John Sinclair - Folge 1348 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair - Folge 1348 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009! Asche zu Asche. In unserem Beruf trafen wir oft genug auf Rätsel, deren Lösung uns eigentlich keine richtige Antwort gab. So war es auch in diesem Fall. Wir gingen in ein Kino, das eigentlich abgebrannt war. Es lief ein uralter Vampirfilm ... Und wir lernten eine Frau kennen, die zu Asche zerfiel, weil sie sich den Film in einem Kino, das nicht mehr existierte, schon mehrmals angesehen hatte. Als Suko und ich versuchten, das Rätsel zu lösen, gerieten auch wir in den Mahlstrom zerstörerischer Dimensionen ... John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Seitenzahl: 144

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumAsche zu AscheVorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Asche zu Asche

In unserem Beruf trafen wir oft genug auf Rätsel, deren Lösung uns eigentlich keine richtige Antwort gab. So war es auch in diesem Fall. Wir gingen in ein Kino, das eigentlich abgebrannt war. Es lief ein uralter Vampirfilm … Und wir lernten eine Frau kennen, die zu Asche zerfiel, weil sie sich den Film in einem Kino, das nicht mehr existierte, schon mehrmals angesehen hatte.

Als Suko und ich versuchten, das Rätsel zu lösen, gerieten auch wir in den Mahlstrom zerstörerischer Dimensionen …

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-4094-2

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Asche zu Asche

Gleich war es so weit. Dann würde der Vampirjäger zustechen. Lange genug hatte er Jagd auf den Blutsauger gemacht. Auf einem alten verwunschenen Friedhof hatte er ihn schließlich gestellt.

Die Zuschauer in dem kleinen Kino hielten den Atem an. Alle wussten, was kam, trotzdem war es immer wieder toll, diesen Film zu sehen. Er war schon Kult geworden. Auch für Cindy Mora, die in der ersten Reihe saß und den Streifen bereits zum dritten Mal anschaute. Sie konnte selbst nicht genau sagen, was sie immer wieder in das Kino hineingetrieben hatte. Sie wurde von den alten Dingern einfach wie magisch angezogen, und hätte jemand sie gefragt, dann hätte sie geantwortet, dass von dem Vampirfilm etwas Magisches ausging …

Es war wirklich toll, und jeder Zuschauer war ein Fan des Streifens. Man freute sich, wenn der Vampir entkam, man litt, wenn er sich sein Blut holte, und man stellte sich später auf die Seite des alten Vampirjägers, wenn er den Blutsauger killte.

Zuvor hatte der Mann schon mehrere der Opfer auf seine typische Art und Weise erledigt. Jetzt war der Chef selbst an der Reihe, und da würde es noch einen harten Kampf geben.

Cindy saß gern in der ersten Reihe. So konnte sie die Beine ausstrecken und während der harten Szenen eine entspannte Haltung beibehalten. In den Sitzreihen hinter ihr war das nicht möglich. Da herrschte die große Enge vor, wie das in alten Kinos nun mal der Fall gewesen war.

Einen Fehler hatte der Platz. Sie musste den Kopf weit zurücklegen, um etwas sehen zu können. Rasiersitze hatte man früher dazu mal gesagt. Das alles gehörte zu diesem Kino, ebenso wie die Streifen in dem alten Film.

Es war die Zeit der Entscheidung. Die Zuschauer hielten den Atem an, auch wenn sie den Film schon mehrmals gesehen hatten. Sie machten sich einen Spaß daraus. Es würden schon genügend Kommentare folgen, wenn es in das echte Finale ging, doch zuvor herrschte eine gespannte Ruhe.

Der Vampir ahnte nichts von seinem herankommenden Verderben. Er wollte zurück in sein Grab, um der Sonne zu entwischen, die bald aufgehen würde. Am Horizont zeigte sich bereits ein blasser Streifen, der dann zum Ende des Films regelrecht explodieren würde.

Sein Versteck war kein einfaches Grab, sondern eine Gruft, die mit einer Steinplatte am Boden verschlossen war. Sie musste der Wiedergänger anheben, um hineingleiten zu können.

