John Sinclair Sonder-Edition 63 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair Sonder-Edition 63 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

Es gibt Menschen, die fürchten sich davor, das Wort Tong auszusprechen. Und das nicht ohne Grund, denn hinter diesen vier Buchstaben verbirgt sich das Grauen.
Tongs heißen die asiatischen Geheimbünde, die sich oftmals finsteren Göttern und Dämonen verschworen haben und mit unvorstellbarem Willen ihre Ziele verfolgen.
Der erste Tote war ein Kollege von mir, das zweite Opfer eine junge Frau. Als ich von diesen Todesfällen hörte, nahm ich den Kampf gegen die Tongs auf ...

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EPUB

Seitenzahl: 182

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Inhalt

Cover

Impressum

Todesfalle der Tongs

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2017 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Ballestar/Norma

eBook-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-7325-5433-1

„Geisterjäger“, „John Sinclair“ und „Geisterjäger John Sinclair“ sind eingetragene Marken der Bastei Lübbe AG. Die dazugehörigen Logos unterliegen urheberrechtlichem Schutz. Die Figur John Sinclair ist eine Schöpfung von Jason Dark.

www.john-sinclair.de

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

John Sinclair ist der Sohn des Lichts. Der Kampf gegen die Mächte der Finsternis ist seine Bestimmung. Als Oberinspektor bei Scotland Yard tritt er Woche für Woche gegen Zombies, Werwölfe, Vampire und andere Höllenwesen an und begeistert weltweit eine treue Fangemeinde.

Mit der John Sinclair Sonder-Edition werden die Taschenbücher, die der Bastei Verlag in Ergänzung zu der Heftromanserie ab 1981 veröffentlichte, endlich wieder zugänglich. Die Romane, in denen es John vor allem mit so bekannten Gegnern wie Asmodina, Dr. Tod oder der Mordliga zu tun bekommt, erscheinen in chronologischer Reihenfolge alle zwei Wochen.

Lesen Sie in diesem Band:

Todesfalle der Tongs

von Jason Dark

Erst hatten sie gefleht, dann gebetet. Als beides nichts half und der Zustand ihres Herrn immer schlechter wurde, waren sie gegangen und hatten den Baum am Fluss aufgesucht, wo die Leiche des Mahdi verbrannt werden sollte.

Aber der Mahdi wollte nicht sterben. Er war zwar alt und gebrechlich geworden, aber die innere Kraft steckte nach wie vor in ihm. Und so rief er seine Getreuen zusammen, die vor dem Sterbezimmer warteten.

Die Männer hatten ihre Körper in lange Trauergewänder gehüllt. Selbst die Gesichter waren hinter den Tüchern kaum zu erkennen. Nur die Augen schauten über die Ränder hinweg, in ihnen lag Trauer. Wenn der alte Mahdi starb, ging auch ihre Ära dem Ende entgegen. Die Feinde würden kommen und ihre Ansprüche anmelden.

Noch lebte er.

Dass er sie hatte zu sich rufen lassen, ließ sie hoffen. Sie glaubten plötzlich wieder, obwohl sie nicht darüber sprachen. Aber man hatte ihnen gesagt, dass es eine Möglichkeit gab, um den Tod zu überwinden.

Der Palast des Mahdi lag dort, wo der Dschungel begann und der Tiger des Nachts herrschte. Ein unheimliches Gebiet mit vielen hohen Felsen, dichtem Bewuchs und reißenden Bächen.

Ein Land, in dem vor langer Zeit einmal die mächtige Göttin Kali gewohnt hatte. Eine schillernde Figur, sie war in der Lage, den Tod zu überwinden.

So stand es geschrieben.

Und so glaubte es der alte Mahdi.

Aber konnte sie ihn retten? Manchmal hatte der Alte im Fieberwahn davon gesprochen. Da hatte er aufgeschrien, ihren Namen gerufen, um sich mit ihr zu verbinden.

Er wollte sie sehen, er wollte sie fühlen, denn sie allein konnte seinen Tod in Leben umwandeln.

