John Sinclair - Folge 1143 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair - Folge 1143 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009! Grabmal des Grauens. Drei Menschen waren mit einer Axt regelrecht hingerichtet worden. Aber auch der Mörder hatte sein Leben lassen müssen. Ein Grabmal dokumentierte die schreckliche Tat, denn so hatte es der Amokläufer testamentarisch festgelegt. Nicht ohne Grund. Er ließ zehn Jahre vergehen, dann lebte die blutige Vergangenheit wieder auf. John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Seitenzahl: 139

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumGrabmal des GrauensVorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Grabmal des Grauens

Drei Menschen waren mit einer Axt regelrecht hingerichtet worden. Aber auch der Mörder hatte sein Leben lassen müssen. Ein Grabmal dokumentierte die schreckliche Tat, denn so hatte es der Amokläufer testamentarisch festgelegt.

Nicht ohne Grund. Er ließ zehn Jahre vergehen, dann lebte die blutige Vergangenheit wieder auf.

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-3876-5

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Grabmal des Grauens

Die blutige Tragödie hätte nicht schlimmer enden können. Mit einer Axt ermordete Gerald Hopper drei seiner Verwandten und musste danach selbst den Weg in den Tod gehen.

Ein Bildhauer hielt das schreckliche Ereignis für die Nachwelt fest. Es wurde als Motiv für den Grabstein der vier Toten genommen. Als Warnung für die Lebenden, die zehn Jahre später wieder auf blutige Art und Weise auflebte …

Es war einer dieser Abende, die man am liebsten im Haus verbringt. So dachte auch der Reporter Bill Conolly, der sich allerdings nicht vor die Glotze gesetzt hatte oder ein Buch las, nein – er saß in seinem Arbeitszimmer und entspannte sich nicht. Allerdings wollte er seine Tätigkeit auch nicht unbedingt als Arbeit betrachten. Es fand die Bezeichnung abwechslungsreiche Recherche besser.

Seine Frau hielt sich in einem anderen Teil des Bungalows auf. Zu Weihnachten, das noch nicht lange zurück lag, hatte ihr Bill einen Laptop geschenkt, und damit beschäftigte sie sich jetzt. Eines der kleineren Gästezimmer hatte sie zu ihrem eigenen Büro umfunktioniert, und sie wollte an diesem Abend E-Mails schreiben und auch empfangen. Nette Nachrichten, mehr als Übung gedacht. Auf diese Art und Weise hatte sie auch vor, mit Shao zu kommunizieren, eine ihrer besten Freundinnen.

In Bills vielbepacktem Arbeitszimmer stand zwar ebenfalls ein Computer, um den kümmerte er sich jedoch an diesem Abend wenig. Er schrieb zunächst seine Notizen mit der Hand, denn was er sich vorgenommen hatte, war eine ziemliche Sucharbeit. Sie musste akribisch durchgeführt werden. Er wollte erst die entsprechenden Informationen sammeln, aufschreiben und sie später in den Computer geben, um sie bei Bedarf abrufen zu können.

Er hatte mal wieder einen besonderen und auch außergewöhnlichen Auftrag übernommen. Es handelte sich um Gräber oder Grabmale im Großraum London. Nicht um die normalen Gräber, die man auf jedem Friedhof zu Gesicht bekommt, nein, wenn sich Bill schon darum kümmerte, dann mussten es auch besondere Ziele sein. Da gab es wirklich außergewöhnliche Grabstellen, die es wert waren, sich damit zu beschäftigen.

Es ging ihm dabei nicht nur um die äußere Erscheinung. Nein, Bill wollte auch herausfinden, was dahinter steckte. Jedes Grab, jeder Grabstein hatte seine eigene Geschichte. Es musste Gründe geben, warum sie so außergewöhnlich angelegt worden waren und den Besuchern ins Auge stachen.