Es machte ihm nichts aus, den schweren Deckel in die Höhe zu hieven. Ein einzelner Mensch würde es kaum schaffen, aber als Vampir besaß er stärkere Kräfte.

Bisher hatte das auch immer geklappt. In seinem Fall allerdings ging nichts mehr. Jemand hatte den Ring entfernt, mit dessen Hilfe er die Steinplatte hätte anheben können.

Jetzt war nichts mehr da!

Der Blutsauger jaulte auf. Im Kino fingen einige Zuschauer an zu lachen.

Auf der Leinwand drehte sich der Vampir langsam um die eigene Achse, wobei er seine gebückte Haltung beibehielt. In Großaufnahme wurde sein bleiches Gesicht gezeigt, in dem nicht nur die beiden spitzen Zähne auffielen, sondern auch die blutunterlaufenen Augen.

Im Kino wurde wieder gelacht. Popkorntüten knisterten.

Aus der letzten Reihe meldete sich ein Zuschauer. »Jetzt hast du die Arschkarte gezogen …«

»Hau besser ab!«

»Los, mach die Fliege!«

»Dreh dich um. Dein Typ wird verlangt.«

Die Kommentare wechselten sich ab. Das gehörte dazu. Es war gewissermaßen die Begleitmusik. Auch Cindy Mora wäre es komisch vorgekommen, wenn es keine Kommentare gegeben hätte.

Der Vampir schien zu ahnen, dass sein letztes Stündlein bevorstand. Er richtete sich auf und schaute in die Runde. Noch schwebten die Schatten der Nacht über dem alten Friedhof, doch im Osten war der Streifen bereits heller geworden. Das sah der Vampir ebenfalls und duckte sich.

Für ihn wurde es Zeit. Wenn ihn die Strahlen der Sonne erreichten, würde er verfaulen. Er existierte bereits seit langen Jahrhunderten, und da blieb eben nur Asche zurück.

Sein Jäger kam unerbittlich näher. Er bewegte sich lautlos über den Friedhof hinweg. Er hatte es geschafft, hinter den Rücken des Blutsaugers zu gelangen und hinter einem Grabstein eine vorläufige Deckung gefunden.

Er wartete.

Sein Gesicht wurde in Großaufnahme gezeigt. Auch er sah wild aus. Lange Haare umrahmten ein zerfurchtes Gesicht. Die Augen »glühten« auf eine bestimmte Art und Weise. In Vorfreude auf seine Tat leckte er sich die Lippen.

»In fünf Minuten bist du Asche!«, rief ein weiblicher Fan und stieß die Faust in die Luft.

»Hol ihn dir!«

»Ich will aber, dass der Vampir gewinnt«, rief eine jämmerliche Stimme. »Das will ich.«

»Dann geh in einen anderen Film.«

»Nein.«

Ein kurzes Lachen einiger Zuschauer, bis jemand »Ruhe!«, brüllte. Die trat sofort ein.

Nicht auf der Leinwand. Da schien der Blutsauger seinen Verfolger zu wittern. Er stand noch immer auf der Grabplatte und stieß ein leises Knurren aus. Er schien etwas zu ahnen. Er hatte Verdacht geschöpft und drehte sich auf der Stelle.

Seinen Feind sah er nicht. Der hatte seine Deckung verlassen und schlich geduckt näher. Wieder schaffte er es, keinen Laut von sich zu geben. Altes Gesträuch und auch Bäume gaben ihm Schutz.

Seine Waffe hielt er fest. Es war ein recht langer Holzpfahl, der glänzte. Immer wieder wurde er den Zuschauern in Großaufnahme gezeigt, damit sie nur nicht vergaßen, was den Blutsauger erwartete. So wurde auch ihre Spannung gesteigert.

Der Mann mit der Waffe kam immer näher an den Vampir heran. Und der spürte ihn nur. Er konnte ihn nicht sehen. Trotzdem war sein Gesicht angespannt. Der Mund stand offen. Jeder sollte die beiden spitzen Zähne sehen, die darauf warteten, sich in die Haut eines Menschen zu schlagen. Er wollte den Kampf, er wollte das Blut. Er brauchte es, um seiner Gestalt wieder Kraft zu geben.

