John Sinclair - Folge 1347 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair - Folge 1347 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009! Der Schwarze Tod, Assunga und ich. Nicht alles ist verschwunden, was sich zurückgezogen hat. Es kann immer wieder mal zu bestimmten Anlässen auftauchen, besonders dann, wenn der Zurückzieher seine Augen offen hält. Zu gierig waren die Pläne des Schwarzen Tods. Von seiner Vampirwelt aus wollte er agieren, auch eine andere Person hatte etwas dagegen ... John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Seitenzahl: 143

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumDer schwarze Tod, Assunga und ichVorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Der Schwarze Tod, Assunga und ich

Nicht alles ist verschwunden, was sich zurückgezogen hat. Es kann immer wieder mal zu bestimmten Anlässen auftauchen, besonders dann, wenn der Zurückzieher seine Augen offen hält.

Zu gierig waren die Pläne des Schwarzen Tods. Von seiner Vampirwelt aus wollte er agieren, auch eine andere Person hatte etwas dagegen …

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-4093-5

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Der schwarze Tod, Assunga und ich

Ich sah die Beule, als ich schon fast das Heck des Rovers passiert hatte. Nicht an den Kotflügeln, sondern in der Mitte des Wagens. An der Stoßstange und leicht darüber war das Blech ein wenig eingedrückt.

Ich blieb stehen, stemmte meine Hände in die Seiten und schüttelte den Kopf. Es war nichts Besonderes, aber schon ärgerlich, denn den Verursacher der Beule entdeckte ich nicht.

Ein Ärger kommt meistens nicht allein. Wenn man schon zum Finanzamt musste, um dort etwas zu regeln, gab es zumeist noch einen drauf.

Bevor ich mich weiter ärgern konnte, wurden meine Überlegungen durch eine helle Frauenstimme unterbrochen …

»Bitte, Mister …«

Ich drehte mich um.

Über die Straße lief mit schnellen Schritten eine Frau auf mich zu. Während sie näher kam und dabei zweimal geschickt fahrenden Autos auswich, nahm ich ihre Erscheinung in mir auf.

Sie trug eine dunkelrote Wildlederjacke, die ihr bis zu den Knien reichte. Ihre Beine waren unter dem schwarzen Stoff einer leicht ausgestellten Hose versteckt. Auf dem Kopf wuchs welliges, braunes Haar.

Etwas atemlos blieb die Frau vor mir stehen. Ich sah die roten Flecken auf ihren Wangen. »Entschuldigen Sie, Mister …« , sie musste sich räuspern. »Ich … äh … ich meine, wie kann ich das wieder gut machen?«

»Meinen Sie die Beule?«

»Klar.« Etwas verlegen hob sie die Schultern.

Mein Zorn war ein wenig verraucht. Wäre es irgendein arroganter Typ gewesen, der mich angemacht hätte, dann hätte ich bestimmt anders reagiert, so schaffte ich schon ein Lächeln und einen ersten Kommentar.

»Nun ja, so tragisch ist es ja nicht. Ich werde auch die nächsten Kilometer damit fahren können, glaube ich.« Ich bückte mich und schaute noch mal zu dieser Beule hin.

Dabei redete sie. »Wissen Sie, ich war so überrascht von meiner eigenen Dummheit, dass ich … nun ja, ich meine, ich bin einfach weggelaufen. Aber ich wusste, was ich zu tun hatte. Ich habe mich in ein Lokal gegenüber gesetzt und geschaut.«

»Verstehe.« Ich richtete mich wieder auf. »Verstehe. Nur eines ist mir nicht klar. Wo steht Ihr Auto?

