John Sinclair - Folge 1342 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair - Folge 1342 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009! Die Totmacher. Halloween ist immer mehr auf dem Vormarsch. Das Fest der Toten und der Geister begeistert Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Doch wo Licht ist, gibt es auch Schatten. Ein Mann und eine Frau waren unterwegs, um Halloween für ihre Zwecke auszunutzen. Ihr Ziel war ein kleiner Ort namens Ratley. Dort wollten sie der Halloween-Nacht ihren blutigen Stempel aufdrücken ... John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Seitenzahl: 141

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumDie TotmacherVorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Die Totmacher

Halloween ist immer mehr auf dem Vormarsch. Das Fest der Toten und der Geister begeistert Kinder und Erwachsene gleichermaßen.

Doch wo Licht ist, gibt es auch Schatten. Ein Mann und eine Frau waren unterwegs, um Halloween für ihre Zwecke auszunutzen. Ihr Ziel war ein kleiner Ort namens Ratley.

Dort wollten sie der Halloween-Nacht ihren blutigen Stempel aufdrücken …

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-4088-1

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Die Totmacher

Wendy Blaine schrie auf, als die Tür zu ihrem Zimmer heftig geöffnet wurde. Das elfjährige Mädchen packte sein Kissen und drückte es vors Gesicht. Dann zog es die Beine an, wobei es auf dem Bett so weit zurückrutschte, bis es die Wand am Rücken spürte.

Karen Blaine lief zu ihrer Tochter. „Meine Süße, was ist denn los mit dir?“

„Ich habe ihn gesehen.“

„Wen?“

Wendy zögerte mit der Antwort. Sie schielte zum Fenster hin. „Den Mann … mit dem Beil im Kopf.“

Karen Blaine schloss die Augen. Sie überlegte. Auf keinen Fall durfte sie lachen, denn ihrer Tochter war es mit dieser Aussage sehr ernst. Wendy gehörte zu den Kindern, die noch recht kindlich waren, einfach ihrem Alter entsprechend. Sie besaß noch kein Handy und auch keinen Computer, sie war jemand, die spielte und in dem großen Garten einen perfekten Platz dafür hatte. Wendy war jemand, die nachdenken konnte und sich auch ihre Gedanken machte.

Die Frau musste plötzlich lachen. Sie setzte sich zu Wendy aufs Bett. Mit beiden Armen umschlang sie den etwas pummeligen Körper ihrer Tochter.

„Kind, was hast du nur?“ Karen lachte. „Nein, das ist unmöglich. Du brauchst doch keine Angst zu haben und …“

„Habe ich aber.“

„Vor dem Mann mit dem Beil im Kopf?“

„Ja.“

Karen musste sich räuspern. „Weißt du, was wir heute haben?“

„Ja. Freitag.“

„Auch das. Aber für manche Menschen ist die kommende Nacht eine ganz besondere. Du hast es selbst schon bei deinen Freundinnen erlebt und auch gesehen.“

„Halloween?“

„Genau, mein Schätzchen, Halloween. Die Leute verkleiden sich. Sie wollen durch die Straßen und Orte ziehen. Sie klingeln an den Haustüren. Sie wollen die Menschen erschrecken und ihnen klar machen, dass die Nacht der Geister bevorsteht. Der alte Brauch kommt immer stärker in Mode. Auch wir haben die Kürbisse im Garten stehen und …“

„Aber du hast kein Beil im Kopf, Ma.“

„Das stimmt allerdings.“

„Eben. Ich habe den gesehen. Er hat sich … ich meine, er hat sich auf unserem Grundstück herumgetrieben. Ich konnte ihn vom Fenster aus sehen und er hat mich sogar angegrinst.“

