John Sinclair - Folge 1321 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair - Folge 1321 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009! Das Haus der Schatten. Alles fing damit an, dass Lady Sarah Goldwyn den bewegungslosen Mann auf der Parkbank sah. Sie glaubte, einen Toten zu sehen, aber sie irrte sich. Der Mann lebte. Nur war er nicht mehr normal, denn er besaß keinen Schatten mehr. Für die Horror-Oma war das ein Alarmsignal. Sie alarmierte Suko, ohne zu wissen, dass Bill Conolly und ich bereits an dem gleichen Fall arbeiteten. Der führte uns bis zum Spuk und dabei in das Haus der Schatten, in dem ich eine Überraschung erlebte, die unsere Zukunft noch düsterer erscheinen ließ ... John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Seitenzahl: 141

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumDas Haus der SchattenVorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Das Haus der Schatten

Alles fing damit an, dass Lady Sarah Goldwyn den bewegungslosen Mann auf der Parkbank sah. Sie glaubte, einen Toten zu sehen, aber sie irrte sich. Der Mann lebte. Nur war er nicht mehr normal, denn er besaß keinen Schatten mehr.

Für die Horror-Oma war das ein Alarmsignal. Sie alarmierte Suko, ohne zu wissen, dass Bill Conolly und ich bereits an dem gleichen Fall arbeiteten. Der führte uns bis zum Spuk und dabei in das Haus der Schatten, in dem ich eine Überraschung erlebte, die unsere Zukunft noch düsterer erscheinen ließ …

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-4067-6

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Das Haus der Schatten

Sommer! Ein warmer Wind. Das Zwitschern der Vögel. Ein grünes Dach aus Blättern über den Köpfen der Menschen – und auf der Parkbank saß der Tote!

Der Mann in mittleren Jahren trug trotz der Wärme einen grauen Pullover und eine Hose aus dickem Stoff.

Die ältere Frau mit dem Strohhut hatte die bewegungslose Gestalt entdeckt und einen Polizisten alarmiert. Beide standen jetzt vor dem Mann und der Bank. Der hünenhafte Bobby und die viel kleinere alte Dame, die sich auf einen Stock stützte.

„Der ist doch tot, denke ich“, erklärte sie mit erstaunlich fester Stimme. Dieser Kommentar hörte sich an, als hätte sie tagtäglich mit derartigen oder ähnlichen Phänomen zu tun.

Der Bobby zuckte mit den Schultern. „Das weiß man nie.“

„Sie sollten es kontrollieren, junger Mann.“

„Ja, ja, natürlich.“

„Bitte, dann schauen Sie nach.“

Der Bobby lächelte. Es wirkte etwas verkrampft. Er konnte sich über die Courage der älteren Frau nur wundern. Ihm war das alles sehr unangenehm. Diese Frau schien wirklich etwas Besonderes zu sein. Mit ihren Argusaugen hatte sie den Mann entdeckt. Die anderen Müßiggänger, die den kleinen Park um diese Zeit bevölkerten, um die Sonne des Vormittags zu tanken, hatten sich nicht darum gekümmert. Sie waren achtlos an der Gestalt vorbeigegangen.

Die Bank stand nicht direkt am Wegrand. Man hatte sie auf den Rasen gestellt, wo ihr ein Baum Schatten gab. Hinter ihr breitete sich eine Wiesenfläche aus, wo junge Mütter mit ihren Kindern spielten oder Menschen einfach nur auf Decken lagen und entspannten.

Der Sommer meinte es in diesem Jahr verdammt gut mit der Stadt, und er war eigentlich viel zu früh gekommen.

Der Polizist trat an die Gestalt heran. Er hatte sich etwas zögerlich bewegt, und auch jetzt ging er bei seiner Untersuchung nicht eben forsch vor.

Sein breiter Körper verdeckte der Frau die Sicht auf die Gestalt, aber die alte Dame wollte etwas sehen, und deshalb ging sie einen Schritt zur Seite.

Ob es Zufall war, dass sie die Gestalt entdeckt hatte, daran glaubte sie fest. Aber dieser Zufall konnte zugleich auch Schicksal sein, denn in ihr breitete sich ein beunruhigendes Gefühl aus, das wie ein Kribbeln ihren Magen umgab.

