John Sinclair - Folge 1132 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair - Folge 1132 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009! Hexenfalle Bamberg. Drei tote Frauen gingen auf das Konto der schönen Killerin. Sie wurde gefasst, vor Gericht gestellt und zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Aber sie kam frei, denn niemand wusste, wer sie wirklich war. Loretta Lugner schwor grausame Rache und verwandelte die Stadt in die Hexenfalle Bamberg. John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Seitenzahl: 144

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumHexenfalle BambergVorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Hexenfalle Bamberg

Drei tote Frauen gingen auf das Konto der schönen Killerin. Sie wurde gefasst, vor Gericht gestellt und zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Aber sie kam frei, denn niemand wusste, wer sie wirklich war. Loretta Lugner schwor grausame Rache und verwandelte die Stadt in die Hexenfalle Bamberg.

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-3865-9

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Hexenfalle Bamberg

Im Saal des Schwurgerichts war es totenstill. In der Luft lag die berühmte Spannung. Alle Blicke waren auf die dunkelhaarige attraktive Frau gerichtet, die sich von ihrem Platz hatte erheben müssen.

Der Richter deutete auf die Angeklagte. »Sie haben uns gebeten, eine kurze Erklärung abzugeben, Loretta Lugner. Bitte, dann sprechen Sie jetzt.«

Die Angesprochene holte tief Atem. Sie sprach noch nicht. Sie ließ die Blicke über die Anwesenden gleiten. Jeder, der im Saal war, fühlte sich besonders betroffen. Einige duckten sich, andere bekamen eine Gänsehaut.

Um ihre Lippen spielte ein Lächeln. Auch ohne Schminke sah sie sehr schön aus. Eine Frau, für die Männer vieles vergaßen. Loretta deutete ein Nicken an, dann sprach sie.

»Ja, ich habe es getan. Ich habe drei Frauen umgebracht.« Sie sprach leise, doch jeder Zuhörer vernahm ihre Worte. »So habt ihr es gesehen, so soll es sein. Aber auch wenn ich es getan habe, ich bin es nicht wirklich gewesen. Es war ein anderer, versteht ihr?«

Niemand begriff sie. Niemand hatte überhaupt die drei schrecklichen Taten begreifen können, die die Stadt erschüttert hatten.

Loretta bewegte ihren Kopf. »Ach, ihr versteht nicht? Das dachte ich mir. Also noch einmal. Ich bin es nicht wirklich gewesen. Es war ein anderer.« Sie hob die Stimme. »Es war der Teufel!« schrie sie, und die Zuschauer duckten sich unter den Worten, als wären es Peitschenhiebe. »Ja, der Teufel!« brüllte sie. »Der Teufel, der Teufel …«

Die Stimme kippte über. Die Worte verschmolzen mit einem hässlichen Lachen, und sie schüttelte wild den Kopf. Dabei hob sie die Arme an. Jeder sah das blinkende Metall der Handschellen. Die Frau sollte als Mörderin verurteilt werden, doch wie sie dastand, da wirkte sie eher wie eine Siegerin.

Niemand im Saal hatte diese Worte so einfach hinnehmen können. Jeder fühlte sich unwohl. Bei vielen verschwand die gesunde Gesichtsfarbe. Manche schauten sich um, als suchten sie den Leibhaftigen zwischen sich.

Loretta aber lachte. Schrecklich. Laut. Geifernd. Bis der Richter aufsprang und das Lachen überschrie. »Abführen!«

Loretta Lugner wurde weggeschafft. Froh konnte darüber niemand sein. Egal, wer dem Prozess beigewohnt hatte. Jeder ahnte zumindest, dass dies hier kein Ende, sondern eher ein Anfang gewesen war …

