Jozef Filsers Briefwexel (Satire) - Ludwig Thoma - E-Book

Jozef Filsers Briefwexel (Satire) E-Book

Ludwig Thoma

0,0
0,49 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

In 'Jozef Filsers Briefwexel' von Ludwig Thoma handelt es sich um eine humorvolle und scharfsinnige Satire, die als Sammlung von Briefen zwischen verschiedenen Charakteren dargestellt wird. Das Buch spiegelt Thomas scharfen sozialen Kommentar und seinen satirischen Blick auf die bayerische Gesellschaft wider. Mit seinem ironischen Stil und prägnanten Dialogen schafft Thoma eine lebhafte Darstellung der menschlichen Schwächen und der Absurditäten des Alltags. Die Figuren in diesem Werk sind mit fein gezeichneten Charakterzügen versehen, die dem Leser einen tiefen Einblick in die bayerische Kultur und Gesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts bieten. Dabei gelingt es Thoma, sowohl Unterhaltung als auch kritische Reflexion zu vereinen. Ludwig Thoma, als bayerischer Schriftsteller und Jurist, schöpft seine Inspiration aus seinen eigenen Erfahrungen und Beobachtungen der Gesellschaft. Sein scharfer Humor und seine genaue Beobachtungsgabe spiegeln sich in diesem Werk wider, das als Wendepunkt in Thomas Schaffen angesehen werden kann. Mit 'Jozef Filsers Briefwexel' zeigt Thoma sein Talent als Satiriker und sorgt für schallendes Gelächter und nachdenkliches Stirnrunzeln gleichermaßen. Leser, die Spaß an pointierten Dialogen und tiefsinniger Gesellschaftskritik haben, werden von diesem Buch begeistert sein. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine prägnante Einführung verortet die zeitlose Anziehungskraft und Themen des Werkes. - Die Synopsis skizziert die Haupthandlung und hebt wichtige Entwicklungen hervor, ohne entscheidende Wendungen zu verraten. - Ein ausführlicher historischer Kontext versetzt Sie in die Ereignisse und Einflüsse der Epoche, die das Schreiben geprägt haben. - Eine gründliche Analyse seziert Symbole, Motive und Charakterentwicklungen, um tiefere Bedeutungen offenzulegen. - Reflexionsfragen laden Sie dazu ein, sich persönlich mit den Botschaften des Werkes auseinanderzusetzen und sie mit dem modernen Leben in Verbindung zu bringen. - Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor. - Interaktive Fußnoten erklären ungewöhnliche Referenzen, historische Anspielungen und veraltete Ausdrücke für eine mühelose, besser informierte Lektüre.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 243

Veröffentlichungsjahr: 2017

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Ludwig Thoma

Jozef Filsers Briefwexel

(Satire)

Bereicherte Ausgabe. Briefwexel eines bayrischen Landtagsabgeordneten
Einführung, Studien und Kommentare von Sophie Braun

Books

- Innovative digitale Lösungen & Optimale Formatierung -
Bearbeitet und veröffentlicht von Musaicum Press, 2017
ISBN 978-80-272-1481-5

Inhaltsverzeichnis

Einführung
Synopsis
Historischer Kontext
Jozef Filsers Briefwexel (Satire)
Analyse
Reflexion
Unvergessliche Zitate
Notizen

Einführung

Inhaltsverzeichnis

Wo eine selbstgewisse, halbbildungsstolze Stimme mit schiefen Worten gerade dadurch Wirkung erzielt, dass sie die Schwächen eines Systems nachspricht und überzeichnet, zeigt Jozef Filsers Briefwexel, wie aus sprachlichem Kuddelmuddel, ehrgeizigem Geltungsdrang und routinierter Geschäftigkeit eine satirische Wahrheit entsteht, die Lachen provoziert und zugleich den Blick schärft für die bequemen Ausreden, die kleinen Vorteile und die große Pose, mit denen sich Macht behauptet, während die Wirklichkeit sich in Formulare, Vereinsmeierei und vorteilsbewusstes Handeln auflöst, indem die Figur in Briefen den eigenen Horizont ausbreitet, ohne ihn je zu hinterfragen, entsteht eine Reibung, in der Witz, Peinlichkeit und Erkenntnis untrennbar zusammenfallen.

Das Werk ist eine Satire in Briefform und führt in ein bayerisches Milieu aus Amtsstuben, Vereinen und kommunaler Politik. Ludwig Thoma, einer der prägenden satirischen Autoren im deutschsprachigen Raum, gestaltet die fiktive Korrespondenz der Titelfigur als kunstvoll falsches Schreiben, dessen orthografische Verrenkungen Teil der Pointe sind. Entstanden ist der Text im frühen 20. Jahrhundert, als München und das Umland von rasantem Wandel, urbaner Selbstinszenierung und einer geschwätzigen Verwaltungskultur geprägt waren. Vor diesem Hintergrund setzt die Sammlung die Mechanik eines bestimmten bürgerlichen Habitus ins Bild: nah am Alltag, genau beobachtet, polemisch zugespitzt und doch von detailbewusster, literarischer Formung getragen.