Sie schaute sich kurz um. »Ach so, ja, mein Wagen.« Die Lippen zuckten. »Damit ist jemand weggefahren.«

»Bitte?«

»Meine Freundin, die bei mir war. Sie hatte es eilig. Sie musste zu einem Arzttermin. Da habe ich ihr den Wagen überlassen. An ihm ist nicht viel passiert. Da sieht man so gut wie nichts. Aber ich möchte das gern in Ordnung bringen.«

»Sicher. Nichts dagegen. Sie sagen mir Ihren Namen und …«

»Muss das hier sein?«

»Wieso?«

»Auf der Straße ist es ungemütlich. Ich wäre dafür, wenn wir das in dem kleinen Café regeln. Ich habe dort auch auf sie gewartet.«

Der Vorschlag war nicht schlecht. Ins Büro gehen wollte ich an diesem Tag nicht. Ich hatte mir Urlaub genommen. Ich wollte zwischen den Jahren einfach Kraft tanken. Die letzten Wochen und Monate waren verdammt stressig gewesen. Da tat es gut, wenn man zwischendurch mal richtig Luft holen konnte. Ich musste auch einige Dinge erledigen, hatte mal wieder etwas eingekauft und den Kühlschrank gefüllt.

Der kleine Ärger war nicht einkalkuliert, aber mit so etwas musste man immer rechnen.

»Und? Einverstanden?«

»Okay.«

Die Frau mit der dunkelroten Wildlederjacke lächelte. »Danke, das ist sehr nett von Ihnen.«

»Geht schon klar. Ich heiße übrigens John Sinclair.«

Sie ergriff seine ausgestreckte Hand. »Und mein Name ist Leila Franklin.«

»Freut mich.«

»Dann kommen Sie!«

Wir gingen über die Straße und mussten dabei einigen Fahrzeugen ausweichen. Es waren nicht zu viele. In der Zeit zwischen Weihnachten und dem neuen Jahr legte man auch in London eine Pause ein. Da wollten die Menschen durchatmen, bevor die große Sause im Januar wieder auf vollen Touren weiterlief.

Allerdings hatten wir nicht das Wetter, das sich viele zwischen den Jahren wünschten. Der Bericht sprach von einem regelrechten Wärmeschub, den es gegeben hatte. Tatsächlich waren die Temperaturen um einige Grade geklettert, und wohl fühlen konnte man sich bei diesen Bedingungen bestimmt nicht.

Das Café gehörte noch zu den Lokalen, die man von früher her kannte. Es war kein Bistro. Der Besitzer musste mal in Wien gewesen sein und hatte dort seine Augen recht weit geöffnet, um sich bestimmte Dinge einzuprägen. Ich sah die Cafehausstühle, die runden Tische mit den grünlichen Marmorplatten, das dunkle Holz an den Wänden und Plakate aus den Fünfzigern des letzten Jahrhunderts.

Die Dielen des alten Holzbodens knarzten unter unseren Schritten. Eine dumpfe Wärme hüllte uns ein, doch zum Glück war der Laden nicht bis auf den letzten Platz besetzt.

Sogar der Tisch, an dem Leila Franklin gesessen hatte, war noch frei. Sie lachte. »Da können wir uns ja niederlassen. Oder haben Sie etwas dagegen, Mr. Sinclair?«

»Auf keinen Fall.«

»Dann bin ich zufrieden.«

Das war sie tatsächlich. Auf mich wirkte sie nicht wie eine Frau, die ein schlechtes Gewissen hatte. Sie gab sich locker und auch zufrieden. So wirkte sie wie jemand, dem ein Stein vom Herzen gefallen war.

Die rote Jacke hängte sie über die Lehne des Stuhls. Ich ließ meine an. Damit wollte ich demonstrieren, dass ich nicht vorhatte, zu lange zu bleiben.

»Was möchten Sie trinken, Mr. Sinclair?«

Ich winkte ab. »Bitte, sagen Sie John.«

»Okay, gern.« Sie strahlte mich an. »Ich bin Leila.«

»Hier trinkt man Kaffee, nicht?«

»Wenn Sie wollen.«

»Alkohol möchte ich nicht.«

»Auch etwas essen?«

»Nein.«

Die Kellnerin kam. Sie trug einen recht engen Rock, einen leichten schwarzen Pullover und eine weiße Schürze. Ihr Lächeln war freundlich und offen.

»Was kann ich für sie tun?«

Der Gast hatte die Wahl zwischen vielen Zubereitungen des Kaffees. Ich wollte die Karte nicht groß studieren, sondern entschied mich für das, was ich auch beim Italiener trank. Ich bestellte für mich einen Cappuccino, und Leila Franklin nahm ebenfalls einen.

