John Sinclair - Folge 1351 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair - Folge 1351 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009! Templergold (1. Teil). Templergold hat schon zu allen Zeiten die Gierigen angelockt. Man wusste, dass zahlreiche Schiffe mit den Schätzen der Templer auf der Flucht vor ihren Feinden gesunken waren. Wo das genau passiert war, blieb oft ein Rätsel. Als in Südfrankreich ein Juwelier dem Templerführer Godwin de Salier ein Schmuckstück zeigte, das ihm angeboten worden war, schrillten bei de Salier alle Alarmglocken. Er musste die Spur aufnehmen. Das tat er nicht allein, sondern zusammen mit Suko und mir ... John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Seitenzahl: 136

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumTemplergold (1. Teil)Vorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Templergold (1. Teil)

 … hat schon zu allen Zeiten die Gierigen angelockt. Man wusste, dass zahlreiche Schiffe mit den Schätzen der Templer auf der Flucht vor ihren Feinden gesunken waren. Wo das genau passiert war, blieb oft ein Rätsel.

Als in Südfrankreich ein Juwelier dem Templerführer Godwin de Salier ein Schmuckstück zeigte, das ihm angeboten worden war, schrillten bei de Salier alle Alarmglocken.

Er musste die Spur aufnehmen. Das tat er nicht allein, sondern zusammen mit Suko und mir …

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-4097-3

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Templergold (1. Teil)

Das Meer verwandelte sich in ein gewaltiges Ungeheuer, als der Orkan losbrach. Er fiel mit einer Wucht über das Meer her, als wollte er alles zerstören. Der Wind fasste in die unendlich erscheinende Masse hinein, spielte mit ihr und sorgte dafür, dass turmhohe Wellen entstanden.

Auch der Himmel hatte sich verändert. Böse Mächte schienen die Sonne vertrieben zu haben, um sie danach durch gewaltige Wolken zu ersetzen, die wie Ungeheuer über das Firmament segelten, als wollten sie es in seinen Grundfesten erschüttern.

Und so wurde der Zweimaster, der bisher eine so ruhige Fahrt gehabt hatte, ebenfalls zu einem Spielball der Wellen und zu einem perfekten Opfer der

Urgewalten …

Der Kapitän hatte sich in seine Kabine zurückgezogen, um auszuruhen und nachzudenken. Dass eine besondere Verantwortung auf ihm lastete, wusste er, denn nicht nur für ihn war es wichtig, eine bestimmte Ware von einem Ort zum anderen zu bringen. Die Reise musste klappen, sonst war vieles umsonst gewesen.

Die ersten stärkeren Wellen regten Navarro nicht auf, dann aber rollten die Brecher heran und sorgten dafür, dass es mit der ruhigen Fahrt vorbei war.

Von nun an war Navarro hellwach!

Er hatte in seiner Koje gelegen. Sie war das einzige Bett, dass es auf dem Schiff gab. Die Besatzung schlief in Hängematten. Manchmal auf und manchmal unter Deck.

In dieser Situation hielt sich keiner der Männer mehr im Bauch des Schiffes auf. Jeder wusste, was es bedeutete, wenn der Segler in einen verdammten Sturm geriet.

Da wurde jeder an Deck gebraucht, auch wenn es dort gefährlich war und die Brecher überkamen, die dann alles wegspülen und wegsaugen wollten, was nicht festgezurrt war.

Ein gewaltiger Stoß erschütterte das Schiff. Der Kapitän hatte sich soeben hingesetzt, als er ihn mitbekam und auch das Krachen hörte, als wenn die Bordwände auseinander brachen.

Er konnte den Stoß nicht mehr ausgleichen und prallte zu Boden. Er fluchte, als er über die Planken rollte und erst an der Tür liegen blieb. Entkleidet hatte er sich nicht. Sogar mit seinen Stiefeln hatte er sich hingelegt, als hätte er eine Ahnung von dem gehabt, was auf ihn zukommen würde.