„Das war ein Spaß, Wendy. Es gibt die verrücktesten Verkleidungen. Die Leute denken sich immer etwas anderes aus. Vor zehn oder zwanzig Jahren war noch alles sehr harmlos. Der alte Kult ist mittlerweile zu einem Überkult geworden. Mit den Ursprüngen hat er kaum noch etwas zu tun. Das ist alles von den Staaten her zu uns herübergeschwappt wie eine gewaltige Welle, die nicht nur unser Land erfasst hat, sondern auch das übrige Europa. In Frankreich, in Deutschland, Italien und den Niederlanden, wo auch immer, man feiert einfach Halloween. Grusel-Karneval, wie auch immer. Es ist eben modern geworden. Die Menschen suchen Zerstreuung. Gefürchtet haben sie sich schon immer gern. Das ist ein Phänomen.“

Wendy schaute ihre Mutter an und hörte ihr zu. Als sie geendet hatte und lächelte, schüttelte das Mädchen den Kopf. Es wollte demonstrieren, das es ihr nicht glaubte.

„Hier ist es anders.“

„Wiesodass denn?“

„Echt.“

„Bitte?“

„Der war echt“, sprudelte es aus dem Mund des Mädchens hervor. „Da kannst du sagen, was du willst. Der ist echt gewesen. Ich weiß das. Ich … ich … kann das unterscheiden.“

„Und wieso?“

Aus ihren blauen Augen schaute Wendy der Mutter ins Gesicht. „Keine Ahnung, ehrlich.“

Karen Blaine wusste nicht mehr, was sie noch sagen sollte. „Wenn das so ist“, meinte sie schließlich, „wäre es besser, wenn du im Haus bleibst. Oder zumindest nah am Haus.“

Das Mädchen bekam große Augen. „Willst du denn weg?“

„Ja.“

„Wohin?“

„Nur in den Ort, um einzukaufen. Wenn ich das erledigt habe, komme ich so schnell wie möglich wieder zurück. Das verspreche ich dir, Wendy.“

„Ehrlich?“

„Großes Ehrenwort.“

Wendy senkte den Blick. Immer wenn sie so schaute, überlegte sie, das wusste Karen.

„Gut, dann bleibe ich hier. Vielleicht gehe ich auch nach draußen, ich weiß es noch nicht.“

„Gut, aber bleib auf dem Grundstück.“

„Mach ich.“

Karen stand auf. „Es kann länger dauern, weil ich noch deinen Vater abholen muss.“

Auf Wendys Gesicht erschien ein Strahlen. „Kommt er denn heute schon aus London zurück?“

„Ja, einen Tag früher.“

„Toll.“

„Das meine ich auch. Aber wie gesagt, du kannst mitgehen.“

Wendy dachte nach. „Nein“, sagte sie schließlich, „das mache ich nicht. Ich muss ja noch meine Maske fertig anmalen. Die Freundinnen wollen kommen. Sie sind auch alle verkleidet. Wenn es dunkel wird, wollen wir dann durchs Dorf ziehen.“ Sie rutschte vom Bett und trat ans Fenster. „Das sieht komisch aus, da draußen.“

„Wieso?“

„Der Nebel.“

Karen Blaine lachte. „Nebel ist übertrieben.“ Sie trat hinter ihre Tochter und legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Das ist nur ein leichter Dunst. Da wir in der Nähe des Bachs leben, konzentriert er sich hier besonders.“

„Und was ist mit heute Abend?“

„Nun ja, da wird er stärker. Haben sie zumindest in den Wetterberichten gesagt. Der zieht von Süden her nach Norden.“

„Hast du noch mehr über ihn gehört?“

„Wieso?“

„Über den Weg.“

Karen Blaine lächelte. „Ja, aber darum brauchen wir uns keine Gedanken zu machen. Mehr die Menschen im Großraum London. Dort ist der Nebel so dicht geworden, dass man nicht die Hand vor Augen sehen kann.“

Wendy überlegte und fragte dann: „Was ist denn mit den Flugzeugen? Können sie überhaupt landen?“

„Nein, das können sie nicht. Das ist unmöglich. Die Maschinen müssen dann eben ausweichen.“

„Das ist auch blöde – oder?“

„Ist es.“ Karen Blaine schaute auf ihre Uhr. „So, Kind, für mich wird es Zeit. Ich muss mich beeilen. Zum Glück kann Pa vom Zug in den Bus umsteigen und bis Ratley fahren. Das ist immer sicherer als mit dem Auto loszugondeln.“