Im Zentrum steht ein erfundener Briefwechsel, in dem Jozef Filser sich an Amtspersonen, Parteifreunde, Vereinsvorstände oder private Bekannte wendet, um Bitten, Beschwerden und Selbstrühmlichkeiten vorzutragen. Die Texte erschließen seine Welt von innen: Ein Mann, der überzeugt ist, alles richtig zu machen, setzt seine Angelegenheiten durch, indem er Nähe betont, Seilschaften pflegt und Regeln nach Bedarf auslegt. Die Handlung entsteht nicht aus großen Wendungen, sondern aus kleinen Anlässen, die sich in der Schreibe zu bedeutsamen Fällen aufblasen. Das Ergebnis ist eine komödiantische Chronik des Alltäglichen, die fortwährend zwischen Naivität und Kalkül oszilliert.

Das Leseerlebnis wird wesentlich von der Stimme getragen: einer orthografisch verbeulten, doch rhythmisch einprägsamen Sprache, die auf Anhieb eine Figur hörbar macht. Ludwig Thoma nutzt Missverständnisse, falsche Fremdwörter und verschobene Redewendungen als satirisches Instrument; die Komik entsteht aus der Differenz zwischen behaupteter Kompetenz und tatsächlichem Ausdruck. Der Ton schwankt zwischen launiger Derbheit und präziser Beobachtung, nie grob um der Grobheit willen, sondern mit kalkulierter Pointierung. Die Briefform erzeugt Tempo: Anliegen werden knapp angerissen und überspannt, Antworten bleiben oft nur als Echo präsent, wodurch die Leserinnen und Leser die Leerstellen sinnfällig miterarbeiten.

Zentrale Themen sind die Verführbarkeit durch Sprache, die soziale Ökonomie von Titeln und Beziehungen sowie die Elastizität von Regeln, wenn Nähe oder Nutzen winken. Die Figur macht verständlich, wie Bürokratie nicht nur verwaltet, sondern auch Hierarchien stabilisiert, indem sie Zugehörigkeit belohnt und Distanz sanktioniert. Ebenso sichtbar wird eine provinzielle Moderne, die sich mit Schlagworten schmückt, ohne deren Gehalt zu prüfen. Hinter der humorvollen Oberfläche liegt eine Studie über Selbsttäuschung: Der Briefeschreiber glaubt, das Allgemeinwohl zu vertreten, und verwechselt doch regelmäßig persönliche Interessen mit Prinzipien – ein Mechanismus, den die Satire mit scharfem Blick seziert.

Gerade darin liegt die anhaltende Aktualität des Buches: Es zeigt, wie Rhetorik Wirklichkeit verkleidet, wie Netzwerke Entscheidungen formen und wie vermeintliche Authentizität als Strategie funktioniert. Wer heutige Schlagabtausche in Politik und Verwaltung betrachtet, erkennt vertraute Muster: die Lust an der einfachen Formel, die Abwertung von Expertise, das Ausnutzen diffuser Zuständigkeiten. Der satirische Zugriff Ludwig Thomas schult das Ohr für Floskeln und für die kleinen Verschiebungen, mit denen Verantwortung weitergereicht wird. Die Komik entwaffnet, bevor sie aufklärt; sie lädt zum Lachen ein und öffnet zugleich den Raum, um die eigenen Rezeptionsgewohnheiten kritisch zu überprüfen.

Wer Jozef Filsers Briefwexel liest, erhält mehr als eine Abfolge komischer Briefe: Es ist eine Schule der Aufmerksamkeit, die zeigt, wie Form und Haltung ineinandergreifen. Die sorgfältig komponierte absichtlich fehlerhafte Orthografie verlangt Mitdenken, belohnt jedoch mit pointierter Erkenntnis über Mechanismen der Macht im Kleinen. Als satirischer Klassiker aus dem bayerischen Umfeld des frühen 20. Jahrhunderts verbindet das Werk Zeitkolorit mit überraschender Gegenwartsnähe. Es eignet sich für Leserinnen und Leser, die Humor nicht als bloße Unterhaltung begreifen, sondern als präzises Werkzeug der Kritik – und die bereit sind, den feinen Unterschied zwischen Lachen und Erkennen auszukosten.

Synopsis

Inhaltsverzeichnis

Ludwig Thoma entwirft in der Satire Jozef Filsers Briefwexel ein breites Panorama provinzieller Politik im frühen 20. Jahrhundert. In Form eines Briefwechsels lässt er die fiktive Figur Jozef Filser sprechen, einen lokal verankerten Politiker, der mit amtlichen Stellen, Parteifreunden, Vereinen und Zeitungen korrespondiert. Die bewusst holprige, volkstümlich gefärbte Schreibweise dient als satirisches Instrument und macht Denkfehler, Eitelkeiten und Machttechniken sichtbar. Der Text inszeniert die Bühne des Alltags, auf der Karriereambitionen, Moralappelle und Opportunismus aufeinandertreffen. So entsteht ein fortlaufendes Protokoll von Anliegen, Interventionen und Selbstrechtfertigungen, das den Leser nahe an Filsers Selbstbild und seine Wirkungsräume heranführt.

Zu Beginn zeichnet der Briefwechsel Filsers Bemühungen nach, sich als unentbehrlicher Sachwalter lokaler Interessen zu etablieren. Er bittet um Gefälligkeiten, empfiehlt Bekannte für kleine Posten, weist auf Missstände hin und drängt auf rasche Lösungen. In seinen Schreiben präsentiert er sich als Stimme des gesunden Menschenverstands, die Tradition, Ordnung und Heimat schützen will. Gleichzeitig tritt ein zentrales Spannungsverhältnis hervor: Zwischen dem Anspruch, zu führen, und der Fähigkeit, komplexe Sachverhalte zu erfassen, klafft eine Lücke. Wiederkehrende Muster sind fordernde Petitionen, moralisierende Ermahnungen und die Selbstversicherung, stets dem Gemeinwohl zu dienen und sichtbar zu bleiben.