An der Tür kämpfte er sich hoch.

Der bärtige Mann war ein erfahrener Kapitän. Er wusste genau, wie man sich bei Sturm zu verhalten hatte. Es war nicht der Erste, den er erlebte, aber ihm war schon jetzt der Gedanke gekommen, dass es möglicherweise auch einer der schwersten Orkane war, die ihn und sein Schiff getroffen hatten. An den hölzernen Wänden waren an bestimmten Stellen einige Haltegriffe angebracht. Auch nahe der Tür befand sich einer, und Navarro griff danach. Mit festen Händen umklammerte er ihn und nutzte eine Schaukelbewegung aus, um auf die Beine zu kommen.

Schwankend blieb er stehen. In seiner Kabine war es wahnsinnig laut geworden. Die gewaltigen Meergeister schienen erwacht zu sein, um von allen Seiten gegen die Bordwände zu wüten.

Er riss die Tür auf, als der Orkan für einen Moment an Intensität verlor.

Vor ihm lag der Niedergang. Er wollte an Deck gehen. Vor sich sah er die hölzernen Stufen, über die aufgeschäumtes Wasser nach unten zur Kapitänskabine lief und sie glatt gemacht hatten.

Navarro kämpfte sich vor. Er biss die Zähne zusammen. Das Schiff verwandelte sich wieder in einen tanzenden Spielball, sodass er Probleme bekam, die rutschigen Stiegen hinaufzukommen.

Er hörte das Heulen des Sturms und auch die Schreie seiner Männer.

An Deck war die Hölle los. Nicht nur der Sturm sorgte für die heulenden und pfeifenden Geräusche, auch seine Leute schrien. Sie brüllten vergeblich gegen das Tosen an.

Noch waren die beiden Masten nicht gebrochen. Auch hatte es seine Mannschaft geschafft, die Segel einzuholen. Bis auf eines. Am Vordermast hing es dicht unterhalb der Spitze wie ein nasser Lappen, der von der Wucht der Böen hin- und her geschlagen wurde. Es war nur eine Frage der Zeit, bis das Meer es sich holen würde.

Er kämpfte sich weiter vor. Das Wasser, der Wind, die Schreie, die Menschen, die über das Deck liefen oder vom Wind getrieben wurden. Seine Mannschaft versuchte alles, das Schiff zu retten. Aber was sollten die Männer machen? Sie hatten die Segel noch schnell einholen können, das war auch alles. Nun würden sie die Santa Christina dem Meer als Beute überlassen müssen.

Navarro wollte nicht aufgeben. Verbissen kämpfte er sich durch, und so schaffte er es tatsächlich, sich dem Steuerhaus zu nähern.

Es kam noch eine Gefahr hinzu. Der Sturm hatte all das losgerissen, was nicht fest genug vertäut gewesen war. So rutschten die schweren Gegenstände über das Deck. Kisten, Fässer, Teile einer alten Ruderbank gehörten auch dazu, und er sah plötzlich den Schiffsjungen in einer gurgelnden Welle auf sich zurutschen.

Der Junge war nicht so kräftig. Aber er konnte fantastisch kochen. Seine Männer und Navarro liebten ihn.

Der Junge schrie. Das Wasser schleuderte ihn vor. Wie auf einer eisigen Rutschbahn glitt er über das Deck, und Navarro schrie ihm etwas entgegen, doch der junge Mann hört ihn nicht. Er konnte auch nichts hören, denn der Orkan toste, es war einfach zu laut.

Navarro warf sich zu Boden. Für einen Moment waren ihre Gesichter auf einer Höhe. Er sah die Panik in den Augen des Schiffsjungen und griff zu. Es war ihm egal, wohin er fasste. Er wollte vor allen Dingen nicht, dass der Junge über Bord gespült wurde.

