John Sinclair Sonder-Edition 67 - Jason Dark - E-Book

John Sinclair Sonder-Edition 67 E-Book

Jason Dark

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Beschreibung

In Cannes befreite er eine Millionärstochter aus den Händen von Kidnappern. In einer New Yorker Superdisco nahm er es mit drei Raubmördern gleichzeitig auf. In St. Moritz rettete er vier Menschen aus einer defekten Seilbahn.

Er war der Star des Jetsets. Wenn Damiano Fulgera auftrat, begannen die Herzen der Frauen höherzuschlagen, und die Männer schauten neidisch drein.

Bis er nach einem von ihm manipulierten Flugzeugabsturz seine Rechnung für die Taten präsentierte. Geld wollte er nicht - dafür Blut!

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EPUB

Seitenzahl: 181

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Inhalt

Cover

Impressum

Der Jetset-Dämon

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2017 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Ballestar/Norma

eBook-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-7325-5851-3

„Geisterjäger“, „John Sinclair“ und „Geisterjäger John Sinclair“ sind eingetragene Marken der Bastei Lübbe AG. Die dazugehörigen Logos unterliegen urheberrechtlichem Schutz. Die Figur John Sinclair ist eine Schöpfung von Jason Dark.

www.john-sinclair.de

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

John Sinclair ist der Sohn des Lichts. Der Kampf gegen die Mächte der Finsternis ist seine Bestimmung. Als Oberinspektor bei Scotland Yard tritt er Woche für Woche gegen Zombies, Werwölfe, Vampire und andere Höllenwesen an und begeistert weltweit eine treue Fangemeinde.

Mit der John Sinclair Sonder-Edition werden die Taschenbücher, die der Bastei Verlag in Ergänzung zu der Heftromanserie ab 1981 veröffentlichte, endlich wieder zugänglich. Die Romane, in denen es John vor allem mit so bekannten Gegnern wie Asmodina, Dr. Tod oder der Mordliga zu tun bekommt, erscheinen in chronologischer Reihenfolge alle zwei Wochen.

Lesen Sie in diesem Band:

Der Jetset-Dämon

von Jason Dark

Die Stimme des Mannes mit dem etwas dicklichen Gesicht klang beinahe gleichgültig, aber Sandra Ceur, die junge Frau aus Paris, wusste, dass der Sprecher es tödlich ernst meinte.

»Wenn dein Vater nicht zahlt, machen wir dich einen Kopf kürzer.«

Sandra schloss für einen Moment die Augen. Sie dachte daran, wie die beiden Männer sie vor dem Haus ihrer Freundin geschnappt und in einem Wagen entführt hatten. Erst am Zielort war sie wieder richtig zur Besinnung gekommen. Wo sie steckte, wusste sie nicht. Es musste eine alte Baracke sein oder ähnliches. Weit jedenfalls waren sie nicht gefahren. Wahrscheinlich befanden sie sich noch in Cannes.

Zwei Tage lag das zurück. Das Ultimatum lief in wenigen Stunden ab.

Zwei Millionen Francs lautete die Forderung.

Für Sandras Vater kein Problem, er verdiente mit seinen Jachten, die er verlieh und baute, genug, aber sie fragte sich, ob er bereit war zu zahlen, denn der alte Ceur galt in der Branche als einer der ganz Harten.

Es war ein zweiter Mann im Raum. Er roch nach einem scheußlichen Rasierwasser und hielt sich stets in Sandras Rücken auf. Sie hatte ihn kaum gesehen, nur gespürt, denn seine Finger waren wie Gummischnüre über ihren Körper geglitten und hatten sie an den intimsten Stellen berührt.

Auch jetzt hörte sie wieder seine Schritte, sodass sie die Augen öffnete, aber nicht wagte, sich umzudrehen. Stattdessen starrte sie den Kerl mit dem dicklichen Gesicht an, der sie lauernd und abschätzend betrachtete und grinste.

