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Joseph A. Schumpeter (1883–1950) gehört zu den bedeutendsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts und sein Werk leistet noch immer Wissenschaftlern wichtige Dienste. Bis heute verwenden wir viele von ihm eingeführte Begriffe wie beispielsweise Innovation und Unternehmertum ganz selbstverständlich. Obwohl Schumpeters »Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung« als Hauptwerk seines akademischen Schaffens gilt, stand eine ausführliche Betrachtung und Würdigung seiner evolutionsanalytischen Perspektive bislang aus. Esben Sloth Andersen liefert nun mit diesem Band eine ebenso aufschlussreiche wie leserfreundliche Einführung in Schumpeters Leben und Werk. Andersen untersucht hierzu sowohl die allgemeinen Merkmale als auch die Weiterentwicklung der Arbeiten Schumpeters, die bis heute moderne Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler in ihrer Komplexität herausfordern.
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Veröffentlichungsjahr: 2015
Joseph A. Schumpeter
Joseph A. Schumpeter
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
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First published in English by Palgrave Macmillan, a division of Macmillan Publishers Limited under the title Joseph A. Schumpeter by Esben Sloth Andersen. This edition has been translated and published under licence from Palgrave Macmillan. The author has asserted his rights to be identified as the author of this Work.
© 2011 Esben Sloth Andersen
Für die deutsche Ausgabe alle Rechte vorbehalten © 2015 Duncker & Humblot GmbH, Berlin Fremddatenübernahme: Textforma(r)t Daniela Weiland, Göttingen Druck: BGZ Druckzentrum GmbH, Berlin Printed in Germany
Umschlag: Joseph A. Schumpeter (© ullstein bild – Roger-Viollet / Albert Harlingue)
ISBN 978-3-428-14010-7 (Print) ISBN 978-3-428-54010-5 (E-Book) ISBN 978-3-428-84010-6 (Print & E-Book)
Gedruckt auf alterungsbeständigem (säurefreiem) Papier entsprechend ISO 9706 ƀ
Internet: http://www.duncker-humblot.de
Danksagung
Dieses Buch wäre ohne Unterstützung und kritische Kommentare einer großen Zahl anderer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht möglich gewesen. Für einen Großteil dieser Unterstützung hat der Autor sich in Aufsätzen und Forschungsberichten sowie in seinen beiden vorangegangenen Büchern bedankt, die Joseph Schumpeters Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung zum Gegenstand hatten. Besonderer Dank gebührt zahlreichen Teilnehmern an mehreren Konferenzen der Internationalen J. A. Schumpeter-Gesellschaft sowie der dänischen Forschungseinheit Industriedynamik (DRUID – Danish Research Unit for Industrial Dynamics).
Autor und Verlag möchten den folgenden Verlagen für die freundlicherweise erteilte Erlaubnis zur Verwendung urheberrechtlich geschützten Materials danken:
Anthem Press für die Verwendung von Material aus Esben Sloth Andersen: Schumpeter’s Evolutionary Economics. A Theoretical, Historical and Statistical Analysis of the Engine of Capitalism (2009),
Jurist- og Økonomforbundets Forlag für die Verwendung von Material aus Esben Sloth Andersen: Joseph A. Schumpeter. En teori om økonomisk evolution (2004),
The McGraw-Hill Companies Inc. für Auszüge aus Joseph A. Schumpeter: Business Cycles (1939).
Vorwort
Joseph Schumpeters Werk leistet auch heute noch Wissenschaftlern wichtige Dienste. Beispielsweise verwenden wir seine Begriffe von Innovation und Unternehmertum, sprechen von innovativem oligopolistischem Wettbewerb, von Wirtschaftswachstum als Entwicklungsprozess, von Wellen wirtschaftlicher Entwicklung, vom Kreislauf der Wirtschaft und von vielem mehr. Schumpeters Schriften verweisen uns auch auf drei wichtige, noch immer weitgehend ungelöste theoretische Probleme. Erstens ist sein Werk geeignet, uns daran zu erinnern, dass wir die großen Fragen wirtschaftlicher Entwicklung und des Wandels im Kapitalismus bislang nicht überzeugend behandelt haben. Zweitens fordert seine manchmal etwas unbefriedigende analytische Herangehensweise an Probleme wirtschaftlicher Evolution uns auf, seinen Ansatz mit modernen Instrumenten weiterzuentwickeln. Drittens schließlich, insofern die großen Fragen langfristiger wirtschaftlicher Entwicklung wohl kaum durch eine auf die Wirtschaft beschränkte Betrachtung zu beantworten sein werden, unterstreicht Schumpeters Werk das ebenfalls weitgehend ungelöste Problem, eine systematische Zusammenarbeit der verschiedenen Sozialwissenschaften zu etablieren.
Die Bedeutung von Schumpeters Werk hat bislang nicht zu Untersuchungen geführt, die seine vielen Bücher und Aufsätze in evolutionsanalytischer Perspektive umfassend berücksichtigen. Stattdessen stehen mehr oder weniger einige seiner vielen interessanten Erörterungen und bemerkenswerten Formulierungen im Mittelpunkt. So fasziniert uns vielleicht sein Konzept des innovativen Unternehmers, und wir vergleichen es mit einigen anderen, ganz anders gelagerten Vorstellungen der Unternehmerfunktion. Möglicherweise möchten wir die formalen Eigenschaften seines Modells einer stationären Wirtschaft genauer betrachten, in der die wirtschaftliche Evolution stillgestellt ist. Oder vielleicht möchten wir auch aufgreifen, was er über Innovation und Wirtschaftskrisen schrieb. Doch Untersuchungen, die solche und viele andere Elemente der Entwicklungstheorie Schumpeters aufnehmen, enden nicht selten enttäuschend. Obgleich sie alle eine umfassende Betrachtung Schumpeter’scher Entwicklungsmechanismen nahelegen, fehlt den von Schumpeters Werk inspirierten Forschungsprojekten regelmäßig der Raum dafür. Die Folge ist eine Tendenz, zwischen allzu großer Abhängigkeit vom konzeptionellen Rahmen Schumpeters und dessen gänzlicher Ablehnung zu oszillieren. Eine Alternative läge darin, grundlegend die allgemeinen Merkmale und die Weiterentwicklung der einzelnen Arbeiten Schumpeters zu untersuchen. Das vorliegende Buch soll einen Beitrag dazu leisten, sich Schumpeters Werk auf solch anderem Weg zu nähern.
Die umfassende Behandlung von Schumpeters Werk ist nicht leicht. Das offensichtlichste Problem der internationalen Rezeption besteht darin, dass er Kern[8]elemente seiner Theorie im Original auf Deutsch formulierte. Darüber hinaus bezog er sich auf lange Zeit zurückliegende Debatten über die Grenzen der Marktwirtschaft und das Schicksal des Kapitalismus, die für heutige Leser erklärungsbedürftig sind. Der Vorteil des Unternehmens ist ein vertieftes Verständnis der bekannten, auf Englisch verfassten Studien, die Schumpeter in den dreißiger und vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts veröffentlichte. Eine umfassende Betrachtung des Werks bedarf indes weiterer Vorbereitungen. Ganz grundlegend etwa ist es, die überraschende diffizile Analyse von Entwicklungsprozessen nachzuvollziehen. Die Bewältigung dieser Aufgabe wird uns helfen, die Schwierigkeiten zu erfassen, denen Schumpeter sich gegenübersah, aber auch dazu beitragen, seine nicht selten verwirrende Terminologie zu verstehen. Haben wir die grundlegende Darstellung des Entwicklungsganges begriffen, wird auch klar, warum Schumpeter bemüht war, seine Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung durch eine allgemeine Theorie gesellschaftlicher Entwicklung zu ergänzen.
Das Ziel, dieses Buch zu schreiben, lässt sich für mich persönlich auf eine Untersuchung von Beiträgen zur Theorie wirtschaftlicher Evolution in jüngerer Zeit zurückverfolgen.1 Dort kam ich zu dem Schluss, ein weitergehender «Dialog» mit Schumpeter sei sinnvoll. Obgleich ich schon bald mehrere Anläufe unternahm, die Idee auszubauen, bekam sie erst wirklich Gestalt, als Jesper Jespersen mich bat, dänischen Lesern in einem schmalen Band Schumpeters Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung vorzustellen.2 Da natürlich nur ein Bruchteil meines Materials Eingang in einen solchen Band finden konnte, beschloss ich, ein umfangreicheres Buch auf Englisch zu verfassen. Das Projekt wuchs und füllte die 500 Seiten meiner Studie Schumpeter’s Evolutionary Economics.3 Obgleich es vermutlich als Nachschlagewerk fungieren kann, wurde es insgesamt durch die große Nähe zu Struktur und Inhalten der Schumpeter’schen Hauptwerke zu einem komplizierten und in gewisser Weise schwierig zu lesenden Buch. Mehr Freiheit im Umgang mit dem Material war notwendig, um eine wirkliche Einleitung in die Theorie Schumpeters zu schreiben. Mit Vergnügen nahm ich daher Tony Thirlwalls Vorschlag an, für die Reihe «Great Thinkers in Economics» einen Schumpeter gewidmeten Band zu verfassen. Das Ergebnis möge sich, so hoffe ich, als eine interessante und zuverlässige Einführung in Schumpeters Theorie der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Evolution erweisen.
