John Sinclair - Folge 1137 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair - Folge 1137 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009! Madame Tarock (1. Teil). Eine Frau - ein Rätsel. Zugleich eine geheimnisvolle Wahrsagerin, der Harry Stahl zum ersten Mal nahe eines Friedhofs begegnete, als er einen Killer stellen wollte. Was Harry dabei erlebte, ließ ihn an seinem Verstand zweifeln. Er brauchte Hilfe, und er holte mich. So flog ich nach Berlin, um Madame Tarock zu stellen! John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Seitenzahl: 140

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumMadame Tarock (1. Teil)Vorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Madame Tarock (1. Teil)

Eine Frau – ein Rätsel. Zugleich eine geheimnisvolle Wahrsagerin, der Harry Stahl zum ersten Mal nahe eines Friedhofs begegnete, als er einen Killer stellen wollte.

Was Harry dabei erlebte, ließ ihn an seinem Verstand zweifeln. Er brauchte Hilfe, und er holte mich.

So flog ich nach Berlin, um Madame Tarock zu stellen!

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-3870-3

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Madame Tarock (1. Teil)

Es war windig, und Regen ließ die Gesichter der Menschen alt aussehen. Das allerdings durfte den Mann nicht stören, der in guter Deckung saß und den Eingang des Friedhofs beobachtete. Er wusste, dass die Person, die er töten sollte, erscheinen würde, bevor die Dunkelheit das Land überschwemmte.

Der Killer würde aus dem parkenden Wagen schießen. Das Fenster hatte er nach unten fahren lassen. Der Lauf des Gewehrs mit dem Zielfernrohr lag gut auf …

Im Fadenkreuz erschien der Eingang. Ein Tor, das offenstand. Der rote Laserpunkt kam an der Stelle zur Ruhe, die der Killer anvisierte.

Er war davon überzeugt, dass er die Person genau dort zur Hölle schicken würde. Danach war er um eine Menge Geld reicher, er würde sich in den nächsten Monaten ein gutes Leben machen.

Er sah auch den Weg, der vom Eingang her auf den Friedhof führte. Bäume reckten sich in den Himmel. Hecken waren korrekt geschnitten. Hier herrschte noch Ordnung, da schien sogar jeder Kieselstein auf dem Weg geputzt zu sein.

Der Friedhof lag abseits. Um diese Zeit verirrte sich niemand mehr auf das Gelände. Außerdem lud das windige und auch regnerische Wetter nicht eben zu einem Spaziergang ein. Sogar vor dem Friedhof war der Boden geharkt worden. Der Platz diente als Parkplatz für die Fahrzeuge der Besucher.

Er war jetzt leer. Überhaupt befand sich niemand in der Nähe. Es gab keine Häuser. Erst später am Ende des Wegs tauchten die Ersten auf. Dafür fiel das Gelände neben der schmalen Straße zu einem kleinen Bach hin ab. Sein Ufer war mit dichtem Buschwerk bewachsen, das zum Teil seine Blätter nicht verloren hatte.

Der Killer wartete. Er war es gewohnt, denn in seinem Job musste man Geduld haben. Große Emotionen konnte er sich nicht erlauben. Mitleid sowieso nicht. Bisher war er noch nicht geschnappt worden. Er gehörte zu den Profis im Fach, und sein Name war nur in gewissen Kreisen bekannt.

Allerdings auch bei den Bullen. Einen Beweis dafür hatte er zwar nicht, aber ein gewisses Gefühl. Und das kam ihm gar nicht recht. Er ärgerte sich darüber. Es machte ihn nervös. So hatte er beschlossen, nach dem letzten Job eine Pause einzulegen. Im Laufe der Zeit hatte er ein Gespür dafür entwickelt, ob etwas glatt oder kurvig verlief.

Plötzlich sah er sie. So schnell, dass er sich leicht erschreckte. Die Frau kam ihm vor, als wäre sie vom Himmel gefallen. Sie war einfach da, und sie war dabei, genau den Weg zu gehen, mit dem er gerechnet hatte.

