John Sinclair - Folge 1141 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair - Folge 1141 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009! Die Königin von Avalon (3. Teil). Avalon, die Nebelinsel, war der Ort, an dem wir das Herz der Heiligen Johanna finden sollten. Also fuhren wir nach Glastonbury, um durch das Tor auf dem Hügel zu gehen, das uns den Weg in dieses geheimnisvolle Reich öffnete. Doch auch unsere Feinde kannten den Ort. Während ich dem Tod so nah wie nie war, gelang es Dean McMurdock die Grenze zu überschreiten. Er erreichte das geheimnisvolle Land und traf dort eine Verbündete. Es war die Königin von Avalon. John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Seitenzahl: 144

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumDie Königin von Avalon (3. Teil)Vorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Die Königin von Avalon (3. Teil)

Avalon, die Nebelinsel, war der Ort, an dem wir das Herz der Heiligen Johanna finden sollten.

Also fuhren wir nach Glastonbury, um durch das Tor auf dem Hügel zu gehen, das uns den Weg in dieses geheimnisvolle Reich öffnete. Doch auch unsere Feinde kannten den Ort.

Während ich dem Tod so nah wie nie war, gelang es Dean McMurdock die Grenze zu überschreiten. Er erreichte das geheimnisvolle Land und traf dort eine Verbündete. Es war die Königin von Avalon.

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-3874-1

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Die Königin von Avalon (3. Teil)

Es war wie im Märchen, und Dean McMurdock glaubte, seinen Augen nicht trauen zu können. Es war jedoch weder eine Illusion noch eine Halluzination, die Frau gab es wirklich.

Sie stand im Eingang des geheimnisvollen Tores auf dem Hügel und schaute den Schotten an. Woher sie so plötzlich gekommen war, wusste er nicht, aber die Frau war ihm auch nicht so fremd. Er spürte den Fluss des Vertrauens, der ihm entgegenströmte, und so wusste er, dass es einfach nur den Weg zu ihr gab.

Der andere – der Weg nach Glastonbury – war ihm durch die drei unbekannten Männer versperrt, die den Hügel über die breiten Stufen hinweg anstiegen. McMurdock hatte sie nur kurz gesehen, aber sofort richtig eingestuft. Es konnten nur Feinde sein.

Normalerweise wären auch die drei Fremden kein Problem für ihn gewesen. Leider befand der Schotte sich nicht in normaler Verfassung. Er war erschöpft und beinahe schon am Ende der Kräfte. Zudem hatte er es nicht geschafft, das geheimnisvolle Tor zu durchschreiten. Gewaltige Kräfte hatten ihn zurückgedrückt, wobei er geschwächt worden war.

Auch jetzt saß er noch am Boden, nachdem er ins Freie gekrochen war. Seine Kräfte waren noch nicht zurückgekehrt. Sie würden wiederkommen, doch das dauerte seine Zeit.

Inzwischen kamen die drei Gestalten näher. In der Dunkelheit waren ihre Gesichter nur nicht zu erkennen. Sie glichen helleren Flecken, die sich in einem bestimmten Rhythmus bewegten. Er wusste über sie Bescheid. Es mussten die X-Rays sein. Einen dieser verräterischen Agenten hatte er in London getötet, aber seine Spur hatten sie nicht verloren.

Die Frau hatte ihn bisher nicht angesprochen. Allein durch ihre Haltung dokumentierte sie, dass sie bereit war, ihm zu helfen, und durch den knappen Wink machte sie es ihm wieder klar.

Es wurde Zeit für McMurdock. Er hatte sich wieder leicht zum Tor hingedreht und kämpfte sich hoch. Er hätte den Weg auch kriechen können, wie schon einmal, nur wollte er sich diese Blöße nicht geben. Keine Schwäche zeigen. Das gehörte sich nicht für einen Menschen, auf dessen Seite der Erzengel Michael stand.

Für einen Moment blieb er stehen. Leicht schwankend. Schwer nach Luft ringend. Wie jemand, der das Gleichgewicht sucht und es schließlich auch findet.

