Julia Exklusiv Band 259 - Liz Fielding - E-Book

Julia Exklusiv Band 259 E-Book

Liz Fielding

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Beschreibung

FLAMMENDE EIFERSUCHT von FIELDING, LIZ Robert traut seinen Augen nicht: Daisy, die kleine Schwester seines besten Freundes, ist eine atemberaubende Frau geworden! Und ihre Wirkung ist enorm: Auf allen Partys fliegen ihr die Herzen der Männer zu - flammende Eifersucht packt den attraktiven Millionär … DIE GELIEBTE DES GRIECHISCHEN FÜRSTEN von LENNOX, MARION Lilys Entschluss steht fest: Um jeden Preis wird sie ihren kleinen Sohn suchen, der ihr kurz nach der Geburt geraubt wurde. Selbst auf die Gefahr hin, seinen Vater wiederzusehen, Fürst Alexander, den sie so geliebt hat und von dem sie sich schmerzlich trennen musste … LASS UNS DIE LIEBE ENTDECKEN von MILBURNE, MELANIE Emilys Ehe mit dem reichen Investor Damien Margate dient nur der Steuerersparnis - ist also eine rein geschäftliche Vereinbarung. Bis Emily sich in ihren Mann verliebt. Doch er scheint weit mehr an der Vertuschung alter Familiengeheimnisse interessiert als an ihr …

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Liz Fielding, Marion Lennox, Melanie Milburne

JULIA EXKLUSIV BAND 259

IMPRESSUM

JULIA EXKLUSIV erscheint in der HarperCollins Germany GmbH

Redaktion und Verlag: Postfach 301161, 20304 Hamburg Telefon: +49(0) 40/6 36 64 20-0 Fax: +49(0) 711/72 52-399 E-Mail: [email protected]
Geschäftsführung:Thomas BeckmannRedaktionsleitung:Claudia Wuttke (v. i. S. d. P.)Produktion:Jennifer GalkaGrafik:Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn, Marina Grothues (Foto)

Erste Neuauflage by HarperCollins Germany GmbH, Hamburg, in der Reihe: JULIA EXKLUSIV, Band 259 – 2015

© 2000 by Liz Fielding Originaltitel: „The Best Man and the Bridesmaid“ erschienen bei: Mills & Boon Ltd., London Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l. Übersetzung: Sabine Buchheim Deutsche Erstausgabe 2001 by CORA Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg,in der Reihe JULIA, Band 1449

© 2009 by Marion Lennox Originaltitel: „Claimed: Secret Royal Son“ erschienen bei: Mills & Boon Ltd., London Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l. Übersetzung: Andrea Zapf Deutsche Erstausgabe 2010 by CORA Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg,in der Reihe ROMANA, Band 1852

© 2003 by Melanie Milburne Originaltitel: „His Inconvenient Wife“ erschienen bei: Mills & Boon Ltd., London Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l. Übersetzung: SAS Deutsche Erstausgabe 2005 by CORA Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg,in der Reihe JULIA EXTRA, Band 235

Abbildungen: Harlequin Books S.A., alle Rechte vorbehalten

Veröffentlicht im ePub Format in 05/2015 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783733703646

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten. CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:BACCARA, BIANCA, ROMANA, HISTORICAL, TIFFANY, CORA CLASSICS

LIZ FIELDING

Flammende Eifersucht

Sie und Robert, der Freund ihres Bruders? Daisy glaubt nicht, dass ihr Liebestraum sich jemals erfüllen wird. Denn der faszinierende Bankier sieht in ihr immer noch das scheue Mädchen aus Jugendtagen. Bis Daisy auf Bitten ihres Chefs zu einer Vernissage ein besonders heißes Outfit wählt – und Robert plötzlich jeden ihrer Bewunderer mit Argusaugen verfolgt …

MARION LENNOX

Die Geliebte des griechischen Fürsten

Am Tag der Ernennung seines Bruders zum Thronfolger, der wie durch ein Wunder noch einmal Vater geworden ist, lässt Fürst Alexandros seinen Blick über die Gäste der Feier schweifen – und entdeckt Lily. Die Frau, die er für die Liebe seines Lebens hielt und die ihn ohne Abschied verließ. Vergeblich hat er sie gesucht. Was will sie jetzt auf seiner Insel?

MELANIE MILBURNE

Lass uns die Liebe entdecken

Er wollte nur eine Ehe auf dem Papier mit ihr – jetzt steht Damien vor einem Gewissenskonflikt: Wenn Emily ihn anschaut, überläuft ihn ein heißer Schauer. Wenn sie ihn anlacht, kann er nur daran denken, ihren wunderschönen Mund zu küssen. O ja, er will die Liebe mit seiner Frau entdecken, doch ein Familiengeheimnis steht dem gemeinsamen Glück im Weg …

Flammende Eifersucht

1. KAPITEL

Mittwoch, 22. März

Anprobe. Ich in Rüschen als Brautjungfer. Mein schlimmster Albtraum ist wahr geworden. Es ist einfach unmöglich, Ginnys Bitten zu widerstehen. Aber zuvor Lunch mit Robert. Die hübsche – und sehr schlaue – Janine hat ihm den Laufpass gegeben, und ich bin, wie immer, die nächste Schulter, an der er sich ausweinen kann. Krokodilstränen natürlich … Allerdings dürfte es interessant sein, mitzuerleben, wie er es aufnimmt, zur Abwechslung mal selbst der Sitzengelassene zu sein.

„Gelber Samt? Was ist verkehrt an gelbem Samt?“

„Nichts. Vermutlich.“ Wo er hinpasste. Wo immer das sein mochte.

