John Sinclair Sonder-Edition 2 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair Sonder-Edition 2 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

In Tibet brauchte man dringend unsere Hilfe. Die Augen des goldenen Buddha waren gestohlen worden. Kostbare Edelsteine, ein Vermögen wert, aber auch mit einem grausamen Fluch behaftet.

Doch welcher Dieb hatte die Unverfrorenheit besessen und war in den Tempel eingedrungen? Wir sollten es herausfinden. Suko und ich flogen nach Tibet und merkten sehr schnell, dass wir es mit Gegnern zu tun hatten, gegen die unsere Waffen machtlos waren.

Im Himalaya-Gebirge, auf dem Dach der Welt, kam es zum alles entscheidenden Kampf ...

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Seitenzahl: 172

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Inhalt

Cover

Impressum

Der goldene Buddha

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2015 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Buddha: shutterstock/hin255

Totenkopf: shutterstock/Baimieng

E-Book-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-7325-1605-6

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

John Sinclair ist der Sohn des Lichts. Der Kampf gegen die Mächte der Finsternis ist seine Bestimmung. Als Oberinspektor bei Scotland Yard tritt er Woche für Woche gegen Zombies, Werwölfe, Vampire und andere Höllenwesen an und begeistert weltweit eine treue Fangemeinde.

Mit der John Sinclair Sonder-Edition werden die Taschenbücher, die der Bastei Verlag in Ergänzung zu der Heftromanserie ab 1981 veröffentlichte, endlich wieder zugänglich. Die Romane, in denen es John Sinclair vor allem mit so bekannten Gegnern wie Asmodina, Dr. Tod oder der Mordliga zu tun bekommt, erscheinen in chronologischer Reihenfolge alle zwei Wochen.

Lesen Sie in diesem Band:

Der goldene Buddha

von Jason Dark

Die beiden Männer wussten genau, dass sie einen ungeheuren Frevel begehen würden, doch ihre Gier war stärker. Die Gier nach Geld und Macht!

Geld, viel Geld sollten sie für diesen Raub bekommen, denn die Diamanten des goldenen Buddha waren einmalig auf der Welt. Der Sage nach sollten sie nicht von der Erde stammen. Buddha habe sie bei einem seiner Ausflüge in die Welt der Geister mitgebracht und sie seiner Figur als Augen geschenkt.

So weit die Legende. Was daran stimmte, interessierte die Männer nicht, ihnen ging es allein um die Diamanten, für die sie ein Vermögen bekommen würden.

Sechs Monate hatte ihre Vorbereitungszeit gedauert, denn das Kloster, in dem der Buddha stand, lag in Tibet, versteckt inmitten der grandiosen Bergwelt des Himalaya. Noch nie hatte ein Fremder das Kloster betreten. Es war nach allen Seiten gesichert, und die dort lebenden Mönche standen mit den Geistern der Verstorbenen in Verbindung.

Es gab keinen offiziellen Weg zum Kloster. Man konnte es nur über verschlungene Bergpfade erreichen, wo auf Schritt und Tritt Gefahren lauerten. Die Gegend war rau und gefährlich. Schneestürme wechselten sich ab mit Gerölllawinen. Orkane wüteten in den über viertausend Meter hoch gelegenen Tälern, die von den majestätischen Gipfeln der eisbedeckten Bergriesen überwacht wurden. Der Mount Everest und der Nanga Parbat, die schon so manchen Bergsteiger das Leben gekostet hatten, lagen nicht weit entfernt.

Das Wetter meinte es gut mit den beiden Ganoven. Die Sonne stand am blauen Himmel und sandte ihre Strahlen in das weite Tal, auch wenn sie noch nicht warm genug war, um die Kälte der Nacht zu vertreiben.

Am eindrucksvollsten war die Stille. Man konnte sie schon als gewaltig bezeichnen, und auch der weit über den Männern schwebende Bergadler passte in dieses Bild. Lautlos zog er seine Kreise und hielt mit seinen scharfen Augen nach Beute Ausschau.