Über seine Lippen huschte ein Lächeln. Er schüttelte auch den Kopf, aber er atmete tief durch, denn das Warten hatte ein Ende.

Er blieb ruhig. Nichts an ihm bewegte sich. Er beobachtete die Person genau. Sie trug einen langen Mantel. Ihr Haar war dunkel und sehr dicht. Sie hatte es zu Wellen und Locken gedreht und lugte unter dem Kopftuch hervor bis zum Nacken.

Was die Frau auf dem Friedhof gesucht hatte, war ihm egal. Es zählte nur, dass sie im Fadenkreuz seines Zielfernrohrs erschienen war und überhaupt nicht ahnte, in welch einer Gefahr sie schwebte. Nahezu unbelastet und locker ging sie weiter. Den Blick zu Boden gesenkt, wie in Gedanken versunken.

Sie erreichte das Tor.

Dann blieb sie stehen. Vor wenigen Sekunden noch hatte sie den Kopf gesenkt gehabt. Nun hob die Frau ihn plötzlich an, als hätte jemand sie gewarnt.

Er sah ihr Gesicht übergenau. Es war hübsch. Nicht zu jung. Das Gesicht einer reifen Frau, die die 30 überschritten hatte. Der rote Zielpunkt wanderte tiefer. Der Killer war jetzt ruhig wie immer bei diesem Job.

Zwei Sekunden noch …

Er krümmte den Finger.

Der rote Punkt »klebte« auf der Brust der Frau. Mit einer letzten Bewegung überwand er den Druckpunkt, wobei ein Widerstand kaum spürbar war.

Der Schuss war nicht laut. Ein helles Peitschen, nicht mehr. Die Frau wurde genau dort von der Kugel getroffen, wo es sich der Killer gewünscht hatte.

Sie zuckte in die Höhe. Der Kopf kippte zuerst nach hinten. Alles ging schnell, doch der Mörder erlebte diese Szene wie in Zeitlupe mit.

Dann schwankte die Frau. Sie kämpfte gegen ihr Schicksal an. Sie wollte sich auf den Beinen halten, aber das Geschoss hatte sie zielsicher erwischt.

Weit riss sie den Mund auf. Dann war ihr Gesicht verschwunden, denn die Person lag auf dem Boden.

Der Mörder atmete aus. Für einen Moment entspannte sich sein blasses, nichtssagendes Gesicht. Er lächelte vor sich hin. Wieder hatte er einen Job geschafft. Und er hörte bereits das Knistern der Geldscheine. Normalerweise hätte er jetzt den Motor gestartet und wäre verschwunden. Das verkniff er sich. Es war einsam hier. Er wollte sich überzeugen, wie genau er getroffen hatte, öffnete die Wagentür und stieg aus.

Er schaute sich um.

Es war niemand da, der ihn hätte stören können. Kein Grund zur Besorgnis. Dennoch fühlte er sich nicht gut. Etwas Kaltes kroch seinen Rücken hinab. Es war wie eine Warnung. Eine Gefahr fand er nicht heraus. In seiner Umgebung war alles normal geblieben. Jeder Strauch schien unter dem Regen eingeschlafen zu sein.

Das Gewehr hielt er fest, als er die ungefähr zwanzig Schritte bis zum Eingang des Friedhofs ging. Der Wind klatschte wieder in sein Gesicht.

Die Frau lag auf dem Rücken. Sie war umgestoßen worden. Kleine Wasserperlen nieselten auf sie nieder. Die Kleidung war nass geworden. Schwer lag sie auf dem Körper. Sie wirkte wie ein steinernes Gebilde, das jemand hier verloren hatte.

Direkt neben ihr blieb er stehen. Ein Blick auf das Gesicht sagte ihm, dass er gut getroffen hatte. Die offenstehenden und glanzlosen Augen, die Starre, das alles kannte er zur Genüge. Hier reichte ebenfalls nur ein Blick, um festzustellen, dass er wieder einmal seinen Job perfekt erledigt hatte.