Der Atem pfiff aus seinem Mund. Er zitterte. Der Wille war da, doch das Fleisch war noch zu schwach. Er wollte und konnte nicht aufgeben, obwohl große Lasten auf seinen Schultern zu liegen schienen. Er schaute sich nicht mehr um und wankte der Frau entgegen, die ihn erwartete. Ihr Gesicht lag im Schatten, und trotzdem konnte er es ebenso sehen wie ihre gesamte Gestalt. Für ihn war es schon ein Rätsel, denn eigentlich hätte die Fremde mit der Dunkelheit innerhalb des Tores verschmelzen müssen. Sie jedoch war genau zu sehen. Ein kleines Wunder in dieser finsteren Umgebung des Tors.

Mit jedem Schritt, den er auf sie zumachte, erkannte er sie besser. Eine stolze Person mit kräftigen, langen Haaren, die rotbraun schimmerten und bis zu den Schultern hingen. Ein stolzes Gesicht, eine stolze Haltung. Unterhalb der Gürtellinie des Kleides mit dem engen Oberteil wallte ein Rock, der beinahe bis zum Boden reichte. In der Taille wurde das Kleid von einem Metallgürtel gehalten. Seine Farbe bildete kaum einen Gegensatz zum Blau des Stoffes.

Um den Hals hatte die Person eine Kette gehängt, die golden schimmerte und auf der freien Haut des Ausschnitts lag. Die Frau sagte nichts, lächelte nicht, sie schaute ihm nur entgegen, aber der Blick war ihm nicht feindlich gesonnen. Er gab ihm Hoffnung.

Und er ging weiter. Auch wenn es ihm schwerfiel. Er schob sich Schritt für Schritt weiter, und er hörte hinter sich die Schreie.

Es waren die wütenden Laute seiner Verfolger. Sie hatten sich zwar auf seine Fersen gesetzt, doch sie würden ihn nicht mehr erreichen können. Er war bereits zu nahe am Ziel.

Das gewaltige Tor auf dem Hügel stand jetzt dicht vor ihm und war zu einem riesigen Gebilde geworden. In dieser unmittelbaren Nähe befürchtete McMurdock, dass es jeden Augenblick auseinanderbrechen und auf ihn niederfallen könnte, was aber nicht geschah. So wie es die langen Zeiten überdauert hatte, so blieb es auch jetzt stehen, in all seiner Macht und Würde.

Er stolperte hinein. Es war für ihn ein Schritt der Befreiung. Kaum hatte er die neue Umgebung betreten, da erlebte er wieder diesen unerklärbaren Vorgang, der ihm nicht fremd war.

Stimmen umsäuselten ihn. Es war der Chor der Geister, die sich gemeldet hatten, als wollten sie ihn willkommen heißen. McMurdock kannte keine Erklärung dafür, aber diesmal hörten sich die Stimmen nicht fremd an. Er fühlte sich sogar von ihnen beschützt, und auf seinem Gesicht zeigte sich ein Lächeln.

Die Frau war da. Er spürte ihre Wärme. Er brauchte nur noch einen Schritt, um zu ihr zu gelangen. Deshalb streckte er ihr auch die Hände entgegen, weil er sie begrüßen würde.

Und er fasste hindurch!

Die Erkenntnis war wie ein Schlag, der ihn zusammenzucken ließ. Und die verdammte Angst kehrte wieder zurück.

Ich habe alles falsch gemacht! dachte er. Ich habe mich von einer Halluzination einfangen lassen. Die Frau gibt es nicht wirklich. Sie ist nur ein Trugbild. Dafür existierten die drei Verfolger, denen er entgegenschaute und die nicht weit vom Eingang des Tors entfernt waren.

Die Frau war noch da. Er spürte ihre Nähe – und er hörte plötzlich ihre Stimme.

»Du brauchst dich nicht zu fürchten. Avalon hat dich erwartet. Man wusste, dass du kommen würdest. Das Schicksal hat es vorgeschrieben, und deshalb bist du willkommen.«

Diesmal waren es nicht die vielen Stimmen, die auf ihn einredeten, sondern nur eine, und sie gehörte der schönen Unbekannten, die für Dean so etwas wie eine Hüterin des Tors war.