Da hatten die Lebenden. oft ihre Fantasie ausgetobt und gedacht, sie würden den Toten einen Gefallen damit tun. Ob das stimmte, konnte niemand sagen. Jedenfalls waren einige der Grabmäler für das Auge des Betrachters schon interessant.

Jetzt, wo er sich damit beschäftigt hatte, schüttelte er manchmal den Kopf. Er hatte alle, die ihn interessierten, fotografiert, und diese Fotos hatte er auf seinem breiten Schreibtisch ausgebreitet. Immer wieder ließ er seinen Blick darüber hinweggleiten, und jedes Mal schüttelte er den Kopf, wenn er sah, was man den Besuchern der Friedhöfe da zumutete

Es gab die besonders kitschigen. Die mit den andächtigen und traurig wirkenden Engeln. Hinzu kamen noch die entsprechenden Sprüche, die von einem niemals Vergessen sprachen. Von den Bindungen der Liebe, die in Blumenkränzen geflochten waren. Von der Glückseligkeit des Jenseits, von der langen Reise und auch von den Heiligen, die da um Schutz angerufen wurden und in Stein gehauen über die Grabstätte wachten.

Es gab auch andere Seiten. Da sah Bill dann den Sensenmann, der in verschiedenen Formen immer wieder auftrat. Mal als Schnitter mit Sense, mal als Knochengestalt, die dem Betrachter mit der Faust drohte, als wollte sie ihn jeden Moment zu sich holen.

Was sich die Menschen dabei gedacht hatten, wusste Bill nicht. Aber er hatte sich auch die Namen notiert, denn er wollte bei seinen weiteren Recherchen mit den Nachkommen der Verstorbenen Kontakt aufnehmen und sie einmal fragen, aus welchem Grund sie sich für diesen Grabstein entschieden hatten. Aus Spaß an der Freude hatten sie das bestimmt nicht getan. Da musste schon mehr dahinter stecken. Und diese Motive waren wirklich einen Bericht wert.

Bill hatte sich schon einen ersten Überblick verschafft und war nun dabei, die Spreu vom Weizen zu trennen. Er wollte sich nur auf die ganz ausgefallenen Grabstein-Motive konzentrieren und dort zuerst nachhaken. Es war eine Arbeit, für die er sich Zeit nehmen konnte. Der Auftrag war terminlich kaum begrenzt. Man hatte ihm von der Verlagsleitung nur gesagt, dass die Folgen in der Jahresmitte gedruckt werden sollten.

Bill hatte sich einige besonders ausgefallene Motive zur Seite gelegt und sie unter der Lupe betrachtet. Dabei waren dann drei Bilder übrig geblieben, und auch bei ihnen wollte er schauen, welches Grabmal er sich als Erstes vornahm und nachforschte, was genau dahinter steckte.

Die Arbeit sah zwar locker aus, doch mit der Zeit hatte sie ihn angestrengt, und so gönnte er sich eine kleine Pause, nachdem er zwei der drei Fotos zur Seite geschoben und nur eines vor sich liegen gelassen hatte. Es war das Motiv, mit dem er sich näher beschäftigen wollte.

Zunächst einmal rollte er mit seinem Stuhl zurück, reckte die Arme und verschränkte die Hände dann hinter dem Kopf. Er kippte den Sessel, streckte die Beine aus und schloss die Augen.

Es war noch nicht spät geworden, noch keine Nacht, nur Abend. Der jedoch hatte es in sich, ebenso wie der vergangene Tag, an dem es nie hatte richtig hell werden wollen. Die Stunden waren in einem regelrechten Dämmer vergangen. Nebel, dünner Regen, mit winzigen Schneekristallen vermischt, war über London nieder gegangen. Ein Wetter, bei dem man am besten im Haus bleib. Da trieb man nicht einmal den berühmten Hund vor die Tür.

Jetzt war es finster geworden. Um das Haus herum leuchteten die Lampen wie helle Inseln, die sich überall verteilten und etwas Licht in den winterlichen Garten schickten.

