein herzliches Beileid, Otto. Es tut mir leid.«

»Danke!«

Der Pfarrer hatte gehört, dass gesprochen wurde. Er kam aus seinen Privaträumen. Marie sah ihn zuerst und erzählte mit wenigen Worten, was geschehen war.

»Friede sei mit ihr«, sagte der Geistliche salbungsvoll und reichte Hirmer ebenfalls die Hand, um zu kondolieren.

Der Pfarrer war ein Mann, der die Sechzig bereits überschritten hatte. Sein weißes Haar wuchs nur noch an den Seiten des Kopfes. Er hatte ein gesundes rosiges Gesicht, immer ein freundliches, gütiges Lächeln auf den Lippen und sah eigentlich aus wie ein Bilderbuchpastor.

Und er war schrecklich konservativ. Er hielt nichts von dem modernen Kram und hatte sich sogar geweigert, ein Paar zu trauen, von dem er wusste, dass die Frau keine Jungfrau mehr war.

In Waldeck hielt man eben noch auf Konventionen.

»Wie ist es denn passiert?«, erkundigte er sich leise.

Otto Hirmer erzählte seine Geschichte zum zweiten Mal, und der Pfarrer nickte.

»Ja, ja«, sagte er dann. »Man weiß nie, wann der Sensenmann zuschlägt. Irgendwann trifft es uns auch.«

Fred Spatzek jedoch war sauer. Seinen Bierabend konnte er vergessen, denn nun begann sein Job als Totengräber.

Fred Spatzek musste das Grab für die Tote ausheben. Für ihn ein Routinejob. Allerdings ahnte er nicht, dass er dabei das nackte Grauen kennenlernen sollte …

*

Irgendwie passte der Felsen nicht in die Umgebung. Schon von der Form her nicht und auch nicht vom Material.

Er sah aus wie ein riesiger Finger, der sich mahnend in den Himmel streckte. Dunkel glänzte das Gestein. Ja, es war ein regelrechter Glanz, den er ausstrahlte, denn der Felsen bestand aus einer Metallverbindung und sah aus wie Eisenpulver. Immer wieder blitzten silbern kleinere Körnchen auf, und wenn einmal die Sonne darauf schien, begann der Felsen zu strahlen.

Seltsam war nur, dass im Umkreis von fünf Metern kein einziger Baum, kein Strauch und auch kein Gras wuchs. Der Boden war trocken und steinig, er hatte Ähnlichkeit mit der Vulkanerde in Italien am Vesuv.

Jahrhunderte stand der Felsen dort und trotzte der Natur. Er hatte die Stürme der Zeit überstanden, und um seine Herkunft rankten sich Sagen und Legenden.

Böse Legenden …

Die einen besagten, dass der Teufel selbst in einem Anfall von Wut, weil ihm eine Jungfrau nicht zu Willen gewesen war, diesen Stein aus der Hölle geholt und dort in den Boden gerammt hatte. Danach war er Treffpunkt für die Hexen geworden. Im Mittelalter feierten sie dort ihre grässlichen Feste. Doch der Hexenwahn ging vorbei. Geblieben aber war die Angst der Menschen vor diesem Felsen. Und immer warnten Eltern ihre Kinder davor, in die Nähe des Steins zu gehen, und die Kinder gehorchten.

Die Tradition saß eben noch sehr tief.

Selbst aufgeklärte junge Leute – oder die, die sich für aufgeklärt hielten –, vermieden es, sich diesem Platz zu nähern, denn er war verflucht.

Das hatte der Pfarrer von der Kanzel gepredigt. Und der musste es schließlich wissen.

Und so rangten sich weiter die Sagen und Legenden, wurde der Felsen zu einem Horrorort, den jeder vermied, über den jedoch oft gesprochen wurde. Vor allen Dingen an den langen Abenden wussten Einheimische den Touristen die größten Schauergeschichten zu berichten, sodass eine Gänsehaut garantiert war.

Was nun wirklich mit diesem Felsen los war, das wusste niemand. Doch die Menschen hatten recht. Es gab ein Geheimnis um den Stein. Das jedoch war schlimmer, als die Geschichten, die sich die Dorfbewohner ausgedacht hatten.

Denn der Felsen war ein Stützpunkt des Teufels!

*

Mit einem entschuldigendem Lächeln wandte sich Otto Hirmer an den Totengräber. »Darf ich Sie dann bitten, für meine Mutter ein Grab auszuheben?«

Der Pfarrer antwortete. »Natürlich macht er das. Und zwar heute Abend noch. Nicht wahr?«

Spatzek nickte.

Der Pfarrer lächelte gütig und wandte sich wieder an den Bauern Hirmer, wobei sein Gesicht sofort wieder ernst wurde. »Darf ich Sie begleiten?« , fragte er. »Ich möchte der Toten noch den Segen mit auf die lange Reise geben.«

»Natürlich, Herr Pfarrer. Bitte kommen Sie.«

Die beiden verließen das Pfarrhaus.

Marie aber schüttelte den Kopf. »Die arme alte Frau Hirmer. Sie war doch immer so lebenslustig. Gott sei ihrer armen Seele gnädig.«

Fred Spatzek hob nur die Schultern, was Marie, die Haushälterin ärgerte. »Von dir kann man auch kein Mitgefühl verlangen«, schimpfte sie. »Du bist schließlich ein Säufer.«

»Das eine hat ja mit dem anderen nichts zu tun. Außerdem hatte die Frau ihr Alter.«

Empört holte die Haushälterin Luft. »Wie kann man nur so gottlos reden. Und so etwas wie du läutet in unserem Dorf die Glocken. Du müsstest dich schämen.«

»Meinetwegen kannst du dich an den Strang hängen und bimmeln«, erwiderte Spatzek patzig.

