John Sinclair - Folge 1134 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair - Folge 1134 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009! Alissas Vater (2. Teil). Alissas Vater war zugleich der Mönch mit den Totenaugen. Und er gab sich nicht mit seiner Tochter zufrieden. Er wollte die gesamte Familie beisammen haben, um auch sie dem Teufel zu widmen. So begann die Jagd auf die Frau, die ihm einst das Kind geboren hatte und nicht ahnte, wer sich da auf ihre Fersen gesetzt hatte. John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Seitenzahl: 142

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumAlissas Vater (2. Teil)Vorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Alissas Vater (2. Teil)

Alissas Vater war zugleich der Mönch mit den Totenaugen. Und er gab sich nicht mit seiner Tochter zufrieden. Er wollte die gesamte Familie beisammen haben, um auch sie dem Teufel zu widmen.

So begann die Jagd auf die Frau, die ihm einst das Kind geboren hatte und nicht ahnte, wer sich da auf ihre Fersen gesetzt hatte.

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-3867-3

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Alissas Vater (2. Teil)

»Mein Vater!« brüllte Alissa, »es ist mein Vater!«

Die heftig ausgestoßenen Worte hatten Father Ignatius, der Alissa an der Schulter festhielt, erschüttert. Er war nicht mehr in der Lage, sie zu halten, denn sie riss sich los. Kalkbleich im Gesicht drehte er sich zu Shao und Suko um, die wie erstarrt am Tisch saßen. Sie waren ebenso überrascht worden wie der Mönch.

Father Ignatius wollte sich Gewissheit verschaffen. »Ihr habt es gehört?« flüsterte er. »Der Unheimliche ist ihr Vater?«

Beide nickten. Auch sie konnten noch nicht fassen, dass das Monster Alissas Vater war.

»Damit habe ich nicht gerechnet«, gab der Mann von der Weißen Macht zu. »Obwohl es irgendwie auch auf der Hand lag. Aber für mich war es einfach zu unwahrscheinlich.« Er drehte sich um und schaute Alissa Baldi an, die noch immer auf der Couch saß. Jetzt hatte sie ihre Beine angezogen. Sie presste den Körper ängstlich in die Polster. Ihr Blick sagte, dass sie mit den Gedanken ganz woanders war.

Ignatius wischte Schweiß von seiner Stirn. Er wollte es noch immer nicht fassen. Jetzt hatte er Alissa so lange begleitet, und sie hatte auch das große Vertrauen zu ihm gefasst, aber mit dieser Wahrheit war für ihn schwer umzugehen. Beinahe fühlte er sich schon verraten. Wenn er an Alissas Vater dachte, stieg das Bild einer Person vor seinem geistigen Auge auf, die kein Mensch sein konnte, obwohl sie einen menschlichen Körper besaß.

Es war der Mönch mit den Totenaugen!

Eine Gestalt in einer Kutte, die eine Sense als Waffe bei sich trug und es geschafft hatte, mit der jungen Alissa Kontakt aufzunehmen. Er hatte sie gefunden, und er hatte sich ihr offenbart.

Ihr Vater also!

Alissa hatte die Wahrheit nicht für sich behalten können. Sie hatte einfach aus ihr heraus gemusst. Jetzt wussten die anderen Bescheid, und es gab auch kein Zurück für sie. Keine Korrektur – nichts. Die Wahrheit stand.

Shaos Gedanken bewegten sich in eine andere Richtung als die der Männer. In diesen Momenten war sie feinfühliger und sprach aus, was sie dachte. »Himmel, was muss Alissa alles durchgemacht haben. Ich … ich … kann es kaum glauben. Das ist einfach furchtbar. Denkt mal daran, wie sehr sie gelitten hat. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie schon länger weiß, wer ihr Vater ist. Nur hat sie sich nicht getraut, es uns zu sagen. Wir dürfen sie nicht verachten oder allein lassen. Wir müssen ihr helfen, versteht ihr das? Wir müssen ihr jetzt zur Seite stehen!«

Das begriffen die Männer, doch sie taten nichts und warteten ab, wie sich Alissa verhalten würde.