Die Korrespondenz weitet sich auf alltägliche Verwaltungs- und Kulturfragen aus: Bewilligungen, Schulangelegenheiten, kirchliche Feste, Vereinsfeiern. Filser interveniert, baut Druck auf, verknüpft Entscheidungen mit persönlicher Loyalität und verweist auf vermeintliche Mehrheiten. Behörden antworten ausweichend oder formalistisch, worauf er die Tonlage verschärft. So wachsen Missverständnisse und Kompetenzgerangel, während der Text die Mechanik von Klientelismus und symbolischer Politik freilegt. Das satirische Zentrum liegt im Kontrast von großspuriger Rhetorik und dürftiger Sachkenntnis. Zugleich wird deutlich, wie leicht öffentliche Kommunikation ins Theaterhafte kippt, wenn Ansehen, Ehre und parteiliche Abzeichen wichtiger als Lösungen werden, für reale Probleme.

Ein markanter Wendepunkt setzt ein, als eine öffentlich sichtbare Angelegenheit aus dem Ruder läuft und Filser unversehens in einer Kontroverse steht. Ein missratener Vorstoß, eine unklare Kassen- oder Personalfrage oder ein überdehnter Auftritt sorgt für Gesprächsstoff. Nun entfaltet sich hektische Schadensbegrenzung: Er bittet um wohlwollende Stellungnahmen, droht Kritikern, relativiert frühere Aussagen und versucht, den Deutungsrahmen zu kontrollieren. Presseorgane und Parteigremien werden zu Austragungsorten des Streits. Der Briefwechsel zeigt, wie Widersprüche sich verketten, wenn Selbstdarstellung über Sachlichkeit siegt, und wie rasch Beziehungen kippen, sobald Vorteile und Gesichtsverlust gegeneinander aufgerechnet werden, im lokalen Umfeld.

Parallel rücken private und halböffentliche Belange ins Bild. Verwandte, Wirte, Vereinsvorstände und Honoratioren wenden sich mit Wünschen und Beschwerden an Filser. Er vermittelt, verteilt Zuwendungen und erteilt Rügen, stets bemüht, moralische Prinzipien mit Nützlichkeit zu verbinden. Dadurch verdichtet sich das Leitmotiv der Doppelmoral: Das proklamierte Pflichtethos kollidiert mit Patronage, und der Ton schwankt zwischen Schutzpatron und Gönner. Die Briefe offenbaren wachsende Nervosität vor Reputationsverlust, zugleich den Willen, jeden Vorgang als Beleg eigener Unentbehrlichkeit umzudeuten. Indirekt lassen sich Gegenstimmen erahnen, deren Inhalte aus Antwortschreiben und Gerüchten in Filsers Notizen durchscheinen und ihn verunsichern.

In der Spätphase des Briefwechsels ziehen sich lose Fäden zusammen, ohne eine endgültige Auflösung zu liefern. Eine Entscheidung, ein Bericht oder eine Abstimmung deutet Konsequenzen an; Bündnisse werden neu sortiert. Filser versucht, Rückschläge als kluges Taktieren zu verkaufen und beruft sich auf Vaterland, Ordnung und Volksnähe. Die Satire weitet den Blick und kritisiert nicht nur eine Figur, sondern die Funktionsweise ihres Umfelds: Presselogiken, Bildungsfragen, kirchliche Einflüsse und die Routine des Amtsbetriebs. Leitend ist die Einsicht, dass Sprache als Instrument der Herrschaftsverwaltung dienen kann, indem sie Unsicherheit verdeckt und Verantwortung zerstreut.

Jozef Filsers Briefwexel entfaltet so ein zeitloses Lehrstück über die Verführbarkeit politischer Kommunikation. Der Text karikiert Eitelkeit, Halbkenntnis und strategische Sprachspiele, ohne sie an eine singuläre Affäre zu binden, und gewinnt daraus seine anhaltende Wirkung. Er zeigt, wie systemische Belohnungen Anpassung begünstigen und wie leicht das Pathos der Gemeinnützigkeit in Selbstzweck kippt. Die finale Wirkung bleibt bewusst offen und spoilerarm: Statt einer spektakulären Auflösung bleibt der Eindruck eines Kreislaufs aus Ankündigung, Deutung und Rechtfertigung. Darin liegt die übergeordnete Aussage des Werks und seine fortdauernde Relevanz als Satire auf Provinzpolitik und öffentliche Rede.

Historischer Kontext

Inhaltsverzeichnis

Das satirische Werk Jozef Filsers Briefwexel entstand im München des frühen 20. Jahrhunderts, im Königreich Bayern innerhalb des Deutschen Kaiserreichs. Die Prinzregentenzeit und ihre Fortwirkung prägten Kultur und Verwaltung, zugleich bestimmten Landtag, Ministerialbürokratie und katholische Kirche das öffentliche Leben. München war ein rasant wachsendes Kulturzentrum mit Verlagen, Redaktionen und Künstlerkreisen. In diesem Umfeld wirkten Zeitschriften wie Simplicissimus und Verleger wie Albert Langen als einflussreiche Institutionen der Satire. Politische Auseinandersetzungen wurden nicht nur im Parlament, sondern auch in Bierhallen, Vereinen und über die Presse geführt, was dem literarischen Kommentar besonderes Gewicht verlieh.