Bill stand auf, trat ans Fenster und öffnete es. Er ließ einen Schwall kühler Luft in den Raum, der ihm leicht überheizt vorgekommen war. Es war noch nicht spät. Erst zwanzig Uhr, aber draußen sah es auch um Mitternacht nicht anders aus.

Zu Abend gegessen hatten weder Sheila noch Bill richtig. Nach dem kurzen Urlaub über den Millenniumswechsel hinweg waren beide mit mehr Gewicht nach Hause gekommen, und so hatte Sheila die Kost auf Sparflamme gesetzt. Zunmindest für sich wollte sie eine Woche eine Diät durchhalten, und auch Bill hatte sich dem angeschlossen. Allerdings nicht so extrem wie Sheila. Er aß nur weniger. Jetzt verspürte er schon ein leichtes Hungergefühl, aber er riss sich zusammen und ging nicht an den Kühlschrank, um sich etwas zu holen.

In einer Schale lag etwas Obst. Zwei Äpfel, eine Birne, drei Mandarinen. Die wollte Bill dann essen, wenn der Hunger einfach zu schlimm in seinen Eingeweiden wühlte.

So ganz hatte er sich mit der Diät nicht abfinden können. Vor allen Dingen nicht, was das Trinken anging. So stand auf dem Schreibtisch auch ein gut mit Rotwein gefülltes Glas, und die entsprechende Flasche hatte er ebenfalls in Griffweite stehen.

Es war ein Wein aus Italien. Ein Merlot. Ein Wein, der geschmeidig und elegant über seine Zunge hinweggeglitten war und dem Gaumen schmeichelte. Die Hälfte der Flasche war bereits leer. Wenn das so weiterging, würde sie Bill auch ganz leeren und sich dann mit der nötigen Bettschwere schlafen legen.

Er wunderte sich darüber, dass seine Frau Sheila noch nicht zu ihm gekommen war, um ein paar Worte zu wechseln. Der Laptop schien für sie interessanter zu sein als der Ehemann. Er war Neuland und deshalb so faszinierend.

Bill setzte sich wieder an den Schreibtisch und hob das Glas an. Er drehte den Wein einmal im Glas, dann setzte er den dünnen Rand an die Lippen und trank.

Er lächelte dabei. Ein wirklich edler Tropfen.

Er stellte das Glas wieder zur Seite und kümmerte sich endlich um das Foto, das er aus allen anderen herausgenommen und zur Seite gelegt hatte.

Natürlich zeigte es einen Grabstein. Und es gehörte auch zu den Aufnahmen, die Bill hatte vergrößern lassen, weil er von dem Motiv einfach fasziniert war. Ein derartiges Familiengrab hatte er wirklich noch nicht gesehen, und er erinnerte sich daran, dass er es auf einer recht versteckten Stelle eines Friedhofs etwas außerhalb der Stadt gefunden hatte.

Es war ein recht großer Flecken Erde. Da konnte von einem Grab schon nicht mehr gesprochen werden. Der Name Gruft passte da besser, und es stach von all den anderen ab.

Bill hatte es schon oft gesehen. Trotzdem schüttelte er auch jetzt den Kopf, als er es einer genauen Betrachtung unterzog. Dieses Motiv war einmalig.

Es zeigte vier steinerne Gestalten, die auf einer festen Steinplatte standen.

Keine Engel, auch keine Abbildungen von Heiligen. Diese Figuren deuteten eher das Gegenteil an. Sie kamen dem Reporter vor wie Figuren aus der Hölle. Wie dämonisches Machwerk, das sich um den Teufel herum gruppierte.

Die Figuren bestanden aus glattem Stein. Als wären sie regelrecht geputzt worden. Sie hatten keine Patina angesetzt, sie wurden wohl des Öfteren gesäubert, und Bill schüttelte auch jetzt noch den Kopf, als er sie betrachtete.

