John Sinclair - Folge 1349 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair - Folge 1349 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009! Lilians tödlicher Blumenzauber. Die fünfzehnjährige Daisy Corner war aus unerklärlichen Gründen erstickt. Kein Arzt hatte eine Diagnose finden können. Maxine Wells hatte das junge Mädchen gekannt. Sie wollte ihm die letzte Ehre erweisen und besuchte sie in der Leichenhalle, in der Daisy im offenen Sarg aufgebahrt war. Als Maxine die Tote sah, erwischte sie der Schock! Aus dem Gesicht der Leiche wuchsen Blumen - kleine Lilien ... John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Seitenzahl: 138

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumLilians tödlicher BlumenzauberVorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Lilians tödlicher Blumenzauber

Die fünfzehnjährige Daisy Corner war aus unerklärlichen Gründen erstickt. Kein Arzt hatte eine Diagnose finden können.

Maxine Wells hatte das junge Mädchen gekannt. Sie wollte ihm die letzte Ehre erweisen und besuchte sie in der Leichenhalle, in der Daisy im offenen Sarg aufgebahrt war.

Als Maxine die Tote sah, erwischte sie der Schock!

Aus dem Gesicht der Leiche wuchsen Blumen – kleine Lilien …

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-4095-9

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Lilians tödlicher Blumenzauber

Steif wie ein Brett lag die Leiche im offenen Sarg! Daisy Corner war nur 15 Jahre alt geworden. Ein lebensfroher Teenager, und dann dieser grauenvolle Unfall. Wobei manche Menschen nicht unbedingt von einem Unfall sprachen, auch einige Ärzte nicht, denn Daisy Corner war erstickt.

Wie das hatte passieren können, wusste niemand. Es war jedenfalls geschehen, und so hatte das junge Mädchen mit seinem Tod noch ein weiteres Rätsel hinterlassen …

An Daisys Tod dachte auch die Tierärztin Maxine Wells, die das Mädchen vor der Beerdigung noch mal besuchen wollte. Beide hatten sich gut gekannt, denn Daisy war hin und wieder mit ihren Katzen zu Maxine gekommen, um sie untersuchen zu lassen oder sich die nötigen Impfungen abzuholen.

Jetzt würde sie nicht mehr kommen und bald in der feuchten Graberde des Friedhofs liegen. Für Maxine Wells war das unfassbar. Auch für sie war der Tod nicht nur ein Schock gewesen, sondern auch ein Rätsel. Sie hatte sich sogar mit dem behandelnden Arzt in Verbindung gesetzt, doch der hatte auch nur mit den Schultern gezuckt und so seine Machtlosigkeit demonstriert.

Die Tierärztin war bis auf den kleinen Parkplatz gefahren, der zum Friedhof gehörte. Die Leichenhalle konnte nicht übersehen werden. Jetzt, mitten im Winter waren die Bäume kahl und boten deshalb einen guten Durchblick.

Das dunkle Dach der Leichenhalle schimmerte silbrig hell. Der Frost hatte auf ihm Raureif hinterlassen, der auch im Laufe des Tages nicht verschwand, weil die Temperaturen unterhalb des Gefrierpunkts blieben. Hier im Norden waren die Winter strenger als im Süden der Insel. Geschneit hatte es auch schon, aber davon war bis auf ein paar Reste alles verschwunden. Erst danach hatte der Winter richtig zugeschlagen.

Maxine streifte die helle, mit Daunen gefütterte Jacke über und machte sich auf den Weg. Es gab hier keine große Mauer, die das Areal des Friedhofs abschirmte. Erst an der Rückseite befand sich ein Zaun aus Metall. Der reichte aus.

Maxine schritt über den glatten Boden. Auch auf ihm hatte der Frost seine Spuren hinterlassen. Hin und wieder schimmerte eine glatte Stelle. Blankes Eis, über das die Frau steigen musste. Der Weg verzweigte sich dann. Wenn sie die linke Seite nahm, gelangte sie direkt auf das Gelände des Friedhofs. Sie wandte sich jedoch nach rechts, um die Leichenhalle zu erreichen.