1 Esben Sloth Andersen, Evolutionary Economics, Post-Schumpeterian Contributions, London: Pinter 1994.
2 Ders., Joseph A. Schumpeter. En teori om økonomisk evolution, Kopenhagen: Jurist- og Økonomforbundets Forlag 2004.
3 Ders., Schumpeter’s Evolutionary Economics. A Theoretical, Historical and Statistical Analysis of the Engine of Capitalism, London: Anthem 2009.
Inhalt
I.
Einleitung
1.
Schumpeters evolutionäres Forschungsprogramm
2.
Schumpeters Hauptwerke
3.
Schumpeters evolutionäres Grundmodell
4.
Zum Aufbau des Buches
II.
Der frühe Schumpeter 1883 - 1913
1.
Ein Aufstieg im alten Österreich
2.
Nationalökonomie an der Universität Wien
3.
Historische Schule und Neoklassik
4.
Aufbaustudium und erste Monographie
5.
Beginn der akademischen Karriere und die zweite Monographie
III.
Von der Gleichgewichts- zur Entwicklungstheorie
1.
Widerstreitende Ansätze der Erklärung ökonomischer Entwicklung
2.
Walras’sche und Schumpeter’sche Unternehmer
3.
Die evolutorische Funktion von Konjunkturzyklen
IV.
Unternehmer versus Wirtschaftssystem
1.
Die Routine des Wirtschaftskreislaufs ohne Schumpeter’sche Unternehmer
2.
Die Funktion des Schumpeter’schen Unternehmers
3.
Das Schumpeter’sche Unternehmertum im Detail
4.
Der Rahmen der Analyse ökonomischer Entwicklung
V.
Der Eisenbahnbau, Schumpeters «Standardbeispiel»
1.
Die Illustration der Theorie
2.
Evolutionäre komparative Statik
3.
Die Unvorhersehbarkeit und die Mechanismen der Entwicklung
VI.
Intermezzo 1914 - 1925
1.
Politik und Forschung während des Krieges
2.
Der schwierige Wiederaufbau nach dem Krieg
VII.
Auf dem Weg zu einer allgemeinen Theorie gesellschaftlicher Evolution
1.
Die Historische Schule und die Theorie gesellschaftlicher Evolution
2.
Gesellschaftliche Evolution und Rationalität
3.
Die allgemeine Theorie gesellschaftlicher Evolution
VIII.
Das kleine Mekka für Ökonomen 1925 - 1932
1.
Modernisierung an der Universität Bonn
2.
Auf der Suche nach einem neuen Mekka
IX.
Der Harvard-Professor und seine Projekte 1932 - 1942
1.
Ein inspirierender Professor in Harvard
2.
Grundlegende, doch unvollendete Vorhaben
3.
Wirtschaftskrise und Keynesianismus
4.
Wellenförmige Schwankungen und kapitalistische Evolution
X.
Die evolutionstheoretische Trilogie und die Schumpeter’schen Modelle
1.
Die evolutionstheoretische Trilogie
2.
Die Schumpeter’schen Modelle wirtschaftlicher Evolution
3.
Evolutionsmechanismen und die Schumpeter’schen Modelle
XI.
Die grundlegende Funktionsweise der kapitalistischen Maschine
1.
Die kapitalistische Maschine und die wirtschaftliche Evolution
2.
Die beiden Phasen der Wellen wirtschaftlicher Evolution
3.
Das scharenweise Auftreten von Unternehmern und die adaptive Rezession
4.
Entwicklungsstatistik und Schumpeter’sche Wellen
XII.
Die umfassendere Funktionsweise der kapitalistischen Maschine
1.
Eine Annäherung an die Komplexität der wirtschaftlichen Evolution
2.
Vierphasige Evolutionswellen
3.
Evolutionäre Diagnose, Prognose und Therapie
XIII.
Die Wirtschaftsgeschichte der kapitalistischen Evolution
1.
Eine dritte Annäherung an die wellenförmige Evolution
2.
Eine begründete Geschichte des kapitalistischen Prozesses
3.
Verbreitung und Arten der Innovation
XIV.
Die Transformation der kapitalistischen Maschine
1.
Die Transformation der Evolutionsmechanismen
2.
Eine Skizze des
Mark II
-Modells
3.
Oligopolistischer Wettbewerb und wirtschaftliche Evolution
4.
Die Leistung der oligopolistischen Maschine
XV.
Die kapitalistische Maschine und die langfristige soziale Evolution
1.
Die Bremsen der kapitalistischen Maschine
2.
Die Koevolution verschiedener Gebiete im progredierenden Kapitalismus
3.
Die Koevolution verschiedener Gebiete im regredierenden Kapitalismus
4.
Globalisierung und die neuerliche Progression des Kapitalismus
XVI.
Die letzten Jahre 1943 – 1950
1.
Schumpeter’sche Unvollendetheit
2.
Ein Leben in der Geschichte der Ökonomie
3.
Das Schumpeter’sche Vermächtnis
4.
Schumpeters «letzte These»
Literatur
Register
Abbildungen
Abbildung 1.1:
Programmatische Verbindungen zwischen Schumpeters Hauptwerken
Abbildung 2.1:
Das Europa Schumpeters vor dem Ersten Weltkrieg
Abbildung 3.1:
Modell einfacher wirtschaftlicher Entwicklung aufgrund der Wirkung von Innovation und Adaption
Abbildung 3.2:
Schumpeters Schema der wirtschaftlichen Entwicklung
Abbildung 4.1:
Die Gründung eines neuen Schumpeter’schen Unternehmens, ohne Möglichkeit weiterer Expansion
Abbildung 7.1:
Hauptquellen und -bestandteile der Evolutionstheorie Schumpeters
Abbildung 7.2:
Die Evolution eines jeden Gebiets des sozialen Lebens mit adaptiver und innovativer Kausalität
Abbildung 7.3:
Analytisches Schema der Evolution auf jedem Gebiet des sozialen Lebens
Abbildung 10.1:
Grundmechanismen der Evolution in Industrie 1
Abbildung 11.1:
Zweitakt-Zyklus der kapitalistischen Maschine
Abbildung 11.2:
Die kapitalistische Maschine als Motor wirtschaftlicher Evolution
Abbildung 11.3:
Zweiphasige Wellen, herbeigeführt durch das Wirken der kapitalistischen Maschine
Abbildung 12.1:
Vierphasige Evolutionswellen
Abbildung 12.2:
Viertaktzyklus der kapitalistischen Maschine
Abbildung 13.1:
Schumpeters didaktisches Schaubild: Drei simultane Sinuskurven und ihr kumulativer Effekt
Abbildung 13.2:
Eisenbahnen und ihre Kondratieff-Welle
Abbildung 13.3:
Logistische industrielle Dynamik, ergänzt um weitere Arten von Innovation
Abbildung 14.1:
Feedback-Schleifen in einem etablierten Unternehmen im
Mark II
-Modell
Abbildung 14.2:
Einfache Replikatordynamik zwischen vier Unternehmen mit gleichbleibender, doch jeweils unterschiedlicher Produktivität
Abbildung 14.3:
Innovationsgestütztes Wachstum in einem
Mark II
-Modell
Abbildung 15.1:
Die beiden Bremsen der kapitalistischen Evolutionsmaschine
Abbildung 15.2:
Asymmetrische Koevolution verschiedener Gebiete im progredierenden Kapitalismus
Abbildung 15.3:
Asymmetrische Koevolution verschiedener Gebiete im regredierenden Kapitalismus
Abbildung 15.4:
Neuerliche Progression des Kapitalismus aufgrund starker Globalisierung von Ökonomie und Wissenschaft
Abbildung 16.1:
Schumpeters Modell des Wissenschaftsprozesses in der Wirtschaftswissenschaft
Abkürzungen
Während praktisch alle Werke John Maynard Keynes’ nach der problemlos verfügbaren Sammlung der Collected Writings zitiert werden können, gibt es keine vergleichbaren «Gesammelten Schriften» Joseph A. Schumpeters. Das bedeutet, dass die Bibliographie am Ende des Buchs eine lange Liste der Bücher und Aufsätze Schumpeters enthält. Sie finden sich dort nach dem Erscheinungsjahr geordnet oder aber nach dem Jahr, in dem Schumpeter das Manuskript beendete. So geht beispielsweise der 2005 publizierte Aufsatz «Development» auf ein Manuskript aus dem Jahr 1932 zurück. Um den Fußnotenapparat nicht zu überfrachten, werden Zitate aus Schriften Schumpeters jeweils abgekürzt nachgewiesen, der genannte Aufsatz also durch Schumpeter 1932d.
Da auf Schumpeters Bücher recht häufig verwiesen wird, geschieht dies in den Nachweisen zudem durch folgende Kurztitel:
I. Einleitung
1. Schumpeters evolutionäres Forschungsprogramm
Nach dem Tod des österreichisch-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlers Joseph A. Schumpeter im Jahr 1950 ließen es sich seine zahlreichen Freunde, Kollegen und Schüler gemeinsam angelegen sein, des Verstorbenen als eines bedeutenden Ökonomen und einer großen Persönlichkeit zu gedenken.1 Doch war das keine einfache Aufgabe. Paul Samuelson, ein Freund und Schüler Schumpeters gleichermaßen, hob hervor, es habe «viele Schumpeters» gegeben, darunter
«das brillante Enfant terrible der Österreichischen Schule, einen Mann, der zwei bedeutende Bücher schrieb, bevor er noch dreißig wurde, den jungen Anwalt in Kairo mit Reitstall, den österreichischen Finanzminister, den Sozialphilosophen und Propheten der Entwicklung des Kapitalismus, den Wirtschaftswissenschaftler, der sich für die Verwendung exakterer Methoden und Werkzeuge im ökonomischen Denken einsetzte, den Lehrer der Nationalökonomie.»2
Später fügte Samuelson dem noch hinzu, Schumpeter sei auf den meisten der zahlreichen Felder der Wirtschaftswissenschaften eine anerkannte Größe, so in «Wirtschaftstheorie, makroökonomischen Fragen der Konjunktur, Methodologie, Ökonometrie, marxistischer Wirtschaftslehre, Wirtschaftsgeschichte, Dogmengeschichte – die Reihe ließe sich beinahe endlos fortsetzen».3 Darüber hinaus beschränkten sich Schumpeters wissenschaftliche Beiträge nicht auf das weit gefasste Gebiet der Ökonomie. Diesen Umstand hob bereits der Titel hervor, den Seymour Harris 1951 für den von ihm herausgegebenen Sammelband mit Gedenkbeiträgen zahlreicher Freunde und Kollegen wählte: Schumpeter. Social Scientist.