Shao stand auf. Die Chinesin konnte es nicht zulassen, dass Alissa mit ihren Sorgen allein war. Sie würde Trost brauchen, und genau den wollte sie ihr geben.

»Ich kümmere mich um sie. Haltet ihr euch da raus, bitte.«

Ignatius nickte.

Suko sagte kein Wort. Er ließ Alissa nicht aus den Augen, die von John Sinclair gebracht worden war, damit sie in der folgenden Nacht bei ihnen schlief.

Shao hatte Alissa erreicht und blieb vor ihr stehen. Die junge Frau schaute auf.

Ihr Gesicht spiegelte wider, wie aufgewühlt und gepeinigt sie war. Sie atmete nicht nur heftig, sie konnte auch den Kopf nicht ruhig halten und blickte immer wieder gehetzt um sich.

Auf Shao wirkte sie wie ein in die Enge getriebenes Tier, das mit seiner Angst nicht fertig wurde, und sie schaffte es auch immer wieder, den Blicken der Chinesin auszuweichen.

Shao vertiefte ihr Lächeln. Sie traute sich noch nicht, Alissa anzufassen, und so versuchte sie es mit behutsam formulierten Worten. »Bitte, du brauchst keine Angst vor irgendetwas zu haben. Du weißt, dass du hier in Sicherheit bist. Wir beschützen dich, Alissa, das haben wir versprochen, und das werden wir auch halten. Ja, wir geben dir den nötigen Schutz.«

Alissa schwieg. Zumindest einen Erfolg hatte Shao erreicht. Die junge Italienerin bewegte sich nicht mehr. Sie saß verkrampft da, schaute Shao an, die immer noch lächelte.

»Verstehst du mich?«

»Ich habe ihn gehört.«

»Ja.«

»Meinen Vater.«

»Du hast es gesagt!«

Alissa atmete heftig. »Ich weiß jetzt genau, wer er ist. Ich kenne ihn. Er ist einer, den ich … ja, ich bin mir sicher,« Sie warf die Worte durcheinander. »Er hat mich gesucht, ich ihn auch – irgendwie. Jetzt hat er sich zu erkennen gegeben …«

Shao beobachtete sie genau. Auf ihrem Gesicht wechselten sich Freude und Schmerz ab.

»Bist du sicher, dass es dein Vater gewesen ist, der da mit dir Kontakt aufgenommen hat?«

»Ich lüge nicht!« schrie Alissa Shao an. »Nein, ich habe nicht gelogen. Ich lasse es mir nicht ausreden. Er ist mein Vater. Er will mir nichts tun. Er hat mich nur gesucht. Er hat meine Sehnsucht verstanden. All die Jahre wollte ich wissen, wer meine Eltern sind. Jetzt habe ich zumindest den Vater gefunden.«

»Kennst du auch seinen Namen?«

»Nein, nein, den hat er mir nicht gesagt.«

Shao drehte sich zu Ignatius zum und zuckte mit den Schultern. Mit dieser Geste wollte sie andeuten, dass sie nicht mehr weiter wusste. Über den Namen hätte man möglicherweise mehr erfahren können. Aber den nannte Alissa nicht.

»Was hat er dir denn noch gesagt?« fragte Shao leise.

Alissa wollte antworten und überlegte es sich dann jedoch anders. »Ich weiß es nicht mehr. Ich will es auch nicht wissen. Ich bin nicht mehr allein.«

»Stimmt, das bist du auch nicht. Ich bin bei dir, meine Liebe. Wir alle sind bei dir, und wir werden immer zu dir stehen, darauf kannst du dich verlassen.«

»Das meine ich nicht. Mein Vater ist da. Er … er … wird mich auch zu sich holen.«

»Willst du das denn?«

»Ja!«

Das passte Shao nicht, und sie fragte: »Kannst du dich denn genau an ihn erinnern?«

