John Sinclair - Folge 1138 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair - Folge 1138 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009! Zurück aus der Hölle (2. Teil). Madame Tarock hatte das geschafft, wovon sicherlich viele Menschen träumen. Es war ihr gelungen, die normale Welt durch einen Tunnel mit dem Jenseits zu verbinden. Und so kehrten schreckliche Gestalten zurück aus der Hölle. Harry Stahl, seine Partnerin und ich standen vor einer wahnsinnigen Aufgabe. Keiner von uns wusste, wer ein normaler Mensch war oder wer sich als ehemaliger Höllen-Bewohner unter die Leute gemischt hatte ... John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Seitenzahl: 141

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumZurück aus der Hölle (2. Teil)Vorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Zurück aus der Hölle (2. Teil)

Madame Tarock hatte das geschafft, wovon sicherlich viele Menschen träumen. Es war ihr gelungen, die normale Welt durch einen Tunnel mit dem Jenseits zu verbinden.

Und so kehrten schreckliche Gestalten zurück aus der Hölle.

Harry Stahl, seine Partnerin und ich standen vor einer wahnsinnigen Aufgabe. Keiner von uns wusste, wer ein normaler Mensch war oder wer sich als ehemaliger Höllen-Bewohner unter die Leute gemischt hatte …

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-3871-0

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Zurück aus der Hölle (2. Teil)

Mit einem lauten Klatschen landete das Eis auf dem blanken Steinboden. Die Augen des kleinen Mädchens weiteten sich vor Entsetzen, als es die Gestalt sah, die plötzlich vor ihm stand.

Es war eine junge Frau. Sie hatte grün gefärbte Haare, die sehr kurz geschnitten waren. Ein Mantel aus imitiertem Tigerfell stand offen. Darunter waren der sehr kurze Rock und das blasse Oberteil zu sehen. Hohe Stiefel reichten bis zu den Knien. Die Augen blickten böse, und das Mädchen starrte auf einen schiefen, halb geöffneten Mund.

Die fremde Frau hatte beide Arme erhoben. Die Kleine musste nach oben blicken, um in das Gesicht sehen zu können. Die Hände hatte die Frau fest gegen ihre Wangen gedrückt, und unter dem Kinn fanden die gestreckten Daumen zusammen.

Plötzlich drehte sie ihren Kopf!

Einfach so.

Das Gesicht nach hinten.

Die junge Zuschauerin hörte nicht einmal ein Knirschen, als sie schließlich auf den Nacken starrte.

Erst jetzt schrie das kleine Mädchen!

»Du denkst, wir leben, doch dabei sind wir tot …«

Die geflüsterten Worte hörten sich in der recht hellen Tiefgarage lauter als normal an. Ich fuhr auf der Stelle herum, kaum dass ich den Omega verlassen hatte.

Harry Stahl war ebenfalls ausgestiegen. Um sicher zu sein, dass ich mich nicht getäuscht hatte, wandte ich mich an ihn. »Hast du das auch gehört, Harry?«

Er war etwas irritiert. »Ja, irgendwas schon. Aber ich kann dir nicht genau sagen …«

»Da hat jemand gesprochen.«

»Ach. Und wer?«

»Keine Ahnung, aber ich habe mich nicht geirrt.«

»Was hat der Unbekannte denn gesagt?«

»Er sagte: ›Du denkst, wir leben, doch dabei sind wir tot!‹ Ja, genau das, Harry.«

Mein deutscher Freund presste für einen Moment die Lippen zusammen. Auch ihn hatten die Worte irritiert, doch er glaubte mir, dass ich mich nicht geirrt hatte.

»Tote, die nicht tot sind, John?«

»So hat es sich angehört.«

»Würde passen – oder?«

Ich wusste, was er damit meinte, denn wir waren auf der Suche nach einer Frau, die Zingara hieß und sich auch noch Madame Tarock nannte. Sie gehörte zur Zunft der Wahrsagerinnen, und sie war Harry Stahl nahe eines Friedhofs begegnet, als er einen Mietkiller hatte stellen wollen. Dieser Killer war von einem Unterweltboß beauftragt worden, Madame Zingara zu töten. Es war ihm nicht gelungen, obwohl er auf die Frau geschossen und sie tödlich getroffen hatte. Sie war wieder aufgestanden, hatte den Spieß umgedreht und sogar Harry Stahl das Leben gerettet. Wobei er zusätzlich mit einem Phänomen konfrontiert worden war, denn Madame Tarock hatte es tatsächlich geschafft, ihren Kopf so zu drehen, dass ihr Gesicht auf die Rückseite gedreht worden war.