Samuelson weist darauf hin, dass Schumpeters Stellung als «Tausendsassa» ein Paradox birgt. Zum einen mache ihn der Status des gelehrten Alleskönners zum «im gesamten Bereich der Ökonomie meistzitierten Wissenschaftler». Darüber hinaus war Schumpeter auch Präsident der American Economic Association, und nur sein unerwarteter Tod verhinderte, dass er zum ersten Präsident der International Economic Association wurde. Zum anderen war es «kein Scherz, wenn Joseph Schumpeter wissenschaftliche Größe erstrebte», die ganz anderer Art sein sollte.4[16] Schumpeter selbst hatte den Maßstab definiert: «Es ist ein Prüfstein für die Wucht einer Lebensarbeit, ob man in ihr eine Leistung hervorheben kann, die für sich allein Größe bedeutet, oder ob viele kleine Steine zu einem Mosaik zusammengesetzt werden müssen, um ein Bild von ihr zu geben.»5 Eine solche Definition von Größe brachte Schumpeter dazu, seinen internationalen Ruhm geringzuschätzen – Samuelson argwöhnte, er hätte wohl jederzeit «sein Papat gegen eine keynesianische Revolution eingetauscht».6 Indes war die wissenschaftliche Revolution, an der Schumpeter vom Beginn seiner akademischen Karriere an arbeitete, sogar noch radikaler als die von Keynes.
Nun sind die Wurzeln der keynesianischen Revolution mehr oder weniger in Entwicklungen während der 1930er Jahre zu finden, doch das Verständnis der wissenschaftlichen Revolution, die Schumpeter anstrebte, macht es notwendig, dass wir uns den Schriften zuwenden, die er während seiner frühen akademischen Betätigung im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts verfasste. Der Vergleich des intellektuellen Reifens von Keynes und Schumpeter wird erleichtert durch den Umstand, dass beide 1883 geboren sind. Keynes’ intellektuelle Entwicklung, so beschrieb es Wassily Leontief, sei zu Beginn langsam vorangeschritten, doch «Schumpeter erreichte seine volle wissenschaftliche Statur sehr früh, noch bevor er dreißig war».7 Schumpeter hatte in Wien eine exzellente Schulbildung an einem Elitegymnasium genossen und ab 1901 an der dortigen Universität studiert. Nach weiterführenden Studienaufenthalten in Berlin und London gelang es ihm 1908, sein erstes Buch zu veröffentlichen. Diese Studie zum Stellenwert der theoretischen Ökonomie vollendete er mithin im Alter von 25 Jahren. Da Das Wesen und der Hauptinhalt der theoretischen Nationalökonomie, so der Titel, niemals ins Englische übersetzt wurde – wir Leser also mit dem deutschen Original vorlieb nehmen müssen – blieb das 626 Seiten starke, «bemerkenswerte Buch in der englisch-sprachigen Welt praktisch unbekannt».8 Dessen ungeachtet enthält die Untersuchung «die Darstellung der entscheidenden Sichtweisen, die Grundlagen der gesamten wissenschaftlichen Weltanschauung Schumpeters».9 Zu dieser wissenschaftlichen Weltanschauung gehört, dass ein umfassendes Verständnis der ökonomischen und anderer sozialer Phänomene eine Kombination von Gleichgewichtsparadigma und eines entwicklungstheoretischen Paradigmas voraussetzt.
Allerdings erschwert nicht zuletzt eine gewisse altmodische und eigenwillige Ausdrucksweise in Wesen und Hauptinhalt der theoretischen Nationalökonomie das Verständnis der wissenschaftlichen Weltanschauung Schumpeters. Die Kernbotschaft lautet, theoretische Ökonomie solle die beiden Bereiche Gleichgewichtstheorie und Evolutionstheorie umfassen. Doch wird Gleichgewichtsökonomie [17] «reine Ökonomie» oder «Statik» genannt, Evolutionsökonomie als «Dynamik» bezeichnet. So dienen «Statik» und «Dynamik» Schumpeter dazu, zwei in seinen Augen komplementäre und fundamentale Felder ökonomischer Theoriebildung zu benennen. Während die Gleichgewichtstheorie das Funktionieren eines gegebenen ökonomischen Systems erforscht, fällt die Untersuchung der Mechanismen, durch die sich die Parameter eines gegebenen Wirtschaftssystems irreversibel verändern, in den Bereich der Evolutionstheorie. Später verglich Schumpeter die Gleichgewichtstheorie mit zoologischer Physiologie, die Evolutionstheorie mit Entwicklungsbiologie.10 Es stehe in keinerlei Widerspruch, wenn manche Zoologen die Funktionsweise eines Organismus mit gegebenen Strukturmerkmalen analysieren, während andere die Entwicklungsmechanismen untersuchen, die bestimmte tierische Organismen hervorbringen. Entsprechend sollten auch Wirtschaftswissenschaftler eine Arbeitsteilung zwischen zwei Forschungsbereichen akzeptieren und dergestalt die Widersprüche überwinden, die ihre vorschnelle Synthese mit sich bringt. Obgleich die Notwendigkeit einer solchen wissenschaftlichen Arbeitsteilung – und sogar der Zweck jeglichen entwicklungstheoretischen Paradigmas – bis heute nicht umfassend anerkannt ist, war das Niveau der Anerkennung zu Lebzeiten Schumpeters eher noch geringer. Dieser Umstand mag dazu beitragen, die Schwierigkeiten zu erklären, entwicklungstheoretische Fragestellungen in der Ökonomie als eigenständige Forschungstradition zu etablieren.
Nachdem Schumpeter Wesen und Hauptinhalt 1908 veröffentlicht hatte, war er bemüht, die Schrift verschiedenen einflussreichen Ökonomen wie etwa Alfred Marshall und Vilfredo Pareto zu unterbreiten. Doch wiesen nahezu alle angesprochenen Vertreter der Disziplin sein Vorhaben zurück, Gleichgewichtsparadigma und Entwicklungsparadigma komplementär und unabhängig zu entwickeln. Die schmerzlichste Ablehnung erfuhr er durch den französisch-schweizerischen Ökonomen Léon Walras. Schumpeter hatte sich in mehreren Briefen an Walras gewandt und dabei Wesen und Hauptinhalt als «das Buch eines Schülers» dargestellt; letztlich, so schrieb er, erhoffe er sich, in seiner weiteren Arbeit Walras’ «Leadership» genießen zu dürfen.11 Nun könnten derartige Formulierungen nahelegen, Schumpeters Anliegen sei es gewesen, an Fragen der Gleichgewichtsökonomie zu arbeiten, an deren Formalisierung und Ausarbeitung Walras einen so großen Anteil hatte. Eine sorgfältige Lektüre des ersten Buchs Schumpeters zeigt indes, dass dies definitiv nicht der Weg war, auf dem er auf Walras’ Führung baute. Stattdessen ging es dem «Schüler» darum, seinem «Lehrer» durch die Entwicklung einer ökonomischen Entwicklungslehre beizustehen, die als entscheidendes Komplement der Gleichgewichtslehre dienen konnte. Auch wenn die Forschung im Großen und Ganzen eine solche Lesart der Schumpeter’schen Ambitionen außer Acht ließ, fand sie in Michio Morishima und George Catephores nachdrückliche Verfechter, die hervorhoben, trotz der «weit verbreiteten Über[18]zeugung, die Rede vom ‹Unternehmer›, von ‹Innovation› oder ‹neuen produktiven Kombinationen› sei Markenzeichen Schumpeters», werde für gewöhnlich übergangen, wie sehr sowohl diese Begriffe als auch die zugrundeliegenden Vorstellungen tatsächlich «Überlegungen Walras’ direkt fortführten».12 Gleichwohl ist klar, dass Walras eine Fortführung seiner Gleichgewichtstheorie in diesem Sinn ablehnte – während Schumpeter zunehmend bewusst wurde, dass die Begründung einer Theorie wirtschaftlicher Entwicklung eine epochale wissenschaftliche Revolution voraussetzte.