Als der Rasierwasserduft Sandras Nase erreichte, wusste sie, dass der Typ direkt hinter ihrem Stuhl stand, auf dem sie gefesselt saß. Sie war keine besonders hübsche junge Frau, aber sehr liebenswert und gefällig. Das blonde Haar trug sie kurz geschnitten. Nur im Nacken war es etwas länger geblieben. So liefen heutzutage viele junge Frauen herum.

Und da waren sie wieder. Diese widerlichen Gummifinger. Sie strichen über die Schultern, als wollte sie der Kerl auf diese Art und Weise auf das Kommende vorbereiten.

Sandra trug zwar eine Bluse, aber die war von den Gummifingern längst geöffnet worden. Sie schüttelte sich, als die Pranken über ihre Brüste fuhren.

Kühl und schweißnass war die Haut auf den Innenflächen der Pranken.

»Moment«, sagte der Kerl vor ihr. Er saß hinter der dicken Platte einer alten Tischlerbank und wirkte so wie jemand, der hinter einem Schreibtisch Platz genommen hatte.

Die Hände verharrten auf der Stelle.

Der Typ mit dem feisten Gesicht schob den Arm über die Platte und schnappte sich die Brille der Gefangenen, die darauf lag.

»Schau her, Mademoiselle.« Immer wenn er etwas vorhatte, setzte er dieses gemeine Lächeln auf. »Sieh hin, ich werde dir etwas zeigen.« Er hatte das letzte Wort kaum ausgesprochen, als er mit einem Ruck die Brille in zwei Hälften zerbrach. Das Horn zerknackte.

Bei diesem Geräusch fuhr die Gefangene zusammen.

»So wie ich diese Brille zerbrochen habe, werde ich dein Leben zerbrechen, falls in zwei Stunden die Geldscheine nicht zwischen meinen Fingern knistern. Hast du verstanden?«

Sandra konnte vor Angst nicht einmal nicken.

Hinter ihr zog der Parfümierte die Nase hoch. »Ich kann das erledigen. Ich werde sie erst …, und dann nehme ich die Klinge.«

»Wir werden losen.«

»In Ordnung.«

Sandra wäre nicht in der Lage gewesen, nur ein Wort zu sagen. Stattdessen starrte sie das Telefon auf der Drehbank an. Sie wusste, dass ein dritter Kerl zu den beiden gehörte. Er lauerte draußen und würde Bescheid geben, wo das Geld übergeben werden sollte.

Falls sich der alte Ceur dazu entschloss.

Doch der Apparat schwieg. Er würde weiterhin schweigen, dessen war sich Sandra bewusst. Sie kannte ihren Vater. Er versuchte alles aus eigener Kraft zu erledigen und nahm er so gut wie keine Rücksicht auf die Familie.

»Du kannst weitermachen«, sagte der Kerl an der Bank. »Ich schaue dir gern zu.« Er lachte dreimal kurz und heiser. Dabei strich er mit einer Hand über sein schütteres graues Haar. Es war so gekämmt, dass es einen Großteil seiner Kahlköpfigkeit verdeckte.

Und die Hände setzten ihre Wanderung fort. Der jungen Frau jagten Schauer über den Rücken.

Plötzlich verharrten die Hände, und der Mann vor ihr setzte sich steif hin. Beide Männer schienen etwas gehört oder gesehen zu haben, wovon die junge Frau nichts mitbekommen hatte.

»Geh zur Tür!«

Der Befehl hatte dem Parfümierten gegolten, der seine Hände aus dem weiten Blusenausschnitt nahm, sich drehte und mit lautlosen Schritten im Hintergrund des Raums verschwand. Dass er mit einer geschmeidigen Bewegung ein feststehendes Messer aus einer Gürtelscheide zog, konnte die junge Frau nicht sehen.

Der mit dem schwammigen Gesicht hüstelte leicht. Ein Zeichen seiner Nervosität. Da nur durch ein Fenster Licht sickerte und die anderen durch Vorhänge verdeckt wurden, griff der Kidnapper an der Drehbank zu einer Stablampe und leuchtete an Sandra vorbei. Er wollte seinen Partner genau im Lichtkegel haben.