Die Männer zuckten zusammen, als der Gong durch die große Halle dröhnte. Das Echo schwang an den Wänden entlang und schien den dort aufgemalten grausamen Monstern der indischen Mythologie ein unheilvolles Leben einzuhauchen.

Für die sechs Männer war es ein Zeichen. Jetzt wussten sie, dass der im Sterben liegende Mahdi sie empfangen wollte. Er würde ihnen die letzten Befehle erteilen, und jeder war bereit, sie auszuführen. Nichts sollte sie daran hindern. Sie würden eine blutige Spur hinterlassen, um ihren Herrn ins Leben zurückzurufen.

Und so gingen sie auf die Tür zu, die sich, wie von Geisterhänden berührt, vor ihnen öffnete. Sie liefen über die Schwelle, betraten einen großen, im Halbdunkel liegenden Raum, sahen die mit Tüchern verhängte Liegestatt des Mahdi und den Mann, der neben dem Bett stand. Er war europäisch gekleidet und trug, als Verbeugung an sein Land und seine Heimat einen weißen Turban.

Es war Dr. Rasana, der Leibarzt und Vertraute von Mahdi. Dr. Rasana sollte einmal der Nachfolger von Mahdi werden, obwohl er längst nicht reif genug war, um die Tongs in aller Welt zu führen.

Rasana übernahm die Rolle des Sprechers. »Er hat euch hergebeten, weil er mit euch reden will. Er weiß, dass ihr seine letzten Getreuen seid. Ich bitte euch deshalb, zuerst zuzuhören und dann eine Entscheidung zu treffen.«

Die Männer waren stehen geblieben. Als Zeichen ihres Einverständnisses und ihrer Ergebenheit verbeugten sie sich vor dem Doktor, der sich zur Seite drehte und an einer Kordel zog.

An allen vier Seiten der Liegestatt glitten die Vorhänge hoch.

Von der Decke warfen Lampen ihren Schein in die Tiefe und schufen ein geheimnisvolles Dämmerlicht, das den Schwerkranken selbst bei offenen Vorhängen nicht störte.

In Ehrfurcht gebannt, verharrten die Männer auf ihren Plätzen. Keiner traute sich, näher an das Bett heranzutreten. Sie hatten vor dem, der dort lag, einen Heidenrespekt.

Der Mahdi war einmal, das wussten sie aus Erzählungen, eine imposante Erscheinung gewesen. Ein Mensch, der sich nicht gefürchtet und sich allen Feinden gestellt hatte. Er war ein großer Diener der Göttin Kali geworden und durch ihre Hilfe in seinem Leben zu Rang und Ehren gekommen.

Nun lief die Uhr seines Lebens ab, und es war fraglich, ob Kali ihm helfen konnte.

Der Mahdi hatte über seinen ausgemergelten Körper eine dünne Decke gestreift.

Die Augen lagen tief in den Höhlen, und das graue Haar war fettig.

So hatten ihn die sechs Männer nie zuvor gesehen, und seine Getreuen erschraken innerlich über den Zustand ihres Herrn. Nach außen hin ließen sie sich nichts anmerken.

Der alte Mahdi schien sich zu freuen, als er seine Diener eintreten sah. Er öffnete den Mund. Es waren krächzende Worte, die über seine Lippen kamen. Er gab sich Mühe, verstanden zu werden, und es kostete ihn viel Kraft.

»Ihr habt schon die Trauergewänder übergestreift«, sagte er und lachte leise. »Aber es ist noch nicht so weit. Stellt euch zu mir, ich will euch sehen! Ich habe mich auf euch verlassen, ihr habt mir die Treue geschworen, jetzt werde ich euch um einen letzten Dienst bitten. Seid ihr bereit?«

Sie nickten.