Alissa überlegte. Sie schaute Shao dabei ins Gesicht und schloss dann ihre Augen, als wollte sie die Vergangenheit wieder bildlich vor sich sehen. »Ich weiß, wer er ist. Und ich weiß auch, dass ich jetzt keine Angst mehr vor ihm haben muss. Die Zeit des Suchens ist vorbei. Jeder Mensch hat Eltern. Das hat man mir immer gesagt, auch in der langen Zeit im Waisenhaus. Wenn ich fragte, haben mir die Schwestern erklärt, dass ich Eltern habe und dass ich sie irgendwann kennenlernen würde. Das haben sie zu jedem gesagt. Nicht alle schaffen es. Ich habe es geschafft. Ich weiß jetzt, wer mein Vater ist, und ich weiß auch, dass ich mich falsch verhalten habe.« Nach diesen Worten ging ein Ruck durch ihren Körper, als hätte sie alle Sorgen und Ängste einfach abgeschüttelt. »Ich werde ihn um Verzeihung bitten müssen, und er wird mir verzeihen, das ist sicher. Ich bin schließlich seine Tochter. Ich habe ihn gesucht, und er hat mich ebenfalls gesucht. Vater und Tochter, wir gehören zusammen. Ebenso wie Mutter und Vater. Ich … ich … will endlich eine Familie haben …«

»Das verstehe ich«, sagte Shao, »aber …«

»Warum lügst du jetzt?« fuhr ihr Alissa in die Parade. »Warum lügst du mich an?«

»Wieso sollte ich lügen?«

»Das spüre ich!« sagte sie flüsternd. »Du … du … kannst es nicht begreifen, dass mein Vater anders ist als deiner oder die Väter der meisten Menschen. Ich brauche nur in dein Gesicht zu schauen, um alles erkennen zu können. Es liegt so offen vor mir. Ich kann darin lesen, ich weiß einfach alles. Du kannst dich vor mir nicht verstecken, Shao. Du kannst auch keinen Trennungsstrich zwischen mir und meinem Vater ziehen. Wir gehören zusammen. Es ist alles Schicksal. Lange hat er gewartet, aber nun hat er mich gefunden, und ich habe ihn gefunden. Es ist alles durch ein gütiges Schicksal so gelaufen, und ich erlebe einen wunderschönen Tag.«

Dass sie tatsächlich der Meinung war, konnte Shao an ihrem Gesicht ablesen. Sie kannte Alissa nur kurz, aber diesen Ausdruck hatte sie bei ihr nicht erlebt. Der Kontakt mit ihrem Vater hatte sie regelrecht aufblühen lassen. Sie war zu einer anderen geworden; und sie stand am Beginn eines neuen Weges.

Nur dass ihr Vater kein normaler Mensch, sondern der Mönch mit den Totenaugen war, schien sie nicht begriffen zu haben. Vielleicht wollte sie es auch nicht begreifen. Aus ihrer Sicht sah sowieso alles anders aus. Sie konnte nicht objektiv sein. Viel Frust und Niedergeschlagenheit hatte sich in all den Jahren angesammelt. Immer wieder hatte sie gesucht, geforscht. Alissa war eine sehr intelligente junge Frau. Sie hatte studieren können, war schon zu einer Expertin für Kunstgeschichte geworden und sie fühlte sich zu Klöstern und Kirchen hingezogen. Auch das war jetzt für die Anwesenden verständlicher, denn ihr Vater war als Mönch aufgetaucht. Eine Gestalt mit toten Augen und einer Sense. Ignatius und John hatten ihn live erlebt, und Bill Conolly besaß sogar Fotos von ihm.1 Zu Bill war John unterwegs. Sie mussten sich schon getroffen haben, um zu einer bestimmten Kneipe zu fahren, wo der Fotograf auf sie wartete, der die Aufnahmen geschossen hatte. Wäre John etwas länger geblieben, hätte er ebenfalls die Lösung erfahren.

Shao ging langsam zurück und hob die Schultern dabei an. »Versteht ihr das?« fragte sie.