Die Zeugin war zwar eine ältere Dame, aber sie war nicht irgendwer. Ihr Name lautete Sarah Goldwyn, und von Freunden wurde sie nur die Horror-Oma genannt, weil sie immer wieder das Glück oder das Pech hatte, ihre Nase in gewisse Angelegenheiten zu stecken, die sie anzog wie der Honig die Bienen.

Sie wollte schon eine Frage stellen, als der Polizist sich umdrehte und sie anschaute. Sein noch junges Gesicht hatte sich verändert. Es sah erstaunt aus.

„Was ist denn?“

„Ähm … ja … ich … ich weiß nicht.“

Sarah ging näher. „Der Mann ist tot. Oder nicht?“

„Nein, ja …“

Sie tat noch zwei Schritte. „Was denn nun?“

Der Bobby wischte mit dem Handrücken über seine schweißnasse Stirn. „Das kann ich nicht so genau sagen. Jedenfalls ist er kalt. So komisch kalt.“

„Sagen Sie nur.“

„Ja.“

„Schlägt denn sein Herz?“

„Das habe ich noch nicht getestet.“

Sarah Goldwyn gefiel das alles nicht. „Lassen Sie mich mal“, sagte sie und schob den Polizisten sanft zur Seite. Der Mann war eben noch etwas jung und hatte eine natürliche Furcht vor dem Tod. Da musste man ihm helfen.

Sarah war nicht eben groß. Da der Mann jedoch auf der Bank saß, musste sie sich nach unten beugen, um in sein Gesicht zu schauen. Sie hatte es noch nicht berührt und blickte sehr genau hin, aber es war für sie nicht zu erkennen, ob es sich bei ihm wirklich um einen Toten handelte. Da musste sie schon andere Tests durchführen, was sie auch tat, denn sie legte zwei Fingerspitzen dort gegen den Hals, unter dessen Haut die Aorta schlug.

Kalt!

Ja, die Haut war kalt. Auch ein Toter besitzt eine kalte Haut, wenn er schon länger gestorben ist, aber diese Kälte hier war eine andere, und Sarahs Hand zuckte sehr schnell wieder zurück, weil sie sich erschreckt hatte.

„Er ist tot, nicht?“, fragte der Polizist.

Sarah gab die Antwort erst nach einer Weile. „Das kann ich Ihnen nicht genau sagen.“

„Sie haben ihn doch …“

„Seine Haut ist kalt.“

„Eben, dann ist er tot.“

Sarah schüttelte den Kopf, obwohl der junge Polizist im Prinzip Recht hatte. „Ich habe noch keinen Beweis bekommen, denn die Kälte ist meiner Ansicht nach zu stark und unnatürlich. Mit ihm muss etwas geschehen sein, von dem wir nichts wissen.“

„Haben Sie denn eine Wunde gesehen?“

Sarah schüttelte den Kopf, während sie von oben herab in das Gesicht mit den starren Zügen schaute. „Nein, das habe ich nicht. Es ist auch nicht wichtig, denke ich. Wenn er tatsächlich tot sein sollte, kann dies auch durch einen Herzschlag geschehen sein.“

„Gut, Mrs ….“

„Mein Name ist Sarah Goldwyn.“

„Danke. Dann werde ich mal die Kollegen anrufen. Sie sollen zudem einen Arzt mitbringen. Wir sind Laien und können …“

Er sprach noch weiter, worauf Sarah Goldwyn jedoch nicht achtete, denn sie hatte etwas gesehen. In diesem Fall war es sogar als kleines Phänomen einzustufen, denn der Tote hatte sich bewegt.

Ein kurzes Zucken seines Kopfes, mehr nicht. Sie glaubte auch, ihn stöhnen gehört zu haben. Es war erst der Anfang. Der Mann auf der Bank zuckte zuerst zusammen, stöhnte wieder auf, diesmal lauter, bewegte den Kopf, öffnete weit die Augen und schaute Sarah Goldwyn direkt ins Gesicht …

*

Der Tote ist erwacht!

