John Sinclair - Folge 1327 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair - Folge 1327 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009! Lady Sarahs Totenfrau. Es war eine traurige Pflicht, aber es musste getan werden. Bevor wir Lady Sarah beerdigen konnten, musste ihr Erbe gesichtet werden. Es lag bei einem Notar unter Verschluss. Jane Collins und ich gingen hin. Es ging nicht nur um materielle Dinge, die Sarah Goldwyn vererbt hatte, sondern auch um ein geheimnisvolles Bild, von dem keiner von uns etwas geahnt hatte, das aber für uns zu einem Albtraum werden sollte ... John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Seitenzahl: 136

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumLady Sarahs TotenfrauVorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Lady Sarahs Totenfrau

Es war eine traurige Pflicht, aber es musste getan werden. Bevor wir Lady Sarah beerdigen konnten, musste ihr Erbe gesichtet werden. Es lag bei einem Notar unter Verschluss.

Jane Collins und ich gingen hin. Es ging nicht nur um materielle Dinge, die Sarah Goldwyn vererbt hatte, sondern auch um ein geheimnisvolles Bild, von dem keiner von uns etwas geahnt hatte, das aber für uns zu einem Albtraum werden sollte …

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-4073-7

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Lady Sarahs Totenfrau

Der Leichenkosmetiker hatte gute Arbeit geleistet! Wohlfrisierte Haare. Ein starres Gesicht mit leichtem Rouge auf den Wangen. Der Mund mit den blassen Lippen war geschlossen, die Augen ebenfalls. Sie würden nie mehr einen Blick in die Welt der Lebenden werfen, denn Lady Sarah Goldwyn, die Horror-Oma, war tot.

Und ich stand vor ihrer Leiche …

Ich bewegte mich nicht. Die Hände hatte ich zu Fäusten geballt. Den Schweiß spürte ich überall, obwohl es in diesem Raum des Abschieds nicht warm war. Dafür sorgte eine Klimaanlage, an deren leises Summen ich mich gewöhnt hatte.

Es war für mich schlimm. Ein schrecklicher Abschied von einer Frau, einer Freundin, fast einem Mutterersatz. Einen ähnlichen Abschied hatte ich schon mal erlebt. Da hatte ich vor den Särgen meiner Eltern gestanden, und hier überkamen mich fast die gleichen Gefühle.

Ich wusste auch nicht, was ich denken sollte. Mein Kopf war irgendwie leer. Wie meine Eltern war auch Lady Sarah nicht durch einen natürlichen Tod ums Leben gekommen. Zwei Vampirmonster hatten sie überfallen und grausam getötet.

Sie waren nicht mal dämonische Geschöpfe, sondern durch Veränderung der Gene entstanden. Wer sich dafür verantwortlich zeigte, wusste ich nicht. Da hätten wir einen gewissen Vincent van Akkeren fragen müssen, der die Fäden zog. Wobei im Hintergrund ein noch mächtigerer Feind lauerte, der Schwarze Tod.

Er war zurückgekehrt. Er hatte sich seinen Platz erobert. Er beherrschte die Vampirwelt, und er hatte es geschafft, die einstigen Herrscher dort, Dracula II und Justine Cavallo, in die Flucht zu schlagen. Ob der Supervampir überhaupt noch existierte, wusste ich nicht. Zuletzt hatte ich ihn praktisch auf der Sense des Vampirs hängen gesehen.

Hier liefen verschiedene Dinge zusammen, aber mit Lady Sarah hatte das Grauen begonnen. Sie war das schwächste Glied in der Kette gewesen, doch nach ihrem Tod waren weitere Angriffe auf meine Freunde erfolgt, aber die Conollys und auch Glenda Perkins hatten überlebt, und der Schwarze Tod hatte es auch nicht geschafft, mich zu töten. Ich war von Myxin und Kara gerettet worden.

