John Sinclair - Folge 1341 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair - Folge 1341 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009! Die Wiege des Kretins. Suko und ich hielten uns noch immer in Alet-les-Bains auf. Es gab zu viel zu tun, aber wir wollten auch nicht fliegen, ohne uns von unserem Freund Godwin de Salier zu verabschieden. Als wir ihn besuchten, fanden wir ein leeres Zimmer! Plötzlich war es vorbei mit der Ruhe. Ohne unser Zutun steckten wir in einem höllischen Fall. De Salier war nicht freiwillig gegangen. Man hatte ihn an einen bestimmten Ort gelockt ... John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Seitenzahl: 146

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumDie Wiege des KretinsVorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Die Wiege des Kretins

Suko und ich hielten uns noch immer in Alet-les-Bains auf. Es gab zu viel zu tun, aber wir wollten auch nicht fliegen, ohne uns von unserem Freund Godwin de Salier zu verabschieden.

Als wir ihn besuchten, fanden wir ein leeres Zimmer!

Plötzlich war es vorbei mit der Ruhe. Ohne unser Zutun steckten wir in einem höllischen Fall. De Salier war nicht freiwillig gegangen. Man hatte ihn an einen bestimmten Ort gelockt …

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-4087-4

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Die Wiege des Kretins

Traumwelt, Märchenwelt. Die Spanne zwischen Tag und Dämmerung. Letztes Licht, das zerfloss, als wäre es vom Fußboden aufgesaugt worden.

Konturen wurden milchig und verschwammen. Die Wände schienen sich aufzulösen. Neue Figuren und Bilder entstanden. Sie wirkten wie verwaschene Aquarelle.

Der Mann im Bett lag auf dem Rücken und hielt die Augen offen. Er beobachtete den Übergang der Zeiten und hoffte darauf, dass er das in diesem Raum nicht mehr oft hinnehmen musste. Geschlafen hatte der Templer-Führer Godwin de Salier in den letzten Tagen und Nächten genug. Das war einfach eine Folge der Verletzung gewesen. Inzwischen fühlte er sich besser und hatte bereits die ersten Gehversuche hinter sich. Er lächelte bei dem Gedanken daran.

Er hätte bestimmt nicht gelächelt, wenn er geahnt hätte, welches Grauen auf ihn lauerte …

Seine Zukunft sah auf eine gewisse Art und Weise gut aus. Er freute sich darauf, die Klinik verlassen zu können. Zugleich fürchtete er sich davor, denn Godwin de Salier war klar, was ihn erwartete.

Fünf tote Templer. Verletzte Freunde. Ein durch einen Bombenanschlag halb zerstörtes Kloster, das wieder aufgebaut werden musste. Er würde es tun, zusammen mit den noch Überlebenden, das hatten ihm die Brüder bei ihren Besuchen versprochen.

Diesmal hatte es so ausgesehen, als hätten seine Feinde, die Baphomet-Templer, gewonnen. Doch nicht für immer, denn es gab Menschen, die nicht aufgaben. Zu ihnen gehörten nicht nur Godwin und seine Freunde, sondern auch die beiden Engländer John Sinclair und Suko, die sich ebenfalls noch in Alet-les-Bains aufhielten. Sie würden allerdings bald wieder nach Hause fliegen. Dann musste sich Godwin allein um den Aufbau kümmern und auch um dessen Finanzierung.

Große Ideen hatte er da noch nicht. Er hoffte aber, durch Spenden weiterzukommen, doch all das kostete Zeit, und dann musste das Geld erst mal aufgetrieben werden.

Zu stark wollte er sich mit diesen Gedanken nicht beschäftigen. Erst einmal musste er gesund werden, und da war er guter Hoffnung. Er war unter den Trümmern begraben worden, aber er hatte sich nichts gebrochen, und das war sehr wichtig.

Die Prellungen und blauen Flecken ließen sich aushalten. Zudem hatte man ihn gut behandelt. Die ersten Gehversuche lagen ebenfalls hinter ihm, und sie hatten gut geklappt. Nur kam er sich bei den Schritten immer noch vor wie von einem starken Muskelkater geprägt.