„Wenn ein Auftritt als Brautjungfer ganz oben auf meiner Wunschliste stehen würde.“ Er kam jedoch erst an fünfhundertsiebenundzwanzigster Stelle – gleich nach einer Wurzelbehandlung ohne Betäubung. „Nichts, wenn mir die Idee gefallen würde, in ein Kleid gezwängt zu werden, das all die Teile meines Körpers betont, die Mutter Natur leider vernachlässigt hat.“ Daisy sah auf ihre Brüste, denen es wahrscheinlich an der erforderlichen Üppigkeit mangelte. Roberts Blick folgte ihrem, er schien über ihre fehlenden Kurven ernsthaft nachzudenken. „Absolut nichts“, fügte sie rasch hinzu, um ihn abzulenken, „wenn ich die Aussicht genießen würde, hinter der schönsten Braut des Jahrhunderts herzumarschieren, inmitten einer Schar ebenso schöner schwarzhaariger Cousinen, die allesamt in Gelb umwerfend aussehen werden.“

War sie etwa neidisch?

Oh ja.

„Vielleicht siehst du in Gelb auch umwerfend aus“, meinte Robert tröstend, klang aber nicht sonderlich überzeugend. Nun ja, das war auch nicht nötig. Hauptsache, er redete nicht mehr über Janine. Sie hatte genug darüber gehört, wie wundervoll Janine sei. Falls sie tatsächlich so wundervoll war, hätte er das Mädchen heiraten sollen.

Der bloße Gedanke daran bereitete ihr fast körperliche Schmerzen.

„Ich werde wie eine Ente aussehen“, verkündete sie finster. Eigentlich war es egal. Es war schließlich Ginnys Tag, und niemand würde auf sie, Daisy, achten.

„Wahrscheinlich.“ Robert versuchte erst gar nicht, sie aufzumuntern, sondern lächelte sie strahlend an. Immerhin hatte er sie genau aus diesem Grund zum Lunch eingeladen – sie sollte ihn aufheitern.

Der Trauzeuge hat es leicht, überlegte sie gereizt. Robert würde eine klassische Kombination tragen, und die schwierigste Entscheidung, die er treffen müsste, war die, ob er zu der grauschwarz gestreiften Hose einen grauen oder einen schwarzen Cut anziehen solle. Andererseits … Ginnys Mutter organisierte die Hochzeit mit der Besessenheit eines Hollywoodregisseurs. Alle Farben waren bis zum letzten Knopf haargenau abgestimmt, und daher war es höchst unwahrscheinlich, dass er sich über dieses Problem den Kopf zerbrechen müsste.

Nein. Robert hatte lediglich dafür zu sorgen, dass ihr Bruder pünktlich zur Trauung erschien, später würde er im richtigen Moment die Ringe reichen und eine kurze, amüsante Rede auf dem Empfang halten müssen. Daisy hatte all das schon früher erlebt. Robert war hinreißend auf Hochzeiten – besonders wenn es darum ging, zu gewährleisten, dass es nicht seine eigenen waren.

Er würde einen rauschenden Junggesellenabschied für Michael arrangieren und ihn trotzdem tadellos gekleidet, stocknüchtern und rechtzeitig vor dem Altar abliefern. Er würde die Ringe aufs Stichwort parat haben und alle Hochzeitsgäste mit seinem Witz bezaubern – und mit Sicherheit die hübscheste Brautjungfer für sich beanspruchen.

Spätestens beim Verlassen der Kirche würde sich seinetwegen jedes Frauenherz in hellem Aufruhr befinden. Nun ja, vermutlich nicht das der Braut. Und die Mutter der Braut hatte mit Sicherheit anderes im Sinn, aber die Schwester der Braut, die Cousinen der Braut, die Tanten der Braut …

Nicht dass Robert dazu auf formelle Garderobe angewiesen wäre. Frauen himmelten ihn an, wo immer er ging, was immer er anhatte. Schöne Frauen. Weltgewandte Frauen. Sexy Frauen. Und er brauchte nicht das Geringste zu tun – außer zu lächeln.

Die Brautjungfern hingegen waren der Brautmutter hilflos ausgeliefert. Daisy seufzte. Rüschen. Bänder. Samt. Das an sich war schon schlimm genug, warum, um alles in der Welt, musste Ginnys Mutter sich ausgerechnet für gelben Samt entscheiden? Man hätte meinen sollen, der ausschließlich aus Osterglocken bestehende Blumenschmuck in der Kirche wäre genug Gelb für alle …

„Du brauchst ja nicht meiner Meinung zu sein“, beschwerte sie sich weiter. „Ich habe mir jedenfalls größte Mühe gegeben, nicht Brautjungfer spielen zu müssen. Ginny hat mir sogar geschworen, dass ich nicht hinter ihr durchs Kirchenschiff trotten muss, gleichgültig, was meine Mutter sagt oder tut. Ich kann immer noch nicht fassen, dass Ginnys Mutter einem so wichtigen Mitglied der Inszenierung gestattet hat, kurz vor der Hochzeit Skiurlaub zu machen.“

„Ich schätze, man hat sie nicht um Erlaubnis gefragt, sonst hätte sie es mit Sicherheit verboten.“ Er lächelte. „Arme Daisy.“ Sie hätte fast alles getan oder erduldet, damit Robert sie so anlächelte. Sogar die Schmach durch gelben Samt. Er beugte sich vor und zerzauste ihr die blonden Locken, die sich widerspenstig unter dem Haarband kräuselten. „Und außerdem siehst du gar nicht aus wie eine Ente. Enten watscheln und du nicht.“