Sein Feind lauerte bereits in der Nähe. Er hatte sich ein Grabmal ausgesucht, das hoch genug war. Das Gesicht zeigte die höchste Konzentration, die es nur gab.

Auf der Grabplatte drehte sich der Vampir um. Er hielt die Arme vorgestreckt und zugleich angewinkelt. Er wollte einen Gegner fangen, aber es war keiner zu sehen.

Kein Vampirjäger.

Sekunden später war alles anders. Da löste sich der Vampirjäger aus seinem Versteck.

»Jaaa …!«

Nicht er schrie, es war eine Zuschauerin, die ihm diesen Ruf entgegenschickte. Sie sprang sogar auf. Hinter ihr fluchten einige, weil sie nicht mitbekamen, wie sich der Jäger auf die Beute stürzte.

Cindy Mora sah alles. In der ersten Reihe nahm ihr niemand die Sicht. Die Augen schimmerten in einem gewissen Fieber. Ihr und den meisten Zuschauern ging es ebenso. Ein klassisches Vampirfilm-Finale lag vor ihnen, und das wollte jeder genießen.

Der Jäger war da.

Der Vampir auch.

Beide sahen sich.

Der Jäger stieß zu.

Er hätte den Blutsauger schon beim ersten Mal getroffen, aber das wäre eines Filmendes nicht würdig gewesen. So musste es noch zum Kampf kommen, in dem der Vampir und auch sein Jäger alles gaben.

Dem Blutsauger war es gelungen, die Arme in die Höhe zu reißen. So konnte er den ersten Hieb abwehren. Die Spitze des Pfahls traf ihn nicht. Sie glitt an seiner linken Kopfseite entlang, und er schaffte es noch, dem heranstolpernden Vampirjäger ein Bein zu stellen.

Der prallte auf das Grab.

Und plötzlich bewies der Wiedergänger, wie schnell er sich bewegen konnte. Er fuhr herum und schlug aus der Drehung zu. Er traf den Vampirjäger am Kopf.

Der Mann fiel zu Boden und verlor dabei seine Waffe, die noch zur Seite rutschte.

Das war für den Blutsauger ideal. Aber er wusste auch, dass ihm nicht mehr viel Zeit blieb. Der Himmel im Osten nahm immer mehr an Helligkeit zu. Wenn die Sonne ihre ersten Strahlen über das Land schickte, war es aus mit ihm.

Zwischen den beiden Gegnern entspann sich ein wilder, ungezügelter Kampf. Jeder wollte überleben, und auch die Zuschauer im Kino wurden davon mitgerissen.

Sie johlten, sie schrien. Sie waren von ihren Sitzen in die Höhe gesprungen. Sie schüttelten die Köpfe, sie feuerten beide an, und nur die Zuschauer in der ersten Riege blieben sitzen.

Zu ihnen gehörte auch Cindy Mora. Sie tat nichts. Sie saß einfach nur auf ihrem Platz, aber sie hatte eine Handfläche gegen ihre Lippen gedrückt und die Augen weit geöffnet.

Sie war auch schon mal aufgesprungen oder hatte sich unruhig bewegt. In diesem Fall tat sie nichts, denn sie verhielt sich ebenso wie ihr Nachbar zur linken Seite.

Wer es war, hatte sie nicht gesehen. Der Mann war gekommen, als der Film soeben begonnen hatte. Und jetzt bewegte er sich auch nicht. Starr blieb er sitzen, den Kopf leicht erhoben und das Gesicht starr der Leinwand entgegen gerichtet.

Kein Kommentar drang über seine Lippen. Dafür tobten und schrien andere Zuschauer umso mehr. Sie waren nicht mehr zu halten, und sie sahen den verzweifelten Kampf eines Blutsaugers gegen seinen Feind, der ebenfalls all seine Kräfte einsetzte.