Das war leicht.

Der Mann stand bereits einen halben Schritt vor der Tür. Er wollte mit der freien Hand den Schlüssel ins Schloss schieben, als es geschah.

Von der anderen Seite her wurde die Tür mit einer immensen Wucht aufgestoßen. Der Parfümierte konnte nicht mehr ausweichen, und so knallte sie dem hinterlistigen Messerstecher ins Gesicht.

Diesen Treffer hätte wohl der härteste Catcher nicht verdaut.

Heulend fuhr er zurück. In seinem Gesicht vermischten sich Blut und Tränen miteinander, die Schmerzen schienen den Schädel zu zerreißen, und als er auf die Knie sackte, seine Hände gegen das Gesicht presste, dachte er nicht mehr an die Klinge.

Sandra Ceur kamen die folgenden Vorgänge wie ein Albtraum vor.

Der Mann mit dem dicken Gesicht schoss hinter dem drehbankähnlichen Schreibtisch in die Höhe. Waren seine Hände bisher leer gewesen, hatte sich dies geändert. Ein Waffenlauf schaute aus seinen Fäusten hervor.

Und diese Waffe spuckte Feuer. Mit einer Beweglichkeit, die man dem Kerl kaum zugetraut hätte, sprang er auf die Drehbank und feuerte in die Tiefe.

Er streute die Kugeln, die gegen den Boden oder das Mauerwerk hieben und denjenigen trafen, der eingedrungen war.

Ein hoher Schrei durchzitterte den Raum. Im nächsten Augenblick sah Sandra einen maskierten Mann an ihrem Stuhl vorbeistolpern. Er trug einen dunklen Anzug und eine Kapuze auf dem Kopf. Bestimmt hatten ihn mehrere Geschosse getroffen. Dass er sich noch auf den Beinen hielt, glich einem kleinen Wunder.

Den Tisch erreichte er nicht. Auf ihm stand nach wie vor der Mann mit der MP, deren Mündung auf den zwischen Stuhl und Tisch zusammenbrechenden Eindringling wies, der auf dem Bauch liegen blieb und sich nicht mehr rührte.

Bestimmt war er tot.

Sandra und ihr Kidnapper dachten das Gleiche.

Nur sprach es der Kerl aus. »Da hat dein Alter wohl den Falschen geschickt, um dich rauszuholen. Nicht bei mir, nicht bei uns. Wir sind um eine Klasse besser.« Erst jetzt sprang er auf den Boden, kümmerte sich aber nicht um seinen Partner, sondern ging auf den Maskierten zu.

Neben ihm blieb er stehen, bückte sich, packte den anderen am Kragen und wollte ihn hochhieven.

Der »Tote« kam ihm zuvor. Urplötzlich wurde er verdammt lebendig und ebenso gefährlich.

Aus dem Mund der jungen Frau löste sich ein überraschter Schrei, als sie sah, dass der angeblich Tote etwas Blitzendes in der rechten Hand hielt, mit dem er pfeilschnell zustieß.

Der blitzende Gegenstand fuhr unter dem Waffenarm des Kidnappers hinweg und traf voll.

Die Stablampe lag am Boden. Durch einen Zufall war sie so gefallen, dass ihr Lichtstrahl den Kidnapper erreichte und einen hellen Streifen in dessen Gesicht warf.

Der Ausdruck in seinem Gesicht war Staunen. Schnell aber wechselte er. Plötzlich zeichnete der Schmerz seine Züge.

Der Kerl musste innerlich verbrennen, anders konnte sich Sandra den Ausdruck nicht erklären. Aber er fiel nicht. Nur die Maschinenpistole rutschte ihm aus den Fingern und landete mit einem dumpfen Laut auf dem Boden.

Rückwärts ging der Kidnapper. Als er mit dem Rücken gegen das Mittelding aus Schreibtisch und Drehbank stieß, glich diese Berührung einer Initialzündung.