Nun ja, das Kompliment war zwar nicht unbedingt preisverdächtig, aber trotzdem errötete Daisy geschmeichelt. „Wirklich?“

Er lächelte. „Nein. Du meinst Entenküken.“

Das würde ihr eine Lehre sein, sollte sie je wieder in Versuchung geraten, eitel zu werden. „Genau. Flauschig und gelb.“

„Flauschig und gelb und …“

„Denk nicht einmal an die Bezeichnung ‚niedlich‘, Robert.“

„Es würde mir nicht im Traum einfallen“, beteuerte er, doch seine Augen verrieten ihn. Warme mokkabraune Augen, die eindeutig spöttisch funkelten. „Deine Nase ist zu groß, um niedlich zu sein.“

„Danke.“

„Und dein Mund auch.“

„Okay, ich hab’s begriffen.“

„Ehrlich, ich weiß gar nicht, warum du dich so aufregst. Du wirst süß aussehen.“

Aaargh! „Ich bin nicht für Samt und Tüll geschaffen“, erwiderte sie kühl. Elegante Kostüme, strenge Mantelkleider und weite Seidenhemden entsprachen eher ihrem Stil, sie schmeichelten ihren breiten Schultern und überdeckten den Mangel an Kurven. „Ich habe keinerlei Verlangen, Satinslippers anzuziehen und mir Rosenknospen ins Haar flechten zu lassen. Ich werde wie eine Sechsjährige aussehen.“

„Verstehe.“

Sie wartete ergeben auf das, was unvermeidlich folgen würde.

„Wie eine Sechsjährige … das könnte hinkommen.“

„Robert!“ Genug war genug.

Er nahm ihre Hand und hielt sie fest. Daisy gelangte zu dem Schluss, dass er sie gern den ganzen Tag beleidigen könne, wenn er dabei nur ihre Hand hielt. „Himmel, du zitterst ja! So habe ich dich noch nie erlebt.“ Das Zittern hatte absolut nichts mit dem Auftritt als Brautjungfer zu tun, aber … he! „Es ist doch kein Zwang, Liebes. Sag Ginny einfach, dass du es nicht machen kannst.“ Als ob das so einfach wäre! „Sie wird auch mit drei Brautjungfern auskommen.“

Gewiss würde sie das. Aber hier ging es nicht um „auskommen“, sondern um die perfekte Hochzeit, und Daisy konnte und wollte ihre künftige Schwägerin nicht im Stich lassen. Außerdem gab es keinen Ersatz für sie. Danach hatte sie sich längst erkundigt.

Robert würde das natürlich nicht verstehen. Sein ganzes Leben lang hatten sich die Leute darum gerissen, ihm jeden Wunsch zu erfüllen. Die meisten anderen Männer hätten sich vermutlich zu arroganten Scheusalen entwickelt, doch er war nicht nur der begehrenswerteste Mann, den sie wohl je kennenlernen würde, sondern auch gutmütig, großzügig und – wie Legionen verlassener Freundinnen mit ihrem letzten Atemhauch versichern würden – unbeschreiblich nett.

„Meine Mutter ist natürlich selig“, sagte sie. „Sie hatte schon die Hoffnung auf eine zweite Chance aufgegeben.“

Robert drückte mitfühlend ihre Hand. „Falls deine Mutter dich unbedingt als Brautjungfer sehen möchte, solltest du dich in dein Schicksal fügen, Liebes.“

Falls? Das war die Untertreibung des Jahres. Ihre Mutter lebte nach eigenen Gesetzen. Da eine Tochter bereits verheiratet war und pflichtschuldigst für Enkel gesorgt hatte, und der einzige Sohn unmittelbar vor dem großen Ereignis stand, hatte Margaret Galbraith nunmehr ihr jüngstes und schwierigstes Kind anvisiert. Vierundzwanzig und noch immer kein passender Verehrer in Sicht.

Phase eins des mütterlichen Plans umfasste eine grundlegende Veränderung von Daisys Image. Margaret Galbraith war durch und durch feminin und harmoniesüchtig. Seit Wochen schon versuchte sie, ihre Tochter zu einem Einkaufsbummel zu überreden, um sie mit der passenden Garderobe für eine so glanzvolle Hochzeit auszustatten, an der zweifellos unzählige begehrte Junggesellen teilnehmen würden. Nachdem sich nun eine der schwarzhaarigen Brautjungfern freundlicherweise auf der Skipiste das Bein gebrochen hatte und einzig Daisy als Ersatz infrage kam, schwebte ihre Mutter im siebten Himmel. Es gab nicht die geringste Aussicht auf Entrinnen.

Phase zwei und drei würden wahrscheinlich den Besuch im Schönheitssalon und die Dienste eines Starfigaros umfassen, der das widerspenstige Haar zumindest für einen Tag bändigen sollte. Daisy bedauerte aus ganzem Herzen die arme Seele, der diese undankbare Aufgabe zufiel.

Sie blickte auf Roberts Hand, die noch immer auf ihrer lag. Er hatte schöne Hände, mit langen, schmalen Fingern. Die dünne Narbe über den Knöcheln unterstrich die Kraft. Diese Narbe hatte er davongetragen, als er Daisy vor einem bissigen Hund gerettet hatte. Sie war damals sechs Jahre alt gewesen und hatte ihn schon damals geliebt.