»Da liegen wir ja auf einer Linie, John.«

»Wenn er gut gemacht ist, kann er ein Genuss sein.«

»Darauf können Sie sich hier verlassen.«

»Ja, ich bin gespannt.«

Sie senkte den Kopf, und so verschwanden die Sommersprossen in ihrem Gesicht aus meinem Blickfeld.

»Ich möchte Ihnen noch sagen, dass es mir Leid tut, John. Wirklich, ich habe für einen Moment nicht aufgepasst, und da ist es eben passiert. Das war ein Schlag. Ich wusste plötzlich nicht mehr, was ich noch machen sollte.«

»Klar, das kann ich nachvollziehen. Mir wäre es auch nicht besser ergangen.«

»Trotzdem, es war eine Fahrerflucht.«

So eng sah ich das nicht mehr. »Sagen wir so, Leila. Es war eine halbe. Aber Sie werden bestimmt einsehen, dass der Wagen wieder in Ordnung gebracht werden muss.«

»Das ist klar.«

Ich lächelte sie an. »Da gibt es nur ein Problem.«

»Oh.« Sie bekam einen roten Kopf. »Welches denn?«

»Es ist nicht mein Fahrzeug.«

»Auch das noch.« Sie lehnte sich zurück und drückte die flache Hand gegen den Mund.

»Keine Panik. Es geht nur darum, dass ich einen Firmen-Wagen fahre, und die Firma hat ihn geleast. Da bin ich gezwungen, zu einer bestimmten Werkstatt zu fahren. Die Fachleute dort werden sich den Schaden anschauen, und ich weiß, dass sie sehr pingelig sind. Ich bin gezwungen, das zu tun.«

»Ach Gott, wenn es mehr nicht ist.« Leila legte ihre Hände auf die meinen. »Da bin ich wirklich die Letzte, die das nicht verstehen würde. Um die Kosten machen Sie sich mal keine Sorgen. Wir regeln die juristischen Dinge, wenn wir unseren Cappuccino bekommen haben. Einverstanden?«

»Mir kommt es wirklich auf eine Minute nicht an.«

»Gut.«

Als hätte uns die Bedienung gehört, so kam sie herbei. Auf einem Tablett balancierte sie die beiden Tassen. Sie waren höher als die normalen, aber nicht zu breit, so wurde das Getränk nicht so schnell kalt, was auch wichtig war.

Zucker stand auf dem Tisch, und ein kleines Stück Gebäck bekamen wir gratis.

Ich nahm etwas Zucker, rührte um, und der Schaum schluckte die Schokostreusel, die auf ihm gelegen hatten.

Leila sagte etwas von Urlaub und der Zeit zwischen den Jahren, in der man durchatmen konnte.

Dann tranken wir. Das Zeug schmeckte wirklich gut. Fast zum gleichen Zeitpunkt stellten wir die Tassen wieder ab. Leila mit einer etwas ungeschickten Bewegung. Mit dem Ellbogen stieß sie gegen die schmale Handtasche, die kaum größer war als eine Geldbörse. Daran hing ein schmaler Riemen, und der verhakte sich noch am Ellbogen, sodass die Tasche zu Boden fiel.

Sie schimpfte darüber, was ich kaum hörte, denn ich bückte mich und hob die Tasche auf. Schließlich ist man Kavalier.

»Danke, John, danke. Manchmal bin ich eben zu dumm. Ich ärgere mich zudem, dass mir das Missgeschick passiert ist..«

»Wissen Sie denn, wie es dazu kam?«

»Ja, ja.« Leila nickte heftig. »Da ist irgendwas mit der Handtasche gewesen. Das ging verdammt schnell. Ich konnte nicht mal auf die Bremse treten. Meine Freundin hatte mich noch gewarnt, weil sie das Unheil kommen sah. Leider war es zu spät.«

»Gab es denn Zeugen?«

»Nein, die gab es nicht. Zumindest hat sich niemand darum gekümmert. An normalen Tagen hätte ich ja dort niemals einen Parkplatz bekommen, aber heute sah das anders aus.« Sie schüttelte den Kopf. »Ich muss mich noch mal entschuldigen.«

»Nun ja, macht nichts.«

Sie hob ihre Tasse an. »Danke, John, dass Sie so verständnisvoll reagieren. Andere an Ihrer Stelle wären aus der Haut gefahren, darauf können Sie Gift nehmen.«

»Nein, nein, lieber nicht.«

Wir lachten beide und tranken. Inzwischen konnten wir einen größeren Schluck riskieren, der Cappuccino war nicht mehr so heiß, und ich streckte auch die Beine aus.