Beinahe im Zeitlupentempo drehte er sich zur Seite, streckte in einer unsinnig wirkenden Bewegung seinen Arm aus und blieb unbeweglich liegen. Unter seinem Körper sickerte eine immer größer werdende Blutlache hervor.

Der Maskierte drehte sich um. Um Sandra kümmerte er sich nicht. Er trat an den zweiten Kidnapper heran, stieß ihn mit dem Fuß an, sodass der Kopf des Mannes herumrollte und der andere in dessen Gesicht schauen konnte, das kaum noch Ähnlichkeit mit dem eines Menschen hatte.

Der Fremde hob nur die Schultern. Dann wandte er sich der gefesselten Sandra zu.

Ihre Angst war plötzlich verschwunden. Sie hatte das Gefühl, als würde der Mann unter der seidig schimmernden Kapuze lächeln, zumindest bewegte sich der Stoff vor seinem Mund.

Auch als die Messerklinge in die Nähe ihres Körpers geriet, verspürte sie keine Furcht. Sie schlug einen blitzenden Kreisbogen, als der Fremde mit geschickten Schnitten die Fesseln der jungen Frau durchtrennte.

Sandra Ceur war frei.

Und sie wäre vor Schwäche gefallen, hätte sie der Fremde nicht gestützt. Sein Griff war fest, aber er schmerzte nicht. Dieser Mann besaß eine ungewöhnliche Kraft.

Als wäre sie ein Leichtgewicht, nahm er Sandra auf seine Arme. Mit ruhigen Schritten ging er dem Ausgang entgegen, wo sie wenig später in einem von Mauern abgeschirmten Hof standen.

Dort parkte ein Wagen.

Ein pechschwarzer Saab Turbo. Die hintere linke Tür stand offen. Ohne ein Wort mit Sandra gesprochen zu haben, schob sie der Fremde in den Fond, hämmerte die Tür zu und stieg selbst ein. Erst als er den Hof verlassen hatte, kam die junge Frau richtig zu sich. Sie richtete sich mühevoll auf, um den Mann anzusprechen. Schließlich musste sie sich für ihre Rettung bedanken.

Als sie den Arm vorstreckte, berührten ihre Finger eine dicke Scheibe, die den Fond vom Fahrerteil des Automobils abtrennte. Sofort flutete wieder diese Furcht in Sandra hoch. War sie vom Regen in die Traufe gekommen?

Sie war gefangen!

Das plötzliche Zischen kam ihr vor, als würde in ihrer Nähe eine Schlange liegen, dabei strömte aus einem Ventil Gas aus.

Sandra hielt die Luft an und fiel in Ohnmacht.

Der Mann hinter dem Lenkrad nahm endlich seine Maske ab. Über seine Lippen glitt ein zufriedenes Lächeln …

***

Etwas Feuchtes rollte heran, näherte sich dem Körper der im Sand liegenden jungen Frau und leckte wie eine feuchte Hundezunge ihre Stirn und die Wange.

Beim dritten Mal hatten die auslaufenden Wellen Erfolg. Sandra öffnete die Augen.

Schlagartig kam die Erinnerung zurück. Sie dachte an ihre Entführung, an den Mann mit den gierigen Händen und an den Kerl mit der Maske, ihren Befreier.

Dann hatte sie das Gas eingeatmet, war bewusstlos geworden – und jetzt? Verwirrt richtete sie sich auf. Aus der Ferne hörte sie das Schreien und die lauten Stimmen der Badegäste. Erst jetzt, als der Schwindel aus ihrem Kopf verschwunden war, stellte sie fest, wo man sie hingeschafft hatte. An einen Teil des Strands, der zu felsig und zu schmutzig war, um sich als öffentlicher Badeplatz zu eignen.

Die Stimmen erreichten sie aus Richtung Cannes, und dieses Gelächter und das Rufen bedeutete ebenso Leben wie die bunten Segel der Surfer auf dem blaugrünen Wasser.

Ich lebe, dachte sie.

Mein Gott, ich bin nicht tot. Man hat mir das Leben wiedergegeben.