Über das Knacken von Holz wunderte sie sich. Es war nicht so kalt, dass die Äste von den Bäumen brachen, also mussten die Geräusche eine andere Ursache haben.

Sehr schnell erkannte sie, was sie bedeuteten. Der Eingang lag auf der Schmalseite der Leichenhalle. Da Maxine auf die Breitseite zulief, musste sie erst um die Ecke gehen.

Die Ursache für das Geräusch war leicht zu erklären. Ein Mann war dabei, altes Gehölz aufzusammeln. Er brach es in handliche Stücke, um es auf eine Schubkarre zu packen, damit er es später abtransportieren konnte.

Der Mann arbeitete hier auf dem Friedhof. Er trug dicke Handschuhe und zerbrach jeden Ast oder Zweig. Als er Maxine sah, ließ er seinen Arm sinken und schaute die Tierärztin an.

»Guten Tag«, grüßte Maxine freundlich.

Der Mann nickte ihr zu und rückte seine Pudelmütze zurecht, damit die Ohren freilagen.

»Ist die Leichenhalle noch offen?«

Der Arbeiter schaute zur Tür, als müsste er sich erst noch davon überzeugen.

»Wollen Sie zu Daisy Corner?«, fragte er dann, als er sich wieder gedreht hatte.

»Ja, einen letzten Besuch.«

»Dann müssen Sie sich beeilen. Wenn ich hier fertig bin, schließe ich ab.«

»Okay.«

Der Mann streckte ihr eine Hand entgegen. »Sagen Sie mal, könnte es sein, dass ich Sie kenne?«

»Möglich, ich bin Tierärztin hier in Dundee. Meine Praxis habe ich ganz in der Nähe.«

»Ah ja, deshalb.« Weitere Auskünfte gab er nicht. Dafür deutete er auf den Eingang.

Maxine bedankte sich mit einem Nicken und nahm den Rest des Weges in Angriff. Es war wirklich kalt. Sie merkte es, wenn sie einatmete. Da drang die eisige Luft in ihre Lungen. Zudem wehte noch ein leichter Wind, der bei dieser Kälte allerdings doppelt zu spüren war. So zeichnete er ihr Gesicht mit einer sanften Röte, und auch die Nase musste Maxine hin und wieder hochziehen.

Ihr Herz klopfte schon schneller, und auch im Magen breitete sich ein leicht bedrückendes Gefühl aus, als sie die recht schwere Tür der Leichenhalle aufzog. Eine Konfrontation mit dem Tod ist eben nicht normal. Da machte auch die Tierärztin keine Ausnahme.

Der Vorraum hinter der Tür war kalt. Im Vergleich zu draußen trotzdem warm. Die Atemluft vor ihren Lippen war nur mehr als dünner Schleier zu sehen und nicht mehr so dick und wolkig wie im Freien

Eine weitere Tür führte in das Zentrum der Leichenhalle, in der auch die Tote lag. Es quietschte nicht mal, als sie die Tür aufzog und die Schwelle überschritt.

Es brannte kein Licht, aber es fiel genügend Helligkeit durch die Fenster, die dort größer waren, wo auch der Sarg auf einem kleinen Podest stand.

Wenn ein Mensch Geburtstag hatte, wurden Blumen gebracht und wenn er starb, ebenfalls. Das war auch hier der Fall. Man hatte den Sarg mit einem Kranz von Blumen umlegt, auch normale Kränze lagen schon bereit. Die Tote musste zu Lebzeiten sehr beliebt gewesen sein, wenn man davon ausging, wie viel Blumenschmuck dort lag.

Es war so still in diesem Raum. Der Tod schien alles Laute hinweggefegt zu haben. Maxine Wells hörte nur ihre eigenen Schritte, obwohl sie versuchte, sehr leise aufzutreten.

Ihr Gesicht war angespannt. Man konnte behaupten, dass es einer Maske glich. Den Blick hatte sie starr nach vorn gerichtet. Es gab auch nichts in der Nähe, was sie ablenkte.