»Ja.« Gab Ignatius zu. »Es ist allerdings schwer, es zu begreifen.«

»Glaubst du ihr denn?«

»Ich sehe keinen Grund, es nicht zu tun.«

»Und du, Suko?«

Der Inspektor hab die Augenbrauen. »Wir stehen erst am Beginn, denke ich. Meiner Ansicht nach ist es noch nicht beendet. Es wird weitergehen. Um es überspitzt zu sagen: Alissa hat Blut geleckt. Sie wird es nicht bei dem ersten wichtigen Kontakt zu ihrem Vater belassen. Darauf könnt ihr euch verlassen.«

»Hast du denn eine Idee, wie es nun mit ihr weitergehen soll?«

»Nein, das liegt nicht in unserer Hand. Wir können sie nicht zwingen, sorry.«

Shao gab nicht auf. Sie suchte bei Father Ignatius Hilfe. »Bitte, was ist mit dir? Wie denkst du darüber? Ich meine, du kennst sie doch am allerbesten von uns. Ihr seid schon länger zusammen. Ihr werdet öfter über das Thema gesprochen haben.«

»Das haben wir auch«, gab Ignatius zu. »Es ist alles richtig, aber es gab auch bei uns eine Grenze. Da gebe ich nicht einmal Alissa die Schuld. Sie konnte nicht anders. Ihr Kopf war noch zu. Jetzt muss es ihr vorkommen, als wäre ein dicker Vorhang zur Seite gezogen worden. So sehe ich die Dinge.«

»Sie kannte doch diesen … Mönch.«

»Das ist richtig, Shao. Nur hat sie in ihm nie ihren Vater gesehen. Das passierte erst jetzt, und wir sind dabei die Zeugen gewesen. Es ist schon mehr als außergewöhnlich. Aber sie hat auch einen großen Teil ihrer Vergangenheit gefunden.«

»Es fragt sich nur, ob sie damit auch fertig wird«, sagte Suko mit leiser Stimme. »Einfach wird es nicht sein, denke ich.«

»Ja, da hast du recht. Selbst wesentlich stärkere Menschen würden daran verzweifeln. Aber wir können nichts machen. Wir müssen sie zunächst lassen. Nur sie kann uns den Weg weisen. Es ist einfach unmöglich, Alissa zu zwingen.«

Das sah auch Ignatius ein, der Shao zunickte, die sich nicht damit abfinden wollte. »Ich kann es mir einfach nicht vorstellen«, sagte sie, »dass ein derartiges Monstrum ihr Vater sein soll und Gewalt und Macht über sie bekommen hat. Ich habe diesen Mönch nicht gesehen, aber ich frage mich, wieso eine derartige Gestalt überhaupt Vater werden konnte. Das ist doch einfach verrückt und widerspricht jeglicher Biologie. Ihr versteht, was ich meine?«

»Ja, das verstehe ich«, sagte Father Ignatius. »Aber kannst du dir vorstellen, Shao, dass der Mönch mit den Totenaugen nicht immer so gewesen ist? Dass er dazu wurde und früher einmal völlig normal war?«

Die Chinesin runzelte die Stirn. »Du meinst damit einen völlig normalen Menschen?«

»Was sonst?«

»Nein und ja. Ich kann es mir vorstellen, doch nicht begreifen. Ich stelle mir eigentlich alles vor, weil ich schon zusammen mit Suko viel erlebt habe, aber das hier ist einfach zu schwer für mich. Auch aus dem Grunde, weil ich … na ja, ich … ich kenne Alissa persönlich. Ich mag sie. Es ist schwer, daran zu denken, dass sie solch einen Vater haben könnte.«

»Sie wird nicht gelogen haben«, sagte Suko und fügte hinzu: »Außerdem ist er in der Lage, durch telepathische Fähigkeiten mit seiner Tochter in Kontakt zu treten. Das darfst du auch nicht vergessen. Was wiederum bedeutet, dass bestimmte Kräfte in ihm schlummern, die wir Menschen nicht haben.«

»Er ist ein Abtrünniger«, sagte Ignatius. »Er steht auf der anderen Seite. Die Regeln des Ordens gelten nicht für ihn. Nicht mehr. Er hat sich der anderen Macht zugewandt.«

»Denkst du an den Teufel?«

Ignatius zuckte die Achseln.