Wenn nur dieses Gefühl nicht gewesen wäre. Das ärgerte ihn verdammt stark. Er spürte es in seinem Magen. Es war wie ein harter Druck, der zudem mit einer ätzenden Säure versetzt war. Und es hatte sich in den letzten Sekunden verstärkt. Das passierte seiner Meinung nach nicht grundlos.

Er wollte sich umdrehen, als er die Stimme hörte. »Sie bewegen sich nicht, Rosner. Das Spiel ist aus …«

*

Ich habe es gewusst! Ich habe es gewusst, verdammt! Rosner war sauer. Er ärgerte sich auch über sich selbst und konnte nicht vermeiden, dass ihm das Blut in den Kopf schoss. Für einen Moment kam er sich noch vor wie auf einem Karussell. Er glaubte, sich ebenso zu drehen wie auch seine Umgebung. Zu stark hatte ihn der Schock erwischt, und das mitten in einer Hoch-und Siegesphase.

»Lassen Sie das Gewehr fallen, Rosner!«

Der Killer hatte den Sprecher nicht gesehen. Er kannte auch die Stimme nicht, aber er wusste, dass er zu den Häschern gehörte, die ihm auf der Spur waren. Die Bullen schliefen nicht. Wer das glaubte, der befand sich auf dem Holzweg. Er wusste nicht, welchen Fehler er begangen hatte, wodurch man ihm auf die Spur gekommen war, aber es gab kein Zurück mehr. Der andere hatte im Moment die besseren Karten.

»Das Gewehr weg, Rosner!«

Der Killer nickte. »Ja, schon gut. Ich habe verstanden.« Der Klang seiner Stimme war gleich geblieben. Er hatte sich wahnsinnig gut in der Gewalt. Dass man ihn gestellt hatte, hieß noch lange nicht, dass er auch verloren war. Rosner war wie ein Raubtier. Der gab erst auf, wenn es wirklich keine andere Chance mehr gab.

Er streckte seinen rechten Arm zur Seite und warf die Mordwaffe zu Boden. Sie klatschte auf die nassen Steine und wäre beinahe in eine Pfütze gerutscht.

»Und jetzt die Arme anheben und hinter dem Nacken verschränken!« befahl im der Mann.

Schritte klangen auf. Rosner hörte, wie der andere auf ihn zukam. Er hatte den Mann zwar nicht zu Gesicht bekommen, aber er wollte erfahren, mit wem er es zu tun hatte und fragte: »Hast du einen Namen?«

»Ich heiße Harry Stahl!«

»Toll. Nie gehört. Du musst aber gut sein, sonst hättest du mich nicht erwischt.«

»Es hat auch lange genug gedauert!«

»Warst du hinter mir her?«

»Kann man sagen!«

Rosner hörte keine Schritte mehr. Er überlegte fieberhaft, in welch einer Entfernung der andere zu ihm stand. Zu nahe bestimmt nicht. Der Mann hatte ihn gejagt und gefunden. Er war ein Profi und würde sich auch dementsprechend verhalten.

»Wie geht es weiter, Stahl?«

»Das bestimme ich.«

»Darf ich mich denn drehen?«

»Ja. Halte die Hände aber so wie sie jetzt sind!«

»Gern.« Rosner drehte sich langsam. Er wollte dem anderen keine Gelegenheit geben, abzudrücken. Er sah den Mann vor sich, der nicht mehr so jung war. Das dunkle Haar hatte einige graue Strähnen, und von der Größe her reichte er an den fast kahl geschorenen Rosner heran. In der Hand hielt er eine Pistole. Es war eine Walther, und Stahl sah aus, als könnte er damit gut umgehen.