Viele Jahre nach dieser Episode sollte sich Schumpeter noch immer der Antwort erinnern, die Walras, der an der Universität Lausanne gelehrt hatte, ihm bei einem Besuch in der Schweiz gegeben hatte. Walras Reaktion habe gezeigt, so Schumpeter, dass seine alleinige Konzentration auf die ökonomische Gleichgewichtstheorie nicht allein methodologische Überlegungen widerspiegle, sondern ganz im Gegenteil: «Walras würde … gesagt haben (und, in der Tat, das einzige Mal, als ich Gelegenheit hatte, mich mit ihm zu unterhalten, sagte er es mir), daß wirtschaftliches Leben seinem Wesen nach selbstverständlich passiv ist». Walras gehe davon aus, dass das Wirtschaftsleben «sich bloß den natürlichen und sozialen Einflüssen anpaßt, die auf es einwirken». Das wiederum habe zur Folge, «daß die Theorie eines stationären Prozesses tatsächlich das Ganze der theoretischen Wirtschaftswissenschaften konstituiert und wir als Wirtschaftstheoretiker über die Faktoren, die für die geschichtliche Entwicklung verantwortlich zu machen sind, nicht viel sagen können, sondern sie lediglich registrieren müssen».13
Walras’ Vorstellung einer passiv sich anpassenden Ökonomie stieß bei Schumpeter auf Kritik, der eine eigene Sicht des wirtschaftlichen Wandels zugrunde lag: «Ich empfand deutlich, daß dies falsch war und daß innerhalb des wirtschaftlichen Systems eine Energiequelle besteht, die aus sich selbst heraus jedes Gleichgewicht stören würde, das erreicht werden könnte.» Die störende Kraft, die Schumpeter – in Gestalt des Unternehmers – vor Augen hatte, determinierte seine weiteren theoretischen Anstrengungen. Er war zuversichtlich, es «muß … eine rein ökonomische Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung geben, die sich nicht nur auf äußere Faktoren verläßt, die das Wirtschaftssystem von einem Gleichgewicht zum andern treiben». Es ist, so Schumpeter im Rückblick nachdrücklich, «eine solche Theorie, die ich aufzustellen versucht habe, und ich glaube jetzt, wie ich damals geglaubt habe, daß sie zu dem Verständnis der Kämpfe und der überraschenden Veränderungen der kapitalistischen Welt etwas beiträgt». Dieser wissenschaftliche Beitrag seiner Theorie bestehe gerade darin, dass sie «eine Anzahl von Phänomenen, insbesondere den Konjunkturzyklus, in einer befriedigenderen [19] Weise erklärt, als dies mit den Mitteln des Walras’schen oder Marshall’schen Apparates möglich ist».14
Obgleich sich in solchen Aussagen die Rebellion Schumpeters gegen Walras ablesen lässt, erklären sie nicht die Schwierigkeiten, die in der Beziehung zwischen beiden auftauchten. Dagegen beschreibt etwa Christopher Freeman Schumpeter als einen Nicht-Walrasianer, der durch die Verwendung der Instrumente der Walras’schen Gleichgewichtstheorie gefesselt war. Es sei, so Freeman, «Schumpeters Unglück, dass er versuchte, sie [die Gleichgewichtstheorie] mit seiner eigenen Theorie des dynamischen, das Gleichgewicht störenden Unternehmertums zu vermählen ».15 Doch auch wenn das zutrifft, versäumt Freeman den Hinweis darauf, dass Schumpeters Problem genau darin bestand, keinerlei entwickelte Instrumente zur Verfügung zu haben, die es ihm erlaubt hätten, seine Vorstellung wirtschaftlicher Entwicklung grundlegend und systematisch zu formulieren. Dieses Problem war bereits offenkundig, als Schumpeter im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts sein entwicklungstheoretisches Forschungsprogramm lancierte, und als er 1950 starb, war es noch immer nicht gelöst.
2. Schumpeters Hauptwerke
Schumpeters Theorie betont nachdrücklich den Stellenwert wissenschaftlicher Schöpferkraft; dabei, so war er überzeugt, liegen «die Wurzeln großer selbständiger Leistungen namentlich theoretischer Natur überwiegend in den Zwanzigerjahren des Lebens ihrer Autoren».16 In seinem eigenen Fall endete die besonders produktive Lebensspanne kurz vor dem Beginn des Ersten Weltkriegs. Binnen relativ weniger Jahre verfasste er nicht nur Wesen und Hauptinhalt der theoretischen Nationalökonomie, sondern auch, als komplementäre Studie, sein zweites, der Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung gewidmetes Werk. Damit hatte er das «Gerüst » geschaffen, das vielen seiner späteren Vorhaben den Rahmen gab. Zu diesen Vorhaben gehörte, «dieses Gerüst in ein Haus zu verwandeln, den Ergebnissen meiner späteren Arbeiten Gestalt zu geben, die historischen und statistischen Ergänzungen zu liefern und die alten Gesichtskreise auszuweiten».17 Diese Bemühungen sollten, so Schumpeters Erwartung, die Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung als tragfähiges Gegenstück zur ökonomischen Gleichgewichtstheorie etablieren.
Schumpeters Aufriss seines persönlichen Forschungsprogramms bietet uns in Rohfassung eine Leseanleitung für seine Hauptwerke. Doch insgesamt gesehen [20] ergibt sich daraus auch eine Reihe von Schwierigkeiten. Folgten wir Schumpeters Aufriss, müssten wir uns auf sein zweites Buch konzentrieren, das 1911 abgeschlossen wurde und den Titel Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung erhielt.18 Heute ist dieses Buch hauptsächlich in einer gekürzten und neubearbeiteten Fassung bekannt, auf der auch die englische Übersetzung The Theory of Economic Development fußt.19 Der englische Titel offenbart indes zugleich ein terminologisches Problem, das in der Rezeption der Schumpeter’schen Werks störend wirkte. ‹Entwicklung› lässt sich sowohl als development wie auch als evolution übersetzen, doch Schumpeters Theorie angemessener ist wohl der letztgenannte Ausdruck. Heutzutage bezeichnet development in erster Linie zielgerichtete und vorgezeichnete Prozesse, also beispielsweise die Entwicklung eines Lebewesens vom Embryo zum ausgewachsenen Organismus. Schumpeters Untersuchung galt aber gerade nicht dieser Art ‹Entwicklung›. Sein Interesse richtete sich auf das, was als ‹Evolution› zu bezeichnen wäre – also die ungeplanten Prozesse irreversiblen Wandels biologischer Arten, menschlicher Sprachen und der Abläufe des gesellschaftlichen Lebens, eines Wandels, bei dem Beständigkeit, Innovation und Selektion zusammenwirken. Solche Veränderungen kennzeichnet zwar, wie Schumpeter unterstrich, ein gewisser Grad von Unbestimmtheit, der es unmöglich macht, die langfristigen Ergebnisse des evolutionären Prozesses zu prognostizieren, es ist aber gleichwohl möglich, die Mechanismen, auf denen jene Evolution beruht, wissenschaftlich zu untersuchen. Auf diese Mechanismen konzentrierte er sich, während er an vorhersagbaren Resultaten von Wachstum und Entwicklung kein Interesse zeigte. Der Titel seines Werks sollte daher als «Theorie der wirtschaftlichen Evolution» verstanden werden. Diese Schlussfolgerung unterstützt auch der Umstand, dass Schumpeter in seiner umfangreichen, auf Englisch verfassten und 1939 erschienenen Untersuchung Business Cycles durchgängig von «economic evolution » spricht.20
Die Klärung des terminologischen Problems trägt dazu bei, nicht nur Schumpeters persönliches Forschungsprogramm, sondern auch seine wissenschaftlichen Ambitionen deutlicher hervortreten zu lassen. Im Vorwort zur ersten Auflage seiner Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung hatte er seine Ziele in Form von zwei Erwartungen formuliert. Die erste lautete, die «ökonomische Theorie darf an den Tatsachen und Argumenten [des Buchs] nicht vorübergehen»; die zweite war, «daß diese Arbeit sobald wie möglich überholt und vergessen werde».21 Tatsächlich sollte sich keine der beiden Erwartungen erfüllen. Praktisch niemand machte sich die Mühe, Schumpeters Tatsachen und Argumente zur wirtschaftlichen Entwicklung zu bedenken. Darin wiederum liegt der Grund, warum das Buch nicht überholt und vergessen wurde. So erinnert es Wirtschaftswissenschaftler an eine lange überfällige Aufgabe! Die «Tatsachen» betreffen den evolutionären [21] Wandel von Ökonomien, den wir heute «Schumpeter’sche Dynamik» nennen. Die «Argumente» berühren das Verständnis der wesentlichen Merkmale jenes Wandels im Rückgriff auf von Schumpeter vorgeschlagene Konzepte. Das «Überholen» schließlich wäre die Aufgabe, über den Untersuchungsrahmen Schumpeters hinauszugehen. Gelingt dies, wären schließlich ohne jedes schlechte Gewissen die Details seiner Arbeit zu vergessen. Nun, bislang lässt sich schwerlich behaupten, Schumpeters Erwartungen hätten sich erfüllt.