Eine Gruppe von vier dämonischen Gestalten. Sie alle glichen sich. Es konnten sogar Vierlinge sein. Glatte Figuren, nackt, kahl, mit breiten Gesichtern, bei denen sich der Künstler besonders viel Mühe gegeben hatte.

Der Steinmetz musste ein wirklicher Meister seines Fachs gewesen sein, denn er hatte den Gesichtern einen gewissen Ausdruck verliehen, auch wenn der Reporter damit nicht viel anfangen konnte, weil er ihn einfach nicht mochte.

Bei einem quollen die Augen weiter hervor als bei dem anderen. Die glatten Köpfe wirkten wie Kugeln. Nasen waren zu sehen, ebenso offene Münder. Die vier standen zwar starr, aber sie waren so geschaffen worden, dass es für den Betrachter aussah, als wären sie in Bewegung gewesen und aus ihr heraus erstarrt.

Ein wirklich ungewöhnliches Bild. Und es wurde noch ungewöhnlicher durch eine Zugabe, bei der Bill schon seine Schwierigkeiten hatte, sie einzuordnen, weil er nie auf den Gedanken gekommen wäre, sein Grab so zu schmücken.

Alle vier waren dem Teufel irgendwo nachgebildet, denn aus ihren Stirnen wuchsen kleine, nach außen gekrümmte Hörner.

Dieses Motiv hatte Bill so fasziniert oder auch negativ beeinflusst. Wer so etwas als sein Grab auf den Friedhof stellte, der hatte etwas zu verbergen oder wollte auf etwas Bestimmtes hindeuten. Möglicherweise auf die Hölle.

Es gab unzählige namenlose Gräber auf der Welt. Dieses gehörte nicht dazu. Hier musste eine Familie oder Mitglieder einer Familie in der Erde liegen, denn Bill konnte am Grabanfang den Namen Hopper deutlich in eine Steinplatte eingraviert lesen.

Es war ein Motiv, das etwas Böses vermittelte, und dazu eine gewisse Gewaltbereitschaft, denn eine der vier Figuren war tatsächlich bewaffnet.

Es war die, die im Hintergrund stand. Etwas erhöht, sodass sie über die anderen hinwegschauen konnte. Die Gestalt hatte ihren Körper etwas zurück gedrückt und die Arme erhoben. Mit beiden Händen hielt sie den Griff eines mächtigen Beils umklammert, wie Bill es bei Henkern aus vergangenen Zeiten gesehen hatte.

Ein Henkerbeil also.

Und zum Schlag erhoben.

Sogar so gut hergestellt, dass es aussah, als wollte die Figur damit jeden Augenblick zuschlagen. Selbst Bill, der in seinem Leben einiges mitgemacht hatte, erinnerte sich daran, dass er etwas Seltsames gespürt hatte, als er das Grab fotografiert hatte. Es war ein Hauch gewesen. Ein Eishauch. So etwas wie der Hauch des Todes, der ihn erwischt hatte.

Er hatte darüber nicht weiter nachgedacht, weil er durch das Motiv einfach zu stark fasziniert gewesen war. Nun jedoch, in der Stille des Arbeitszimmers, kehrte die Erinnerung wieder zurück und er bekam sogar eine leichte Gänsehaut.

Errunzelte die Stirn, drehte den Blick von der Fotografie aber nicht weg. Mit der rechten Hand fasste er nach seinem Weinglas, gönnte sich einen Schluck und schaute dann wieder hin.

Das Bild lag noch genauso vor ihm wie vor einigen Minuten. Er hatte es nicht verschoben und dabei in ein anderes Licht gerückt. Trotzdem war etwas passiert.

Auf dem Schreibtisch und auch über das Bild hinweggezogen, malte sich ein Schatten ab. Er hatte seinen Ursprung nicht am Grab, sondern am Motiv, und er war die ganze Zeit über nicht vorhanden gewesen.