Den Pfahl hatte der Mann noch immer nicht an sich nehmen können. Durch einen Tritt war er sogar bis an den Rand der Gruft gerutscht. Keiner bekam ihn jetzt zwischen die Finger.

Sie schlugen sich. Sie traten sich gegenseitig. Niemand gab auf, aber der Himmel zeigte einen ständig größer werdenden Streifen an Helligkeit. Gleich würde eine künstliche Filmsonne ihre ersten Strahlen über die gruselige Friedhofswelt schicken, und bis dahin musste der Blutsauger verschwunden sein, wollte er überleben.

Er verschwand nicht.

Zudem ließ man ihn nicht entkommen. Sein Jäger war gnadenlos. Er kannte kein Pardon, auch wenn es ihm selbst nicht besonders ging, weil er schon zu viel hatte einstecken müssen.

Beide knieten sie auf der Gruftplatte. Beide hielte keine Waffen mehr in den Händen. Aber sie waren nahe an den Rand der Gruftplatte herangerutscht, und so lag die Waffe nicht mehr weit von ihnen entfernt.

Der Jäger wollte sie.

Er warf sich herum. Er kroch auf die Waffe zu, um sie endlich an sich zu reißen.

Der Vampir war ebenso schnell.

Die Zuschauer tobten. Sie feuerten den Jäger an, und auch Cindy Mora war aufgesprungen. Sie konnte nicht auf dem Sitz hocken. Alles spitzte sich zu. Jeder fieberte mit und …

Nur nicht der Typ links neben ihr!

Ihn ging das alles nichts an. Es berührte ihn nicht mal. Er schien eingeschlafen zu sein, was Cindy einfach nicht begriff. Egal, sie ließ ihren Emotionen freien Lauf.

Der Vampir auf der Leinwand versuchte es wieder. Er warf sich herum. Er wollte mit einem Rundschlag seinen Gegner von den Beinen fegen und noch versuchen, Deckung zu finden.

Er kniete auf der Grabplatte, als er ausholte.

Und da explodierte etwas am Himmel. Es waren die ersten Sonnenstrahlen, die sich freie Bahn brachen. So etwas passierte natürlich nur im Film. In der Natur wurde es nicht urplötzlich so hell. Hier aber stand der Himmel im Licht, und das schickte er auch der Erde entgegen.

Der Vampir bekam einen Volltreffer mit.

Er brüllte unter irrsinnigen Schmerzen. Dass er Blut trinken wollte, hatte er vergessen, aber sein Jäger hatte seine Aufgabe nicht vergessen. Und die setzte er nun in die Tat um.

Er brauchte nur die Hand auszustrecken, um nach seiner Waffe zu greifen. Niemand hinderte ihn jetzt daran. Mit der rechten Hand griff er zu. Er nahm sich sogar die Zeit, den Pfahl in der Hand zu wiegen. Um seine Lippen hatte sich das Lächeln des Siegers gelegt.

Er nahm Maß!

Der Blutsauger kniete jetzt vor ihm. Er schwankte. Er senkte den Kopf, um sein Gesicht nicht in den Sonnenschein halten zu müssen. Sein Körper zitterte, aber er wollte nicht als Verlierer dastehen. Noch immer sah er seinen Feind vor sich. In den Adern schäumte das so frische Blut, und an das wollte er heran.

Er war leicht.

Er musste sich nur nach vorn werfen, die Arme ausstrecken, und dann hatte er ihn. Die Kraft steckte noch in seinem Körper. Wenn er das Blut trank und wenn die Sonne auf seinen Rücken schien, dann …

Sein Jäger ließ es nicht zu.

Er warf sich dem Blutsauger entgegen. Die Waffe hielt er mit eisernem Griff umklammert.

Die Distanz zwischen ihnen beiden stimmte.

Im Kino tobten die Leute. Sie feuerten beide an. Da hatten die Zuschauer ihre Gunst verteilt. Aber nur einer konnte der Sieger sein, das wusste jeder von ihnen.

Cindy Mora drückte dem Jäger beide Daumen. Auch sie hatte sich nicht wieder hingesetzt und die Hände zu Fäusten geballt.