Er konnte es nicht glauben. Die drei Verfolger lenkten ihn ab. Trotz der Dunkelheit sah er ihre verbissenen Gesichter. Vielleicht sogar die Wut in ihren Augen. Ihre Münder standen offen. Die Gesichter zeigten nichts anderes als blanken Hass.

Auf der anderen Seite spürte er das gute Gefühl, das ihm die andere Seite vermittelte. Es war der warme Strom, der ihm den Eindruck übermittelte, in einer mit warmem Wasser gefüllten Wanne zu liegen.

Etwas drehte ihn herum. Eine nur leichte Berührung, die jedoch ausreichte.

Noch in der Drehung erwischte ihn der Schwindel. Wie angeblasen hatte er ihn erfasst, und zu einer weiteren Drehung, die er bewusst erlebte, kam es nicht mehr.

Plötzlich war die Welt nicht mehr da. Sie wurde McMurdock entzogen. Vielleicht entzog sie sich auch ihm, er konnte es nicht sagen. Jedenfalls floh er weg.

Die Welt innerhalb des Tores verkleinerte sich. Sie zog sich sogar radikal zusammen, schrumpfte, explodierte, um einen Moment später ein anderes Tor aufzustoßen, das ihm die neue Welt eröffnete.

Es war die Insel der Äpfel-Avalon …

*

Irgendwann war ich zu müde gewesen, um weiter zu fahren. Deshalb hatte ich mich von Suko ablösen lassen, der geschlafen hatte, als ich am Steuer gesessen hatte. Es war ein tiefer, wunderbarer Schlaf, allerdings auch gefüllt mit Träumen oder Erinnerungen, denn die Bilder, die ich sah, standen in direktem Zusammenhang mit den Vorgängen der letzten Stunden, die uns einen rätselhaften Fall beschert hatten.

In meiner Wohnung war ein Mensch durch das offene Fenster im zehnten Stock gestiegen, der sich Dean McMurdock nannte und so gut wie unsterblich war, denn er lebte bereits mehrere Jahrhunderte. Er stand unter dem Schutz des Erzengels Michael, und er war erschienen, um das Herz der Jungfrau von Orleans zu finden oder zu holen, das bei ihrer Verbrennung nicht zu Asche geworden war.

Viele hatten das Herz gesucht und es nicht gefunden. Schließlich war es bei einer Hexe gelandet, die es an den Schwarzen Tod hatte weitergeben wollen, aber das hatte Dean McMurdock verhindern können. Er hatte das Herz dann nach Avalon geschafft, wo es noch immer liegen sollte. Nun war es in Gefahr. Auch eine andere Gruppe suchte danach. Es waren die Agenten der Weißen Macht, dem Geheimdienst des Vatikans. Als angebliche Templer getarnt waren sie ausgeströmt. Einer von ihnen hatte sich mit mir treffen sollen, doch McMurdock hatte dies durch einen Mord verhindert. Es hatte lange gedauert, bis ich sein Motiv hatte akzeptieren können, und auch jetzt noch hatte ich damit meine Schwierigkeiten.1

Verräterische Templer hatte es immer gegeben. Dass sie jedoch die Weiße Macht unterwandert hatten, war für mich ein Schock gewesen, und so hatte ich mich auf die Seite des Dean McMurdock gestellt, des Menschen, der schon so lange lebte und von seinem Beschützer, der Erzengel Michael, so viel mitbekommen hatte. So war er in der Lage, sich vom Boden zu erheben und zu fliegen. Ohne Flügel, ohne Schwingen, einfach so. Das hatte mich aus den Schuhen gehauen.

Auch daran gewöhnt man sich. Und ebenfalls an die Tatsache, dass selbst ein Mensch wie McMurdock nicht unverletzbar war und mit seinen Ängsten leben musste.

Suko und ich hatten uns auf seine Seite geschlagen, weil wir nicht wollten, dass das Herz der Heiligen Johanna in fremde Hände geriet, und zwar in die der Verräter.