Jozef Filsers Briefwexel erschien 1912 im Münchner Verlag Albert Langen; Teile der Figuren- und Motivwelt waren zuvor in der satirischen Wochenzeitschrift Simplicissimus präsent. Der Autor, Ludwig Thoma (1867–1921), war gelernter Jurist und seit den 1890er Jahren als Schriftsteller und Journalist in München tätig. Das Buch nutzt den Briefroman als satirisches Mittel: eine Folge von Schreiben eines bäuerlich geprägten Lokalpolitikers, deren absichtsvoll fehlerhafte Orthografie einen sozialen und regionalen Tonfall markiert. Die Form erlaubte pointierte Anspielungen auf Amtsstuben, Parteiverkehr und Lokalverwaltung, ohne auf konkrete Einzelfälle festgelegt zu sein, und knüpfte an gängige Lesepraktiken der Zeit an.

Die politische Landschaft Bayerns im späten Kaiserreich war von Spannungen zwischen ländlich‑katholischen Milieus und zunehmend urban‑industriellen Zentren geprägt. Der bayerische Landtag und kommunale Gremien verhandelten Themen wie Steuerlasten, Schulaufsicht, Infrastruktur und die Rolle kirchlicher Träger. Katholische Parteimilieus und Bauernverbände besaßen großes Gewicht, während sozialdemokratische Organisationen in Städten an Einfluss gewannen. Zugleich besaß Bayern im Reich besondere Vorrechte, etwa im Heereswesen in Friedenszeiten und in Teilen der Verwaltung. Diese Gemengelage bot reiche Ansatzpunkte für satirische Beobachtungen über Patronage, Klientelpolitik und provinzielles Selbstbewusstsein, wie sie Filsers Schreiben als Geste des fordernden, sich selbst genügenden Lokalrepräsentanten vorführt.

Die Ausweitung von Verwaltung und Rechtspflege im Kaiserreich prägte den Alltag durch Amtsformulare, Eingaben und behördliche Korrespondenz. In Bayern wirkten Bezirksämter, Gemeinden, Gendarmerie und Ministerien als gestufte Instanzen, an die Bürger Anliegen schriftlich richteten. Der standardisierte Amtsstil, mit Floskeln, Titeln und Hierarchien, lieferte eine dankbare Zielscheibe für Satire. Die leistungsfähige Post- und Eisenbahninfrastruktur erleichterte den Briefverkehr, der sich im öffentlichen Bewusstsein als verbindliche Kommunikationsform festsetzte. Filsers fiktive Briefe nutzen diesen Rahmen, um die Distanz zwischen Anspruch und Ausdruck offenzulegen: ehrgeizige Forderungen treffen auf sprachliche Stolpersteine und offenbaren ein Verständnis von Macht, das in Formularlogik denkt.

Die satirische Öffentlichkeit Münchens war um 1900 stark: Simplicissimus, 1896 gegründet, verband politische Zeichnung, Erzählung und polemischen Kommentar und geriet wiederholt in Konflikt mit Behörden durch Beschlagnahmen und Prozesse. Daneben prägten Kabaretts wie Die Elf Scharfrichter (1901–1904) eine pointierte, oft antiklerikale Tonlage. Verleger Albert Langen etablierte ein Netzwerk, das satirische Stimmen bündelte und verbreitete. In diesem Umfeld arbeitete Ludwig Thoma, dessen Beiträge in Simplicissimus breite Leserschaft fanden. Die Kombination aus bildender Kunst, Journalismus und Buchproduktion schuf einen Resonanzraum, in dem literarische Satire wie der Briefwexel schnell verstanden wurde und öffentliche Debatten zuspitzte.

Die bewusste Orthografie des Briefwexel steht vor dem Hintergrund sprachlicher Normierung und Bildungsdebatten. Die Zweite Orthographische Konferenz von 1901 legte reichsweit verbindliche Rechtschreibregeln fest, verbreitet durch Schulbücher und den Duden. In Bayern bestand allgemeine Schulpflicht, doch prägten Dialekte weiterhin den Alltag, besonders im ländlichen Raum. Satirische Schreibweisen, die gesprochene Färbungen nachahmen, konnten soziale Differenzen und Bildungswege sichtbar machen, ohne reale Personen zu benennen. Thomas Verfahren nutzt diese Kontraste: zwischen Amtsdeutsch und mundartnaher Schreibe, zwischen Regelwerk und Praxis. So entsteht ein historisch verortbarer Kommentar zur Sprach- und Bildungspolitik des Kaiserreichs und ihrer Wahrnehmung durch Bürger.

Um 1900 erlebte München starkes Wachstum durch Zuzug, neue Industrien, elektrische Beleuchtung, ausgebautes Straßenbahnnetz und kommunale Modernisierung. Gleichzeitig behaupteten ländliche Traditionen, Vereinswesen und Wirtshauskultur ihre Geltung. Bierhallen und Stammtische dienten als Orte politischer Mobilisierung, von Gemeindefragen bis zu reichsweiten Themen. Diese Doppelbewegung – Modernisierung und Beharren – erzeugte Reibungen, die im satirischen Blick besonders sichtbar wurden. Filsers Anliegen, die sich um Bauprojekte, Ämter und Gefälligkeiten drehen, passen in das Spannungsfeld zwischen neuen technischen Möglichkeiten und alten Patronageformen. Der Briefwechsel zeigt, wie lokale Selbstbilder mit nationalen Programmen kollidierten, ohne die spezifische Komik dem zeitgenössischen Leser zu nehmen.