»Dann bin ich zufrieden.« Der alte Mahdi lachte krächzend. »Ich bin alt und kann auf ein langes Leben zurückblicken. Als ich geboren wurde, war mir klar, dass ich einmal ein Großer werden würde. Ein Tong-Führer, der die Tradition dieser geheimen Kasten und Bünde fortführt. Das Bild der Todesgöttin Kali stand an meiner Wiege. Ihr habe ich mein Leben geweiht. Ich war ihr Diener und habe Getreue um mich geschart. Gemeinsam haben wir unsere Macht ausgebaut und Feinde vernichtet, obwohl wir nicht alle schafften, denn einer der mächtigsten Feinde lebt nach wie vor.« Um den Namen aussprechen zu können, holte der Alte rasselnd Luft. »Mandra Korab!«, keuchte er.

Die Getreuen schwiegen ehrfürchtig.

»Dieser Mann hat bisher alles überstanden. Ich hatte geschworen, ihn zu vernichten, doch jetzt stehe ich an der Schwelle zu einer anderen Welt. Man will mich holen, aber ich bin noch nicht bereit, das habe ich der Todesgöttin Kali zu verstehen gegeben. Ich möchte leben, um diesen Feind töten zu können. Versteht ihr das?« Er wartete eine Antwort nicht ab und sprach weiter. »Aber die Göttin hat es verstanden. Ich redete mit ihr, und sie nickte, als ich ihr von meinen Sorgen berichtete.«

Die Männer nickten ebenfalls.

»Sie, die an meiner Wiege stand, schwebt nach wie vor über mir. Ich kann ihren Atem spüren, der kalt aus dem Totenreich in mein Gesicht weht. Doch ich bin ein Mensch, kein Gott. Ich werde irgendwann sterben müssen, aber ich konnte sie überreden, mich am Leben zu lassen. Aber Götter geben nichts umsonst. Sie hat mir eine Bedingung gestellt, die ich allein nicht erfüllen kann. Deshalb habe ich mich an euch gewandt, damit ihr mir helft.« Er hustete trocken, sein Körper wurde durchgeschüttelt.

Dr. Rasana wusste sofort, was er zu tun hatte. Das Glas mit klarem Wasser stand bereit. Er setzte es dem Todkranken an die Lippen.

Der Mahdi schlürfte ein paar Tropfen, dann wollte er nicht mehr. Dr. Rasana zog sich zurück.

Dem Mahdi ging es wieder besser. »Ich wollte mit euch über die Bedingungen sprechen«, flüsterte er. »Kali will ein weiteres Mal erleben, wie ergeben ich ihr bin, und ich habe zugesagt. Wenn ich ihr diesen Wunsch erfülle, soll ich einer derjenigen werden, die den Tod überwunden haben werden. Es gibt nur ganz wenige davon, das hat sie mir gesagt, aber ich werde zu ihnen gehören. Da ich leben will, habe ich ihr versprochen, euch rufen zu lassen, denn ihr seid die Auserwählten, die dieses Versprechen einlösen müssen. Nur ihr könnt es.«

Die sechs Diener verneigten sich. Egal, was der alte Mahdi von ihnen verlangte, sie würden alles tun, denn er war ihr Herr, sie standen tief in seiner Schuld. Er gab ihnen Nahrung und ein Zuhause.

»Die besten Diener habe ich holen lassen. Meine Elite, die mich retten kann.« Noch einmal floss Kraft durch seinen Körper, als er sich ein wenig aufrichtete. »Ihr wisst, dass die Todesgöttin Kali eine Kette aus Menschenköpfen besitzt. Sie ist ihr Symbol. Kali hat mir berichtet, dass sie die Kette nicht mehr haben will. Jemand soll hingehen und ihr eine neue Kette flechten. Eine Kette aus Köpfen, so wie es sich für Schiwas Gemahlin gehört und zur Ehre gereicht. Ihr wisst, dass sie immer bei euch ist.«

Die Männer senkten die Köpfe.

