John Sinclair - Folge 1352 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair - Folge 1352 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009! Beute für den Sensenmann (2. Teil). Cornwall - Land's End! Eine raue unwirtliche Gegend. Umhüllt von Sagen, Legenden und Geschichten. Eine Küste, vor der früher oft genug Schiffe gesunken waren, beladen mit Gold und Schmuck. Genau hier suchten wir nach dem Templergold, das so wichtig für unseren Freund Godwin de Salier war. Zwar fanden wir es. Doch wer es fand, der sollte zur Beute für den Sensenmann werden. John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

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Seitenzahl: 138

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Inhalt

CoverJohn Sinclair – Die SerieÜber dieses BuchÜber den AutorImpressumBeute für den Sensenmann (2. Teil)Vorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Beute für den Sensenmann (2. Teil)

Cornwall – Land’s End!

Eine raue unwirtliche Gegend. Umhüllt von Sagen, Legenden und Geschichten. Eine Küste, vor der früher oft genug Schiffe gesunken waren, beladen mit Gold und Schmuck.

Genau hier suchten wir nach dem Templergold, das so wichtig für unseren Freund Godwin de Salier war.

Zwar fanden wir es. Doch wer es fand, der sollte zur Beute für den Sensenmann werden.

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen RomanheftausgabeBastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG© 2015 by Bastei Lübbe AG, KölnVerlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian MarzinVerantwortlich für den InhaltE-Book-Produktion:Jouve

ISBN 978-3-8387-4098-0

www.bastei-entertainment.dewww.lesejury.dewww.bastei.de

Beute für den Sensenmann (2. Teil)

Das war kein Albtraum, sondern die reine Wahrheit, die Lilian Dexter erlebte. Allerdings hatte sie dabei das Gefühl, nicht mehr im normalen Leben zu stehen, sondern daneben. Und doch entsprach alles der Realität.

Durch die offen stehende Tür drang das dunkel schimmernde lebende Skelett!

Es hatte sich den Zugang regelrecht freigeschaufelt und lief stur nach vorn. Ob es aus den leeren Augenhöhlen

sehen konnte, war nicht wichtig für Lilian. Sie bekam mit, dass die Gestalt an ihr vorbeistürmte, denn sie hatte ein anderes Ziel.

Es war Orry, der Mann mit der Glatze, und zudem Lilian Dexters Freund!

Er hatte nicht richtig begriffen, in welcher Gefahr er sich befand. Vor kurzem erst war er aus seinem Rausch erwacht. Er war noch angetrunken und sah deshalb die Welt aus anderen Augen. Wohl auch das Skelett, das er nicht richtig ernst nahm, denn über sein Gesicht huschte ein debiles Grinsen.

Es war der Augenblick, an dem sich die Starre der rothaarigen Frau löste. Lilian holte tief Luft. Dabei verzerrte sich ihr Gesicht, und sie begann zu schreien.

»Orrryyy …!«

Der Glatzkopf schaute sie an.

»Weg, Orry, weg!«

Der reagierte nicht. Die Gestalt, die sich auf ihn zu bewegte, hat ihn stark in ihren Bann gezogen. So stand nach wie vor Ungläubigkeit als Ausdruck in seinen Augen. Möglicherweise dachte er auch an einen Scherz. Dieser Gedanke verschwand sehr schnell, als ihn der erste Schlag mit einer Knochenfaust traf.

Orry hörte es noch knacken. Ob es sein Kiefer war oder das Gebein des Angreifers, das wusste er nicht. Der Mann mit dem Bart und der Glatze flog zurück. Er landete rücklings auf dem alten Sofa, und erst jetzt merkte er, dass mit seinem Kinn etwas nicht stimmte. Glühender Schmerz schoss durch seinen Kopf, aber er blieb klar. Sein Gehirn war nicht mehr durch den genossenen Alkohol vernebelt, und mit Schrecken erkannte er, dass dieser verfluchte Knöcherne keine Rücksicht kannte.

Mordbereit stürzte er auf Orry zu!