„Was hat er denn in London gemacht?“

Karen winkte ab. „Irgendeine Gerichtssache, die wir beide wohl nicht verstehen. Du weißt ja, dass Pa Anwalt ist und zahlreiche Klienten hat. Manchmal muss er auch nach London.“

„Das möchte ich auch mal werden.“

„Dann streng dich an.“

Karen drückte ihrer Tochter zum Abschied noch einen Kuss auf die Stirn und zog sich zurück. Sie konnte Wendy verstehen. Auch sie war als Kind etwas ängstlich und zugleich nachdenklich gewesen. Auch hatte sie nichts gegen Halloween. Man kam einfach nicht daran vorbei, selbst als Erwachsener nicht. Aber sie dachte auch daran, dass die Menschen es in den letzten Jahren übertrieben hatten und mit ihren Verkleidungen immer verrückter wurden. Das musste nicht sein. Kinder und sogar Erwachsene erschreckten sich auch, wenn man sich nur schaurig anmalte. Und wer sich eine Axt in den Kopf steckte, der war nicht mehr ganz normal unter der Schädeldecke. Fand sie jedenfalls.

Der Honda stand vor dem Haus. Karen hatte sich noch die wollene Jacke übergestreift, die Einkaufstasche mitgenommen und setzte sich hinter das Lenkrad.

Die Blaines wohnten am Ortsrand von Ratley. Recht einsam und in einer trotzdem überschaubaren Umgebung.

Als sie startete, spürte sie den Druck in der Brust. Plötzlich gefiel es ihr nicht mehr, Wendy allein zu Hause zu lassen. Der Typ mit der Axt im Kopf hatte auch bei ihr einen leichten Schauder hinterlassen.

Doch es war Halloween. Da musste man großzügig sein und die Dinge eben anders sehen …

*

Auf einmal wurde es still im Haus!

Wendy war allein zurückgeblieben. Die Tür zu ihrem Zimmer stand offen und sie konnte in den Flur hineinschauen, der nicht eben in einem hellen Licht lag. Sie hatte das Gefühl, dass sich die Stille von dort in ihr Zimmer hineindrängte und sich in diesem Dämmerschein aus grauem Licht seltsame Gestalten bildeten.

Das Mädchen stand vor der offenen Tür. Es hatte seinen Mund verzogen. Es wünschte sich in diesem Fall riesige Ohren, um jedes Geräusch sofort wahrnehmen zu können.

Da war nichts.

Nicht einmal ein Knacken der alten Holzdielen, die ihr Vater vor zwei Wochen noch frisch gestrichen hatte.

Allmählich gewöhnte sich Wendy an die Stille. Und sie war sogar froh darüber, denn irgendwelche geheimnisvollen Geräusche hätten sie nur erschreckt.

Im Haus bleiben oder nach draußen gehen?

Eine Entscheidung fällte Wendy nicht. Sie musste erst noch nachdenken. Im Haus kam sie sich wie eine Gefangene vor. Draußen an der frischen Luft würde es anders sein, aber sie dachte auch an den Mann mit der Axt im Kopf. Bisher hatte sie ihn nur aus einer sicheren Entfernung gesehen. In seine Nähe kommen wollte sie nicht.

Er war nicht mehr da. Von ihrem Fenster aus schaute sie in den Garten hinein. Da gab es die große Wiese, auf der einige Obstbäume wuchsen. Kirschen, Äpfel und Birnen. Das alles musste sie vergessen. Erst im nächsten Jahr würden die Bäume wieder Früchte tragen. Jetzt war der Wind dabei, mit den gefärbten Blättern zu spielen, die keine Chance hatten, an den Ästen und Zweigen hängen zu bleiben. Die meisten von ihnen lagen bereits am Boden, um den bereits winterlich braun gewordenen Rasen unter sichzu begraben.

Das große Sterben hatte in der Natur begonnen und wenn sie an das Wort sterben dachte, bekam sie eine Gänsehaut.