Einen Moment lang gestattete sie sich, das schlichte Vergnügen seiner Berührung zu genießen. Aber nur einen Moment lang. Dann zog sie ihre Hand zurück und griff nach dem Weinglas. „Mutter hält mich für hoffnungslos schüchtern“, räumte sie ein. „Sie findet, es würde mir helfen, auch einmal im Mittelpunkt zu stehen.“

Er lächelte mitfühlend. „Du tust mir aufrichtig leid, Daisy, doch ich fürchte, dir bleibt nichts anderes übrig, als es mit Humor zu ertragen.“

„Ach ja?“

„Dafür hast du später wieder deine Ruhe“, versicherte er. „Und um meine Solidarität zu demonstrieren, werde ich eine gelbe Weste tragen“, fügte er aufmunternd hinzu.

„Eine gelbe Samtweste?“

„Notfalls auch das.“ Er hatte gut reden. Sie wussten schließlich beide, dass Ginnys Mutter keine Abweichungen von der festgelegten Kleiderordnung dulden würde. „Du könntest dein Haar schwarz färben, damit es zu den anderen Mädchen passt“, schlug er vor. „Ob allerdings ein schwarzes Entlein so reizvoll …“

„Du nimmst mich nicht ernst.“ Andererseits … Hatte er jemals etwas ernst genommen? Im Augenblick mochte er zwar betroffen sein, weil seine Freundin ihm den Laufpass gegeben hatte, aber es würde nicht lange dauern, bis er einen Ersatz gefunden hatte.

„Oder du trägst eine Perücke“, fuhr er unbeirrt fort.

Sie teilte ihm in unmissverständlichen Worten mit, wohin er sich die Perücke stecken könne.

Robert lachte laut auf. Nun, das hatte sie auch beabsichtigt. „Plustere dich nicht so auf, Entlein“, riet er neckend. „Du hast den Blick für die Realität verloren. Wen interessiert schon dein Äußeres? Alle Anwesenden werden nur Augen für die Braut haben.“

Für einen Mann, von dem es hieß, er könne ein Mädchen durch ein bloßes Heben der Augenbrauen verführen, fand Daisy diese Bemerkung äußerst uncharmant. Allerdings hatte er sie von jeher wie eine kleine Schwester behandelt, und seit wann musste ein Mann zu seiner Schwester charmant sein? Ihr eigener Bruder war es nie gewesen, und warum sollte sein bester Freund sich anders benehmen? Insbesondere da sie darauf geachtet hatte, ihre Beziehung auf diesem Niveau zu halten. Keine Flirts. Keine engen Kleider oder seidenen Blusen, wenn sie mit ihm zum Lunch verabredet war.

Sie liebte ihn zwar aus ganzem Herzen, doch dieses Geheimnis teilte sie nur mit ihrem Tagebuch. Robert Furneval war kein Bis-dass-der-Tod-uns-scheidet-Typ – und wenn man wirklich liebte, gab man sich nicht mit weniger zufrieden.

Sie leerte das Glas und erhob sich. Der Abschied von ihm fiel ihr immer schwer, und daher musste sie jede Gelegenheit nutzen, die sich ihr bot. „Wenn du das nächste Mal eine Schulter zum Ausweinen brauchst, Robert Furneval“, erklärte sie, „solltest du es mit den Gelben Seiten probieren, da du eine Schwäche für diese Farbe zu haben scheinst.“

„Nun komm schon, Daisy.“ Er hob ihre unförmige Handtasche auf und stand ebenfalls auf. „Du bist das einzige weibliche Wesen in meinem Bekanntenkreis, das immer vernünftig ist.“ Leider verdarb er das Kompliment, indem er hinzufügte: „Bis auf die fatale Neigung, deine Garderobe aus den Beständen deiner Großmutter zu rekrutieren. Verschon mich also mit dem Gejammer über irgendein lächerliches Brautjungfernkleid. Es verlangt doch niemand von dir, dass du deine Beine zeigen sollst.“

„Was hast du über meine Beine gehört?“, erkundigte sie sich misstrauisch.

„Gar nichts. Ich erinnere mich nur zufällig, dass du knochige Knie hast. Vermutlich bist du deshalb so versessen darauf, sie zu bedecken. Hosen, Jeans, lange Röcke …“ Er lächelte jungenhaft.

Dieses Lächeln ließ sie regelmäßig schwach werden. Natürlich war sie nicht so dumm, darauf hereinzufallen, aber trotzdem schwanden alle guten Vorsätze dahin, endlich gegen ihre hoffnungslose Liebe zu Robert Furneval anzukämpfen.

„Du willst doch nicht, dass ich dich belüge und behaupte, du würdest in Gelb hinreißend aussehen, oder?“

Es wäre zumindest nett, dachte sie. Nur einmal. Andererseits hatten sie einander nie angelogen.

„Wir sind Freunde. Und Freunde brauchen sich nichts vorzumachen.“

Ja, sie waren Freunde. Sie klammerte sich an diesen Gedanken. Robert mochte sie zwar nicht mit Rosen überschütten und sie in teure kleine Restaurants ausführen, um sie mit Räucherlachs und Trüffeln zu verwöhnen, aber dafür ließ er sie auch nicht in ein paar Monaten fallen. Sie waren echte Freunde. Die besten Freunde. Und dabei musste sie es belassen, wenn sie auch weiterhin ein Teil seines Lebens sein wollte.

Und sie war ein Teil seines Lebens. Er erzählte ihr alles. Sie wusste Dinge über Robert, von denen wahrscheinlich selbst ihr Bruder keine Ahnung hatte. Sie begnügte sich mit der Rolle einer aufmerksamen Zuhörerin und war immer für ihn da, wenn er gerade keine feste Partnerin hatte – sie traf ihn zum Lunch oder begleitete ihn auf Partys. Allerdings hatte sie sich nie der Illusion hingegeben, dass sie die Gesellschaft auch gemeinsam verlassen würden.