Wäre Orry nüchtern gewesen, hätte er bestimmt etwas dagegen getan. Aber er war nicht nüchtern, und so musste er hinnehmen, wie der Knöcherne auf ihn zu stürzte.

Seine Freundin hatte zugeschaut. Sie wusste genau, wie gering die Chancen ihres Freundes waren. Genau das wollte sie ändern. Sie hielten zusammen. Sie waren bisher durch Dick und Dünn gegangen, und das sollte auch jetzt so bleiben.

Lilian dachte nicht mehr weiter nach. Auch nicht darüber, dass sie sich selbst in Gefahr begab. Für sie war Orry wichtig, sie wollte nicht, dass das Skelett ihn tötete.

In der folgenden Zeit hatte sie ihr Denken ausgeschaltet. Sie handelte nur. Das Skelett achtete nicht auf sie, denn es hatte am Rücken schließlich keine Augen. Und so griff Lilian es an. Sie schaffte es auch, ihren Ekel zu unterdrücken, als sie mit beiden Händen in das Knochengerüst hineinfasste.

In dem Moment der Berührung brach zwar keine Welt für sie zusammen, doch es gab etwas anderes, mit dem sie in den ersten Sekunden nicht fertig wurde.

Die Knochen hielten sie fest. Ihre Hände langens und links und rechts neben dem Schädel auf den Schultern. Und doch hatte sie den Eindruck, keine Knochen zu umfassen, sondern Stücke, die zwar hart aus aussahen, aber aus weichem Fleisch bestanden.

Weiche Knochen.

Fast wie Gummi.

Es war für Lilian der gefühlte Horror. Sie glaubte, nicht mehr in der normalen Welt zu leben. In ihrem Kopf explodierten die Gedanken, und sie bekam noch mit, wie sich die unheimliche Gestalt unter ihrem Griff drehte.

Zwar schrillten in ihrem Inneren 1000 Alarmsirenen, doch sie zog keinen praktischen Nutzen daraus. Sie glaubte, dass ihre Hände auf der Masse klebten, und so musste sie zwangsläufig die Bewegung mitmachen, bis ihre Hände von diesem Gerippe abrutschten.

Es hatte sich gedreht.

Lilian Dexter schaute genau in diese Fratze hinein und wünschte sich weit weg. Genau das war nicht möglich, denn das verdammte Skelett hatte noch etwas mit ihr vor.

Es bewegte seinen Kopf.

Ein kurzer Ruck nur, dann der Treffer!

Die Stirn des Knochenschädels prallte gegen ihre Stirn. Sie hat noch nie derartige Sterne gesehen und nur darüber gelesen. Jetzt allerdings sah sie sie auch. Für die nächsten Sekunden war sie wie betäubt. Sie konnte sich wieder frei bewegen und torkelte einige Schritte zurück.

Dabei wusste sie nicht mehr, wo sie sich befand. Zwar hielt sie die Augen offen, doch ihr Blick war umflort. erst als sie mit dem Rücken gegen einen Widerstand stieß, kam sie wieder zu sich und sah das Schreckliche.

Orry lag auf der Couch.

Der Knöcherne kniete über ihm und gab ihm keine Chance. Lilian sah es nicht genau, aber der Haltung nach zu schließen, musste er die Klauen um die Kehle ihres Freundes geklammert haben, um ihn zu würgen und dann zu töten.

Lilian sah plötzlich klar. Sie wusste, dass dieses Geschöpf ihrem Freund keine Chance zum Überleben geben würde. Es war gekommen, um ihn umzubringen, und Lilian hatte nicht die geringste Chance, dies zu verhindern.

Diese Wahrheit erkannte sie verdammt deutlich. Und genau dieses Erkennen sorgte für ihren eigenen Überlebenswillen. Zwar hatte sie keine Erfahrung, aber sie konnte sich gut vorstellen, dass dieser Mörder keine Zeugen hinterlassen würde.

Ich bin eine Zeugin!, schoss es ihr durch den Kopf!