Jozef Filsers Briefwexel fungiert damit als literarischer Kommentar zur Spätphase des Kaiserreichs, speziell zur bayerischen Provinz- und Stadtpolitik. Ohne einzelne historische Affären auszustellen, verdichtet das Werk verbreitete Wahrnehmungen: Amtsroutine, kirchlich geprägte Milieus, Vereinsmacht, Pressewirksamkeit und die Sprachgrenzen sozialer Aufsteiger. Es zählt zu Thomas bekanntesten Satiren und wird als Zeitbild gelesen, das die politischen Umgangsformen, Erwartungen und Eitelkeiten einer monarchischen Gesellschaft spiegelt. Der epistolare Zugriff macht Strukturen sichtbar, die über den Einzelfall hinausweisen: wie Entscheidungen durch Beziehungen, Rhetorik und Schriftverkehr entstehen – und wie satirefähige Widersprüche in ihnen angelegt sind. Damit bleibt die Satire historisch lesbar.

Jozef Filsers Briefwexel (Satire)

Hauptinhaltsverzeichnis
Erstes Buch Briefwexel eines bayrischen Landtagsabgeordneten
Gelibte Leser
An Wollgeborn Frau Mari Filser
An den wohlgebornen Herrn Jakob Absreiter, Oekonom
An hochwierden hern Bfarrer Emeran Schanderl
An Wollgeborn Hern Jozef Filser,
An Herrn Bechler Gorbinian
An hern joseph Filser
An Hern Bechler Gorbinian
An den hochwierningen Gabidlforsdand und geischlingen Rad Dobias Angerer
An den Bechler Gorbinian
An hochwierningen Hern Bfahrer
An Hern Klämend Fischer, Schuhlerer
An Wollgeborn hern Josäph Filser,
An Wollgeborn Frau Mari Filser
An Ekselenz den Hern Joseph Filser
An Hern Gorbinian Bechler
An Hern Jozef Filser
An hochwiern hern Bfahrer
An den hochwierningen Gabidlforsdand
An hern Schtazionskommadand Lorenz Schmelzer
An hern Gorbinian Bechler, Bosdhalder
An Mari Filserin Ögonohmsgathin
Bolidische Gedanken
Erschtens: über die Rähligion
Zweidens: Über die Wiesenschaft
Dritens: Über die Kunzt
Fiertens: Über die Schtehlung bayerns zum Auslahnd
Zweites Buch Jozef Filsers Briefwexel
Gelibthe Leser
An Hern Sepastian Hartl
An Härn Gorbinian Bechler Boshalder
An Hern Dobias Angerer
An Härn Emerahn Schanderl bfahrer
An Hern Xafer Gneidl, Dischdrixrad
An hochwierningen Hern Bfahrer
An Wollgeborn Hern Kastuhlus Fiendler
An Hern Sepastian Hingerl Oegonohm
Beriechd des kenigl. Abgeorneten Jozef Filser ieber die Reiße auf den krigsschaublatz bedräf das bier bei Waserburg,
An Hern Matias Glasel,
An Hern Sepastian Gneidl,
An Hern Sepastian Gneidl kenigl. Abgeorneter im uhrlaub
Wähklahge über das aufgläste barlahmend
An das heulige Ohrdenariath
An hern Sepastian Gneidl
Das neie Barlahmend
An hern Sepastian Gneidl, Oegonohm
An hochwiern hern bfahrer Blasius
Nothabeni und Beschlüßung

Erstes Buch Briefwexel eines bayrischen Landtagsabgeordneten

Inhaltsverzeichnis

Gelibte Leser[3q]

Inhaltsverzeichnis

Ich bin der Jozef Filser, kgl. Abgeorneter[2] im Barlamend[1][1q].

Ich bin gebohren am 16 Sedember 1856 in Mingharding Bosd daselbst als der Sohn des Silfester und der Ursuhla Filser. Ich bin fon meinen Beruf Ögonohm und durch das Ferdrauen des Folkes barlamendarrischer Abgeorneter. Ich habe die Schuhle in Mingharting besucht und auch zu meiner Follkomenheid das Mäzgerhandwerg erlehrnt bis ich das elderliche Anwesen iebernahm und es noch besieze.

Die Milidärzeid habe ich Gozeidank in Minken zugebracht bein 2. Regerment[3] und ohne Schtrafe und bin ferheirated mit Maria Billmoser aus Sinzing wodurch man jez meinen Lebenslauf kent. -

Ich habe als Man des Folkes nichd gewißt das ich zur Regirung beruffen bin sontern inser hochwirninger Her Bfarrer hat es entdekt. Seit 1899 gehere ich zum Barlamend und ist es mein Bemiehen gerechd zun regihren. Ich bin bei dem Zendrum und mus bemergen das ich meinen Bardeischwuhr imer drei gehalden hawe.