»Jetzt aber raus, du Subjekt!«, keifte die Haushälterin. »Ich werde dem Pfarrer alles erzählen …«

Fred winkte ab. »Ja, ja, quatsch du nur. Du hast sowieso nichts anderes zu tun.« Dann lief er aber schnell zur Tür, denn Marie war in ihrem Zorn unberechenbar. Einmal hatte sie den leichtgewichtigen Küster schon verdroschen. Daran dachte Spatzek nicht gern mehr zurück.

Hart fiel die Tür hinter ihm ins Schloss.

Fred Spatzek stand vor dem Pfarrhaus. Es lag von der Kirche aus gesehen etwas versetzt. Ein plattierter Weg führte auf den Kirchhof und auch um das Gotteshaus herum, um vor einem kunstvoll geschmiedeten Gittertor zu enden, das den Eingang des Friedhofs markierte.

Man konnte die Grabstätte auch von der Kirche aus direkt durch eine schmale Tür erreichen, aber da Spatzek schon einmal draußen war, nahm er doch den normalen Weg.

Das Tor war nicht verschlossen. Es quietschte in den Angeln, als es aufgedrückt wurde.

Fred Spatzek betrat den Friedhof. Er ließ seinen Blick über das Gräberfeld wandern und suchte sich das älteste Grab aus.

Der Friedhof war rechteckig angelegt. Genau in der Mitte wurde er von einem kiesbestreuten Weg geteilt. Rechts und links des Weges befanden sich die beiden Grabreihen.

Zehn Gräber auf jeder Seite.

Also zwanzig insgesamt.

Ziemlich klein war dieser Friedhof, aber man konnte ihn wegen Platzmangels nicht ausweiten.

Wenn jemand starb, so wie an diesem Tag, dann hatte der Totengräber die Aufgabe, das älteste Grab zu öffnen, die Knochen des Verstorbenen dort herauszuholen und sie mittels einer Rutsche in den Keller der Kirche zu schaffen. Dort war im Laufe der Zeit ein regelrechtes Beinhaus entstanden. Die Knochen der Verstorbenen häuften sich in den kalten Gewölben unterhalb der Kirche zu regelrechten Bergen aus bleichen Gebeinen.

Ein schauriger Anblick …

Selbst der Totengräber betrat dieses Beinhaus nicht gern, obwohl er im Laufe der Jahre durch seinen Beruf doch ziemlich abgebrüht geworden war. Aber das Beinhaus in den Gewölben der alten Kirche bereitete ihm Unbehagen.

Als Routinejob empfand er das Öffnen eines Grabes. Doch dass er an diesem Abend noch arbeiten sollte, schmeckte ihm überhaupt nicht. Es sei denn, er beeilte sich mit seiner Arbeit und konnte danach noch ein Glas trinken gehen.

Ja, dieser Gedanke gefiel ihm.

Fred Spatzek schritt an den Gräbern vorbei. Sie waren äußerst gespflegt, und auch mit Schmuck versehen. Auf einigen Gräbern brannten kleine Öllampen, die einen traurigen Schein verbreiteten, aber immer daran erinnerten, dass dort, wo Licht ist, es auch Schatten gibt. Und gleichzeitig waren diese Lampen Hoffnungsfunken für die Toten auf dem Weg ins Jenseits und Mahnung für die Lebenden auf der Erde.

Manche Grabsteine hatten ein kleines Vermögen gekostet. Sie waren Meisterwerke handwerklicher Steinmetzkunst, doch in ihren Motiven oft überaus kitschig, wenn man sie mit den Augen eines Kunstkritikers betrachtete.

Links wurde der Friedhof von der Kirchenwand begrenzt, auf der rechten Seite verschloss ihn eine zwei Meter hohe Mauer vor neugierigen Blicken. Doch am Ende der Mauer befand sich ein kleines Tor. Dahinter lag ein etwas verwilderter Garten, und dort stand auch der kleine Bretterschuppen, in dem Fred Spatzek die Geräte aufbewahrte, die er für seine Arbeit benötigte.

Auf die Spitzhacke konnte er verzichten. Die nahm er nur, wenn der Boden gefroren war. Aber Spaten und Schaufel waren wichtig. Er lud beides auf seine rechte Schulter, hielt mit der linken Hand die Werkzeuge in der Waage und betrat wieder den kleinen Friedhof.

Das Grab direkt an der Mauer war das älteste.

Fred Spatzek legte die Schaufel zur Seite und begann damit, den Lehm aufzustechen. Zum Glück besaß das Grab nur ein einfaches Steinkreuz und kein riesiges Mal, sodass sich das Kreuz relativ leicht entfernen ließ.

Fred Spatzek arbeitete schnell und geschickt.

Spatzek hatte im Laufe der Jahre eine gewisse Technik beim Ausheben des Grabes entwickelt. Sie ermöglichte es ihm, ohne großen Kraftaufwand viel zu schaffen. Er stach den Spaten mit einer routinierten Gleichmäßigkeit in das kalte Erdreich, und trotz dieser harten Arbeit, ging sein Atem kaum schneller.