Aber ich will leben, nicht sterben!

An Orry wollte sie nicht denken, als sie sich umdrehte und auf die nahe Tür zulief. Hinter sich hörte sich schreckliche Geräusche, über die Lilian nicht näher nachdenken wollte. Wie blind tastete sie sich voran. Sie erreichte die Tür, sie kämpfte sich nach draußen in die Kälte, die gegen ihr erhitztes Gesicht schlug.

Das Motorrad stand in der Nähe. Sie nahm es nicht. Es musste auch so klappen. Bis Cove war es nicht besonders weit. In diesem Ort konnte sie Schutz finden.

Und so rannte sie los!

Der Weg führte leicht bergab. Es war am Tag kein Problem, ihn zu laufen. Bei Dunkelheit schon, denn da häuften sich die Hindernisse. Zum Glück gab es keine Bäume, keinen dichten Wald, aber der Boden war auch nicht ohne. An manchen Stellen schimmerte er wie tief gefroren. An anderen wiederum war er weich, sodass sie das Gefühl hatte, durch ein Moor zu laufen.

Der Kampf ging weiter. Die Angst war wie ein Motor, der Lilian Dexter antrieb. Sie schaute nicht einmal zurück. Sie wollte nichts sehen, auch nichts hören am besten, nur weg. Hinein in den Ort, wo sie hoffte Hilfe und ein Versteck zu finden.

Aber wer konnte ihr helfen? Wer war stark genug, sich gegen dieses Monster zu stellen?

Eine Antwort wusste sie nicht. Und das traf auch für das Versteck zu. Sie und Orry waren Fremde. Die Menschen würden sich hüten, sie in ihr Haus zu lassen. Sie und Orry waren den Bewohnern ohnehin suspekt. Alles Andere und Fremde beobachteten sie mit Misstrauen.

Trotzdem lief sie weiter. Immer noch leicht bergab. Immer wieder über den kalten Boden und auch durch eine entsprechend kalte Nacht. Schnee lag nicht, das war ihr Vorteil, und sie tat auch das nicht, was sie so oft in den Filmen sah, wenn eine Frau oder ein Mann vor irgendetwas wegliefen.

Sie fiel nicht hin!

Lilian lief manchmal wie eine Tänzerin, so leichtfüßig. Aber ihre Gedanken waren bei Orry. Wie mochte es ihm jetzt ergehen? Lebte er noch, oder war er schon tot?

An die letzte Möglichkeit wollte sie nicht denken, aber sie wäre logisch gewesen, und deshalb kam sie daran auch nicht vorbei. Es war der Kampf gegen die Zeit, gegen die Verfolgung, und sie stand ihn durch, denn ihre Umgebung änderte sich, und die Umrisse der ersten Häuser erschienen in ihrem Blickfeld.

Nicht alle Fenster der grauen Steinhäuser waren dunkel. Sie sah die Lichter, deren Schein sie lockte, aber Lilian hatte in diesen Momenten andere Sorgen.

Sie musste eine Bleibe finden. Es war er nicht möglich, draußen zu übernachten. Sie konnte sich nicht in irgendeinen Stall verkriechen und dort abwarten, bis etwas geschah. Es war einfach zu kalt.

Dann sah sie mehrere Lichter in einer Reihe vor sich an der rechten Seite.

Im ersten Moment verstand sie nicht, was sie erblickte. Im Kopf war sie noch zu sehr durcheinander. Das Gefühl der Panik wollte sie noch immer nicht loslassen.

Schließlich kam ihr die Erleuchtung. Sie war zugleich die Lösung für ihr Problem.

Rose!

Ja, bei ihr würde sie Schutz finden. Rose führte ein Gasthaus zusammen mit ihren Eltern. Noch am Abend hatten Lilian und Orry bei ihr gesessen und Heilbutt gegessen. Mit Rose verstand sie sich einigermaßen. Sie würde ihr bestimmt Schutz gewähren. Außerdem war die Wirtstochter nicht so verbohrt wie die meisten Bewohner von Cove.

