John Sinclair - Folge 1350 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair - Folge 1350 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009! Im Wald der toten Gesichter. Als ich mich mit Bill Conolly traf, wusste ich noch nicht, was mir bevorstand. Wenig später sah ich die Bescherung, und es war eigentlich unglaublich. Bill zeigte mir mehrere Fotos von Bäumen, die alle ein bestimmtes Motiv aufwiesen. In die Stämme hinein waren Gesichter geschnitzt worden. In einem erkannte ich mich wieder, und wieder ein anderes sah aus wie das Gesicht meines Freundes Suko. "Wer hat das getan?", wollte ich wissen. "Genau das müssen wir herausfinden ..." John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Seitenzahl: 140

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumIm Wald der toten GesichterVorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Im Wald der toten Gesichter

Als ich mich mit Bill Conolly traf, wusste ich noch nicht, was mir bevorstand. Wenig später sah ich die Bescherung, und es war eigentlich unglaublich. Bill zeigte mir mehrere Fotos von Bäumen, die alle ein bestimmtes Motiv aufwiesen. In die Stämme hinein waren Gesichter geschnitzt worden. In einem erkannte ich mich wieder, und wieder ein anderes sah aus wie das Gesicht meines Freundes Suko.

»Wer hat das getan?«, wollte ich wissen.

»Genau das müssen wir herausfinden …«

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-4096-6

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Im Wald der toten Gesichter

Wie schon unzählige Male erlebt, so begann auch dieser Fall mit einem Anruf.

Diesmal wollte Bill Conolly mich sprechen. Seine Stimme klang nicht so, als hielte er eine freundliche Einladung für mich parat.

»Du solltest zu mir kommen, John!«

»Hm. Warum und wann?«

»So schnell wie möglich.«

Ich überlegte. Es war einer dieser Abende, an denen man am besten zu Hause bleibt. Draußen war es kalt und nass.

»Brennt die Luft, Bill?«

»Nein, das nicht. Aber sie glüht. Was ich dir zeigen will, ist schon rätselhaft und verdammt ungewöhnlich …«

Mein Blick fiel auf die Bierflasche, die ich noch nicht geöffnet hatte. Dann war etwas in der Stimme meines Freundes, das mich aufhorchen ließ.

Bill war ein Mensch, der zwar gern anrief, um mich zu treffen und auch einzuladen, aber diesmal klang seine Stimme nicht locker. Ich hörte schon den ersten Unterton darin. Er war niemand, der nur so zum Spaß die Pferde scheu machte.

Außerdem hatte er mich neugierig gemacht. Ich wusste ja, dass er immer auf der Suche nach dem Ungewöhnlichen war, und dass wir uns oft auf einer bestimmten Ebene trafen, um dann gewisse Dinge gemeinsam anzugehen. Wenn er aus dem Fenster schaute, sah er selbst das Wetter. Er wusste zudem, dass Autofahren dabei keinen besonderen Spaß machte. Grundlos würde er mich nicht aus dem Haus treiben. Da musste schon etwas mehr dahinter stecken.

»Ich weiß, John, dass das Wetter zum Weglaufen ist, aber ich hätte dich wirklich nicht angerufen, wenn es nicht dringend wäre. Ich möchte dir etwas zeigen, das sehr wichtig ist. Am Telefon kann man schlecht darüber sprechen. Das musst du sehen.«

»Hast du einen Tipp?«

»Es ist ein Bild. Oder mehrere. Ich habe sie aus dem Computer und …«

»Dann kann ich sie mir auch runterladen. Shao und Suko …«

»Darauf wollte ich gleich kommen. Sie können es sich ansehen. Wir rufen sie dann von mir aus an.«

Allmählich schwand mein Widerstand. Auch Schnee und Regen würden mich jetzt nicht mehr stören. So musste auch der Reporter gedacht haben.