Sie schwiegen. Es gab nichts zu sagen, denn Alissa war die wichtigste Person. Ihr Vater hatte nicht aufgegeben. Er würde auch weitermachen und den nächsten Kontakt wahrscheinlich intensiver erleben. Der Mönch mit den Totenaugen war am Ziel, aber er wusste auch, dass es Feinde gab, die ihm den Triumph nicht gönnten. Darauf würde er sich einstellen.

Shao sprach den Gedanken aus. »Ich nehme an, dass es für uns noch eine sehr lange Nacht werden wird. Wir sollten Alissa genau beobachten. Zum Glück ist sie keine Schauspielerin. Man sieht ihr die Gefühle an. Konzentriert euch auf die Haltung und das Gesicht.«

Beides hatte sich im Gegensatz zur nahe zurückliegenden Vergangenheit verändert. Sie war jetzt ruhiger geworden, aber sie saß in einer lauernden Position und zugleich wie eine folgsame Schülerin. Die Hände hatte sie zusammengelegt. Beide berührten ihre Oberschenkel. Ihre Sitzhaltung war sehr gerade. Sie schaute Suko ebenso an wie Shao oder Ignatius, doch sie schien die Drei nicht wirklich zu sehen. Zwischen ihr und ihnen hatte sich ein Bild geschoben, das einzig und allein für Alissa sichtbar war.

»Das sieht mir ganz danach aus, als hätte der Mönch wieder Kontakt mit ihr aufgenommen«, murmelte Shao.

Ignatius nickte. »Lass mich bitte mit ihr reden. Ich bin zwar keine Frau, aber sie hat immer zu mir Vertrauen gehabt. Ich möchte mir nicht vorstellen, dass dieses Gefühl jetzt völlig vorbei ist. Schließlich ist sie ein Mensch.«

Shao und Suko enthielten sich eines Kommentars. So recht glaubten sie nicht an einen Erfolg. Alissa reagierte auch nicht, als Father Ignatius auf sie zukam. Sie schaute in die Höhe, und ihre Augen blieben starr wie dunkle Teiche.

Der Mann aus dem Vatikan blieb vor der Frau stehen und senkte den Kopf. Die Lippen zeigten das geduldige Lächeln, das Alissa kannte.

»Geht es dir wirklich gut, Alissa?«

»Jetzt schon.«

»Das freut mich für dich.«

»Nein, ich glaube es nicht. Du freust dich nicht, dass ich meinen Vater endlich gefunden habe. Bitte, lüg nicht. Sei ehrlich zu mir. Darauf bist du immer stolz gewesen.«

»Kann ich mich denn freuen?«

»Du wirst ihn nicht mögen.«

»Kann sein. Wenn dem so ist, hat das schon bestimmte Gründe, Alissa. Du darfst jetzt nicht alles vergessen, mein Kind. Denk daran, dass auch uns etwas verbindet, denn du bist es gewesen, die bei mir oft Halt und Schutz gesucht hat.«

»Das war damals.«

»Nein, nicht damals. Vor einer halben Stunde hast du noch anders gedacht, Alissa.«

»Aber jetzt weiß ich mehr. Es gibt ihn. Es gibt meinen Vater, und es wird auch meine Mutter geben. Die große Leere, das Warten, all das hat ein Ende für mich. Ich kann endlich leben wie viele andere Menschen auch. Endlich«

Ignatius seufzte. »Ich würde es dir von Herzen gönnen, Alissa, aber ich bin weiterhin ehrlich zu dir und glaube nicht daran, dass du so leben wirst oder kannst wie viele andere Menschen auch. Es wird nicht klappen.«

»Warum denn nicht?«