Am Fußende des Sargs blieb sie stehen und schaute über ihn hinweg auf das große schlichte Holzkreuz an der Wand. Sie sprach ein stummes Gebet und senkte langsam ihren Blick dem Sarg entgegen.

Sie schaute auf die bleiche Gestalt. Von ihr war eigentlich nur der Kopf zu sehen. Das rötlich blonde Haar war sorgfältig gekämmt worden. Überhaupt sah Daisy Corner nicht aus wie eine Tote. Eher wie ein junges Mädchen, das eingeschlafen war und nur darauf wartete, erweckt zu werden. Wie es in der Geschichte von Dornröschen der Fall gewesen war.

Doch hier kam kein Prinz und küsste sie. Daisy blieb bewegungslos liegen, ohne dass etwas passierte.

Wieder drang Maxine die gesamte Tragweite dieses tragischen Vorgangs ins Bewusstsein, und sie stellte sich nur eine Frage:

Warum?

Es war beinahe ein innerlicher Schrei. Eine Antwort erhielt sie nicht. Helfen konnte ihr auch niemand.

Noch einen letzten Blick wollte sie auf das starre Gesicht werfen. Dazu verließ sie ihre Position und trat an die linke Seite des Sargs heran. Jetzt konnte sie das Gesicht besser sehen.

Plötzlich war alles anders. Ein scharfer Blick hatte ihr ausgereicht, um erkennen zu können, was da passiert war. Maxine hatte das Gefühl, die Welt um sie herum würde sich drehen.

Das konnte es nicht geben, aber es stimmte, die Augen spielten ihr keinen Streich.

An einigen Stellen war das Gesicht der jungen Toten aufgerissen. Von unten her hatte es Druck bekommen, kleine Öffnungen geschaffen und aus diesen Öffnungen hervor war etwas gewachsen.

Kleine weiße Blüten!

*

Die Marktfrau, die sich dick vermummt hatte und immer versuchte, in der Wärme des alten Kohleofens zu stehen, lächelte ihre jugendliche Kundin an.

Carlotta deutete auf einige Fischstücke, die trotz der Kälte noch auf Eis lagen.

»Das ist Rotbarschfilet«, sagte die Marktfrau.

»Genau, den möchte ich kaufen.«

»Gut. Wie viel?«

»Drei Stücke.«

»Sofort.«

Eine von der Kälte rot gewordene-Hand holte das Gewünschte vom Eis und legte es auf die Waage. Sie nickte und sagte den Preis.

»Gut.« Carlotta hielt das Portmonee schon in der Hand und zahlte mit passendem Geld, während die Frau den Fisch in eine kleine Plastikschale legte, die sie mit einem Deckel verschloss.

»Ich glaube, ich kenne dich.«

»Ja? Woher denn?«

»Du bist das Mädchen, das die Tierärztin Maxine Wells adoptiert hat – oder?«

Es war Carlotta nicht so recht, dass sie erkannt wurde, aber sie nickte.

»Und gefällt es dir bei Mrs. Wells?«

Carlotta nahm den Fisch entgegen. »Ja, sie ist toll. Man kann viel von ihr lernen.«

»Ha, ha, verstehe. Dann willst du später auch mal Tierärztin werden, denke ich mir.«

»So ist es.«

»Dann kann sich die gute Frau Doktor bestimmt nicht beschweren, wenn sie schon jetzt eine Nachfolgerin hat.«

»Wir werden sicherlich zusammen in der Praxis arbeiten.«

»Das ist natürlich noch besser. Und grüß die Frau Doktor bitte von mir.«

Carlotta nahm den Fisch entgegen. »Mach ich. Und vielen Dank.«

»Keine Ursache. Ich habe zu danken.«

Carlotta legte das Gekaufte in den Korb, den sie auf dem Gepäckträger des Rads befestigt hatte. Dann schob sie das Rad weiter, denn sie musste noch einige Besorgungen machen.