»Gut, Bill, ich komme.«

»Super.«

»Aber du weißt ja, es wird dauern.«

»Nicht schlimm, wir haben Zeit.«

»Bis später dann.«

Wenig später befand ich mich in der Tiefgarage und stieg in meinen Rover. Und ich ahnte, dass da etwas auf mich zukam …

*

Als ich in Bills Wohngegend eintraf, hatte sich der Regen in Schnee verwandelt, der in dicken, pappigen Flocken vom Himmel fiel und manchmal wie Vogeldreck gegen die Scheiben klatschte. Vor den hellen Augen der Scheinwerfer tanzte der Wirbel in einem wahren Chaos, und ich saß alles andere als entspannt hinter dem Steuer. Die Fahrt war wirklich kein Vergnügen gewesen, aber was tut man nicht alles für einen Freund. Die Welt um mich herum hatte innerhalb kurzer Zeit eine weiße Haube bekommen.

Alles war bisher glatt gelaufen, nur eben etwas langsamer. Drei kleine Unfälle hatte ich bisher auf der Fahrt gesehen. Ich war trotzdem recht gut durchgekommen und rollte langsam die mit Schnee bedeckte Auffahrt hoch und hielt Kurs auf Bills Haus, vor dem die Außenleuchte einen gelben Schein abgab. Auch im Garten leuchteten die Lampen, obwohl die Flocken auf ihnen Mützen hinterlassen hatten.

Ich parkte vor der Garage, stieg aus und lief geduckt der Haustür entgegen.

Mein ältester Freund stand schon in der Haustür, die er aufhielt. Nur so weit, dass ihn die Schneeflocken nicht trafen.

»Komm rein, das Wetter ist zum Weglaufen.«

»Du sagst es. Trotzdem bin ich zu dir gekommen, Alter.«

»Ich weiß es zu schätzen.«

Noch vor dem Eintreten klopfte ich mir einige Schneeflocken von der Kleidung. Dann schob ich mich ins Haus und zog die Jacke aus, die ich sofort aufhängte.

»Hier ist es so still«, beschwerte ich mich.

»Sheila ist unterwegs. Eine Bekannte hat angerufen. Das Treffen war schon seit Wochen geplant.«

Ich strich durch meine Haare. »Und was ist mit Johnny?«

»Unterwegs. Wir sind ganz allein.«

»Okay, dann können wir ja feiern.«

Bill runzelte die Stirn. Er sagte nichts, drehte sich von mir weg und nahm Kurs auf sein Arbeitszimmer, in dem die große Überraschung auf mich wartete.

Die Wärme tat gut. Bill hatte Getränke bereitgestellt, und dazu gehörte eine Flasche Whisky.

»Willst du einen Schluck?«

»Nein.«

Er griff zur Flasche und verzog dabei die Lippen. »Ich gieße dir trotzdem einen Schluck ein. Es kann durchaus sein, dass du ihn später benötigst.«

»Ist es so schlimm?«

»Du wirst es sehen.«

Bill machte es spannend. Und er ließ sich Zeit dabei. Das dies so war, ließ mich darauf schließen, dass die Überraschung so schlimm nicht sein konnte.

Auf dem großen Schreibtisch stand auch Bills Computer mit einem ebenfalls recht großen Bildschirm. Das Gerät war eingeschaltet.

Ich nahm Platz und stellte das Glas mit dem Whisky zur Seite. Auch Bill ließ sich nieder und deutete auf den Monitor.

»Was siehst du?«

»Ich sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht«, erwiderte ich. Zwar hatte ich etwas übertrieben, doch im Prinzip traf meine Aussage zu. Der Bildschirm zeigte tatsächlich einen Wald: Bäume, nichts als Bäume.

»So«, sagte der Reporter, »jetzt wollen wir mal schauen. Und ich möchte danach von dir wissen, ob ich spinne oder nicht. Ich tippe eher darauf, dass ich es nicht tue, denn eigentlich sind meine Augen noch völlig in Ordnung.

»Okay, lass jucken.«

Bill schaute mich noch kurz von der Seite an, dann sorgte er dafür, dass ein anderes Bild erschien. Es war auch der Wald. Das heißt, ich sah wieder die Bäume. Nur weniger von den Kronen, sondern mehr von den Ästen. Auch in diesem Wirrwarr aus dicken Stangen erkannte ich nichts, doch das war kein Grund, aufzugeben.