Nicht dass er sie je allein zurückgelassen hätte. Er sorgte stets dafür, dass ein vertrauenswürdiger junger Mann sie nach Hause brachte. Vertrauenswürdig und langweilig und einfältig. Anschließend pflegte er sie noch wochenlang mit ihrem „neuen Freund“ zu necken.

„Das stimmt doch, oder?“, hakte er nach.

„Wie bitte?“ Daisy bemerkte seine leicht gerunzelte Stirn. „Oh, einander etwas vormachen? Nein. Das würde ich nie von dir verlangen“, beteuerte sie rasch und sah auf die Uhr. „Ich muss jetzt gehen und mich der Demütigung unterziehen, das Kleid ändern zu lassen.“

„Ändern?“

„Die Kleider sind im Empirestil geschnitten.“ Sie legte ihre Hände unter die kleinen Brüste. „Du weißt schon, wie in diesen Jane-Austen-Verfilmungen. Die anderen Mädchen haben dafür die passende Figur, ich leider nicht.“

„Trag doch einen dieser BHs, die alles heben und zusammenpressen“, riet er.

„Dazu muss man etwas haben, das sich heben und zusammenpressen lässt.“

Dem konnte selbst er nicht widersprechen. „Mach dir darüber keine Sorgen, Daisy. Es wird alles gut. Und die Hochzeit wird bestimmt sehr lustig.“

Sie lächelte wehmütig. „Für dich vielleicht. Der Trauzeuge kann unter den Brautjungfern wählen, nicht wahr?“

Er sah sie prüfend an. „Dich konnte ich noch nie täuschen, oder?“

„Nie“, bestätigte sie.

„Dann solltest du jetzt zur Anprobe gehen, damit du mir am Samstag alles berichten kannst.“

„Samstag?“

„Monty gibt eine Party. Ich hole dich um acht ab, damit wir vorher noch eine Kleinigkeit essen können.“

Es schien ihm gar nicht in den Sinn zu kommen, dass sie bereits andere Pläne haben könnte. Flüchtig erwog sie, ihm zu erzählen, dass sie am Sonnabend beschäftigt sei. Allerdings gab es ein winziges Problem: Seit sie alt genug war, um ihrem Bruder und seinem besten Freund hinterherzukrabbeln, war sie nie zu beschäftigt für Robert gewesen. „Halb zehn würde mir besser passen“, behauptete sie, nur um sich wichtig zu machen.

„Halb zehn?“, wiederholte er verwundert.

„Eigentlich wäre zehn Uhr noch besser. Ich muss leider auf das Dinner verzichten.“

„Oh. Bist du sicher, dass du es zur Party schaffst?“ Sein gekränkter Tonfall bereitete Daisy diebische Freude. „Du hast dir doch nicht etwa einen Freund zugelegt, oder? Immerhin bist du mein Mädchen.“

„Bin ich nicht“, entgegnete sie mit einem bezaubernden Lächeln. „Ich bin deine Freundin. Das ist ein himmelweiter Unterschied.“ Seine Freundinnen blieben höchsten zwei, drei Monate, dann hörten sie die Hochzeitsglocken läuten, und er trennte sich scheinbar zutiefst betrübt von ihnen. „Ich wollte sowieso zu Monty und würde mich über eine Mitfahrgelegenheit freuen.“ Von Zeit zu Zeit musste man ihn daran erinnern, dass sie nicht nach seiner Pfeife tanzte. Von Zeit zu Zeit musste sie sich das auch vor Augen führen, selbst wenn es bedeutete, dass sie auf ein Abendessen in einem exklusiven Restaurant verzichten und sich zu Hause mit einem Sandwich begnügen musste.

Nachdem es ihr gelungen war, Roberts Weltbild ein wenig anzukratzen, hielt sie ihm die Wange zum Kuss hin – und prompt begann ihr Herz zu rasen. Es wäre so leicht gewesen, die Umarmung zu verlängern, genauso leicht wie den Lunch auszudehnen und noch Kaffee und ein Dessert in Roberts Gesellschaft einzunehmen. Aber Daisys Kleine-Schwester-Gebaren hatte Grenzen, wenn sie den körperlichen Kontakt nicht sofort beendete, würde sie den Nachmittag damit verbringen, verträumt die Wände anzustarren.

Außerdem war diese Distanziertheit vermutlich der einzige Grund, weshalb er sich mit ihr nicht langweilte.

„Danke für den Lunch, Robert. Wir sehen uns am Samstag“, erklärte sie fröhlich und eilte zum Ausgang, ohne sich noch einmal umzuwenden. Heute war es besonders schwer gewesen. Schwerer als sonst. Heute war er ungebunden gewesen und verwundbarer, als sie ihn je erlebt hatte. Vielleicht hatte sie deshalb so viel Aufhebens um das Brautjungfernkleid gemacht. Nicht um Robert aufzuheitern, sondern um sich selbst abzulenken.

Am liebsten hätte sie die Anprobe vergessen und vorgeschlagen, er möge mit ihr durch den Park bummeln. Dann hätte sie sich bei ihm einhaken und ihn unter dem Vorwand, ihm ihren neuen Computer zeigen zu wollen, in ihre Wohnung einladen können, um ihn mit Kaffee und Brandy zu verwöhnen.