Godwin de Salier hatte noch nicht oft im Krankenhaus gelegen. Eines stand fest. Es stimmte, dass man als Patient Durst bekam, wenn man hier seine Tage und Nächte verbrachte. Auch Godwin verspürte den Durst und wollte Abhilfe schaffen.

Die Wasserflasche stand in der Nähe. Eine aus Plastik, die ihm ruhig aus der Hand hätte rutschen können. Er drehte sie auf und setzte die Öffnung an die Lippen.

Das Wasser war lauwarm. Es floss in seine Kehle und erfrischte ihn, zumindest für den Augenblick. Einen zweiten Schluck trank er noch und setzte sich dann auf.

Sein Blick glitt nach vorn.

Eigentlich wäre es für ihn an derzeit gewesen, das Licht einzuschalten. Andere Patienten schliefen um diese Zeit. Doch das wollte er nicht. Um den Schalter zu erreichen, brauchte er nur die Hand auszustrecken. Er befand sich dicht am Bett.

Godwin wollte den Knopf drücken, der wie ein silbrig glänzender Wassertropfen aussah, als er mitten in der Bewegung innehielt.

Etwas war anders geworden.

Zwischen Bett und Fenster stand jemand!

*

Der Templer erschrak bis ins Mark. Die Haut in seinem Nacken und auch im Rücken zog sich zusammen. Ihm wurde plötzlich eisig kalt. Er hielt den Atem an.

Traum? Wirklichkeit? Halluzination?

Diese Begriffe jagten durch seinen Kopf. Eigentlich war es unmöglich, dass sich eine fremde Person im Zimmer aufhielt, aber er täuschte sich nicht. Da war jemand!

Nein, da ist niemand!, redete er sich ein. Es konnte niemand das Krankenzimmer betreten, ohne dass er etwas gehört hätte. Das Fenster und die Tür hatte er im Blick. Eben die beiden Ein- oder Ausgänge. Er hätte etwas sehen müssen, wenn eines von ihnen geöffnet worden wäre.

Das war nicht der Fall gewesen. Tür und Fenster hatten sich nicht bewegt. Es hatte auch keinen Spalt gegeben, durch den sich jemand hätte schieben können.

Trotzdem war es passiert …

Godwin wusste nicht, was er denken sollte. Er blickte starr nach vorn und hielt auch weiterhin so lange die Luft an, bis es ihm nicht mehr möglich war. Danach atmete er tief durch. Dabei schloss er die Augen und wünschte sich, dass die Gestalt wieder verschwunden war, wenn er erneut hinschaute.

Er zählte innerlich bis fünf, öffnete die Augen – und sah sie erneut.

Jetzt wusste er, dass er sich nicht getäuscht hatte. Es gab sie, aber er konnte nicht sagen, ob es sich dabei um eine Frau oder einen Mann handelte. Sie hielt sich dort auf, wo die letzte Helligkeit und die Dämmerung zusammenliefen. Sie hatte also eine Grenzposition erreicht. Eine Lücke zwischen zwei Welten, halb in einer, halb in der anderen.

Godwin de Salier war an Überraschungen gewöhnt. Nur hatte er gedacht, sie hinter sich zu haben. Das schien nicht der Fall zu sein. Dabei hatte man schon versucht, ihn zu ermorden, denn die andere Seite war ihm auf der Spur geblieben. Ein gewisser Saladin hatte es sogar geschafft, seinen Freund Suko zu manipulieren. Er war zu Godwin gekommen, um ihn zu erwürgen. Es war ihm nicht gelungen, und von seinen echten Feinden hatte er auch nichts mehr gehört und nichts gesehen.

Nun dieser Besuch …

Der Templer war sich noch immer nicht sicher, ob es die Gestalt tatsächlich gab oder ein Produkt seiner überreizten Nerven war. Das konnte alles sein. Nichts wollte er ausschließen, aber je länger er hinschaute, desto mehr festigte sich seine Überzeugung, dass es die Gestalt wirklich gab.