*

Der grauhaarige Mann, der behäbig wirkte, erhob sich ebenfalls. Er hatte in der letzten Reihe gesessen. Er lockerte seinen Krawattenknoten und schaute durch das Fenster hinaus in den leicht nebligen Tag. Der Dunst lag über dem Fluss und verteilte sich auch in den Gassen und Straßen von Bamberg. Es war der Herbst, der den Sommer aus dem Land vertrieben hatte. Der Mann mit dem freundlichen Gesicht und den hellen Augen schaute durch die Scheibe, ohne wirklich etwas von dem wahrzunehmen, was sich dahinter abspielte. Schließlich war er derjenige gewesen, der den Fall gelöst und die Mörderin gestellt hatte. Man hatte ihn, den Kommissar Uwe Hinz, damals wie einen Helden gefeiert, und das war ihm nicht sehr recht gewesen. Er gehörte mehr zu den Menschen, die lieber im geheimen wirkten, und wenn eben möglich, der Presse entwischten. Das war nicht geschehen, als man schließlich die Mörderin gefunden hatte, und auch jetzt beim Prozess hatte er sich öfter in den Zeitungen gesehen als ihm lieb war.

Und nun war das Urteil gesprochen. Lebenslänglich. Danach Sicherungsverwahrung. Die dreifache Mörderin würde die Freiheit nie mehr genießen können. Und das mit 30 Jahren.

So jedenfalls hatte es das Gesetz vorgesehen. Aber Uwe Hinz konnte daran nicht so recht glauben. Auch ihn hatten die letzten Worte der Angeklagten getroffen. Ob es leeres Gerede war oder hinter ihr tatsächlich der Teufel stand, wusste er nicht. Vor zwei Jahren hätte er noch darüber gelächelt. Das allerdings war ihm vergangen, denn der Kommissar war bereits in Kontakt mit fremden, unheimlichen Mächten gekommen, als der Sensenmann durch Bamberg gelaufen war, um seine Opfer zu suchen. Da war sein Weltbild schon auf den Kopf gestellt worden, und er hatte seine Heimatstadt Bamberg mit anderen Augen gesehen. 1

Für ihn waren die Schatten einer düsteren Vergangenheit hochgestiegen, und sie hatten sich jetzt, nach der Verteidigungsrede der dreifachen Mörderin, noch verfestigt. Die kalte Haut auf seinem Rücken wollte einfach nicht weichen. Diese Verteidigung war für ihn mehr als nur ein Spruch. Da steckte etwas dahinter. Sie hatte die Worte mit einer derartigen Intensität herausgeschrien, dass sie seiner Meinung nach einfach keine Lüge sein konnten.

Er dachte daran, wie er diese Frau in ihrer Kammer unter dem Dach eines Hauses am Fluss gestellt hatte. Er erinnerte sich an ihren Blick, der ihm bis tief in die Seele gedrungen war und ihm schon damals Angst bereitet hatte.

Die jetzigen Worte passten dazu. Da hatte sich der Blick praktisch akustisch wiederholt.

Als er die Schritte hinter sich hörte, drehte er sich um. Es war der Richter, der auf ihn zukam. Sie waren nur noch zu zweit im Saal. Selbst der Gerichtsdiener hatte sich zurückgezogen.

Der Richter war ein Mann um die Fünfzig. Recht klein, mit einem kantigen Gesicht, einer ausgeprägten Nase und schmalen Lippen. Er hieß Schottenrammer, kam aus Regensburg und war eigentlich als scharfer Hund verschrien.

»So nachdenklich, Herr Hinz?«

»Ja, das bin ich. Ist wohl verständlich – oder?«

Schottenrammer winkte ab. »Ach nein, das dürfen Sie nicht für bare Münze nehmen, was diese Frau in ihrem Wahn gesagt hat. Die war völlig durcheinander. Sie hat keinen anderen Ausweg mehr aus ihrer Lage gesehen, glauben Sie mir. Und sie musste einfach ihren Frust los werden. Auch Mörder sind nur Menschen.« Er lachte leise über seinen eigenen Witz.

Uwe Hinz verzog nicht mal die Lippen. »Sie gestatten, dass ich die Dinge anders sehe.«

»Das bleibt Ihnen überlassen, Kommissar. Doch glauben Sie mir. Sie sind an diesem Fall gewachsen. Ihrer Beförderung steht nichts mehr im Weg. Ich habe da etwas läuten hören.«

»Danke, es ist nett, dass Sie mir das sagen. Trotzdem bin ich anderer Meinung als Sie.«

»Das können Sie auch. Ich kann nur aus der Erfahrung sprechen. Was glauben Sie denn, was mir von den Angeklagten schon alles angedroht wurde? Wenn es danach ginge, dürfte ich gar nicht mehr leben. Das ist wirklich ein Wahnsinn gewesen.«