Das Problem war nur, dass sie Robert und seine kleinen Schwächen zu gut kannte. Heute war sein Selbstbewusstsein durch die Trennung von seiner Freundin so angeschlagen, dass er womöglich in Versuchung geraten wäre herauszufinden, was sich unter Daisy Galbraiths unmodischer Aufmachung tatsächlich verbarg. Und was dann?

Es würde nicht lange dauern, bis eine andere, elegantere, schönere Frau seine Aufmerksamkeit erregte. Und danach würde wieder Funkstille eintreten. Keine Verabredungen zum Lunch. Keine Sonntagmorgen, an denen er mit seinen Angelruten auftauchen und sie auffordern würde, ihn zum Fischen zu begleiten. Keine langen Spaziergänge mit den Hunden. Stattdessen würde nichts als Verlegenheit herrschen, falls sie einander zufällig begegneten.

Und, was am schlimmsten war, sie müsste so tun, als wäre es ihr gleichgültig, denn ihr Bruder würde es seinem besten Freund nie verzeihen, dass er seiner kleinen Schwester das Herz gebrochen hatte.

Obwohl eine verräterische innere Stimme sie gelegentlich drängte, sich von Roberts gefährlichem Zauber durch eine Affäre mit ihm zu befreien, ignorierte Daisy tapfer diesen Impuls. Sie mochte zwar naiv sein, aber sie war nicht dumm. Sie liebte ihn, seit sie den damals Siebenjährigen von ihrem Kinderstuhl aus erblickt hatte. Sich von ihm zu befreien war das Letzte, was sie auf dieser Welt wollte.

„Wünschen Sie noch Kaffee, Sir?“

Robert schüttelte den Kopf und zeichnete die Rechnung ab. Dann eilte er ebenfalls zum Ausgang, in der unsinnigen Hoffnung, Daisy einzuholen, um mit ihr durch den Park zu wandern. Ein langsamer Bummelschritt passte nicht zu ihr, sie trug stets festes Schuhwerk oder, wie heute, bequeme Stiefeletten. Er war gern mit ihr zusammen. Schon immer, auch als sie noch ein kleines Mädchen mit knochigen Knien gewesen war, das ihm und Michael überallhin nachgelaufen war.

Plötzlich stutzte er. Gelb? Was war mit Gelb nicht in Ordnung? Was störte sie an dem Ausdruck „niedlich“? Und warum gefielen ihr keine Entchen?

Als er auf der Straße stand, sah er ihren blonden Haarschopf in der Ferne entschwinden und erkannte, dass er zu spät aufgebrochen war. Auch gut. Er würde sie schließlich am Samstag treffen. Während er ein Taxi herbeiwinkte, runzelte er die Stirn. Zehn Uhr? Was, um alles in der Welt, würde sie bis zehn Uhr machen?

Nackt bis auf die Unterwäsche, betrachtete Daisy sich in den im Halbkreis aufgestellten Spiegeln. Was sie sah, trug nicht unbedingt dazu bei, ihr Selbstvertrauen zu steigern, und daher war sie beinahe dankbar, als endlich gelber Samt ihre körperlichen Unzulänglichkeiten bedeckte.

Die Schneiderin zerrte und zupfte an dem viel zu weiten Gewand herum und bemühte sich verzweifelt, es Daisys fehlenden Kurven anzupassen. Nach einer Weile nickte sie zufrieden. „Fertig.“ Wegen der Stecknadeln zwischen ihren Lippen sprach sie recht undeutlich. „Können Sie Anfang nächster Woche noch einmal vorbeikommen?“

„Ich kann Sie wohl nicht überreden, etwas über den Stoff zu schütten? Milchkaffee vielleicht? Oder schwarze Tinte?“

„Gefällt Ihnen das Kleid denn nicht?“, fragte die Frau erstaunt.

„Bei meiner Haarfarbe ist Gelb für mich nicht gerade erste Wahl.“

„Nun, es gibt für alles ein erstes Mal.“

„Ja, und ein letztes.“

„Es ist nur ungewohnt, mehr nicht. Mit dem richtigen Make-up werden Sie eine wirklich hübsche Brautjungfer abgeben.“

Gütiger Himmel, auch das noch! Ihre Mutter träumte von einer hübschen Tochter, und Daisy wollte keinesfalls den Eindruck erwecken, als hätte sie die Absicht, mit den anderen Brautjungfern zu konkurrieren.

„Daisy!“ Ginny stürmte mit ihren Cousinen in den Salon.

Alle Mädchen waren dunkelhaarig und bildschön. Robert wird sich blendend amüsieren, dachte sie deprimiert.

„Du bist früh dran.“

„Nein, Liebes, ihr habt euch verspätet.“

„Ach ja? Tatsächlich! Wir waren im Kosmetiksalon“, erwiderte Ginny. „Eine Gesichtsmaske würde dir auch nicht schaden.“

Diese Bemerkung hätte man so oder so auffassen können, doch Daisy war klar, dass Ginny es nicht böse meinte. Ihre künftige Schwägerin war einfach unfähig, jemanden zu kränken. Und obwohl ihre Figur einiges zu wünschen übrig ließ, wusste Daisy, dass ihr Teint makellos war. Leider vermochte eine Gesichtsmaske herzlich wenig an einer zu langen Nase und einem zu breiten Mund zu ändern.

Atemlos und ein bisschen deprimiert betrat Daisy ihr Büro.