Dieser Satz schoss ihr durch den Kopf. Sarah selbst hatte so schnell nicht damit gerechnet. Sie zog sich aus der gebückten Haltung zurück, und plötzlich dachte sie daran, einen Zombie vor sich zu haben. Dieser Gedanke verschwand sehr schnell wieder, denn er war in ihrer überheizten Fantasie entstanden.

Nein, nein, das war kein Zombie, kein lebender Toter, denn er atmete und presste beide Hände gegen sein Gesicht.

Jede seiner Bewegungen wurden auch von dem Polizisten wahrgenommen, der beruhigt war und plötzlich die Lösung für seine Probleme gefunden hatte.

„Der hat nur geschlafen, Mrs. Goldwyn.“ Er lachte. „Das ist verrückt und zugleich völlig normal. Ja, geschlafen. Etwas anderes kann ich Ihnen nicht sagen. Und wir … na ja …“

Sarah sagte nichts. Natürlich konnte der Polizist Recht haben. Es war möglich, dass der Mann eingeschlafen war, aber sie dachte mehr an das andere Phänomen.

Die Haut des Mannes war kalt gewesen. Und das trotz des Sonnenscheins und des dicken Pullovers, den er trug. Genau darüber wollte die Horror-Oma nachdenken. Für sie war das nicht normal.

Der Mann in Uniform trat nahe an die Bank heran. Er bückte sich dem Erwachenden entgegen.

„Alles in Ordnung, Sir?“

„Wie … äh … was?“

„Ob bei Ihnen alles in Ordnung ist?“

„Ja, ist es. Sorry, aber …“

„Sie sind eingeschlafen, wie?“

Diesmal erfolgte die Antwort nicht sofort. Der Erwachte schien erst nachdenken zu müssen. Schließlich gab er dem Frager Recht. „Ich bin eingeschlafen.“

Der junge Beamte wirkte erleichtert. „Dann ist ja alles in Ordnung“, sagte er. Ihm war wirklich anzusehen, dass er sich darüber freute. „Ich hatte schon die schlimmsten Befürchtungen gehabt.“ Er zuckte die Achseln und schaute sich um. „Dann werde ich mal weitergehen. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Sommertag. Und Ihnen auch, Mrs. Goldwyn.“

„Danke, junger Mann.“

Der Polizist tippte kurz gegen seinen Helm und setzte seinen Rundgang durch den Park sichtlich erleichtert fort.

Auch Lady Sarah hätte jetzt gehen können. Das tat sie jedoch nicht. Sie setzte sich neben dem Erwachten auf die Bank, der dagegen auch nicht protestierte.

„Geht es Ihnen gut?“

„Schon …“

„Sie haben geschlafen.“

Der Mann nickte. „Das muss wohl so gewesen sein. Ich habe mich hier auf die Bank gesetzt und bin eingeschlafen.“

„Das Wetter ist auch toll. Zwar ein wenig heiß, aber unter einem Baum kann man es schon aushalten.“

„Stimmt.“

„Nur wundert es mich, dass Sie so dick angezogen sind. Ich will Sie damit nicht kritisieren, aber ein Pullover wäre mir bei diesen Temperaturen wirklich zu warm.“

„Ich friere.“

„Komisch.“

„Es stimmt aber.“ Der Mann hatte sich leicht nach vorn gebeugt und seine Ellenbogen auf die Knie gedrückt. Er schaute nach vorn, und Sarah konnte sich vorstellen, dass er nicht viel sah, weil er ins Leere blickte. Er war mit seinen Gedanken woanders, das merkte sie genau, und für sie war klar, dass er ein Geheimnis verbarg.

Das hatte die Horror-Oma natürlich neugierig gemacht. Sie war eine sehr sensible Frau, die auch Antennen dafür besaß, was das Verhalten anderer Menschen anging. Mit diesem Mann stimmte etwas nicht. Der war nicht nur einfach eingeschlafen, sondern musste ein gewisses Schicksal hinter sich haben, das Sarah gern gewusst hätte. Und so nahm sie sich vor, ihn zum Reden zu bringen.