Er bekam ihn auch zu fassen und hielt eisern fest. Aber das über Deck laufende Wasser besaß jetzt zwei Opfer, und es war stark genug, um beide mit sich zu reißen.

Für den Kapitän und den Schiffsjungen wurden die folgenden Sekunden zu einer wahren Hölle. Um sie herum schäumte und gurgelte das Wasser. Sie glitten vor, sie wurden dabei gedreht, sie stießen immer wieder irgendwo hart an, aber sie hielten durch.

Und sie hatten Glück. Irgendein Gegenstand, der quer in ihrem Weg stand, hielt sie auf. Hart schlugen sie dagegen. Sie spürten den Aufprall am Kopf. Sie schrien, aber das Wasser drang in ihre Münder und erstickte die Schreie.

Dann war das Wasser weg.

Beide rafften sich auf.

»Nimm dir ein Tau!«, brüllte Navarro.

Der Junge schaute ihn nur an. »Der Teufel!«, schrie er. »Das ist der Teufel! Ich habe ihn gesehen! Ja, ich habe den Teufel gesehen!«

»Ein Tau, verflucht!«

Der Junge nickte heftig. Er fasste sich ein Herz und drehte sich herum. Die nächste Welle rollte an. Da hatte der Kapitän das Hindernis bereits überklettert und kämpfte sich den Rest der Strecke bis zum Ruderhaus durch.

Auch hier hatten die Naturgewalten ihre zerstörerischen Kräfte freigesetzt. Planken waren zerstört worden. Teile von ihnen wirbelten über das Deck. Es gab Löcher. Die Masten ächzten und stöhnten unter den wilden Attacken, aber noch hielten sie.

Wieder kroch Navarro weiter. Er kämpfte sich abermals auf Händen und Füßen voran und gelangte jetzt in die Nähe der Tür des Ruderhauses, die der Wind halb aus den Angeln gerissen hatte.

Der Steuermann Carlos stand noch am Ruder. Er hielt sich mehr an den Speichen des Steuerrads fest, als dass er es beherrschte. Das Gegenteil traf zu. Das Ruder beherrschte ihn. Das schwere Rad drehte sich mit einer Leichtigkeit, als wären Geisterhände dabei, es zu bewegen. Es drehte sich mal nach links, dann wieder nach rechts. Carlos hatte es geschafft, sich festzutäuen. Ansonsten wäre er längst aus dem Ruderhaus gewirbelt worden.

Carlos warf Navarro einen knappen Blick zu, als dieser sich bemühte, auf die Beine zu kommen. Der Steuermann musste mit dem Kopf irgendwo gegen geschlagen sein. Er hatte sich eine Platzwunde an der rechten Stirnseite geholt. Aus ihr rann Blut. Weiter unten hatte es sich mit dem Salzwasser vermischt.

»Die Masten werden brechen!«, brüllte Carlos. »Sie haben bereits Risse abbekommen.« Navarro spürte die heiße Woge der Angst in sich hochsteigen. Er hatte Carlos verstanden, und jetzt schaute er automatisch auf die beiden Masten.

Sie schwankten. Immer wieder bekamen sie Schläge mit. Das eine Stück Segel wurde plötzlich von einer Böe erfasst und kurzerhand weggerissen. Für kurze Zeit wirbelte es noch durch die Luft, dann verschlang es die aufgewühlte See.

»Unsere Position?«, schrie Navarro.

Carlos lachte nur laut. Er hob die Schultern. »Kurz vor Cornwall!«, brüllte er zurück.

»Britannien?«

»Ja!«

Für einen Moment vergaß Navarro die Hölle um sich herum. Die Antwort hatte ihn geschockt, aber er wusste auch, wie gefährlich das Gebiet um diese Halbinsel herum war. Es hatte sich bei den Seeleuten herumgesprochen, dass die Stürme hier besonders wild tosten.

Nicht nur der Sturm bedeutete eine tödliche Gefahr. Es ging auch um etwas anderes. Unterhalb der Wasserfläche lauerten die Felsen, die aufgrund ihrer Schärfe jeden Schiffsrumpf aufrissen, wenn er daran entlangglitt.