Kelobt sei Jessas Kristo in ahler ewikeid[2q]. Ahmen. Diesses beschtetigt mit eigenhentiger Underschrift

Jozef Filser

An WollgebornFrau Mari Filser

Inhaltsverzeichnis

kenigl Abgeornetensgahtin in Mingharding

Bosd daselbst

Liebe Mari

Ich mus Dir schreiben, das ich gud ankomen bin und die fard war sehr schön in der erschden Klaß. Es war noch einer drin und ein Weibsbild und sie haben aber geschaut, wie ich hinein bin, und es war umadum lauter Samt und ich hab mir gar nicht ausschbeiben traut, weil es so fornehm war. Ich wär liber in der dritten Klaß gfarren, weil der Wagner Sepp drin war, aber leider ich mus erschder Klaß farren, weil ich im Barlamend bin. Libe Mari, gib obacht auf die Schallmoser Kuh, obst nichts am Eider findst und wenn Zau fett is, gibs dem Mezger Haimerl aber nicht dem Lechner Kaschbar, weil er mich beschiesen hat.

Libe Mari, ich hab aber doch ausgschbieben, weil ich müssen hab und der anderne Herr hat es dem Kondukdär gesagt, ob es vileicht erlaubt is, aber der Kondukdär hat sich nicht traut, weil mir regiren.

Dan sin mir nach Minchen komen und ich bin zum Bögnerwirth im Thal, wo mir den Bardeischwur leisten müssen.

Es sind viele geischtlinge Herren dagewesen, die wo gesagt haben, mir brauchen blos das Maul halden und sie machen es schon.

Libe Mari, ich bin froh, das ich keine Rede nicht halden brauch, sondern das Maul.

Darnach haben wir taroggt und ich hab dem bresidenten Orterer eine March siebsich abgewonen, denn das kan ich besser, wie die Großkopfeten.

Der Orterer is aber wild worn, und der Pichler hat gesagt, mir solen ihn gewinnen lasen, weil er sonst morgen nicht so gut regiren kan for lauder Wut.

Ich mag aber nicht.

Von mir aus könen sie uns mit der Bolidik alles anschaffen, das wir folgen missen, aber beim Taroggen versteh ich keinen Spas.

Libe Mari, ich glaub, das die Blaßlkuh bald stierig werd und du darfst es nicht verseimen.

Den beriemten Dokter Heim hab ich auch gesehen aber er is mit dem Daller zerhackelt und der Orterer macht eine anderne fozen, wenn er ihn siecht.

Libe Mari, ich mus jetzt mein Schreiben beschlüssen, denn mir missen morgen früh ins barlamend zum Regiren. Griese den Kleiber Wastl recht schön und der Huber sol den Kunstdunger bald schiggen, das mir ihn haben und lebe woll von deinen Dreien

Jozef Filser

Gib Zau nichd dem Lechner Kaschbar.

An den wohlgebornen HerrnJakob Absreiter, Oekonom

Inhaltsverzeichnis

in Mingharting,

Bosd daselbst

Lieber Freind

Indem du mich aufgevodert hast, wil ich mich hinsetzen und Dir unsere Bolidik beschreiben.

Sie get immer sehr spät an, weil mir erst um zehn Uhr anfangen, aber ich steh schon um siebn Uhr auf, das ich gar nicht weiß, was ich anfangen sol und ich geh in der Schtadt herum und schau die Leute zum arbeiten zu, aber um acht Uhr geh ich zum Donisl, wo es am fidöllsten ist und es gibt gute Weiswürschte.

Dan fergeht die Zeit bis ich langsam ins Barlamend gehe und die Auslagen anschaue mit ihre Bildeln. Da tätst schaugn alter Schpezi, was man da alles siecht, das einem gleich das Wasser im Maul zsammlauft, so fiele nackerte Weibsbilder. D’ Hauptsach siecht man nicht, liber Freind und Schpezi, aber das Milchzeug siecht man schon ganz frei oder ein Hinderkwartier, das nicht schlecht ist.

Gestern wie ich dortgestanden bin und schauge durch das Fenster auf ein blizsauberes Madel, das die eine Hand vorhald, du weist schon wo, und die anderne Hand for ihrem Milchzeug, komt auf einmal der Lerno und schaugt auch hinein und schbeibt for lauter Entriestung aus. Er hat gesagt, fui!

Liber Schpezi, das Madel war gans sauber, aber leider es ist unmorallisch.

Um zehn Uhr get die Bolidik an und mir gehen in das Barlamend hinein in den Sahl[6q]. Auf der einen Seit und in der Mitt sizen mir und machen beinah alles voll, denn mir sind die Mehreren, dan komen die lüberalen freimaurer und dan komen die Sozi. Oben auf siezt der Orterer und giebt Obacht auf ins, das nichts bassiert und bal einer die fotzen recht aufreist, schwengelt er mit seiner Glocken.

Es gibt sogenante Generalredner und Schpezialredner. Die Generalredner sind der Daller und der Pichler, weil sie es am besten wiesen und immer dran komen[4q].

Liber Freind, Du hast mir geschriben, ich soll es im Barlamend forbringen, das Dich der Schandarm[8] aufgeschrieben hat, weils Du an einen öffendlichen Weg Deine Notdurft[6] gemacht hast.

Liber Freind, ich bringe es schon for, aber der Pichler hat gesagt, das gehört ins Minisderium des Innern, aber jetzt hamm wir die Justits in der Arbeit. Ich glaube schon, das mir dem Schandarm eine Suppen einbrocken und das ihm der Minisder einen Deuter gibt, denn sie ziddern schon, wenn mir blos mit die Augn blinseln.

Es ist schad, das die Notdurft nicht zum Kuldusbidschö geheert, denn er ist inser bester Freind und zidderd noch mehrere wie die andern.