»Aber ist Ihnen auch schon mit dem Teufel gedroht worden? Und zwar so intensiv?«

Der Richter zögerte einen Moment. »Zur Hölle wollte man mich schon öfter schicken.«

»Das habe ich damit nicht gemeint. So etwas sagt sich leicht. Bei dieser Loretta Lugner ist es etwas anderes gewesen, Herr Schottenrammer.«

Der Richter musste seinen Blick anheben, um in Uwe Hinz’Gesicht schauen zu können. »Wie meinen Sie das denn?«

»Es war echter!«

Der Richter musste aufgrund dieser Direktheit lächeln. »Echter?« wiederholte er. »Ich bitte Sie.« Er senkte den Blick wieder und ging dabei ein paar Schritte auf und ab. »Okay, ich gebe Ihnen recht. Der Teufel ist oft mit im Spiel, aber wer glaubt schon an ihn? Das sind Relikte aus dem Mittelalter. Teufel, Dämonen – Himmel, man sieht sie als Figuren an unseren Kirchen, aber das ist doch mehr symbolhaft gemeint, mein Guter. Nein, nein, da sehen Sie zu schwarz. Das kann ich auch nicht nachvollziehen. Alles, was recht ist.«

»Sie messen der Aussage also keine Bedeutung bei?«

»Zumindest keine große, wenn ich ehrlich sein soll. Das sagen mir einfach meine Erfahrungen.«

Uwe Hinz blieb bei seiner Meinung. »Ich habe es anders erlebt«, sagte er leise.

Schottenrammer überlegte einen Moment. Dann fiel bei ihm der Groschen. »Ach, Sie spielen auf den Fall mit dem Sensenmann an, der sich auch bis zu mir herumgesprochen hat.«

»Den meine ich.« Der Kommissar schaute wieder gegen die Scheibe, als könnte er ihn dort noch einmal als schemenhafte Gestalt, düster und mit der Sense über der Schulter, auftauchen sehen. »An ihn haben die Menschen auch nicht geglaubt, Herr Schottenrammer. Aber ich erinnere mich noch gut an den Kampf oben auf dem Berg, vor der Kirche, und …«

»Ja, ja, schon gut, Herr Hinz. Der Fall ist mir bekannt. Mehr auch nicht. Aber das hat mit dem heutigen Fall nichts zu tun. Außerdem komme ich nicht aus Bamberg. Klar, Ihre Stadt hat Geschichte. Ich denke nur an die Hexenverfolgungen damals, aber das liegt Jahrhunderte zurück. Und ob das mit unserer Angeklagten und Verurteilten etwas zu tun hat, wage ich doch zu bezweifeln. Da geht die Fantasie mit Ihnen durch.«

»Moment, Herr Richter, das habe ich nicht behauptet. Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich möchte auch nicht, dass sich schreckliche Dinge wiederholen. Wenn Sie allerdings miterlebt hätten, was ich da durchgemacht habe, würden Sie anders denken.«

»Kann sein, Herr Hinz.« Dem Richter war anzusehen, dass er nicht länger über den Fall diskutieren wollte. Das machte er dem Kommissar auch klar. »Ich werde jetzt wieder zurück in meine Heimatstadt fahren. Für mich ist die Sache erledigt. Loretta Lugner befindet sich bereits auf dem Weg zu ihrem Haftantritt, und es ist nicht meine Art, einem Verurteilten nachzutrauern.«

»Das ist wenig menschlich.«

»Vielleicht. Aber es gehört zu meinem Job. Zu dem Ihrigen sicherlich auch, Herr Hinz.«

»Ja, leider. Ich will ehrlich sein und Ihnen sagen, dass mir dies nicht immer gefällt.«

»Was wollen Sie machen? Man kann es sich nicht aussuchen.« Der Richter nickte Uwe Hinz zu und schlug ihm leicht gegen den Arm. »So, meine Zeit hier ist vorbei. Wir sehen uns bestimmt noch mal. Dann können wir auch ein Glas Bier zusammen trinken gehen.«

»Mal schauen.«

»Na ja, nun stellen Sie sich nicht so an, Herr Kommissar. Nehmen Sie es locker.«

»Ich bemühe mich.«

Der Richter winkte Uwe Hinz noch einmal zu. Er schnappte sich seine Aktentasche von einem Stuhl und verließ den Raum. Zurück blieb ein sehr nachdenklicher Kommissar, der sich fragte, ob er nicht Gespenster sah, wo es keine gab.