Er schaffte es auch, seine Gefühle zurückzudrängen und sich auf den Besucher zu konzentrieren. Er musste jetzt die Nerven behalten und durfte sich nicht beirren lassen. Diese Person war seiner Meinung nach nicht zu fassen. Er sah sie als feinstofflich an. Sie schien ihn aus einem anderen Reich besucht zu haben. Sie sah zudem aus, wie man sich ein Gespenst vorstellt. Sie war ein Schatten, ein Nichts, und zugleich besaß sie menschliche Umrisse. Er verglich sie sogar mit der Uniform der Templer, wenn diese die Kapuze ihrer Kutte in die Höhe gestreift hatten und sich durch die Welt bewegten.

Das war kein Templer. Er glaubte daran, dass diese Gestalt nicht angefasst werden konnte. Seine Hand würde durch sie hindurchstreifen, das stand für ihn fest.

Sie war ein Gruß aus einem Totenreich. Dieser Gedanke kam ihm nicht mal fremd vor, wenn Godwin sich daran erinnerte, dass er von seinem Freund John Sinclair aus der Vergangenheit in diese Gegenwart geholt worden war und nun, nach dem Tod des Abbé Bloch, die Templerführung übernommen hatte.

Er selbst sah sich als ein Phänomen an, und deshalb hatte er für andere Phänomene ebenfalls Verständnis.

Ob der unheimliche und geisterhafte Eindringling ihm feindlich gesonnen war, das konnte er nicht feststellen. Noch tat die Gestalt nichts. Sie stand auf dem Fleck, und wenn er genau hinschaute, dann sah er in ihr ein leichtes Zittern.

Tief holte er Luft. Godwin war ein Kämpfer. Er gehörte zu den Menschen, die so leicht nicht aufgaben. Da er sich wieder besser fühlte, wollte er versuchen, Kontakt mit dem unheimlichen Eindringling aufzunehmen. Ansprechen?

Godwin wusste es nicht. Trotz seiner Erfahrungen mit den jenseitigen Welten war er nicht sicher, ob er den Kontakt zwischen ihnen und sich herstellen konnte.

Aber er musste sich irgendwie melden und versuchte es zunächst mit einer Ansprache.

„He, kannst du mich hören?“

Die Gestalt bewegte sich nicht.

Godwin unternahm einen zweiten Versuch. Und diesmal sprach er etwas lauter.

Auch jetzt zeigte die unheimliche Gestalt keine Reaktion. Sie stand im Zimmer wie in die Luft gemalt, und es war Godwin nicht möglich, ihr Gesicht zu sehen.

Er verzweifelte nicht und dachte auch nicht an Aufgabe, denn er hatte etwas anderes vor. Hilfe holen wollte er ebenfalls nicht. Ihm kam es darauf an, selbst etwas in die Wege zu leiten. Obwohl es die Ärzte nicht gern sahen, wenn er ohne Hilfe aufstand, würde er es tun und sich der Gestalt nähern. Er wollte einfach mehr von ihr wissen und sie auch berühren. Damit hätte er möglicherweise viel gewinnen können. Einen Hinweis auf die Existenz.

Es war für ihn nicht einfach, ohne Hilfe aus dem Bett zu steigen. Zu lange hatte er gelegen, und so etwas traf auch den Kreislauf. Da war es schwer, den Schwindel zu bekämpfen, der sich bei ihm allerdings in Grenzen hielt. Als Godwin auf der Bettkante saß, fühlte er sich fast normal. Zumindest hielt ihn keine Kraft gepackt, die ihn von der Kante stoßen würde.

Er wartete. Schob seine Füße in die Pantoffeln und atmete in aller Ruhe durch. Nichts überstürzen und alles erst mal wirken lassen. Sich dann sehr langsam erheben und nur kleine Schritte machen.

Es ärgerte ihn, dass die letzte Bewegung für einen leichten Schweißausbruch gesorgt hatte. Die Kraft war noch nicht zurückgekehrt. Das lange Liegen hatte ihn schon fertig gemacht.

Noch konnte er sich entscheiden. Wieder zurück ins Bett legen und alles so belassen oder aufstehen und auf diesen unheimlichen Besucher zugehen?