Angesichts der Erwartungen Schumpeters bleiben zwei wichtige Gegebenheiten festzuhalten, die nahelegen, der Titel Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung wäre mit «A Theory of Economic Evolution» noch wesentlich besser übersetzt. Die Verwendung des Indefinitartikels würde erstens unterstreichen, dass auch andere Nationalökonomen Theorien wirtschaftlicher Evolution vorgelegt haben. Schumpeter behandelte (und verwarf) diese Theorien im Schlusskapitel seiner Studie. Andererseits gilt es zwar die entwicklungstheoretischen Ansätze zu würdigen, die von Adam Smith und Marx über Marshall und Menger bis zu Veblen und Hayek reichen, doch zugleich ist Schumpeter einzigartig, insofern er, zumindest bis in jüngste Zeit, der einzige bedeutende Ökonom war, der die Untersuchung wirtschaftlicher Evolution zum entscheidenden Punkt (oder genauer: zum Dreh- und Angelpunkt) praktisch seiner gesamten Forschungsarbeit machte. Diese Forschungsarbeit nun spiegelt zweitens den gleichermaßen wichtigen Umstand wider, dass kein anderer Wissenschaftler Schumpeters Argumente ernsthaft aufnahm und seine Entwicklungstheorie weiter vorantrieb. Schumpeter fühlte sich so verpflichtet, die Theorie eigenhändig weiter auszuarbeiten und zur Anwendung zu bringen. Tatsächlich lassen sich praktisch alle seine späteren Forschungsbemühungen als ein Anknüpfen an die erste Ausgestaltung seines Theoriegebäudes in der Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung beschreiben. Doch erwies sich das frühe Modell hierfür als nicht hinreichend.22 Das erste Modell, das sogenannte Mark I-Modell, zeigt Entwicklung als einen Prozess, der das Schaffen auf Innovation gegründeter Unternehmungen durch Unternehmer (im Schumpeter’schen Sinn) mit der nachfolgenden, zu Adaption führenden Konkurrenz zwischen neuen und alten Firmen kombiniert. Später fügte Schumpeter ein zweites Modell des Entwicklungsprozesses hinzu, das Mark II-Modell, in dem etablierte oligopolistische Unternehmungen Innovation und Anpassung gleichermaßen vorantreiben. Und sogar ein drittes Modell skizzierte Schumpeter, ein Mark III-Modell, in dem alle gesellschaftlichen Bereiche Entwicklungsprozesse aufweisen und das Augenmerk auf die Koevolution zwischen Wirtschaft und den anderen Bereichen gerichtet ist. Offenkundig sollte die Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung nur als eine der vielen möglichen Theorien auf ihrem Feld verstanden werden.
Für die Untersuchung des Wegs, den Schumpeters entwicklungstheoretische Forschung nahm, ist es grundlegend nachzuvollziehen, wie die Ergebnisse jener Forschung zur Veröffentlichung kamen. Heutzutage ist es üblich, Forschungs[22]ergebnisse in wissenschaftlichen Fachzeitschriften zu veröffentlichen. Daher wäre es naheliegend, sich zunächst einen Überblick über Schumpeters 200 Aufsätze zu verschaffen, um das Herzstück seiner wissenschaftlichen Beiträge zu erörtern.23 Eine solche Strategie würde allerdings nicht weit tragen. Im Unterschied zu heutigen Gepflogenheiten folgte Schumpeter dem alten Grundsatz, wonach die wissenschaftliche Bedeutung einer Veröffentlichung sich an ihrem Umfang ablesen lässt. Seine kleineren Aufsätze waren in der Regel Gelegenheitsarbeiten, die längeren Artikel präsentierten weiterreichende Forschungsambitionen, doch nur die Bücher lieferten grundlegende Beiträge zur Wissenschaft. Angesichts des Umfangs und der Komplexität seiner Bücher liegt es natürlich nahe, in ihnen nach den wenigen Seiten zu suchen, auf denen Kernaussagen die wesentlichen Ergebnisse kompakt zusammenfassen. Unglücklicherweise scheitert auch diese Strategie. Schumpeter konzipierte in jungen Jahren seine Werke als komplementäre Schriften. Seine späteren Bücher enthalten häufig Ausarbeitungen, Verbesserungen und Ausblicke. Unsere Auseinandersetzung muss daher seinen Hauptwerken zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Evolution insgesamt gelten:
Das Wesen und der Hauptinhalt der theoretischen Nationalökonomie
(1908) analysiert den Kerngehalt und die Grenzen der Gleichgewichtsökonomie Walras’scher Prägung. Durch die Akzentuierung der in der Gleichgewichtstheorie vorhandenen Schranken verweist das Buch auf notwendige Ergänzung durch eine Entwicklungstheorie; darüber hinaus werden bezogen auf das entwicklungstheoretische Feld verschiedene vorläufige Befunde umrissen. Die 626 Seiten starke Schrift wurde nicht ins Englische übersetzt.
24
Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung
(1912) stellt auf 548 Seiten das Herzstück der Schumpeter’schen Entwicklungstheorie dar; besonderes Augenmerk gilt der Persönlichkeit des innovativen Unternehmers. Kapitel VII skizziert eine allgemeine Theorie sozio-ökonomischer Entwicklung. Wesentliche Abschnitte liegen in englischer Übersetzung vor.
25
The Theory of Economic Development: An Inquiry into Profits, Capital, Credit, Interest and the Business Cycle
(1934) ist die Übersetzung der grundlegend neubearbeiteten und gekürzten, 1926 erschienenen zweiten Auflage der
Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung.
26
Das Hauptaugenmerk des im Original 369 Seiten starken Buches ruht darauf, die Kernaussagen der Entwicklungstheorie grundlegend zu formulieren. Ganz auf das sogenannte
Mark I
-Modell konzentriert, rückt die Unternehmerfunktion in den Mittelpunkt; auf das thematisch breit gefächerte letzte Kapitel der ersten Auflage wird verzichtet.
[23]
Konjunkturzyklen. Eine theoretische, historische und statistische Analyse des kapitalistischen Prozesses
(1939), zuerst in englischer Sprache publiziert, lässt sich am ehesten als Darstellung wellenförmiger Wirtschaftsentwicklung auf der Folie des
Mark I
-Modells beschreiben; insgesamt bietet die Studie eine umfassende, gleichwohl skizzenhafte Untersuchung von 150 Jahren kapitalistischer Entwicklung. In den meisten Fällen können viele der 1132 Seiten außer Acht bleiben; dem trägt im Englischen die hervorragende, von Rendigs Fels herausgegebene gekürzte Ausgabe Rechnung.
27
Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie
(1942) lässt sich als eine Art Wiederaufnahme des Schlusskapitels der ersten Auflage von
Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung
lesen, knüpft aber auch an bestimmte Erörterungen in
Konjunkturzyklen
an. So erklärt sich auch, dass die Schrift auf 508 Seiten nicht nur einen skizzenhaften Entwurf des
Mark II
-Modells oligopolistischer Wirtschaftsentwicklung bietet, sondern darüber hinaus auch Anwendungsbeispiele für Schumpeters
Mark III
-Modell sozio-ökonomischer Koevolution.
28
Es erscheint angebracht, die wichtigsten programmatischen Linien nachzuzeichnen, die diese fünf Werke verbinden (siehe Abb. 1.1). Wie wir bereits sahen, bilden die Schriften des frühen Schumpeter eine Art Programmatik in zwei Folgen. Wesen und Hauptinhalt der theoretischen Nationalökonomie sowie die Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung waren ursprünglich als zweibändiges Werk konzipiert, unterschieden sich jedoch letztendlich in ihrer grundlegenden Perspektive. In der ersten Schrift waren es die Kritik der engen Schranken der Gleichgewichtstheorie und die Ankündigung einer «dynamischen» Ergänzung, die Schumpeters Entwicklungstheorie vorbereiteten. Doch die Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung zeigte sich nicht als das angekündigte Komplement, insofern sie klar definierte analytische Instrumente (wie Walras sie bot) vermissen ließ.
Stattdessen arbeitete die Untersuchung die Dichotomie zwischen Routine und Innovationstätigkeit heraus und skizzierte, wie das Verständnis dieser Dichotomie die Grundlage zur Erklärung bedeutender wirtschaftlicher Probleme lieferte. Letztlich, so das Argument, ließ sich darauf aufbauend der Entwicklungsprozess in jedem beliebigen gesellschaftlichen Bereich untersuchen. Die programmatische Formulierung einer allgemeinen Theorie sozio-ökonomischer Evolution führte dazu, die Aufmerksamkeit der Leser vom zugrunde liegenden Mark I-Modell wirtschaftlicher Entwicklung abzulenken. Eine weitere tendenzielle Ablenkung bot die umfangreiche Diskussion, die Schumpeter der Persönlichkeit des innovativen Unternehmers widmete. Schumpeters Lösung bestand darin, die Schrift in der zweiten Auflage radikal zu kürzen und neu zu bearbeiten, sodass beinahe ein eigenständiges Buch entstand. Die relativ klare Darstellung des Mark I-Modells hatte zur Folge, dass die Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung in der Neuauf[24]lage – die dann auch der englischen Übersetzung zugrunde lag – als Ausgangspunkt weiterer Analysen wirtschaftlicher Evolution dienen konnte.
Abbildung 1.1: Programmatische Verbindungen zwischen Schumpeters Hauptwerken. Die Werke Entwicklung41934, Konjunkturzyklen und Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie lassen sich zugleich als die evolutionstheoretische Trilogie beschreiben.
Das abschließende Kapitel der Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung widmete sich nunmehr der evolutionstheoretischen Interpretation von Konjunkturzyklen; und es ist offenkundig, dass Schumpeter, was die praktische Anwendung und Verifizierung seiner Entwicklungstheorie anbelangte, von Anfang an diesen Gegenstand als zentral betrachtet hatte.29 Diese Idee führte er in seiner Studie Konjunkturzyklen weiter aus. Die ersten rund 200 Seiten des Buchs bieten eine Art nochmaliger, extensiver Darlegung des Mark I-Modells ökonomischer Evolution, wobei Schumpeter einige wenige Modifikationen und zahlreiche Erweiterungen vornahm.30 Zweifellos hatte er das Gefühl, eine solche erneute Darlegung sei notwendig, bevor er daranging, eine Theorie der Wellenbewegung wirtschaftlicher Entwicklung zu formulieren, die in der Lage wäre, wichtige Aspekte des weithin diskutierten Phänomens makroökonomischer Konjunkturzyklen zu erklären. Bekanntlich fanden die meisten Ökonomen, Wirtschaftshistoriker und -statistiker Schumpeters Versuch, seine Evolutionstheorie anzuwenden und an historischen und statistischen Daten zu verifizieren, methodisch wenig überzeugend. Dessen ungeachtet besteht kaum Zweifel, dass Schumpeter erwartete, Konjunkturzyklen werde als bedeutende wissenschaftliche Leistung gewürdigt.
Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie wurde Schumpeters bekanntestes Buch, selbst unter Wissenschaftlern. Ein Grund liegt darin, dass es trotz unprätentiöser Sprache und einfacher Lesbarkeit eine Reihe wichtiger Gedanken formuliert. Um den Stellenwert der Studie für Schumpeters Evolutionstheorie zu verstehen, ist es am besten, sie im Kontext der anderen Hauptwerke zu betrachten (siehe Abb. 1.1). In Konjunkturzyklen hatte er die langfristige Veränderung der Mechanismen hervorgehoben, die für die wirtschaftliche Evolution des Kapitalismus verantwortlich sind.31 Während die frühen Stadien kapitalistischer Entwicklung sich [25] zu guten Teilen mithilfe des Mark I-Modells erklären ließen, also unter Verweis auf innovative Unternehmer, die gegen konservative etablierte Unternehmen konkurrieren, scheinen spätere Stadien durch den gleichermaßen Innovation und Anpassung zeigenden, oligopolistischen Wettbewerb großer etablierter Unternehmen charakterisiert. Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie begriff diesen Wandel durch die Einführung des Mark II-Modells ökonomischer Evolution. Bereits in Konjunkturzyklen hatte Schumpeter sich mit den Auswirkungen veränderter gesellschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen des Wirtschaftssystems auseinandergesetzt. In der rein ökonomischen Perspektive der Studie waren derartige Veränderungen als exogene Faktoren zu betrachten, aber bereits im Schlusskapitel der Erstauflage der Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung waren sie als endogene Momente des Gesamtbilds erschienen, in dem der Prozess der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung sich darstellte. Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie nahm die Fragestellung wieder auf und lässt sich als ein Skizze des Mark III-Modells Schumpeters verstehen, das die Momente sozio-ökonomischer Koevolution umgreift. Um den Gesamtprozess dieser Koevolution untersuchen zu können, war es insbesondere notwendig, den staatlichen Sektor in die Analyse einzubeziehen und sich auf der Ebene der Theoriebildung der Entwicklung des politischen Lebens zuzuwenden.
Das Existieren programmatischer Beziehungen zwischen den wichtigsten Werken Schumpeters bedeutet indes nicht, Schumpeter sei der Meinung gewesen, er hätte die Verbindungen mit ausreichender analytischer Strenge ausgearbeitet. Ganz im Gegenteil war er sich mit Blick auf sein persönliches Forschungsprogramm vollkommen dessen «Unvollendetheit» bewusst. Das Folgende lässt sich auf seine Arbeiten insgesamt beziehen, auch wenn Schumpeter es für das Vorwort von Konjunkturzyklen formulierte; er dachte dort über «die Beziehung zu dem von mir vor annähernd dreißig Jahren veröffentlichten Gerüst» nach:
«Es hat mich mehr Zeit gekostet als ursprünglich vorgesehen, dieses Gerüst in ein Haus zu verwandeln, den Ergebnissen meiner späteren Arbeiten Gestalt zu geben, die historischen und statistischen Ergänzungen zu liefern und die alten Gesichtskreise auszuweiten. Dennoch hege ich Zweifel, ob das Ergebnis [Konjunkturzyklen] diese Metapher rechtfertigt. Das Haus ist gewiss nicht schlüsselfertig und vollkommen eingerichtet – zu viele Lücken starren uns entgegen, zu viele Wünsche sind unerfüllt geblieben. … Die jüngere Generation der Wirtschaftswissenschaftler sollte das Buch lediglich als Zielscheibe für etwaige Angriffe oder als Sprungbrett für eigene Versuche ansehen – als ein gutfundiertes Programm für weitere Forschung. Nichts würde mir jedenfalls größere Befriedigung geben.»32
[26] 3. Schumpeters evolutionäres Grundmodell
Die Untersuchung des Schumpeter’schen Forschungsprogramms und der Art und Weise, wie es sich in seinen Hauptwerken realisierte, wird durch den Umstand erleichtert, dass sein Ausgangspunkt relativ klar ist. Diesen Ausgangspunkt bildet das Mark I-Modell – und Schumpeters Darstellung nimmt im Großen und Ganzen die Perspektive des innovativen Unternehmers ein. Doch lässt sich das Modell auch aus der Perspektive der Verlierer des Entwicklungsprozesses betrachten, was nicht zuletzt die Verbindung zum Mark III-Modell sozio-ökonomischer Koevolution erkennbar werden lässt. Akteure mit einem Partikularinteresse an der Aufrechterhaltung eines stationären Zustands – eines Zustands, in dem die Entwicklung zeitweise zum Stillstand gekommen ist – werden durch die Wirtschaftsentwicklung in ihrer Stellung bedroht, da der Entwicklungsprozess ihre Routinetätigkeit fortwährend zerstört. Sie werden daher bemüht sein, sich einer durch eine neue Welle der Innovation drohenden Wiederholung einer solchen schmerzlichen Erfahrung energisch entgegenzustellen. Ihre Machtstellung entscheidet weitgehend über die Geschwindigkeit der Verdrängung alter durch neue Routinen «im ewigen Sturm schöpferischer Zerstörung».33 In den feudalen Ökonomien Europas behielten die Gegner der «schöpferischen Zerstörung» für gewöhnlich die Oberhand; das Ergebnis war lange Zeit beinahe ein Stillstand wirtschaftlicher Entwicklung. Eine derartige Stasis war dem Kapitalismus in seiner klassischen Epoche fremd. Die Schumpeter’schen Unternehmer kannten keine Rücksicht auf die gesellschaftlichen Kosten ihres Handelns, und die Grenzen der Wirtschaftstätigkeit erweiterten sich relativ ungehindert. Die eigene Ohnmacht dämpfte indes nicht den Groll der in gewohnten Bahnen Verharrenden. Zudem sah auch die klassische Epoche des Kapitalismus verschiedentlich soziale und politische Bewegungen entstehen, die sich der «schöpferischen Zerstörung» entweder schlicht entgegenstellten oder die daraus entstehenden Gewinne umverteilt sehen wollten.
Die kurze Beschreibung der Grundlinien Schumpeter’scher Theorie erweckt womöglich den Eindruck, ihr Autor sei im Wesentlichen ein Wirtschaftssoziologe gewesen, in dessen Denken elementare ökonomische Konzepte und Modelle keine Rolle gespielt hätten. Doch täuscht dieser Eindruck. Eine solche Beschreibung wirtschaftlicher Entwicklung aus der Perspektive der Verlierer des Prozesses lässt sich als evolutionstheoretische Reformulierung des Walras’schen allgemeinen Gleichgewichtsmodells interpretieren. Schumpeters Betrachtung setzt in dem Moment ein, da das Wirtschaftssystem einen Gleichgewichtszustand erreicht hat. Dieser Zustand erleichtert es, die Rolle des Schumpeter’schen Unternehmers zu bestimmen. Diese Rolle besteht im Mark I-Modell darin, den zeitweiligen Gleichgewichtszustand des Wirtschaftssystems durch Innovation zu durchbrechen:
[27] Ursprüngliches Gleichgewicht: Ausgangspunkt ist ein Wirtschaftssystem, in dem die Evolution zum Stillstand gekommen ist. Ein solches System befindet sich, so die Annahme, in einem Gleichgewichtszustand, der es den wirtschaftlichen Akteuren erlaubt, Jahr für Jahr auf gewohnte Weise ihrer Tätigkeit nachzugehen. Wir haben hier ein Wirtschaftssystem, das auf robuster Routine beruht.
Ökonomische Innovation: Das ursprüngliche Gleichgewicht bricht in dem Moment zusammen, da eine Minderheit von Neuerern die gewohnten Bahnen verlässt und an bestimmten Punkten Innovationen einführt. Unter kapitalistischen Bedingungen werden die Neuerer – die Schumpeter’schen Unternehmer – durch ein starkes Kreditsystem unterstützt.
Schöpferische Zerstörung und neuerliches Gleichgewicht: Auf den Konkurrenzkampf zwischen innovierenden und beharrenden Akteuren folgt das abermalige Etablieren eines Systems robuster ökonomischer Routine.
Wellenförmige ökonomische Evolution: Das neuerliche Gleichgewicht bildet die Grundlage einer weiteren Phase irritierender Innovationstätigkeit. Die langfristige wirtschaftliche Entwicklung besteht aus Abfolgen von auf Routine beruhendem Gleichgewicht und dagegen sich richtender Innovation. Diese Wellenform des Evolutionsprozesses bringt Konjunkturzyklen und Wirtschaftskrisen hervor.
Das analytische Grundmuster des Mark I-Modells bedurfte weiterer Spezifizierung, die Schumpeter in zahlreichen Fällen vornahm, indem er eingeführte ökonomische Konzepte adaptierte, um sie im Sinne seiner Entwicklungstheorie verwenden zu können. Tatsächlich ordnete er die Entwicklung all seiner Begriffe einer einzigen «analytischen Absicht» unter, «nämlich der Absicht, die Tatsachen der Innovation zur Grundlage unseres Modells für den Prozeß der wirtschaftlichen Veränderung zu machen».34 An einem ganzen Arsenal von Mark I-Definitionen wird dies deutlich:
Innovation: «Wir wollen … die Innovation einfach als die Aufstellung einer neuen Produktionsfunktion definieren.»