Sehr schokoladig schmeckte der Cappuccino, aber man konnte auch Durst von ihm bekommen. Zu den anderen braunen Getränken wurde in diesem Café ein Glas Wasser gereicht. Wir hatten keines bekommen. Ich überlegte wirklich, ob ich mir eine Flasche Mineralwasser bestellen sollte. Ja, das war gut. Zusammen mit Leila würde ich sicherlich noch etwas länger hier sitzen bleiben.

Sie hatte ihre kleine Handtasche geöffnet und kramte darin herum. Wahrscheinlich sucht sie nach Dokumenten, die mir bewiesen, dass sie mich nicht angelogen hatte.

Die Bedienung hielt sich nicht weit entfernt auf. Ich hob meinen rechten Arm, um ihr einen Wink zu geben. Das heißt, ich wollte es tun. Nur schaffte ich es nicht.

Plötzlich mein Arm schwer wie Blei geworden.

»John, haben Sie etwas?«

Leila hatte mich angesprochen, und ich drehte ihr den Kopf zu. Auch das fiel mir schwer. Ich hatte den Eindruck, als würden Bleigewichte an meinen Ohren hängen.

»Nein, ich …«

Verdammt, warum fiel es mir schwer zu reden? Alles fiel mir schwer. Ich konnte mich bewegen, aber nur unter Mühen. Mein Gesichtsfeld war plötzlich eingeschränkt. Nur unter großem Kraftaufwand schaffte ich die Drehung und sah Leila Franklin an.

Sie saß auf ihrem Platz und hatte die Lippen zu einem Lächeln verzogen. Ihre Augen kamen mir glänzend vor. Der Mund war breit, aber er zog sich auch wieder zusammen, sodass dieses Gesicht etwas Gummihaftes bekommen hatte. Als gäbe es eine zweite Haut, die sich über die Erste gelegt hatte.

»Hey, John, was ist mit Ihnen?«

Die Frage und die Stimme hörte ich. Aber wie ich sie hörte, klang sie anders. Sie kam mir verschwommen vor, als wäre sie auseinander gezogen worden. Alles dehnte sich, und ich merkte schon, dass mir der kalte Schweiß ausgebrochen war.

Ich saß auf dem Stuhl wie eine angelehnte Holzlatte. Ich starrte gegen Leilas Gesicht, das sie selbst nicht mehr war, denn die Züge hatten sich verzogen. Das Gesicht sah aus wie eine breite Gummimaske, die in rötlichen Tönen schimmerte.

Ich wollte sprechen. Es bereitete mir bereits unsägliche Mühen, den Mund zu öffnen. Ich drückte die Lippen zwar auseinander, nur kam ich nicht weiter. Es blieb ein Spalt. Nicht mehr und nicht weniger. Zudem hatte ich den Eindruck, als würden die Lippen miteinander verklebt sein. Das alles war nicht eben dienlich.

Kurz gesagt: Mir ging es sauschlecht. Ich saß steif wie eine Puppe auf dem Stuhl und war froh, dass ich nicht kippte und weiterhin das Gleichgewicht behielt.

Die Sicht blieb eingeschränkt. Weiterhin sah ich die Umgebung wie durch einen Tunnel.

Auch die Kellnerin war erschienen. Sie sprach mit Leila Franklin. Beide Frauen hatten sich für mich in Gummipuppen verwandelt. Ich hörte auch, dass sie miteinander sprachen und verstand sogar einige Worte, aber sie klangen alle so gedehnt und zusätzlich mit einem leichten Hall versehen.