Das nächste Bild zeigte einen einzelnen Baumstamm. Da sah ich schon etwas mehr. Natürlich die dunkle Rinde, aber etwas in Kopfhöhe auch einen hellen Fleck.

»Ist es schon so weit?«, fragte ich.

»Warte ab. Fast.«

Bill holte den hellen Fleck heran. Jemand hatte dort die Baumrinde entfernt, um an das helle Fleisch zu gelangen. Auch das wäre nichts Besonderes gewesen, doch Bill zoomte diese helle Stelle noch näher heran.

»Ist es das?«, fragte ich.

»Ja, der Beweis.«

»Und?«

»Schau mal genauer hin.« Er hatte leise gesprochen, und seine Anspannung war nicht zu überhören.

Ich rückte mit meinem Stuhl vor, um das Bild genauer erkennen zu können. Bill sagte jetzt nichts mehr und ließ mich in aller Ruhe schauen.

Es war nicht das helle Fleisch des Baumes, das ich zu sehen bekam. Was da vor meinen Augen erschien, war so etwas wie ein Relief. Jemand hatte etwas in den Baum hineingeritzt.

Nein, das stimmte nicht. Das war kein Ritzen. Da hatte sich jemand die Mühe gemacht und etwas geschnitzt, und wenn mich nicht alles täuschte, war es ein Gesicht.

»Meinst du das Gesicht?«, fragte ich.

»Genau das.«

»Und?«

»Du musst es dir wirklich genau anschauen, John. Es ist ungemein wichtig.«

Wenn Bill das so sagte, hatte er sicherlich seine Gründe, und ich tat ihm den Gefallen. Sehr schnell stellte ich fest, dass ich auch mir einen Gefallen tat, denn das Gesicht erkannte ich jetzt deutlich und hatte plötzlich das Gefühl, auf einem heißen Stuhl zu sitzen. Ich bildete mir auch nichts ein oder stellte mir nichts vor. Ich sah den Tatsachen wirklich ins Auge.

Es war kaum zu fassen, und ich merkte, wie mein Herzschlag anschwoll. Das Gesicht kannte ich.

Es war mein eigenes!

*

Der Anblick verschlug mir wirklich die Sprache. Bill hatte mir einen Whisky eingeschenkt. Das Glas stand nicht weit von mir entfernt, und ich brauchte erst mal einen kräftigen Schluck.

Dass das Getränk gut schmeckte, bekam ich nicht mit. Ich musste immer wieder auf das Gesicht schauen. Es war in das,Fleisch’des Baums eingeschnitzt, es verschwand nicht. Es glich schon in gewisser Hinsicht einem Denkmal, das an mich erinnerte.

Sehr langsam drehte ich Bill den Kopf zu, der mich ernst anschaute und zugleich die Schultern hob.

»Wann hast du es entdeckt?«, flüsterte ich.

»Heute.«

»Und?«

Er schüttelte den Kopf. »Ich wollte dich etwas fragen, John. Was sagst du dazu?«

»Das bin ich.«

»Stimmt. So habe ich das auch gesehen. Und jetzt fragst du dich, wer so etwas tut?«

»Genau. Es ist ein Fachmann, ein Künstler gewesen. Davon lasse ich mich nicht abbringen, aber darauf komme ich gleich zu sprechen. Ich frage mich nur, warum mein Gesicht in diesen Baumstamm hineingeschnitzt wurde. Was ist da passiert? Welcher Teufel hat diesen Typen geritten? Was … was soll das überhaupt?«

Bill zuckte mit den Schultern.

Klar, ich konnte von ihm keine Erklärung erwarten. Er hatte es auch nur entdeckt, doch genau auf diesen Punkt sprach ich ihn an. »Wie bist du nur darauf gekommen, Bill?«

»Das war ganz einfach. Oder ein Zufall. Vielleicht auch Fügung. Mich hat ein Bekannter angerufen, der für eine Umweltorganisation arbeitet. Ihm sind die Kunstwerke aufgefallen.«

»Werke?«, fragte ich.