In Avalon lag es. Dort war es vor sehr langer Zeit hingeschafft worden. Die Insel der Äpfel lag in einer Parallelwelt, umhüllt von Nebel, wie manche Zeugen behaupteten, die sie schon gesehen hatten, denn es gab Tage, da tauchte sie aus ihrer verwunschenen Welt auf und war sichtbar. Ansonsten gab es sie so gut wie nicht, doch wir wussten schon, wie wir hingelangen konnten.

Zwei Wege kannten wir.

Das war zum einen der Knochensessel, aus dem Skelett des letzten Templer-Führers geformt. Der aber stand in Südfrankreich. Eine Reise dorthin hätte zu lange gedauert. So hatten Suko und ich den Weg über Glastonbury gewählt, einem Ort in Somerset, der auch das englische Jerusalem genannt wurde.

Außerhalb dieser Stadt stand auf einem flachen Hügel ein Tor. Wenn man hineinschritt und würdig genug war, dann konnte man nach Avalon gelangen. Sicher war es nie. Man konnte es auch normal durchschreiten und die Welt auf der anderen Seite ohne Veränderung sehen. Ich kannte mich aus, war einer der wenigen Menschen, die von Avalon akzeptiert wurden.

Dort lebte jemand, den ich gut kannte. Nadine Berger, eine Ex-Schauspielerin, hatte dort ihre zweite Heimat gefunden. Sie war nicht immer nur ein Mensch gewesen. Für eine Weile hatte sie als Wolf gelebt und war zur Beschützerin meiner Freunde, der Conollys, geworden, besonders für deren Sohn Johnny.

Aber als Mensch ging es ihr besser, und sie war auch so etwas wie die Hüterin des Dunklen Grals, einer mächtigen Waffe, die ich nach vielen gefährlichen Irrwegen in meinen Besitz gebracht hatte. Darüber hatte ich mich nicht lange freuen können. Jetzt hatte der Dunkle Gral seine neue Heimat in Avalon gefunden, unter anderem bewacht von Nadine Berger.

Die Bilder meines Traums vermischten sich. Ich sah nicht nur Dean McMurdock, wie er durch die Luft schwebte, aus dem dunklen Hintergrund löste sich eine Frauengestalt mit braunroten Haaren, die ihre Arme weit ausgebreitet hatte, um mich zu empfangen. Sie wollte mir andeuten, wie willkommen ich ihr war, und auf ihrem Gesicht lag ein wunderbares Lächeln, das mich noch zusätzlich antrieb, so schnell wie möglich zu ihr zu gelangen.

Ihr Gesicht schwebte dabei näher, immer näher und nahm eine gewaltige Größe an. Es überschattete alles, aber mir entging auch nicht der ernste und warnende Ausdruck in ihren Augen, als wollte sie mir davon abraten, den Weg weiterzugehen.

Etwas riss mich aus meinen Träumereien. Suko hatte den Rover hart gestoppt, und ich war in den Gurt gepresst worden. Ein etwas plötzliches Erwachen. Der Weg aus dem Traum hinein in die Realität war für mich nicht sofort nachzuvollziehen, sodass ich mich noch ein wenig benommen fühlte.

Rechts neben mir hörte ich Sukos Lachen. »Wir sind übrigens da, mein Lieber.«

Ich schüttelte leicht den Kopf und rieb mir die Augen. »Musste das denn sein?«

»Träum weiter.«

Ich schüttelte den Kopf. »Jetzt nicht mehr, aber du hast recht, ich habe geträumt.«

»Von wem denn?«

»Von unserem Fall.«

Mein Freund seufzte. »Kann ich mir denken. Andere träumen von schönen Frauen und …«

Ich löste den Gurt und blickte Suko dabei grinsend an. »Wer sagt dir denn, dass ich nicht von einer schönen Frau geträumt habe? Zumindest erschien sie mir im Traum. Es war Nadine Berger.«

»Gratuliere.«

»Danke, aber nicht neidisch werden.«

»Solange du nur davon träumst …«

Grinsend stieß ich die Tür auf und verließ den Rover. Ich wollte in der klaren Luft richtig wach werden und zog auch ein paar gymnastische Übungen durch.