Es war kein Laufen mehr, sondern ein Taumeln, das sie näher an die Tür heranbrachte. Da noch das Licht brannte, würde Rose die Gaststätte geöffnet haben.

Mit letzter Kraft taumelte Lilian auf die Eingangstür zu. Gerade jetzt, wo ein Teil der Spannung sie verlassen hatte, stolperte sie. Sie hatte Glück und fiel nicht zu Boden. Die Tür hielt sie auf.

Mühsam hielt sie sich fest. Und während Lilian keuchend nach Luft schnappte, rannen Tränen über ihre Wangen …

*

Rose Dunn, die Wirtstochter war froh, dass das Haus ihr und ihren Eltern gehört. Hätten sie Pacht zahlen müssen, wäre es kaum gelungen, geschäftlich zu überleben. So aber konnten sie sich durchschlagen, wenn sie die Ansprüche nicht zu hoch stellten.

Im Sommer und im Herbst ging es ja. Da gab es Tage, an denen der Laden richtig brummte. Da hockten dann die Touristen an den Tischen und erzählten sich, was sie alles erlebt hatten. Da floss auch mal das Bier in Strömen, aber im Winter konnte man alles vergessen, abgesehen von ein paar ganz wenigen Ausnahmen.

Dieser Abend war wieder einmal einer gewesen, den sie aus dem Kalender streichen würde. Zwei Gäste hatten gegessen, und die vier anderen, die in den letzten Stunden den Weg in das Lokal gefunden hatten, waren nicht der Rede wert gewesen.

Deshalb hatte Rose Dunn zu einer Radikaltour gegriffen. Ob sie drei oder vier Biere mehr verkaufte, das machte den Kohl nicht fett, deshalb hatte sie die Sperrstunde vorverlegt und den Gästen klar gemacht, dass sie müde wäre.

Ohne zu murren waren sie gegangen.

Für Rose begann die Zeit des Aufräumens. Viel war für sie nicht zu tun. Sie schaltete die alte Glotze ein und sah, das wieder mal eines dieser Gewinnspiele lief, was ihr langsam auf den Wecker ging, weil es einfach zu viele davon gab.

So schaute sie nicht hin, sondern hörte mit einem Ohr den Quizfragen zu, die sie aber trotzdem nicht nachvollzog. Sie wienerte noch das alte Kupfer der Theke und dachte daran, sich ebenfalls etwas zu gönnen. Zum einen eine Zigarette, zum anderen einen Gin!

Die Flasche stand bereit. Das Glas ebenfalls, und das kippte sie fast voll. Danach zündete sie sich dem Glimmstängel an, nahm einen tiefen Zug und blies den Rauch gelassen gegen die Decke. Sie hatte sich auf einen Hocker vor der Theke gesetzt. Hin und wieder warf sie einen Blick auf die Glotze. Das Programm gefiel ihr nicht. Da die Fernbedienung zu weit weg lag und sie keine Lust hatte, sie zu holen, ließ sie das Programm laufen.

Die absolute Stille mochte sie auch nicht. Action war ihr lieber. Und die bekam sie noch in dieser Nacht.

Mit einer heftigen Bewegung drehte sie den Kopf nach links, weil sie ein Geräusch draußen an der Tür gehört hatte. Ihr fiel ein, dass sie nicht abgeschlossen hatte. Es kam immer wieder vor, dass Gäste auch jenseits der Sperrstunde versuchten, noch einen Drink zu bekommen. Genau das hasste sie. Ausnahmen wollte sie nicht machen.

Doch es war kein Gast, der Einlass begehrte. Jemand stieß die Tür von außen auf, bevor Rose reagieren konnte. Eine Gestalt taumelte in das Lokal.

Rose glaubte zunächst, sich geirrt zu haben. Was sie da sah, konnte sie nicht glauben. Eine völlig erschöpfte Lilian Dexter betrat mit über den Boden schleifenden Füßen die Gaststätte und war froh, sich auf den ersten Stuhl in der Nähe der Tür fallen lassen zu können.