Doch die Männer beeindruckte weder die Stille noch die unberührte Bergwelt. Sie dachten nur an ihr Ziel, das sie aus Nepal hierher geführt hatte: den Raub der beiden kostbaren Diamanten.

In den letzten drei Tagen waren ihnen hier oben keine Menschen mehr begegnet. Nicht einmal Ziegenhirten, die mit ihren Herden die riesigen Ebenen durchstreiften.

Bevor die beiden Ganoven ihre letzte Etappe in Angriff nahmen, sahen sie noch einmal auf der Karte nach, die sie in Lhasa einem ermordeten Mönch abgenommen hatten. Mit Kohle war der Weg auf Ziegenlederhaut gezeichnet und anschließend imprägniert worden.

Beide Männer waren gut bewaffnet. Sie trugen moderne Revolver und hatten sich den Bedingungen entsprechend gekleidet: dicke, warme Kleidung, mit Fell gefütterte Parkas und wattierte Hosen. Ihre Füße steckten in Schaftstiefeln, und auch genügend Proviant hatten sie dabei.

Der größere der beiden, der Anführer, hieß Ong-Pal. Er war ein Mann ohne Gewissen und hatte schon in Indien für die Tongs gemordet. Die Tongs waren ein Geheimbund, der die Göttin Kali anbetete.

Ong-Pal kannte keine Hemmungen mehr, verachtete den Glauben und sah nur das Geld. Seine Haut war stark gebräunt, die Augen tiefschwarz. Der dünne Mund zeigte einen grausamen, menschenverachtenden Zug. Mit dem Geld, das er für die Diamanten bekam, wollte er sich ein schönes Leben machen.

Sein Kumpan hieß Ghaliwa. Er stammte aus Afghanistan und war dort in letzter Sekunde einem Hinrichtungskommando entkommen. Auf der Flucht hatte er Ong-Pal kennengelernt, und die beiden hatten sich zusammengetan.

Ghaliwa war kleiner als Ong-Pal, dafür aber breiter in den Schultern. Hemmungen kannte er nicht. Auch er tötete ohne Skrupel, wenn er irgendeine Gefahr sah.

Ong-Pal fuhr mit dem Finger über die Karte, während der kalte Morgenwind von den Eisgletschern ins Hochtal herunterwehte und die Parkas der beiden Männer flattern ließ. Mit dem Finger der rechten Hand deutete Ong-Pal nach Osten, wo sich das Hochtal verengte und herabfallendes Gletschergeröll einen dichten Steinwall bildete.

»Dort müssen wir durch, dann können wir das Kloster sehen.«

Ghaliwa nickte. »Wie lange wird es dauern?«

»Fünf Stunden.«

Wieder das Nicken. Ghaliwa sprach wenig. Er war ein Mann der Tat. Er stellte auch kaum Fragen. Auf ihn konnte man sich hundertprozentig verlassen. Und er murrte oder beschwerte sich selten.

»Vor dem Abend dringen wir dann in das Kloster ein«, fuhr Ong-Pal fort und grinste. »Die Mönche werden uns keinerlei Schwierigkeiten bereiten, und wenn doch, töten wir sie.«

»Ja.« Mehr sagte der Afghane nicht.

Ong-Pal rollte die Karte zusammen und steckte sie weg. Dann zog er seine Handschuhe über. Das Gepäck hatten sie bereits geschultert. Sie wollten es am Fuß des Klosters zurücklassen, damit es sie auf ihrer letzten Etappe nicht behinderte, denn der Pfad zum Kloster rauf war ungeheuer schwierig zu begehen.

Sie marschierten los und gingen leicht gebückt. Ong-Pal als Zweiter, er ließ dem Mann aus den afghanischen Bergen immer den Vortritt.