Ein Sieg war uns nicht gelungen. Ich hatte weder den Schwarzen Tod noch Vincent van Akkeren zurückschlagen können. Sie würden weitermachen, und darauf hatten wir uns einzustellen.

Meine Freunde hatten bereits von Lady Sarah Abschied genommen. Auch Jane Collins, die Detektivin, hatte sich lange bei der Leiche aufgehalten. Jetzt wartete sie im Vorraum auf mich, denn wir beiden hatten noch einen Termin bei einem Notar. Da ging es um die Erbschaft der Toten, die nicht eben gering war.

Die Beerdigung würde später erfolgen. Auch das war ein Gang, der uns sehr schwer fallen würde, aber wir mussten hin. Es gab keine andere Möglichkeit.

Auch meine Eltern damals hatte ich auf diese Art und Weise zu Grabe getragen.

Mein Mund war trocken. Meine Augen waren feucht.

Da lag sie also.

Wie oft hatten wir Sarah Goldwyn beschworen, ihre Nase nicht in unsere Angelegenheiten zu stecken. Vergebens. Sie hatte einfach mitmachen wollen, und nicht grundlos war sie die Horror-Oma genannt worden. Sie hatte alles geliebt, was mit Grusel und Mystik zu tun hatte. Geliebt, gesammelt, katalogisiert, archiviert und stets auf dem neuesten Stand gehalten. Wie oft hatte sie mir durch ihr Wissen helfen können.

Das war nun vorbei. Ich würde sie nicht mehr fragen können. Ihr Tod hinterließ in mir eine große Leere.

Da ich das leise Summen der Klimaanlage vergessen hatte, kam es mir in der Umgebung des Sargs totenstill vor. Ich hätte auch das Licht löschen und Kerzen anzünden können. Darauf hatte ich verzichtet und die Beleuchtung herabgedimmt.

Ich erinnerte mich daran, wie Lady Sarah nach dem Überfall der Vampirmonster ausgesehen hatte. Blutüberströmt. Einfach schrecklich. Grauenhaft. Es hatte schon einiges an Zeit und Kunstfertigkeit gekostet, um sie so herzurichten, dass es jetzt aussah, als läge eine Person vor mir, die in tiefen Schlaf gefallen war.

Das war nicht der Fall.

Ich bückte mich und streichelte über ihr Gesicht. Die Haut war nicht mal zu kalt. Durch das aufgelegte Rouge sah sie sogar gesund aus. Es hätte mich nicht gewundert, wenn sie plötzlich die Augen geöffnet und mich angeschaut hätte.

Es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass ich den Kontakt mit einem Zombie gehabt hätte, doch als lebende Leiche konnte ich mir Sarah Goldwyn nicht vorstellen.

Je länger ich vor ihr stand, desto mehr festigte sich in mir der Verdacht, nicht allein zu sein. Ich schaute mich um, aber es war niemand zu sehen. Kein Geist der Lady Sarah, der sich aus dem Reich der Toten gemeldet hätte. Alles, was ich dachte, entsprang meiner Fantasie.

Mein Gott – wie lange hatten wir uns gekannt. Sie war dabei gewesen, als ich die Geheimnisse meines Kreuzes entschlüsselt hatte. Sie hatte Jane Collins ein neues Zuhause gegeben, nachdem sie von dem Fluch des Teufels erlöst worden war. Jane hatte sich bei der Horror-Oma sehr wohl gefühlt, doch jetzt war alles vorbei.

Es brach eine neue Zeit für uns alle an. Ob die besser war als die Alte, wagte ich zu bezweifeln, denn die Rückkehr des Schwarzen Tods hatte nichts leichter gemacht.

Genau das Gegenteil war der Fall. Der Kampf ging wieder von vorn los. Die alten Zeiten kehrten zurück, doch auch der Schwarze Tod würde sich anpassen müssen. Vieles hatte sich verändert. Im Reich der Dämonen gab es andere Machtstrukturen. Ob er sie akzeptierte, stand in den Sternen. Glauben konnte ich es nicht, denn der Schwarze Tod war jemand, der seinen direkten Weg ging und alle Hindernisse beiseite räumte.