Das Anrufen des Teufels durch diese Person hatte ihn schon erschüttert. Das war verdammt tief gegangen, zu tief sogar. Er befürchtete, dass dieser Fall nicht beendet war und erst richtig begann oder in die zweite Phase eintrat.

Wie vor nicht allzu langer Zeit, als der Sensenmann erschienen war. Zuerst hatte er es auch nicht glauben wollen und war schließlich eines Besseren belehrt worden. Noch jetzt sah er sich über den Platz vor der Kirche gehen, die Sense geschultert. Mehr war von der schrecklichen Gestalt nicht zurückgeblieben. Und diese Sense stand nicht in einem Museum, wie er es eigentlich vorgehabt hatte, sie war in der Asservatenkammer der Polizei untergebracht worden.

Er hatte den Eindruck und darunter litt er beinahe, dass die Ruhe in der Stadt vorbei war und eine blutige Vergangenheit in die Gegenwart hineinstrahlte, denn hier hatte man die Hexenjagd als Gewerbe betrieben. Im Jahr 1652 war sogar für die verdächtigen Hexen ein Gefängnis gebaut worden. Das Haus gab es nicht mehr. Heute wurde an dieser Stelle der Markt abgehalten, und darunter befand sich eine Tiefgarage.

Loretta Lugner hatte sich selbst als Hexe bezeichnet. Drei Frauen waren ihr zum Opfer gefallen. Sie hatte auf besondere Art und Weise für deren Tod gesorgt. Die Umstände der Taten war mehr als rätselhaft gewesen. Noch heute waren sie nicht genau durchleuchtet worden. Doch das Geständnis hatte eben ausgereicht.

Der Fall würde noch ein Nachspiel haben. Da war sich der Kommissar sicher. Und es würde in eine Richtung laufen, die ihm und den anderen Menschen nicht gefallen konnte.

Man wusste auch zu wenig über die Person. Man kannte keine Hintergründe. Sie hatte auch dazu geschwiegen und nur zugegeben, dass sie die drei Frauen umgebracht hatte. Selbst über die Motive hatte sie keine Auskunft gegeben.

Nachdem ein lang gezogenes Seufzen über seine Lippen gedrungen war, drehte er er sich um und verließ den Saal. Er hoffte, dass ihm keine Presseleute auflauerten, denn er wollte an diesem Tag seine Ruhe haben, auch wenn diese trügerisch war …

*

Loretta Lugner hatte alles mit sich machen lassen. Sie war in den Transporter geführt worden, in dem sie allein auf der Bank saß. Man hatte sie nicht angekettet, aber die Handschellen waren schon geblieben. Und sie vergaß auch nicht die Blicke des Fahrers und des Beifahrers, die über ihren Körper geglitten waren. Ihre Gedanken konnte sie sich leicht vorstellen. Innerlich lächelte sie, äußerlich aber blieb sie gelassen.

Sie waren dann gefahren. Loretta saß im ausbruchsicheren hinteren Teil des Wagens und hatte den Blick erhoben, um zu den schmalen Fenstern zu schauen, die sich im oberen Drittel abmalten. Sie sah auch das Auge der Kamera, die jede ihrer Bewegungen überwachte. Der Beifahrer sah das Bild dann auf dem Schirm. Sie konnte sich vorstellen, wie er glotzte. Für einen Moment spielte sie mit dem Gedanken, sich auszuziehen und zumindest einen durcheinander zu bringen, aber das war nicht nötig. Für sie stand fest, dass sie das Zuchthaus nie erreichen würde.

Die graue Kleidung passte ihr nicht. Die Jacke, die Hose, alles aus schwerem Stoff gefertigt. Da war sie andere Dinge gewohnt, wenn sie durch die dunklen Nächte gegeistert war und sich vom Mondlicht hatte baden lassen.