Ghaliwa lief wie eine Maschine. Monoton, gleichmäßig, auch bei besser begehbaren Strecken. Dafür wurde er auch nicht langsamer, wenn das Gelände schwieriger wurde.

Die Sonne wanderte höher. Sie wurde jetzt wärmer und schmolz den Reif der Nacht von den Steinen.

Zwei Stunden vergingen. Zwei kleine, einsame Punkte wanderten über die gewaltige Hochebene. Sie waren nur zu erkennen, wenn man genauer hinsah. Hin und wieder nahm einer der Männer einen Schluck Wasser aus einem griffbereit hängenden Ziegenlederschlauch. Er war ziemlich leer, doch die beiden Ganoven wussten, dass es in den Bergen genug Wasser gab, um ihn wieder aufzufüllen.

Ein Bergadler begleitete ihren Weg. Er kreiste hoch über ihnen, und Ong-Pal hätte ihn gern abgeschossen, doch die Entfernung war zu groß. Zudem wollte er keine Munition vergeuden.

Schritt für Schritt näherten sich die beiden Männer ihrem Ziel. Sie sprachen nicht miteinander, sondern wanderten schweigend durch die Stille der grandiosen Bergwelt des Himalaya.

Da hörten beide das Rauschen eines Wasserfalls und blieben stehen. Sie sahen sich um. Rechts von ihnen wuchs fast senkrecht eine Steilwand hoch, und aus ihr schäumte kraftvoll das Wasser. Sonnenstrahlen erzeugten ein farbiges Spektrum.

Ghaliwa drehte den Daumen in die entsprechende Richtung. Ong-Pal wusste Bescheid. Die Männer füllten ihre Ziegenlederschläuche nach. Auch dies taten sie schweigend. Nachdem sie sich selbst noch einmal erfrischt hatten, zogen sie weiter.

Als die Sonne ihren höchsten Stand erreicht hatte, sahen sie vor sich den gewaltigen Steinwall. Die Ausläufer hatten sie bereits in der letzten halben Stunde überquert, da waren sie nicht so rasch vorangekommen, weil es doch mühsam war, über die großen Steine zu balancieren.

Jetzt suchten sie nach einem etwas bequemeren Weg, um über den Wall zu gelangen. Doch es gab keinen. Auch war es gefährlich, den Wall zu überklettern, denn immer nachrollendes Geröll hatte die Steine gelockert und brüchig gemacht.

An der rechten Seite ging es etwas besser. Ong-Pal hatte den Weg entdeckt, und Ghaliwa schloss sich dem Tibeter an, nachdem beide einen Teil des Gepäcks abgelegt hatten.

Es wurde eine mühselige Kletterei. Ong-Pal wurde einmal hart an der Schulter getroffen, als ein kopfgroßer Felsbrocken auf ihn fiel, doch der Afghane zuckte mit keiner Wimper. Er konnte Schmerzen aushalten.

Immer wieder fand der Mann aus den Bergen eine Lücke im Geröll, und dann entdeckten die beiden sogar einen kleinen Pfad, der auf der Spitze des Walls entlangführte.

Die Männer blieben stehen. Ghaliwa deutete nach vorn.

Ong-Pal nickte. Plötzlich leuchteten seine Augen, denn er hatte das Ziel gesehen. Das Kloster! Es lag am Ende des Tals. Dahinter ragten steile Wände empor. Auf ihrer Spitze lag eine dicke, bläulich schimmernde Eisschicht, die in der Sonne seltsam glänzte.

Das Kloster wirkte wie eine Festung. Die Mauern schienen unüberwindbar. Von außen gab es dort kaum ein Durchkommen. Die Männer mussten einen anderen Weg finden, wenn sie nicht an den Mauern hochklettern wollten. Leider besaßen sie von dem Kloster keinen Plan. Ong-Pal wusste nur, dass es einen Eingang gab, der von einem Mönch bewacht wurde.