Rücksicht kannte er nicht. In van Akkeren hatte er einen idealen Helfer und Wegbereiter. Ich glaubte auch nicht daran, dass van Akkeren es aufgegeben hatte, Anführer der Templer werden zu wollen, und da konnte ihm der Schwarze Tod behilflich sein.

Auch für meine Freunde würde sich einiges ändern. Schon in früheren Zeiten hatte der Schwarze Tod sie zu Feinden erklärt, und das würde auch so bleiben.

Ich wusste nicht, was uns noch alles erwartete. Jedenfalls würde das Leben weitergehen, und wir würden weiterhin mit sehr offenen Augen und auch misstrauisch durch die Welt laufen müssen.

Ich schaute in Sarahs Gesicht. Je länger ich dies tat, desto stärker wurde der Eindruck, als wäre es dabei, sich zu verändern. Manchmal glaubte ich, ein knappes Lächeln zu sehen, aber das war reine Einbildung, denn ihre Lippen bewegten sich nicht. Sie blieben geschlossen und auch so schrecklich blass.

Jane und ich hatten zwar keinen Termin vereinbart, jeder sollte so lange Abschied nehmen, wie er wollte, aber es wurde allmählich Zeit für mich. Ich stellte mich an das Fußende des offenen Sarges und nickte der Toten zu, als wäre sie noch am Leben.

„Okay, Sarah, okay. Wir haben dich nicht beschützen können, denn die andere Seite war einfach zu stark. Aber wir werden weitermachen, denn wir alle wissen genau, dass es auch in deinem Sinne ist. Ich hoffe, du verstehst das.“ Bitter lachte ich auf. „Klar, das wirst du verstehen, Sarah. Du hast ja immer für so vieles Verständnis gehabt. Nicht zuletzt ich habe das immer zu spüren bekommen, und ich verspreche dir, dass ich weitermache. Du sollst stolz auf mich sein, da oben im Jenseits, wo du deine – ach verdammt …“

Meine Stimme versiegte, und ich konnte nicht mehr sprechen. Ich musste den Tränen einfach freien Lauf lassen. Das war so etwas wie eine Erlösung für mich.

Ich presste meine Hand gegen die Augen und drehte mich vom Sarg weg. Plötzlich konnte ich das Bild der Toten nicht mehr ertragen. Bisher hatte ich die Tränen der Trauer zurückhalten können, das war ein Fehler gewesen. Jetzt mussten sie raus, und ich lehnte mich mit der rechten Schulter gegen die Wand und atmete tief durch.

Es war alles so verdammt traurig und schlimm, aber es tat mir gut, zu weinen, denn danach fühlte ich mich besser.

Zwei Minuten später hatte ich mich wieder gefangen. Ich trocknete meine Tränen, schneuzte einige Male die Nase und warf einen allerletzten Blick auf Lady Sarah.

Dabei war mein gesamter Körper von einer Gänsehaut eingehüllt, die ich wie ein Prickeln spürte.

Wenig später öffnete ich die Tür und verließ den Raum …

*

Es war kein Schritt in eine andere Welt, denn auch hier im Flur war es still. Ich hatte die Tote hinter mir gelassen und ging allein durch das schwache Licht, das die Wandleuchten abgaben, die hier als künstliche Kerzen hingen.

Der Steinboden war glatt. Er war gebohnert. Man konnte sich fast darin spiegeln, und es roch nach einem Desinfektionsmittel. Es gab keine Bilder an den Wänden, und mir kam der Flur vor wie der Zugang zum Jenseits.