Viele dieser Felsen ragten auch als gefährliche Hindernisse aus dem Wasser, und mancher Sturm hatte Schiffe gegen sie geschleudert und sie einfach zerbrochen.

Es war müßig zu fragen, ob Carlos den einen oder anderen Felsen gesehen hatte. Bei diesem Wetter war nichts möglich. Es gab kein Licht. In der Luft hing die Gischt wie ein ewiger Vorhang, der nicht abreißen wollte.

»Kurs?«, schrie Navarro.

Carlos lachte. »Es gibt keinen mehr!«, brüllte er zurück. »Der Orkan macht mit uns, was er will.«

Es war besonders daran zu erkennen, wie schwer es ihm fiel, das Ruder zu halten. Das Steuerrad bewegte sich wie von selbst. Es drehte sich zwischen seinen Händen von einer Seite zur anderen und verhielt sich wie ein bockiges Tier.

Aber Carlos machte weiter. Er war ein Mann der See. Er war ein Kämpfer und gab nicht auf. Sein dunkles Haar klebte auf dem Kopf. Es hing in nassen Strähnen bis auf die Schultern herab.

Es war unmöglich, einen Kurs zu halten. Das merkte auch der Kapitän, als er nach dem Ruder griff, um Carlos zu unterstützen.

Da war nichts mehr zu machen. Die Santa Christina war und blieb ein Spielball der Wogen. Das würde auch bis zum bitteren Ende so bleiben.

Allmählich machte sich auch Navarro mit dem Gedanken vertraut, dass sie es nicht schaffen würden. Zwar war die Santa Christina ein starkes Schiff, aber irgendwann musste sie unter dieser Urgewalt zerbrechen.

Es stampfte schwer. Es schüttelte sich. Es wollte dem Orkan Paroli bieten. Es wollte seine Stärke beweisen, aber es ächzte, stöhnte und schrie auch wie unter mörderischen Schmerzen, wenn es wieder von den Brechern erwischt wurde.

Navarro wusste, welches Vertrauen man in ihn und seine Mannschaft gesetzt hatte. Bei Nacht und Nebel war das Schiff beladen worden. Man hatte ihm nicht gesagt, welche Ladung die Truhen enthielten. Aber es waren Mitglieder des Templerordens gewesen, die die Ladung in den Bauch des Schiffes geschafft hatten.

Navarro war kein Dummkopf. Er wusste, dass die Templer von der Inquisition gejagt wurden und dass ihnen nichts anderes übrig blieb, als zu fliehen. Im Laufe der Jahrhunderte und besonders bei und nach den Kreuzzügen hatten sie ein großes Vermögen angehäuft. Gold, Juwelen, Edelsteine, auch Silber und kostbares Geschmeide. Das alles musste vor den Verfolgern in Sicherheit gebracht werden. Zumindest teilweise. Navarro glaubte, dass sich im Bauch seines Schiffes eben dieses Templergold befand, das in den Norden, nach Schottland, geschafft werden sollte.

Ob sie das jemals schaffen würden, daran konnte er einfach nicht mehr glauben.

Der Orkan flaute nicht ab. Er toste weiter mit seiner mörderischen Kraft. Die Wellen wuchsen turmhoch. Gläserne Todesboten, die sich durch nichts aufhalten ließen. Der mächtige Wind trieb sie auf das Schiff zu, und beide Männer rissen die Augen auf, weil sie vor sich etwas sahen, das sie einfach nicht glauben wollten.

Aus dem Meer heraus entwickelte sich eine Monsterwelle. Sie war so hoch, dass es die Männer kaum schafften, sie zu beschreiben. Aber sie kannten sie aus den Erzählungen der wenigen Überlebenden und wussten, was es bedeutete.