Maxine Wells kaufte gern auf dem Markt ein. Da sie jedoch beschäftigt war, hatte sie an diesem Tag ihre Ziehtochter Carlotta geschickt. Es war zudem ein Wetter, bei dem sie es riskieren konnte. Die Kälte hatte die Menschen dazu gezwungen, sich dick anzuziehen, und genau das hatte auch Carlotta getan, so war ihre körperliche Anomalie nicht zu sehen und unter der dicken Kleidung verborgen.

Es handelte sich um zwei Flügel!

Ja, Carlotta war durch Genmanipulation zu einem Vogelmädchen geworden. Sie war es, die sich den Traum vieler Menschen erfüllen konnte. In die Luft steigen und fliegen. Einfach in den Himmel hineingleiten und die normale Welt unter sich liegen sehen.

Herrlich, das tun zu können, aber auch nicht ohne Risiko, denn sie wollte auf keinen Fall von irgendwelchen Zeugen solch einer dieser Aktion gesehen werden. Ihr Geheimnis sollten nur wenige Menschen kennen. Bisher hatten sich Maxine und Carlotta daran gehalten.

Dem Vogelmädchen tat es gut, sich völlig normal unter den normalen Menschen zu bewegen. Da gab es niemand, der sie schief anschaute. Die Leute waren alle freundlich zu ihr. Einige kannten sie auch von den Besuchen in Maxines Praxis, in der Carlotta gern mithalf, und so fühlte sie sich auf diesem kalten Wochenmarkt wie zu Hause..

Wegen der Kälte war er ziemlich ausgedünnt. Die meisten Kaufleute befürchteten, dass ihnen die Ware erfror, und so gab es nur wenige Südfrüchte zu kaufen. Orangen und artverwandte Früchte musste sie deshalb im nahen Supermarkt holen.

Auf dem Markt nahm sie noch ein paar Kräuter mit und kaufte den mit Orangen gefüllten Beutel im Supermarkt. Sie erwarb noch einige Tafeln Schokolade und verließ den Laden.

Das Rad hatte sie in einen Ständer gestellt, die Einkäufe vom Markt allerdings mitgenommen. Als sie zu ihrem Rad zurückkehrte, um nach Hause zu fahren, sah sie den Typ an ihrem Rad stehen. Er machte nicht den Eindruck, als wollte er es sich nur anschauen. Sein Blick glitt mehrmals von einer Seite zur anderen, und so ging Carlotta davon aus, dass er es stehlen wollte.

Gesehen hatte er das Vogelmädchen noch nicht, das sich hinter seinem Rücken heranschlich. Carlotta blieb in einer kurzen Distanz zu ihm stehen und fragte: »Gefällt dir mein Bike?«

Der Typ fuhr zusammen und wirbelte herum. Ein von der Kälte gerötetes Gesicht schaute Carlotta an. Den Kopf schützte der Typ mit einer Wollmütze. Seine Lippen waren von der Kälte blau angelaufen, und in den Augen lag eine gewisse Starre.

»Was?«

»Ob dir mein Bike gefällt?«

»Ach, ist das deines?«

»Ja.« Carlotta legte ihre Einkäufe in den Korb. Sie wollte den Knaben los werden und sagte zu ihm: »Lass mich jetzt fahren. Ich muss nach Hause.«

»Und wenn nicht?«

Carlotta seufzte. »Du wirst es tun, echt.«

Der Kerl, er war vielleicht zwei, drei Jahre älter als sie und sehr kräftig, grinste. »Ich wollte es mir nur mal ausleihen, verstehst du?«

»Ja, verstehe ich.«

»Wo ist dann das Problem?«

»Das bist du. Ich will nicht, dass du dir mein Bike ausleihst. So einfach ist das.«

»Wetten doch?«

Carlotta sah, dass der Kerl den Lenker an den beiden Haltegriffen umklammert hielt. Er hatte sich vor das Rad gestellt, und sein Grinsen wurde immer breiter.