Es stimmte. Wir hatten Glastonbury erreicht. Ein Ort, der in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erlebt hatte. Er war zu einer Pilgerstätte der Esotheriker geworden, die hier ihre Erleuchtung finden wollten, weil sie davon ausgingen, dass sie sich am Schnittpunkt zweier Welten befanden.

Da hatten sie recht, aber beileibe nicht jedem gelang es, auch einen Blick in die andere Welt zu werfen, in der die alten Legenden und Geschichten zur Wahrheit geworden waren.

Zuerst wunderte ich mich darüber, dass der Ansturm an diesem Tag ausgeblieben war. Eigentlich hatte ich damit gerechnet, eine überfüllte Stadt zu erleben, die aufgrund des Besucherandrangs gewachsen war und auch einen gewissen Bauboom erlebt hatte. So waren Pensionen, kleine Hotels und auch zu mietende Häuser gebaut worden, um die Pilgermassen aufzunehmen. Man konnte auch zelten oder in Wohnwagen schlafen, denn diese Plätze gab es ebenfalls.

Ich hatte wirklich mit mehr Betrieb gerechnet, gerade weil die Jahrtausendwende bevorstand, doch Glastonbury lag unter einer Glocke der Ruhe, die möglicherweise trügerisch war, wie so vieles in dieser kleinen, aber sehr legendenträchtigen Stadt.

Der große Ansturm würde erst nach Weihnachten erfolgen. Zwischen den Tagen. Erst musste das Fest vorbei sein, auf das man sich auch in Glastonbury vorbereitet hatte, denn schon beim ersten Blick waren mir die Tannenbäume aufgefallen, die an verschiedenen Stellen der Stadt aufgebaut waren und sich auch stolz in den Vorgärten der Bewohner abzeichneten und im Lichterschmuck schimmerten.

Glastonbury war eine besondere Stadt. Die Zeugen der Vergangenheit waren überall zu sehen. Die Kirchen, die alten Gemäuer, die Häuser, die oft schmalen Gassen, die so gar nicht zu den neu gebauten Straßen passen wollten.

Der Ort hatte zwei Seiten. Doch die alte wurde immer mehr in den Hintergrund gedrängt, was allein an der Gier der Menschen lag, denn Souvenirbuden und Imbissstände hatten die Vorherrschaft übernommen und viel von dem alten Flair verdrängt.

Suko hatte den Wagen neben einem unbebauten Grundstück angehalten. Ich stand auf dem schmalen Gehweg und schaute in die Stadt hinein, die erst allmählich aus dem nächtlichen Schlaf erwachte, als wäre jemand dabei, langsam eine Decke abzuziehen.

Das typische Flair, das mir noch aus früheren Besuchen bekannt war, hatte sie noch behalten. In dieser Gegend war immer Torf gestochen und auch gebrannt worden. Dieser Geruch, vermischt mit einem leichten Dunst, schwebte auch jetzt über Glastonbury. Manchen Leuten war er zuwider. Nicht mir, denn er brachte mir immer die Erinnerung zurück.

Und auch der Nebel war vorhanden. Das heißt, ein besonders dicker Nebel war es nicht, mehr der übliche schwache Dunst der fast bewegungslos über den Dächern lag und wie in die Luft hineingepinselt wirkte.

Auch Suko stieg aus. Über den Wagen hinweg fragte er mich: »Was suchst du?«

»Das weiß ich selbst nicht. Vielleicht die Spuren der Vergangenheit. Erinnerungen an Vorkommnisse, die mich schon geprägt haben.«

»Und? Hast du sie gefunden?«

»Ich weiß es nicht«, gab ich ehrlich zu. »Ja, ich bin mir nicht sicher. Es ist etwas da, aber es ist nicht mehr so wie damals. Es hat sich schon einiges verändert. Glastonbury ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht, und ich kann nicht behaupten, dass ich es unbedingt gut finde. Wie bei allen Dingen, wenn sie zu bekannt werden.«

»Das ist der Lauf der Dinge. Du kannst sie nicht aufhalten. Aber noch ist es ruhig. Denk nur daran, dass wir an diesem Campingplatz vorbeigefahren sind. Die abgestellten Wagen konntest du an einer Hand abzählen.«

»Warte mal bis nach Weihnachten.«