Ich erreichte die andere Tür, die aus dunkelbraun gebeiztem Holz bestand. Ich zog sie auf und fand mich in einem kleinen Warteraum wieder. Mit dem Wartezimmer eines Arztes war er nicht zu vergleichen. Wer wollte, der konnte sich die Kollektion von Urnen anschauen, die in verschiedenen Glasvitrinen standen.

Ich hatte dafür keinen Blick. Mein Ziel war die kleine Sitzgruppe.

Dort wartete Jane auf mich. Sie hätte auch in einer Zeitschrift lesen können, doch darauf hatte sie verzichtet. Ziemlich steif saß sie auf dem Stuhl und hatte die Hände auf ihre Knie gelegt. Ihr Blick war nach vorn und ins Leere gerichtet. Sie hätte mich sehen müssen, doch sie nahm keine Notiz von mir.

Durch zwei Fenster fiel Tageslicht. Das Wetter draußen hatte sich verändert. Die große Hitze war weg. Sie hatte sich mit schweren Gewittern und Stürmen verabschiedet. Viel kühler war es jedoch nicht geworden. Im Gegenteil, die Schwüle hatte zugenommen.

Jane Collins trug ein graues Kostüm aus dünnem Leinen. Trotzdem schwitzte sie. Ich sah auf ihrer Stirn einen dünnen Schweißfilm. Ihre Lippen waren blass, und unter den Augen lagen dunkle Ränder, als hätte man sie dort hingemalt.

Als ich vor ihr stehen blieb, schaute sie zu mir hoch. „Du hast es geschafft?“

„Ja.“

„Und weiter?“

Ich zuckte mit den Schultern.

„Ist schon gut“, flüsterte Jane. „Ich kann mir vorstellen, wie es gewesen ist. Ich kenne dich ja.“ Sie schüttelte den Kopf. „Für mich war es einfach grausam, und ich kann noch immer nicht glauben, dass alles vorbei ist. Ich traue mich kaum, zurück in das Haus zu gehen. Es ist so leer, verstehst du?“

„Klar.“

„Und trotzdem habe ich immer das Gefühl, dass sie noch bei mir ist. Dass sie sich um mich herum aufhält. Dass sie mit mir reden und mich sogar beschützen will. Komisch, aber so habe ich es empfunden.“ Sie lachte freudlos auf. „Ich ging nach oben und hatte dabei das Gefühl, dass Sarah mir folgen würde und wieder über die hohen Stufen und über ihre alten Knochen schimpfte.“

„Aber du wirst dort bleiben?“

„Das überlege ich noch.“

Ich war überrascht und fragte: „Was gibt es da noch großartig zu überlegen?“

„Weiß ich, welche Wahrheiten uns der Notar eröffnet?“

„Das werden wir bald haben.“

Jane schaute auf die Uhr. „Wir müssen los.“

„Gut.“

Sie stand auf, blieb aber vor mir stehen, und ich begriff, was sie von mir wollte, und nahm sie in den Arm.

„John, das tut gut. Das habe ich gebraucht. Wir müssen jetzt zusammenhalten, und das noch stärker als zuvor. Es ist nichts mehr so, wie es einmal war. Das Grauen ist zurückgekehrt, und der Schwarze Tod hat einen ersten Sieg errungen. Er wird es dabei nicht belassen, John. Er macht weiter, und ich weiß nicht, ob wir ihn diesmal stoppen können. Er muss sich einfach verändert haben. Er wird schlauer geworden sein, John.“

„Wir aber auch, Jane.“

„Toll, dass du das so siehst. So hätten wir den Schwarzen Tod eigentlich stoppen müssen – oder nicht?“

„Das können wir später versuchen. Ich bin nur froh, dass ich entkommen konnte. Das wird ihn wahnsinnig geärgert haben. Ich schätze, dass er bald wieder zuschlagen wird, aber darüber mache ich mir jetzt keinen Kopf. Zuerst müssen wir zum Notar, und heute Abend sind wir alle bei den Conollys, um über die nächsten Schritte zu reden. Jeder von uns muss sich auf den Dämon mit der Sense einstellen. Da steht uns noch einiges bevor.“