»Ja, du bist nicht allein. Es gibt Bäume mit weiteren Gesichtern. Na ja, jedenfalls hat der Kollege sie entdeckt und mich angerufen.«

»Kennt er mich denn?«

Bill schüttelte den Kopf. »Ich glaub, nicht, John.«

»Warum hat er dann dich angerufen?«

Bill gab mir zunächst keine Antwort. Er rutschte näher an den Computer heran, vor dem ich ihm Platz machte.

In den folgenden Sekunden veränderte sich die Szenerie auf dem Bildschirm. Wieder erschien der Wald. Nur für einen kurzen Moment, dann zoomte Bill erneut Ausschnitte heran.

Baumstämme.

Auch mit Gesichtern.

Nur sah ich diesmal meines nicht mehr, sondern zwei andere. Ich hatte bereits Erfahrung sammeln können und brauchte nicht mal so aufmerksam hinzuschauen, um die Gesichter zu erkennen.

Wieder erfasste mich das große Staunen. Es war kaum zu fassen, doch die zwei anderen Gesichter in den Baumstämmen kannte ich auch.

Sie gehörten Bill und Suko!

*

Ich wollte nicht behaupten, dass die Überraschung größer war als bei der ersten Entdeckung, aber die Bilder bildete ich mir nicht ein, und erst recht nicht das Motiv.

Ich trank erneut von meinem Whisky.

»War das dein Kommentar, John?«

»Nein, bestimmt nicht«, sprach ich leise. »Nur habe ich Probleme damit. Erst sehe ich mein Gesicht in den Baum geschnitzt und anschließend deines und das von Suko. Verdammt, was wird hier gespielt?«

»Das möchte ich auch gern wissen.«

Ich deutete auf den Monitor. »Und wer, bitte schön, ist der Künstler gewesen?«

»Den Namen kenne ich nicht. Der Kollege hat ihn mir gesagt. Er ist ein Deutscher und heißt Korbinian.«

»Wie?«

Bill wiederholte den Namen.

Ich zuckte mit den Schultern. »Tut mir Leid, aber mit dem Namen kann ich nichts anfangen.«

»Das habe ich mir gedacht. Mir ist er auch fremd. Warum er herkam, weiß ich nicht. Ich habe mich erst mal mit diesen Informationen zufrieden gegeben.«

»Und wo finden wir ihn?«

»Nicht hier in London, sondern in einem kleinen Kaff in Kent. Irgendwo in der Prärie in einer einsamen Gegend. Er wohnt praktisch bei seinem Arbeitsplatz.«

»Ist auch am besten.«

Bill stellte sein Glas weg, das er leer getrunken hatte. »Wenn du mich fragen willst, ob ich das Kaff kenne, muss ich leider passen. Ich weiß nur den Namen.«

»Wie lautet er?«

»Braming.«

»Nie gehört.«

Bill winkte ab. »Ich habe mich kundig gemacht. Der Ort liegt am Rand eines Wildparks. Er heißt Howletts Wildlife Park. Ich war dort noch nie. Da muss ich mich auf die Informationen des Kollegen verlassen Das ist zweitrangig. Ich frage mich nur, warum unsere drei Gesichter von diesem Korbinian in die Bäume eingeschnitzt worden sind. Dass mehr dahinter steckt, das steht für mich einfach fest.«

Der Überzeugung war ich auch und sagte mit leiser Stimme: »Das sieht wohl nach einer Reise aus.«

»Finde ich auch.«

Meine Überraschung hatte ich in der Zwischenzeit verdaut. »Hast du denn mehr über den Künstler herausgefunden?«

»Nein, leider nicht. Das Internet ist nicht allmächtig. Er hat dort keine Spuren hinterlassen.«

»Dann werden wir also hier kaum etwas herausbekommen«, murmelte ich. »Das ist schade.«

»Erst wenn wir dort sind.«

»Ja, bestimmt.«

»Hast du denn Zeit?«

Ich winkte ab. »Für so etwas immer. Außerdem müssen wir Suko noch ins Boot holen. Aus welch einem Grunde hat ein uns unbekannter deutscher Schnitzer diese kleinen Kunstwerke hinterlassen? Da muss doch etwas dahinter stecken. Er kennt mich nicht, ich kenne ihn nicht. Warum hat er das getan?«

»Er wird es uns sagen müssen.«

»Ja.«

Ich kümmerte mich um den Computer und holte mir noch mal mein Bild auf den Monitorschirm.