Ueberhaupts, liber Schpezi, wen Du wiesen thetest, was fir einen Reschpekt die Großkobfeden for uns haben, mechtest Du schaugn und keine Angst nicht mer haben zwegn Deiner Notdurft. Jetzt missen wir bald gegen den Blazed kembfen.

Liber Freind, du weist nicht, wer der Blazed ist; ich weis es auch noch nicht, aber der Daller sagt, wir missen ihm den Garaus machen. Es mus Einer sein, den wo die geischtlingen Herrn auf dem Strich haben, den beim Bögnerwirt legen sie oft die Karten hin und schimbfen auf ihm und der Pichler hat vorgestern seine Eichelaß verschunden und gar nicht mehr gewißt, daß der Eichelzehner schon geschmiert war von seinem Freind, weil er bloß auf den Blazed denkt hat. Wir missen ihn mit aller Kraft bekembfen, sahgt der Daller, so geht es nicht mer.

Mir ist es gans wurscht, aber ich kembfe schon gegen ihn.

Die Hauptsach ist, das mir eine Eisenbahn nach Mingharting krigen und ich will schon meinen ganzen Einflus ferwenden und nachschieben, das die Großkopfeden nicht wieder darauf fergessen.

Also brauchst keine Angst nicht haben. Deine Notdurft bring ich schon beim Minisderium des Innern for, und lase überhaupts nicht nach fier die Inderessen meines Wallgreis einzutreten, und lebe woll fon

Deinem lieben Freind

Jozef Filser,

Landagsabgeorneder

An hochwierden hernBfarrer Emeran Schanderl

Inhaltsverzeichnis

in Mingharting,

Bosd daselbst

hochwierden Herr Bfarrer,

Gelobt sei Jesses Kristo in aller ewigkeid amen. hofendlich is der herr Bfarrer gesund und kreizwollauf und die freilein Köchin, das sie iren Grobf mit schmaltz einschmierbt, bis er fergeht.

Ich bin auch wollauf in der schtadt Minken und regire, wie es der hochwierden Herr Bfarrer angeschapft hat und vergiß auch nicht auf die heulige Rehligion und friehmeß, aber leider den nahmidägigen Rosengrantz[4] kan ich nicht beiwonnen, indem das ich im Barlamend bresent sein mus, wo mir jetz beraten, wie Deier das Bir sein derf und nicht zwei Fennige mehr kost.

Ins Teeater und die andernen Freidenorte geh ich nicht und lase nicht meine unschterbliche Sele verterben, wo Herr Bfarrer geschriben hat,

Blos einmal bin ich im Koliseum gewest, aber es war keine Gefar nicht dabei, weil auch inser hochwierniger Herr Pichler dabei war und ein Hanswurscht hat auf dem Fotzhobel blast und is auf dem Kobf gestanden dabei, und sind aber keine Unkeischheiten nicht vorgekomen, sinst wär der Pichler nicht dagewesen. Der Hanswurscht war anderst fidöll.

Gestern hab ich mit meinem Bardeibruder Lerno in der Blänarsiezung gesbrochen, und er hat gsagt, wen die Freilein bfarrerköchin fieleicht einen fedden Hund abstiecht und sein Schmaltz auskocht, wen der Mond waxt, und auf ieren Grobf legt, fergeht er, weil er auch einen gehabt hat.

Beträf den abdrinnigen bfarrer Grandinger mus ich inen schreiben, das er sich recht kraudig macht und Reden halt als wen er auch einer wär, aber mir bassen nicht auf und lachen blos. Das is ser draurig, das ein Geistlinger bis auf die Freimaurer herunder komt.

Fieleicht is er eine Heumsuchung Gottes und man mus es mit Seifzen hinnemen, hat der Pichler gsagt, zur Briefung inserer Schtärke. Der fedde Hund fier die Freilein bfarrerköchin derf alles sein, blos kein schwartzer Budel und mus man drei Vaderunser betten, wen man das schmaltz auslast.

Die Oberbfälzer ham alle Gröbf und fertreiben in auf disse Weuse.

Jetzt hab ich noch eine Gewissensfrage, hochwierder herr bfarrer, weil ichs fergessen hab, ob ich fier oder gegen die Beamdenaufbäserung schtimme. In der Bardei is keine Einigkeid nicht forhanden, weil es verschieden ist und die, die wo was kriegen, sind schon dafier, aber die andern wo blos zahlen, sind nicht dafier.

Ich bitt schön, hochwierden herr Bfarrer, schreim sie mir meinen Schtandbunkt und obs sie noch befehlen, das inser Bezierksamtman zwegn seiner frechheit gegen inen fersezt wern mus und wohin ich in fersezen lase. Wen sie im nicht ferzeien, bin ich gantz ungnedig und tue in auf einen schlechten Bosden, wo er sich fieleicht besinnd, was er der geischtlingen Obrigkeid schuldig is.

Gesdern is die Viehzälung gewesd, so hat es meine Bäurin geschriebn, und sie ham mir alle Rindfiecher aufgschriebn.

Inen auch?

Ich mus es etz beschlüssen, und sagens der Freilein Köchin, das ieren Grobf mit hundsschmaltz einschmierbt und auf widersehn macht freide

Ir liber Freind

Jozef Filser,

Landagsabgeorneder

An WollgebornHern Jozef Filser,

Inhaltsverzeichnis

kenigl. Abgeorneter

Minken

im Barlamend

Liber Jozef

Ich mus dir schreim, weils mir der Bfahrer zum wiesen gmacht hat, das ier einen so hochen Daglohn kriegt.