Godwin entschied sich für die letzte Möglichkeit. Er war kein kleines Kind mehr. Er hatte es gelernt, zu kämpfen und sich auseinander zu setzen, und das behielt er auch jetzt bei.

Die Gestalt bewegte sich nicht. Sie schwankte nicht, sie gab keinen Laut von sich, sie blieb einfach nur stehen und schien tatsächlich auf Godwin zu warten.

Der stand auf!

Zu schnell, wie er noch in der Bewegung merkte. Er begann zu schwanken und war froh, sein Bett hinter sich zu wissen, auf das er sich fallen lassen konnte.

Erneut brach ihm Schweiß aus. Er sah nicht mehr so klar, denn jetzt schwankte die Wand. Seine Kehle war wieder trocken. Deshalb griff er schnell zur Wasserflasche und trank einen gehörigen Schluck.

Es ging ihm besser.

Der erneute Versuch. Diesmal stemmte er sich mit seinen Händen ab. Er hatte sich zu beiden Seiten seines Körpers auf das Bett gestemmt und hütete sich davor, zu schnell zu sein. Sehr langsam kam er hoch, und diesmal klappte es auch. Zwar verschwand der Schwindel nicht völlig, aber er brauchte sich zumindest nicht wieder zurück auf das Bett fallen zu lassen.

Er stand. Er blieb auch stehen. Nun nahm er sich vor, sich nicht zu hastig zu bewegen, denn das konnte alles zerstören.

Der erste Schritt war der schwerste. Er ging ihn trotzdem. Er musste es ja tun und wunderte sich darüber, dass ihn kein Schwindel mehr erfasste. Beinahe fühlte er sich schon wieder normal, und darüber war er heilfroh. Wunderbar leicht fühlte er sich an und konnte sich trotzdem darauf verlassen, die nötige Standfestigkeit zu haben. Es würde alles klappen. Er würde nicht zu Boden fallen und vor den Füßen der Gestalt liegen bleiben.

Das leichte Schwanken ließ sich trotzdem nicht vermeiden. Darauf achtete der Templer nicht. Sein Ziel war nach wie vor die Erscheinung, mit der er noch nichts anfangen konnte.

Der zweite Schritt klappte ebenfalls. Der Dritte auch, er setzte zum Vierten an und kam so dem Eindringling immer näher.

„Siehst du mich? Hörst du mich? Wer bist du? Bitte, du musst mir deinen Namen sagen …“

Es gab keine Reaktion bei dieser Schattengestalt. Sie blieb völlig ruhig. Nicht die geringste Bewegung, und es war auch kein Laut zu hören.

Alles bei ihr war gleich. Ein Gesicht malte sich nicht ab, und Godwin dachte nicht länger über sie nach. Er wollte jetzt wissen, wie sie sich anfühlte und ob es überhaupt zu einer Berührung kommen würde, was nicht unbedingt wahrscheinlich war.

Weiter ging er nicht. Er streckte wieder den Arm aus. Nur wollte er sich dieses Mal kein Wasser holen. Er brauchte den Kontakt – und erlebte den Eishauch, der zuerst über seine Hand und danach über seinen Arm bis hoch zur Schulter rann, als sollte er dort eingefroren werden.

Mehr geschah nicht.

Es reichte dem Templer zunächst. Das Kribbeln hörte so leicht nicht auf. Er bewegte seine Finger, um den Kreislauf wieder zu mobilisieren, was ihm auch gelang. Das Gefühl, kalt zu sein, war nicht mehr vorhanden.

Godwin hob den Kopf an. Er war jetzt gewarnt. Er würde sich trotzdem näher mit dieser Gestalt beschäftigen. Das war nicht mehr möglich. Wo sie noch vor einer Sekunde gestanden hatte, war sie nicht mehr.

Der Templer hörte sich selbst lachen. Er schüttelte auch den Kopf. Er wollte wieder zurück in sein Bett gehen und bezeichnete sich selbst bereits als Spinner, als sich alles änderte.

Er hatte nicht bewusst zur Tür geschaut. Das tat er jetzt und entdeckte die Gestalt dort.