Eine derartige Welle fraß alles. Es gab nichts, was sich ihr entgegen stellen konnte. Sie war einfach mörderisch. Sie baute sich auf, sie schien sich recken zu wollen und erinnerte die Männer an eine Wand aus Wasser.

»Neiiinnn!«, brüllte Carlos. »Nein …«

Navarro sagte nichts. Er konnte nichts mehr sagen. Er schaffte es nicht mal, Atem zu holen. Sein Blick galt einzig und allein der Welle. Er hatte seine Augen weit aufgerissen, und ein ungläubiger Ausdruck stand darin. Das konnte und durfte nicht mehr wahr sein. So etwas war einfach zu schlimm. Der Himmel war nicht mehr zu sehen, weil die gewaltige Wand aus Wasser alles verdeckte.

Mit pfeifenden und jaulenden Lauten trieb der Orkan sie voran. Von den Geräuschen des Wassers war in diesen Augenblicken nichts mehr zu hören. Navarro hatte mal von der berühmten Stille vor dem Tod gehört, und genau diese war eingetreten.

Er hatte auch den Eindruck, sich nicht mehr in der normalen Welt zu befinden, sondern in irgendeinem Zwischenreich, in das bereits der Sensenmann seine Klauen streckte.

In dieser seltsamen Stille klangen plötzlich Schreie auf. Es waren die Mitglieder seiner Mannschaft, die sie ausgestoßen hatten. Jeder von ihnen hatte bereits von diesem Albtraum gehört. Man betete vor jeder Reise, dass diese Welle nicht komme.

Jetzt war sie da!

Und sie rollte heran!

Es war ein besonderes Schauspiel, denn sie senkte sich nur langsam nach unten. Es konnte auch eine Sinnestäuschung sein, da war sich der Kapitän nicht so sicher. Vielleicht täuschten ihn seine Augen, aber das Monster war vorhanden.

Er wünschte sich weit weg. Er verfluchte sich dafür, die Reise angetreten zu haben, doch Navarro konnte nichts mehr tun. Er musste mit ansehen, wie das gewaltige Gebilde immer tiefer fiel. Es wurde begleitet von einem hohl klingenden Pfeifen, als lauerten irgendwelche Geister im Hintergrund, die auf knöchernen Flöten spielten.

»Gott steh uns bei!«, keuchte Carlos und duckte sich, denn die Welle fiel auf das Schiff nieder …

*

Keiner der Seeleute hatte bisher einen Blick in die Hölle geworfen. Aber schlimmer als diese Welle konnte selbst die Hölle nicht sein. Ihre unheimlichen Geräusche erinnerten an die Laute gequälter Seelen, und die abergläubischen Männer glaubten daran, dass die Geister der Verstorbenen über sie herfallen würden.

Die Welle schlug zu.

Für sie war das Schiff nichts anderes als ein Nichts. Es war nichts da, um ihr einen Widerstand entgegenzusetzen. Sie zertrümmerte alles, was ihr im Weg stand, und auch die Santa Christina hatte nicht die Spur einer Chance.

Das Wasser schlug auf.

Es war so als hätte jemand einen mit Wasser gefüllten Eimer über ein winziges Schiffsmodell geleert. Niemand war dazu in der Lage, dieser Masse zu entkommen.

Navarro und Carlos erlebten etwas, das sie gedanklich nicht so schnell nachvollziehen konnten.

Sie dachten überhaupt nicht mehr. Das Letzte, was der Kapitän von seinem Steuermann sah, war dessen verzerrtes Gesicht. Dann brach es über sie herein.

Ein Krachen, ein Tosen und Brüllen. Das Wasser war wie ein Ozean, der sich aus seinem riesigen Bett erhoben hatte und nun alles vernichtete, was ihm nicht passte.

Navarro wurde von einer nie erlebten Wucht von den Beinen gerissen. Es gab nichts mehr, woran er sich hätte festhalten können. Das Wasser war überall, ebenso wie die Trümmer.