»Sie kann in verschiedenen Gestalten auftreten, ich habe sie schon oft gesehen und kenne ihre Kette. Jetzt, wo die Zeiten auf Sturm stehen, wo andere Mächte und Mythologien sich daran begeben, die Welt der Menschen zu erobern, will sie nicht zurückstehen und als Zeichen ihrer neu entflammten Macht die Kette besitzen. Aber nicht irgendwelche Köpfe sollen es sein. Die Kette muss aus den Schädeln ihrer Feinde bestehen.«

Die Diener unterdrückten ein Raunen.

»Sie hat mir die Namen genannt, ich habe sie meinem Vertrauten, dem Doktor weitergegeben, und der hat sie für euch aufgeschrieben. Sie sind verteilt in vielen Ländern. Eines liegt im Abendland, dessen Bewohner vor langer Zeit bei uns eingefallen sind. Als Rache dafür werdet ihr die Köpfe aus diesem Land holen. Aber denkt daran, es dürfen nur die Feinde der Todesgöttin Kali sein, nur ihre Feinde …«

Bei den letzten Worten war die Stimme des alten Mahdi schwächer geworden. Dr. Rasana trat hinzu und tupfte mit einem blütenweißen Tuch winzige Schweißperlen von der Stirn des Kranken.

Der fügte etwas hinzu. »Erst wenn die Kette fertiggestellt ist, wird Kali ihr Versprechen einlösen und mich leben lassen. Erst dann. Doch hört gut zu, da die Zeit begrenzt ist! Ihr habt eine Woche Zeit. Genau sieben Tage. Geht hin und holt die Köpfe, verbreitet den Schrecken der Tongs, werdet wie eure Vorgänger.« Der Alte schrie plötzlich. »Alle sollen unsere Macht spüren und vor uns zittern. Hier entstand die Welt, wir werden sie wieder beherrschen. Wir, die Tongs …«

Mehr brauchte er ihnen nicht zu sagen.

Die sechs Männer hatten verstanden. Sie verbeugten sich noch einmal und verließen den Raum ebenso lautlos, wie sie gekommen waren. Ein jeder von ihnen war entschlossen, die Bitte des Mahdi zu erfüllen.

Kostete es, was es wollte …

***

Davon wusste Malcolm Dennings nichts, als er seinen Wagen neben einem alten Schuppen parkte, sachte die Tür aufstieß, sich aus dem Fahrzeug drehte und den Wagenschlag so leise wie möglich ins Schloss drückte. Bei seiner Aktion wollte er von niemandem gehört werden, denn Zeugen konnte er auf keinen Fall gebrauchen.

Malcolm Dennings war Polizist. Aber keiner, der in Uniform herumlief, man sah ihn auch nicht in den Fluren von New Scotland Yard, er gehörte zu den »Underground People«, zu den Beamten also, die bei ihrem Dienst, meist auf sich allein gestellt, dem großen Übel der Zeit hinterherjagten.

Dem Rauschgift!

Dennings kannte sich in der Szene aus. Er wusste, wo das Zeug genommen wurde. Keine Gesellschaftsschicht blieb davon verschont. Bis in die High Society führten manchmal die Spuren, denn in solchen Kreisen galt es als chic, sich mit dem Zeug einzudecken.

Vertrieben wurde der Stoff durch sogenannte Dealer. Woher die ihn bekamen, war meist nicht herauszufinden. Als Hintermänner fungierten Geschäftsleute mit nach außen hin weißen Westen, die ihre schmutzigen Jobs durch die legalen Firmen hervorragend tarnen konnten.

Trotz intensiver Fahndung war es Mal Dennings bisher nicht gelungen, an den ganz Großen im Geschäft, Logan Costello, heranzukommen. Er hatte ihm noch nie etwas nachweisen können. Deshalb versuchte er es immer wieder an der Basis oder bei den Dealern.

Sie waren eine besondere Sorte von Menschen. Von zwei Seiten bekamen sie Druck. Ihre Bosse diktierten die Preise, die Abnehmer schrien nach dem Stoff. Und so blieb den Dealern oft genug nichts anderes übrig, als zu betrügen.

Das konnten sie nur bei den Kunden. Da wurde der Stoff gestreckt bis zum Gehtnichtmehr. Wenn die Kunden durchdrehten, lachten die Dealer nur und suchten sich neue Opfer.