Sieben Stunden waren sie inzwischen unterwegs. Als sie den Wall endgültig hinter sich gelassen hatten, waren es acht geworden. Bevor sie den Rest des Wegs zurücklegten, wollten sie noch eine kleine Pause einlegen und sich stärken.

Auf zwei großen verwitterten Steinen ließen sie sich nieder. Sie aßen trockenes Ziegenfleisch und tranken das kalte Gebirgswasser dazu. Ong-Pal schloss nach dem Essen die Augen, schlief im Sitzen und sammelte so neue Kräfte für die härteste Prüfung, die noch vor ihnen lag.

Nach einer halben Stunde war die Pause beendet. Ong-Pal gab das Zeichen zum Aufbruch.

Sie machten sich wieder auf den Weg. Er war bis zum Kloster frei. Die beiden Männer waren sicher, dass die Mönche sie sehen würden, denn bestimmt hatten sie eine Wache aufgestellt.

***

Die Sonne sank bereits immer tiefer, als die beiden Ganoven auch das letzte beschwerliche Stück des Wegs geschafft und ihr Ziel erreicht hatten. Die Klostermauern wirkten gewaltig, und die dicke Holztür des Eingangs sah unüberwindlich aus. Sie hatte Wind und Wetter getrotzt und war verwittert, aber trotzdem stabil geblieben. Eine Klingel gab es nicht, und die Männer fragten sich, wie sie das Kloster betreten sollten, denn zu beiden Seiten der Tür begannen die enormen Außenmauern.

Ong-Pal wollte schon klopfen, als er das Knarren vernahm. Er ließ die erhobene Hand wieder sinken und schaute wie auch Ghaliwa auf das sich langsam öffnende Tor. Widerwillig, so schien es, gab das Tor den Weg in den Innenhof des Klosters frei. Es wurde nur so weit geöffnet, dass die beiden Männer durch den entstandenen Spalt hindurchpassten.

Ong-Pal ging als Erster.

Ein Mönch sah ihn an. Trotz der Kälte trug er nur ein gelbes Gewand, das so über seinen Oberkörper geschlungen war, dass die rechte Schulter frei blieb. Der Mönch war kahlköpfig und trug auch keine Schuhe oder Sandalen. Er verneigte sich, als die beiden Männer den Innenhof des Klosters betraten.

Die Ganoven blieben stehen. Sie verneigten sich ebenfalls.

Der Mönch begann zu sprechen. Er redete im Hochlanddialekt, den auch Ong-Pal verstand.

»Willkommen, Fremdlinge«, sagte er. »Seid unsere Gäste, und nehmt von dem, was wir euch in unserer Bescheidenheit bieten können.«

»Ich danke dir, auch im Namen meines Freundes, der deine Sprache nicht versteht.«

»Was ist schon eine Sprache, wenn der Mensch, mit dem du redest, gut ist?«, antwortete der Mönch weise, und Ong-Pal nickte, wobei er sich innerlich amüsierte.

»Ihr habt einen beschwerlichen Weg hinter euch und seid sicher müde. Deshalb folgt mir, damit ich euch die Kammern zuweisen kann, in denen ihr euch ausruhen könnt.«

»Wir danken dir.«

»Buddha wird es uns vergelten«, sagte der Mönch und ging vor.

Die beiden Ganoven warfen sich einen bezeichnenden Blick zu. Geschafft, sollte das heißen.

Ong-Pal warf noch einen Blick zurück und war zufrieden, dass die Tür nur durch einen gewaltigen Balken gesichert wurde, den man nur aus der Halterung zu ziehen brauchte.

Sie befanden sich in einem großen Innenhof, dessen Grenze an der gegenüberliegenden Seite die natürliche Felswand bildete. Das Kloster war also direkt an die Wand gebaut worden. Wahrscheinlich gab es auch nur einen Aus- beziehungsweise Eingang.

Das war nicht gut.