So war der Geheimdienstmann Harry Stahl in einen Fall hineingestolpert, der für ihn eine Spur zu groß war. Dieses Phänomen hatte ihn geschockt, und er hatte mich angerufen, um mich um Hilfe zu bitten.1

Diesmal war wirklich alles an Zufällen zusammengekommen, das man sich nur vorstellen konnte. Unabhängig von Harry hatte ich bereits den Namen »Madame Tarock« gehört. Mein Freund Bill Conolly hatte just an diesem Tag einen Termin bei ihr, weil sie sich bereit erklärt hatte, ein Interview zu geben. Bill war leider krank geworden. So hatte er mich gebeten, für ihn einzuspringen. Ich war dann von zwei verschiedenen Seiten angehalten worden, nach Berlin zu fliegen.

Ich hatte Madame Tarock bereits kennengelernt. Auf ihrem zweiten Wohnsitz, einem Boot, das in einem der stillgelegten Kanäle lag. Dort war es auch zu einer Begegnung mit Victor Koss, dem Unterweltsboß, gekommen, der sich noch einmal sein Schicksal aus den Karten hatte lesen lassen wollen.

Zufrieden war er nicht gewesen. Eine Karte hatte ihm den Tod prophezeit. Der war auch dann in unserem Beisein eingetreten, denn Koss war durch eine Tarock-Karte verbrannt, und Zingara war gegangen, obwohl Koss ihr zuvor zweimal in den Kopf geschossen hatte.

So sah die Lage also aus, und uns war bei Gott nicht zum Jubeln zumute. Aber Bills Termin hatte ich wahrnehmen wollen, und Madame Tarock hatte auch nichts dagegen gehabt.

So waren wir wieder nach Berlin Mitte gefahren, wo Zingara ihr eigentliches Büro hatte. Es lag in einem der neuen Gebäude zwischen Brandenburger Tor und Friedrichstraße, nicht weit von der Russischen Botschaft entfernt, die in dieser Gegend wie ein archaisches Bauwerk wirkte. Wir hielten uns im krassen Gegenteil davon auf. Eben in dieser an sich ruhigen Tiefgarage, die nicht düsterer war als viele andere, die ich kannte.

»Glaubst du an die Worte, John?«

Ich zuckte mit den Schultern. »Zumindest nehme ich sie ernst, Harry. Das ist kein Spaß mehr, denke ich.«

»Verstehe. Aber – wer hat gesprochen? Und wo versteckt sich der verdammte Typ?«

Das war die Frage. Es gab hier genügend Verstecke. Zum Beispiel hinter den hellen Säulen, die die Decke stützten. oder auch zwischen den abgestellten Fahrzeugen, die auf dem glänzenden und ebenfalls hellen Boden standen. Es gab nur diese eine Etage hier unten. Weiter vor uns hörten wir das Geräusch eines fahrenden Autos, das sich langsam von uns entfernte.

»Tote, die leben«, sagte Harry und sprach mehr zu sich selbst. »Das würde sogar passen.«

»Du sagst es.«

Vielleicht dachte er auch an unseren Besuch auf einem Nachbarboot. Dort hatten wir den Maler Otto E. kennengelernt, und ihm war es gelungen, das Rätsel ein wenig zu lüften. Denn er hatte uns ein bestimmtes Bild gezeigt, das nicht seiner Fantasie entsprungen war. Er hatte es von einer sehr alten, spätmittelalterlichen Zeichnung abgemalt. Auf dem Bild waren Menschen mit auf den Rücken gedrehten Gesichtern zu sehen, die auf dem Weg in die Hölle waren. So hatte man sich im Mittelalter die Bestrafung der Wahrsager und Wahrsagerinnen vorgestellt, wenn sie gezwungen gewesen waren, sich auf den Weg in die Hölle zu machen.