35
Das alte Funktionieren der Produktion, so setzt die Definition voraus, lässt sich als Routine beschreiben, Neuerungen bedürfen einer Anstrengung.
Unternehmer: «Für Handlungen, die in der Durchführung von Innovationen bestehen, behalten wir uns den Ausdruck ‹Unternehmung› vor; die Personen, die sie durchführen, nennen wir Unternehmer.»
36
Das Problem der Unternehmung (oder des Vorhabens), eine neue, auf Innovation gegründete Firma aufzubauen, ist die Besonderheit, die den Schumpeter’schen Unternehmer als ökonomischen Akteur auszeichnet.
[28] Gewinn: Ein «Unternehmer, der … eine Innovation durchführt, … wird … Unternehmergewinn oder einfach Gewinn» einnehmen.
37
Die Rentabilität einer Innovation ist vom Beharrungsvermögen der ‹alten› Unternehmungen ebenso abhängig wie von der Geschwindigkeit, mit der andere Firmen jene Innovation nachahmen.
Kredit «ist wesentlich Kaufkraftschaffung zum Zwecke ihrer Überlassung an den Unternehmer».
38
Die Definition unterstellt, dass der Unternehmer im
Mark I
-Modell über keine Möglichkeit einer Eigenfinanzierung verfügt.
Kapital ist «jene Summe von … Zahlungsmitteln, welche zur Überlassung an den Unternehmer in jedem Zeitpunkte verfügbar ist».
39
Diese Definition steht offenkundig im Gegensatz zu anderen, die Geldkapital als automatisch sich vermehrend und/oder als die treibende Kraft des Entwicklungsprozesses betrachten.
Konjunkturzyklen: «Innovation [reicht] aus …, um abwechselnd Prosperitäten und Depressionen hervorzubringen».
40
Dies ist indes keine Definition, sondern ein These, von der Schumpeter fest überzeugt war. Gleichzeitig sah er voraus, dass die Wellenform ökonomischer Entwicklung weniger ausgeprägt hervortreten wird, je stärker ein Wirtschaftssystem dem
Mark II
-Modell entspricht.
Wirtschaftliche Entwicklung: «Die Veränderungen im wirtschaftlichen Prozeß, die durch Innovation hervorgerufen werden, zusammen mit all ihren Wirkungen und der Reaktion des ökonomischen Systems auf diese Veränderungen, werden wir mit dem Ausdruck wirtschaftliche Entwicklung bezeichnen.»
41
Wirtschaftliche Entwicklung führt zu irreversiblen Veränderungen ökonomischer Routinen; die Veränderungen lassen sich ohne große Mühe durch den Vergleich eines ökonomischen Gleichgewichtszustands mit dem darauffolgenden untersuchen.
Kapitalismus: «Kapitalismus ist jene Form privater Eigentumswirtschaft, in der Innovationen mittels geliehenen Geldes durchgeführt werden, was im allgemeinen, wenn auch nicht mit logischer Notwendigkeit, Kreditschöpfung voraussetzt.»
42
Diese
Mark I
-Definition sieht den Kapitalismus durch einen Entwicklungsprozess bestimmt. Ein stationäres Wirtschaftssystem wäre demnach kein kapitalistisches.
Kapitalistische Entwicklung heißt der Prozess «der wirtschaftlichen Entwicklung, wie sie das institutionelle Gefüge der bürgerlichen Gesellschaft bedingt und von ihm bedingt wird».
43
Kapitalistische Entwicklung im übergreifenden Sinn umschließt die gleichzeitige Entwicklung aller Bereiche der kapitalisti[29]schen Gesellschaft. Falls und sobald diese Koevolution dazu führen sollte, dass der Prozess der wirtschaftlichen Entwicklung ins Stocken gerät, hätte der Kapitalismus aufgehört zu existieren.
Die Liste der Definitionen unterstreicht, dass der Schlüssel für Schumpeters Theorie wirtschaftlicher Entwicklung Innovation heißt. Deren Definition – Innovation als Einführung neuer Produktionsfunktionen – setzt ein System etablierter ökonomischer Routinekonstellationen voraus, in dem allein die Vorstellung eines innovativen Sprungs einen Sinn ergibt. Tatsächlich ging Schumpeter in der Regel von einer sehr speziellen Art von Evolutionsprozessen aus, die stärker vagen Vorstellungen von «durchbrochenen Gleichgewichtszuständen» ähnelt, wie sie in der biologischen Evolutionstheorie der Punktualismus gegen gradualistische Ansätze entwickelte.44 Hatte das Motto zu Alfred Marshalls Principles of Economics noch «Natura non facit saltum» gelautet, so war Schumpeters Evolutionstheorie überschrieben: «Natura facit saltus» – die Natur macht (plötzliche) Sprünge.45
4. Zum Aufbau des Buches
Das vorliegende Buch präsentiert drei verschiedene, doch miteinander verbundene Gegenstände. Zunächst einmal stellt es Schumpeters Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung als eine wesentliche Ergänzung zur in der Ökonomie vorherrschenden Gleichgewichtstheorie dar. Zweitens ist der Band bemüht aufzuweisen, dass es Schumpeters Absicht war, von der Untersuchung wirtschaftlicher Evolution zu einer allgemeinen Theorie gesellschaftlicher Entwicklung fortzuschreiten – und dass er tatsächlich zu einer solchen allgemeinen Entwicklungstheorie beigetragen hat. Drittens schließlich präsentiert das Buch die wichtigsten Stationen des wissenschaftlichen Lebens Schumpeters auf eine Art, die seine theoretischen Beiträge zu kontextualisieren und manche der zahlreichen Ungereimtheiten seiner Theorie womöglich aufzulösen hilft. Diese dritte Fragestellung des Buchs schließt an die Biographien von Robert Loring Allen, Richard Swedberg und Thomas McCraw an und ergänzt sie.46 Darüber hinaus dienen die biographischen Kapitel dazu, das Buch in vier Teile zu gliedern.
Der erste Teil wird eingeleitet durch Kapitel II, «Der frühe Schumpeter 1883–1913». Dem schließen sich zwei Kapitel an, die sich mit Schumpeters frühen programmatischen Werken auseinandersetzen, also mit Wesen und Hauptinhalt [30] der theoretischen Nationalökonomie sowie mit der Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung. Kapitel III beschreibt die Konzeption der Entwicklungstheorie Schumpeters als Ergänzung der Walras’schen Gleichgewichtstheorie, während Kapitel IV sich darauf konzentriert, die Ausarbeitung der Entwicklungstheorie aus der Untersuchung der Funktion des innovativen Unternehmers nachzuvollziehen. Die Schumpeter’sche Untersuchung stützt sich auf die Theorie des routinisierten Wirtschaftskreislaufs in einem stationären ökonomischen System; mit der Einführung innovativer Unternehmer und Bankiers in diesem stationären System kann die Analyse wirtschaftlicher Evolution ihren Ausgang nehmen. Die Beschreibung von Wellen ökonomischer Entwicklung erweitert das Grundmodell, bei nur relativ geringfügigen Ergänzungen der ursprünglichen Annahmen. Aufbauend darauf widmet sich Kapitel V Schumpeters «Standardbeispiel», dem Eisenbahnbau und dessen Bedeutung für die Wirtschaft im 19. Jahrhundert.
Der knapper gehaltene zweite Teil beginnt mit Kapitel VI, «Intermezzo 1914–1925». Schumpeter engagierte sich in den Jahren des Weltkriegs und des Wiederaufbaus politisch, er war Finanzminister der österreichischen Republik und wirkte als Bankier. Dessen ungeachtet arbeitete und publizierte er weiterhin akademisch; zu seinen Beiträgen aus jenen Jahren gehören mehrere lange Aufsätze zu konkreten Fragen des gesellschaftlichen Wandels. Kapitel VII ist vor allem dazu gedacht, den Kontext und die Inhalte der umfassenden Theorie der gesellschaftlichen Entwicklung Schumpeters zu erörtern, wie sie sich erstmals im abschließenden (und später gestrichenen) siebten Kapitel seiner Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung ankündigte.