»Nein, mein Begleiter braucht keinen Arzt. Er hat nur einen leichten Schwächeanfall. Ich werde ihn nach draußen begleiten. Die Feiertage sind wohl etwas anstrengend für ihn gewesen. Hinzu kommt das warme Wetter. Das wirft auch den stärksten Mann um.«

»Da sagen Sie was.«

»Stimmt so.«

»Danke. Und alles Gute für Sie.«

»Wir werden es schon schaffen.«

Die Stimmen verklangen, und ich war froh, dass es so geschah. Sie hatten mir irgendwelche Schmerzen zugefügt. In meinem Kopf breitete sich ein Stechen aus, und ich merkte auch, dass der Durst in meinem Körper immer mehr zunahm.

Mit dem Rest des noch verbliebenen Verstands begann ich nachzudenken. Mir öffnete sich ein kleines Tor, und mit einer großen Zielsicherheit wusste ich, dass man mich reingelegt hatte.

Verdammt auch!

Saß ich? Schwebte ich?

In meinem Zustand war alles möglich. Vielleicht schwebte ich sogar über den Dingen, wie auch immer. Aus eigener Kraft jedenfalls kam ich nicht mehr hoch. Wenn ich es trotzdem schaffte, würde ich auf der Stelle zusammenbrechen.

Die Kellnerin verschwand wieder aus meinem Blickfeld. Ich war mir Leila Franklin allein am Tisch und sah auch, dass sie sich zu mir hinbeugte.

Dabei hatte ich das Gefühl, dass sie mir entgegenfiel. Ich wollte zurück, um ihr auszuweichen, auch das war nicht zu schaffen, und ich hörte ihre sanfte Stimme.

»Bitte, John, bitte. Du musst ganz ruhig bleiben, ganz ruhig. Denn du bist hilflos. Du kommst allein nicht zurecht. Wirklich nicht. Du brauchst Hilfe, und die werde ich dir geben.«

»Ja, ja … aber …«

»Kein Aber, John. Wir beide schaffen es. Ich helfe dir dabei. Ich sorge dafür, dass du aufstehen kannst. Und wenn du stehst, dann wirst du auch gehen können, weil ich dich dabei unterstütze. Nur so kommst du aus dem Café hier.«

Ich wollte protestieren. Ich wollte auch meine eigene Hilflosigkeit verfluchen, doch ich kam gegen das verdammte Gift in meinem Körper nicht an. Nur einmal hatte ich noch einen hellen Moment. Da fiel mir ein, wie Leila ihre Handtasche zu Boden geworfen hatte. Ich hatte sie aufgehoben. In dieser kurzen Zeitspanne musste es geschehen sein. Da hatte sie mir das Giftzeug in den Cappuccino getan.

Daran änderte sich jetzt nichts mehr. Es ging mir einfach verdammt dreckig.

Ich kam nicht weg. Ich kam nicht mal allein eine Handbreit vom Stuhl hoch. Ich klebte wirklich fest und fühlte mich zudem noch schwindelig. Auch wenn ich mich aufstützte, ich würde es nicht schaffen, den Körper in die Höhe zu bringen. Es glich schon einem kleinen Wunder, dass ich nicht seitwärts vom Stuhl kippte.

Dafür stand Leila Franklin auf.

So locker, so glatt. Ich beneidete sie darum. Fürsorglich beugte sie ihren Kopf zu mir herab. Dabei lächelte sie, doch mir kam es vor, als würde mich eine Teufelin angrinsen …

*

Zwei Hände schoben sich unter meine Achselhöhlen und hievten mich hoch. Ich fühlte mich wirklich als schlaffe Puppe. Ich hing in dem Griff und konnte selbst nichts dagegen tun. Meine Glieder gehorchten mir nicht mehr, ich schaukelte von einer Seite zur anderen und hatte dabei das Erlebnis, zwischen Hell und Dunkel zu pendeln.

Leila Franklin musste schon Kraft aufwenden, um mich in die Höhe zu bekommen. Ich stand schließlich auf den Beinen, ließ den Kopf hängen und schaute auf die Tischplatte.

Für mich wurde sie zu einem Gewässer, das sich von einer Seite zur anderen bewegte. Ich selbst schwebte darüber hinweg und merkte jetzt, dass auch eine gewisse Übelkeit in mir hochstieg.

»Keine Sorge, John, wir schaffen es. Wir schaffen es gemeinsam. Du wirst sehen …«