Hier aber hatten wir den umgekehrten Fall erlebt. Hier sollten die Toten zurückgekehrt sein. Jedenfalls war uns das klipp und klar gesagt worden.

Ob es stimmte, wusste ich nicht. Einen Beweis hatten wir bisher noch nicht erhalten, auch nicht durch Madame Tarock, zu der wir unterwegs waren.

Harry Stahl hatte sich einige Schritte von mir entfernt. Er hielt seine Pistole in der Hand und schaute sich sehr genau um, ohne allerdings mehr entdecken zu können als ich.

Es waren die Richtungspfeile auf dem hellen Boden eingezeichnet und die leuchtenden Hinweise zu den Ausgängen. Wir hörten auch keine Schritte, kein Atmen, keine Stimme und keinen Ruf. Das Schweigen hielt uns umfangen.

»Hätte es mir ein anderer gesagt, John, hätte ich ihn für geistig angeschlagen gehalten. Bei dir ist das etwas anderes.«

»Danke, Harry, aber was ich gehört habe, das habe ich gehört.«

Er richtete seinen nachdenklichen Blick auf mich und kam dabei wieder auf mich zu. »Gehen wir mal davon aus, dass alles stimmt, dann irritiert mich ein Wort besonders stark.«

»Das wäre?«

»Das Wörtchen wir.«

Ich drückte meinen Kopf zurück und lachte leise. In diesem Fall hatte er recht. Wir – das deutete auf eine Mehrzahl hin. Demnach war es nicht nur eine Person, die nicht mehr tot war, sondern vielleicht als Tote lebte, sondern mehrere. Wie viele, darüber konnten wir nur spekulieren, aber Spaß machte es bestimmt nicht, sich mit lebenden Toten herumschlagen zu müssen.

Ich wollte es nicht so pessimistisch sehen und meinte: »Es kann auch nur so dahingesagt gewesen sein.«

»Nein, das glaube ich nicht.«

»Du denkst an Madame Tarock, wie ich dich kenne.«

»Du nicht?«

»An wen sonst?«

»Dann liegt auch der Gedanke an eine Falle nahe«, sagte er. »Aber da wir jetzt Bescheid wissen, ist dies nicht einmal so tragisch, nehme ich an.« Er lächelte mir kantig zu. »Ich denke, dass wir unseren Termin bei ihr wahrnehmen sollten.«

»Nichts dagegen.«

Das Büro der Madame Tarock befand sich in einem der neu errichteten Gebäude, in einem sechsstöckigen Haus. Im letzten, praktisch unter dem Dach, residierte sie, und es war eine feine Adresse, die von zahlreichen Kunden besucht wurde, denn das Wirken der Rumänin hatte sich herumgesprochen in den Kreisen, die auch ihre Honorare zahlen konnten. So wurde sie von Politikern und Wirtschaftsmanagern besucht und konnte sich das Büro in dieser teuren Gegend leisten.

Keiner von uns ging mit normalen Schritten dem Fahrstuhl entgegen. Wir schauten uns noch immer um, denn dieser Satz war keine Täuschung gewesen. Ich hatte die Stimme gehört, doch die Person zeigte sich nach wie vor nicht.

Weiter vorn lagen die extra angelegten Frauenparkplätze. Wir gingen auch davon aus, dass Mitarbeiter vor irgendwelchen Monitoren saßen, um das Innere des Parkhauses zu überwachen, und wahrscheinlich waren auch wir hin und wieder auf den Schirmen zu sehen.

Als wir Stimmen hörten, blieben wir stehen. Diesmal klangen sie sehr laut. Zwei Frauen sprachen miteinander. Wenig später erkannten wir den Irrtum. Es war nur eine Frau. Die zweite Person war ein Kind, das von seiner Mutter an der Hand gehalten und weitergezogen wurde.

Die Frau war wütend. Sie trug einen braunen Mantel, Jeans und einen Pullover. In der zweiten Hand hielt sie einige Tüten, während die andere ihre Tochter festhielt, ein Mädchen mit schwarzen Haaren, nicht älter als zehn Jahre.