Eine Treppe aus Stein führte von außen hoch zu einer Tür, durch die man das Kloster betreten konnte. Jenseits der Treppe, aber auch noch im Innenhof, befanden sich zahlreiche Gräber. Dort wurden die toten Mönche bestattet. Eine Grube war frisch ausgehoben worden. Die Mönche wollten sicherlich einen der ihren beerdigen.

Ihr Führer blieb auf halber Treppenhöhe stehen, weil er die Blicke der Männer bemerkt hatte.

»Ein Bruder von uns ist verstorben«, so erklärte er. »Wir werden seinen Körper in der folgenden Nacht dem Grab übergeben.«

Ong-Pal nickte. Diese Bestattung kam ihren Plänen sehr gelegen.

Der Mönch öffnete am Ende der Treppe eine Tür. Zum ersten Mal betraten die Männer das Innere des Klosters und waren anfangs sehr beeindruckt von der Pracht und der Ruhe, die das Kloster innen ausströmte.

Die Wände sahen aus, als wären sie mit Blattgold überstrichen worden. Bilder, die allesamt Buddha zeigten, bewiesen, dass hier gläubige Menschen lebten. Vor jedem Bild stand ein kleiner Holzaltar, auf dem eine Räucherkerze brannte.

Jetzt erst sahen die beiden Männer, dass die Fenster doch nicht offen waren. Es waren keine Scheiben, sondern ein Material, das Pergamentpapier ähnelte.

Sie gingen den langen Gang entlang, von dem überall Türen abzweigten, hinter denen die Mönche vielleicht ihre Zellen hatten. Dann erreichten sie abermals eine Treppe, die nach unten in einen großen, viereckigen Saal führte, dessen geschnitzter Holzfußboden Szenen aus dem Leben und Wirken Buddhas zeigte. Die Männer fragten sich unwillkürlich, wie diese Pracht in solch ein einsames Bergkloster gelangte. Aber der Fußboden interessierte sie nur in zweiter Linie.

Viel wichtiger war die Figur, die inmitten des hallenartigen Raumes stand.

Der goldene Buddha!

***

Sie waren am Ziel. Endlich. Die Mühen hatten sich gelohnt. Sie hatten fast selbst nicht mehr daran geglaubt, aber nun sahen sie den Buddha vor sich. Er war wirklich einzigartig.

Gefertigt aus purem Gold stand er dort in seiner gesamten Pracht. Die Figur hatte eine sitzende Position eingenommen und die angezogenen Beine übereinandergelegt. Die Arme hatte der Buddha vor der Brust verschränkt, die Hände hielt er dabei jedoch offen. Und darin lag – die Männer konnten es kaum glauben – ein Totenschädel!

Beide waren überrascht, aber sie ließen es sich nicht anmerken, sondern sahen nach oben zum Kopf des Buddha. Dort befand sich das, für das sie all die Mühen auf sich genommen hatten.

Viele Abbildungen zeigen Buddha mit geschlossenen Augen. Hier jedoch war es anders. Diese Figur hatte die Augen geöffnet. Und nicht nur das. Statt Augen befanden sich zwei handgroße Diamanten in den Höhlen. In einem kalten herrlichen Feuer strahlten sie und schienen sogar zu leben.

Einmalig war diese Pracht, und die beiden Männer zeigten sich auch beeindruckt. Ihr Führer war stehen geblieben, damit sie den Buddha betrachten konnten. Dann aber gab der Mönch das Zeichen zum Aufbruch, und alle drei setzen sich in Bewegung.

Sie schritten eine Holztreppe hinab. Als sie unten auf dem wie gewienert wirkenden Holzboden standen, verbeugte sich der Mönch so tief vor der Figur, dass seine Stirn fast den Boden berührte. Die Männer taten es ihm gleich, nur beugten sie sich nicht so tief hinunter. Der Mönch sollte nur sehen, dass auch sie gläubig waren.