»Es gibt genug, die auf die heiße Reise gehen wollen«, lautete die Devise.

Das war natürlich auch einem Mann wie Malcolm Dennings geläufig. Er kannte Schwachstellen, wusste über die Punkte Bescheid, wo er einhaken konnte und hielt sich deshalb an die Betrogenen. Oft musste er nicht selbst eingreifen. Die Leute meldeten sich bei ihm, denn nicht wenige hatte er schon aus dem Dreck gezogen.

Dann kam es zum Verrat. Wenn nichts mehr ging, wurden manche Dealer ans Messer geliefert, und Dennings war oft genug überrascht, mit welchen Informationen die Opfer aufwarten konnten.

Am vergangenen Tag hatte er mit einem der Betrogenen gesprochen, einem Kenner der Szene. Früher war er Arzt gewesen, dann Fixer. Heute war er runter von dem Zeug. Dieser Mann hatte Dennings den Tipp mit dem Schiff gegeben, das im Hafen lag.

Diesen Pott wollte sich Dennings anschauen, da die Chance bestand, einen Dealer bei der Übergabe des Stoffs auf frischer Tat zu ertappen. So etwas war der Idealfall, und Dennings bewegte sich dabei in einem Rechtsrahmen, der an gewissen Stellen, das gab er selbst zu, ein wenig unsicher war. Aber er musste manchmal diesen Weg gehen, um Erfolg zu haben, denn die Dealer machten nie den Mund auf, sie waren nicht lebensmüde. Die über ihnen Stehenden kannten kein Erbarmen.

Natürlich war der Job brandgefährlich. Dennings war entsprechend ausgebildet, und er kannte den Hafen wie seine Westentasche.

Wo sich Dennings aufhielt, war es einsam. An diesen Piers hatten nur wenige Kähne angelegt. Sie standen noch auf der Warteliste. Erst am nächsten oder übernächsten Tag würden sie zu den Verladepiers fahren und die Ladung dort löschen.

Dennings bewegte sich geschmeidig. Seine Turnschuhe ließen ein lautloses Laufen zu. Er näherte sich der hoch aufragenden Schiffswand und blieb unter den langen, zu den Pollern führenden Stahltrossen stehen.

Keine Schritte hörte er in seiner Umgebung. Die Stille war gespenstisch. Lampen brannten erst ein Stück entfernt.

Er musste auf das Schiff. Ob der Übergeber des Stoffs bereits an Bord war, konnte er nicht sagen. Ein Wagen jedenfalls parkte nicht in der Nähe. Dennings wartete. Er war kein Film-Agent. Von der Figur her eher klein, dafür kräftig gebaut. Das dunkle Haar war kurz geschnitten, und wer sein Dutzendgesicht sah, vergaß es bald wieder.

Der Wind hatte nachgelassen. Selbst am Hafen wehte nur mehr eine leichte kühle Brise. Das Klatschen der Wellen hörte er schon nicht mehr, sein Sinnen und Trachten galt anderen verdächtigen Geräuschen.

Auf dem Schiff brannte nur die Notbeleuchtung. Ein paar trübe, gelbe Flecken in der Dunkelheit. Hin und wieder zogen träge Dunstfetzen durch die hellen Lichtkreise der Lampen. Es sah aus, als hätten sich Gespenster auf den Weg gemacht, das Schiff zu erobern.

Kapern aber wollte es Dennings.

Er fand immer eine Möglichkeit. Schon des Öfteren war er an den Trossen hochgeklettert, um sich über die Reling zu schwingen. Das brauchte er hier nicht.

Für den »Besuch« hatte man die Gangway ausgefahren, und die benutzte der Mann auch. Soweit er hatte erkennen können, war keine Wache aufgestellt worden. Dealer und Händler fühlten sich oft genug so sicher, dass sie das nicht für nötig hielten.

Rasch war er an Bord und tauchte sofort in Deckung. Es roch nach frischer Farbe. Auf dem Deck war es schmutzig, und Dennings sah vor sich die hohen Aufbauten.