Es war schon erschreckend, wie deutlich der Künstler mein Gesicht in den Baumstamm geschnitzt hatte. Und das, obwohl er mich nicht kannte. Zumindest wusste ich nichts von einer Bekanntschaft. Einen derartigen Namen hatte ich noch nie gehört. Er wäre mir auch im Gedächtnis haften geblieben.

»Korbinian«, murmelte ich.

Bill nickte. »Ich bin ebenfalls überfragt, und mein Kollege wusste auch nicht viel über ihn. Er hat ihn als Meisterschnitzer erlebt und als einen Menschen, der sehr stolz auf sein Werk ist.«

Das konnte er auch sein. Wenn ich mir mein Gesicht im Baumstamm anschaute, dann stimmte dort jedes Detail. Bei Bill Conolly und Suko erlebte ich das Gleiche.

Ich schaute aus dem Fenster. Aus den Wolken rieselten noch immer die weißen Flocken. Die Rückfahrt würde spaßig werden. Ich dachte auch daran, dass wir Suko informieren mussten.

»Kannst du dir vorstellen, John, woher dieser Künstler so gut über uns Bescheid weiß?«

»Nein, das kann ich nicht. Jemand muss ihn informiert haben. Da gibt es ja einige, die dafür infrage kommen.«

»Der Schwarze Tod? Der Teufel, wenn man das mal so locker sagen darf?«

»Möglich. Ich frage mich allerdings, was dieser Korbinian mit seinen Kunstwerken bezweckt.«

»Darüber habe ich auch schon nachgegrübelt und keine Antwort gefunden. Es läuft alles irgendwie an mir vorbei. Dass der Kollege die Gesichter entdeckt hat, war wirklich Zufall. Da hat es jemand auf uns abgesehen, dieses Gefühl habe ich jedenfalls.«

Für mich stand das auch fest. Doch ich dachte momentan an etwas anderes.

»Ich rufe jetzt Suko an. Nein, mach du es und gib ihm die nötigen Informationen.«

»Okay.«

Trotz des miesen Wetters waren Shao und Suko nicht zu Hause. Der Anrufbeantworter war eingestellt. Bill wollte nach dem Piepton eine Nachricht aufsprechen. Er hatte kaum seinen Namen gesagt, als sich Suko meldete.

»Keine Panik, wir sind gerade zurückgekehrt.«

»Gut, dann setz dich mal hin und leih mir dein Ohr.« Es dauerte nicht lange, da hatte Bill alles gesagt und Suko auch darüber informiert, dass ich bei ihm war.

Der Inspektor war erstaunt. Er ließ sich von Bill die Informationen noch mal wiederholen und versprach dann, zurückzurufen.

»So, jetzt können wir warten.« Bill warf mir einen fragenden Blick zu. »Noch einen Schluck?«

»Nein, nur Wasser. Weiß eigentlich Sheila von deiner spannenden Entdeckung?«

»Nein, noch nicht«, erwiderte der Reporter schulterzuckend. »Aber ich werde es ihr sagen müssen. Daran komme ich nicht vorbei. Und ich will dann herausfinden, warum dieser Korbinian unsere Gesichter in die Baumstämme geschnitzt hat. Überhaupt interessiert mich der Mann mit dem deutschen Namen.«

»In diesem Land gibt es viele Schnitzer. Vor allen Dingen in den südlichen Gegenden. Es wäre wirklich gut, wenn wir mehr über ihn herausfinden könnten.«

»Klar. Und wer wird uns dabei helfen? Das Internet ist leider,sprachlos’.«

»Ich rufe Harry Stahl an.«

Bill schnippte mit den Fingern. »Eine gute Idee, Alter, obwohl ich an keinen Erfolg glaube. Aber in diesem Fall sollte man alles versuchen, um der Wahrheit nahe zu kommen.«

Harrys Nummer war in meinem Handy gespeichert. Ich konnte nur hoffen, dass ich ihn nicht störte.