Er führte sie an der Figur vorbei. Ghaliwa und Ong-Pal erkannten, dass die Figur, obwohl sie saß, mehr als dreimal so hoch wie ein normaler Mensch war. Sie mussten klettern, wenn sie die Diamanten aus den Augen lösen wollten.

Hinter dem Buddha und am Ende der Halle befand sich eine Tür, die der Mönch aufstieß.

Kühle Luft wehte den Männern entgegen. Kerzen aus Ziegenfett brannten dort und waren durch kleine Hauben abgedeckt, damit sie nicht verlöschten. Die Männer gelangten in einen kahlen Gang, wandten sich nach rechts und sahen schon bald die Öffnungen in der Felswand. Sie waren durch einfache Leinentücher verhängt. Fast bis zum Ende durchschritten sie den Gang. Dann blieb der Mönch stehen und zog einen Vorhang zur Seite.

»Eure Kammer«, sagte er. »Ihr könnt so lange bleiben, wie ihr wollt. Ihr werdet Morgen mit uns speisen und beten.« Der Mönch verneigte sich und verschwand.

Ong-Pal betrat als Erster die Kammer. Ghaliwa nahm eine Kerze mit, damit sie wenigstens Licht hatten. Er stellte sie auf den nackten Boden, genau zwischen die beiden primitiven Lager aus Stroh.

»Da ist ja das Gefängnis in Kabul noch besser«, murrte der sonst schweigsame Ghaliwa.

»Beschwer dich nicht. Es ist ja nur für ein paar Stunden«, erwiderte sein Kumpan.

Die Behausungen waren wirklich primitiv. Man hatte sie kurzerhand in den Felsen geschlagen. Es gab kein Licht, keine Wärme, nur das Stroh und die kahlen Steine.

Die Männer stellten das Gepäck ab. Ong-Pal ordnete an, dass Ghaliwa am Ausgang Wache halten sollte, denn niemand sollte sie jetzt überraschen.

Der Tibeter öffnete den Rucksack und holte etwas heraus, das sorgfältig in Stoff eingewickelt war: ein batteriebetriebener Diamantbohrer! Er war ungeheuer wichtig, denn mit ihm konnten sie die Steine aus dem Gold lösen. Ong-Pal hatte mit diesem Gerät bereits gearbeitet. Er konnte es perfekt bedienen.

Ghaliwa kam wieder zurück. »Hier hörst du keinen Laut«, sagte der große Schweiger.

»Sei doch froh.«

»Richtig, aber ich traue dem Braten nicht. Der komische Mönch hat nichts gesagt, als wir hier angekommen sind, obwohl sich doch bestimmt sonst nie jemand in dieses Kloster verirrt.«

»Die sind eben anders als wir.«

»Ob sie etwas gemerkt haben?«, fragte Ghaliwa.

Ong-Pal setzte den Bohrer zusammen. »Glaube ich nicht. Die leben doch nur in ihrer komischen Welt und interessieren sich nicht für ein anderes Leben.«

»Besser als umgekehrt.«

»Eben.«

»Und was machen wir jetzt?«, fragte der Afghane.

Ong-Pal grinste. »Was ist mit dir los? Bist du nervös? So kenne ich dich nicht.«

»Diese Zelle hier erinnert mich zu sehr an mein Gefängnis in Kabul. Das ist es.«

»Verständlich. Hoffentlich kannst du schlafen.«

»Du willst …?«

»Klar.« Ong-Pal legte den Bohrer zur Seite und ließ sich auf das Stroh fallen. »Wir werden in der Nacht zuschlagen. Du kannst ja noch die Kanonen überprüfen.«

»Mach ich.«

Ong-Pal hörte die Antwort nicht mehr, er war bereits eingeschlafen. Auch der Afghane legte sich nieder, seine rechte Hand jedoch lag auf dem Kolben des schweren Revolvers.