Bis zum Bach konnte sie sehen. Daran hinderte sie auch nicht der leichte Dunst, der sich über den Rasen gelegt hatte, als hätte eine geheimnisvolle Fee durchsichtige Tücher gewebt, um der Natur einen Schutz vor der kommenden Kälte zu geben.

November – eine besondere Stimmung …

Wendy erinnerte sich daran, dass manche Erwachsenen dieser Zeit mit Schaudern entgegensahen. Sie sprachen dann von einer November-Depression, und sie ergingen sich in Traurigkeit.

Damit hatte Wendy nichts zu tun. Als Kind genoss sie die vier Jahreszeiten und holte das Beste aus ihnen heraus. Auch der Nebel machte ihr normalerweise nichts aus. Er gehörte dazu. Nur mochte sie es nicht, wenn irgendwelche Typen durch ihn schlichen und ihn als Schutz für ihre Verbrechen suchten.

Wie lange sie vor dem Fenster gewartet hatte, wusste sie nicht. Aber sie musste eine Entscheidung treffen. Der Garten um das Haus herum war ihr nie fremd gewesen. Von klein auf hatte sie darin gespielt und auch jetzt wollte sie sich umschauen. Der Dunst machte ihr nichts. Ebenso wenig wie die feuchte Kühle, denn dagegen konnte sie sich anziehen.

Hinter der Tür hatte ihr Vater eine Leiste angebracht und hölzerne Garderobehaken hineingedübelt. Dort hingen einige Kleidungsstücke des Mädchens. Die Sommersachen hatte Wendys Mutter bereits weggepackt und so griff das Mädchen zu einer dunkelroten Allwetterjacke, die innen gefüttert war.

Sie zog sie nicht zu. Die Schuhe standen im Flur direkt an der Haustür. Sie schlüpfte hinein und nahm auch das Feuerzeug von einem Bord. Es verschwand in ihrer rechten Tasche.

Was Wendy tat, war alles normal. Sie nahm das Feuerzeug auch nicht mit, um altes Laub anzünden. Nein, sie wollte die Kürbisse erhellen, die im Garten standen. Die meisten von ihnen waren geöffnet worden. Wendy selbst hatte die Kerzen hineingestellt und wenn die Lichter in den ausgehöhlten Kürbissen brannten, dann verteilte sich das Licht von innen her in den Augenhöhlen und auch denen des Mundes und den Nasenlöchern.

Das war ihr Beitrag zu Halloween. Leuchtende Kürbisse im Garten. Wenn dann ihre Schulfreunde eintrafen, würden sie sich bestimmt verkleidet haben.

Den Hausschlüssel nahm sie auch mit. Sie war wirklich gut erzogen worden und zählte zu den gewissenhaften Kindern.

Vor dem Haus kam es ihr nicht so neblig vor. Der schmale Weg, der eine Rechtskurve schlug, um in die Straße einzumünden, die zum Dorf führte, war noch nicht vom Dunst erfasst worden. Vielleicht würde er auch in der Nähe des Bachs bleiben oder nur bis zu den Kürbissen kriechen, die dann einen besonders schaurigen Ausdruck erhielten.

Wendy wollte einmal um das Haus herumgehen. Dann hatte sie den Garten erreicht, wo die Kürbisse standen. Sie kam sich plötzlich wieder so allein vor. Okay, das Haus stand nicht im Ort, doch dieses Gefühl der Einsamkeit hatte das Mädchen bisher nicht gekannt, weil es in diesem Haus aufgewachsen war.

Ihr Vater hatte einen schmalen Weg angelegt, der um das Haus herumführte. Es war eine schwierige Arbeit gewesen, ihn mit Platten zu belegen, aber er hatte es geschafft, und jetzt sah alles anders aus. Jeder konnte gut um das Haus herumgehen und auch Wendy hatte den Garten bald erreicht. Er lag vor ihr, und sie schaute dorthin, wo er leicht abfiel. Dort floss auch der Bach. Um die Grenze des Grundstücks noch deutlicher zu markieren, hatten ihre Eltern einen Zaun ziehen lassen. Zwischen den einzelnen Pflöcken schimmerte der frische Stacheldraht.

Blätter trudelten von den Bäumen herab dem Boden entgegen.