Der umfangreiche dritte Teil behandelt Schumpeters Denken in der Zeitspanne, die von der zweiten Auflage der Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung über Konjunkturzyklen bis zu Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie reicht. Seine Arbeit an der Universität Bonn ist Gegenstand von Kapitel VIII, «Das kleine Mekka für Ökonomen 1925–1932», und die produktivsten Jahre seiner Zeit in den Vereinigten Staaten beschreibt Kapitel IX, «Der Harvard-Professor und seine Projekte 1932–1942». Dem folgen fünf theoretisch orientierte Kapitel. Kapitel X bietet eine kurze Einführung in Schumpeters evolutionstheoretische Trilogie und erläutert die Funktionsweise seiner zentralen Entwicklungsmodelle: Mark I fußt auf unternehmerischer Innovation und Adaption, Mark II bezieht sich auf oligopolistische Innovation und Adaption, Mark III schließlich ist eine Modell der Koevolution gesellschaftlicher Kernbereiche. Kapitel XI stellt die grundlegende Funktionsweise des Mark I-Modells dar, wie Schumpeter es in der zweiten Auflage der Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung und in Konjunkturzyklen ausarbeitete. Das Modell basiert auf einander abwechselnden Phasen von Innovation und Adaption; zugleich bietet es die Möglichkeit, Prosperität und Rezession zu analysieren, die, Schumpeter zufolge, die wirtschaftliche Entwicklung unter kapitalistischen Bedingungen kennzeichnen. Kapitel XII beschreibt sodann die Erweiterung der theoretischen Annahmen, was Schumpeter erlaubte, eine Theorie makroökonomischer Konjunkturzyklen zu formulieren. Das folgende Kapitel XIII [31] beendet die Auseinandersetzung mit dem Mark I-Modell durch die Untersuchung des Versuchs Schumpeters, in Konjunkturzyklen die Spanne von 150 Jahren kapitalistischer Wirtschaftsentwicklung zu analysieren; zum Einsatz kam dabei eine nochmals erweiterte Version des Modells, die nun auch Kondratieff-Wellen und Juglar-Zyklen einbezog. Auch die beiden letzten Kapitel des dritten Teils sind diesem theoretischen Ansatz der Analyse des Kapitalismus gewidmet, beziehen sich dabei allerdings auf Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie. Die historische Studie in Konjunkturzyklen hatte Schumpeter gezeigt, dass die Grundmechanismen kapitalistischer Entwicklung einem Wandel unterworfen waren. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, skizzierte er in seinem späteren Buch das Mark II-Modell oligopolistischer Innovation und Adaption, mit dem sich Kapitel XIV befasst. Kapitel XV bezieht sich auf Schumpeters Auseinandersetzung mit der Tatsache, dass die langfristigen gesellschaftlichen Bedingungen ökonomischer Entwicklung im Kapitalismus ebenfalls Veränderungen unterliegen; diese Entwicklungen versucht die Beschreibung der Koevolution gesellschaftlicher Kernbereiche zu begreifen, das sogenannte Mark III-Modell. Das Funktionieren dieses Modells setzte letztlich voraus, alle wesentlichen Bereiche der Gesellschaft evolutionstheoretisch zu untersuchen. Eine systematische Behandlung der Schumpeter’schen Theorien politischer und wissenschaftlicher Evolution würde allerdings den Rahmen der Darstellung sprengen.
Der vierte Teil besteht lediglich aus Kapitel XVI, «Die letzten Jahre 1943–1950». Dieses abschließende Kapitel unterstreicht den unvollendeten Charakter von Schumpeters Theorie wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklung und wendet sich in diesem Zusammenhang verschiedenen, zum Zeitpunkt seines Todes nicht fertiggestellten Projekten zu, darunter auch einem umfangreichen Studie, der posthum veröffentlichten Geschichte der ökonomischen Analyse. Doch hinterließ er darüber hinaus weitere «laufende Arbeiten» – und letztlich ist mit diesem Ausdruck Schumpeters Entwicklungstheorie insgesamt zu kennzeichnen.47 Weitere Forschungsarbeit ist dringend notwendig, lautet somit das implizite Fazit des vorliegenden Buches. Wie genau eine solche Fortsetzung aussehen könnte, bleibt dabei außerhalb des hier gezogenen Rahmens; dies zu spezifizieren, bedürfte der Durchsicht der entwicklungstheoretisch ausgerichteten sozialwissenschaftlichen Forschung der vergangenen Jahrzehnte ebenso wie des Nachdenkens darüber, welche Herausforderungen Schumpeters Werk ambitionierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach wie vor bietet. Seine «letzte These» immerhin, mit der er die Bedeutung historischer Untersuchungen der wirtschaftlichen Entwicklung für theoretische und statistische Analysen unterstreicht, bietet zumindest einen Ansatz für eine solche Spezifizierung. Die Evolutionstheorie bezieht sich auf Geschichte, und sie kann nicht gelingen ohne sorgfältig zusammengestellte und ausgewertete Längsschnittdaten.
[32] Der hier beschriebene Aufbau meines Buches legt offenkundig nahe, die Biographie des Wissenschaftlers Schumpeter und seine Entwicklungstheorie, ihre ökonomischen und soziologischen Aspekte, gemeinsam zu betrachten. Der Band vereint indes drei relativ unabhängige Gegenstände, und diesen Umstand können sich eilige Leserinnen und Leser zunutze machen. Tatsächlich greifen in der Darstellung drei thematische Stränge ineinander (die alle mit diesem einleitenden Kapitel beginnen). Der erste Strang könnte «Die Biographie des Wissenschaftlers Joseph A. Schumpeter» überschreiben sein und würde die Kapitel II, VI, VIII, IX und XVI umfassen. Der zweite Strang behandelt «Schumpeters Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung» und zieht sich durch die Kapitel III, IV, V, X, XI, XII, XIII und XIV. Der dritte Strang schließlich präsentiert «Schumpeters Theorie der gesellschaftlichen Entwicklung» und findet sich inhaltlich im Wesentlichen in den Kapiteln VII und XV. Doch gerade die an diesem Strang Interessierten sollten beachten, dass erstens gesellschaftliche Entwicklung auch in anderen Kapiteln eine Rolle spielt, zweitens eine gewisse Beschäftigung mit ökonomischen Fragestellungen (wie beispielsweise in Teilen der Kapitel V, XIII und XIV) unerlässlich ist, da Schumpeters Ansatz von der Untersuchung wirtschaftlicher Entwicklung ihren Ausgang nimmt, und drittens Schumpeters Theorie politischer und wissenschaftlicher Entwicklung weitgehend ausgeklammert bleibt.48
1 Vgl. insbesondere Seymour E. Harris (Hg.), Schumpeter. Social Scientist, Cambridge, MA: Harvard University Press 1951.
2 Paul A. Samuelson, Schumpeter as a Teacher and Economic Theorist, in: Review of Economics and Statistics, 33. Jg. (1951), S. 98–103, hier S. 98.
3 Ders., Schumpeter as an Economic Theorist, in: Helmut Frisch (Hg.), Schumpeterian Economics, Eastbourne and New York: Praeger 1981, S. 1.
4 Ebd.
5 Schumpeter 1921, S. 118.
6 Samuelson, Schumpeter as an Economic Theorist, S. 1.
7 Wassily Léontief, Joseph A. Schumpeter (1883–1950), in: Econometrica, 18. Jg. (1950), S. 103–110, hier S. 104.
8 Ebd., S. 105.
9 Ebd.
10 Zyklen, S. 42–43.
11 Schumpeter 2000, S. 43–44.
12 Michio Morishima und George Catephores, Anti-Say’s Law versus Say’s Law. A Change in Paradigm, in: Horst Hanusch (Hg.), Evolutionary Economics. Applications of Schumpeter’s Ideas, Cambridge, MA: Cambridge University Press 1988, S. 42.
13 Schumpeter 1937, S. XXIII.
14 Ebd.
15 Christopher Freeman, Schumpeter’s Business Cycles revisited, in: Arnold Heertje/Mark Perlman (Hg.), Evolving Technology and Market Structure. Studies in Schumpeterian Economics, Ann Arbor, MI: University of Michigan Press 1990, S. 28.
16 Schumpeter 1954, S. 16–17.
17 Zyklen, S. 5.
18 Vgl. Entwicklung.
19 Schumpeter 1926b; und 1934b.
20 Schumpeter 1939, passim.
21 Entwicklung, S. LII; Entwicklung 41934, S. IX.
22 Siehe hierzu unten, Kapitel X.
23 Vgl. Massimo M. Augello, Joseph Alois Schumpeter. A Reference Guide, Berlin u. a.: Springer 1990; Andersen, Schumpeter’s Evolutionary Economics, S. 449–460.
24 Vgl. Wesen.
25 Vgl. Entwicklung; in englischer Übersetzung findet sich Kapitel II in Schumpeter 1912c, eine Vorarbeit zu Kapitel VI in Schumpeter 1910c und Kapitel VII in Schumpeter 1912b.
26 Vgl. Entwicklung 41934; Schumpeter 1926b; und 1934b.
27 Vgl. Zyklen; Schumpeter 1939; und 1964.
28 Vgl. Kapitalismus; Schumpeter 1942; und 1950b.
29 Entwicklung 41934, S. 318–369.
30 Zyklen, Kap. I–IV.
31 Vgl. auch Schumpeter 1928b.
32 Zyklen, S. 5.
33 Kapitalismus, S. 143.
34 Zyklen, S. 94.
35 Ebd., S. 95.
36 Ebd., S. 110.
37 Ebd., S. 112–113.
38 Entwicklung 41934, S. 153.
39 Ebd., S. 173.
40 Zyklen, S. 148.
41 Ebd. S. 94.
42 Ebd., S. 234.
43 Ebd., S. 315.
44 Vgl. etwa Stephen Jay Gould, The Structure of Evolutionary Theory, Cambridge, MA/ London: Harvard University Press 2002.
45 Vgl. Alfred Marshall, Principles of Economics (1890), 9. Aufl., London: Macmillan 1961.
46 Robert Loring Allen, Opening Doors. The Life and Work of Joseph Schumpeter, 2 Bde., New Brunswick, NJ/London: Transaction 1991; Richard Swedberg, Joseph A. Schumpeter. Eine Biographie (1991), aus dem Englischen übers. von Johannes G. Pankau, Stuttgart: Klett- Cotta 1994; Thomas K. McCraw, Joseph A. Schumpeter. Eine Biographie (2007), aus dem Englischen übers. von Doris Gerstner und Michael Hein, Hamburg: Murmann 2008.