Der Tag neigte sich dem Ende zu. Die langen Schatten der Nacht krochen über den Himmel, füllten das gesamte Hochtal aus und erreichten auch das Kloster, das sie mit einer dunkelgrauen Decke überzogen. Die Tiere legten sich zur Ruhe, die Stille des Hochtals wurde noch intensiver.

***

Auch die Männer schliefen, bis plötzlich ein Gong ertönte, dessen lang gezogenes Echo durch die Gänge des Klosters hallte.

Sofort waren die Ganoven wach. Ghaliwa hatte den Revolver in der Hand und richtete die Mündung auf den Ausgang. Dort bewegte sich nichts. Aber auf dem Gang waren Schritte zu hören. Tapsende Geräusche.

Die beiden Ganoven saßen auf ihren Strohlagern. Die Kerzenflamme war zum Teil heruntergebrannt, sie flackerte, weil sie bereits mit dem flüssigen Fett in Berührung kam.

Keiner kümmerte sich um die Gäste, die Mönche hatten ihre Aufgaben, denen sie nachkamen.

Ong-Pal stand auf und schob den Vorhang ein winziges Stück zur Seite. Jetzt konnte er in den Gang sehen.

»Sie gehen alle in eine Richtung«, sagte er. »Wahrscheinlich zur Beerdigung.«

»Natürlich, das hatte ich vergessen«, sagte Ghaliwa. »Dann können wir ja bald …«

»Genau.«

Die Männer warteten noch eine Viertelstunde. Im Kloster wurde es wieder still. Wahrscheinlich hielten sich die Mönche jetzt im Innenhof auf.

Ong-Pal erhob sich. »Alles klar«, sagte er mit leiser Stimme. »Wir können.«

Ghaliwa stand ebenfalls auf. Die Parkajacke hatte er nicht geschlossen. Er wollte so rasch wie möglich an seine Waffe kommen. Ong-Pal hatte den Vorhang bereits ein Stück zur Seite geschoben und überprüfte den Gang.

»Nichts zu sehen«, meldete er. »Sie sind alle verschwunden.« Er drehte den Kopf und nickte dem Afghanen zu. »Los jetzt, Partner. Die packen wir schon.«

Vor den Mönchen hatten sie keine Angst. Es waren Menschen, die auf jegliche Gewalt verzichteten. Ong-Pal und Ghaliwa würden rücksichtslos von der Waffe Gebrauch machen, wenn sich ihnen jemand in den Weg stellte. Sie waren darauf vorbereitet.

Allerdings sah es so aus, als würden sie den Weg zum goldenen Buddha ohne große Schwierigkeiten schaffen. Sogar Ghaliwa steckte seinen Revolver weg.

Ong-Pal hatte die Führung übernommen. Er bewegte sich geschmeidig und lautlos durch den Gang. Auch sein Partner verursachte keine Geräusche. Immer wenn sie an den Kerzen vorbeistrichen, begannen die kleinen Flammen zu flackern. Vor der Tür, die in die große Halle führte, blieben sie stehen.

Ghaliwa zog seinen Revolver. Damit deckte er Ong-Pal den Rücken, als der Tibeter die helle Holztür aufzog. Von den Mönchen war weder etwas zu hören, noch zu sehen. Wenn sie die Halle wirklich durchquert hatten, so war keine Wache zurückgeblieben.

Dann sahen die beiden Ganoven die Rückseite des Buddha. Und der Anblick dieser goldenen Statue ließ die Herzen der Männer höherschlagen. Am liebsten hätten sie den Buddha vollständig mitgenommen. Leider war das nicht möglich.

Ong-Pal betrat als Erster die Halle. Er ging auf Zehenspitzen über den flachen Holzboden, der in seiner handwerklichen Pracht wohl einmalig auf der Welt war.

Hoch ragte der Buddha vor ihnen auf. Sie gingen um die Statue herum und blieben davor stehen.