Rose, von der Figur ziemlich üppig, zeigte, wie schnell sie sich bewegen konnte. Dass mit ihrem Gast etwas nicht stimmte, lag auf der Hand. Sie lief auf die offene Tür zu und warf einen Blick auf die Straße. Dort tat sich nichts. Keiner kam mehr. Lilian war allein. Noch einmal blickte sie nach rechts und links, aber nur die Dunkelheit lag wie ein Schleier über dem Ort.

Sie drückte die Tür wieder zu. Aus einer Eingebung heraus schloss sie auch ab und drehte sich dann um.

Lilian saß weiterhin auf ihrem Platz. Sie hielt die Beine ausgestreckt. Die Hände hatte sie gegen ihr Gesicht gepresst. Sie weinte, und dieses Weinen – schon mehr ein Schluchzen – schüttelte ihren Körper.

Rose wusste nicht, was mit Ihrem Gast passiert war. Sie wunderte sich nur darüber, dass Lilian ohne ihren Freund Orry gekommen war, und ging davon aus, dass etwas nicht stimmte.

Aber sie wusste sich zu helfen. In Situationen wie dieser Tat ein Whisky immer wieder gut.

Sie schenkte mehr als einen Doppelten ein und ging damit zu Lilian Dexter.

»He, schau mal her!«

Lilian hatte die Stimme gehört. Sie reagierte noch nicht, und musste erst geschüttelt werden, bevor sie aus ihrer Starre erwachte und die Hände sinken ließ.

Rose Dunn erschrak, als sie in das verquollene Gesicht blickte. Lilian sah so fremd aus. Auch die Haut war aufgequollen und hatte einen bläulichen Schimmer bekommen, abgesehen von den roten Stellen.

Die Wirtstochter sagte nichts. Sie hielt Lilian das Glas hin. »Bitte, trink.«

Lilian schaute Rose mit einem langen Blick an. Dann streckte sie beide Hände vor, umfasste das Glas und setzte es an ihre Lippen. Sie sagte dabei nichts, sie zitterte nur, und das auch beim Trinken, sodass einige Tropfen an ihrem Kinn entlangrannen.

Das Glas leerte sie nicht ganz. Sie stellte es zur Seite, als sich noch ein Rest darin befand.

Rose hatte sich so neben sie gesetzt, dass die Lilian anschauen konnte. Und sie hatte sich auch ihre Gedanken über den Zustand der Frau gemacht. Lilian Dexter war allein gekommen, ohne Orry. Daraus folgerte sie, dass mit Orry irgendetwas passiert sein musste. Eine andere Möglichkeit gab es nicht für sie. Nie hätte Orry seine Freundin in einem derartigen Zustand im Stich gelassen.

»Kannst du …«

Rose verstummte, weil Lilian wieder zu weinen begann. Diesmal allerdings hörte es sich anderes an. Es konnte auch ein Weinen der Erleichterung sein.

Die Wirtstochter zündete eine weitere Zigarette an. Sie wollte Lilian zunächst mal in Ruhe lassen. Sie musste sich sammeln. Erst dann würde sie reden können.

»Du bist allein gekommen, nicht?«

Lilian nickte.

Die nächste Frage fiel Rose schwer, auch wenn sie nur aus einem Wort bestand. »Orry?«

Zwei tränenfeuchte Augen schauten sie an. Dann schnappte Lilian nach Luft, nickte und fing wieder an zu weinen. Da flossen die Tränen wie ein Sturzbach.

Rose hatte Mitleid. Sie streichelte über das rote Haar der jungen Frau, die sich schließlich beruhigte, mit einem Taschentuch über die Augen rieb und sich dann schnäuzte.

»Geht es wieder?«, fragte Rose besorgt.

Lilian zog die Nase hoch. »Ja, ich glaube. Ich … ich …bin wieder fast okay.«

»Noch einen Whisky?«

»Nein, nein, nur Wasser.«

»Warte einen Moment.«