Sie stand da und drehte ihm das Profil zu. Ihre Haltung war gut zu deuten, denn dieses Wesen machte auf ihn den Eindruck, als würde es auf ihn warten.

Godwin de Salier verspürte den Wunsch, lachen zu müssen, was er allerdings unterdrückte, denn diese Reaktion wäre ihm unpassend vorgekommen. In seinem Kopf arbeitete es wieder. Wenn er näher darüber nachdachte, musste er zu dem Ergebnis gelangen, dass der Standplatzwechsel kein Zufall war.

Dieses feinstoffliche Wesen wusste genau, was es wollte. Es konnte nur nicht sprechen.

Warum stand es an der Tür?

Es war leicht für Godwin, sich darauf eine Antwort zu geben. Es hatte sich den Platz ausgesucht, durch den Godwin als normaler Mensch das Zimmer verlassen konnte. Also wollte es, dass er den Raum verließ. Es wollte, dass er ihm folgte.

Die Lage war angespannt und auch irgendwie unheimlich. Doch als der Templerführer an sich herabsah, musste er lächeln, obwohl kein Grund dazu vorhanden war. Er lächelte einfach über sich selbst und seine Kleidung, denn er trug dieses weit geschnittene Krankenhausnachthemd und keinen Schlafanzug.

Bleiben oder folgen?

Godwin stand vor einer schwierigen Entscheidung. Er war waffenlos, er war von seiner großen Form ziemlich weit entfernt und konnte sich auf keinen Fall als normal bezeichnen. Wenn er dieser Gestalt tatsächlich folgte, sollte sie das Zimmer verlassen, dann nicht in diesem Outfit. Wer konnte schon wissen, wohin der Weg ihn führte.

Inzwischen war er längst davon überzeugt, dass das Erscheinen der Gestalt alles andere als ein Zufall war. Sie war erschienen, weil sie sich um ihn kümmern wollte, und sie würde auch warten, bis er fertig war. Der Entschluss stand fest.

Godwin drehte sich wieder nach links. So brauchte er nur geradeaus zu gehen, um den Spind zu erreichen, in dem seine Kleidung aufbewahrt wurde.

Mit dem Gehen klappte es schon besser. Er spürte in seinem Innern eine große Freude und zugleich eine Spannung, was die Zukunft wohl bringen würde.

Mit schon noch etwas tapsigen Schritten näherte er sich dem Ziel. Abgeschlossen war die Schranktür nicht. Der Schlüssel steckte im Schloss. Er drehte ihn und konnte die Tür aufziehen.

Auch im Dunkeln fand er sich zurecht. Die Umrisse seiner Kleidung waren gut zu sehen. Er hatte sie auch getragen, als ihn die Trümmer unter sich begraben hatten, aber vom Staub und Dreck war nichts mehr zu sehen. Man hatte die Klamotten gereinigt.

Sehr gut!, dachte er und lächelte vor sich hin. Er holte alles vom Bügel und warf es aufs Bett.

Das Ankleiden fiel ihm schwer. Es kostete ihn Energie, von der sowieso nicht mehr zu viel vorhanden war. Er musste zudem stets gegen den Schwindel ankämpfen, der ihn immer wieder überfallen wollte. Einmal trieb es ihn nach vorn, und da war er froh, sich auf seinem Bett abstützen zu können.

Im Sitzen kleidete er sich dann an. Zuletzt schlüpfte er in die Schuhe. Das Gefühl, normale Klamotten zu tragen, hatte er so lange vermisst, dass es ihm jetzt ungewohnt vorkam. Die Hose und die Jacke empfand er sogar als doppelt so schwer. Besonders die Jacke drückte auf beide Schultern, und wegen der Schuhe ließen sich auch die Beine nicht mehr so leicht anheben.

Trotzdem gab er nicht auf. Er ging am Bett vorbei, stützte sich sicherheitshalber darauf und schaute erst zur Tür hin, als er sich sicher fühlte.

Ja, da stand der Eindringling noch. Er hatte geduldig gewartet und sich auch wieder so gedreht, dass er in Godwins Richtung schaute. Es war perfekt, besser hätte es für ihn gar nicht laufen können.