Er hatte Routine und kannte die Plätze, wo häufig die Übergabe stattfand. Das geschah entweder auf der Brücke oder in der Kabine des Kapitäns. Dennings entschied sich für die Kapitänskajüte.

Andere wären vielleicht über Deck geirrt, nicht so ein Mann wie Dennings. Schiffe kannte er wie seine Westentasche. Zielsicher bewegte er sich an Deck.

Es ging ihm zu glatt. Bevor Dennings den Niedergang betrat, blieb er noch einmal stehen. Der Pott war von Brasilien gekommen und hatte den Atlantik befahren.

Von der Besatzung ließ sich niemand blicken.

Sollten sie alle Landgang bekommen haben? Schwer vorstellbar, denn beim Löschen der Ladung brauchte man Leute, die fit waren.

Ein totes Schiff lag vor Dennings. Er selbst kam sich ebenfalls wie tot vor. Dieser verdammte Pott strahlte eine Atmosphäre aus, die einen Menschen einlullen konnte.

Er hörte die Schritte!

Auf der Stelle war Dennings hellwach. Es musste eine Deckwache geben. Vielleicht hatte sie bisher geschlafen, war nun aufgewacht und schlich über die Planken.

Dennings erstarrte. Nichts an ihm rührte sich. Er hatte gelernt, warten zu können, und so reagierte er hier ebenfalls. Stillstehen und an nichts denken.

Die anderen kommen lassen. Sie kamen nicht. Er hörte zu, wie sich die Schritte entfernten.

Dennings gab einige Warteminuten zu. Dann erst setzte er sich in Bewegung. Die Richtung hatte er sich gemerkt. Er nahm ungefähr den gleichen Weg und erreichte den Niedergang, den er gesucht hatte. Unter Deck brannte Licht. Es musste auch der Weg zu den Kabinen sein, denn die Zugänge zu den Frachträumen sahen anders aus.

Auf Zehenspitzen bewegte sich Dennings. Seine Waffe trug er an der linken Seite. Er hatte den Revolver ein wenig gelockert, um ihn schneller ziehen zu können.

Im Gang brannte Licht.

Der Schein erinnerte mehr an eine Notbeleuchtung. Man konnte sich dennoch orientieren, und Dennings wandte sich nach rechts, da er die Schritte des anderen nicht mehr hörte und er nur seinem Gefühl nachging.

Dies war kein Luxusschiff, das merkte der Agent deutlich. Alles wirkte ein wenig vergammelt, auf Schönheit hatte man keinen Wert gelegt. Hier sollte alles funktionieren.

Irgendwo rauschte eine Wasserspülung. Er hörte ein raues Lachen.

Mehr Geräusche drangen nicht an seine Ohren. Im Schein der Notbeleuchtung lag der Gang verlassen vor ihm. Und dort ging es zur Kapitänskajüte. Dennings schaute sich nicht um. Das war sein Fehler. Hätte er es getan, so hätte er den Schatten gesehen, der sich an seine Fersen geheftet hatte.

So aber blieb er ahnungslos.

Die Tür sah er zunächst nur als Schatten, der an den Rändern zerfaserte.

Dennings Hand näherte sich der Klinke. Es war die linke, mit der rechten hielt er bereits die Waffe umklammert. Plötzlich spürte er innere Kälte. Sie überfiel ihn oft, wenn er dicht vor einem entscheidenden Einsatz stand. Vorsichtig zog er die Tür auf, bis der Spalt armbreit war und er hindurchschauen konnte.

Die Stimmen und das Lachen der Männer interessierten ihn. Beides war glücklicherweise so leise zu hören, dass Dennings aufatmete.

Wo sich die Männer aufhielten, wusste er nicht. Er stand in einem kleinen Flur. Viereckig angelegt, mit Haken an den Wänden, wo Kleidungsstücke hingen.

Er sah einen Regenmantel, zwei Overalls und die Mütze des Kapitäns. Ein verziertes Fantasiegebilde mit Anker.