Ich mus dir schreim, das ich es schon weis, das iers eksdra 400 March kriegt. Fieleichd meins du, ich weis es nüchd; aber ich weis es schon.

Der Bfahrer hat gsagt, das du 3600 March kriegsd und nicht mehr blos 10 March im Dag.

Liber Jozef, fieleichd schreibsd du wider, das es nüchd gelangt, weils du imer gsagd hast, das 10 March nüchd glangt.

Aber ich weis es jetz, das ier aufbäsert seids und du musd Geld heimbringen, sonsd bas auf!

Und 400 March hasd du eksdra kriegt, und ich weis es schon. liber Jozef, wo ich so fiel Ferdrus mit die Diensboden hab, weils du nüchd da bisd, musd du fieleichd das Geld ferbuzen?

die Zenzi is jetz ganz frech und hat gsagd, obs fieleicht nüchd gnug arbeit, sagds, und ich hab gsagd, sie sol nüchd mit den Rosknächt spenzeln, und sie sagd, mich gez einen Dräg an.

liber Jozef, es is gans ausgschamt, wies bei dem Mensch zuget und in der Nacht laufens mit die gnagelten Stifel einunaus und grad zugehn thuts. Vorgesdern bölld der Hund ich hab mir gleich denkt aha und schaug naus und es war dem Wagner sein Natzi und er hat schon ein Hagsen über der Aldan ghabt.

Gest oba! hab ich gschrien, und er schreid, am… liber Jozef, du weisd es schon.

In der fruh hab ich zu der Zenzi gsagd, ob ich fieleichd zuschaugn mus bei so was und sie hat gsagd, wens mich gfreut, derf ich auch zuschauen, und neiling hab ich gsagd, sie sol nüchd mit dem Rosknächt spenzeln und sie sagd, mich gez einen Dräg an.

Es is kein Reschbegd forhanden, weils du nüchd da bisd und fieleichd verbuzd dus Geld auch noch.

Aber ich weis es schon, das du 400 March kriegt hasd und fieleicht meinsd du, ich weis es nüchd.

wenn du bald kombst, bring mir ein baglmeite mit und eine Kuhken braugen mir auch.

Ich mus dir noch schreim, das den Wagner seine Binschgauerin ein Keiwel kriegt hat, is aber gleich feräkt, und die Bfahrerkechin reibt sich fleißig mit deinen hundsschmalts ihren Grobf ein, wo ich bin mit filen Grüßen von deiner liben

Mari Filserin.

Ferbuz das Geld nüchd!

An Herrn Bechler Gorbinian

Inhaltsverzeichnis

Bosthalder in

Mingharting

Bosd daselbst

Liber Schbezi.

Jetz bin ich wüder in Minken, Gozeidank, den ich mus Dirs sagen, das meine Alde schbinnt un si is iberhaupts narrisch, indem sie klaubt, das ich mein Geld ferbuz und fieleicht gar mit die Weibsbülder. liber Freind, Du kenzt mich und weist schon, das ich gern fidöll bin und auch waar es nücht zwider, was man siecht im Garnawal, wo die Madeln ihr fleusch in di Auslag hengen, das es einen gantz anderst wird bal man hinschaugt, aber liber Schbezi, Hand fon der butten, es san Weinperlen drin, und inser heuliger kadolischer Glaubn un der Saggerament der Ehe schteht mir vor Augen.

Mit dem Regirn hamm mir jetz wider ein Kreuz un es get eine bluatige Arbet an im barlamend. Gleich den erschten Dag hams mir drei dicke Heften geben und ham gsagt, es sünd Regirungsforlagn und Rehfirade zum Schtudieren, aber ich hab mir was denkt, ob ich fieleicht die drei Heften schtudier, wo ein jedes Dicker is wie der Sultspacher Galender und ich fieleicht Gobfweh krieg fon lauter Schtudieren und ich bin zum Schweinmezger gangen oder Scharkudier, wie mans heußt und hab die drei Heften fier zwei Gnackwürschte ferkauft un da hab ich doch was Dafon und brauch kein Gobfweh nücht zum kriegen.

liber Freind, in inserer bardei gracht es, weil der Dokder Heim jetz anderst aufdraht gegn den Hochwierden Hern Pichler, der wo der Alergescheidest sein mecht.

Eugenlich san mir vereidigt worn auf den Hern Pichler, aber ich mus es Dir schreim, das mir heumlich den Dogder fiel lieber habn, und das es ins gfreut, wen er dem Pichler solchene Fotzen hinhaut, das er gans Damisch werd und seine bletschen so draurig hengen last, das man gleich mit die Schlabbschuh drauf tretten kan.

Den er is sär hochmietig und er und der Orderer wiesen gar nicht for lauder Schtolz, was sie thun missen.

Zun beischpiel liber Freind, bin ich gestern auf den Abdrid gangen, weil ich missen hab un es sind zwei Abdrid im barlamend, einer mit einen feinen babier für die Geischtlingen und Herrn un der ander mit einem groben Babier fier ins Bauern. leider es hat bräsiert un aus den bauernabdrid hat einer geschrieen besäzt, das ich grad noch in den geischtlingen Abdrid komen bin und ich war froh.

Aber wie ich heraus bin und beim Zugnöpfeln war, schteht der Orderer da und schaugt mich gantz fuchsdeifelswild an un fragt mich, ob ich nicht weis, das es sein Abdrid is.