„Da bist du ja.“

Ja, da war sie nun. Und das würde vermutlich bis zum Ende ihrer Tage so bleiben. Sie war Roberts beste Freundin und Begleiterin auf Abruf. Da Selbstmitleid jedoch nichts half, riss sie sich zusammen. „Tut mir leid, George, aber ich habe dich gewarnt, dass ich später kommen könnte.“

„So?“ George Latimer war fast siebzig, und obwohl ihm auf dem Gebiet orientalischer Kunstgeschichte kaum jemand das Wasser reichen konnte, ließ sein Kurzzeitgedächtnis stark zu wünschen übrig.

„Ich musste zur Anprobe für das Brautjungfernkleid“, erinnerte sie ihn.

„Ach ja. Und du warst mit Robert Furneval zum Lunch verabredet“, fügte er versonnen hinzu. Daisy, die gerade ihre Jacke aufhängen wollte, hielt mitten in der Bewegung inne. Sie hatte lediglich gesagt, dass sie mit einem Freund zu Mittag essen wollte, Robert hatte sie mit keiner Silbe erwähnt. „Deine Garderobe hat dich verraten, Liebes.“

„Inwiefern.“

„Du bist vom Hals bis fast zu den Füßen in äußerst unvorteilhaftes Braun gekleidet. Hast du etwa Angst, er könnte den Kopf verlieren und dich im Restaurant verführen, falls du bei einem Treffen mit ihm etwas auch nur annähernd Reizvolles trägst? Ich frage nur, weil ich den Eindruck habe, dass die meisten jungen Frauen diese Erfahrung genießen würden.“

Ihr geheucheltes Erstaunen hatte ihn also nicht täuschen können. Sein Kurzzeitgedächtnis mochte vielleicht lückenhaft sein, doch seine Augen trogen ihn nicht.

„Ich wusste gar nicht, dass du Robert kennst“, meinte sie ausweichend.

„Wir sind uns schon begegnet. Ich kenne seine Mutter. Charmante Frau. Sie ist fast eine Expertin auf dem Gebiet japanischer Netsuke-Kunst. Als sie hörte, dass ich einen Assistenten suche, rief sie mich an und hat dich empfohlen.“

Verblüfft setzte Daisy sich. „Davon hatte ich keine Ahnung.“

Jennifer Furneval war immer nett zu ihr gewesen, sie hatte Mitleid mit dem mageren Teenager gehabt, der sie ständig besucht hatte, in der Hoffnung, endlich von ihrem Sohn bemerkt zu werden. Mit keinem Wimpernzucken hatte sie verraten, dass sie die Gründe für Daisys plötzliches Interesse an der fernöstlichen Figurensammlung durchschaut hatte. Im Gegenteil, sie hatte ihr Bücher geliehen und ihr somit eine plausible Ausrede für weitere Besuche verschafft. Und irgendwann hatte sie ihr vorgeschlagen, Kunstgeschichte zu studieren.

Natürlich hatte Daisy zu diesem Zeitpunkt längst aufgehört, Roberts Aufmerksamkeit erregen zu wollen. Und zwar genau an dem Tag, als er Lorraine Summers küsste.

Daisy war sechzehn gewesen und hatte nur aus Armen und Beinen bestanden – ein scheuer Teenager, dessen Kurven sich hartnäckig weigerten, die gewünschten Formen anzunehmen, und mit einer widerspenstigen Haarmähne, die sich durch keinerlei wie auch immer geartete Bemühungen in Form bringen ließ.

All ihre Freundinnen waren zu anmutigen Schönheiten herangewachsen, zu stolzen Schwänen, während sie noch immer mit den Eierschalen kämpfte. Das sprichwörtliche hässliche Entlein. Das störte sie allerdings nicht allzu sehr, denn die Schwäne, die Robert schöne Augen machten, waren viel zu jung und ernteten nur ein nachsichtiges Lächeln. Daisy hingegen hielt den Blick gesenkt und begnügte sich damit, ihm beim Fischen zuzusehen.

Ihre Zurückhaltung wurde in jenem wunderbaren Sommer belohnt, als Michael im Ausland war und Robert ihr eine alte Angel schenkte und ihr zeigte, wie man damit umging.

Das und der Weihnachtskuss, den er ihr unter dem Mistelzweig gab. Es war das schönste Geschenk, das sie in diesem Jahr bekommen hatte. Das Hochgefühl dauerte bis zum Juni an – bis sie ihn Lorraine Summers küssen sah und erkannte, dass Küsse weitaus mehr bedeuten konnten, als sie sich je hätte träumen lassen.

Lorraine war ein Schwan. Makellose Figur, glänzendes blondes Haar und jene unvergleichliche Weltgewandtheit, die ein Mädchen nur durch einen einjährigen Aufenthalt in Frankreich erreichen konnte. Robert hatte gerade das erste Jahr in Oxford erfolgreich absolviert und war zu Besuch zu Hause. Daisy lief schnell hinüber, um zu gratulieren und sich zu erkundigen, ob er am Sonntag fischen gehe. Leider war Lorraine – mit ihren Designerjeans, den lackierten Fingernägeln und angemalten Lippen – vor ihr eingetroffen.

Danach schaute Daisy nur noch dann bei Jennifer Furneval vorbei, wenn sie sicher sein konnte, dass Robert nicht da war.

Natürlich besuchte er auch weiterhin seine Mutter. Obwohl Daisys Bruder inzwischen in den Staaten studierte, kam Robert gelegentlich am Sonntagmorgen mit dem Hund seiner Mutter oder der Angelausrüstung vorbei. Warum auch nicht? Schließlich konnte er immer darauf zählen, dass sie ihm Sandwiches schmierte und die Thermosflasche mit frischem Kaffee füllte. Lorraine und ihre unzähligen Nachfolgerinnen hatten sich nie die Mühe gemacht, seinetwegen im Morgengrauen aufzustehen – und das alles für die zweifelhafte Ehre, nasse Füße zu bekommen.