Jetzt schon …

Nachdem Bill seine erste Überraschung überwunden hatte, folgte er dem Schatten vom Beginn an bis zu seinem Ende. Es war nicht einfach nur ein Schatten, da steckte mehr dahinter, denn auf dem Bild und auch über den Rand hinweg malte sich ein bestimmter Gegenstand ab, der auch auf der Fotografie zu sehen war.

Der Schatten des Beils!

*

Als Bill das glasklar erkannt hatte, blieb er zunächst sitzen, ohne sich zu rühren. Er lauschte seinem eigenen Herzschlag und merkte erst jetzt, dass er seine Hände flach auf die Oberschenkel gelegt hatte. Dennoch schwitzten die Handflächen.

War das normal?

Bill ließ einige Sekunden verstreichen, bevor er sich wieder bewegte. Noch berührte er das Bild nicht und schaute sich die Lampe an, die ihr Licht über den Schreibtisch streute. Es konnte durchaus daran liegen, was natürlich nicht stimmte, denn in den Lichtschein war kein Gegenstand hinein geraten, der diesen Schatten hätte werfen können. Er ging allein von dem Bild aus.

Ohne Grund?

Der Reporter sammelte seine Gedanken. Er musste jetzt klar und nüchtern bleiben und durfte sich nicht von Gefühlen leiten lassen. Zuviel Wein hatte er auch nicht getrunken. Sein Wahrnehmungsvermögen war durchaus in Ordnung.

Er berührte das Bild am unteren Rand und schob es leicht nach rechts zur Seite hin.

Jetzt hätte der Schatten weiterwandern müssen, wäre er durch das Licht hergestellt worden, aber das passierte auch nicht. Der Schatten blieb, ohne dass er sich veränderte. Langgezogen zeichnete er sich in einer diagonalen Linie auf dem Bild ab und endete als Klinge des verdammten Beils, das sich in den Händen dieser im Hintergrund stehenden Figur befand.

Für Bill war es ein Rätsel. Er stand nicht auf und rannte weg, er blieb sitzen und dachte nach. Dabei kam ihm der Begriff des Zufalls in den Sinn.

Sollte es möglich sein, dass dieser Schatten keine natürliche Ursache besaß? Dass er von Kräften oder Mächten geleitet wurde, die im Bereich des Dämonischen liegen?

Bill machte sich keine Illusionen. Worüber andere gelacht oder den Kopf geschüttelt hätten, das gehörte bei ihm zwar nicht zum täglichen Brot, aber er hatte einiges erlebt, auch zusammen mit seinem Freund John Sinclair. Seine Familie lebte mit diesem Wissen, dass es hinter der normalen und sichtbaren Welt auch noch weitere gab, die von dämonischen Kräften geleitet wurden.

Bill blies die Luft aus und rollte mit dem Sessel leicht zurück. Die Härchen auf seinem Handrücken hatten sich leicht in die Höhe gestellt. Die Entspannung bei seiner Tätigkeit war vergessen. Plötzlich spürte er den verdammten Druck. So recht glauben konnte er es immer noch nicht, aber der Schatten blieb. Da konnte er schauen wie er wollte. Er bewegte sich nicht. Er rutschte nicht zur Seite, er veränderte seinen Winkel auch nicht, er folgte keinen physikalischen Gesetzen. Die Länge, die Breite und auch der Winkel blieben bestehen.

Der Reporter berührte das Bild nicht mehr. Er stand auf. Er überlegte dabei, ob er sich den Schatten möglicherweise eingebildet hatte. Das traf nicht zu. Bisher war er von Halluzinationen verschont geblieben.

Bill wollte über die Dinge nicht allein entscheiden und sich eine Bestätigung holen. Die sollte ihm Sheila geben. Sie musste das Bild sehen. Erst wenn sie alles bestätigt hatte, konnte man weitersehen.

Er stand auf, schielte von der Schreibtischseite noch einmal auf das Bild und musste zugeben, dass sich die Form des Schattens und der Winkel nicht verändert hatten.