»Wohin jetzt?«

»Zum Wagen!«

»Aha.«

»Die Hände lassen Sie hinter dem Nacken verschränkt.«

»Natürlich.«

»Gehen Sie!«

Stahl war ein Profi, das musste selbst Rosner eingestehen. Durch nichts hatte er sich ablenken lassen und auch keinen Blick auf die Tote geworfen. Er würde seinen Part durchziehen, das stand fest, aber auch Rosner war nicht der Typ, der leicht aufgab. Das wusste auch Harry Stahl. Dementsprechend vorsichtig war er gewesen. Er war nicht vom Himmel gefallen. Er hatte sich versteckt und gewartet. Es war sein Glück gewesen, dass das Gelände zum Bach hin abfiel. Dort hatte er die entsprechende Deckung gefunden.

Der Killer war wichtig gewesen. Rosner stand oben auf der Liste der Polizei. Zuviel und zu oft hatte er schon gemordet. Ein verdammter Söldner, der mit allen möglichen Organisationen in Verbindung gebracht wurde. Nicht nur mit der Mafia.

Rosner war eigentlich recht unauffällig. Auch jetzt trug er eine graue Jacke zur dunklen Hose. Er hatte ein Durchschnittsgesicht, das man sah und sofort wieder vergaß. Doch hinter dieser blassen Maske versteckte sich ein eiskalter Killer, der auf Menschenleben keinerlei Rücksicht nahm.

Harry war froh, ihn gefasst zu haben. Den Mord hatte er leider nicht verhindern können. Er war um einige Sekunden zu spät gekommen. Es war nicht einfach gewesen, sich dem Friedhof ungesehen zu nähern. Auch jetzt sah er sich noch nicht als großer Sieger. Er würde erst aufatmen, wenn Ralf Rosner hinter Gittern steckte.

Er hatte sich perfekt in der Gewalt. Angst merkte man ihm nicht an. Er ging locker vor Harry Stahl her und tat alles, was man verlangt hatte.

Die Hände blieben hinter dem Nacken verschränkt, und auch seine Schritte blieben gleich. Er sprach kein Wort. Der Blick war nach vorn gerichtet, und so blieb er auch, als er zu seinem Wagen ging.

Es dauerte nicht einmal lange, da hatte er den dunklen VW Passat erreicht.

»Neben dem Wagen aufstellen und die Hände auf das Wagendach legen, Rosner. Aber das kennen Sie ja.«

»Woher denn?

»Machen Sie schon!«

»Okay. Sie sind der Boss!« Rosner ging noch einen Schritt nach vorn. Dann stand er neben der Fahrertür und löste sehr langsam die Hände aus dem Nacken.

Harry schaute ihm zu. Er hatte den nötigen Abstand eingenommen, weil er sich nicht überraschen lassen wollte. Aber Rosner benahm sich brav wie ein Lamm.

Er löste die Hände, streckte sie dann zu den Seiten hin aus und schwang sie nach vorn. Wenig später berührten die Handflächen das Wagendach und blieben dort liegen.

»Zufrieden, Stahl?«

»Aber sicher.«

»Darf ich auch einsteigen?«

»Noch nicht.«

»Was hast du denn noch?«

»Legen Sie die Hände jetzt auf den Rücken, Rosner, und bewegen Sie sich nicht.«

»Was soll das denn?«

»Machen Sie schon, verdammt!«

»Okay, wie Sie wünschen, James Bond.«

Als sich Rosner bewegte, hörte er hinter sich das leise Geräusch, als Stahl gegen Stahl schlug. Er wusste, dass es Harry Stahl mit Handschellen versuchen würde, und plötzlich umspielte ein feines und hintergründiges Lächeln seine Lippen. Es war genau die Gelegenheit, auf die er gewartet hatte.

Stahl musste dicht an ihn heran. Harry überlegte dabei, ob er richtig gehandelt hatte. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn der andere sich bäuchlings auf den Boden legte und genau das wollte er auch haben.