Zwischen ihnen standen die Kürbisse. Wendys Eltern hatten sie besorgt und auch im Garten verteilt, aber sie hatten Wendy zuvor gefragt, wohin sie die „Kunstwerke“ stellen sollten. Und jetzt standen sie an den Stellen, die das Mädchen dafür ausgesucht hatte, und sie würden auch noch einige Wochen dort bleiben, bis sie verfault waren.

Der Nebel war noch da. Er schwebte über dem Bach, der bei der Hitze im Sommer ausgetrocknet war und auch jetzt nicht viel Wasser führte. Das Kleid aus Dunst verteilte sich noch über die Ränder hinweg, aber die Schwaden krochen nicht bis auf den Rasen und sie trafen auch keinerlei Anstalten, auf das Haus zuzukriechen.

Wendy dachte wieder daran, dass sie den Mann mit der Axt im Kopf gesehen hatte. Bei diesem Gedanken versteifte sie sich innerlich. Auch die Haut zog sich auf ihrem Rücken zusammen und für kurze Zeit dachte sie daran, sich im Haus zu verstecken.

Dann jedoch lachte das Mädchen über sich selbst. Es war Quatsch, so zu handeln. Sie hätte sich nur lächerlich gemacht. Der Typ war nicht mehr da. Sicherlich hielt er sich in einem Pub in Ratley auf und kippte Whisky in sich hinein.

Vier Kürbisse hatte sie im Garten aufgestellt. Vor der Haustür standen auch zwei mit Kerzen bestückt. Sie wollte das Mädchen später anzünden. Zunächst war der Garten wichtig.

Der letzte Kürbis stand etwa eine Armlänge vom Zaun entfernt. Da dort das Gelände noch immer ein wenig abfiel, hatte er eine schräge Position bekommen, was Wendy nicht störte. Allerdings wollte sie dessen Kerze als Erste anzünden.

Der Garten diente nicht nur dazu, um Obst anzubauen. Er war groß genug, innerhalb einen zweiten anzulegen. Das hatte Wendys Mutter getan. Sie sprach immer von einem Nutzgarten, in dem sie mehrere Gemüsesorten anbaute, die der kleinen Familie als Nahrung dienten.

Das hatte bisher alles gut geklappt. Man war glücklich und Karen Blaine fand noch die Zeit für soziale Aufgaben. So gab sie lernschwachen Kindern Nachhilfe.

Perfekter konnte eine Familie nicht sein. Der gute Job des Vaters garantierte ein finanziell unabhängiges Leben. Bisher waren noch keine Schatten über diese Idylle gefallen.

So etwas kann sich ändern.

Daran dachte Wendy nicht, als sie über den Rasen schritt und dem Dunst immer näher kam, den sie aus misstrauischen Augen beobachtete. Vor Nebel hatte sie sich nie gefürchtet. Er gehörte einfach dazu, aber heute war es anders. Da wollte ihr der schreckliche Typ nicht aus dem Sinn gehen. Er tauchte immer wieder in ihrer Erinnerung auf. Blitzartige Bilder, die schnell kamen und ebenso schnell wieder verschwanden.

Hätte man sie nach einer genauen Beschreibung gefragt, sie hätte sie nicht geben können. Nur der Kopf mit der schrecklichen Axt darin war ihr in Erinnerung geblieben.

Der Nebel schwebte ihr entgegen. Eigentlich war es umgekehrt und Wendy sah jetzt, dass er sich in der Nähe des Wassers verdichtet hatte.

Sie erreichte den Kürbis. Er war noch zu sehen. Ihre Mutter und sie hatten ihn ausgeschnitten und die Vorderseite zu einer Fratze gemacht. Auch der Kopf an seiner oberen Stelle war eingeschnitten worden, aber das Hütchen lag noch darauf.

Sie zog es ab. Danach kniete sich Wendy auf den Rasen und holte das Feuerzeug hervor. Ein Blick von oben her in den Kürbis. Es war alles okay. Die wachsbleiche Kerze war noch vorhanden. Der Docht schaute nach oben und wartete darauf, Feuer zu bekommen.