Jeder Mensch besitzt Helfer und Freunde. Das war auch bei ihr nicht anders. Nur war ihr Freund eben etwas ganz Besonderes. Und er hatte ebenfalls viele Freunde, die sie nicht im Stich lassen würden. Davon war sie überzeugt.

Der Fahrer fuhr nicht sehr schnell. Er hielt sich an das Tempolimit. Wenn sie durch das Fenster oben schaute, war nicht sehr viel zu sehen. Ein Stück grauer Himmel. Hin und wieder durchzogen von weichen Schatten. Wahrscheinlich das Astwerk irgendwelcher Bäume. Bamberg hatten sie schon verlassen, und Loretta wartete darauf, dass etwas passierte. Zu weit wollte sie auch nicht vom Ort weg sein. Um ihn herum gab es genügend Wälder, in denen sie sich für kurze Zeit verstecken konnte, bevor sie den zweiten Teil ihres Plans durchzog.

Etwas krachte auf das Dach.

Loretta zuckte zusammen. Der Schlag war hart gewesen, als hätte jemand aus großer Höhe einen mächtigen Stein genau auf den Wagen geworfen. Loretta hatte Mühe, ihre Lockerheit zu bewahren. Schließlich wurde sie durch das Auge der Kamera beobachtet. In einen toten Winkel wollte sie sich nicht verkriechen, deshalb blieb sie sitzen, aber der schön geschwungene Mund war jetzt zu einem Lächeln verzogen. Sie wusste, dass man sie nicht im Stich gelassen hatte.

Der Aufprall wiederholte sich nicht. Es blieb ruhig, und auch der Fahrer hatte anscheinend nichts bemerkt; er fuhr normal weiter. Aber für Loretta stand fest, dass etwas bevorstand, das für sie nur positiv sein konnte.

Der Transporter fuhr in eine Rechtskurve. Loretta schaukelte leicht. Durch die Fenster drang dunkleres Licht, in dem sich auch wieder Schatten abzeichneten. Sie nahm an, dass sie jetzt durch einen Wald fuhren.

Ein guter Ort für eine Befreiung!

Der Gedanke war ihr kaum gekommen, als sich ein Fenster von außen verdunkelte. Von ihr aus gesehen auf der rechten Seite. Es hing kein Tuch davor, sondern hinter dem ausbruchsicheren Glas malte sich etwas ab.

Es war ein Gesicht. Aber dieser Ausdruck traf auch nicht zu. Fratze passte besser.

Widerlich, dämonisch, unheimlich. Breit und mit einem weit geöffneten Maul, in dem lange Säbelzähne zu sehen waren. Augen, die keine waren, sondern nur leere, schwarze Höhlen. Eine Haut wie gepanzert, die den gesamten Kopf umgab, über dessen Stirn zwei krumme Hörner wuchsen. Zudem malten sich zwei hässliche Krallen ab, die sich in den Rand des Metalls eingegraben hatten.

Wer immer dort hockte, es war kein Mensch. Es war ein Dämon, ein Untertan des Teufels, einer seiner zahlreichen Helfer. Ein Reptil, ein Drache, wie auch immer – und zugleich ein Freund, der auf ihrer Seite stand, weil der Teufel sein Versprechen gehalten hatte.

Loretta freute sich. Sie leckte ihre Lippen, und sie war gespannt, wie der kleine Dämon ihr zur Seite stehen würde.

Von einem Augenblick zum anderen war er verschwunden. Sie hatte nicht einmal erkennen können, in welche Richtung er geklettert war. Nach oben zum Dach oder zur Seite hin. Beides konnte stimmen, und so musste sie abwarten.

Über sich hörte sie ein Kratzen. Ja, er war auf dem Dach. Sie hatte die scharfen Krallen gesehen, und sie wusste, dass selbst Blech ihnen nicht widerstehen konnte.

Abwarten. Lauern, dann ein sägendes Geräusch. Plötzlich bog sich das Dach über ihr nach unten. Es riss. Durch die Lücken schoben sich die Hände, die mit hornigen Fingern besetzt waren. Sie endeten in diesen messerscharfen Krallen, die sich nun krümmten und damit begannen, das Dach über Loretta einzureißen.

Es wurde eine Lücke geschaffen.