»Treten Sie vom Wagen zurück!«

»Auf einmal?«

»Machen Sie schon und legen Sie sich auf den Boden. Mit dem Bauch zuerst. Die Hände lassen Sie dabei hinter dem Rücken.«

Rosner lachte. »Aber da ist es schmutzig.«

»Verarschen kann ich mich alleine.«

»Okay, wie Sie wollen!«

Rosner trat zurück. Langsam, der Typ hinter ihm sollte keinen Verdacht schöpfen. Er war doch unsicher gewesen, er hätte sofort so handeln müssen, wie er es jetzt tat.

Rosner drehte auch den Kopf. Er sah Stahl aus dem Augenwinkel und wusste, wie er die Waffe hielt. Der Killer dachte an seine Ausbildung in einem der geheimen Söldner-Camps. Dort hatte man ihm beigebracht, niemals aufzugeben, auch wenn es noch so schlecht für ihn aussah.

Er sackte plötzlich zusammen. Fluchte dabei. Schauspielerte und tat, als wäre er über einen Stein gestolpert, der ihn zur rechten Seite hin getrieben hatte.

»Verdammt, ich …«

Dann schlug er zu. Er hatte gesehen, wie irritiert Harry Stahl gewesen war, und seine rechte Hand zusammen mit dem Arm glich einem von unten nach oben geführten Schwert. Mit der Hand erwischte er die Pistole, die zur Seite gedrückt wurde und dann zusammen mit Harrys Arm in die Höhe schoss.

Rosner landete nicht am Boden. Bevor er Kontakt bekam, wuchtete er sich zur Seite. Er prallte gegen Harry und riss ihn von den Beinen. Stahl stolperte noch einige Schritte zur Seite, dann lag er, wobei er sich sofort herumrollte, um auf Rosner zu zielen.

Der Killer war trotzdem schneller.

Diesmal erwischte er das Handgelenk mit einem Tritt. Es sah wirklich aus wie im Kino. Harry Stahl war nicht mehr in der Lage, die Waffe zu halten. Sie wurde ihm aus der Hand gewirbelt, überschlug sich noch in der Luft und landete schließlich weit entfernt auf dem Boden. Für beide im Moment unerreichbar.

Der zweite Tritt erwischte Stahl oberhalb der Gürtelschnalle. Es war ein furchtbarer Treffer mit dem harten Absatz. Harry riss den Mund auf, um zu schreien, aber der Schmerz wühlte so brutal in ihm hoch, dass nicht mehr als ein Röcheln aus der Kehle drang. Er bekam keine Luft mehr, lag auf der nassen Erde und zuckte, während er verzweifelt versuchte, Luft in seine Lungen zu pumpen. Alles in seinem Unterkörper schien zerrissen zu sein, und der Schmerz breitete sich zudem sternförmig aus.

Aber sein Gehirn hatte nichts mitbekommen. Harry konnte noch klar denken. Und die Gedanken sorgten bei ihm keinesfalls für ein optimistisches Gefühl, denn waffenlos einem Killer wie Rosner ausgeliefert zu sein, bedeutete den Tod. Daran ließ sich nichts mehr ändern.

Es passierte nichts weiter. Harry kassierte keinen zweiten oder dritten Treffer. Ralf Rosner ließ ihn in Ruhe. Er hatte sich wieder perfekt in der Gewalt.

Zwar ebbten die Schmerzen nur langsam ab, aber Harry war in der Lage, besser sehen zu können. Der Blick klärte sich, und so schälte sich der vor ihm stehende Rosner immer deutlicher hervor.

Er hatte die Zeit genutzt und Harrys Waffe an sich genommen. Fast lässig hielt er sie in der Hand. Den Lauf leicht nach vorn gedrückt, sodass er auf den liegenden Harry Stahl zeigte.

»Weißt du jetzt, dass ich der Bessere von uns beiden bin?« höhnte der Killer. Er lachte. »Himmel, was bist du für ein Idiot. Hast gedacht, mich einfangen zu können. Das haben viele versucht. Die meisten leben nicht mehr: Aber ich muss dir ein Kompliment machten, Stahl. Du bist wirklich gut gewesen.«

»Willst du mich töten?«