Sacht zog er die Tür hinter sich zu. Unter zwei Türen konnte er jetzt wählen. Die eine war schmal. Das Mahagoniholz glänzte im Licht des Deckenstrahlers.

Die breitere Tür musste zu seinem Ziel führen. Sie bestand ebenso aus Mahagoniholz, und hinter ihr hörte er die Stimmen jetzt deutlicher.

Dennings ging bis zu seinem Ziel vor, bückte sich dort und legte sein Ohr an die Tür.

Was gesprochen wurde, verstand er nicht, aber er ging davon aus, dass es sich um zwei bis drei Personen handeln musste. Eine hustete.

Drei gegen einen!

Die Spiele kannte er. Sie waren immer heiß. Bisher hatte Dennings Glück gehabt, weil der Überraschungseffekt stärker gewesen war als die Bewaffnung der anderen.

Aber die Situation war nie gleich. Er wusste nicht, wer den Kapitän dieses Schiffes besucht hatte. Das hatte ihm sein Informant leider nicht mitteilen können.

Die Dealer reagierten oft genug wie Klapperschlangen. Wenn sie sich in die Enge getrieben sahen, drehten sie durch und wurden brandgefährlich.

Er hörte ein hässliches Kichern. Es klang, als hätte sich jemand verschluckt.

Dadurch waren die Typen sicherlich abgelenkt, und Dennings beschloss, die Gunst der Sekunde zu nutzen.

Er stieß die Tür auf!

***

Sie saßen am Tisch wie Pokerspieler, waren völlig ahnungslos und schreckten erst zusammen, als Dennings schon im Raum stand, sie mit der Waffe bedrohte und die Tür mit der freien Hand wieder hinter sich zuschob.

Drei Köpfe drehten sich in seine Richtung. Sechs Augen starrten ihm ins Gesicht.

Dennings nickte nur. »Hi«, sagte er und bewegte seine Waffe im Halbkreis. »Da scheine ich ja gerade rechtzeitig gekommen zu sein.«

Niemand gab eine Antwort. Dennings sah sich die Kerle an. Der Kapitän hatte seine Uniformjacke hinter sich über die Stuhllehne gehängt. Er trug ein weißes Hemd mit dicken Schweißflecken unter den Achseln. Sein Gesicht war hager, die Haut hatte einen gelben Ton. Unter der Tropfnase wuchs ein dunkler Schnauzbart, der die Oberlippe bedeckte.

Die andern beiden kannte Dennings. Sie waren Dealer aus der Londoner Szene. Zwei große Afroeuropäer, die mal als Tänzer gearbeitet hatten. Später, als sie die Dreißig überschritten hatten, waren sie ins Rauschgiftgeschäft eingestiegen.

Diese Typen waren schnell mit dem Messer. Ihre Kleidung zeigte eine billige Eleganz. Sie trugen Strassschmuck auf den Jacken und erinnerten an Frauen.

»Ach, Dennings«, sagte einer.

»Richtig.«

Der Kapitän reagierte sofort. »Ihr kennt dieses Arschloch?«

»Leider. Ist ein Bulle.«

»Was will der denn hier?«, fragte der Kapitän.

»Nur den Puder.«

Und dieser Puder stand auf dem Tisch. Ein Plastiksack, randvoll mit Heroin.

Dennings ging zur Seite, sodass er neben dem Tisch, aber schräg hinter dem Kapitän stand. Der war bleich geworden und zuckte nervös mit dem Mund. Dann hatte er sich überwunden und schob seine Hand vor. Er wollte nach dem Sack greifen.

Dennings trat gegen sein Bein. »Lass das!«

»Verdammt!« Der Knabe regte sich auf. »Das ist mein Schiff …«

»Weiß ich.«

»Du hast hier nichts zu suchen, Bulle.«

»Im Normalfall nicht, aber wenn ihr Puder mitbringt …«

»Was?«

»Reden Sie nicht«, sagte Dennings. »Her mit dem Zeug!«