„Mein Name ist übrigens Sarah Goldwyn. Ich bin hier zufällig vorbeigekommen und sah Sie auf der Bank sitzen und schlafen.“

Er gab keine Antwort.

Sarah ließ nicht locker. „Wie heißen Sie?“

„William Hollister.“

„Danke. Wohnen Sie hier in der Nähe?“

Sarah bekam eine Antwort, die allerdings nichts mit ihrer Frage zu tun hatte. „Mir ist so kalt.“

„Warum?“

„Das weiß ich nicht. Die Kälte steckt in mir. Es ist schlimm. Selbst die Sonne kann mich nicht wärmen.“

„Sind Sie krank?“

„Ich glaube nicht.“

„Aber es ist nicht natürlich, dass Sie so reagieren, Mr. Hollister.“

„Es ist aber so.“

„Können Sie sich wirklich keinen Grund für diese innerliche Kälte vorstellen?“

Hollister sagte nichts. Er wischte über seine Stirn und lehnte sich danach zurück, wobei er seinen Rücken gegen die Holzlehne der Bank presste. Er schaute weiterhin nach vorn und wollte Sarah Goldwyn nicht in die Augen sehen.

Sie entdeckte die leichte Gänsehaut auf seiner Gesichtshaut. Jetzt fiel ihr zudem auf, wie blass er war. Wenn man ihn hätte beschreiben sollen, wäre man von einem Durchschnittstypen ausgegangen. Es gab an William Hollister nichts, was auffiel. Er war mehr der blasse Durchschnittstyp, bei dem nicht mal die Haarfarbe auffiel. Sie konnte sich nicht entscheiden, ob sie blond oder grau war.

„Sie frieren ja wirklich, Mr. Hollister.“

„Das sagte ich Ihnen doch bereits.“

„Dann müssen Sie krank sein. Es wäre wohl gut, wenn Sie zu einem Arzt gehen und sich untersuchen lassen.“

Mit einer recht scharfen Bewegung drehte er den Kopf, um Sarah anzuschauen. „Nein, das werde ich nicht tun, Mrs. Goldwyn. Auf keinen Fall, verstehen Sie?“

„Ja, ich habe verstanden.“

„Ich bleibe, was ich bin, auch wenn ich es mir selbst nicht erklären kann.“

Sarahs Neugierde war längst nicht gestillt, und so fragte sie weiter. „Wie erklären Sie sich diese Kälte denn? Oder wie fühlen Sie das Kalte? Ist es so wie im Winter oder nehmen Sie die Kälte mehr innerlich wahr? Ich weiß ja auch nicht, wie ich das fragen oder beschreiben soll. Für mich sind Sie nicht gesund.“

„Es ist mein Problem.“

„Da haben Sie Recht.“

Er schaute die Horror-Oma noch immer scharf an. Selbst seine Augen waren blass. „Und ich möchte auch, dass es mein Problem bleibt. Ich bedanke mich dafür, dass Sie sich um mich gekümmert haben. Aber jetzt muss ich weiter, Mrs. Goldwyn.“

Sarah wollte noch etwas sagen, doch Hollister war schneller. Mit einer ruckartigen Bewegung stand er auf und ging von der Bank weg, ohne Sarah noch einen Blick zuzuwerfen.

Der Horror-Oma kam sein Verschwinden fast wie eine Flucht vor, obwohl er nicht schnell ging. Er schritt über den weichen Rasen hinweg, auf dem der gefilterte Sonnenschein wie ein heller Flickenteppich lag. Er brauchte nicht weit zu gehen, um den normalen Weg zu erreichen.

Die Horror-Oma schaute ihm nach. Sie tat es automatisch und überlegte, wie sie reagieren sollte. Für sie stand fest, dass sich dieser Mensch nicht normal verhielt. Er musste ein Geheimnis in sich bergen.

Hollister hatte jetzt das Ende der Rasenfläche erreicht. Dort blieb er für einen Moment stehen und drehte den Kopf, als wollte er sich davon überzeugen, dass Sarah auch wirklich zurückblieb und ihm nicht folgte.

Sie blieb sitzen und winkte ihm sogar noch zu.