Es war der Maskierte, der sie befreit hatte. Ein edler Retter, dessen Namen sie nicht einmal kannte.

Die Angst der vergangenen Stunden und Tage schaffte sich bei ihr in einem lauten Gelächter Luft. Sie musste einfach lachen, es war ihr egal, wenn es andere hörten.

Sie saß, bewegte ihre Hände zwischen Sand und Felsen, und dabei fiel ihr etwas zwischen die Finger.

Eine kleine Karte, ein Stück Papier oder Karton.

Sie hob es auf, hielt es vor die Augen, um die Schrift lesen zu können.

Auf Büttenpapier war in schwarzen Buchstaben ein Name gedruckt.

Damiano Fulgera!

Sandra war davon überzeugt, den Namen ihres Lebensretters gelesen zu haben. Und ein Mann, der so hieß, der würde sich sicherlich finden lassen …

***

In Neapel war es warm gewesen, und ein Stück südlicher, im Schatten des Vesuv, war die Temperatur schon sommerlich heiß. Das machte mir nichts aus nach diesem langen, verfluchten Winter. Ich hatte mich eigentlich auf die Sonne gefreut.

Aber ich verbrachte keinen Urlaub in dieser Region, sondern war mit einem handfesten Auftrag unterwegs.

Ich suchte einen Vampir! Ein englischer Tourist, dessen Verwandter bei Scotland Yard arbeitete, hatte bei seinem Urlaub das Grab eines Vampirs zwischen den erstarrten Lavafelsen entdeckt. Angeblich sollte diese Gruft von einem Blutsauger belegt sein.

Nun, mein Chef Sir James wollte mir und Suko nach den harten Einsätzen etwas Gutes tun und hatte uns losgeschickt. Wir hatten nur eine ungefähre Beschreibung des genauen Fundorts bekommen und uns deshalb getrennt auf die Suche gemacht.

Zum Schutz gegen die Sonne hatte ich mir eine Popelinemütze gekauft. Sie besaß einen breiten Schirm aus dunkelgrünem Plastik, sodass ich fast aussah wie ein Amerikaner auf Europatrip.

Den Leihwagen, einen kleinen Fiat Ritmo, hatte ich dort stehen gelassen, wo der Weg endete und in eine steinige, staubige Piste überging.

Da kam höchstens ein Landrover voran und auch nur, wenn der Weg breit genug war.

Das poröse Gestein hatte einen großen Teil der Hitze geschluckt.

Es war heiß.

An besonders empfindlichen Stellen hatte ich den Eindruck, als würde es allmählich anfangen zu kochen. Grauschwarz präsentierte es sich mir, und wenn ich nach Süden schaute, sah ich einen gewaltigen flachen Kegel, der das Ende eines Bergs bildete, der Geschichte gemacht hatte. Es war der Vesuv. Vor lauter Smog war er allerdings kaum zu sehen.

Neapel war daran schuld, diese Stadt, die man lieben und hassen konnte. Ich brauchte mich nur zu drehen, um sie im Tal liegen zu sehen. Ein gewaltiges Häusermeer. Die neu errichteten Hochhäuser wirkten wie die Kulisse zu einem modernen Horrorfilm. Man hatte nicht viel nach dem verheerenden Erdbeben der letzten Jahre gelernt und genauso primitiv wiederaufgebaut, um schnelle Lira in die Kassen der mafiaabhängigen Gesellschaften fließen zu lassen.

In Neapel steckte der Wurm, und es würde sich niemand finden, der ihm den Garaus machte. Der wirkte wie eine Hydra. Schlug man ihm einen Kopf ab, wuchsen sofort neue nach.

Es gab auch eine andere Seite dieser Stadt. Es war der Golf, über dem allmählich die Sonne versank und die sonst graugrüne Oberfläche mit einem faszinierend wirkenden goldenen Schein übergoss, der zu wandern schien, je nachdem, wie sich die Wellen bewegten und auf das Ufer zurollten.