„Ich glaube, sie sorgt sich um ihn“, stellte George Latimer nach einer kurzen Pause fest.

„Um Robert? Warum? Er ist doch in jeder Hinsicht erfolgreich.“

„Mag sein. Finanziell. Aber wie jede Mutter möchte sie, dass er sesshaft wird, heiratet und eine Familie gründet.“

„Darauf kann sie lange warten. Robert ist mit seinem Junggesellenleben vollauf zufrieden. Er hat eine Wohnung in London, einen Aston Martin in der Garage und kann jedes Mädchen haben, das er will. Warum sollte er all das für ein Haus in irgendeinem Vorort, einen Kombiwagen und schlaflose Nächte aufgeben?“ Jedenfalls nicht für schlaflose Nächte, die durch ein schreiendes Baby verursacht wurden.

Darauf wusste George nichts zu erwidern. „Deshalb also ziehst du dich so scheußlich an, wenn du mit ihm verabredet bist.“

„Wir sind Freunde, George. Gute Freunde. Und dabei will ich es auch belassen. Ich will nicht, dass er mich mit einem seiner Mädchen verwechselt.“

„Verstehe.“

Daisy fühlte sich unter George Latimers nachdenklichem Blick unbehaglich, und so wandte sie sich in Richtung ihres Büros, um zu beweisen, dass das Thema für sie beendet sei. „Soll ich Tee holen? Wir könnten dann den Katalog durchgehen.“ Sie deutete auf den Hochglanzprospekt, der für den Verkauf eines prächtigen Landsitzes warb.

Er blickte auf das Verzeichnis in seiner Hand, als könnte er sich selbst nicht erklären, wie es dorthin gelangt war. „Oh ja. Es wird unter anderem auch eine erlesene Porzellansammlung versteigert. Ich möchte, dass du die Objekte am Dienstag begutachtest.“ Sie war zutiefst geschmeichelt über diesen Vertrauensbeweis. „Du weißt, worauf du achten musst. Da du die Galerie repräsentieren wirst, wäre ich dir allerdings dankbar, wenn du Robert Furneval während deines Aufenthaltes aus dem Weg gehen würdest.“ Er blinzelte sie über den Rand seiner Halbbrille an. „Zieh das dunkelrote Kostüm mit dem kurzen Rock an.“

„Mir war gar nicht klar, dass du dich so für meine Garderobe interessierst, George.“

„Ich bin ein Mann. Und ich mag schöne Dinge. Hast du vielleicht auch dazu passende hochhackige Schuhe?“, fuhr er zu ihrem Entsetzen fort. „Damit könntest du das andere Geschlecht wunderbar ablenken.“

„Ich bin schockiert, George.“ Daisy zögerte. „Ich habe neulich in einer Boutique hinreißende Pumps entdeckt. Darf ich sie über meine Spesen abrechnen?“

Seine Augen funkelten vergnügt. „Nur wenn du mir versprichst, sie beim nächsten Mal zu tragen, wenn Robert Furneval dich einlädt.“

„Oh. Na schön. Dann muss ich eben auf die bequemen, flachen Treter zurückgreifen. Eigentlich schade.“

2. KAPITEL

Samstag, 25. März

Ich habe die Schuhe gekauft. Sündhaft sexy, sündhaft teuer, aber ich habe das Geld verwendet, das Dad mir zum Geburtstag geschickt hat. Am liebsten würde ich sie heute Abend auf Montys Party tragen! Ich würde es sogar tun, wenn Robert nicht auch dort wäre. Ob sonst noch jemand gemerkt hat, dass ich mich anders kleide, sobald er in der Nähe ist? Michael vielleicht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Michael die Wahrheit kennt und– da er keine Versuche unternimmt, uns miteinander zu verkuppeln– mich versteht. Vermutlich spiele ich bis zu Roberts Pensionierung die Lückenbüßerin. Und bin noch immer allein.

Daisy hatte viel Zeit, darüber nachzudenken, was sie zu der Party anziehen solle. Und auch viel Zeit, sich mit allen möglichen Schimpfnamen zu belegen.

Statt mit Robert in irgendeinem exquisiten kleinen Restaurant zu dinieren, hatte sie sich, von falschem Stolz geleitet, für ein Sandwich mit Hüttenkäse und eine alberne Fernsehshow entschieden. Dass es sich um eine vernünftige Wahl gehandelt hatte, machte die Sache keineswegs angenehmer.

Das war doch kein Leben! Sie schaltete den Fernseher aus, schob das halb gegessene Sandwich beiseite und ging zum Kleiderschrank. Nur weil sie wusste, dass es besser war, sich nicht in die Schlange von Roberts Verehrerinnen einzureihen, brauchte sie ja nicht gänzlich auf männliche Aufmerksamkeit zu verzichten– und sei es auch nur, um den unausgesprochenen Verdacht ihrer Mutter zu entkräften, sie sei womöglich nicht am anderen Geschlecht interessiert.

Sie mochte zwar nicht mit Roberts hinreißenden „Mädchen“ konkurrieren können, doch manche Männer schienen sich durch fehlende Kurven nicht abschrecken zu lassen. Einige der jungen Kavaliere, die Robert auserkoren hatte, sie von anderen Partys heimzubegleiten, hatten mehr als einen Annäherungsversuch gestartet. Ein oder zwei waren sogar noch hartnäckiger gewesen. Sie hatten sie eingeladen und immer wieder angerufen, bis sie ziemlich deutlich geworden war …

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