Darum kümmerte sich der Mann nicht. Er betrat den Weg und drehte sich nach links, wo er schon beim ersten Schritt von den Strahlen der Sonne erfasst wurde.

Er ging weiter und wäre für Lady Sarah eigentlich uninteressant geworden, wenn sie ihm nicht so scharf nachgeschaut hätte und sich in ihrem Kopf die Gedanken und Vermutungen drehten.

Etwas stimmte nicht.

Etwas war verkehrt.

Es passte nicht, und es war verdammt prägnant, sonst wäre es ihr nicht aufgefallen.

Aber was hatte sie gestört?

Die Horror-Oma saß wie auf dem Sprung. Die breite Krempe des Strohhuts beschattete Stirn und Augen, so wurde sie nicht durch das Sonnenlicht gestört, als sie William Hollister verfolgte.

Er ging wie jeder Mensch durch das Sonnenlicht. Und wo Licht ist, da ist auch Schatten.

Nicht bei Hollister!

Lady Sarah sprang auf. Sie griff auch nach ihrem Stock, um sich abzustützen. Sie wusste jetzt genau, was sie gestört hatte.

William Hollister warf keinen Schatten!

*

„Sie ist wieder da!“, hatte der Reporter Bill Conolly zu mir am Telefon gesagt.

Ich war im Moment nicht der große Rater und fragte: „Von wem sprichst du eigentlich?“

„Es ist die Frau, von der ich dir gestern erzählt habe. Die Nachbarin. Und auch am Telefon.“

„Ja, ich erinnere mich.“

„Dann komm her.“

„Jetzt?“

„Klar. Nicht erst morgen.“

Ich wusste ja, dass mein alter Freund Bill kein Spinner war und nicht grundlos die Pferde scheu machte. Also hatte ich mich in den Rover gesetzt und war zu ihm gefahren. Außerdem war ich froh gewesen, aus dem Büro zu kommen, das bei diesem herrlichen Sommerwetter kein Ort war, an dem man sich gern länger aufhielt.

Glenda hatte mir noch neidvoll nachgeblickt, während Suko der Meinung gewesen war, dass ich allein fahren sollte und er die Stellung halten wollte.

Glenda Perkins ging es wieder besser. Sie hatte den letzten Fall verkraftet und war schon damit beschäftigt, sich eine neue Sauna zu suchen, aber eine ohne Werwolf oder Kreatur der Finsternis.

Ich war durch das sommerliche London gefahren und wunderte mich darüber, dass ich meinen Freund Bill vor seinem Grundstück auf dem Gehsteig antraf.

Neben ihm ließ ich den Rover ausrollen. Hohe Laubbäume filterten das helle Sonnenlicht und spendeten Schatten.

„Wartest du schon lange?“, fragte ich.

„Nein, ich konnte ja rechnen.“

Ich schlug ihm zur Begrüßung auf die Schulter. „Wenn ich etwas näher darüber nachdenke, dann kann ich wohl davon ausgehen, dass wir nicht zu Sheila gehen und uns mit ihr auf die Terrasse setzen, um uns dort einen kühlen Drink zu genehmigen.“

„Du hast Nerven. Wir haben erst Vormittag.“

„Das weiß ich. Es gibt auch Drinks ohne Alkohol.“

„Stimmt allerdings.“

„Also nachher.“

„Genau.“

„Wo wohnt denn deine Nachbarin?“

„Wir müssen noch ein Stück die Straße hoch, und ich habe ein verflucht ungutes Gefühl.“

Bill wollte schon gehen, doch ich hielt ihn zurück. „Erklär mal einem Menschen, der nicht so auf dem Laufenden ist wie du, was es mit dieser Frau auf sich hat.“

„Sie heißt Linda Stone. Ich kenne sie vom Ansehen. Man sagt sich guten Tag, das ist alles. Sheila und ich haben sie auch mal auf einer Nachbarschaftsparty kennengelernt und mit ihr einen Small Talk durchgezogen. Einen näheren Kontakt hat es zwischen uns nicht gegeben. Es gab keine Einladungen von Haus zu Haus. Man sah sich, und die Sache war erledigt.“

„Schön. Was habe ich damit zu tun?“