Ich war nicht zum ersten Mal in Neapel. Ungern erinnerte ich mich an den Fall, als ich den Unhold suchte und Mandra Korabs Dolche hatte finden wollen.

Die Strecke war mir beschrieben worden. Ich führte eine Zeichnung bei mir. Suko hatte ein Duplikat der Zeichnung eingesteckt, er kam nur von einer anderen Seite den Berg hoch. Wir hatten uns ausgerechnet, dass wir ungefähr zur gleichen Zeit an der Grabstätte dieses angeblichen Vampirs zusammentreffen würden.

Wenn ich daran dachte, dass wir die Chance bekommen hatten, drei bis vier Tage Urlaub einlegen zu können, wollte ich die Strapazen des Fußmarsches gern auf mich nehmen und gegen Hitze sowie Staub ankämpfen.

Die Strecke zog sich hin. Sie schien aus einem Gummiband zu bestehen, das mal breiter gezogen worden war, dann in zahlreichen Kehren und Serpentinen verlief, um irgendwann einmal ein Stück geradeaus zu laufen, dabei aber an Höhe gewann.

Dementsprechend verhielt es sich mit der Steigung. Ich kam nicht nur ins Schwitzen, sondern auch außer Atem und musste gehörige Portionen Staub schlucken.

Über den Hut war ich echt dankbar. Sonst hätte mir die Sonne noch das Gehirn aus dem Schädel gebrannt, obwohl da nicht viel war, wie mein Freund Bill Conolly mal behauptet hatte.

Ich trug Turnschuhe mit dicken Sohlen, wobei ich den Eindruck bekam, dass sie auf der heißen Vulkanerde allmählich aufweichten und bei jedem Schritt festklebten.

Ein ungewöhnlicher Geruch schwängerte die Luft. Schwefeldioxid stinkt auf eine widerliche Art und Weise. Ich wurde bei jedem Schritt an den Geruch der Hölle erinnert. Der besaß eine große Ähnlichkeit mit diesem hier. Zudem brachte der Wind die Hitze mit. Er schien sie aus den Poren des grauen Vulkangesteins herausgesaugt zu haben.

Ich musste wieder auf die Karte schauen. Bisher hatte ich den Weg eingehalten, zumindest hoffte ich das, und ich markierte mit dem Finger die Stelle, wo ich stand.

Vor mir lag der Weg, der auf die Spitze des Berges führte, wo gewaltige Gesteinstrümmer auf der plateauartigen Erhebung lagen und ein Gräberfeld bildeten. Wenn ich dort hochschaute, kam mir die Gegend wie ein urzeitlicher Friedhof vor.

Auf dem Weg dorthin strengte ich mich noch einmal an. Etwa zehn Minuten später stand ich dort, wo das Grab oder die Gruft des angeblichen Vampirs liegen sollte.

Von Suko sah ich keine Spur. Entweder war er nicht so weit, oder er hatte sich zwischen den Felsen versteckt, unter Umständen stand er bereits am Grab.

Das ich suchen musste.

Die Gegend erinnerte mich an eine Landschaft, wie sie SF-Autoren des Öfteren beschreiben. Kraterähnlich, schwarz, verbrannt, tot und leer. Nicht ein Grashalm schaute aus dem Boden. Man konnte das Gefühl haben, dass der Vesuv in den nächsten Minuten anfing, Feuer und heiße Lava zu spucken, um alles zu vernichten.

Die hohen Reste und Felstrümmer unterschiedlichster Größe nahmen mir die meiste Sicht auf das Meer und Neapel.

Ich bewegte mich allein zwischen den Steinen und fragte mich, was ein englischer Tourist hier oben gesucht hatte. Mich hätte niemand freiwillig auf den Vulkanhang bekommen.

Manchmal drangen Dämpfe aus handbreiten Spalten oder Rissen. Sie verteilten sich, nahmen an Breite zu und wirkten wie dünne Tücher, bevor sie verwehten.

Der stinkende Schwefeldioxidgeruch blieb. Er kratzte in meiner Kehle, ich räusperte mich hin und wieder frei, atmete das Zeug aber stets erneut ein.