»Ich konnte doch nichts dafür, dass mir das Eis aus der Hand gefallen ist, Mutti.«

»Das ist mir egal, Eva. Es geht mir auch nicht um das blöde Eis, sondern darum, was du mir erzählt hast.«

»Das stimmt.«

»Quatsch.«

»Ja, Mutti.«

Sie näherten sich uns. Wahrscheinlich stand der Wagen der Frau in der Nähe. Noch hatten sie uns nicht gesehen, und so plapperte Eva weiter. »Ehrlich. Die Frau hat ihren Kopf angepackt und ihn sich dann auf den Rücken gedreht.«

Das waren Worte, die uns wie Sensenhiebe trafen. Plötzlich sahen wir Licht am Ende des Tunnels. Ich merkte, dass mir Harry etwas sagen wollte, da hatte ich ihn schon stehengelassen, ging mit schnellen Schritten vor und stellte mich den beiden in den Weg.

Ich musste ihnen wie ein Geist erschienen sein, denn beide schrieen unterschiedlich laut auf. Die Mutter zerrte sofort ihre Tochter an sich und hielt sie fest.

»Bitte, Sie müssen entschuldigen«, sagte ich lächelnd. »Wir möchten Ihnen nichts, aber …«

Die Frau hatte sich wieder schnell gefangen. Ihre Augen blitzten, als sie sagte: »Warum traten Sie mir dann in den Weg? Sie sollten wissen, dass diese Tiefgarage überwacht wird und …«

»Wir möchten Ihnen nichts tun. Wir sind von der Polizei.« Ich wusste, dass dieses eine Wort manchmal Wunder wirkte, und auch die Frau vor mir entspannte sich.

»Ach ja.«

»Mein Name ist Harry Stahl«, stellte sich mein Freund vor. »Es ist reiner Zufall, dass wir hörten, was Ihre Tochter sagte, aber wir interessieren uns dafür.«

Die Frau musste lachen. Sie war Mitte Dreißig und hatte ihr Haar rötlichbraun gefärbt. »Sie glauben diesen Unsinn tatsächlich, den meine Tochter erzählt hat? Das ist doch haarsträubend.«

»Nein, ist es nicht« beschwerte sich Eva. »Was ich gesehen habe, das habe ich gesehen.«

»Komm jetzt weiter, wir haben nicht viel Zeit.«

»Bitte«, sagte ich. »Bitte, einen Augenblick noch. Es ist sehr wichtig. Sie können sich vorstellen, dass wir hier nicht grundlos durch die Tiefgarage laufen.«

»Ja, schon.«

»Darf ich dann fragen, was Eva gesehen hat?«

»Wie Sie wollen. Aber viel Zeit habe ich nicht.«

»Es dauert auch nicht lange.« Ich ging in die Hocke, um der Kleinen ins Gesicht schauen zu können.

»Bist du wirklich von der Polizei?« fragte sie.

»Ja, Eva.«

»So wie die aus dem Fernsehen?«

»Das ist es!« beschwerte sich die Mutter. »Eva hockt zu viel vor der Glotze.«

»Nein, tue ich nicht.«

Ich kümmerte mich nicht um den Streit der beiden und wollte von Eva wissen, was passiert war. Kinder besitzen ein gutes Gedächtnis. Sie erkennen oft Einzelheiten, die uns Erwachsenen verborgen bleiben. Ich hoffte, dass es auch bei Eva der Fall sein würde.

Sie zog noch einmal die Nase hoch und nickte dann. Es sprudelte aus ihr heraus. Ich musste aufpassen, damit ich alles mitbekam. Als sie den Höhepunkt erreicht hatte, begann sie fast zu weinen. »Dann … dann … ist es passiert. Die hat ihren Kopf gepackt und ihn gedreht. Einfach so. Von vorn auf den Rücken. Ich bin dann weggelaufen.«

»Gut, sehr gut. Weißt du denn noch, wie die Frau ausgesehen hat, Eva?«

»Ja. So alt wie meine Mutter war sie nicht, jünger. So komisch angezogen.«

»Wie denn?«

Eva zuckte die Achseln und schaute von mir weg. »Die hatte einen Mantel an, der aussah wie das Fell von einem Tiger. Und Stiefel. Sehr hohe Stiefel. Die … die … gingen bis zu den Knien. Richtig komisch sahen die aus.«

»Toll, Eva, an was du dich erinnerst. Hast du denn gesehen, wohin die Frau gegangen ist, nachdem sie ihren Kopf gedreht hatte?«

»Nein, habe ich nicht. Ich war ja zu … zu … ich bin weggelaufen zu meiner Mutter.«

»Danke, Eva«, sagte ich, streichelte ihre Wange und stand wieder auf.