»Jaaaa …!«, brüllte sie.

Der Jäger stieß zu.

Genau in dem Moment, als sich der Untote noch einmal aufrichtete. Man konnte ihn nicht verfehlen.

Der Pfahl drang mitten in seine Brust. Es war der berühmte Volltreffer geworden. Das Knirschen der Knochen war überlaut zu hören, und die Hand ließ das Holz los.

In der Brust des Vampirs blieb es stecken. Seine Spitze ragte sogar noch am Rücken hervor.

Der Vampir schwankte. Er kniete dabei breitbeinig. Er schlug mit den Armen um sich. Den Kopf hatte er zurückgelegt. Aus seinem Mund drang ein Schrei, der schon etwas Besonderes war. Kaum ein Mensch hätte ihn so ausstoßen können.

Und es half noch die Kraft der Sonne. Ihre Strahlen hüllten den Vampir wie ein durchsichtiges Kleid ein. Er war nicht mehr in der Lage, sich noch zu retten.

Das Gesicht und der Körper zerfielen auf eine schreckliche Art und Weise. Jeder Zuschauer sah, wie sich die Haut veränderte. Sie war eigentlich nie glatt gewesen, doch nun graute sie zuerst ein, und sie wurde auch weicher.

Dann löste sie sich von den Knochen. Sie rieselte nach unten und verwandelte sich auf dem Weg in die Tiefe immer mehr zu Staub.

Asche zu Asche …

Es passte zu dieser Umgebung.

Der Vampirjäger holte tief Luft. Dabei gab der Schauspieler sein Bestes, um seine Gefühle zu zeigen. Er hatte gewonnen. Die lange Verfolgung hatte sich gelohnt.

Die Leinwand erstrahlte jetzt im Hell der Morgensonne. Keine Dunkelheit mehr und auch keine Bedrohung, die aus ihr hervorkam und für die Menschen zu einer Gefahr wurde.

Das war der Gewinner!

Er stand auf. Müde und abgeschlafft waren seine Bewegungen. Noch einmal bückte er sich, um seine Waffe an sich zu nehmen. Er zog sie aus den Resten des Untoten hervor.

Gewonnen!

Der Mann lachte. Er drehte sich um und ging. Dabei sah es aus, als würde er von der Morgensonne verschluckt, und auf der Leinwand erscheinen die berühmten Worte:

The End!

Die Zuschauer im Kino waren begeistert. Sie klatschten, sie riefen den Namen des Jägers, der Hyram hieß und einer ließ ihn sogar hochleben. Popcorn flog herum, als es sich wie kleine Geschosse aus den Tüten gelöst hatte. Getränkedosen wurden in die Luft gestemmt. Man trank auf den Sieger, und auch Cindy Mora ließ sich von der allgemeinen Euphorie anstecken. Es war für sie wieder mal ein Genuss gewesen, den Film zu sehen. Wie eben für fast alle der meist jungen Zuschauer.

Es gab keinen mehr, der es noch auf seinem Sitz ausgehalten hätte. Wirklich keinen?

Doch, es gab ihn. Das war der Mann, der neben ihr gesessen hatte. Er rührte sich nicht vom Fleck, was Cindy wunderte. Im Kinosaal war es noch recht dunkel. Nur langsam erhellte sich der Raum mit den Sitzen aus braun lackiertem Holz.

Die ersten Zuschauer gingen. Nicht wenige sprachen bereits von der nächsten Vorstellung. Da wollte man sich wieder treffen, denn dieser Film war wirklich Kult.

Cindy ging und blieb nach einem Schritt stehen. Hinter ihr schoben sich die anderen Zuschauer vorbei. Jetzt war es für sie wichtig, den Ausgang zu erreichen.

Das wollte auch Cindy. Aber da gab es etwas, das sie zurückhielt. Als einen normalen Grund wollte sie es nicht ansehen. Trotzdem ließ sie die anderen ziehen.

Ihr Nebenmann saß noch immer auf seinem Platz!

Er tat nichts. Er schaute auf die Leinwand, und er hatte seine Hände brav in den Schoß gelegt.