Auf der Zeichnung war nicht genau festgelegt, wo sich die Grabstätte des angeblichen Vampirs befand. Ich suchte auf gut Glück und war froh, eine Lampe bei mir zu tragen, denn die Sonne würde bald untergehen.

Manchmal rollten kleine, harte Aschestücke weg, wenn ich gegen sie trat. Und ich sah, als ich nach rechts schaute, eine Erhebung, die wie ein kleiner Berg auf dem Berg wirkte.

So stumpf und dunkelgrau ragte er in die Höhe. Beim Näherkommen erkannte ich meinen Irrtum. Es war kein zweiter Berg, sondern breite Felsen, die eine Mauer bildeten, aber an der rechten Seite den Eingang einer Höhle aufwiesen. Halbrund, als hätte sie jemand hineingeschlagen.

Das konnte durchaus die Grabstätte eines Vampirs sein. Diese Blutsauger schliefen ja in Höhlen oder alten Gräbern sowie Grüften.

Bevor ich die Höhle betrat, schaute ich mich um. Soweit ich erkennen konnte, befand ich mich mutterseelenallein in dieser unwirklichen Mondlandschaft.

Suko schien sich verlaufen zu haben.

Ich holte die Lampe hervor und ließ den Strahl in die Finsternis der Höhle stechen.

Rissige, raue Steinwände, ein unebener Boden, Düsternis, der typische Schwefelgeruch, das erwartete mich. Eine Spur von Leben entdeckte ich nicht.

Vorsichtig betrat ich das unbekannte Gelände. Nach dem Eingang wurde der Weg schmal, und er verbreiterte sich erst, als ich fünf Schritte zurückgelegt hatte. Da geriet ich in einen hallenartigen Raum, einen Ort des Grauens. Oder eine völlig öde Stelle am Ende der Welt.

Der Strahl glitt über eine dunkle Fläche, die glatt wie ein Spiegel lag. Es war die Oberfläche eines Sees. Wahrscheinlich hatte das Wasser einen ungemein hohen Schwefelanteil, denn an den Rändern war er teilweise kristallisiert.

Ich ging vor bis zum Ufer, suchte nach Spuren, fand aber keine. Dafür war die Luft schlechter geworden. Man konnte sie kaum atmen. Lange würde ich es in der Höhle nicht aushalten.

Um den kleinen Schwefelsee konnte ich nicht herumgehen, weil er an der gegenüberliegenden Seite mit der Felswand abschloss. Langsam bewegte ich meinen Arm nach rechts. Der Lichtfinger glitt über den Boden, traf die Wand, die ich Stück für Stück ableuchtete. Plötzlich fuhr ich zusammen, denn ich hatte etwas gesehen.

In einer Öffnung, die wie ein Tunnel in die Wand geschlagen worden war, stand ein länglicher Gegenstand.

Erst beim Näherkommen sah ich, um was es sich handelte. Und ich musste dem englischen Touristen recht geben, denn ich schaute auf einen steinernen Sarg!

***

Das war in der Tat eine Überraschung. Mit der eingeschalteten Lampe in der Hand trat ich näher und sah, dass man den Deckel abgenommen hatte. Er lag neben dem Sarg, war gekippt worden und stand trotzdem so günstig, dass ich die Schrift auf seiner oberen Seite lesen konnte.

Damiano Fulgera.

Ein Name, den ich nie zuvor gehört hatte. Hieß so der Vampir? Davon konnte ich ausgehen, leuchtete direkt in den Sarg hinein und fand ihn nicht leer.

Etwas bedeckte den Boden. Eine Schicht. Grau, an manchen Stellen heller schimmernd. Ich bückte mich und stach den Finger in die Schicht.

Als ich meine Probe zwischen den Fingern rieb, stellte ich fest, dass es sich um Asche oder Staub handelte. Stammte sie von dem Vampir, der möglicherweise in dieser Höhle gelebt hatte?

Wenn ja, war ich zu spät gekommen.