Dabei hörte ich den heftigen Atemzug der Frau. »Sie glauben doch meiner Tochter nicht etwa?«

»Warum nicht?«

Sie lachte und schüttelte den Kopf.

»Die Höflichkeit verbietet es mir, Ihnen die richtige Antwort zu geben. Aber das, was meine Tochter angeblich gesehen hat, kann es einfach nicht geben. Dabei bleibe ich auch. So und jetzt …«

»Eine Frage noch«, sagte Harry.

Die Frau verdrehte die Augen. »Aber wirklich die Letzte. Wir müssen nach Hause.«

»Ich verspreche es Ihnen. Haben Sie vielleicht gesehen, wohin die Person gegangen ist?«

»Sie gehen davon aus, dass ich sie gesehen habe?«

»In der Tat.«

»Sie haben Glück. Ich sah jemand wegrennen. Und zwar zu den Aufzügen. Es war die Person, aber ich habe nicht gesehen, dass sie ihr Gesicht nach hinten gedreht hatte. So ein Unsinn. Reicht das?«

»Ja.«

»Dann können wir gehen?«

»Bitte.«

Mutter und Tochter verschwanden. Eva wurde wieder fest an die Hand genommen und regelrecht weitergeschleift.

Harry tippte mich an. »Hast du gehört, John? Sie ist zum Aufzug gelaufen. Das lässt tief blicken. Dann muss sie hier unten sein. Es war ihre Stimme, die wir gehört haben.«

Er erntete keinen Widerspruch. Ich wusste auch, wo die kleine Eva die Person gesehen hatte. Sicherlich in der Einkaufspassage im Parterre. Dort gab es einige Geschäfte, auch zwei Bistros, Autosalons und Modeläden. Alles natürlich auf höchstem und teuerstem Niveau. Die Räume der Firmen begannen in der ersten Etage.

Zweimal hörten wir das Schlagen einer Autotür. Wenig später jaulten Reifen über den glatten Boden. Als wir uns umdrehten, hatte ein 3er BMW die Parktasche verlassen. Eva saß auf dem Beifahrersitz. Sie winkte uns zu.

»Gut, dass sie weg sind«, sagte Harry. »Es wäre nicht gut, wenn Eva die Frau noch einmal sieht.«

»Die zu Zingara gehört.«

»Davon müssen wir ausgehen.«

»Und auch davon, dass sie nicht allein ist, Harry. Genau das bereitet mir Sorgen.«

»Bitte.« Er trat von mir weg und streckte zugleich seine Hand vor. »Keine apokalyptischen Visionen, John. Noch ist hier nichts passiert. Ich weiß, was du denkst. Du stellst dir vor, dass dieser gesamte Bau unterwandert ist …«

»Das habe ich nicht gesagt.«

»Aber ausschließen würdest du es auch nicht.«

»Nein.« Ich war sehr ernst. »Wir dürfen diese Zingara nicht unterschätzen. Bisher hat sie uns noch nicht als zu starke Gegner eingeschätzt, aber das kann sich ändern, fürchte ich. Ich bezweifle, dass wir hier so einfach wegkommen oder dass es mit einem Besuch bei ihr getan ist.«

»Willst du nicht hoch?«

»Doch. Aber ich werde meine Augen noch stärker aufhalten als bisher.«

Es war wieder ruhig in der Tiefgarage geworden. Nach wie vor gingen wir davon aus, dass wir nicht allein waren. Die Stimme war keine Täuschung gewesen, und jetzt wartete die andere Person auf eine günstige Gelegenheit.