Jane war meiner Meinung, schwächte sie allerdings leicht ab, als sie sagte: „So ganz ohne Probleme wird sich der Schwarze Tod nicht durchsetzen können, John. Geh davon aus, dass er in der dämonischen Welt nicht nur Freunde hat. Es könnte zu Kämpfen kommen, und vielleicht reiben sich die Gegner gegenseitig auf.“

So optimistisch dachte ich nicht. „Dracula II und Justine Cavallo haben es versucht, aber nicht geschafft. Und die beiden haben wirklich was drauf.“

„Klar, du musst es wissen. Die blonde Bestie wurde zu deiner Partnerin.“

„Zwangsläufig.“

Jane verkniff sich jede spitze Bemerkung. „Hast du wirklich keine Ahnung, wohin sie verschwunden sein könnten?“

„Nein, habe ich nicht. Wahrscheinlich haben sie und Dracula II die Flucht aus ihrer eigenen Welt geschafft, doch darauf wetten möchte ich nicht. Es kann sein, dass sie ein besonders gutes Versteck gefunden haben, in dem sie erst mal abwarten.“

„Wir werden es herausfinden.“ Sie blickte auf die Uhr. „Jetzt wird es wirklich Zeit.“

Ein Angestellter geleitete uns zur Tür. Er passte in dieses Institut. Dunkel gekleidet und Trauermiene. Er wollte noch etwas sagen, aber ich winkte ab.

„Schon gut, Mister.“

Uns wurde die Tür geöffnet. Wir hörten eine Glocke über unseren Köpfen bimmeln und standen wenig später im Freien. Von dort aus gingen wir zu dem kleinen Parkplatz, auf dem Jane ihren Golf abgestellt hatte. Beide waren wir auf den Besuch beim Notar gespannt …

*

Der Mann hieß Sir William Preston, und er gehörte zu den besten drei Anwälten und Notaren, die London zu bieten hatte. Seine Kanzlei befand sich in der Nähe des Picadilly in einem ehrwürdigen Haus, das im Tudorstil gebaut und hell angestrichen war.

Große Fenster, kompaktes Mauerwerk. Und Schilder vor dem breiten Eingang, die darauf hinwiesen, wer hier alles residierte. Es waren die verschiedensten Firmen, die sich in diesem Bau niedergelassen hatten, in dessen Innern eine angenehme Kühle herrschte.

Die alte Bausubstanz war zwar erhalten geblieben, aber auch die Moderne hatte Einzug gehalten. Wir sahen sie in Form einer gläsernen Portierloge oder eines Tresens, hinter dem ein Mann in uniformähnlicher Kleidung saß und dezent jeden Besucher musterte. Das taten auch die beiden Typen im Hintergrund, die es sich in einer Sitzecke bequem gemacht hatten, aber wie Leibwächter aussahen und nicht wie normale Besucher.

Der Portier schaute uns entgegen. Er hatte eine neutral-freundliche Miene aufgesetzt und nickte, als wir vor seinem Desk stehen blieben.

Ich überließ Jane das Reden. Sie klärte die Sachlage, und der Portier telefonierte. An seinem erneuten Nicken erkannten wir, dass er zufrieden war. Er erklärte uns, dass bald jemand erscheinen würde, um uns abzuholen.

„Danke“, sagte Jane.

Wir hätten uns hinsetzen können, doch darauf verzichteten wir. So lange würde es nicht dauern. Und wir hatten richtig getippt. Eine der beiden Aufzugtüren schwang auf und entließ eine dunkelhaarige Frau im hellen Sommerkostüm, die lächelnd auf uns zukam.

„Miss Collins und Mr. Sinclair?“

„Ja.“

„Bitte, kommen Sie mit mir.“

Wir stiegen in die vornehm ausstaffierte Kabine, die innen mit Samt ausgekleidet war.