Das Vogelmädchen seufzte und schüttelte den Kopf. Es ärgerte sie, dass sie ihre Kräfte einsetzen musste, aber es gab einfach keine andere Lösung. Um zu fliegen, brauchte sie Kraft, und die war bei ihr gegeben. Sie konnte mühelos Gewichte heben, bei denen andere Menschen aufgegeben hätten. Das wusste der Kerl nicht, der ihr Bike stehlen wollte. Er wunderte sich nur, dass Carlotta plötzlich seine beiden Handgelenke umfasste.

»He, was willst du?«

»Dass du loslässt!«

Er lachte.

Sekunden später lachte er nicht mehr. Da drückte Carlotta zu, und plötzlich verzerrte sich das Gesicht des Diebs. Sogar Tränen schimmerten in seinen Augen. Er ließ die Handgriffe los, fluchte, machte auf dem Absatz kehrt und rannte weg.

Carlotta verzichtete darauf, die Verfolgung aufzunehmen. Sie hoffte, dass diese Abfuhr dem Dieb eine Lehre gewesen war. Jetzt zog sie das Rad aus dem Ständer, löste das Schloss und stieg auf. Mit dem Schloss hätte der Dieb auch Probleme bekommen. Wahrscheinlich hätte er das Rad einfach weggetragen.

Sie stieg in den Sattel und zog sich die warme rote Mütze tief über beide Ohren. An der Stirn berührte der Stoffrand fast die Augenbrauen. Für eine Tour mit dem Rad war es verdammt kalt, aber Carlotta hatte darauf bestanden.

So fuhr sie weg. Es war keine allzu weite Strecke bis zum Haus der Tierärztin, aber es ging etwas bergan. Der Markt wurde in der Nähe des Hafens abgehalten, und hier gab es immer den frischesten Fisch.

Sie konnte dem normalen Weg folgen, um in den Vorort zu gelangen, in dem sie wohnte, es gab aber auch eine Abkürzung durch den Busch. So wurde der Wald von den Einheimischen genannt.

Im Winter war er kalt und leer. Die wenigen Wege hatte der Frost hart werden lassen, aber das kümmerte Carlotta nicht. Sie würde schon vorsichtig genug fahren, um nicht zu stürzen.

In den Wald hineinfahren war einfach. Hinter einer kleinen Whisky-Brennerei begann er. Unterholz und kahle Bäume hatten ein helles Kleid aus Reif bekommen. Wie ein Gerippe sah der Wald aus, in dem Schweigen vorherrschte.

Bevor Carlotta hineinfuhr, warf sie einen letzten Blick auf den Himmel, der wie winterliches und schweres Blei über dieser Welt lag. Die Sonne war zwar auch zu sehen, aber sie gab nur einen sehr müden und matten Glanz ab, was für den Monat Januar eben typisch war.

Den Schal hatte Carlotta sehr hoch gewickelt, sodass er sogar ihren Mund bedeckte. Sie atmete nur durch die Nase und merkte sehr bald, das die Kälte wie mit Stichen in sie hineindrang.

Zum Glück hielt die Jacke warm, und das Gleiche war auch mit ihrer Thermohose der Fall.

Der Wald war unter dieser winterlichen Kälte erstarrt. Sie sah kein Grün mehr, und wenn sie Blätter entdeckte, dann lagen sie traurig und froststarr am Boden.

Der Weg war nicht nur holprig, sondern auch hart gefroren. Jeden Buckel bekam sie umso härter mit. Sie spürte die Stöße in den Handgelenken und fragte sich schon sehr bald, ob es eine gute Idee war, die Abkürzung zu nehmen.

Wenn sie nach rechts schaute, glitt ihr Blick über leere Felder hinweg. Zu ihrer linken Seite lag die Tiefe des Waldes, der jetzt viele Lücken aufwies.

Nach ungefähr zwei Kilometern würden die Häuser der Stadt wieder näher an das Waldstück heranrücken. Dann verschwand das Feld, und sie würde dort herauskommen, wo sie und Maxine wohnten.